Wolf Rosa – 16. Februar 1882

Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Rosa (Rebekka) Wolf, 27. Elul 662 (= Donnerstag, 16. Februar 1882)

Standortnummer: 639

  • Grabstein Wolf Rosa - 16. Februar 1882

    Foto 1993

  • Grabstein Wolf Rosa - 16. Februar 1882

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Rosa Wolf: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Hier ist geborgen פה טמונה
[2] eine edle und verehrte Frau, die Einflussreiche, die Großartige, אשה יקרה ונכבדה הקצינה המפוארה
[3] bescheiden und gepriesen, Krone ihrer Kinder und Zierde ihrer Familie. צנועה ומהללה עטרת בניה ותפארת משפחתה
[4] In ihrem Glück priesen sie Söhne und Töchter, Schwiegersöhne und Schwiegertöchter. באשרהי אשרוה בנים ובנות חתנים וחתנות
[5] Unter den Wohlhabenden des Volkes und den Mäzenen Israels war auch sie erfolg- מעשירי עם ונדיבי ישראל אף היא עשתה
[6] reich und erwarb sich einen Namen im Verbreiten von Segen und Wohl. Sie חיל וקנתה שם להפיץ ברכה וטוב היתה
[7] verwaltete und erhielt die ganze Synagogenbruderschaft, סוכנת ופרנסת לחברת הכנסת כלה
[8] Frau Rebekka Wolf, a(uf ihr sei) F(riede), מרת רבקה וואלף ע“ה
[9] Witwe des seligen Einflussreichen, des Freigiebigen, d(es hrenhaften) H(errn) Löb Wolf Halevi, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden), אלמנת המנוח הקצין הנדיב כ“ה ליב וואלף הלוי ז“ל
[10] und Tochter des Vorstehers und Leiters, H(errn Samuel Spitz, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden). ובת הראש והמנהיג ה’ שמואל שפיטץ ז“ל
[11] Sie starb mit 82 Jahren in erfülltem hohem Alter מתה בת פ“ב שנים במלואת ספק הזקנה
[12] und Greisenalter am Donnerstag, dem 21. Schvat, abends, und wurde והשיבה יום ה’ לעת ערב כ“א שבט והובלה
[13] zu Grabe gebracht mit großer Ehre von ihren versammelten Familienangehörigen לקברות בכבוד גדול אסיפת בני משפחתה
[14] und der Versammlung aller Gemeindemitglieder am 1. N(eu)(m(ond)t(ag) Adar וקבוץ כל בני הקהלה יום א’ דר“ח אדר
[15] 642 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). תרמב לפק
[16] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה
[17] Zwölfer, Wien



Anmerkungen

Zeile 2/3: Babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 53b צנועה אשה.

Zeile 4: באשרהי wohl Schreibfehler in der Inschrift. Es sollte באשרה heißen. Vgl. Hld 6,9 „…erblicken sie die Mädchen, sie preisen sie; Königinnen und Nebenfrauen rühmen sie“ …ראוה בנות ויאשרוה מלכות ופילגשים ויהללוה:.

Zeile 6: Vgl. babylonischer Talmud, Traktat Avot II,8 „…hat er einen guten Namen erworben, hat er etwas für sich erworben“ …קנה שם טוב, קנה לעצמו…. Der gute Name kommt im Gegensatz zu allen anderen geistigen und sittlichen Gütern fast ausschließlich dem Besitzer zugute und bleibt auch nach dem Tod sein eigen (Hirsch Samson Raphael, Siddur. Israels Gebete, Zürich-Basel 1992, 443); s. auch Avot IV, 7 „… Drei Kronen gibt es: die Krone der Tora, die Krone des Priestertums und die Krone des Königtums; die Krone des guten Namens aber erhebt sich über sie“ ‎‏‏ … שלשה כתרים הן: כתר תורה וכתר כהונה וכתר מלכות: וכתר שם טוב עולה על גביהן.

Zeile 11: Vgl. aus dem Morgengebet für Tisch’a be-Av: „Damals, als das Maß der wie Tirza Schönen (Beiname für Israel, s. Hohelied 6,4) voll war…“ אז במלאת ספק יפה כתרצה….

Zeile 12: Die Grabinschrift findet sich abgedruckt bei Wachstein B., Die Grabinschriften des Alten Judenfriedhofes in Eisenstadt, Eisenstädter Forschungen, hrsg. von Sándor Wolf, Band I, Wien 1922, 287), weil der Ehemann der Verstorbenen, Leopold Wolf am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt begraben ist. Dort ist sie jedoch nicht zeilengerecht wiedergegeben, und in der 4., 10., 11. und 12. Zeile mussten kleine Korrekturen angebracht werden. So bietet das Datum einige Probleme: Bei Wachstein mit כ“ז (27.) Schvat angegeben, ist am Stein ein eindeutiges כ“א (21.) Schvat zu erkennen, wenngleich das א leicht verderbt ist und ev. später korrigiert worden sein könnte. Der 21. Schvat war jedoch kein Donnerstag, sondern ein Freitag. Darüberhinaus wäre die Tote erst nach 9 Tagen beerdigt worden; dies ist jedoch, wenn nichts darauf hinweist, dass sie überführt werden musste, unüblich. Der 1. Neumondtag Adar ist der 30. Schvat, d. i. im Jahr 5642/1882 der 19. Februar (lt. Matriken 18. Februar, was schlicht daran liegt, dass der jüdische Tag bereits am Abend beginnt). Jedenfalls bestätigen die Sterbematriken den 27. Schvat, also den 16. Februar!


Biografische Notizen

Rosa (Rebekka) Wolf, Witwe, geb. Spitzer, 1800 in Oberberg-Eisenstadt, gest. mit 82 Jahren in Eisenstadt 131.
Rebekka (Rosa) kam aus einer alten, angesehenen Familie, die sich im Laufe des 17. Jahrhunderts nach dem Wohnsitz in der niederösterreichischen Gemeinde Spitz an der Donau den Familiennamen „Spitz“ bzw. „Spitzer“ zugelegt hatte.

Vater: Samuel Spitzer, gest. 09. Dezember 1844, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt

Mutter: Sara Spitzer, gest. 16. August 1848, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt

Schwestern:
Rösel Austerlitz, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt

Franziska (Fradel) Janowitz, gest. 06. September 1889

Brüder:
Abraham Spitzer, gest. 25. September 1873, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt

Lemmel Spitzer, gest. 12. April 1865, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt

Ehemann: Leopold (Löb) Wolf, gest. 11. Jänner 1866, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt.

Töchter:
Kathi (Elka/Elki) Spitzer, gest. 26. Jänner 1885

Therese (Resi) Wolf, gest. 11. Jänner 1909

Fanny Pollak, gest. 12. August 1884

K/Caroline Stadler, gest. 10. März 1900

Lisi Schleiffer, gest. in Keszthely 13. Juli 1887

Adele (Edel) Latzko, gest. 20. Oktober 1870

Hanni Kauders, gest. 19. Jänner 1892

Söhne:
Arnold Adolf (Aaron) Wolf, gest. 07. Juli 1929

Ignaz (Esriel) Wolf, gest. 18. Jänner 1906


Material und Maße des Grabsteins

Granit, 177/58/32

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