Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Igna(t)z (Isak) Breier / Breyer / Breuer / Bräuer, 05. Av 661 (= Schabbat, 20. Juli 1901)

Standortnummer: 327

  • Grabstein Breier Ignaz - 20. Juli 1901

    Foto 1993

  • Grabstein Breier Ignaz - 20. Juli 1901

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Ignaz Breier: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פנ
[2] ein edler Mann, überaus erhaben, איש יקר מאד נעלה
[3] alt und angesehen, זקן ונשוא פנים
[4] viele Jahre lang Vorstand der Ch(evra) Q(adischa), פרנס דח“ק שנים רבות
[5] einer der Angesehensten der Gemeinde, der ehrenwerte, einflussreiche, אחד מנכבדי העדה הקצין המפואר
[6] e(hren)h(afte) H(err) Isak Breier, a(uf ihm sei) F(riede). כה“ר יצחק ברייער ע“ה
[7] Er starb am 5. Menachem Av 661 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). מת ביום ה’ מנחם אב תרסא לפ“ק
[8] Gottesfürchtig von Jugend an und edlen Geistes ירא אלהים מנעוריו ויקר רוח
[9] liebte er Wohltätigkeit und Anständigkeit. Er mühte sich ab und hatte Erfolg. צדקות אהב ויושר יגע והצליח
[10] Ein Spross aus einem Stamm, der Tora und höheres Wissen studierte. חוטר מגזע לומדי תורה ותושיה
[11] Das Lesen der heiligen Schriften war sein Leben. קרא במקראי קדש נפשו לו היה
[12] Mit dem Gesetz G(ottes) lebte er und unterstützte jene, die es studierten. בתורה ה’ הלך והחזיק לומדיה
[13] Vieles tat er für seine Kinder und für das Wohl der Gemeinde. רב פעלים לבניו ולטובת הקהלה
[14] Er erhob sich täglich zum Gang ins Gebetshaus. יום יום השכים אל בית התפלה
[15] Bis seine Sonne unterging, waren seine Hände erhoben. עד בא שמשו היו ידיו אמונות
[16] Sein Geist möge ruhen im Schatten des Gottes der Geister. רוחו תנוח בצל אלהי הרוחות
[17] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה




Anmerkungen

Zeile 3: Jesaja 9,14.

Zeile 4: Die „Chevra Qadischa“ ist eine Wohltätigkeitsvereinigung, deren Aufgabe v. a. in der Betreuung mittelloser Kranker und der Bestattung Verstorbener liegt.

Zeile 7: „Menachem“ ist der Beiname für den Monat Av nach Klagelieder Rabba I. Die Klagelieder werden zum Volkstrauertag am 9. Av, dem Tag der Tempelzerstörung durch die Römer, gelesen. S. bes. Klagelieder Rabba I zu Klaglieder 1,16 „… Denn fern ist mir ein Tröster …“ …כי רחק ממני מנחם…. Hier werden die gleichen Zahlenwerte von מנחם, „Tröster“, und von צמח, „Spross“ (Sacharja 6,12) als Beweis angeführt, dass „Menachem“ der Name des Erlösers der Juden ist. Bei seiner Geburt, so Klagelieder Rabba weiter, ist das Heiligtum (der Tempel) zerstört worden. Es wird durch ihn (Menachem) aber wieder aufgebaut werden.

Zeile 8: Sprüche 17,27 וקר (ק: יקר) רוח).

Zeile 9: Psalm 11,7 צדקות אהב.

Zeile 10: Jesaja 11,1 חטר מגזע.

Zeile 13: 2 Samuel 23,20; 1 Chronik 11,22 רב פעלים. Babylonischer Talmud, Traktat Berachot 18b beschreibt den „tatenreichen Mann“ als einen, der Taten für die Tora mehrte und sammelte. „Rav Pe’alim“ ist auch der Titel eines alphabetischen Indexes aller ihm bekannten Midraschim von Abraham ben Elijah von Wilna (ca. 1750 – 1808), Sohn des Gaon von Wilna (Warschau 1894, New York 1958/59, Tel Aviv 1967?).

Zeile 15: Exodus 17,12 ויהי ידיו אמונה עד בא השמש. Wörtlich: „…er (Mose) war, seine Hände Ehrlichkeit (Treue)…“. S. Raschi zur Stelle, der erklärt, dass Mose in der Verfassung war, dass seine Hände sich in Pflichttreue befanden, zum Himmel gerichtet und begründet dies mit dem Singular des Verbs ויהי, dessen Subjekt nicht die Hände ידיו, sondern Mose sein müsse.

Zeile 16: Numeri 16,22; 27,16 אלהי הרוחות. S. bes. Raschi-Kommentar zur Stelle, wo „Geister“ als Geister alles Fleischlichen verstanden werden und Gott als einer, der die Gedanken jedes menschlichen Wesens kennt.

Zeile 8-16: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben sowie der erste Buchstabe des zweiten Wortes in Zeile 14 ergeben den hebräischen Vor- und Nachnamen des Verstorbenen (Isak Breier).


Biografische Notizen

Igna(t)z (Isak) Breier / Breyer / Breuer / Bräuer, Privater; gest. mit 88 Jahren am 20. Juli 1901 um 22.30 Uhr an Altersschwäche; wh. zum Zeitpunkt des Todes: Unterberg-Eisenstadt 29. Die Sterbezeit 22.30 Uhr war schon am 05. Av, aber noch am 20. Juli.

Matriken Tod Ignaz Breyer

Matriken Tod Ignaz Breyer


Vater: Salomo(n) (Salman ben David) Bräuer, gest. 25. April 1842 oder 06. Mai 1842, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt, Sohn des David Breuer (Mattersdorf), gest. 10. August 1840, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt, und der Scheba Frau David Mattersdorf aus der Familie Breuer, gest. 28. März 1804, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt

Mutter: Franziska / Friederike (Vögele Frau Salman) Breuer, gest. 22. September 1861, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt


Bruder: Georg (Gerschon) Breier / Breyer / Breuer, gest. 24. September 1922 in Eisenstadt

Ehefrau: Regina/e / Regi (Rachele) Hess, geh. 20. Juni 1844 in Eisenstadt, gest. 28. Dezember 1880 in Eisenstadt

Matriken Hochzeit Ignatz Bräuer und Regi Hess

Matriken Hochzeit Ignatz Bräuer und Regi Hess



Das Ehepaar hatte 13 Kinder:

Töchter:
Betti Bräuer, geb. 26. Mai 1845 in Eisenstadt

Matriken Geburt Betti Bräuer

Matriken Geburt Betti Bräuer


Hani Bräuer, geb. 07. Oktober 1848 in Eisenstadt

Matriken Geburt Hani Bräuer

Matriken Geburt Hani Bräuer


Barbara Bräuer, geb. 11. Dezember 1849 in Eisenstadt

Matriken Geburt Barbara Bräuer

Matriken Geburt Barbara Bräuer


Pauline Bräuer, geb. 12. August 1852 in Eisenstadt, Mayerhofgasse 132, ebd. wohnhaft, gest. 18. Jänner 1854 in Eisenstadt, Mayerhofgasse 132 an Auszehrung (1 Jahr 6 Monate)

Matriken Geburt Pauline Bräuer

Matriken Geburt Pauline Bräuer


Katharina (Bela?) Bräuer, geb. 17. April 1855 in Eisenstadt, Mayerhofgasse 132, ebd. wohnhaft, gest. 01. März 1856 in Eisenstadt, Judengasse 2 am Lungenentzündung (10 Monate)

Matriken Geburt Katharina (Bela?) Bräuer

Matriken Geburt Katharina (Bela?) Bräuer


Sofie (Sara) Breyer, geb. 13. März 1859 in Eisenstadt 1, ebd. wohnhaft

Matriken Geburt Sofie (Sara) Breyer

Matriken Geburt Sofie (Sara) Breyer


Flori (Vögele) Breyer , geb. 18. Mai 1865 in Eisenstadt, Mayerhof 129

Matriken Geburt Flori (...ble?) Breyer

Matriken Geburt Flori (Vögele) Breyer


Söhne:
Samu (Salman) Breyer / Breuer / Bräuer, geb. 22. Juli 1847 in Eisenstadt, gest. 09. Dezember 1887

David Bräuer, geb. 28. Jänner 1851 in Eisenstadt, gest. 21. Dezember 1853 in Eisenstadt, Mayerhofgasse 132 an Scharlach (3 Jahre)

Matriken Geburt David Bräuer

Matriken Geburt David Bräuer


Moritz (Mose Aaron) Bräuer, geb. 17. Dezember 1853 in Eisenstadt, Mayerhofgasse 132

Matriken Geburt Moritz (Mose Aaron) Bräuer

Matriken Geburt Moritz (Mose Aaron) Bräuer


Si(e)gmund / Zsigmond (Schalom) Breyer, geb. 08. Jänner 1857 in Eisenstadt, geh. 22. August 1882 Friederike Breyer, Tochter seines Onkels Georg (Gerschon) Breier / Breyer / Breuer und der Anna / Netti (Ester) Pollak.
Si(e)gmund Breyer, gest. 14. Juli 1926.


Gustav? (Efraim?) Breyer, geb. 05. März 1858 in Pöttsching, ebd. wohnhaft

Matriken Geburt Gustav? (Efraim?) Breyer

Matriken Geburt Gustav? (Efraim?) Breyer


Gabriel Breyer, geb. 04. April 1862 in Eisenstadt 133, gest. nach 9 Tagen

Matriken Geburt Gabriel Breyer

Matriken Geburt Gabriel Breyer


Material und Maße des Grabsteins

Diorit, 200/82/42

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