Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Karoline (Lea) Stadler, 09. Adar II 660 (= Schabbat, 10. März 1900)

Standortnummer: 640

  • Grabstein Stadler Karoline - 10. März 1900

    Foto 1993

  • Grabstein Stadler Karoline - 10. März 1900

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Karoline Stadler: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פנ
[2] die edle Frau, die Bescheidene und Prachtvolle, האשה היקרה הצנועה והמפוארה
[3] Frau Lea, מרת לאה
[4] Witwe des gerechten und prachtvollen Rabbinischen אלמנת הרבני הצדיק המפואר
[5] des MORENU Salman Stadler, a(uf ihm sei) F(riede). כמו“ה זלמן שטאדלער ע“ה
[6] und Tochter des berühmten, angesehenen, e(hrenhaften) H(errn) Löb Wolf, a(uf ihm sei) F(riede). ובת הנגיד המפורסם כ“ה ליב וואלף ע“ה
[7] Eine Frau von edlem Geist und redlichem Herzen. אשה יקרת רוח ואמונת הלבב
[8] Herrliches sagt man von ihr über ihre Tugenden und Eigenschaften. נכבדות מדבר בה במעלות ומדות
[9] Sie erwarb sich einen guten Namen in Ruhm und Ehren, קנתה שם טוב לתהלה ולתפארת
[10] sie tat Großes und wird demgemäß Gnade ernten. עשתה חיל ותקצר לפי חסד
[11] Sie starb am h(eiligen) Sch(abbat), dem 9. Adar II 660 מתה ביום ש“ק ט אדר שני תרס
[12] und wurde ehrenvoll begraben am Sonntag unter Anteilnahme der Angehörigen ונקברה ביום א בכבוד בקבוץ בני
[13] und der Vorstände ihrer Familie aus nah und fern. ובעלי משפחתה מקרוב ומרחוק
[14] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה

Sockel

Inschrift Karoline Stadler: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Friedländer & Deutsch Wien



Anmerkungen

Zeile 2: Babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 53b צנועה אשה.

Zeile 5: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 7: Sprüche 17,27 וקר (ק: יקר) רוח.

Zeile 8: Vgl. Psalm 87,3 „Herrliches sagt man über dich, (Stadt unseres Gottes, Sela)“.

Zeile 9: קנה שם טוב Babylonischer Talmud, Traktat Avot II,8 „…hat er einen guten Namen erworben, hat er etwas für sich erworben“. Der gute Name kommt im Gegensatz zu allen anderen geistigen und sittlichen Gütern fast ausschließlich dem Besitzer zugute und bleibt auch nach dem Tod sein eigen (Hirsch Samson Raphael, Siddur. Israels Gebete, Zürich-Basel 1992, 443); s. auch Avot IV, 7 „… Drei Kronen gibt es: die Krone der Tora, die Krone des Priestertums und die Krone des Königtums; die Krone des guten Namens aber erhebt sich über sie“ ‎‏‏ … שלשה כתרים הן: כתר תורה וכתר כהונה וכתר מלכות: וכתר שם טוב עולה על גביהן.

Vgl. Jeremia 13,11 „…(das Haus Juda soll mir werden)…zum Namen, zum Preis und zum Ruhm …ולשם…ולתהלה ולתפארת…; vgl. bes. auch Deuteronomium 26,19.

Zeile 10: Vgl. Psalm 118,15.16 עשה חיל u.a.

Vgl. Hosea 10,12 „…so werdet ihr ernten gemäß der (göttlichen) Liebe…“ …קצרו לפי חסד….


Biografische Notizen

K/Caroline (Lina, Lea) Stadler, geb. Wolf im März 1840 in Eisenstadt, gest. mit 60 Jahren an Schlagadernverkalkung; wh: Eisenstadt, Permayerstraße 312.

Vater: Leopold Wolf, gest. 11. Jänner 1866, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt
Mutter: Rosa Wolf, geb. Spitzer, gest. 16. Februar 1882

Ehemann: Salomo Stadler, geh. 26. Juli 1858 in Eisenstadt, gest. 10. Dezember 1894. Salomon war bei der Hochzeit 30 Jahre, Caroline 18 Jahre alt.

Schwestern:
Kathi (Elka/Elki) Spitzer, gest. 26. Jänner 1885

Therese (Resl) Wolf, gest. in Neudörfl 11. Jänner 1909

Fanny Pollak, gest. 12. August 1884

Lisi Schleiffer, gest. in Keszthely 13. Juli 1887

Adele (Edel) Latzko, gest. 20. Oktober 1870, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt

Hanni Kauders, gest. 19. Jänner 1892


Brüder: Adolf Wolf, gest. 07. Juli 1929

Ignaz Wolf, gest. 18. Jänner 1906


Söhne:
Isidor Stadler, geb. 09. Oktober 1861 in Szombathely, Realschule Frankfurt/Main, 1874 bis 1882 in Frankfurt/Main, Wien und Triest), vormals Mitglied der Komitats-Kongregation Eisenburg, Gemeinderat der Stadt Szombathely, Kaufmann, Börsenrat, Direktionsrat der Filiale der Banca Ungaro-Italiana, geh. 30. September 1895, wh: Szombathely, Wesselényi-ut. 16

Sigmund Stadler, geb. 29. November 1863 in Szombathely, Handelsschule, Kaufmann in Szombathely, geh. 15. September 1897, gest. 01. Mai 1918 in Budapest,

Dr. Franz Stadler, geb. 04. September 1877 in Szombathely, Handelsakademie Pressburg, Oberrealschule Sopron, Technische Hochschule München und Charlottenburg, Univ. Berlin, Basel, Münster i.W. (phil. Fakultät), Publikationen: „Hans Multscher und seine Werkstatt“ 1908, „Michael Wolgemut und die Nürnberger Holzschnitte des 15. Jahrhunderts, 1913, Kriegsdienst, Hauptmann der Reserve, Divisionsartilleriereferent. Mitglied des Deutschen Vereines für Kunstwissenschaft, geh. 21. Juli 1913, Privatdozent der Kunstgeschichte an der Universität Zürich, wh: München, Lessingstraße 4/II,

Dr. Wilhelm Stadler, geb. 25. Februar 1880 in Szombathely, Universität Leipzig, Zürich, Berlin (phil. Fakultät, Chemie), geh. 25. Februar 1914, Kriegsdienst, Oblt der Reserve, Kriegsgefangener (Sibirien), Chemiker in Perchtoldsdorf, Wiener Straße 47


Tochter:
Jenny Stadler, geb. 26. Mai 1870

Matriken Hochzeit Caroline Wolf und Salomon Stadler

Matriken Hochzeit Caroline Wolf und Salomon Stadler


Material und Maße des Grabsteins

Diorit, 218/83/42

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