Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Autor: Johannes Reiss

Jüdisches Burgenland – Entdeckungsreisen

Was, bitte, war denn Wien? A Vorort von Aisenstadt! Dieser im Jerusalemer Stadtteil »Kirjat Mattersdorf« noch immer gebräuchliche Ausspruch zeigt die einzigartige Bedeutung der jüdischen Gemeinden des Burgenlands. Den Reigen…

Was, bitte, war denn Wien? A Vorort von Aisenstadt!

Dieser im Jerusalemer Stadtteil »Kirjat Mattersdorf« noch immer gebräuchliche Ausspruch zeigt die einzigartige Bedeutung der jüdischen Gemeinden des Burgenlands.

Den Reigen der Veranstaltungen anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums unseres Museums eröffnet die

Präsentation des eben erschienenen Buches

Jüdisches Burgenland. Entdeckungsreisen
von Christof Habres und Elisabeth Reis

mit Podiumsdiskussion.

Wir laden Sie sehr herzlich dazu ein!

Wann: Sonntag, den 15. April 2012, Matinee um 11 Uhr
Wo: Österreichisches Jüdisches Museum

Am Podium:

Florian Bayer (Leiter Esterházy-Sammlung) oder Robert Tannenbaum (Leiter Kulturbetriebe Esterházy)

Paul Gulda (R.E.F.U.G.I.U.S)

Lutz Popper (Arzt, Oberwart)

Patrick Frankl (Geschäftsführer Schiller-Moden, Eisenstadt)

Johannes Reiss (Österreichisches Jüdisches Museum, Eisenstadt)

 

Die historisch-literarischen Entdeckungsreisen in die Vergangenheit und zu den gegenwärtigen Spuren jüdischen Lebens im Burgenland

Das Autorenduo Christof Habres und Elisabeth Reis beschreibt die in Österreich einzigartige Geschichte jüdischen Lebens, die weltweit bis heute bekannten rabbinischen Lehrtraditionen der Tora- und Talmudschulen des Landes, aber auch die ungeheuer radikale und schnelle Auslöschung der jüdischen Gemeinden nach dem Anschluss. Einfühlsame Porträts von Zeitzeugen, Nachfahren jüdischer Burgenländer und engagierter Menschen führen zu den Spuren in der Gegenwart.

Die spannenden, penibel recherchierten Entdeckungsreisen vom Weinkeller in der Seitenstettengasse in Wien, zu allen ehemaligen jüdischen Gemeinden im Burgenland bis in den Stadtteil »Kirjat Mattersdorf« in Jerusalem machen dieses Buch zu einem lesenswerten Kaleidoskop dieser bedeutenden, in Mitteleuropa herausragenden Epoche jüdischen Lebens.

Quelle: Metro-Verlag

Die Vorbereitungen unseres Jubiläumsprogramms laufen auf Hochtouren: in Bälde werden wir unser „Outdoor-Projekt Ver-/Be-gangen“ präsentieren und Sie selbstverständlich hier am Laufenden halten!


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Bild der Woche – Kreuzstadl

Gestern fand in Rechnitz das alljährliche Gedenken an die ermordeten 180 ungarischen Zwangsarbeiter statt. 67 Jahre danach wurden gestern 12 Schau-/Texttafeln und Schaukästen feierlich eröffnet. Zahlreiche Prominenz, darunter auch Bundespräsident…

Gestern fand in Rechnitz das alljährliche Gedenken an die ermordeten 180 ungarischen Zwangsarbeiter statt. 67 Jahre danach wurden gestern 12 Schau-/Texttafeln und Schaukästen feierlich eröffnet. Zahlreiche Prominenz, darunter auch Bundespräsident Dr. Heinz Fischer und Oberrabbiner Prof. Paul Chaim Eisenberg, kam nach Rechnitz …

Rechnitz, Kreuzstadl

„Nach der Eröffnung ist vor der Eröffnung ;-) …“ – etwa 30 Minuten vor der offiziellen Eröffnung

Rechnitz, Kreuzstadl

Nein, die Abedeckung ist kein Sonnenschutz (trotz strahlender Sonne), sondern diente dazu, die der Eröffnung vorangehende Gedenkfeier in würdigem Rahmen abhalten zu können.

Online-Berichte:

Update 27. 03. 2012:

Update 31. 03. 2012:



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Bild der Woche – Purim 5772/2012

Am 14. Adar, heuer Donnerstag, der 8. März, wird Purim gefeiert. Die Ereignisse, auf die sich das Fest bezieht, liegen in teils historischer, teils legendärer Überlieferung im biblischen Buch Ester…

Am 14. Adar, heuer Donnerstag, der 8. März, wird Purim gefeiert. Die Ereignisse, auf die sich das Fest bezieht, liegen in teils historischer, teils legendärer Überlieferung im biblischen Buch Ester vor. Das Fest wurde nach dem „Pur“, dem Los benannt, nach welchem der königliche Ratgeber Haman den 13. Adar zur Vernichtung der persischen Juden zur Herrschaftszeit des Achaschwerosch/Artaxerxes festgelegt hatte. Durch das Einschreiten Esters und ihres Cousins/Onkels bzw. Adoptivvaters Mordechai konnte aber das Unglück von den Juden in Persien abgewandt werden … und es wurden nicht die Juden ausgerottet, sondern Haman und seine 10 Söhne landeten schließlich am Galgen.

Eine höchst interessante und vor allem ungewöhnliche Darstellung einer Reihe von Szenen aus dem Buch Ester finden wir fol. 157r im Regensburger Pentateuch (um 1300, Jerusalem, Israel Museum, Ms 180/52).

Die Darstellungen zeigen hier keinerlei Übereinstimmung mit früheren Wiedergaben des Themas oder mit außerbiblischen Midraschmotiven! Die Themen der sechs Bilder sind in zwei Reihen übereinander angeordnet: in der oberen Reihe, unter einer Doppelarkade, steht Ester vor Achaschwerosch, der auf seinem Thron sitzt, links daneben der erhängte Haman. In der unteren Reihe dann die 10 erhängten Söhne Hamans, rechts daneben Mordechai auf dem Pferd des Königs. Unter dem Pferdehuf ein menschlicher Kopf, wohl jener des Haman? Die Söhne sind jeweils zu fünft auf zwei Balken aufgehängt:

Regensburger Pentateuch, um 1300, fol. 157r

Das hebräische Wort „Ez“ עץ bedeutet sowohl „Holz“ als auch „Balken“, was die ungewöhnliche Darstellung im Regensburger Pentateuch rechtfertigt! Außerdem entspricht sie dem biblischen Bericht, in dem über die Tötung Hamans und jene seiner Söhne getrennt berichtet wird:

Vor dem Haus Hamans steht schon ein fünfzig Ellen hoher Galgen; ihn hat Haman für Mordechai aufgestellt, der dem König durch seine Anzeige einen guten Dienst erwiesen hat. Der König befahl: Hängt ihn daran auf! Da hängen sie Haman an den Galgen, den er für Mordechai errichtet hatte…

Ester 7,9

Und erst zwei Kapitel später, in Ester 9,13f, ist auch von der Tötung der 10 Söhne Hamans die Rede:

Ester antwortete: „Außerdem soll man die zehn Söhne Hamans an den Galgen hängen“. Der König befahl, es solle so geschehen. Man gab also in Susa noch einen Erlass heraus und hängte die zehn Söhne Hamans auf…

Schließlich soll noch ein Beispiel gezeigt werden, wie die mit dem Regensburger Pentateuch etwa zeitgleichen Handschriften aus Deutschland die Hängung Hamans und seiner Söhne darstellen: nämlich an den Zweigen eines Baumes:

Wormser Machzor, 1272, fol. 57r

Wormser Machzor, 1272, Jerusalem, National- und Universitätsbibl. Ms. Hebr. 4° 781/I, fol. 57r

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein fröhliches Purim!

חג פורים שמח לכולם

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir – vor allem jenen, die eine Lesehilfe für die Megillat-Ester benötigen – die Schulungsvideos von Rabbiner Rabbi Hillel Chajm Lavery-Yisraeli aus Jerusalem! Gefunden und mehr Informationen auf „Chajms Sicht„!


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40 Jahre Österreichisches Jüdisches Museum

Liebe Blogleserinnen und Blogleser, unser Museum startet 2012 in sein 40-Jahr-Jubiläum! Ein Jubiläum, das nicht nur für uns, sondern auch innerhalb der Jüdischen-Museen-Landschaft ein ganz besonderes ist. Daher diesmal ein…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

unser Museum startet 2012 in sein 40-Jahr-Jubiläum! Ein Jubiläum, das nicht nur für uns, sondern auch innerhalb der Jüdischen-Museen-Landschaft ein ganz besonderes ist.

Daher diesmal ein Artikel in „eigener Sache“. Wir haben in diesem Jubiläumsjahr sehr viel vor und selbstverständlich halten wir Sie hier und in unserem Newsletter ständig auf dem Laufenden.

Logo Österreichisches Jüdisches Museum


2012 feiert das Österreichische Jüdische Museum in Eisenstadt sein 40-jähriges Bestehen. Das gesamte Jahresprogramm, das mit einer Reihe innovativer musealer Angebote aufwartet, steht im Zeichen dieses Jubiläums. Highlights des Jubiläums-Jahresprogramms 2012 sind

  • die Stadt- und Straßenausstellung „Ver-/Be-gangen“ und
  • die Präsentation eines „Reiseführers durch das jüdische Burgenland“

VER-/BE-GANGEN

Das Projekt „Ver-/Be-gangen“ präsentiert sich als temporäre Stadt- und Straßenausstellung und damit als museales Projekt außerhalb des musealen Raums. Es soll ab Frühjahr 2012 Spuren des jüdischen Eisenstadt für EisenstädterInnen und EisenstadtbesucherInnen sicht- und begehbar machen: Schauplätze ehemaligen jüdischen Lebens sollen durch Bodenmarkierungen und Textfelder kenntlich gemacht und damit Impulse des Erinnerns in das Eisenstädter Stadtbild eingetragen werden. Ziel des Ausstellungsprojekts ist die Ver-öffentlich-ung musealer Erinnerungs-Arbeit – als Aufbereitung der jüdischen Geschichte Eisenstadts im öffentlichen Raum, außerhalb der „Laborsituation Museum“.

REISEFÜHRER DURCH DAS JÜDISCHE BURGENLAND

Auch in punkto Jubiläumspublikation geht das Österreichische Jüdische Museum ungewöhnliche Wege: Anstelle einer üblichen Jubiläums-Festschrift wird ein „Reiseführer durch das jüdische Burgenland“ präsentiert. Der „Reiseführer“, der die LeserInnen durch die ehemaligen jüdischen Gemeinden des Burgenlands begleitet, will Burgenland-Besucher und alle Interessierten einladen, Spuren des traditionsreichen jüdischen Lebens in der Region vor Ort zu entdecken. Der „Reiseführer durch das jüdische Burgenland“ wird in deutscher und englischer Sprache erscheinen und soll im Herbst präsentiert werden.

Außerdem bringt das Jubiläumsjahr unter anderem neue Kinderprogramme, Hebräischkurse, zahlreiche literarische und musikalische Veranstaltungen sowie den weiteren Ausbau des Online-Angebots, das sich schon jetzt als substantieller Teil der musealen Gesamtidentität präsentiert (Blog ‚Koschere Melange‘, Facebook, Twitter).

Das Österreichische Jüdische Museum in Eisenstadt wurde 1972 als erstes jüdisches Museum in Österreich nach 1945 gegründet und zählt zu den Pionieren unter den jüdischen Museen Europas. Die Initiative zur Museumsgründung kam vom Vorstand des Instituts für Judaistik der Universität Wien, Univ.-Prof. DDr. Kurt Schubert, unterstützt durch den damaligen Landesrat für Kultur und späteren Bundeskanzler Dr. Fred Sinowatz, der bis zu seinem Tod im Jahr 2008 als Präsident des Trägervereines des Museums fungierte.

Das Wertheimerhaus, ca. 1921

2011 feierte das Burgenland seine 90-Jahr-Feier. 1921 beherbergte das Wertheimerhaus noch die „Weinhandlung Leopold Wolf’s Söhne“ und im Nebenhaus, im heutigen Landesmuseum, errichtete Sandor Wolf seine „Wolf-Sammlung“ mit einem sehr großen Judaicabestand.
2012 feiert das jüdische Museum in Eisenstadt sein 40-jähriges Jubiläum.

Das Österreichische Jüdische Museum hatte das Glück, sich im Palais des ungarischen Landesrabbiners Samson Wertheimer in der ehemaligen Judengasse von Eisenstadt einrichten zu können; somit befindet es sich an einem Ort, an dem jüdisches Leben seit dem Mittelalter belegt ist und mehr als 300 Jahre lang eine namhafte jüdische Gemeinde angesiedelt war. Das Museum mit hauseigener Synagoge ist dieser einzigartigen jüdischen Geschichte Eisenstadts und der Region inhaltlich verpflichtet. Es bietet auf rund 1000 m² Ausstellungsfläche einen informativen und ästhetischen Rahmen für die Geschichte, Religion und Kultur des österreichischen, insbesondere des burgenländischen Judentums.

Quelle: ots.at vom 30. Jänner 2012.


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