Newsletter-Archiv


Liebe Freunde des Österreichischen Jüdischen Museums in Eisenstadt!

Wir wünschen
allen Leserinnen und Lesern unserer „Koscheren Melange“, allen Besucherinnen und Besuchern und allen, die mit unserem Museum verbunden sind,

ein fröhliches Chanukkafest

und schon jetzt unseren christlichen Leserinnen und Lesern, Besucherinnen und Besuchern sowie Freunden
ein frohes Weihnachtsfest

und allen einen guten Start ins Neue Jahr!


Die beiden jüdischen Friedhöfe Eisenstadts

Wie wir schon in unserem Newsletter vom Februar 2018 angekündigt haben, war und ist es uns ein prioritäres Anliegen, den Jüdinnen und Juden Eisenstadts und den Jüdinnen und Juden aller anderen ehemaligen jüdischen Gemeinden des heutigen Burgenlandes nicht nur ihre Namen, sondern insbesondere ihnen ihre Geschichte wiederzugeben.
Die Bilanz, die wir am Ende dieses Ge- und Bedenkjahres 2018 ziehen müssen, ist durchmischt.

Wir freuen uns sehr, mitteilen zu dürfen, dass sowohl der ältere jüdische Friedhof als auch der jüngere jüdische Friedhof in Eisenstadt digital vollständig erfasst sind (insgesamt 1.358 Grabsteine und 1.375 Personen) und vor Ort mit Standortnummern und QR-Codes versehen wurden.

Dass wir von mindestens 525 Jüdinnen und Juden aus Eisenstadt nicht wissen, wo sie begraben sind, und ihre Geschichte noch immer nicht kennen, macht uns traurig. Es bleibt noch viel zu tun … Gedenkjahr 2018ff.

Gedenkjahr 2018ff


Schicksalsjahr 1938 – NS-Herrschaft im Burgenland

Die Schwerpunktausstellung brachte auch unserem Museum einen neuen Besucherrekord. Besonders erfreulich ist die im Vergleich zu den Vorjahren fast doppelte Anzahl an Schulklassen, die unsere Synagoge, die Dauerausstellung und die Schwerpunktausstellung 2018 besuchten.

Die Ausstellung wird auch noch 2019 zu sehen sein.

Übrigens: Unter den noch nie öffentlich gezeigten Originaldokumenten des Jüdischen Zentralarchivs finden Sie in der Ausstellung u.a. das prächtige Chewra-Kadischa-Buch (Bild 1, Bild 2) aus Schlaining, 1871!

Schwerpunktausstellung „Schicksalsjahr 1938 – NS-Herrschaft im Burgenland“


Aizenshtat in Eisenstadt

Das mit Abstand größte und beeindruckendste Fest in diesem Jahr fand am 10. Juni statt. Nicht nur die Oberrabbiner von Moskau und Wien, Rabbi Pinchas Goldschmidt und Rabbi Arie Folger, und viel international jüdische Prominenz, sondern auch mehr als 60 Mitglieder der weltweiten Familie Eisenstadt / Aizenshtat versammelten sich anlässlich des 300. Jahrzeittages ihres Ahnen, Rabbi Meir Eisenstadt, am älteren jüdischen Friedhof.

Aizenshtat in Eisenstadt – Die Nachlese


Über den Tellerrand…

Wir waren auch 2018 wieder viel unterwegs und haben über den regionalen Tellerrand geblickt und viel „mitgebracht„. Die weiteste Reise war ans „Ende der Welt“, wo wir spannende jüdische Spuren entdecken konnten und fasziniert waren von den vielen engen Beziehungen zu Österreich. Die Aufarbeitung dauert noch ein wenig, aber was wir schon vorab verraten haben: Wir haben tatsächlich das Grab des Lieblingsneffen der Tante Jolesch auf dem jüdischen Friedhof von Santiago de Chile gefunden:

Franz – Der Lieblingsneffe der Tante Jolesch

Näher waren für uns Italien, Kroatien und Ungarn:

Den jüdischen Friedhof von Triest konnten wir um 113 Grabsteine und Biografien ergänzen. Es sind nun 634 Grabsteine und 1.373 Personen online (trotzdem leider erst 5% vom Gesamtbestand).

Am jüdischen Friedhof von Fiume/Rijeka gibt es 38 Grabsteine mehr, es sind nun 109 online.

Der jüdische Friedhof von Abbazia (44 Grabsteine) führte uns direkt von der „österreichischen Riviera“ in die Südsteiermark, nach Bad Gleichenberg, wo die in Abbazia begrabene Antonie Breiner eines der Familienhotels leitete. Auch darüber werden wir in Bälde mehr berichten…

Und Hedda Pflagner hat für uns den winzig kleinen, sehr idyllisch gelegenen jüdischen Friedhof von Karmacs in Ungarn entdeckt und uns ihre ganz persönliche Zeitreise zu diesem Friedhof geschickt.


Rabbi Akiba Eger – Der Torawimpel

Auf enormes internationales Echo stieß die Neu- bzw. korrekt eigentlich Wiederentdeckung des Torawimpels eines der größten und bedeutendsten jüdischen Gelehrten, Rabbi Akiba Eger. Das letzte Mal vor unserer Entdeckung hatte ihn Saul Blum im Jahr 1938 gesehen und in einer Fußnote kurz beschrieben. Der Torawimpel beweist das korrekte Geburtsdatum des Gelehrten, das ‒ mit einer einzigen Ausnahme ‒ seit 350 Jahren falsch tradiert wird: Rabbi Akiba Eger ist am 01. Marcheschwan 522 = 29. Oktober 1761 in Eisenstadt (vielleicht in Pressburg) geboren.

Akiba Eger – Der Geburtstag


Indizes

Wir können es nur wiederholen: Indizes sind nicht nur eine der unabdingbaren Notwendigkeiten einer effizienten und seriösen historischen Aufarbeitung der Geschichte der Juden, sondern die Indizes zu schreiben bedeutet vor allem ‒ ähnlich unserer Arbeit auf den jüdischen Friedhöfen ‒, den Juden ihre Namen und darüber hinaus noch viel mehr ihnen ihre Geschichte wiederzugeben.

Wir konnten acht neue Indizes erstellen, Deutschkreutz ist nun vollständig von 1833 bis 1895, Eisenstadt vollständig von 1895 bis 1938 (die Geburtsmatriken aus Datenschutzgründen bis 1918) und pünktlich zu Chanukka folgen jetzt Geburts-, Hochzeits– und Sterbeindex von Oberwart / Schlaining 1841 (1851) ‒ 1917/1918/1920.

Nicht nur die „physischen“ Besucherinnen und Besucher vor Ort waren 2018 mehr als in den Vorjahren, sondern schon jetzt haben wir die Million an virtuellen Besuchen unserer „Koscheren Melange“ deutlich überschritten.

Bleiben Sie uns weiter treu, physisch und virtuell!


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