Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Friedrich (Frigyes, Feibel) Bondi/y, 08. Cheschwan 677 (= Schabbat, 04. November 1916)

Standortnummer: 408

  • Grabstein 408-Bondi-Friedrich

    Foto 1993

  • Grabstein Bondi Friedrich - 04. November 1916

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Friedrich Bondi: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פ“ט
[2] ein alter und angesehener Mann, איש זקן ונשוא פנים
[3] der untadelig lebte und Gerechtigkeit übte. הולך תמים ופועל צדק
[4] Sein Stammbaum reicht zurück שלשלת היוחסין מגזע
[5] bis auf Rabbi Jom Tov Lipmann Heller. תוספות יום טוב
[6] D(er ehrenhafte) H(err) Feibel Bondi, a(uf ihm sei) F(riede). כה“ר פייבל באנדי ע“ה
[7] S(eine Seele) g(ing hinweg) am h(eiligen) Sch(abbat), dem 8. Cheschwan 677 n(ach der kleinen Zeitrechnung). י“נ ביום ש“ק ח’ חשון תרע“ז ל
[8] Hier ruht ein Mann aus einer Familie von Bedeutenden und Guten. פה ינוח גבר ממשפחת גדולים וטובים
[9] Gottesfürchtiger als alle unterstütze er Notdürftige und Schwache. ירא אלהים מרבים תומך עניים ודלים
[10] Seine Hände streckte er dem Armen entgegen und befasste sich mit Werken der Mildtätigkeit. ידיו שלח לאביון ועסק בגמילות חסדים
[11] Sein Haus leitete er gemäß den Geboten G(ottes) und Seinen Weisungen. ביתו היה מנהל על פי מצות ה’ ופקודתו
[12] In ewigem Andenken wird sein guter Name inmitten der Gemeinde sein. לזכר עולם יהיה שמו הטוב בקרב עדתו
[13] Seine Söhne und Nachkommen lehrte er den Weg des Glaubens und der Anständigkeit. בניו וצאצאיו הורה דרך האמונה והיושר
[14] Er war einer der Namhaftesten von den Ersten und Berufenen der Gemeinde. אחד מאנשי שם מן הראשים וקרואי העדה
[15] Seine Schulter neigte er, um die Angelegenheiten der Öffentlichkeit ausdauernd zu ertragen. נטה שכמו לסבול בצרכי צבור בשקידה
[16] Er hielt sich an die G(otteds)fürchtigen und heiratete (in eine Familie) von Männern des Glaubens ein. דבק ביראי ה’ והתחתן עם אנשי אמונה
[17] Seine Gerechtigkeit möge vor ihm einhergehen, und er möge im Himmel ruhen. יהלך לפניו צדקתו וינוח בשמי מעונה
[18] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה



Anmerkungen

Zeile 2: Jesaja 9,14 זקן ונשוא פנים.

Zeile 3: Sprüche 28,18 הולך תמים; vgl. auch Psalm 15,2. Babylonischer Talmud, Traktat Makkot 24a setzt den makellos Wandelnden mit Abraham gleich …הולך תמים זה אברהם… mit Verweis auf Genesis 17,1 „…er (der Herr) sprach zu (Abraham):…sei rechtschaffen“.

Zeile 4/5: Wörtl: „Der Stammbaum ist aus dem Geschlecht der Zusätze des Jom Tov (Feiertag)“. „Tossafot Jom Tov“ ist der Name des bedeutendsten Werkes, eines Mischnakommentars, des Rabbiners Jom Tov Lipmann ben Natan Halevi Heller. In der Grabinschrift wird der Name des Werkes als Beiname seines Autors verstanden. R. Heller, geb. 1579 in Wallerstein (Bayern), Schüler des berühmten Hohen Rabbi Löw (ca. 1520 – 1609, seit 1573 Rabbiner in Prag), wurde 1624 als Rabbiner nach Nikolsburg in Mähren berufen und kam 1625 für ein Jahr nach Wien, wo er zum „Av Bet Din“ (dem Vorsitzenden des Gerichtshofes) gewählt wurde. 1627 kehrte er nach Prag zurück, wo er denunziert wurde, in einem seiner Werke dem Christentum gelästert zu haben. Man brachte ihn in Ketten nach Wien, wo er nach 40 Tagen haft gegen ein Lösegeld von 1.000 fl. freikam. 1631 ging R. Heller von Prag nach Polen, wo er 1654 verstarb.

Zeile 10: Sprüche 31,20 וידיה שלחה לאביון

Zeile 12: Babylonischer Talmud, Traktat Avot II,8 קנה שם טוב „…hat er einen guten Namen erworben, hat er etwas für sich erworben“. Der gute Name kommt im Gegensatz zu allen anderen geistigen und sittlichen Gütern fast ausschließlich dem Besitzer zugute und bleibt auch nach dem Tod sein eigen (Hirsch Samson Raphael, Siddur. Israels Gebete, Zürich-Basel 1992, 443); s. auch Avot IV, 7 „… Drei Kronen gibt es: die Krone der Tora, die Krone des Priestertums und die Krone des Königtums; die Krone des guten Namens aber erhebt sich über sie“ ‎‏‏ … שלשה כתרים הן: כתר תורה וכתר כהונה וכתר מלכות: וכתר שם טוב עולה על גביהן.

Zeile 14: Numeri 1,16 קריאי (ק: קרואי) העדה.

Zeile 15: Tosefta, Traktat Brachot I,4; vgl. II,6 שעוסקין בצרכי צבור u.a. Der Vers deutet auf ein öffentliches Amt in der Gemeinde hin und findet sich fast ausschließlich auf Grabinschriften der dritten und vierten Reihe, also auf Grabsteinen von herausragenden Gelehrten, die in der Gemeindehierarchie unmittelbar hinter den (Ober-)Rabbinern und Rabbinatsassessoren kamen.

Zeile 17: Psalm 85,14, vgl. bes. Jesaja 58,8 „… Deine Gerechtigkeit geht dir voran, (die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach)“, wo es um die Vorbereitung auf das kommende Heil geht. Vgl. auch bes. babylonischer Talmud, Traktat Sota 3b „Wer ein Gebot in dieser Welt ausübt, den empfängt es in der zukünftigen Welt und geht vor ihm einher …“ כל העושה מצוה אחת בעוה“ז מקדמתו והולכת לפניו….

מעון ist einer der Namen der sieben Himmel (s. Babylonischer Talmud, Traktat Chagiga 12b u.a.). Vgl. auch Psalm 26,8 „Herr ich liebe den Ort, wo dein Tempel steht…“ יהוה אהבתי מעון ביתך….

Zeile 8-17: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben ergeben den hebräischen Vor- und Nachnamen des Verstorbenen (Feibel Bondi).


Biografische Notizen

Friedrich (Frigyes, Feibel) Bondi/y, Privater; gest. mit 80 Jahren an Arterienverkalkung; wh: Unterberg-Eisenstadt 16.

Matriken Tod Friedrich Bondy

Matriken Tod Friedrich Bondy

Vater: Samuel Bondi, gest. 18. Februar 1861, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt
Mutter: Therese Spitzer, gest. 18. April 1842, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt

Ehefrau: Charlotte (Sarolta, Chaila) Bondi, geh. 20. Juni 1861 in Eisenstadt, gest.5. Mai 1916. Tochter des Ignaz Schneider und der Theresia Weiß aus Zillingtal. Als Wohnort der Eltern von Friedrich wird Drassburg, Zagersdorfergasse 26 angegeben. Friedrich war bei der Hochzeit 26 Jahre, Charlotte 19 Jahre alt.

Matriken Hochzeit  Friedrich Bondi und Charlotte Schneider

Matriken Hochzeit Friedrich Bondi und Charlotte Schneider


Töchter:
Regi Bondi, geb. 09. November 1869 (Vater: Bondi Philipp, Mutter: Schneider Lotti), Wohn- und Geburtsort: Zagersdorf

Kathi Bondi, geb. 28. August 1872 (Vater: Bondi Philipp, Mutter: Lotti), Wohn- und Geburtsort: Zagersdorf

Cäcilia/Hanni Bondi (so in den Geburtsmatriken) Bondi, geb. 16. Februar 1878 in Zurndorf (Vater: Bondi Frigyer, M: Schneider Lotti), geh. 11. März 1901 David Schlesinger, Kaufmann, geb. 08. Oktober 1875 in Pressburg, Torna-utca 20, Sohn des Bernhard Schlesinger, Pressburg und der Antonia Bader, Pressburg. In den Hochzeitsmatriken wird als Geburtstag von Cäcilia/Hanni der 16. Jänner angegeben.

Matriken Geburt Hanni Bondi

Matriken Geburt Hanni Bondi



Söhne:
Philipp Bondi, geb. 30. August 1864 (Vater: Bondi Philipp, Mutter: Schneider Lotti), Wohn- und Geburtsort: Zagersdorf

Aron Bondi, geb. 08.August 1866 (Vater: Bondi Philipp, Mutter: Schneider Netti)

Samuel Bondi, geb. 06. März 1863 (Vater: Bondi Philipp, Mutter: Sali), Wohn- und Geburtsort: Zagersdorf

Material und Maße des Grabsteins

Diorit, 200/65/43

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