Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

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Zur Geschichte des Wertheimerhauses

Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zum Vortrag „Zur Geschichte des Eisenstädter Wertheimerhauses (1696-1875)“ von Dr. Felix Tobler Wann: Donnerstag, 20. Oktober 2016, 18.00 Uhr Wo: Österreichisches Jüdisches Museum…

Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zum Vortrag

„Zur Geschichte des Eisenstädter Wertheimerhauses (1696-1875)“

von Dr. Felix Tobler

Wann: Donnerstag, 20. Oktober 2016, 18.00 Uhr

Wo: Österreichisches Jüdisches Museum

Dauer: 50-60 Minuten.

 

Das Wertheimerhaus war eines der bedeutendsten Gebäude im ehemaligen Jüdischen Viertel von Eisenstadt. Wer war Samson Wertheimer und welche Rolle spielte der Oberhoffaktor und Landesoberrabbiner für die Eisenstädter Judengemeinde am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts? Der Vortrag spannt einen Bogen über zweihundert Jahre Besitz- und Kulturgeschichte des Hauses, in dem heute das Österreichische Jüdische Museum untergebracht ist.

Wertheimerhaus, ca. 1920

Dr. Felix Tobler wurde am 9. Mai 1948 in Draßburg geboren, maturierte am Bundesrealgymnasium in Mattersburg 1967, studierte von 1968-1975 Germanistik und Geschichte an der Universität Wien und war dort von 1971-1974 Mitglied des 53. Ausbildungskurses am Institut für Österreichische Geschichtsforschung, den er mit der Staatsprüfung 1974 mit gutem Erfolg abschloss. Promotion zum Dr. phil. 1975 mit der Dissertation „Studien zur Ortsgeschichte von Draßburg 1403-1848“. Seit Dezember 1974 an der damaligen Abteilung Landesarchiv-Landesbibliothek des Amtes der Burgenländischen Landesregierung (Abt. XII/2) beschäftigt, zuletzt von 1998-2009 als Leiter des Referates Landesarchiv des Hauptreferates Landesarchiv- Landesbibliothek.

Dr. Tobler verfügt als langjähriger Graphik-Sammler über zahlreiche Blätter mit Ansichten von burgenländisch-westungarischen Orten, desgleichen über Karten, Porträts und Trachtenblätter. Daraus wurde 2004 die Ausstellung „Preßburg auf alten Ansichten“ mit über hundert Ansichten der Stadt im Ethnographischen Museum in Kittsee gestaltet und zuletzt 2014 die Ausstellung „Gestochen scharf“ im Landesmuseum.

In seinen wissenschaftlichen Forschungen beschäftigte sich Dr. Tobler vor allem mit folgenden Forschungsfeldern:

  • Siedlungs- und Kulturgeschichte der Burgenländischen Kroaten
  • Verwaltungs- und Kulturgeschichte des Majorats der Fürsten Esterházy
  • Geschichte der jüdischen Siebengemeinden im Majorat der Fürsten Esterházy
  • Kartographiegeschichte des burgenländisch-westungarischen Raumes


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Wertheimer Edel – 09. November 1757

Frau Edel Tochter Moses Wertheimer, 26. Cheschwan 518 (= Mittwoch, 09. November 1757) L-25 (Wachstein 259)

Frau Edel Tochter Moses Wertheimer, 26. Cheschwan 518 (= Mittwoch, 09. November 1757)

L-25 (Wachstein 259)

  • älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor L


Die Grabinschrift

נפטרה בשם טוב יו’ ב’ כ“ו מרחשון תקי“ח ל’

פ“ט
אשה הגונה בצדקה ובגמילו’
חסד היתה נכונה לילה כיום
נדרה שינה לבקר חולים לעניים
ועשירים השוים בעינה וכאשר
היתה בגופה כן בממונה תמיד
היו ת“ח מסובים על שלחנה ה“ה
אשה צנועה מרת עדל בת הקצין
הר“ר משה וו“ה ז“ל אשת המנוח …

תנצב“ה


Anmerkungen

Der Grabstein ist tief in die Erde gesunken, sodass ab Zeile 5 der Eulogie die Inschrift nicht mehr sichtbar ist und die Zeilengerechtigkeit nicht gewährleistet werden kann.

Die Grabschrift rühmt der Verstorbenen … Wohltätigkeit und Freigebigkeit nach. Die Inschrift enthielt auch den Namen des Gatten. Der betreffende Teil des Steines fehlt jedoch jetzt.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., 119

Biografische Notizen

Vater: Moses Wertheimer, gest. 18. Juli 1713

Archiv älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt


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Wertheimer Moses – 18. Juli 1713

Moses ben Josef Joslin Wertheim, 24. Tammus 473 (= Dienstag, 18. Juli 1713) L-33 (Wachstein 45) Die Grabinschrift תנצב“ה וימת משה יו’ ג’ כ“ד תמוז אחר תאסף אל עמך לפ“ק…

Moses ben Josef Joslin Wertheim, 24. Tammus 473 (= Dienstag, 18. Juli 1713)

L-33 (Wachstein 45)

  • Grabstein Grabstein Moses ben Josef Joslin Wertheim, 24. Tammus 473
  • Scan Wachstein Grabstein Grabstein Moses ben Josef Joslin Wertheim
  • älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor L


Die Grabinschrift

תנצב“ה

וימת משה יו’ ג’ כ“ד תמוז אחר תאסף אל עמך לפ“ק

ויעל משה
עלי’ זו ירידה היא לנו
עזב אותנו לאנחות והו’
נסע למנוחות בשובע שמחות
משוך היה לתומו עם
תמימם אב לחכמים
וביראת ה’ כל הימים וגומל
נפשו נפשות אביונים וער
ומים בבואו אל הקדש היה
קולו יפה לבשמים והיה
נשמע בנעימים הנבון
החבר רבי משה ב’ מ’ יוסף
יוזלן ז“ל ווערטהיים


Anmerkungen

Wachstein zitiert den oben abgebildeten Grabstein von Moses Wertheimer als Beispiel für Barocksteine, die keine Beziehungn zu Steinen des Wiener Friedhofs haben. Eher kann man Parallelen zu christlichen Steinen an der Eisenstädter Pfarrkirche finden. …Die rechteckigen Schrifttafeln werden von straußfederformigen Akanthusranken beschattet.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., XXXVIII

Zum Grabstein selbst:

175 cm h., 96 cm br., 13 cm br., 13 cm d., 138 cm Th., 78 cm Zl. Schriftfeld von einfachen Randleisten begrenzt. Bekrönung durch aufwärts strebende Voluten gebildet, die im Scheitel Raum für ein kugeltragendes Postament lassen. Kugeltragende Postamentchen auch seitlich auf den Voluten stehend. Auf den Bändern liegen Akanthusblätter.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., XL


Biografische Notizen

Tochter: Edel Wertheimer, gest. 09. November 1757

Moses Wertheimer ist ein Bruder Simson Wertheimers. Auffallend ist, dass der Bruder des berühmten und einflussreichen Mannes als ein nicht behauster ‚Inwohner‘ in Eisenstadt erscheint. Dass er in der Gemeinde einige Bedeutung hatte, beweist die Inschrift, die seine Weisheit, Frömmigkeit und Werktätigkeit preist.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., 13

Das Österreichische Jüdische Museum in Eisenstadt befindet sich im sogenannten „Wertheimerhaus„. Simson Wertheimers Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof Seegasse in Wien IX. Ein sehr schönes Porträt Samson Wertheimers befindet sich in unserer Dauerausstellung des Museums, siehe unseren Beitrag zur „Geschichte des Hauses„.


Archiv älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt


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Das Wertheimerhaus

Beim Kinoabend vor einigen Tagen in unserem Haus, an dem der beeindruckende Film „Zug des Lebens“ gezeigt wurde, sprach Architekt Dr. Klaus-Jürgen Bauer – wie immer an den Abenden des…

Beim Kinoabend vor einigen Tagen in unserem Haus, an dem der beeindruckende Film „Zug des Lebens“ gezeigt wurde, sprach Architekt Dr. Klaus-Jürgen Bauer – wie immer an den Abenden des Wanderkinos – über den Ort, an dem der Kinoabend stattfindet. So an diesem Abend über unser Haus, das Wertheimerhaus … und überraschte selbst uns mit einer sensationell spannenden Aussage über die große Bedeutung unseres Hauses, aber lesen Sie selbst! Wir freuen uns, mit Klaus-Jürgen Bauer einen neuen ständigen Gastautor gewonnen zu haben.

Die Architektur des Schtetls in Film und Wirklichkeit

Der Film „Zug des Lebens“ von Radu Mihaileanu spielt zu einem großen Teil an einem sehr besonderen Ort, nämlich in einem jüdischen Schtetl. Wie das jiddische Wort lautmalerisch erklärt, ist ein Schtetl eine kleine Stadt, ein Stadtteil, in dem vor allem Juden leben, jedenfalls etwas anderes als eine schtot, also eine Stadt. Manès Sperber beschreibt das Lebensgefühl im Schtetl wie folgt:

Im Städtel gab es nicht eine Spur eines Minderwertigkeitsgefühls wegen der Zugehörigkeit zum Judentum und daher nicht die geringste Neigung, das eigene Wesen zu verhüllen oder wie die anderen zu werden.

Manès Sperber: Die Wasserträger Gottes

Wir kennen das Leben in den Schtetln vor allem aus Fotografien und aus der Literatur, kaum jedoch aus Filmen. Zu dem Zeitpunkt, als die Filmindustrie in der Lage war, aufwändigere Filmproduktionen auch außerhalb von Studios herzustellen, waren die vor allem osteuropäischen Schtetl leider schon unter der Dampfwalze der Vernichtung. Trotzdem gibt es ein paar polnische Spielfilme aus den späten dreißiger Jahren, wie z B. den Film Jiddl mitn Fidl aus dem Jahr 1936 von Joseph Green (Josef Grünberg), ein harmloser Heimatfilm mit viel Musik. Wir alle kennen das Remake dieses Filmes aus dem Jahr 1983, nämlich Barbra Streisands Yentl.

Der mit Abstand bedeutendste Film aus dem Schtetl kommt allerdings aus Deutschland. Im Jahr 1920 drehte nämlich Paul Wegener in den Ufastudios in Berlin-Babelsberg den Film Golem, wie er in die Welt kam. Dieser Film wurde einer der international größten Erfolge des deutschen Stummfilms, er war monatelang in den Vereinigten Staaten und sogar in China zu sehen. Im Film geht es um die Abenteuer des berühmten Prager Rabbis Judah Löw. Der eigentliche Star dieses Filmes ist jedoch nicht der Rabbi, sondern die expressionistische Judenstadt, das Schtetl, das niemand geringerer als der berühmte Berliner Architekt Hans Poelzig entworfen hatte. Dieses Bild einer pittoresken, plastischen, überwucherten romantischen Stadt prägte das märchenhafte Bild deutscher Städte bis heute. Was Poelzig für den Film baute, war allerdings nicht das Abbild einer romantischen deutschen Stadt, sondern eben eines osteuropäischen, jüdischen Schtetls. Stimmt das auch? Glücklicherweise können wir das überprüfen. Wir befinden uns ja heute Abend innerhalb eines ehemaligen Schtetls, des Schtelts A“SCH (EisenStadt).

Das „Wunder“ vom Palais im Schtetl

Wertheimerhaus 2011

Dieses Schtetl mag früher wie andere Schtetl auch durch eine Überfülle an Menschen geprägt gewesen sein, durch Armut, durch mittellose Handwerker, Kleinhändler und Taglöhner. Auf das Haus, in dem wir heute Abend zu Gast sind, trifft das jedenfalls ganz und gar nicht zu. Es ist so groß und so prächtig, dass es an einem Ort wie diesem eigentlich nicht sein sollte. Wie kommt also das Palais ins Schtetl?

Der Erfinder dieses paradoxen Hauses – dessen Fassade ich übrigens ab dem Jahr 2003 renovieren durfte – war Samson Wertheimer, ein Wiener Hofjude und Gelehrter, ein Kreditgeber und Finanzberater des Kaiserhauses. Kurz vor dem Jahr 1700 wurde dieser Herr Wertheimer von der jüdischen Gemeinde Eisenstadt zum Ehrenrabbiner und vom Kaiser zum ungarischen Landesrabbiner ernannt, worauf sich der so Geehrte mit 61 Jahren – im Jahr 1719 – dieses Palais hier errichten ließ, das immerhin nach dem Schloss Esterházy der größte und bedeutendste Profanbau Eisenstadts ist!
Dieses Palais orientiert sich jedenfalls ganz und gar nicht an romantischer und expressionistischer Kleinstadtarchitektur, sondern an viel ferneren Ideen: hinter dem Palais Wertheimer in Eisenstadt steht das absolute Idealbild aller Architekturen jener Zeit, der Ur-Palast gewissermaßen, nämlich der Palazzo Farnese von Michelangelo in Rom. Ein ziemliches Statement, finde ich, inmitten der damals weitgehend erdgeschossigen, vielfach noch hölzernen Gebäude der Kleinstadt Eisenstadt. Hier wollte jemand definitiv nicht das eigene Wesen verhüllen, wie Sperber sagte, sondern ganz im Gegenteil: hier wollte jemand ein sehr, sehr deutliches Zeichen setzen. Die heutige lindgrüne und steingraue Fassung geht übrigens auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück.

Jetzt geht es für uns alle zurück, nämlich in das Schtetl des Jahres 1941. Einer der Wesenszüge der jüdischen Kultur ist ja das Wundersame: und so, wie im Jahr 1941 ein Zug ins Schtetl gelangte, so gelangte wohl auch im Jahr 1719 ein Palais in das Schtetl. Oder – um es mit Arik Brauer zu sagen -:

scho wieder so a Wunder


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