Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Autor: Johannes Reiss

Bild der Woche – Jüdischer Friedhof Salzburg

Die Israelitische Kultusgemeinde lässt regelmäßig die jüdischen Friedhöfe in Österreich bewerten. Nur wenige Friedhöfe konnten die Note „sehr gut“ erreichen, geschweige denn über mehrere Jahre halten. Berücksichtigt man, dass den…

Die Israelitische Kultusgemeinde lässt regelmäßig die jüdischen Friedhöfe in Österreich bewerten. Nur wenige Friedhöfe konnten die Note „sehr gut“ erreichen, geschweige denn über mehrere Jahre halten. Berücksichtigt man, dass den Werten noch keine Gewichtung zugrunde liegt (so befinden sich etwa am jüdischen Friedhof in Güssing „nur“ Gedenk- aber keine Grabsteine), verdient der jüdische Friedhof in Salzburg Aigen eine besondere Erwähnung als vorbildliches Beispiel.

Blick auf den jüdischen Friedhof in Salzburg Aigen

Im Unterschied zu fast allen jüdischen Friedhöfen des Burgenlandes ist der Friedhof in Salzburg sehr jung. 1893 angelegt, finden sich nur sehr wenige Grabsteine mit ausschließlich hebräischen Inschriften, es gibt keine Grabsteine aus Sandstein, die Betenden (bzw. die Inschrift Lesenden) blicken – auch im Unterschied zum Burgenland – ebenfalls ausnahmslos gen Osten (das Grab befindest sich also – aus der Perspektive des Betenden/Lesenden – „hinter“ dem Grabstein, der zu Häupten des Toten aufgestellt ist).

Siehe auch unseren Beitrag „Ein Burgenländer – der erste Jude in Salzburg„.


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4 Kommentare zu Bild der Woche – Jüdischer Friedhof Salzburg

Am jüdischen Friedhof II

Arnstein, 20 Millionen und die „fremden“ Friedhöfe Aus gegebenem Anlass soll dieser Beitrag als zweiter Beitrag unserer kleinen Serie „Am jüdischen Friedhof“ eingeschoben werden. Am 22. Dezember 2009 kam es…

Arnstein, 20 Millionen und die „fremden“ Friedhöfe

Aus gegebenem Anlass soll dieser Beitrag als zweiter Beitrag unserer kleinen Serie „Am jüdischen Friedhof“ eingeschoben werden.

Am 22. Dezember 2009 kam es in Österreich nach neun Jahren endlich zur Einigung, wer die Erhaltung, also die Bestandssicherung der jüdischen Friedhöfe bezahlen und wie die Finanzierung in den kommenden 20 Jahren gewährleistet sein soll. Thomas Rottenberg erklärt im Standard auch sehr gut, was der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Ariel Muzicant, mit einem „verspäteten Chanukkageschenk“ gemeint hat.

Im ersten oben verlinkten Beitrag heißt es u.a.:

Länder und Bund hatten jahrelang darüber gestritten, wer für die Erhaltung zahlen soll – die Friedhöfe waren währenddessen verfallen.

Selbstverständlich verfallen die Friedhöfe nicht erst seit 2001, und doch ist insbesondere in den letzten Jahren der zunehmende Verfall drastisch (drastischer?) und deutlich sichtbar. Es verfallen aber nicht „nur“ kunsthistorisch mehr oder minder wertvolle und bedeutende Grabdenkmäler, sondern – insbesondere – die Lesbarkeit der Inschriften wird jährlich schlechter. Die Grabsteine versinken in der Anonymität, vor allem dann, wenn es – wie etwa im Burgenland – keine Protokollbücher der Chevra Kadischa (Heilige Bruderschaft), Memor-Bücher oder gar Friedhofslisten und Lageplanregister gibt.

Der ältere jüdische Friedhof in Eisenstadt, Foto: David Peters

Noch einmal sei angemerkt, dass es hier im Burgenland 14 jüdische Friedhöfe gibt, deren etwa 8.000 Gräber mit einer Ausnahme (der junge Friedhof in Oberwart, Anfang 20. Jahrhundert) nur hebräische Inschriften aufweisen. Insbesondere diese hebräischen Grabinschriften lassen die Friedhöfe für viele Menschen namenlos und entseelt und damit oft (tendenziell) fremd wirken (siehe etwa auch den unseligen 2. Kommentar zum Thema).

Die Historikerin Tina Walzer, laut derstandard.at die Expertin für jüdische Friedhöfe generell, wünscht als erste Schritte:

Man müsste ganz dringend den Bewuchs roden und im Zaum halten und im nächsten Schritt alle besonders wertvollen Grabdenkmäler innerhalb der nächsten drei Jahre sanieren

Wenn diese Aussage auch in erster Linie auf den jüdischen Friedhof Währing abzielt, so stellen sich meines Erachtens doch einige Fragen.
In der ersten Reaktion habe ich getwittert, dass nicht die „besonders wertvollen Grabdenkmäler“, sondern die besonders gefährdeten als erstes saniert gehören, also jene, die man in drei Jahren nicht mehr oder noch weniger als heute lesen kann (Tweet 1, Tweet 2).

Gemeint ist damit:
Was sind denn nun eigentlich genau „besonders wertvolle Grabdenkmäler“?
Es ist schon richtig, dass kunsthistorisch besonders wertvolle Grabdenkmäler ehestmöglich renoviert werden müssen, und es ist meist auch richtig, dass die großen Namen wie Wertheim(b)er, Russo, Königswarther oder Arnstein und Eskeles eben diese (aus kunsthistorischer Sicht) besonders wertvollen Grabdenkmäler besitzen.

Auf den jüdischen Friedhöfen im Burgenland – die ältesten Grabsteine stammen immerhin aus dem Ende des 17. Jahrhunderts – finden wir aber keine Wertheimers oder Arnsteins und die bedeutenden Rabbiner haben zumeist genauso einfache Grabsteine wie die einfachsten Gemeindemitglieder. Grabmäler aus (Kalk)Sandstein sind mehr oder minder Standard, aber – im Gegensatz etwa zum Währinger Friedhof – in den allermeisten Fällen kein Zeichen dafür, dass die Toten ärmere Gemeindemitglieder gewesen wären. Selbst die (hebräischen) Grabinschriften lassen vom Umfang her oft nicht auf die Bedeutung der Bestatteten schließen, berühmte Rabbiner haben mitunter bescheidene und auffällig kurze Grabinschriften (siehe etwa das Grab von Rabbi Meir Eisenstadt).

Außer auf dem (aufgearbeiteten) jüngeren jüdischen Friedhof von Eisenstadt können heute so gut wie keine konkreten Gräber auf den jüdischen Friedhöfen des Burgenlandes gefunden werden.

Einer der Feinde des Verstehens ist die Anonymität und es gilt dringend, hebräische Inschriften auf jüdischen Grabsteinen dieser Anonymität zu entreißen, auch, damit sie vielleicht von weniger Menschen als fremd wahrgenommen werden. Und auch dann, wenn die Toten keine berühmten Personen waren und ihre Inschriften für biografische Forschungen nur sehr bedingt verwendbar und durch ihre Stereotypie sogar oft nur von mäßigem Interesse sein mögen.

Ich würde mir wünschen, dass die Erhaltung der jüdischen Friedhöfe (nicht nur) im Burgenland nicht immer mit dem Reparieren der Friedhofszäune beginnt und dem Aufstellen von umgefallenen Grabsteinen endet …

In der nächsten Folge dieser Serie dann der ursprünglich für heute geplante Beitrag: Wie Sie auch ohne großartige Hebräischkenntnisse Namen und Todesdaten in hebräischen Inschriften finden und übersetzen können …

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir einen virtuellen Ausflug auf den jüdischen Friedhof Währing (Website leider nicht ganz aktuell).

Update 11. Jänner: Marco Schreuder zeigt in seinem Blog einige sehr informative Videos zum Währinger Friedhof, die wir hier – passend zu unserem Tipp – einbetten dürfen:

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Bild der Woche – Chanukkaleuchter

Der Chanukkaleuchter stammt aus der Gemeindesynagoge Eisenstadts, vielleicht sogar aus der ehemaligen privaten Synagoge Samson Wertheimers. Er wurde erst 1972 im Zuge von Renovierungsarbeiten in der Genisa unserer kleinen Synagoge…

Der Chanukkaleuchter stammt aus der Gemeindesynagoge Eisenstadts, vielleicht sogar aus der ehemaligen privaten Synagoge Samson Wertheimers. Er wurde erst 1972 im Zuge von Renovierungsarbeiten in der Genisa unserer kleinen Synagoge gefunden und befindet sich heute in der Dauerausstellung des Museums. Eine Genisa (hebräisch „Archiv, Schatzkammer“) ist ein Raum, in dem unbrauchbar gewordene heilige Bücher oder andere Kultgegenstände aufbewahrt werden, oft, bevor sie rituell begraben werden.

Chanukkaleuchter, Nürnberg, ca. 1680

Chanukkaleuchter aus massivem Messing, Nürnberg ?, Ende 17. Jahrhundert


Heute ist der zweite Tag Chanukka. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unseres Blogs ein fröhliches Chanukkafest – חג חנוכה שמח לכולם!



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Bild der Woche – Jagdszene

In der vergangenen Woche erhielten wir eine sehr nette Anfrage vom Autor einer Dalmatiner-Chronik, dem im Zuge seiner Recherchen Darstellungen von Jagdszenen (mit Dalmatinern) in jüdischen Handschriften aufgefallen sind. Das…

In der vergangenen Woche erhielten wir eine sehr nette Anfrage vom Autor einer Dalmatiner-Chronik, dem im Zuge seiner Recherchen Darstellungen von Jagdszenen (mit Dalmatinern) in jüdischen Handschriften aufgefallen sind.

Das aus dem 14. Jahrhundert stammende Blatt (fol. 29v) aus einer spanischen Pesach-Haggada (John Rylands Universitätsbibliothek in Manchester) zeigt am unteren Bildrand einen Hasenjäger, dessen schwarz-weiß gefleckter Hund einen Hasen jagt. Der gefleckte Hund symbolisiert die Inquisition, die einen Juden (Hasen) verfolgt. Repräsentanten der Inquisition waren die Dominikaner, deren Ordenskleid schwarz-weiß ist.

Jagdszene in der John Rylands Haggada

Die Jagdszenen sind ein Symbol für die Verfolgung der Juden, die Hunde und Jäger daher das Symbol für die christliche Kirche. Da solche Jagdszenen auch in der christlichen Kunst ohne ideologische Hintergründe verbreitet waren, konnten auf diese Weise antijüdische Haltungen zum Ausdruck gebracht werden.


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