kosher Melange

Il blog del Museo Ebraico Austriaco - ISSN 2410-6380

Taufe und Hochzeit im 17. Jahrhundert in Pottendorf

Während die Sieben-Gemeinden, also die berühmten sieben heiligen jüdischen Gemeinden auf früherem esterházyschem Gebiet, weitgehend bekannt sind, führt die jüdische Gemeinde Neufeld an der Leitha mehr oder weniger ein Schattendasein….

Während die Sieben-Gemeinden, also die berühmten sieben heiligen jüdischen Gemeinden auf früherem esterházyschem Gebiet, weitgehend bekannt sind, führt die jüdische Gemeinde Neufeld an der Leitha mehr oder weniger ein Schattendasein.
Dabei ist die zwischen 1648 und 1653 von Franz von Nádasdy gegründete Gemeinde Neufeld eine der wenigen noch heute existierenden Ortschaften, deren Ursprung auf eine jüdische Besiedlung zurückgehen. Neufeld liegt unmittelbar an der niederösterreichischen Landesgrenze, Ebenfurth ist nur durch eine Brücke getrennt.
Hier geht es aber nicht um die spannende und wechselvolle Geschichte der Juden in Neufeld, sondern um den Nachbarort Pottendorf. Nicht nur, dass wir im Urbar von Pottendorf 1668 von 17 namentlich genannten jüdischen Eigentümern von insgesamt 11 Häusern in Neufeld lesen und im selben Jahr eine Kammervisitation der Zollämter den regen kleinen Grenzverkehr beschrieb:

Zwischen Raab, Bruck an der Leitha, Komorn und Eisenstadt, Kittsee, Rajka, Kobersdorf, Pottendorf und Neufeld zeichnet sich hier ein jüdischer Mikrokosmos ab, innerhalb dessen nicht nur Waren von einem Ort zum andern gebracht wurden, sondern auch Menschen über die Grenzen hinweg reisten, Kontakte knüpften und Konflikte austrugen.

Reinhard Buchberger, Vom Durchreisen und Sich-Niederlassen. Juden im frühneuzeitlichen Ungarn

In Pottendorf legte Jakob Berchtold Freiherr von und zu Ungarschütz schon 1635 ein neues, die Judenschaft betreffendes Grundbuch an, in dem 3 Bestandsjuden (Pachtujuden) und 22 Herbergsjuden namentlich aufgezählt wurden.

Zu einem Großereignis kam es in Pottendorf am 17. Jänner 1641, dem Tag des heiligen Antons des Einsiedlers, als eine Jüdin und ihre Tochter getauft wurden.

Eine Judentaufe erregte damals großes Aufsehen und wurde als ein herrlicher Triumpf des christlichen Glaubens betrachtet. Auch mitzuwirken bei einer solchen Seelenrettung galt als sehr verdienstlich. Kein Wunder also, wenn die Paten (Godln) den höchsten Pottendorfer Gesellschaftsschichten angehörten. Die Paten der Jüdin waren Frau Regina Katharina Berchtoldin von Ungarschütz und die Frau Verwalterin Katharina Neuperin. In Vertretung der Frau Regina Berchtoldin kam die Besitzerin des ‚roten Hofes‘ und kaiserliche Hauptmannsfrau Regina Rauch von Rauchenberg. Godl des Töchterleins war Frau Christine Baumgartnerin, Ehewirtin des Ulrich Baumgartner, Marktrichter in Pottendorf. Entsprechend den Namen der Patinnen bekamen die Jüdin den Namen Regina Katharina und das Kind den Namen Christine.

Rudolf Hertzka, Chronik der Großgemeinde Pottendorf, Pottendorf 1989, 322

Taufe Pottendorf 17. Jänner 1641

Taufe Pottendorf 17. Jänner 1641


Den 17 dito ist ein Jüdin sambt ihrem Kind taufft worden Gevater Leut sein gewest Fraw Catharina Neüpaurin vnd Frau Pflegerin Regina Rauchin anstat Ihr vnd Frau Regina Catharina Perchtoldin vnd ist nach Ihr vnd genent Regina Catharina deß Kindß Gefaterin Criustina Paumgartnerin Richterin vnd Cristina genent.

Nicht weiter verwunderlich ist zu dieser Zeit, dass bei Judentaufen nur selten Angaben über die Eltern gemacht werden.


Schon 10 Tage später, am 27. Jänner 1641, gab es das nächste seltene Schauspiel für die Pottendorfer: Die neugetaufte Jüdin heiratete den ledigen christlichen Gesellen Sebastian Rauscher:

Trauung Sebastian Rauscher und Regina Catharina, getraufter Jüdin, Pottendorf, 27. Jänner 1641

Trauung Sebastian Rauscher und Regina Catharina, getraufter Jüdin, Pottendorf, 27. Jänner 1641


Den 27. Ist Sebastian Rauscher ein lediger gesel mit Regina Catharina getauffter Jüdin copuliert worden.



Besten Dank an Felix Gundacker für die Lesehilfen und Helmut Schmeilzl für den Tipp.

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Shoa-Denkmal in Eisenstadt – Einladung zum Diskurs

Background photo from the Yad Vashem Hall of Stars in the children’s memorial. (Taken from Wikimedia Commons) Ausgangssituation In Eisenstadt gibt es kein Holocaust-Denkmal. Immer wieder wird von verschiedenen Seiten…

Background photo from the Yad Vashem Hall of Stars in the children’s memorial. (Taken from Wikimedia Commons)

Ausgangssituation

In Eisenstadt gibt es kein Holocaust-Denkmal.

Immer wieder wird von verschiedenen Seiten (politische Parteien, die Kirchen (s.u. den Brief der Pfarrer), aber auch etwa die Burgenländische Forschungsgesellschaft usw.) ein Holocaust-Denkmal (!) für Eisenstadt gefordert.

Konkrete Vorschläge für ein solches Denkmal oder eine nähere Begründung für ein solches Denkmal, außer „dass es in Eisenstadt eben fehle“, sind zumindest mir nicht bekannt.

Dass die Forderungen nach einem Holocaust-Denkmal in der Landeshauptstadt Eisenstadt verstärkt in der letzten Zeit, besonders auch im Zusammenhang mit dem Ge-/Bedenkjahr 2018 gestellt wurden, ist natürlich kein Zufall. Zumal in den letzten Jahren mehrere Denk-/Mahnmale im Burgenland errichtet wurden.

Ein jüdisches Museum kann und will sich dieser Diskussion in seiner Stadt nicht entziehen, nicht zuletzt, weil ein jüdisches Museum immer auch Akteur institutionalisierten Erinnerns ist (s. dazu besonders unseren Blogartikel „Eigenarten des Erinnerns„).


Die Holocaust-Denkmäler im Burgenland ‒ Ein kurzer Überblick über die letzten Jahre

Deutschkreutz war 2012 „Vorreiter“ mit einem Denkmal in der Hauptstraße, im Oktober 2014 folgte die Einweihung einer Gedenktafel am jüdischen Friedhof in Deutschkreutz im Gedenken an die ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter. Initiator war in beiden Fällen Misrachi Österreich (Wien) bzw. namentlich Michael Feyer.

Michael Feyer war es auch, der 2017 mit seinem Verein „Wir erinnern. Begegnung mit dem jüdischen Mattersburg“ das Holocaust-Denkmal in Mattersburg präsentierte. Ein Denkmal, das sehr prominent den Brunnenplatz dominiert und das alte Denkmal am Standort der ehemaligen Synagoge sozusagen ablöste. Zur Kritik an diesem Denkmal siehe meinen Kommentar unten.

Ebenfalls 2017 wurde das Mahnmal in Kobersdorf präsentiert, das vom früheren Bürgermeister der Gemeinde, Erwin Hausensteiner, initiiert worden war. Auf dem Denkmal befinden sich, im Unterschied zu den anderen Denkmälern, auch Namen von Opfern, Adressen usw. Zwischen Ermordeten und Vertriebenen wird aber nicht unterschieden, die Liste ist zudem unvollständig.

Sehr sensibel und überlegt ging man in Frauenkirchen vor, wo auf dem Platz der ehemaligen Synagoge der „Garten der Erinnerung“ errichtet und 2016 offiziell präsentiert wurde. Die Initiative erfolgte von Dr. Herbert Brettl und dem Verein „Initiative Erinnern Frauenkirchen„. Begleitet wurde/wird die Initiative von Vorträgen und Aktivitäten.



Gemeinsam all diesen erwähnten Denk- und Mahnmalen ist zunächst die Tatsache, dass es sich um Orte handelt, in denen bisher keine ausdrückliche und spezifische Erinnerungskultur stattfand, zumindest nicht mit deutlichem Bezug zu Orten oder Plätzen im Ort, die die Funktion eines Erinnerungsortes haben. Zwar gibt es in Kobersdorf, Deutschkreutz, Mattersburg und Frauenkirchen jüdische Friedhöfe, doch wurden diese in den Orten nie wirklich aktiv und permanent in die Erinnerungsarbeit eingebunden.

Das ist auch der entscheidende Unterschied zu Eisenstadt:

  • In Eisenstadt gibt es seit 1972 unser Österreichisches Jüdisches Museum, das älteste jüdische Museum in Europa seit 1945. Es wurde im Herz des ehemaligen jüdischen Viertels, im Palais des Hoffaktors und ungarischen Landesrabbiners Samson Wertheimer, ausdrücklich als Erinnerungs- und Gedenkort an die Sieben-Gemeinden allgemein und an die ehemalige jüdische Gemeinde Eisenstadt im Besonderen gegründet!

  • Im Museum findet sich neben der Synagoge, der einzigen „living synagogue“ des heutigen Burgenlandes, am Ende der Dauerausstellung ein Gedenkraum, der dem Gedenken an die Jüdinnen und Juden der Sieben-Gemeinden gewidmet ist.

  • Das jüdische Museum hat seinen Standort im ehemaligen jüdischen Viertel, am Rande dieses Viertels befinden sich die beiden jüdischen Friedhöfe, die seit jeher intensiv in die Museumsarbeit eingebunden werden und die einzigen jüdischen Friedhöfe in Österreich sind, die vollständig aufgearbeitet und umfassend dokumentiert sind! Jeder Friedhof hat immer primär auch Gedenkcharakter!

  • Sowohl nahezu alle Touristen als auch insbesondere die etwa 200 Schulgruppen aus ganz Österreich, die jährlich das jüdische Museum, die Synagoge, das jüdische Viertel und die beiden jüdischen Friedhöfe besuchen, tun dies als „aktiven Gedenkakt“ an die Geschichte der Jüdinnen und Juden in der Stadt und der Region.

  • Seit zumindest 1992 widmet das Museum sein Hauptaugenmerk der minutiösen und akribischen Aufarbeitung der Geschichte der Jüdinnen und Juden in den Sieben-Gemeinden, vornehmlich der Jüdinnen und Juden in Eisenstadt.

  • Sämtliche Aktivitäten dieser Aufarbeitung wurden von der Stadt Eisenstadt begleitet und gefördert (Printpublikation über den jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt 1995, Outdoor-Projekt „Ver(BE)gangen“ 2012 in der Stadt Eisenstadt, vollständige Dokumentation des älteren jüdischen Friedhofes 2015 und vollständige Dokumentation des jüngeren jüdischen Friedhofes 2017‒18 sowie alle im Zusammenhang mit diesen Dokumentationen stehenden Aktivitäten und Veranstaltungen!).


Wir bevorzugen als jüdisches Museum alternative (!) Formen eines Denkmals aus nachvollziehbaren sachlichen Gründen. Oder mit anderen Worten: Bevor über ein Holocaust-Denkmal nachgedacht wird, müssen wir die Namen und Geschichten der Menschen kennen, die selbst bzw. deren Kinder und Kindeskinder heute nicht mehr in Eisenstadt sind. Diesen ersten Schritt halten wir für eine Conditio sine qua non.

Insbesondere die Aufarbeitung des jüngeren jüdischen Friedhofes hat im sogenannten Ge-/Bedenkjahr 2018 gezeigt, dass ‒ trotz intensiver Arbeit ‒ noch zu viele Fragen offen sind: Wir wissen nicht, was mit den Kindern und Kindeskindern von über 500 in Eisenstadt verstorbenen bzw. in den Sterbebüchern verzeichneten Jüdinnen und Juden geschehen ist, wir kennen viele Schicksale nicht von den im Jänner 1938 in Eisenstadt ansässigen 446 Jüdinnen und Juden.
Siehe besonders unseren Blogbeitrag: Gedenkjahr 2018ff.

Konkret bedeutet dies:

Bevor die Geschichte der Juden bzw. die jüdische Geschichte nicht so aufgearbeitet ist, dass die wichtigsten Fragen um das Schicksal der Jüdinnen und Juden dieser Stadt beantwortet werden können, macht ein „herkömmliches“ Denkmal wenig Sinn, schon alleine, weil es einer permanenten Überarbeitung dieses Denkmals bedürfte (zumindest wenn konkrete Zahlen und Namen auf dem Denkmal vermerkt sind, was wir aber ‒ in welcher Form auch immer ‒ für sinnvoll halten).

Grundsätzlich muss die Frage erlaubt sein, ob die oben zitierte Form der Denk- und Mahnmale (mit Ausnahme Frauenkirchen!) nicht längst überholt sind und ausgedient hat. Ich zitiere Michael Blumenthal, Gründungsdirektor des jüdischen Museums Berlin, der schon im Jahr 2000 (!) deutlich macht, dass

es heute längst nicht mehr reicht, „ETWAS“ zu tun, sondern dass es heute um das „WIE“ etwas geschieht, geht! Sonst droht die gesamte Arbeit zur Alibihandlung zu werden. Die althergebrachten Erinnerungsformen haben weitgehend ausgedient, sie führen heute zu Irritationen und zu Widerspruch. Eine Reduktion der Gedenk- und Erinnerungsarbeit auf das „WAS“ wird einen Gedenk-Aktionismus zur Folge haben, der noch häufig reflexartig beklatscht wird, wird aber auf jeden Fall zur Folge haben, dass die Erinnerung für viele unverständlich ist und spaltet! Sie ist nicht mehr harmonisch, die Nachfahren der Täter verstehen sie nicht, und die Nachfahren der Opfer ebenso nicht. Erinnern darf die Vergangenheit nicht bloß mumifizieren, sondern muss sie lebendig und aktuell erhalten…

W. Michael Blumenthal, Streit um die Erinnerung. Über den schwierigen Weg zu einer Ethik des Gedenkens: Der Holocaust und die Öffentlichkeit, in: Art Projects | Synagoge Stommeln | Kuntprojekte, Ostfildern-Ruit, 2000, 21ff

Wie vermeiden wir es also, dass die heimische Bevölkerung sich nach zwei Wochen am örtlichen Denk-/Mahnmal sattgesehen hat, die Touristen wenig mit dem Denkmal anfangen können und Nachfahren von Opfern im Denkmal nur einen oberflächlichen Umgang mit der sie persönlich betreffenden Geschichte ihrer Vorfahren sehen? Sind doch die meisten dieser „herkömmlichen“ Denk- und Mahnmale beliebig austauschbar, können in irgendeinem Ort aufgestellt werden, in dem einst Jüdinnen und Juden lebten, maximal der aufgedruckte Ortsname müsste ausgetauscht werden. Und selbstverständlich führt es auch zu Irritationen, wenn sich ein Denkmal nicht klar dem Verdacht einer Alibihandlung entziehen kann: entstanden nur, um „etwas“ zu tun, im schlimmsten Fall als gedenkaktionistische Form und/oder, um politisches Kleingeld zu wechseln.

Vergleichbar mit Eisenstadt ist Hohenems in Vorarlberg, wo es auch ein jüdisches Museum gibt, das sich im ehemaligen jüdischen Viertel befindet, wo es auch einen jüdischen Friedhof gibt und wo sehr viele „kleine“ Einzelheiten an die Geschichte der Hohenemser Jüdinnen und Juden erinnern (Gebäude- und Straßennamen, Stolpersteine und vor allem die permanente und lebendige Erinnerungsarbeit des Museums). Und wo es auch kein „herkömmliches“ Denk- oder Mahnmal gibt, ein solches auch derzeit gar nicht überlegt oder gefordert wird.

Es gibt also derzeit keinen Grund für Schnellschüsse, ein Denk-/Mahnmal, wie es von verschiedensten Seiten gefordert wird, umzusetzen.

Eher im Gegenteil: Es muss vor allem um eine permanente, lebendige Erinnerungsarbeit gehen, fernab von politischem Kleingeld und herkömmlichen, längst ausgedienten Erinnerungsformen, unabhängig von offiziellen Ge- und Bedenkjahren, frei vom Verdacht einer Alibiaktion.


Eine Art Conclusio sowie Ideen und Denkansätze für die Zukunft

  • Es gilt primär, die vielen offenen Fragen zu klären. Das ist ein Arbeitsprozess, der noch einige Jahre dauern, den das jüdische Museum aber mit Leidenschaft und höchster Akribie machen wird. Damit soll ein permanentes und lebendiges Erinnern gewährleistet werden. Der gesamte Arbeitsprozess wird immer wieder die Unterstützung und Einbindung der Stadt Eisenstadt benötigen (vom Matrikenamt bis hin zu finanziellen Förderungen usw.).

  • Einer der nächsten Schritte ist sicher, die schon länger mit der Stadt Eisenstadt geplante Tafel (mit Plan und Erklärungen) am jüngeren jüdischen Friedhof anzubringen (analog der Tafel am älteren jüdischen Friedhof). Auf der Tafel sollen auch die offenen Fragen angesprochen werden.

  • Begleitend zu dieser Arbeit des Museums sollte auch überlegt werden, die „Ergebnisse“ in Form von „Steinen der Erinnerung“ in der Stadt sichtbar zu machen. Auch dies wäre ein Zeichen einer permanenten, kontinuierlichen und lebendigen Gedenk- und Erinnerungsarbeit.

  • Da aber selbstverständlich auch der Vertriebenen gedacht werden soll, wäre zu überlegen, ob an einzelnen Häusern und Plätzen, oder eventuell auch mit einer zentralen Gedenktafel, in Zukunft Tafeln mit den Namen, Berufen usw. der dort früher wohnhaften Jüdinnen und Juden angebracht werden könnten. Es müssen in jedem Fall klare, richtige und nachvollziehbare Antworten gegeben werden können auf die Frage, warum es heute keine Jüdinnen und Juden in Eisenstadt gibt und was mit ihnen geschehen ist.

  • Es gibt auch schon vorbildliche Projekte, die höchsten Respekt verdienen: Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Kurzwiese in Eisenstadt entwickelten im Ge-/Bedenkjahr 2018 „Das wandernde Mahnmal – ein Projekt gegen das Vergessen„. Lebendige, persönliche und konkrete Auseinandersetzung mit der Geschichte der jüdischen Schülerinnen und Schüler, mit dem Holocaust. Der ORF-Bericht beginnt mit dem Satz „In Eisenstadt gibt es bis heute keine Gedenkstätte für Opfer der Schoah“. Gibt mir, besonders im konkreten Kontext, zu denken. Hätten Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler trotzdem dieses schöne Projekt entwickelt, wenn es ein solches Denkmal gäbe in Eisenstadt? „Müssen“ sich Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler in Frauenkirchen, Kobersdorf, Deutschkreutz und Mattersburg nicht so intensiv mit der Geschichte jüdischer Schülerinnen und Schüler auseinandersetzen, weil es schon ein Denkmal im Ort gibt?

  • Selbstverständlich „verschließt“ sich unser Museum einem Holocaust-Denkmal nicht a priori. So wäre für uns grundsätzlich vorstellbar, dass eine Idee für ein wirklich überlegtes, sensibel gemachtes, künstlerisch hochwertiges und nicht beliebig „austauschbares“ Denkmal einen Denkprozess für eine Gestaltung in Gang setzen könnte (vorausgesetzt, es stimmen die o.g. Parameter. Will heißen, dass es beim „Wording“ beginnt „Shoa-Denkmal“ und nicht „Holocaust-Denkmal“, dass dieses Denkmal der vertriebenen und ermordeten Juden Eisenstadts gedenkt, aber eben nicht ein Denkmal für Juden, Sinti, Roma, dass wir seriöse Zahlen und Namen haben…).
    Die lebendige und permanente Gedenk- und Erinnerungsarbeit kann aber ohnehin kein Denkmal ersetzen.


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Deutschkreutz - Wilhelm Goldschmidt - Rapid

Am 8. Jänner 2019 wurde ein „Stein der Erinnerung“ für Wilhelm Goldschmidt enthüllt. Die Rapidspitze und zahlreiche Prominenz waren zugegen, die Medien berichteten (z.B. derstandard). Wilhelm Goldschmmidt wurde am 5….

Am 8. Jänner 2019 wurde ein „Stein der Erinnerung“ für Wilhelm Goldschmidt enthüllt. Die Rapidspitze und zahlreiche Prominenz waren zugegen, die Medien berichteten (z.B. derstandard).

Wilhelm Goldschmmidt wurde am 5. Juni 1942 mit dem Transport 25 von Wien nach Polen deportiert und in der Schoa ermordet.

Stein der Erinnerung für Wilhelm Goldschmidt

Stein der Erinnerung für Wilhelm Goldschmidt

Quelle: Facebookseite von SKRAPID

Rapid feiert heuer sein 120jähriges Bestehen, auf der Website des Fußballklubs finden wir die Enthüllung des „Steines der Erinnerung“ zumindest als eine der wichtigsten Aktivitäten in diesem Jubiläumsjahr.

Der damalige Sekretär des Klubs, Wilhelm Goldschmidt, war es, der am 8. Jänner 1899 den 1. Wiener Arbeiter Fußball-Club in Sportklub Rapid umbenannte. Darüber hinaus erfahren wir leider wenig über Wilhelm Goldschmidt.

Daher haben wir uns selbst auf die Suche gemacht und stellten u.a. fest, dass sein Vater aus Deutschkreutz stammte, aber der Reihe nach:

Heinrich Goldschmied (sic!), Oberoffizial der Israelitischen Kultusgemeinde, geb. März 1845 (so im Sterbebucheintrag, s.u.; in den Geburtsmatriken von Deutschkreutz finden wir Ignatz Goldschmid, geb. 01. August 1847!) in Deutschkreutz, Sohn des Carl Goldschmied und der Catti Horvát, beide Eltern leben in Wien, wohnhaft Wien Rossau, Porzellangasse 22, heiratet am 17. Februar 1878 in Puklitz (Tschechien) Julye Pokorny, geb. 01. Jänner 1847, Tochter des Jakob Pokorny und der Juditha Ornstein, beide verstorben, aus Puklitz. Heinrich war bei der Hochzeit 32 Jahre alt, Julye 31 Jahre, beide ledig.

Hochzeit Heinrich Goldschmied und Julye Pokorny, 17. Feburar 1878 in Puklitz, eingetragen in Iglau

Hochzeit Heinrich Goldschmied und Julye Pokorny, 17. Feburar 1878 in Puklitz, eingetragen in Iglau



Julye Goldschmidt, geb. Pokorny, starb am 28. April 1909 in Wien II, Rembrandtstraße 19, Heinrich Goldschmidt starb am 11. Juli 1914 in Wien IX, Müllnergasse 3. Julye und Heinrich sind am Zentralfriedhof Wien, Tor I gemeinsam begraben (Gruppe 051, Reihe 010, Grab 004).


Heinrich Goldschmidt und Julye Pokorny hatten den gemeinsamen Sohn

Wilhelm Goldschmidt, geb. 22. Juli 1880 in Brünn:

Geburt Wilhelm Goldschmidt, 22. Juli 1880 in Brünn

Geburt Wilhelm Goldschmidt, 22. Juli 1880 in Brünn



Wilhelm Goldschmidt, Buchhalter, geboren in Brünn, zuständig nach Wien, heiratet am 23. Juni 1907 im Stadttempel in der Seitenstettengasse 4 in Wien Elsa Herzog, geb. 24. März 1885 in Wien, zuständig nach Zombor, Ungarn, Tochter des Moriz Herzog, Kaufmannsgehilfe aus Großszombor in Ungarn, und der Netti Werner, wohnhaft Wien IX, Alserbachstraße 22.

Wilhelm Goldschmidt wurde in der Schoa ermordet (s.o.), seine Frau starb in Greater London 1968.

Wilhelm Goldschmidt und Elsa Herzog hatten den gemeinsamen Sohn

Heinrich Goldschmidt, geb. 16. Jänner 1922 in Wien II, Große Schiffgasse 22. Heinrich Goldschmidt konnte 1938 nach Palästina / Israel emigrieren und starb am 26. Elul 5765 = 30. September 2005. Er ist in Rishon Letsion, Israel, begraben. Auffällig, dass das Geburtsdatum am Grabstein mit 1921 angegeben wird, im Geburtsbuch (s.u.) aber 1922.
Vater Wilhelm wird in der Grabinschrift Se’ev genannt (entspricht Wilhelm), Mutter: Elsa.
Heinrich Goldschmidts Frau Chaia Goldschmidt starb 2010.

Geburt Heinrich Goldschmidt, 16. Jänner 1922 in Wien

Geburt Heinrich Goldschmidt, 16. Jänner 1922 in Wien


Thanks to Orit Lavi, Israel!

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Sprinzeles Regine nato, Hirsch 26 Luglio 1877 in Mattersdorf assassinati nella Shoah

Anlässlich des Planes, einen Gedenkstein für Regine Sprinzeles in Wien zu errichten, erreichte uns eine Anfrage zur Verifizierung ihrer Geburtsdaten. Regine Sprinzeles wurde am 12. Mai 1942 mit dem Transport…

Anlässlich des Planes, einen Gedenkstein für Regine Sprinzeles in Wien zu errichten, erreichte uns eine Anfrage zur Verifizierung ihrer Geburtsdaten.

Regine Sprinzeles wurde am 12. Mai 1942 mit dem Transport 20 von Wien nach Izbica, Krasnystaw, Lublin in Polen deportiert und in der Schoa ermordet (Schoa-Opfer in der zentralen Datenbank von Yad Vashem).

Verzeichnet als Opfer ist Regine Sprinzeles auch in der Datenbank des Dokumentationszentrums des österreichischen Widerstands, wo angegeben wird, dass sie am 26. Juli 1877 in Mattersburg geboren wurde.

Aber beginnen wir bei ihrem Schwiegervater:

Auf dem jüdischen Friedhof von Mattersdorf/-burg befand sich auch das Grab von Albert (Naftali) Sprinzeles, gest. 15. April 1884. Von diesem Grab gibt es leider nur mehr das Foto (über die Gründe berichtet unser Artikel „Die verschollenen Grabsteine„), das wir schon 2010 online stellten.

Ehefrau von Abraham (Naftali) Sprinzeles, geb. in Nikolsburg: Lina Hirsch, geb. in Mattersdorf, geh. 26. Februar 1868 in Mattersdorf:

Matrikeneintrag Hochzeit Albert Sprinzeles und Lina Hirsch, 26. Februar 1868 in Mattersdorf

Matrikeneintrag Hochzeit Albert Sprinzeles und Lina Hirsch, 26. Februar 1868 in Mattersdorf


Das Ehepaar Abraham (Naftali) Sprinzeles und Lina Hirsch hatte drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter:

Katharina Sprinzeles, geb. 08. Juli 1876 in Mattersdorf, geh. 20. April 1898 in Mattersdorf Khos Hersch Kikes, geb. 29. September 1871 in Krystynopel (polnischer Name für Tscherwonohrad, heute Ukraine), Sohn des Mendel Kikes und der Dresel N. N.
Tochter von Katharina Sprinzeles und Kohs Hersch Kikes: Helene Kikes, geb. 16. Dezember 1899 in Wien.

Bernath Sprinzeles, geb. 28. Februar 1873 in Mattersdorf

Wir konzentrieren uns aber auf Sohn Heinrich (Abraham) Sprinzeles, dem Ehemann der angefragten Regine Hirsch, verh. Sprinzeles:

Heinrich (Abraham) Sprinzeles, Religionslehrer, geb. 27. Dezember 1868 in Mattersdorf, gest. 22. Jänner 1941 im Spital der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien XVIII, Wohnadresse: Herminengasse 15, Beerdigungsdatum: 24. Jänner 1941. Die Beerdigung wurde von der IKG bezahlt:

Ehefrau von Heinrich (Abraham) Sprinzeles: Regina (Rifke) Hirsch, geb. 26. Juli 1877 in Mattersdorf, Tochter des Moritz Hirsch und der Rosi, geb. Hirsch:

Matrikeneintrag Geburt Regina Hirsch, 26. Juli 1877 in Mattersdorf

Matrikeneintrag Geburt Regina Hirsch, 26. Juli 1877 in Mattersdorf


Die Hochzeit von Heinrich (Abraham) Sprinzeles und Regina (Rifke) Hirsch fand am 20. Dezember 1905 in Mattersdorf statt:

Matrikeneintrag Hochzeit Heinrich Sprinzeles und Regina Hirsch, 20. Dezember 1905 in Mattersdorf

Matrikeneintrag Hochzeit Heinrich Sprinzeles und Regina Hirsch, 20. Dezember 1905 in Mattersdorf


Regine (Rifke) Sprinzeles, geb. Hirsch, wurde in der Schoa ermordet (s.o.)!


Heinrich (Abraham) Sprinzeles und Regine (Rifke) Hirsch hatten drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn:

Univ-Prof. Dr. Herta Sprinzeles, verh. Spencer-Laszlo, geb. 05. September 1910 in Wien. Emigration nach London, 1942 in die USA, eine der führenden Ernährungs- und Stoffwechsel-Pionierinnen der medizinischen Forschung. Herta Spencer-Laszlo starb 2007 in Riverdale, NY.
Über Herta Sprinzeles, verh. Spencer-Laszlo, mehr Informationen im Gedenkbuch für Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien. Ausführlich gewürdigt wird Herta Spencer-Laszlo als „Medical Pioneer in Human Metabolism and Nutrition“ auch im „Jewish Women’s Archive“ auf der Website des Jewish Welcome Service, dort allerdings mit falschem Geburtsdatum (1911 statt 1910).

Matrikeneintrag Geburt Herta Sprinzeles, 05. September 1910 in Wien

Matrikeneintrag Geburt Herta Sprinzeles, 05. September 1910 in Wien


Martha Sprinzeles, verh. Schon (Schön), geb. 02. August 1914 in Wien, Emigration nach London, geh. 1941 in London Leo Schon (Schön).
Mehr Informationen zu Martha Sprinzeles im Gedenkbuch für Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien.

Matrikeneintrag Geburt Martha Sprinzeles, 02. August 1914 in Wien

Matrikeneintrag Geburt Martha Sprinzeles, 02. August 1914 in Wien


Dr. Emil Sprinzeles, später Lehmann, Namensänderung am 30. Juni 1932 von Sprinzeles in Lehmann, geb. 06. August 1907 in Mattersdorf, geh. 04. Juni 1933 in Wien Marianne Färber, Tochter des Gustav Färber und der Gisella Manaberger. Die Ehe wurde am 09. Dezember 1940 geschieden. Emigration über London in die USA, gest. 1999.
Hier ein „Oral history interview with Dr. Emil Lehmann„, aufgenommen etwa 1979 (Audio, englisch/deutsch)!


Über die Kategorie „Cheder“


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