Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Rebekka Spitzer, 16. Elul 642 (= Donnerstag, 31. August 1882)

Standortnummer: 715

  • Grabstein Spitzer Rebekka - 31. August 1882

    Foto 1993

  • Grabstein Spitzer Rebekka - 31. August 1882

    Foto August 2017


Die Grabinschrift

Inschrift Rebekka Spitzer: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ’נ
[2] die edle, bedeutende, gebildete Frau, האשה היקרה החשובה המשכלת
[3] Tochter von Großen, Frau Rebekka, Witwe בת גדולים מרת רבקה אלמנת
[4] des Angesehenen, d(es Herrn) Lemmel Spitzer Sega“l, a(uf ihm sei) F(riede), הקצין ר’ לעמל שפיטצער סגל עה
[5] und Tochter des großen, gerechten Rabbiners, des MORENU ובת הרב הגדול הצדיק מוה
[6] Samuel Katz, des V(orsitzenden) d(es) G(erichts)h(ofes) d(er) h(eiligen) G(emeinde) […] שמואל כץ ראבד דקק […]
[7] Sie starb am 16. Elul 642. מתה טז אלול תרצב
[8] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה




Anmerkungen

Zeile 2: Babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 59b אשה חשובה u.a.

Zeile 4: s.u. biografische Notizen.

Zeile 5: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 6: s.u. biografische Notizen.


Biografische Notizen

Regina (Rebekka) Spitzer, Witwe, geb. in Nikolsburg, gest. mit 84 Jahren am 31. August 1882 in Eisenstadt 30

Matriken Tod Regina Spitzer

Matriken Tod Regina Spitzer



Vater: Samuel Katz

Die Abbreviatur für den Wirkungsort von Samuel Katz hab ich 1993 als [Eisen]stadt, also [א]ש gelesen, was nicht haltbar ist, da sich in der Gemeinde in dem in Frage kommenden Zeitraum kein Verantwortlicher dieses Namens findet. Offen bleibt auch der Segenswunsch nach dem Ort, der sich grundsätzlich sowohl auf den Verstorbenen (Samuel Katz) beziehen könnte und dann „sein Andenken möge bewahrt werden“ זצ“ל gelesen werden muss, als auch auf den Wirkungsort, also die „heilige jüdische Gemeinde“, und dann „unser Fels (= Gott) möge sie segnen und beschützen“ יצ“ו o.ä. gelesen werden muss.

Ehemann: Lemmel Spitzer

Der einzige in Eisenstadt mir bekannte Lemmel Spitzer ist 1865 gestorben und war mit Gütel verheiratet, die 24 Jahre vor ihm, jung, verstarb. Die Anmerkung, dass der „plötzliche Tod seiner frommen Frau auf die Gestaltung seines Lebens eingewirkt hat“, deutet aber eher nicht darauf hin, dass Lemmel Spitzer ein zweites Mal geheiratet hat.


Material und Maße des Grabsteins

Kalksandstein, 111/34/18

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