Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Autor: Johannes Reiss

Blue Beanie Day 2009

Das Österreichische Jüdische Museum verfügt seit 2005 über einen barrierefreien Internetauftritt, oder vielleicht korrekter formuliert, über einen Webauftritt, bei dem wir uns sehr um Webstandards und Barrierefreiheit bemühen. Gleich hier…

Das Österreichische Jüdische Museum verfügt seit 2005 über einen barrierefreien Internetauftritt, oder vielleicht korrekter formuliert, über einen Webauftritt, bei dem wir uns sehr um Webstandards und Barrierefreiheit bemühen. Gleich hier sei angemerkt, dass dieser Anspruch für dieses Blog noch nicht im selben Maße gilt. Das Blog ist noch sehr jung, wir arbeiten aber ständig daran.
Wir gehörten – insbesondere auch ohne gesetzliche Verpflichtung – damit zu den ersten musealen Einrichtungen im deutschen Sprachraum, die sich bemühten, ihren Webauftritt aus einer bewusst ethischen Perspektive zu betrachten. Eine Perspektive, die den Ansprüchen einer kulturellen Einrichtung angemessen schien.

Deshalb war auch die Frage nach dem Nutzen von Webstandards und Barrierefreiheit der eigenen Website für uns zu keinem Zeitpunkt prioritär. Die Frage wurde stets ausschließlich von außen an uns herangetragen, wir waren selbstverständlich aber schon alleine aufgrund unserer Existenz als Subventionsbetrieb zu einer Antwort verpflichtet. Abgesehen von Allgemeinplätzen, die für alles und jeden in nahezu gleicher Weise gelten, führ(t)en wir in unserer Antwort insbesondere die sprachliche Ebene im weitesten Sinn als primär nutzbringendes Element an. Dies, weil nicht nur die Website selbst, sondern auch das Museum in erster Linie Informationsaufgaben hat. Verständliche Sprache, eine Übersetzung in die Gebärdensprache sowie in Leichte Sprache waren daher angezeigt.

Dass wir für unsere Website 2005 eine BIENE erhielten, war für uns in höchstem Maße erfreulich.

In diesen Tagen werden es 4 Jahre seit der Preisverleihung und wir werden gelegentlich nach unseren Erfahrungen mit der barrierefreien Website gefragt. Die Antwort mag überraschen, es gibt kaum Erfahrungen: Wir erhielten von Besuchern/Besucherinnen der Website so gut wie kein Feedback, das Rückschlüsse auf eine positive Akzeptanz der neuen Internetpräsenz zuließe.

Auch die Antwort auf die Frage, inwieweit unser Projekt Barrierefreiheit im Web nachhaltig transportieren konnte (z.B. Nachahmungseffekt), fällt nach vier Jahren ernüchternd aus.

Umso überzeugter unterstützen wir diesen Blue Beanie Day 2009!

Schluss mit der egomanischen Selbstdarstellung in der Architektur mittels (pseudo-)künstlerischer und oberflächlicher – im wörtlichen Sinne zu verstehen – Gestaltungswut. Was gefordert wird und notwendig ist, ist eine ethisch motivierte Architektur, eine Architektur, die sich der Verantwortung gegenüber den Anderen – das sind die späteren Benutzer des Geplanten – bewusst ist und dementsprechend handelt.

Das proklamierte der italienische Stararchitekt Massimiliano Fuksas im Jahr 2000 in seiner damaligen Funktion als Direktor der Architekturbiennale in Venedig anlässlich seiner Ausstellung, die er unter das Motto „Less Aesthetics, More Ethics“ stellte; zitiert aus: Mutz et.al., Web Creative. Alles Wissenswerte über Screendesign, Web-Marketing, Usability und Animationsdesign im Web, Kilchberg 2004, Seite 131.

Vollkommen richtig merken die Autoren des obzitierten Buches an, dass man die Regeln kennen muss, um sie (bewusst) zu brechen … und „(d)erselbe Satz ‚Less Aesthetics, More Ethics‚ aus dem Munde von Jakob Nielsen […] in dem Sinne, wie ihn Fuksas verstanden haben mag, wohl mehr als absurd wäre“.

Trifft aber nicht genau das auf Kulturbetriebe im Allgemeinen und auf Museen (im weitesten Sinn) im Besonderen zu? Auf die Museen, die der Philosoph Wolfgang Welsch als „besonderen Ort von ästhetischer Erfahrungsmöglichkeit“ bezeichnet?

Während barrierefreies Bauen zu Recht zunehmend (auch in der Museumslandschaft) unter ethischen Aspekten betrachtet wird, scheint mir bei der Erstellung von Websites, insbesondere in Hinblick auf die Beachtung von Webstandards und Accessibility, der ethische Aspekt nach wie vor weitgehend ausgeblendet zu werden.

Auch wir glauben nicht, dass wir mit unserer Teilnahme am Blue Beanie Day 09 die Internetwelt großartig verändern können. Wir glauben auch im realen Leben nicht, mit unserem Museum die Welt frei von Antisemitismus zu machen. Wir sind aber sicher, einen Beitrag dazu leisten zu können.

Wenn auch nur eine Leserin oder ein Leser dieses Beitrags über Webstandards, Barrierefreiheit und über mehr Ethik im Web nachdenkt, ist unser Ziel für diesen Blue Beanie Day 09 erreicht …

Doggenrüden Paris und Bel Ami

Wir sind die Securitymannschaft des Museums und helfen intensiv mit, dass die 2-Beiner verstehen, worum es geht …


Hier gibt es mehr Informationen zum Blue Beanie Day 2009:


Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir aus gegebenem Anlass, vor allem auch, um die Aktion BBD-09-5 zu unterstützen, fünf Links zum Thema, die wir für besonders empfehlenswert halten (und nein, es sind nicht die üblichen „Verdächtigen“ ;-) )

  • Kinder und Barrierefreiheit: Es ist wichtig

    Schon ein wenig älter, aber sehr gut: Leichte Lektüre von Derek Featherstone, der die Thematik auf den Punkt bringt.

  • Aus meiner Feder

    Eva Papst schreibt – immer sehr originell und sehr informativ – über ihren Alltag, besonders auch über den als blinde Internetnutzerin.

  • Webdesign nach Maß

    Das Blog von Fritz Weisshart, in Sachen pfiffige Lösungen, um Accessibility technisch zu realisieren, immer eine Topempfehlung.

  • medamind

    Wenn auch Webstandards und Accessibility nicht die Schwerpunkte im Blog von Anne-Kathrin Merz sind zu sein scheinen, so ist ihr Blog doch immer wieder eine wahre Fundgrube zum Thema.


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Bild der Woche – Koscher-Wein

Im östlichsten Zipfel Österreichs, im burgenländischen Seewinkel, finden wir das traditionsreiche Weingut Hafner, in dem seit 1980 auch koscherer Wein hergestellt wird. Als wir 1998 für unsere große Koscher-Wein-Ausstellung koscheren…

Im östlichsten Zipfel Österreichs, im burgenländischen Seewinkel, finden wir das traditionsreiche Weingut Hafner, in dem seit 1980 auch koscherer Wein hergestellt wird.

Koscher Wein Verkaufsraum Weingut Hafner

Als wir 1998 für unsere große Koscher-Wein-Ausstellung koscheren Wein aus aller Welt organisierten und monatelang beinahe Tag und Nacht telefonierten, hörten wir immer wieder die Antwort: „No, we don’t have own kosher wine production, only Hafner“ ;-)

Mehr zum Koscher-Wein


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Grabstein Mittelalter V

Rachel, Tochter des Zvi Hirsch, 03. Marcheschvan (5)445 = (Mittwoch,) 12. Oktober 1684? Dieser Grabstein ist der fünfte von links der Installation der fünf mittelalterlichen Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener…

Rachel, Tochter des Zvi Hirsch, 03. Marcheschvan (5)445 = (Mittwoch,) 12. Oktober 1684?

Dieser Grabstein ist der fünfte von links der Installation der fünf mittelalterlichen Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt.

Untenstehend zwei Fotos des Grabsteines mit unterschiedlichen Qualitäten (auch zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen), um eine möglichst korrekte Lesung der Inschrift zu ermöglichen.
Der Grabstein war wahrscheinlich ein Doppelgrabstein. Die linke Hälfte, von der nur mehr ein kleiner Rest vorhanden ist, wird unten im Anschluss an die rechte Hälfte transkribiert (und übersetzt).

  • 5. Grabstein (von links) der Installation mittelalterlicher jüdischer Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt
  • 5. Grabstein (von links) der Installation mittelalterlicher jüdischer Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt


Die Grabinschrift

Rechte Hälfte des Grabsteins:

Inschrift MittelalterV: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] [Ihre See]le? ging hinweg [נפש]ה יצתה
[2] Frau? Rachel N.N. [.]מר רחל במו[ד]
[3] Tochter? d(es Herrn) Z(vi) H(irsch)?, Gatti(n) des? בת ר צה רעיית[ו]
[4] e(hrbaren) H(errn) Chaj(im)? Dieses ist חי ה וזאת
[5] ihr Grabm(al). [מ]צבת קבורתה
[6] (Sie verstarb am) 3.? Marcheschvan 445? (= 1684) [ג] מרחשון מתה
[7] [I(hre)] S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). A(men), A(men), S(ela) [ת]נצבה א א ס

Linke Hälfte des Grabsteins:

Inschrift MittelalterVL: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Das Leben …? חיית
[2] Spross צמח
[3] er unterstützte? וירפד
[4] im/bei Mensch(en)? באד[מ]
[5] nach?/fremden? אחר
[6] S([eine Seele möge eingebunden sein im Bund des Lebens)]? [ת]נצבה
[7] A[men]? א[מן]


Anmerkungen

Die Inschrift bzw. beide Inschriften sind sehr schlecht zu lesen, sowohl Transkription als auch der Übersetzungsversuch (inklusive Datierung) sind mit vielen Fragezeichen zu versehen.

Rechte Hälfte des Grabsteins:

2. Zeile:
Das מר (könnte auch מת sein) ist unsicher, demzufolge auch der Vorname Rachel. Das letzte Wort der Zeile könnte ein zweiter Vorname sein? Oder בת מורנו „Tochter unseres Lehrers“? Dann sollte danach allerdings der Name des Vaters stehen. Wenn am Beginn der Zeile מת gelesen wird, sollte nachher der Name eines Mannes stehen, also „Herr Ch(ajim)? N.“? Jedenfalls müssten dann in beiden Fällen die 3. und 4. Zeile anders gelesen werden als oben vorgeschlagen.

3. und 4. Zeile:
Auf den ersten Blick könnte תרצה, Tirza, als ein weiblicher hebräischer Vorname, gelesen werden. Mit dem vorangestellten ב könnte etwa „Tochter der Tirza“ übersetzt werden? Allerdings wäre der Name der Mutter an dieser Stelle in der Inschrift eher ungewöhnlich.
Oben bevorzugt wurde „Tochter des Herrn Zvi Hirsch“, was jedoch voraussetzt, dass beide Namen des Vaters der Verstorbenen abgekürzt angegeben wären. Sowohl dafür als auch für das letzte Wort der Zeile „Gattin“, hebräisch רעייה, fehlen mir Belege, die diese Lesung bestätigen könnten. Insbesondere, weil auch die Datierung des Steins sehr unsicher ist. Außerdem ist unklar, was am Beginn der 4. Zeile steht. Es sollte, wenn vorher „Gattin des“ gelesen wird, der Name des Gatten stehen.

6. Zeile:
Die Lesung des Monatsnamen „Marcheschvan“ (Oktober/November) ist naheliegend, davor könnte das Datum stehen. Das ג, also „3.“ ist nicht eindeutig zu lesen, es kommen selbstverständlich auch יג, כג o.Ä. (also „13.“, „23. o.Ä.) in Frage. Platz hätten jedenfalls ein ב + ג oder auch ב + יג etc., also „am 3., 13. …“.
Das letzte Wort dieser Zeile sieht wie מתת aus, was aber weder als Wort gelesen einen Sinn ergibt (Geschenk?) noch als Jahreszahl (Zahlenwert 840). Stimmt die Lesung der Wörter davor, ist an dieser Stelle die Jahreszahl zu erwarten.
Oben vorgeschlagen wurde die Lesung מתה („sie verstarb“) und, dass der Zahlenwert des hebräischen Wortes (445) zur Angabe des Sterbejahres dient.

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass auch gelesen werden könnte: מדד, מדה oder מהד – was die Zahlenwerte 48 oder 49 (1288 oder 1289) ergeben würde. Da der Monat Marcheschvan im Herbst liegt, würde das Sterbejahr 1287 oder 1288 sein. Eine Frühdatierung dieses Grabsteins ins Ende des 13. Jahrhunderts halte ich aber schon aus sprachlichen Gründen für eher unwahrscheinlich.
Ebenso gelesen werden könnte מרר, מרד oder מדר, was die Zahlenwerte 244 bzw. 440 ergeben würde. Das wären umgerechnet die Jahre 1484 bzw. 1680, wegen des Herbstmonats also 1483 bzw. 1679. Da die Buchstaben aber als Wort gelesen, zumindest im Kontext, kaum oder keinen Sinn machen, ist nicht erklärlich, warum bei der Angabe der Jahreszahl nicht mit der Hunderterzahl, in diesem Fall also mit dem ר, begonnen wird (200). Als Wort gelesen werden müsste מרר „bitter“, also der „bittere Marcheschvan“ (weil kein Feiertag in diesem Monat).

Linke Hälfte des Grabsteins:

Ausführlichere Anmerkungen zur Inschrift auf der linken Hälfte des Grabsteins sind müßig, da jede Zeile mit Fragezeichen zu versehen ist.
Es kann nicht einmal mit Sicherheit gesagt werden, ob es sich beim Verstorbenen tatsächlich um einen Mann handelt.

1. und 3. Zeile:
In der 1. Zeile wird ein Substantiv bevorzugt, weil die Lesung als Verb, 2. Person „du lebtest“ einen doch unwahrscheinlichen Wechsel der Person – in der 3. Zeile: „er“ – zur Folge hätte.

Wenig erfreuliche Schlussbemerkung:
Die Jahreszahl 1483 würde – rein historisch gesehen – Sinn machen, weil die jüdische Gemeinde Wiener Neustadt bis 1496 bestand. Da es im 17. Jahrhundert weder Gemeinde noch Friedhof gab, passt die Datierung nicht zu den vorhandenen historischen Belegen. Sozusagen leider, weil der Textbefund (meines Erachtens) doch eher 1684 nahelegt. Das Problem der historischen Dissonanz kennen wir auch schon vom Grabstein IV.
Das umgerechnete Datum für 1483 wäre Samstag, 13. Oktober 1483. Allerdings ist auch die Jahreszahl 1483, genausowenig wie 1679 und 1684, in der Literatur ausgewiesen.

Ich sage Frau Dr. Tirza Lemberger herzlichen Dank, dass sie sich Zeit genommen hat, mich bei der Lesung dieser Inschrift zu unterstützen!


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Grabstein Mittelalter IV

Kela, Tochter des Jehuda, 5. Schvat (5)311 = (Montag,) 22. Jänner 1551 Dieser Grabstein ist der vierte von links der Installation der fünf mittelalterlichen Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt….

Kela, Tochter des Jehuda, 5. Schvat (5)311 = (Montag,) 22. Jänner 1551

Dieser Grabstein ist der vierte von links der Installation der fünf mittelalterlichen Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt.

Die Punkte über den hebräischen Buchstaben (die man heute leider nicht mehr sieht, siehe unten) werden in der Transkription mit einfachen Anführungszeichen angedeutet.

Grabstein von Frau Kela, Tochter des Jehuda, aus dem Jahr 1551? auf dem jüdischen Friedhof Wiener Neustadt


Die Grabinschrift

Inschrift MittelalterIV: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] [Ich stimme die Totenklage an] [אשא קינה]
[2] [über die bedeutende und angesehene] [על אשה חשובה]
[3] [Frau. All ihre Taten] [והגונה וכל מעשיה]
[4] [vollbrachte sie im Glauben. Sie war eine t(üchtige und)] [היתה באמונה אשת]
[5] [g(ottes)f(ürchtige) Frau),] Frau [Kela, Tochter des] [ח‘ י’א‘] מרת [קילה בת]
[6] [H(errn)] Jehuda. Sie wurde begrab(en) [ר‘] יהודה ונקבר[ה]
[7] am 5. Schvat 311? (= 1551) ביום ה‘ שנת ש’ב’ט
[8] n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). לפרט ת’נ’צ’ב’ה
[9] Amen, Amen אמן אמן
[10] Sela, Sela סלה סלה


Anmerkungen

Die Inschrift ist nur teilweise deutlich lesbar. Im Bereich von Zeile 5 ist der Stein (nach 1927) abgebrochen. Max Pollak kannte offensichtlich noch den ganzen Stein und transkribierte daher die Inschrift von Zeile 1 an (Max Pollak „Die Juden in Wiener Neustadt. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Österreich”, Wien 1927, Seite 112). Der Text dieser ersten vier Zeilen und der Großteil von Zeile 5 stehen demzufolge oben in eckigen Klammern.

4./5. Zeile:
אשת ח‘ י’א‘ ist aufzulösen in: אשת חיל יראת אלהים. Der erste Teil in Anlehnung an Sprüche 31,10 „Eine tüchtige Frau, wer findet sie?“

7. Zeile:

Das Datum ist hier nur mit Vorbehalt angesetzt, da für das Jahr 1551 das Vorhandensein eines jüdischen Friedhofes in Wiener Neustadt nicht bezeugt erscheint.

Max Pollak, a.a.O., S. 112

Ich folge Pollak und lese ebenfalls 311. Da die Jahreszahl mit dem Wort Schvat, also dem Monatsnamen, dargestellt wird (eine sehr elegante Lösung), haben wir wenig Spielraum für andere Interpretationen. Wörtlich gelesen also etwa: „Am 5. des Jahres Schvat“.

ביום ה‘ könnte auch „am Donnerstag“ bedeuten, in diesem Fall würde aber das Tagesdatum fehlen. Lesen wir statt Schvat תבט, ergäbe der Zahlenwert das Jahr 411, umgerechnet 1651. Bei dieser Lesung würde aber die Monatsangabe fehlen und außerdem ist für 1651 auch kein jüdischer Friedhof für Wiener Neustadt belegt.

Pollak gibt als (umgerechnetes) Sterbedatum den 12. Jänner 1511 (?) an. Das ist auch das korrekte Datum nach dem damals (vor 1582) gültigen Julianischen Kalender. Nach dem Gregorianischen Kalender ist der 5. Schvat der 22. Jänner 1551.

Der Stil der Inschrift ist bis auf die Schlussformel ähnlich dem in neuerer Zeit (17. bis 18. Jahrhundert) gebräuchlichen und wäre wohl geeignet, die Herkunft des Grabsteines aus einer Übergangszeit zwischen zwei Stilgattungen, zwischen dem 13. bis 15. Jahrhundert einerseits, und dem 17. Jahrhundert andererseits zu bestätigen.

Max Pollak, a.a.O., S. 112

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