Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Klara (Kröndel) Simon, 06. Adar 688 (= Montag, 27. Februar 1928)

Standortnummer: 1004

  • Grabstein Simon Klara - 27. Februar 1928

    Foto 1993

  • Grabstein Simon Klara - 27. Februar 1928

    Foto August 2017


Grabstein Simon Klara - 27. Februar 1928

Foto August 2017


Die Grabinschrift

Inschrift Klara Simon: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ“נ
[2] eine bedeutende und bescheidene Frau, אשה חשובה וצנועה
[3] der Mittelpunkt des Hauses, eine gute Mutter, עקרת הבית אם טובה
[4] F(rau) Kröndel, מ קרינדל
[5] Ehefrau d(es) e(hrenhaften) H(errn), H(errn) Mordechai אשת כהרר מרדכי
[6] Simon, a(uf ihm sei) F(riede). סימאן ע“ה
[7] I(hre Seele) g(ing hinweg) am 6. Adar 688 n(ach der kleinen Zeitrechnung). י“נ ו אדר תרפח ל
[8] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה



Anmerkungen

August 2017: Der Grabstein liegt nahe seinem Standort und ist im oberen Teil gebrochen (s.o. Foto; im Hintergrund, direkt an der Mauer liegend, der Grabstein von Klaras Ehemann Max Simon). Wir werden in den nächsten Wochen versuchen, den Grabstein zumindest an der Mauer nahe der Grabreihe aufzustellen. Foto-Update folgt.


Zeile 2: Babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 59b אשה חשובה u.a. und Schabbat 53b צנועה אשה.

Zeile 3: Psalm 113,9 עקרת הבית; wörtl: „die Kinderlose, Unfruchtbare“, die zu (spätem) Kindersegen kommt; s. Targum und Raschi zur Stelle (Vergleich mit Zion). Mit diesem Ausdruck soll vielleicht assoziiert werden, dass die Frau in reiferem Alter Mutter wurde. Diese Interpretation ist hier sehr unsicher, da biografisch für mich nicht feststellbar war, in welchem Alter Klara Simon ihr erstes Kind gebar. עקרת הבית wird meist mit „Hausfrau“ übersetzt. S. bes. Genesis Rabba 74,1 zu Genesis 29,31: „‚Rachel war unfruchtbar‘. R. Isak sagte: Rachel war die Hauptperson des Hauses, wie es heißt: ‚Und Rachel war עיקרה die Hauptperson…“ עקר „Hauptsache“ ורחל עקרה אמר ר’ יצחק רחל היתה עקרו של בית כמו שנ’ ורחל עקרה [עיקר הבית]…. Die jüdische Frau wird hier als das Zentrum, die Hauptperson des jüdischen Hauses, beschrieben.


Biografische Notizen

Klara (Kröndel) Simon, geb. Steiner, geb. 1873? in Reisenberg; wh.: Unterberg-Eisenstadt 15.

Ehemann: Max (Mordechai) Simon, gest. 12. April 1926 in Eisenstadt

Töchter:
Malvine/a Simon, geb. 14. Juni 1903 in Eisenstadt (Mutter war 30 Jahre, Vater 34 Jahre alt), gest. 21. August 1905 an Scharlach

Matriken Tod Malvina Simon

Matriken Tod Malvina Simon


Gisela Simon, geb. 10. Juni 1905 in Eisenstadt; wh.: Unterberg-Eisenstadt 14; Emigration nach Großbritannien, 1. Eheschließung am 27. Oktober 1947 in New York

Söhne:
Alexander Simon, Fleischhauergehilfe, geb. 21. April 1907 in Eisenstadt, wh.: Unterberg-Eisenstadt 9, geh. in Sárvár (Rotenturm an der Raab, Ungarn) am 26. Jänner 1936 Olga Farkas, geb. 09. Jänner 1911 in Káld (16km von Sárvár entfernt), wh.: Sárvár, Arpadgasse 3, Tochter des Hermann Farkas und der Maria Pollak
Tochter: Klara Simon, geb. 28. Dezember 1936

Matriken Hochzeit Alexander Simon und Olga Farkas

Matriken Hochzeit Alexander Simon und Olga Farkas


Moritz Simon, leider kein Geburtsdatum

Ludwig Simon, kaufmännischer Angestellter, geb. 11. Juni 1901 in Kroatisch-Minihof, wh.: Unterberg-Eisenstadt 14, geh. in Káld, Bezirk Sárvár (Ungarn) am 06. Jänner 1928 Lina Farkas, geb. 12. September 1903. Das Ehepaar erwarb die britische Staatsbürgerschaft, Einbürgerungsurkunde AZ 3544. Ludwig Simon starb 1955, Lina Farkas 2002 (mit 99 Jahren) in Großbritannien

Söhne von Ludwig Simon und Lina Farkas:
Ernst Simon, geb. 26. Mai 1930, Angestellter in Lederhandlung, wh.: Unterberg-Eisenstadt 14, Emigration nach Großbritannien, geh. Frau Weinstein
Am Europäischen Tag der jüdischen Kultur 2014 durfte ich mit Ernst Simon, der anlässlich dieses Tages extra nach Eisenstadt reiste, durch das ehemalige jüdische Viertel von Eisenstadt führen.

Kurt Simon, geb. 26. Jänner 1933, Emigration nach Großbritannien, geh. Frau White (Weiß)


Material und Maße des Grabsteins

Kalksandstein, 132/54/18

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