Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Autor: Johannes Reiss

WER glaubt WAS – Nachlese

Am Sonntag fand bei uns im Museum die Eröffnungs-Matinee „WER glaubt WAS“ unserer Veranstaltungsreihe „Schalom – Salam – Grüß Gott“ statt. Obwohl wir bei der Terminwahl jüdische, christliche und islamische…

Am Sonntag fand bei uns im Museum die Eröffnungs-Matinee „WER glaubt WAS“ unserer Veranstaltungsreihe „Schalom – Salam – Grüß Gott“ statt. Obwohl wir bei der Terminwahl jüdische, christliche und islamische Feiertage sowie viele Veranstaltungen in unserer Region bedacht hatten, den Wiener City-Marathon und die damit verbundenen Verkehrshindernisse haben wir übersehen. Trotzdem konnten sowohl die Referenten als auch die BesucherInnen aus Wien rechtzeitig eintreffen und die Matinee fast pünktlich beginnen. Etwa 60 Interessierte waren nach Eisenstadt gekommen, unser Birnbaum-Auditorium war voll besetzt.

Die Referenten schafften tatsächlich das schier Unmögliche, oder – wie es Rabbiner Hofmeister ausdrückte, die Quadratur des Kreises -, nämlich ihre eigene Religion in knapp 20 Minuten vorzustellen, das Selbstverständnis ihrer Religion zu erläutern und auf das Verhältnis zu den jeweils beiden anderen Religionen einzugehen. Das Publikum wiederum nützte die Präsenz der geballten Kompetenz in Person unserer Referenten zu angeregten Diskussionen. Bloß die Schlussrunde geriet ein bisschen zu kurz, aber wir werten es als gutes Zeichen, wenn nach 90 Minuten das Interesse ungebrochen ist ;)

Auch hier nochmals ein herzliches Dankeschön den Referenten und allen BesucherInnen!

Um Sie ein wenig teilhaben zu lassen an unserer Matinee, im Folgenden 3 2 Videos mit Ausschnitten aus den Impulsreferaten. Am Tisch die Referenten und mein Mitarbeiter Christopher Meiller, der die Veranstaltungsreihe kuratiert und die Matinee moderiert hat.
(Bitte um Entschuldigung für die amateurhafte Qualität, es war mein erster Versuch überhaupt mit einer Videokamera.)

Bitte besuchen Sie (hinkünftig) auch unseren neu eingerichteten YouTube-Kanal.


Ausschnitt aus dem Impulsreferat von Dr. Peter Zeillinger, Wien.


Ausschnitt aus dem Impulsreferat von Univ.-Prof. Dr. Ednan Aslan, Wien.


Nächste Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Schalom – Salam – Grüß Gott“: Exkursion am 03. Juni:

Wir besuchen den „Wiener Stadttempel“ (es führt uns Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg), die Ruprechtskirche und das Islamische Zentrum.

Bitte beachten Sie, dass für diese Veranstaltung eine Anmeldung bis spätestens 26. Mai 2010 nötig ist (maximal 40 Personen). Es sind derzeit noch Plätze frei.


Mehr Informationen finden Sie auf der Überblicksseite der Veranstaltungsreihe „Schalom – Salam – Grüß Gott„.

Anmeldungen:


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Bild der Woche – WER glaubt WAS

Die erste Veranstaltung unserer Reihe „Schalom – Salam – Grüß Gott“ ging vor einer Stunde zu Ende, vor wenigen Minuten verließen die letzten Gäste das Museum. Wir freuen uns über…

Die erste Veranstaltung unserer Reihe „Schalom – Salam – Grüß Gott“ ging vor einer Stunde zu Ende, vor wenigen Minuten verließen die letzten Gäste das Museum. Wir freuen uns über einen vollen Vortragssaal, hervorragende Referate und eine angeregte Diskussion.

von links nach rechts: Peter Zeillinger, Ednan Aslan, Schlomo Hofmeister

Unsere Referenten
(von rechts nach links: Rabbiner Schlomo Hofmeister, Univ.-Prof. Dr. Ednan Aslan und Dr. Peter Zeillinger)

In Bälde werden wir hier im Blog eine Nachlese mit Kurzvideos der einzelnen Referate bringen …

.



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Am jüdischen Friedhof III

Wie Sie auch ohne großartige Hebräischkenntnisse Namen und Todesdaten in hebräischen Inschriften finden und übersetzen können Gleich nach unten zu unserem Rätsel Vorweg: Selbstverständlich liegt es mir fern zu suggerieren,…

Wie Sie auch ohne großartige Hebräischkenntnisse Namen und Todesdaten in hebräischen Inschriften finden und übersetzen können

Vorweg: Selbstverständlich liegt es mir fern zu suggerieren, dass mit keinen oder minimalen Hebräischkenntnissen hebräische Grabinschriften auch nur einigermaßen korrekt erfasst werden können. Da aber der Aufbau von hebräischen Grabinschriften stets mehr oder weniger derselbe ist, können Sie auch mit nur bescheidenen Kenntnissen des Hebräischen (immer wiederkehrende) Strukturen erkennen und mehr aus einer Inschrift herauslesen, als Sie vielleicht vermuten. Insbesondere Name und Sterbedatum sollten meist kein Problem sein.

Salopp formuliert:
Es geht in diesem Beitrag einzig und allein darum, dass Sie eine hebräische Grabinschrift strukturell erkennen und einige Details lesen können. Drucken Sie diesen Beitrag aus, gehen Sie auf den nächstliegenden jüdischen Friedhof mit hebräischen Inschriften und versuchen Sie, einzelne Elemente des untenstehenden Schemas (wie Name, Datum usw.) zu erkennen bzw. zu lesen.

Die hebräischen Buchstaben finden Sie ebenfalls auf unserer Website.

Schematischer Aufbau einer Grabinschrift

Achtung: Hebräisch wird immer von rechts nach links gelesen!

Symbol
(Träneneiche; Krug mit Becken (Leviten); Hände (Kohanim, Priester) etc.)

Hier liegt geborgen פ“ט / פ“נ

פה טמון / טמונה // פה נטמן / נטמנת
po tamun / tmuna // po nitman / nitmenet

Geschlechtsangabe, Titulaturen, ehrende Beiwörter

(Titulaturen und ehrende Beiwörter beziehen sich bei Männern praktisch immer auf religiöse Würden und Ämter, bei Frauen stehen meist Bibelzitate.)

ein Mann („isch“) איש + Eigenschaft(swort), eine Frau („ischa“) אישה + Eigenschaft(swort)

Herr („Rev“) ר“ (רב) + Name, Frau („Marat“) מ“ (מרת) + Name

der CHAVER („He-chaver“, niederer Rang in der Gemeindehierarchie) ה“ח (החבר)

ein angesehener Mann (isch nichbad) איש נכבד

der ehrenhafte Herr (kvod harav) כ“ה (כבוד הרב)

eine bedeutende Frau (ischa chaschuva) אשה חשובה

die bescheidene Frau (ha-ischa ha-znu’a) האשה הצנועה

Name + ז“ל / ע“ה

זכרונו / זכרונה לברכה // עליו / עליה השלום
sichrono / sichrona livracha (sein / ihr Andenken möge bewahrt werden)
alav / aleha ha-schalom (auf ihm / auf ihr sei der Friede)

Herr Mose Wolf, sein Andenken möge bewahrt werden ר“ משה וואלף ז“ל (זכרונו לברכה)

Frau Resl Austerlitz, auf ihr sei der Friede מרת ריזל ע“ה (עליה השלום)

Ableben י“נ

(Das Ableben wird meist durch einen positiven Ausdruck umschrieben;
nur selten: er / sie „starb (met/a)“ מת / מתה)

Seine / Ihre Seele ging hinweg יצאה נשמתו / נשמתה

Todesdatum

(siehe unseren Lexikoneintrag „Zeitrechnung„)

Die Zahlenwerte jener hebräischen Buchstaben, die mit Punkten oder Strichen gekennzeichnet sind, werden einfach zusammengezählt. Das Ergebnis, eine Hunderterzahl, addieren Sie zum (bürgerlichen) Jahr 1240 einfach dazu. Ergibt die Summe z.B. 697 תרצ“ז, haben wir das (Sterbe)jahr 1937 (1240 + 697).
Genau genommen ist dies das jüdische Jahr 5697. Die Zahl 5, also die Tausenderzahl, wird aber meist nicht geschrieben (wie bei uns ’10 statt 2010), es steht statt z.B. 5697 meist nur 697.
Fast immer wird dann nach der Jahreszahl als Zusatz „nach der kleinen Zeitrechnung“, d.h. „ohne Tausenderzahl“, angefügt:

(wörtlich) „nach der kleinen Zählung (lifrat katan)“ לפ“ק = לפרט קטן
Achten Sie auf diese 3 Buchstaben, denn davor steht immer die Jahreszahl!

Vorsicht ist allerdings geboten, wenn ein Datum der Monate Tischre, Cheschwan, Kislew und Tevet umgerechnet wird. Da das jüdische Jahr im Herbst beginnt, fällt ein Datum der genannten vier Monate noch in das „alte“ bürgerliche Jahr.

Meist findet man vor der Jahreszahl (ב)שנת „(bi)schnat“, „(im) Jahr…“ (von: שנה „schana“, „Jahr“).

Lob

(Dieser oft sehr lange Text beinhaltet meist viele biblische und rabbinische Zitate und wird hier nicht näher beschrieben)

Schlussworte (Schlusseulogie) ת“נ“צ“ב“ה

תהי נפשו / נפשה צרורה בצרור החיים
tehi nafscho / nafscha zrura bizror ha-chajim (Seine / Ihre Seele möge eingebunden sein im Bund des Lebens, Anlehnung an 1 Samuel, 25,29).


Es darf schon angekündigt werden: Wir wollen eine neue und überarbeitete Auflage des Hebräischbuches möglichst bald als E-Book zur Verfügung stellen. Im Buch finden Sie ausführlichere Erklärungen und viele Übungen.

Unser Rätsel: Lesen und „übersetzen“ Sie folgende Grabinschrift:

Anmerkung:
Falls Sie gleich hier nach unten zum Rätsel gesprungen sind, ohne unseren Beitrag lesen zu müssen, sind Sie mit unserem Rätsel vermutlich unterfordert ;)

Bitte keine Scheu, das Rätsel ist sehr einfach. Das oben Gelernte kommt noch nicht wirklich zum Einsatz, es geht vor allem um das Erkennen der hebräischen Buchstaben. Sie benötigen für die Lösung kein einziges hebräisches Wort. Die Inschrift ist in deutscher Sprache (mit hebräischen Buchstaben) verfasst und ist der hier original wiedergegebene untere Teil einer Grabinschrift eines Grabes auf dem jüngeren jüdischen Friedhofes in Eisenstadt (siehe Bild! Der obere Hauptteil der Inschrift ist Hebräisch und hier ausgeblendet).

היער רוהעט

דיע ליעבענדע טאכטער

טרייע גאטטין

אונד צארטליכע מוטטער

רעזי איינהארן געב. שפיטצער

געשטארבען אים 26. יאהרע

נאך לאנגעם ליידען

אללגעמיין בעטרויערט

אם 28. פעבער 5637.


Wir verlosen unter den eingesendeten richtigen Lösungen drei (!) GewinnerInnen des Buches „Aus den Sieben-Gemeinden. Ein Lesebuch über Juden im Burgenland“.

  • Bitte schicken Sie die Lösung bis Sonntag, 14. März 2010 an folgende E-Mail-Adresse: raetsel@ojm.at
  • Bitte geben Sie in Ihrer E-Mail an, ob wir Ihren Namen im Falle des Gewinns hier veröffentlichen dürfen
  • Die Reihenfolge der eingelangten Lösungen spielt keine Rolle
  • Am Montag, dem 15. März, ermitteln wir die GewinnerInnen per Los, geben die Namen (wenn erlaubt) bekannt und stellen die Lösung hier selbstverständlich gleich online
  • Es ist das unser erstes Rätsel, bitte haben Sie Nachsicht! Falls etwas unklar ist, zögern Sie nicht zu fragen, am besten gleich als Kommentar unten oder via E-Mail
  • Zur Sicherheit sei nochmals erwähnt: Die hebräischen Buchstaben finden Sie ebenfalls auf unserer Website.
  • Update 14 Uhr: Die Zahlen im Rätsel werden von links nach rechts gelesen!

Wir wünschen Ihnen viel Spaß und Freude beim „Übersetzen“ und freuen uns sehr auf Ihre E-Mails mit den Lösungen!

Update 15. März – Die Lösung unseres kleinen Rätsels:

Hier ruh(e)t
die liebende Tochter,
treue Gattin
und zärtliche Mutter,
Resi Einhorn, geb. Spitzer,
gestorben im 26. Jahre
nach langem Leiden.
Allgemein betrauert
am 28. Feber 5637 (= 1877).



Als Gewinner wurden heute Morgen durch Los ermittelt (die Bücher sind schon unterwegs!):

  • Patrick Frankl, Eisenstadt
  • Ferdinand Creuz, Nagold (D)
  • Ute Schulz, Augsburg (D)

Wir gratulieren sehr herzlich und danken allen, besonders auch jenen, die diesmal nicht gewonnen haben, für die Zusendungen. Besonders erfreulich war, dass nur richtige Lösungen einlangten. Immerhin kamen die E-Mails aus Österreich, Deutschland und Israel :)


Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir als Ergänzung und Weiterführung die Lektüre des jüngst erschienenen Blogbeitrags „Lesen hebräischer Grabsteine – wie geht das?“ auf dem Blog des Jüdisch Historischen Vereins Augsburg.


12 Kommentare zu Am jüdischen Friedhof III

Bild der Woche – Jitzchak-Rabin-Platz

In Padua findet sich, gleich neben dem Hauptplatz, der „Friedensplatz Jitzchak Rabin“. Jitzchak Rabin wäre am 01. März 88 Jahr alt geworden. Da vorige Woche Purim war, haben wir uns…

In Padua findet sich, gleich neben dem Hauptplatz, der „Friedensplatz Jitzchak Rabin“. Jitzchak Rabin wäre am 01. März 88 Jahr alt geworden. Da vorige Woche Purim war, haben wir uns entschlossen, dieses Bild erst heute zu zeigen.

Schild 'piazza della pace ytzhak rabin'

Blick auf das Straßenschild ‚piazza della pace ytzhak rabin‘ in Padua
(kleines Bild: Blick vom Hauptplatz auf den Rabinplatz)

Jitzchak Rabin erhielt, zusammen mit Schimon Peres und Jassir Arafat, 1994 den Friedensnobelpreis. Am 04. November 1995 nahm Ministerpräsident Rabin an einer großen Friedenskundgebung am „Platz der Könige Israels“ in Tel Aviv teil, jenem Platz, der heute „Rabin-Platz“ heißt. Kurz vor seiner Ermordung hielt er noch eine bewegende Rede:

Ich möchte gerne jedem einzelnen von Euch danken, der heute hierher gekommen ist, um für Frieden zu demonstrieren und gegen Gewalt. Diese Regierung, der ich gemeinsam mit meinem Freund Shimon Peres das Privileg habe, vorzustehen, hat sich entschieden, dem Frieden eine Chance zu geben – einem Frieden, der die meisten Probleme Israels lösen wird. … Der Weg des Friedens ist dem Weg des Krieges vorzuziehen. Ich sage Euch dies als jemand, der 27 Jahre lang ein Mann des Militärs war.

Vielen Dank für das Foto an Hanna Feingold, IKG-Salzburg!



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