Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Autor: Kati

Bilder der Woche – Ukraine

Sommeredition „Bild der Woche“ went on holiday – und begab sich in den vergangenen Wochen auf eine sommerliche Bilder-Reise zu jüdischen Museen, Synagogen und Schauplätzen jüdischen Lebens in aller Welt!…

Sommeredition

„Bild der Woche“ went on holiday – und begab sich in den vergangenen Wochen auf eine sommerliche Bilder-Reise zu jüdischen Museen, Synagogen und Schauplätzen jüdischen Lebens in aller Welt!

Heute präsentieren wir unsere vorletzte Ausgabe der Bild-der-Woche-Sommeredition, die nach den hohen Feiertagen, am 19. September enden wird. An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die vielen schönen Bilder bedanken, die uns zugeschickt wurden. Wer gewonnen hat, wird in Kürze das Los entscheiden.

Die heutige Reiseroute

Nach unserem Ausflug ins sommerlich-sonnige Griechenland zieht es uns wieder zurück in den Osten, genauer: in die heutige Ukraine. Wir nutzen die Gelegenheit und knüpfen an unsere Rundreise durch Galizien und die Bukowina an: Noch einmal besuchen wir die Hauptstädte der beiden Kronländer, Lemberg und Czernowitz, machen dann einen kurzen Abstecher nach Düsseldorf und wollen abschließend noch die weiter östlich liegenden Städte Medschybisch und Winnyzja besichtigen.

Wir danken Mag.a Regina Hopfgartner, Salzburg, für die Reisefotos mit ausführlicher Beschreibung sowie Susanne Hermes, Hamburg, für das Bild vom Grabstein Rose Ausländers.

Google Maps Reiseroute Ukraine ...


Lemberg, heute Lwiw (ehemalige Hauptstadt Galiziens)

Ehemaliges jüdisches Krankenhaus in Lwiw

Ehemaliges jüdisches Krankenhaus in Lwiw

Das imposante, in maurischem Stil erbaute ehemalige jüdische Krankenhaus wird heute noch in dieser Funktion genutzt.

Czernowitz (ehemalige Hauptstadt der Bukowina)

In einer nicht asphaltierten, von Schlaglöchern übersäten Straße in Czernowitz befindet sich das ehemalige Wohnhaus der als Rosalie Beatrice Ruth Scherzer geborenen Lyrikerin Rose Ausländer.


[…]Felder im Norden. Buchenschichten
um Czernowitz. Viel Vogelschaum
um die Verzauberten, die den Gesichten
vertrauen, ihrem Trieb und Traum.
[…]
Der Rosenkranz in Weihrauchwogen
rinnt durch die Finger. Sagentum
und Gläubige. In Synagogen
singen fünftausend Jahre Ruhm.

Aus ihrem Gedicht ‚Bukowina I‘

Grab von Rose Ausländer auf dem jüdischen Friedhof in Düsseldorf

Rose Ausländer übersiedelte 1965 in die Bundesrepublik Deutschland, machte ausgedehnte Reisen, vor allem durch Europa, und lebte von 1970 bis 1988 im Nelly-Sachs-Haus, dem Altenheim der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf. Ihr Grab befindet sich heute auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde Düsseldorf.

Czernowitz, Stadt deutsch-jüdischer Literatur. Nicht weit von der berühmten Herrengasse mit ihren k.u.k. Prunkbauten befindet sich in der Wassilkogasse das Geburtshaus von Paul Celan. Eine Gedenktafel am Haus erinnert an den deutsch schreibenden Dichter, der selbst Ghetto und Arbeitslager überlebte, den Tod seiner 1942 deportierten Eltern jedoch nie überwinden konnte.


Paul Celan liest sein Gedicht „Todesfuge“


Sadagora

Von Czernowitz, das sich über einen Hügel erstreckt, fährt man in den 3. Bezirk der Stadt, nach Sadagora hinunter, die einstige Wirkungsstätte des Wunderrabbi Israel Friedmann. Vom Zarenreich in die altösterreichische Bukowina geflüchtet, baute er mit der Zeit mit den Spenden seiner Anhänger ein wahres Imperium auf. Karl Emil Franzos beschrieb die Atmosphäre so:

Das ganze armselige Nest lebt ja nur vom Rabbi.

Sowohl von der Synagoge (siehe Foto) als auch vom Wohnhaus sind lediglich schäbige Ruinen übrig geblieben, die Kindern als Abenteuer-Spielplatz dienen. Der Wunschtraum des Rabbi, dass es einst Czernowitz bei Sadagora heißen würde und nicht Sadagora bei Cernowitz, hat sich nicht verwirklicht.

Ehemalige Synagoge in Sadagora

Ehemalige Synagoge in Sadagora

Am Hof des Wunderrabbi von Sadagora
lernte der Vater die schwierigen Geheimnisse
Seine Ohrenlocken läuteten Legenden
In den Händen hielt er den hebräischen Wald […]

Aus dem Gedicht „Der Vater“ von Rose Ausländer

Medschybisch

Auf dem Weg von Czernowitz nach Nordosten Richtung Winnyzja liegt in Medschybisch der Wallfahrtsort für chassidische Juden: das Grab des Rabbi Israel Ben Elieser (ca. 1700-1760), genannt auch Baal Schem Tov (Herr des guten Namens). Weithin sichtbar liegt es auf einer Anhöhe, ganz in strahlendem Weiß, ebenso die Unterkünfte für die Pilger. Zu den Feiertagen, an denen viele Besucher aus aller Welt zum Grab kommen, werden sogar nicht-jüdische Dorfbewohner angestellt, um die Verpflegung sicherzustellen.

  • Pilgerstätte des Baal Schem Tov in Medschybisch
  • Grabstätte des Baal Schem Tov Medschybisch
  • Grab des Baal Schem Tov in Medschybisch


Winnyzja

Die ehemalige Zunftsynagoge eines Schuhmachers im ehemaligen jüdischen Viertel „Jerusalimka“ liegt am „Todesweg“. Die Straße wird so genannt, weil genau durch diese Straße Jüdinnen und Juden in den Tod gehen mussten. Die Straße führt an den Stadtrand, an die Massenhinrichtungsstelle. Bereits zwei Monate nach Einmarsch der Deutschen sind dort schon 10.000 Jüdinnen und Juden erschossen worden. Mahnmale erinnern daran. Besonders erschütternd ist das Mahnmal für die Kinder (Foto in der Mitte), ein paar Meter entfernt vom Mahnmal der Erwachsenen. Kinder wurden von ihren Müttern getrennt, da die Mörder das Geschrei nicht ertragen wollten.

  • Ehemalige Zunftsynagoge im jüdischen Viertel in Winnyzja
  • Mahnmal für Kinder in Winnyzja
  • Mahnmal für Erwachsene in Winnyzja



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Bilder der Woche – Griechenland

Sommeredition „Bild der Woche“ goes on holiday – und begibt sich in den nächsten Wochen auf eine sommerliche Bilder-Reise zu jüdischen Museen, Synagogen und Schauplätzen jüdischen Lebens in aller Welt!…

Sommeredition

„Bild der Woche“ goes on holiday – und begibt sich in den nächsten Wochen auf eine sommerliche Bilder-Reise zu jüdischen Museen, Synagogen und Schauplätzen jüdischen Lebens in aller Welt!

Und Sie sind herzlich eingeladen, sich mit Ihren Urlaubsbildern an unserer Reise zu beteiligen – zum Koschere-Melange-Sommergewinnspiel.

Auch diese Woche haben wir großartige Unterstützung für unser „Bild der Woche“ bekommen. Wir danken Meir Deutsch, Israel, ganz herzlich dafür, dass er uns sowohl Fotos als auch umfassende Informationen zur Verfügung gestellt hat, die wir weitgehend (übersetzt und) übernommen haben.

Damit steht der heutigen Rundreise nichts mehr im Weg: Wir streifen diesmal durch Griechenland und besuchen die Orte Thessaloniki, Veria, Kastoria, Ioannina, Larissa, Athen und Rhodos, wo wir nicht nur einen Blick auf einige Synagogen werfen, sondern auch geschichtliche Hintergrundinformationen sammeln wollen.


Die heutige Reiseroute:

Google Maps Reiseroute Griechenland ...

Thessaloniki

Innenansicht der Synagoge in Thessaloniki


„Etwa zwei Jahrhunderte lang galt Saloniki als die Stadt, in der weltweit die meisten Juden lebten …“

Wahrscheinlich kamen die ersten Juden zur Zeit Alexanders des Großen nach Thessaloniki. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts lebten Juden aus ganz Europa in der Stadt, unter ihnen auch Flüchtlinge aus Spanien, Portugal, Italien, Sizilien, Frankreich und Nordafrika. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Zahl der jüdischen Bevölkerung auf rund 60.000 angewachsen. Im Holocaust kamen 96 % der Juden aus Thessaloniki ums Leben. Diese hohe Zahl ist zum Teil auch dem Rabbiner der Stadt, Zvi Koretz, zuzuschreiben. Er war der Meinung, wenn er den Nationalsozialisten Gehorsam leisten würde, könne er sie besänftigen. Als Rabbiner und Präsident der jüdischen Gemeinde forderte er seine Gemeindemitglieder zu Gehorsam gegenüber den Deutschen auf. Er selbst folgte seinem eigenen Ratschlag und zeigte sich kooperativ. Raul Hilberg schreibt dazu:

Für die deutschen Bürokraten war er ein ideales Werkzeug.

Hilberg, Raul: Die Vernichtung der europäischen Juden, Bd. 2, S. 740

Im Februar 1943 kamen die Nazi-Offiziere Alois Brunner und Dieter Wisliceny, die mit der Deportation beauftragt waren, in der Stadt an. Bevor man die ersten Waggons nach Polen schickte, hielt Rabbi Koretz in der Synagoge eine Ansprache, in der er die versammelten Menschen darüber informierte, dass man sie nach Polen bringen würde. Dort, meinte er, würden sie eine neue Heimat finden. Um diesem Versprechen Glaubwürdigkeit zu verleihen, wurden polnische Geldscheine ausgeteilt …


Veria

  • Außenansicht der Synagoge in Veria'
  • Der Toraschrein der Synagoge in Veria
  • Wandmalerei in der Synagoge in Veria


Jüdisches Leben gab es in Veria schon im ersten Jahrhundert. Es ist bekannt, dass der Apostel Paulus, nachdem er aus der Synagoge in Thessaloniki vertrieben worden war, weiterzog nach Veria, um dort zu predigen. Die jüdische Gemeinde in Veria war immer eng verbunden mit den Gemeinden von Thessaloniki und Monastir.

Kastoria

Kastoria war ehemals Zentrum des Fellhandels in Griechenland. Viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Kastoria waren ursprünglich aus Italien gekommen, hatten sich aber nach und nach den bereits in Kastoria lebenden sefardischen Juden angepasst. Der daraus resultierende spanisch-jüdische Dialekt war einzigartig. Im März 1944 wurden 763 der 900 Juden aus Kastoria nach Auschwitz deportiert.

Ioannina

Die jüdische Gemeinde in Ioannina bestand laut Überlieferung schon seit dem neunten Jahrhundert. Nach dem ersten Balkankrieg 1913 verließ ungefähr die Hälfte der 4.000 jüdischen Einwohner die Stadt. Im Zweiten Weltkrieg war Ioannina von Italien besetzt, die Deportationen begannen, sofort nachdem Italien das Waffenstillstandsabkommen unterschrieben hatte. Die gesamte jüdische Gemeinde wurde in das Konzentrationslager Auschwitz verschleppt.

  • Eingang der Synagoge in Ioannina
  • Innenansicht der Synagoge in Ioannina
  • Gedenkstätte für die jüdischen Opfer des Holocaust


Der jüdische Dichter Yosef Elia schrieb über den See von Ioannina:

Oh, lake, your blue water
Bear so many children’s dreams
Oh, how the past turns its laughter
On memory’s enormous wings

But when I listen to the dead past
I feel the lake weeping, alas
The ecstatic stare of fantasy.


Larissa

  • Innenansicht der Synagoge in Larissa
  • Toraschrein in der Synagoge in Larissa
  • Holocaust-Denkmal in Larissa


Seit über 2.000 Jahren leben Juden in Larissa. Ab dem 16. Jahrhundert hatte die Stadt eine kleine sefardische Gemeinde. Dreihundert Jahre später gab es in der Stadt sieben Synagogen und eine Jeschiwa, die Gemeinde zählte damals rund 2.800 Mitglieder. Es wurden auch viele Pijjutim in Larissa geschrieben. Wenn man heute durch die Straßen von Larissa spaziert, sieht man noch immer Gebäude mit hebräischen Inschriften.

Athen

Die jüdische Gemeinde in Athen begann erst Mitte des 19. Jahrhunderts zu wachsen, nachdem Griechenland seine Unabhängigkeit erlangt hatte und Athen zur neuen Hauptstadt geworden war. Zu dieser Zeit war Athen als Ansiedlungsgebiet für Deutsche attraktiv geworden, auch Otto aus Bayern reiste gemeinsam mit seinem Financier Max Rothschild an. Ihnen folgten weitere jüdische Familien aus Bayern. Im Jahr 1889 war die jüdische Gemeinde groß genug, um als religiöse Minderheit der Stadt anerkannt zu werden.

Mit der Besetzung Griechenlands 1941 fiel die Kontrolle der Stadt in italienische Hände. Die jüdische Bevölkerung genoss drei Jahre relative Sicherheit. Viele jüdische Flüchtlinge aus Thessaloniki suchten Schutz in Athen. Nach dem Fall Mussolinis 1943 versuchten die Deutschen den Rabbiner der Stadt zur Kooperation zu zwingen. Dieser jedoch weigerte sich und floh mit Hilfe der griechischen Widerstandsbewegung. Viele seiner jüdischen MitbürgerInnen folgten seinem Beispiel und konnten gerettet werden. Im April 1944, kurz vor Pesach, bereiteten die Nazis eine Falle vor. Sie forderten die jüdische Bevölkerung auf, sich in der Synagoge zu versammeln, es würden dort Mehl und Zucker verteilt werden. Rund 800 Juden aus Athen fielen so in die Hände der Nationalsozialisten.

Jüdisches Museum in Athen.

Rhodos

Die beiden Toraschreine in der Synagoge in Rhodos


Hier sieht man die beiden Toraschreine in der Synagoge in Rhodos. Meir Deutsch schreibt uns dazu:

Was ich faszinierend fand, waren die beiden Toraschreine in der Synagoge in Rhodos. Als ich fragte, warum es zwei gebe – ich hätte das sonst noch nirgends gesehen -, sagte man mir: „Wissen Sie denn nicht?“ Ich war noch immer ein bisschen verwirrt und sagte: „Nein, ich weiß es nicht.“
Man informierte mich, dass Moses vom Berg Sinai mit zwei Steintafeln herabgekommen war, deshalb gebe es auch zwei Schreine.

  • Innenansicht der Synagoge in Rhodos
  • Tafel mit Inschrift an der Wand der Synagoge in Rhodos
  • Mikwe in der Synagoge in Rhodos


Rund 5.000 Juden lebten in Rhodos zu Beginn des 20. Jahrhunderts, viele davon waren erfolgreiche Händler und Handwerker. Ab 1912 stand Rhodos unter italienischer Herrschaft und viele italienische Juden kamen auf die Insel. Im 2. Weltkrieg konnten zunächst viele Juden aus Rhodos nach Italien flüchten. Nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes zwischen Italien und den Alliierten übernahmen allerdings die Deutschen die Insel. Im Juli 1944 begann die Deportation der 1.700 Juden aus Rhodos.

Auch in Rhodos gibt es ein jüdisches Museum.

Mehr Informationen zur Geschichte der Juden in Griechenland.

Das Koschere-Melange-Sommergewinnspiel

Schicken Sie uns Ihre Urlaubsfotos – gesucht sind Bilder von jüdischen Museen, Synagogen, historischen und aktuellen Schauplätzen jüdischen Lebens in aller Welt!
Die hübschesten, originellsten oder „weitestgereisten“ Fotos werden als „Bild der Woche“ hier im Blog veröffentlicht.

Unter allen Einsendern verlosen wir 3 Exemplare des Buches „… weil man uns die Heimatliebe ausgebläut hat … Ein Spaziergang durch die jüdische Geschichte Eisenstadts“, 3 Exemplare des Buches „Aus den Sieben-Gemeinden. Ein Lesebuch über Juden im Burgenland“ sowie eine Jahreskarte für das Österreichische Jüdische Museum.

Einsendungen bitte an bildderwoche@ojm.at. Einsendeschluss ist der 31. August 2010.

Bitte beachten Sie: Mit der Übermittlung Ihres Bildes erklären Sie sich mit einer Veröffentlichung auf koschere-melange.at einverstanden. Bitte schicken Sie das Bild in möglichst hoher Auflösung. Pro Absender nimmt nur eine Einsendung an der Verlosung teil.



Schicken Sie uns Ihr Bild der Woche


5 Kommentare zu Bilder der Woche – Griechenland

Bilder der Woche – Eine Eiche in der Bukowina

Sommeredition „Bild der Woche“ goes on holiday – und begibt sich in den nächsten Wochen auf eine sommerliche Bilder-Reise zu jüdischen Museen, Synagogen und Schauplätzen jüdischen Lebens in aller Welt!…

Sommeredition

„Bild der Woche“ goes on holiday – und begibt sich in den nächsten Wochen auf eine sommerliche Bilder-Reise zu jüdischen Museen, Synagogen und Schauplätzen jüdischen Lebens in aller Welt!

Und Sie sind herzlich eingeladen, sich mit Ihren Urlaubsbildern an unserer Reise zu beteiligen – zum Koschere-Melange-Sommergewinnspiel.

Nachdem wir bereits einen galizischen Zitronenbaum hier im Blog näher betrachtet haben, wollen wir unseren Blick jetzt wieder einem Baum – diesmal allerdings einer Eiche – zuwenden und damit unsere Reise fortsetzen, nämlich in ein ehemaliges Kronland Österreichs: die Bukowina. Danach wandern wir weiter in nordwestlicher Richtung in das ehemalige Galizien und besuchen die Städte Zabolotiv, Lemberg und Lancut, wo wir ebenfalls den Spuren jüdischer Vergangenheit (und Gegenwart) folgen.

Vielen herzlichen Dank an Herrn Dr. Christoph Konrath, Wien, für diese tollen Reisefotos!

Die heutige Reiseroute:

Google Maps Reiseroute Galizien, Bukowina ...

Das Königreich Galizien und Lodomerien, mit Hauptstadt Lemberg, war das am nordöstlichen Rand gelegene Kronland des Habsburgerreichs. Heute gehört der westliche Teil zu Polen, der östliche zur Ukraine. Die Bukowina war von 1786 bis 1849 ein Bestandteil Galiziens, danach ein eigenständiges Kronland mit der Hauptstadt Czernowitz. Der nördliche Teil der Bukowina liegt heute in der Ukraine, der südliche in Rumänien. Zur Zeit der Habsburgermonarchie trafen hier zwischen Orient und Okzident verschiedene Nationalitäten, Sprachen und Kulturen aufeinander, an die heute leider nur noch wenig – oft Trauriges – erinnert.

Siret

Erster Halt: Siret, Bukowina – heute eine Kleinstadt in Rumänien, an der Grenze zur Ukraine. Im Jahre 1880 – eine blühende multikulturelle sowie multireligiöse Grenzstadt, in der rund dreitausend Juden (mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung) lebten. Von 1912 bis 1918 gab es in Siret sogar einen jüdischen Bürgermeister.

Jüdischer Grabstein mit Eiche in Siret


Jüdischer Friedhof in Siret

Heute erinnert noch der jüdische Friedhof, der übrigens zu den ältesten Osteuropas zählt, an die ehemalige Gemeinde von Siret. Oben sehen wir einen besonders schönen Grabstein, verziert mit einer Eiche. Um Namen, Geburts- und Sterbedatum zu lesen, braucht man diesmal keine Hebräisch-Kenntnisse ;) Der ältest Stein auf dem Friedhof trägt die Jahreszahl 1510.

Czernowitz

Nächster Halt: Czernowitz, die Hauptstadt der Bukowina (liegt heute in der Ukraine). Hier fand am 30. August 1908 die allererste Jiddisch-Konferenz statt. Vor dem Zweiten Weltkrieg machte die jüdische Gemeinde die Hälfte aller Stadtbewohner aus, heute stellt sie nur mehr einen verschwindend geringen Bevölkerungsanteil dar. Die finanziellen Mittel der kleinen Gemeinde reichen leider auch nicht aus, um alle Gebäude und Denkmäler zu erhalten; so beherbergt heute die ehemalige Synagoge zum Beispiel ein Kino.

  • Das Jüdische Haus in Czernowitz
  • Im Stalinismus deformierter Davidstern


Hier sehen wir Bilder vom Jüdischen Haus in Czernowitz, das sich mit der Geschichte der Bukowiner Juden beschäftigt. Wenn man das rechte Bild genauer betrachtet, erkennt man, dass der linke obere und der rechte untere Zacken ergänzt sind – die Sterne wurden nämlich im Stalinismus deformiert.


Zabolotiv

Wir haben nun die Bukowina verlassen, die Grenze zu Galizien überschritten und machen einen kleinen Zwischenstopp in Zabolotiv, dem Geburtsort Manès Sperbers, um uns das ihm gewidmete Denkmal anzusehen.

Lemberg

Innenansicht der heutigen Hauptsynagoge

Ein bisschen länger wollen wir nun in Lemberg, der ehemaligen Hauptstadt des Königreichs Galizien und Lodomerien, verweilen. Hier lebten in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts 57.000 Juden, die rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachten. Vor dem Ersten Weltkrieg kontrollierten sie den Großhandel zwischen Wien und Russland. Über 50 Prozent von ihnen waren beruflich im Handel tätig, 24 Prozent waren Handwerker. Heute zählt die jüdische Gemeinde nur noch knapp 3.000 Mitglieder. Von den ehemaligen drei Synagogen wird nur noch eine für den Gottesdienst genutzt.

  • Ruine der 'Goldene Rose-Synagoge'
  • Sukka (Laubhütte) vor der Ruine der Synagoge
  • Jüdisches Kulturzentrum, ehemals Synagoge


Das linke Foto zeigt die Ruine der großen Synagoge, auch „Goldene Rose“, die 1941 unter NS-Herrschaft zerstört wurde. In der Mitte sehen wir eine Sukka (Laubhütte) der chassidischen Gemeinde im Hof vor der Ruine.
Das Bild ganz rechts zeigt eine ehemalige Synagoge, die 1841 bis 1844 erbaut wurde. Damals befand sich im Gebäude auch eine Mikwe und eine Jeschiwa. Von den Nationalsozialisten wurde die Synagoge verwüstet und in einen Pferdestall umfunktioniert. Heute befindet sich in dem leider schon schwer beschädigten Bauwerk ein jüdisches Kulturzentrum.

  • Holocaust-Denkmal in Lemberg
  • Holocaust-Denkmal in Lemberg
  • Holocaust-Denkmal in Lemberg


Im Juli 1944 stellte man ein jüdisches Komitee auf die Beine, um den Überlebenden zu helfen. 3.400 Juden wurden damals registriert, nur 820 unter ihnen stammten auch wirklich aus Lemberg. Auf diesen Bildern sehen wir das Holocaust-Denkmal (inklusive aktueller Beschmierungen).


Lancut

Am Ende unserer kleinen Rundreise über 733 km besuchen wir in der westgalizischen Stadt Lancut eine schöne barocke Synagoge. Sie gehört zu den wenigen erhaltenen Synagogen mit einer viersäuligen Bima und den schönen, reich verzierten Gewölben. Wer genau hinsieht, erkennt in den Malereien über den Säulen Szenen aus der Bibel.

  • Außenansicht der Synagoge in Lancut
  • Bima in der Synagoge in Lancut
  • Innenansicht der Synagoge in Lancut


Aber die an die vertrauten Namen anklingenden Ortsbezeichnungen sind nichts weiter als leere Buchstabenhülsen, die nur mehr den flüchtigen Duft der Erinnerung an eine unwiederbringlich verlorene Welt in sich bewahren, die hier und da erhalten gebliebenen architektonischen Denkmäler sind Relikte einer ehemaligen Gemeinsamkeit, die nicht mehr zum Leben erweckt werden kann.

Martin Pollack: „Nach Galizien – Eine imaginäre Reise durch die verschwundene Welt Ostgaliziens und der Bukowina“, Brandstätter Verlag, Wien, 1984

Das Koschere-Melange-Sommergewinnspiel

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Die hübschesten, originellsten oder „weitestgereisten“ Fotos werden als „Bild der Woche“ hier im Blog veröffentlicht.

Unter allen Einsendern verlosen wir 3 Exemplare des Buches „… weil man uns die Heimatliebe ausgebläut hat … Ein Spaziergang durch die jüdische Geschichte Eisenstadts“, 3 Exemplare des Buches „Aus den Sieben-Gemeinden. Ein Lesebuch über Juden im Burgenland“ sowie eine Jahreskarte für das Österreichische Jüdische Museum.

Einsendungen bitte an bildderwoche@ojm.at. Einsendeschluss ist der 31. August 2010.

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Bilder der Woche – Der Wilde Westen

Sommeredition „Bild der Woche“ goes on holiday – und begibt sich in den nächsten Wochen auf eine sommerliche Bilder-Reise zu jüdischen Museen, Synagogen und Schauplätzen jüdischen Lebens in aller Welt!…

Sommeredition

„Bild der Woche“ goes on holiday – und begibt sich in den nächsten Wochen auf eine sommerliche Bilder-Reise zu jüdischen Museen, Synagogen und Schauplätzen jüdischen Lebens in aller Welt!

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Weiter geht’s auf unserer Reise: Und diesmal reisen wir sogar durch die Zeit, nämlich in den Wilden Westen vor 1900. Wolf-Erich Eckstein, der uns schon ein Foto eines Grabsteins auf dem jüdischen Friedhof in Brody geschickt hat, ermöglicht es uns diesmal mit seinen Bildern an einem interessanten und außergewöhnlichen Vortrag von Dr. Lewis Holzman bei der Internationalen Konferenz für Jüdische Genealogie teilzuhaben.

Vielen herzlichen Dank an Herrn Mag. Wolf-Erich Eckstein, Wien, für diese tollen Fotos!

Ankündigung von Dr. Lewis Holzmans Vortrag

Die Ankündigung von Holzmans Vortrag bei der Internationalen Konferenz für Jüdische Genealogie im Juli 2010 in Los Angeles, Kalifornien, verspricht eine unterhaltsame Vorlesung über jüdische Persönlichkeiten, die vor 1900 in den Westen der Vereinigten Staaten auswanderten.
Klicken Sie auf das Bild für eine vergrößerte Ansicht

Dr. Lewis Holzman bei seinem Vortrag

Hier sehen wir Dr. Lewis Holzman während seines Vortrags, selbstverständlich passend zum Thema gekleidet. Wenn man sich dieses Bild ansieht, überrascht es schon, dass die ersten Google-Treffer für „Dr. Lewis Holzman“ nichts mit Genealogie zu tun haben … weil er nämlich im Zivilberuf Orthopäde ist ;)
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Links: Josephine Sarah Marcus Earp, die Frau von Wyatt Earp, rechts: Anne Solomon

Die linke Fotografie zeigt Josephine Sarah Marcus Earp, Tochter von deutsch-jüdischen Immigranten und Frau des amerikanischen Revolverhelden Wyatt Earp. Die Ehe der beiden bestand über 40 Jahre bis zum Tode Earps im Jahr 1929. Während ihrer gemeinsamen Zeit bereisten sie den Westen auf der Suche nach Gold, Silber und Kupfer.
Klicken Sie auf das Bild für eine vergrößerte Ansicht


Tipp: Wer gerne mehr über Wyatt Earp sehen möchte, hat am Freitag, den 20. 08. 2010 die Gelegenheit dazu. The History Channel zeigt eine Dokumentation über sein Leben und seine Persönlichkeit.


Charles Strauss und sein Sohn, beide mit Gewehr

Hier sehen wir Tucsons ersten jüdischen Bürgermeister Charles Strauss mit seinem Sohn. Er war maßgeblich beteiligt beim Aufbau der Universität von Arizona in Tucson, startete ein Programm zur Verbesserung der Straßen und war auch Mitglied der Regierung von Arizona.
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Zum Abschluss noch ein Zitat, das uns zeigt, wie vielfältig und (nahezu) skurril die Möglichkeiten für jüdische Immigranten damals waren, Karriere zu machen:

Solomon Bibo folgte seinen Brüdern in den 1860ern nach Amerika und begann bei den Spielbergs in Santa Fe zu arbeiten. Bald zog er nach Acoma, New Mexico, in ein Indianerreservat südlich von Albuquerque. Bibo baute ein Geschäftszentrum auf, welches für ehrlichen und fairen Handel bei den Indianern respektiert wurde. Unverheiratete jüdische Frauen waren schwer zu finden an der Grenze. Die meisten Immigranten waren ledige, junge, jüdische Männer. Wenn ein Mann eine Ehefrau suchte, musste er dies im Osten oder sogar in Europa versuchen. Für viele jüdische Männer war dies nicht real. Für Solomon Bibo ebenso – er heiratete eine Frau des Indianerstammes der Acoma, ihr Name war Juanna. Ungleich den anderen Stämmen, wählten die Acoma ihre Stammesoberhäupter um ihre Interessen gegenüber den Eingriffen der Außenwelt zu vertreten. Sie wählten die Person, die ihrer Meinung nach diese Aufgabe am besten erfüllen konnte. Die Acoma wählten Solomon Bibo zu ihrem Verwalter, im Jahr 1885 zu ihrem Oberhaupt. Es war eine außergewöhnliche Wahl. Ein Mann, der Yiddish, Spanisch und Queres – ihre Sprache – sprach. Ein Mann, der Talmud und Tora studiert hatte, stand nun am Dorfplatz der Acoma, blickte über das Land der Acoma Indianer und war nun ein amerikanischer Indianerhäuptling.

Das Originalzitat (in englischer Sprache) und mehr zu diesem Thema finden sie hier.

Das Koschere-Melange-Sommergewinnspiel

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Die hübschesten, originellsten oder „weitestgereisten“ Fotos werden als „Bild der Woche“ hier im Blog veröffentlicht.

Unter allen Einsendern verlosen wir 3 Exemplare des Buches „… weil man uns die Heimatliebe ausgebläut hat … Ein Spaziergang durch die jüdische Geschichte Eisenstadts“, 3 Exemplare des Buches „Aus den Sieben-Gemeinden. Ein Lesebuch über Juden im Burgenland“ sowie eine Jahreskarte für das Österreichische Jüdische Museum.

Einsendungen bitte an bildderwoche@ojm.at. Einsendeschluss ist der 31. August 2010.

Bitte beachten Sie: Mit der Übermittlung Ihres Bildes erklären Sie sich mit einer Veröffentlichung auf koschere-melange.at einverstanden. Bitte schicken Sie das Bild in möglichst hoher Auflösung. Pro Absender nimmt nur eine Einsendung an der Verlosung teil.


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