Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Autor: Johannes Reiss

Holzer Salomon – 02. Oktober 1934

Salomon (Schlomo) Holzer, 23. Tischre 695 (= Dienstag, 02. Oktober 1934) Hier nun der „richtige“ Grabstein von Salomon Holzer, dem Großvater von Herrn S.H. aus New Jersey, USA (mehr Informationen…

Salomon (Schlomo) Holzer, 23. Tischre 695 (= Dienstag, 02. Oktober 1934)

Hier nun der „richtige“ Grabstein von Salomon Holzer, dem Großvater von Herrn S.H. aus New Jersey, USA (mehr Informationen bei Ignatz Holzer, gest. 29. November 1894).
Danke an Erwin Hausensteiner für die Zusendung des Fotos vom Grabstein.


Grabstein Samuel Holzer, 02. Oktober 1934, jüdischer Friedhof Kobersdorf

Grabstein Samuel Holzer, 02. Oktober 1934, jüdischer Friedhof Kobersdorf, Foto: Erwin Hausensteiner


Die Grabinschrift

Inschrift Samuel Holzer: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) b(egraben) פ“נ
[2] ein geehrter und teurer Mann, איש נכבד ויקר
[3] d(er ehrbare) H(err) Salomon, כה שלמה
[4] Sohn des Natan בן נתן
[5] Holzer, a(uf ihm sei der) F(riede). האלטצער עה
[6] Der Name seiner Mutter war Hanna, a(uf ihr sei der) F(riede), ושם אמו חנה עה
[7] aus dem Dorf מכפר
[8] Oberrabnitz, [G(ott) m(öge es) b(eschützen)]. אבערראבניטץ [יע“א]
[9] Er verstarb zu נפטר ביום
[10] Simchat Tora שמחת תורה
[11] im Jahr 695 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). בשנת תרצה לפ“ק
[12] Dein guter Name und deine Wohltaten שמך הטוב וצדקותיך
[13] sind in unsere Herzen eingemeißelt. על לבנו חקוקה
[14] Zum Leidwesen unserer Seelen hast du uns zurückgelassen לדאבון נפשינו אזבתנו
[15] in der Öde. בשממה
[16] Deine Familien und deine Nachkommen משפחותיך וצאצאך
[17] weinen über deinen Tod. בכו על מיתתך
[18] Sie (alle) wehklagen, wenn sie kommen המה יקוננו בבואם
[19] an dein Grab. על קבריך
[20] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת’נ’צ’ב’ה’


Anmerkungen

Zeile 8: Der Segenswunsch nach dem Ortsnamen ist – zumindest auf dem mir zur Verfügung stehenden Foto – schlecht zu lesen. Erwarten würde ich יע“א, zu lesen als יבנה עירנו אמן, „(Gott) möge unsere Stadt aufbauen“. Die Abkürzung ist auch zu lesen als יגן עליה אלהים „Gott möge sie schützen (also „die jüdische Gemeinde Oberrabnitz“)“. Allerdings lese ich eher יע“ו, was mir als Abkürzung nicht bekannt ist. Wenn wir יצ“ו, יברכה צורנו וישמרה „sein Fels (= Gott) möge sie beschützen“, Amen“, lesen, wäre das ein Segenswunsch, der für Orte nicht verwendet wird, sondern nur für Menschen, und daher hier auch nicht in Frage kommt.

Zeile 14: Schreibfehler: Es macht nur עזבתנו „du hast uns zurückgelassen“ einen Sinn.


Biografische Anmerkungen

Salomon Holzer, Kaufmann (Geschäftsinhaber), geboren 1864, wohnhaft in Oberrabnitz, gest. mit 70 Jahren am 23. Tischre 695 = 02. Oktober 1934.
Der Tod ist im Sterbebuch der Gemeinde Unterrabnitz eingetragen.

(Die im Folgenden genannten Namen und Daten waren Herrn S.H. bekannt, sie seien hier nur der Vollständigkeit halber angeführt):

Ehefrau: Johanna Blum

Töchter:
Amalia Holczer
, geb. 09. Juni 1902 in Oberrabnitz, eingetragen im Geburtenbuch Unterrabnitz

Kamilla Holczer, geb. 17. Oktober 1907 in Oberrabnitz, eingetragen im Geburtenbuch Unterrabnitz. Geheiratet am 03. März 1938 Ignaz Hacker aus Kaisersdorf, eingetragen im Ehebuch Kaisersdorf

Söhne:
Eugen / Jenö Holzer
, geb. 08. September 1909 in Oberrabnitz, eingetragen im Geburtenbuch Draßmarkt. Geheiratet am 03. März 1938 (offensichtlich Doppelhochzeit, s.o.) Helene Hacker aus Kaisersdorf, eingetragen im Ehebuch Kaisersdorf. Eugen und Helene Holzer hatten 3 Kinder

Leo Holzer, geb. 13. September 1914, eingetragen im Geburtenbuch Draßmarkt


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Holzer Ignatz -29. November 1894

Ignatz (Isak) Holzer, 01. Kislew 655 (= Donnerstag, 29. November 1894) Herr S.H. aus New Jersey, USA, ist auf der Suche nach dem Grab seines Großvaters Salomon Holzer und hat…

Ignatz (Isak) Holzer, 01. Kislew 655 (= Donnerstag, 29. November 1894)

Herr S.H. aus New Jersey, USA, ist auf der Suche nach dem Grab seines Großvaters Salomon Holzer und hat den jüdischen Friedhof in Kobersdorf besucht. Dort fand er mit Hilfe auch ein Grab, das laut Aufzeichnung das Grab des Salomon Holzer sein sollte. Er hat uns ein Foto geschickt mit der Bitte um Verifizierung und Übersetzung der gesamten Grabinschrift.
Vorweg: Es handelt sich leider nicht um das Grab von Salomon Holzer, sondern um das von Ignatz (Isak) Holzer, gest. 29. November 1894 im Alter von 9 Jahren.

Über Salomon Holzer besitzen wir leider nur spärliche Informationen:
Salomon Holzer, gest. 07. Februar 1892 in Walpersbach (südöstliches Niederösterreich) mit 77 Jahren an Altersschwäche.
In 2. Ehe hatte Salomon Holzer am 22. Februar 1865 in Kobersdorf Paulina Philipp aus Mattersdorf geheiratet. Salomon, Witwer und Hausierer, war 43 Jahre und Pauline 31 Jahre alt.



Der Grabstein von Ignatz (Isak) Holzer

Ignatz (Isak) Holzer, 01. Kislew 655 = 29. November 1894, Kobersdorf

Ignatz (Isak) Holzer, 01. Kislew 655 = 29. November 1894, Kobersdorf


Die Grabinschrift

Inschrift Ignatz Holzer: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen), schön von Angesicht, ein Jüngling, liebenswert und verständig, פ“נ יפה נוף בחור נחמד ומשכיל
[2] Isak, יצחק
[3] Sohn d(es ehrenwerten) H(errn) Jakob Holzer, a(uf ihm sei) F(riede). בן כ“ה יאקב הולצער ע“ה
[4] S(eine Seele) g(ing hinweg) am 1. Kislew 655 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). נ“י א“ כסלו ת“ר“נ“ה“ לפ“ק
[5] Ein finsterer und dunkler Tag für uns alle, יום חושך ואפילה לכלנו
[6] Schreien und Weinen hörte man in unserem Haus. צעקה ובכי נשמע בביתינו
[7] [Überaus] eilig hast du uns verlassen, חוש[…] מהרה עזבת אותנו
[8] auf ewig wird man dich liebenswert und liebenswürdig nennen. קראו לך עלם נחמד ונעים
[9] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת’נ’צ’ב’ה’


Anmerkungen

Zeile 1 (Rundbogen): Psalm 48,3 יפה נוף.

Zeile 5: Joel 2,2 יום חושך ואפלה.


Biografische Anmerkungen

Ignatz Holzer, geboren 07. Juni 1885, gest. mit 9 Jahren am 01. Kislew 655 = 29. November 1894.

Leider findet sich in den Sterbematriken von Kobersdorf kein Eintrag. Lesen wir statt תרנה תרנח, also 658, dann wäre der Sterbetag Freitag, der 26. November 1897 und Ignatz mit 12 Jahren gestorben. Allerdings findet sich auch mit diesem Datum kein Eintrag in den Sterbematriken. Vielleicht ist Ignatz Holzer nicht in Kobersdorf gestorben, sondern in Derecske (Draßmarkt) und der Sterbeeintrag wurde in Kobersdorf nicht nachgetragen?

Geburt Ignatz (Isak) Holzer, 07. Juni 1885 in Kobersdorf

Geburt Ignatz (Isak) Holzer, 07. Juni 1885 in Kobersdorf


Vater: Meyer Jakob Holzer, Hausierer/Händler, geboren 18. Juli 1851 in Kobersdorf als Sohn des Nathan und der Hani Holzer

Geburt Jakob Holzer, 18. Juli 1851 in Kobersdorf

Geburt Jakob Holzer, 18. Juli 1851 in Kobersdorf


Mutter: Rosa Hacker, geb. in Kobersdorf, Händler-Ehefrau, gest. 26. Oktober 1894 in Derecske (Draßmarkt), mit 43 Jahren an Gebärmutterentzündung

Hochzeit Meyer Jakob Holzer und Rosa Hacker am 15. Oktober 1879 in Kobersdorf. Meyer Jakob Holzer, wh.: Karl (bei Kobersdorf), Hausierer, 28 Jahre, Rosa Hacker, Tochter des Maier und der Netti Hacker aus Kobersdorf, 20 Jahre

10 Tage vor dem Tod von Rosa Hacker, am 16. Oktober 1894 wird ein Sohn ohne Namen geboren, der mit 37 Tagen, am 22. November 1894, also einige Tage vor seinem Bruder Ignaz Isak Holzer, an einem Magen-Darm-Katarrh und (ebenfalls) namenlos starb!


Nach dem Tod von Rosa Hacker heiratet Jakob Holzer ein zweites Mal:

Hochzeit Jakob Holzer, Witwer, wohnhaft Derecske (Draßmarkt) und Emilie Hacker am 08. Juli 1895. Emilie Hacker, ledige Tochter des Moses Hacker und der Amalia Kohn, geb. in Derecske (Draßmarkt), wohnhaft in Derecske (Draßmarkt)

Hochzeit Jakob Holzer und Emilie Hacker, 08. Juli 1895 in Derecske

Hochzeit Jakob Holzer und Emilie Hacker, 08. Juli 1895 in Derecske (Draßmarkt)


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Pesach 5779

Übermorgen, am Freitag, dem 19. April 2019, ist der 14. Nisan und damit Erev Pesach. Wir wünschen Ihnen ein frohes und koscheres Pesachfest 5779! חג פסח כשר ושמח! Außerdem wünschen…


Übermorgen, am Freitag, dem 19. April 2019, ist der 14. Nisan und damit Erev Pesach.

Wir wünschen Ihnen ein frohes und koscheres Pesachfest 5779!

חג פסח כשר ושמח!

Außerdem wünschen wir unseren christlichen Leserinnen und Lesern ein frohes Osterfest!


Das Bild oben zeigt die sehr unübliche Darstellung einer Sedertischgesellschaft auf der Titelseite der Pesach Haggada von Meschullam Zimel, Wien 1719.

(Da das Headerbild sich automatisch an die Bildschirmgröße anpasst und daher möglicherweise nicht alle Details zu sehen sind, hier das Bild noch einmal:)

Pesach Haggada, Meschullam Zimel, Wien 1819, Ausschnitt Titelseite mit Sedertischgesellschaft

Pesach Haggada, Meschullam Zimel, Wien 1719, Ausschnitt Titelseite mit Sedertischgesellschaft



Auf einem für das Sedermahl gedeckten Tisch sitzen fünf Männer und vier Frauen. Von beiden Seiten kommen Diener und servieren der edlen Tischgesellschaft Speisen und Getränke.

Ebenfalls auf der Titelseite lesen wir über den Künstler:

…der in der Kupferstecherei ausgezeichnet erfahrene Künstler,
der ehrenwerte Herr und Meister Zimel, Schreiber aus Polná (in Böhmen / Tschechien),
für den Erhabenen/Repräsentanten und Freizügigen, dem Vorzüglichen, dem in der Zier
und der Ehre Gottes sehr Erhabenen,
Natan, dem Sohn des Vorstehers
und in der Ehre Gottes berühmten Erhabenen/Repräsentanten
Isak Oppenheimer aus Wien, u(nser Fels) m(öge die Stadt segnen) u(nd beschützen),
im Jahre 1719 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung) in Wien, mit den Buchstaben
von Amsterdam.

Pesach Haggada, Meschullam Zimel, Wien 1719, Ausschnitt Titelseite mit Titeltext, umrahmt von Bildern von Moses und Aaron, David und Salomon

Pesach Haggada, Meschullam Zimel, Wien 1719, Ausschnitt Titelseite mit Titeltext, umrahmt von Bildern von Moses und Aaron, David und Salomon


Kleiner Exkurs zu den „Buchstaben aus Amsterdam“:

Ende des 16. Jahrhunderts ließen sich viele Marranen, also unter Zwang zum Christentum bekehrte iberische Juden, die sich Anfang des 17. Jahrhunderts wieder offen zum Judentum bekannten, in Amsterdam nieder. Ihr großes Interesse an hebräischer Literatur führte dazu, dass 1626 Menasse ben Israel in Amsterdam eine hebräische Druckerei gründete, in der nicht nur sehr viele hebräische und lateinische Bücher gedruckt wurden, sondern in der auch neue Schrifttypen geschnitten wurden. Die hervorragende Qualität dieser „Amsterdamer Buchstaben“ ließ später viele ausländische Schreiber – nicht ganz wahrheitsgemäß – auf ihren Titelseiten den Vermerk anbringen „Mit den Buchstaben von Amsterdam„.


Besonders empfehlen möchten wir die vielen von Chajm Guski auf talmud.de zur Verfügung gestellten Informationen zum Pesachfest, darunter auch die Pesach-Haggada im Volltext.

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Auf nach Cleveland!

Mit großer Spannung haben wir auf den 1. April gewartet. Denn an diesem Tag wurden alle Genealogen auf der ganzen Welt, die einen Themenvorschlag eingereicht hatten, informiert, ob ihr Vortragsthema…

Mit großer Spannung haben wir auf den 1. April gewartet. Denn an diesem Tag wurden alle Genealogen auf der ganzen Welt, die einen Themenvorschlag eingereicht hatten, informiert, ob ihr Vortragsthema akzeptiert wird.

Und nein, es ist kein Aprilscherz. Mein eingereichter Vortragsentwurf wurde angenommen und ich zur 39. Internationalen Konferenz zur Jüdischen Geneaolgie nach Cleveland, Ohio, vom 28. Juli bis 02. August 2019, eingeladen! :-)

Screenshot E-Mail

Screenshot E-Mail


Ich freue mich riesig über diese Einladung, sowohl für mich selbst als auch für „mein“ Museum, bin sehr dankbar und empfinde es als wirklich große Ehre, vor hunderten jüdischen Genealogen aus der ganzen Welt sprechen zu dürfen.

Titel meines Vortrages:
Hilfe! Ich kann nicht Hebräisch, aber ich brauche hebräische Quellen für meine genealogischen Forschungen.

Untertitel:
Auch ohne (gründliche) Hebräischkenntnisse ist es meist möglich, die wichtigsten biografischen Informationen aus hebräischen Quellen herauszulesen.

Es soll hier noch nicht all zuviel verraten werden, aber die Richtung ist wohl klar: Viele Genealogen können nicht Hebräisch und sind daher nicht imstande, etwa auf einem jüdischen Friedhof mit hebräischen Grabinschriften das „richtige“ (also gesuchte) Grab zu finden. Oder sie finden in den Matriken ihren „Ignaz Kohn“, der auch mit seinem hebräischen Namen auf Hebräisch eingetragen ist; Und warum dieser hebräische Vorname für die genealogische Forschung oft sehr wichtig ist…

Selbstverständlich werden wir über die Konferenz in Text und Bild berichten!


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