Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Autor: Johannes Reiss

Goldstein August – 23. Juli 1901

August (Mose) Goldstein, 26. Tevet 682 (= Dienstag, 23. Juli 1901) Der Grabstein befindet sich auf dem jüdischen Friedhof von Frauenkirchen. Die Grabinschrift Inschrift August Goldstein: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung…

August (Mose) Goldstein, 26. Tevet 682 (= Dienstag, 23. Juli 1901)

Der Grabstein befindet sich auf dem jüdischen Friedhof von Frauenkirchen.

Grabstein August (Mose)  Goldstein, 23. Juli 1901. Foto: Dr. Herbert Brettl

Grabstein August (Mose) Goldstein, 23. Juli 1901. Foto: Dr. Herbert Brettl


Die Grabinschrift

Inschrift August Goldstein: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ“נ
[2] ein teurer Sohn, der unverheiratete Mann בן יקיר הבחור
[3] Mose (August) משה (אויגוסט)
[4] Goldstein, גאלדשטיין
[5] a(uf ihm sei) F(riede). ע“ה
[6] Er verstarb am 7. Av und wurde begraben a(m) 9. A(v) נפטר ז’ אב ונקבר בט“ב
[7] im Jahr 661 n(ach der kleinen Zeitrechnung). בשנת תרס“א ל.
[8] Wie hast du nur so schnell finden können ein Grab noch als Jüngling. מה זה מהרת למצא קבר בעודך נער
[9] Im Haus deiner Eltern ist das Tor zu Trümmern geschlagen. לילה ויום הכן לעזר נאנחים ונאנקים
[10] Du liegst wie ein Siegel auf ihren Herzen, dein Lager ist frisches Grün. יחד עשיר ואביון סובלי חולאים לחקים
[11] In der Finsternis breitet sich dein Lager aus und es wird ausgerufen: בחשך רפד יצועך ויעבר הרנה
[12] Hoffe auf Gott, denn wir werden ihn noch preisen. Steh auf und leuchte הוחילה לאלקים עוד תודנו קומי אורי
[13] in Seinem Licht und Seiner Wahrheit, wenn du in die Höhe auffährst. באורו ואמתו כעת במרום תמריאי
[14] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת’נ’צ’ב’ה’
[15] Der Name seiner Mutter ist Mirjam. ושם אמו מרים


Anmerkungen

Zeile 8: Genesis 27,20 מה זה מהרת….

Zeile 9: Jesaia 24,12 …ושאיה יחת שער. Wortumstellung wegen des Reimes.

Zeile 10a: S. Hohelied 8,6 „Leg mich wie ein Siegel auf dein Herz שימני כחותם על לבך….
10b: S. Hohelied 1,16: „…Unser Lager ist frisches Grün“ …אף ערשנו רעענה:.

Zeile 11a: S. Ijob 17,13 „…In der Finsternis breite ich mein Lager aus.“ בחשך רפדתי יצועי:. Ich hätte in der Grabinschrift beim Verb auch eher eine 2. Person erwartet, also „du breitest aus…“. „Er breitet dein Lager aus“ würde nur Sinn machen, wenn Gott das Subjekt wäre, daher oben reflexiv übersetzt.
11b: 1 Könige 22,36 ויעבר הרנה.

Zeile 12a: S. besonders Psalm 42,6; 42,12 und 43,5: „Hoffe auf Gott, denn ich werde ihn noch preisen…“ הוחילי לאלהים כי עוד אודנו. Nur am Rande sei angemerkt, dass die Formulierung עוד תודנו exakt wie in der Grabinschrift in dem Gedicht קברות התאוה des großen Dichters der Haskala, Jehuda Leib Gordon, vorkommt.
12b: Jesaja 60,1 קומי אורי….

Zeile 13b: Ijob 39,18: כעת במרום תמריא. Im Bibeltext ist תמריא allerdings 3. f sg (Wenn sie – die Straußenhenne – aufschnellt…), in der Grabinschrift ist das Verb natürlich als 2. m sg zu lesen „du fährst auf“.

Zeile 8, 10 und 12: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben ergeben den hebräischen Vornamen des Verstorbenen (Mose).


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Aaronitischer Segen

Eine kleine Anfrage erreichte uns aus Salzburg. Die Dame hatte ein Amulett geschenkt bekommen und möchte gerne wissen, welcher Text sich darauf befindet. Die Inschrift Inschrift Amueltt Priestersegen: Zeilengerechte Transkription…

Eine kleine Anfrage erreichte uns aus Salzburg. Die Dame hatte ein Amulett geschenkt bekommen und möchte gerne wissen, welcher Text sich darauf befindet.

Amueltt mit dem Priestersegen

Amueltt mit dem Priestersegen


Die Inschrift

Inschrift Amueltt Priestersegen: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Es segne (dich) יברך
[2] der HERR יהוה
[3] und behüte dich. וישמרך
[4] Der HERR lasse leuchten יאר יהוה
[5] sein Angesicht פניו
[6] über dir אליך
[7] und behüte dich. ויחנך
[8] Der HERR erhebe ישא יהו[ה]
[9] sein Angesicht über [dich]. פניו אלי[ך]
[10] und gebe d[ir] וישם ל[ך]
[11] Frieden. שלום


Anmerkungen

Es handelt sich um den sogenannten aaronitischen Segen (auch „Priestersegen“), hebr. בִּרְכַּת כֹּהֲנִים, den Gott dem Mose geoffenbart hat (Numeri 6,24).

Der Segen ist in althebräischer Schrift geschrieben, in der es keine Finalbuchstaben gibt. Finales Kaf ך und finales Mem ם werden aber oben in der Transkription geschrieben.

Das Amulett ist den Silberrollen von Ketef Hinnom, zwei winzigen Schriftrollen aus fast reinem Silber aus dem 7. Jahrhundert v.u.Z. nachempfunden, auf denen sich die älteste Form des aaronitischen Segens befindet.

Bis auf zu vernachlässigende Kleinigkeiten ist der Bibeltext auf dem Amulett wörtlich wiedergegeben:

Zeile 1: Das zweite (finale) Kaf, das die Rolle des Suffixes der 2. Person mask sing hat, fehlt: יברך statt יברכך.

Zeile 10: Es ist für mich nicht sicher festzustellen, ob das ו (im Bibeltext: וישם) geschrieben ist oder nur ישם.


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Chanzia Katz – 22. Oktober 1847

Chanzia Katz, 12. Marcheschwan 608 (= Freitag, 22. Oktober 1847) Der Grabstein befindet sich auf dem jüdischen Friedhof von Salischtschyky (Ukraine). Die Grabinschrift Inschrift Chanzia Katz: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung…

Chanzia Katz, 12. Marcheschwan 608 (= Freitag, 22. Oktober 1847)

Der Grabstein befindet sich auf dem jüdischen Friedhof von Salischtschyky (Ukraine).

Grabstein Chanzia Katz, 12. Marcheschwan 608 = 22. Oktober 1847, jüdischer Friedhof Salischtschyky, Foto: Dr. Hania Fedorowicz

Grabstein Chanzia Katz, 12. Marcheschwan 608 = 22. Oktober 1847, jüdischer Friedhof Salischtschyky, Foto: Dr. Hania Fedorowicz



Die Grabinschrift

Inschrift Chanzia Katz: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Im Jahr 608 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). שנת תרח לפק
[2] H(ier liegt) b(egraben) פנ
[3] eine Frau, die Bedeutende, אשה החשובה
[4] Frau Chanzia, Tochter des מרת חנציא בת
[5] MORENU Elijahu Katz. מוה אליהו כץ
[6] Sie ver(starb) am 12. Marcheschwan. נפ יב מרחשון
[7] I(hre Seele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Zeile 1: Das Sterbejahr in der 1. Zeile ist mit kleinem Vorbehalt zu lesen, da der letzte Buchstabe nicht ganz sicher zu lesen ist. Wenn der linke horizontale Strich des ח, was ich vermute, nur „verrutscht“ ist, dann stimmt oben angegebenes Sterbedatum. Ohne diesen linken Strich wäre es ein ד und das Sterbedatum der 12. Marcheschwan 604 = 05. November 1843. Auch ein ה käme in Frage, dann wäre das Sterbedatum der 12. Marcheschwan 605 = 25. Oktober 1844. Ohne den Grabstein vor Ort zu sehen, ist die Frage nicht sicher zu beantworten.

Zeile 5: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).


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Simon, Sohn des Menachem – 28. Jänner 1846

Simon, Sohn des Menachem, 01. Schvat 606 (= Mittwoch, 28. Jänner 1846) Der Grabstein befindet sich auf dem jüdischen Friedhof von Salischtschyky (Ukraine). Die Grabinschrift Inschrift Simon 1846: Zeilengerechte Transkription…

Simon, Sohn des Menachem, 01. Schvat 606 (= Mittwoch, 28. Jänner 1846)

Der Grabstein befindet sich auf dem jüdischen Friedhof von Salischtschyky (Ukraine).

Grabstein Simon, Sohn des Menachem 01. Schvat 606 = 28. Jänner 1846, jüdischer Friedhof Salischtschyky, Foto: Dr. Hania Fedorowicz

Grabstein Simon, Sohn des Menachem, 01. Schvat 606 = 28. Jänner 1846, jüdischer Friedhof Salischtschyky, Foto: Dr. Hania Fedorowicz


Die Grabinschrift

Inschrift Simon 1846: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] 606. תרו
[2] H(ier liegt) b(egraben) der unverheiratete Mann, der MORENU, Herr פנ הבחור מוהרר
[3] Simon, S(ohn des) MO(RENU) Menachem. שמעון במו מנחם
[4] Er verstarb a(m) N(eumond)t(ag) Schvat. נפטר ברח שבט
[5] S(eine Seele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Zeile 2 und 3: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).


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