Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Die 10 Gebote I

Über die Schwierigkeit, bis 10 zu zählen 5 + 5 = 10 = 3 + 7 – was hier als mathematische Gleichung daherkommt, ist tatsächlich die Kurzfassung einer religiösen Meinungsverschiedenheit,…

Über die Schwierigkeit, bis 10 zu zählen

5 + 5 = 10 = 3 + 7 – was hier als mathematische Gleichung daherkommt, ist tatsächlich die Kurzfassung einer religiösen Meinungsverschiedenheit, auf die uns aufmerksame Museums- bzw. Synagogenbesucher regelmäßig hinweisen: Judentum und Christentum sind uneins in der Anordnung der Zehn Gebote, hebräisch „Aseret ha-Diwrot“, „die zehn Worte“, die nach biblischer Auskunft Israel am Sinai auf zwei Tafeln übergeben wurden (und die übrigens in der Tora zweifach überliefert sind: in 2. Mose 20 sowie in 5. Mose 5). Während sich nämlich das Zehnwort in jüdischen Darstellungen, z.B. auf dem Toraschrein unserer Synagoge, gleichmäßig auf die beiden Gebotstafeln verteilt: 5 Gebote auf der ersten, 5 Gebote auf der zweiten Tafel, listen christliche (bzw. genauer: katholische und lutherische) Darstellungen auf der ersten Tafel 3, auf der zweiten 7 Gebote.

  • Gebotstafeln - christliche (katholische) Anordnung; Hochaltar der Malteserkirche, Wien (Detail)
  • Gebotstafeln - jüdische Anordnung; Toraschrein der Wertheimersynagoge, Eisenstadt (Detail)


Um diese Differenz in der Gebotsverteilung aufzuklären, müssen wir uns in einem ersten Schritt der einigermaßen verwickelten Frage der Gebotszählung zuwenden.

Hier zunächst der Text des Zehnworts samt der jüdischerseits üblichen Gebotszählung:

[1. Gebot:] Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.

[2. Gebot:] Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.
Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde. Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation; bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.

[3. Gebot:] Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht.

[4. Gebot:] Gedenke des Sabbats, dass du ihn heiligst! Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er. Darum hat der Herr den Sabbattag gesegnet und ihn geheiligt.

[5. Gebot:] Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.

[6. Gebot:] Du sollst nicht töten.

[7. Gebot:] Du sollst nicht die Ehe brechen.

[8. Gebot:] Du sollst nicht stehlen.

[9. Gebot:] Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.

[10. Gebot:] Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört.

2. Mose 20, 2-17 (der Text folgt, mit einigen an Rabbiner Marc Stern orientierten Abweichungen, der Einheitsübersetzung; nach Marc Stern wurde auch die Gebotszählung ergänzt: Horst Georg Pöhlmann/Marc Stern: Die Zehn Gebote im jüdisch-christlichen Dialog. Frankfurt a.M.: Otto Lembeck 2000. S. 18f.)

Das Christentum nun hat, zusammen mit der gesamten hebräischen Bibel, auch das Zehnwort übernommen, geht allerdings, was die Gliederung anlangt, eigene Wege – wobei inner-christlich wiederum konfessionelle Differenzen in der Zählung der Gebote auftreten.

Man kann eben auf sehr verschiedene Weise bis zehn zählen,

erklärt lapidar der Berliner Alttestamentler Matthias Köckert – und unterscheidet im Ganzen drei Grundtypen der Gebotszählung:

Man reduziert am Anfang, indem man (a) entweder Fremdgötter- und Bilderverbot zusammenzieht oder (b) die Selbstvorstellung Gottes als Präambel aus der Zählung herausnimmt oder (c) das Bilderverbot als bereits im Fremdgötterverbot enthalten streicht. Je nachdem muss man am Ende die Verbote des Begehrens in ein einziges zusammenziehen oder auf zwei verteilen

Die Zehn Gebote. München: C.H. Beck 2007. S. 27f.

Heißt vereinfacht gesagt: Wer am Anfang einspart, hat zum Ende hin noch Reserven.

Diesem Prinzip folgen sowohl der Katholizismus wie die lutherischen Kirchen, wenn sie die Selbstvorstellung Gottes als 1. Gebot eliminieren, womit das Fremdgötter- und Bilderverbot an die erste Stelle aufrückt (bei Luther: nur das Fremdgötterverbot); diese Einsparung erlaubt es, an späterer Stelle ein weiteres Gebot einzuführen, das durch Aufspaltung des 10. Gebots (nach jüdischer Zählung) gewonnen wird: Das Verlangen „nach der Frau deines Nächsten“ wird nach katholischer und lutherischer Zählung im 9. Gebot verhandelt, das Verlangen nach dessen Besitz im 10. Anders wiederum verfahren die reformierten und orthodoxen Kirchen, die nämlich das 2. Gebot der jüdischen Zählung aufspalten und das Fremdgötterverbot als 1. Gebot, das Bilderverbot als 2. Gebot auffassen, im Weiteren aber der jüdischen Zählung folgen (vgl. eben Köckert 2007. S. 28-35).

Wie sich die jüdisch-christliche Differenz im Umgang mit dem Zehnwort in der bildlichen Darstellung der Gebotstafeln fortsetzt, lesen Sie im – nach Schawuot erscheinenden – zweiten Teil dieses Beitrags.

Am 19./20. Mai bzw. am 6./7. Siwan wird Schawuot, das Wochenfest, gefeiert, das u.a. die Gabe des Zehnworts bzw. der Tora an das Volk Israel zum Inhalt hat. Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir die Einführung zu Schawuot von Michael Rosenkranz.


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Die Pressburger Martinigänse

Am Martinstag (Martini), dem 11. November, pflegt(e) man in Österreich, insbesondere im Burgenland, die traditionelle „Martinigans“ zu verspeisen. Am selben Tag überreichte eine Gesandtschaft der jüdischen Gemeinde in Pressburg (Bratislava)…

Am Martinstag (Martini), dem 11. November, pflegt(e) man in Österreich, insbesondere im Burgenland, die traditionelle „Martinigans“ zu verspeisen. Am selben Tag überreichte eine Gesandtschaft der jüdischen Gemeinde in Pressburg (Bratislava) dem Kaiser gestopfte Gänse. Sie betrachtete dies als ein Privileg. Der Ursprung dieses Usus ist unbekannt, da das Archiv der Gemeinde 1809 durch das Bombardement der Franzosen vom 26. – 29. Juni in Schutt und Asche gelegt wurde. Verschiedene Traditionen datieren die Entstehung des Brauches in die Zeit Ferdinands I., Matthias‘ I. oder Josephs II.

Über die Zeremonie selbst findet sich in der Berliner Jüdischen Presse 47 (1887), S. 187 die folgende Beschreibung:

Die Preßburger jüdische Gemeinde kauft durch ihren Vertrauensmann in der Regel 25 Gänse, die eine zeitlang fürsorglich einer Behandlung unterzogen werden, welche der des Professor Schweningers [dt. Arzt; führte ein Sanatorium zur Behandlung Fettsüchtiger] diametral gegenübersteht. Von diesen 25 werden die schönsten 10 Exemplare auserwählt, nach allen Regeln ritueller Kunst aus diesem irdischen Jammertale in ein besseres Jenseits befördert, sorgsam gerupft und mit Bändern in den kaiserlich österreichischen und ungarischen Landesfarben geschmückt. Dem jeweiligen Gemeindevorsteher und zwei Vertrauensmännern fällt die ehrenvolle Mission zu, dieselben dem Kaiser in besonderer Audienz zu überreichen. Zu diesem Behufe erhält die Deputation aus der kaiserlichen Schatzkammer eine große Silberplatte, auf der die Gänse platziert werden. Dem Kaiser wird mit vier, der Kaiserin, dem Kronprinzen, der Kronprinzessin mit je 2 Stück dieser Prachtexemplare aufgewartet.


Claudia (oder mit jüdischem Namen: Chaya-Bathya) Markovits Krempke, geboren 1964 in Wien, lebt seit 1985 in der orthodox-jüdisch geprägten Stadt Bnei-Brak in Israel. Sie ist verheiratet und hat 6 Kinder. Sie ist Forschungsassistentin am Rabbi Samson Raphael Hirsch-Lehrstuhl im Department of Jewish History an der Bar-Ilan Universität, Ramat-Gan, Israel.

Wir freuen uns sehr, dass Claudia (Chaya-Bathya) Markovits Krempke zukünftig Beiträge in unserem Blog beisteuern wird! :)



PS: Übrigens, falls Sie sich wundern, warum wir im Mai einen Beitrag über die Martinigans bringen … den Grund dafür hat uns Claudia selbst in ihrem Kommentar zum Grabstein von Jetel Schlinger geliefert! ;)


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Bild der Woche – Turmbau zu Babel

Wer kennt sie nicht, die berühmten Darstellungen des Turmbaus zu Babel, z.B. jene von Peter Brueghel? Interessant ist die rabbinische Interpretation des Themas „Turmbau zu Babel“, wie wir sie etwa…

Wer kennt sie nicht, die berühmten Darstellungen des Turmbaus zu Babel, z.B. jene von Peter Brueghel?

Interessant ist die rabbinische Interpretation des Themas „Turmbau zu Babel“, wie wir sie etwa in der aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts stammenden spanischen Pesach-Haggada, der „Goldenen Haggada“, finden (London, British Library, Add 27210, fol. 3r):

Die Illustration ist unterschrieben mit „Generation der Sprachenverwirrung“.
Rund um den babylonischen Turm geht es ziemlich blutrünstig zu: Außer einem Mann, der im Begriff ist, mit Hilfe eines Flaschenzugs einen Eimer in die Höhe zu ziehen, sind alle anderen Personen nicht mit dem Turmbau beschäftigt, sondern nur damit, einander umzubringen:
Dem Baumeister (links im Bild) werden Steine auf den Kopf geworfen, er selbst hält einen Stein, bereit zum Wurf, in der Hand, andere bekämpfen einander mit Messern … Dieser Streit aller gegen alle ist das entscheidende Element der rabbinischen Deutung der Bibelstelle in 1 Mose 11,7:

Auf, steigen wir hinab, und verwirren wir dort ihre Sprache, so dass keiner mehr die Sprache des anderen versteht.

Wenn nämlich das hebräische Wort נבלה „navla“ („wir wollen verwirren“) anders vokalisiert wird, erhalten wir das Wort „nevela“ („Leiche/Leichnam“).
So heißt es auch etwa im Midrasch Genesis Rabba p 38,10:

Es sagte Rabbi Abba bar Kahana: ‚Aufgrund ihrer Sprache will ich sie zu Leichen machen.‘ Einer sagte zu seinem Nächsten ‚Bring mir eine Axt, er aber brachte ihm eine Schaufel.‘ Da schlug er ihn und verletzte ihn am Gehirn. Das ist, was geschrieben steht: ‚Aufgrund ihrer Sprache will ich sie zu Leichen machen.‘



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Der Blauglockenbaum

Die Frage … Die mit Abstand von Besucherinnen/Besuchern am häufigsten gestellte Frage in unserem Museum ist – und das mag überraschen – keine zur jüdischen Religion oder zur jüdischen Geschichte,…

Die Frage …

Die mit Abstand von Besucherinnen/Besuchern am häufigsten gestellte Frage in unserem Museum ist – und das mag überraschen – keine zur jüdischen Religion oder zur jüdischen Geschichte, sondern, um welchen Baum es sich im Hof des Wertheimerhauses handelt!

Denn dieser viereckige Hof wird tatsächlich von einem wahrlich beeindruckenden Baum dominiert: einer Paulownia (Paulownia tomentosa oder Blauglockenbaum).

Und da sehr oft nach dem Baum gefragt wird (freilich gibt es auch genügend botanisch sattelfeste BesucherInnen, die nicht fragen, sondern den Anblick nur genießen), sind wir mittlerweile nicht um einigermaßen erschöpfende Antworten verlegen … Antworten, die wir Ihnen nun auch hier im Blog nicht vorenthalten wollen ;)

Auch der Zeitpunkt für diesen Blogbeitrag ist bewusst gewählt, denn der Blauglockenbaum blüht in seiner ganzen Pracht nur wenige Tage Ende April/Anfang Mai.

  • Blühende Paulownia tomentosa (Blauglockenbaum) im Hof des jüdischen Museums
  • Blühende Paulownia tomentosa (Blauglockenbaum) im Hof des jüdischen Museums
  • Blühende Paulownia tomentosa (Blauglockenbaum) im Hof des jüdischen Museums


Der Blauglockenbaum ist in seinem lateinischen Namen nach der russischen Zarentochter Anna Pawlowna (1795 – 1865) benannt.

Damit wären auch schon die notwendigsten Informationen zum Baum gegeben, denen ein Facebookeintrag oder Bild-der-Woche-Beitrag gerecht werden würde – wenn mit der Namensnennung von Anna Pawlowna nicht doch auch einige Assoziationen verknüpft wären, die sich aufdrängen und im Blog eines jüdischen Museums durchaus ihren Platz finden dürfen:

Anna Pawlowna und die Geschichte der Juden im Russischen Reich

Denn Anna Pawlowna, Tochter des russischen Zaren Paul I., war die Schwester der Zaren Alexander I. und Nikolaus I. von Russland. Gleich nach der Thronbesteigung Alexanders I. wurde eine Sonderkommission eingesetzt, die sich mit der Frage der Stellung der Juden beschäftigte und 1804 zum ersten „Jüdischen Statut“ führte. Ein Statut, das Maßnahmen zur „Verbesserung“ der Juden vorsah mit dem erklärten Ziel, die Einwohner des Reiches vor den „nachteiligen“ Aktivitäten der Juden zu schützen. Hatte Zar Alexander I. als probatestes Mittel, die Juden in die Gesellschaft zu integrieren, ihre Bekehrung zum Christentum gesehen, bildete die Regierungszeit seines Bruders und Nachfolgers Nikolaus I. eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte des russischen Judentums. Der entschlossene und hartnäckige Widerstand der Juden jedoch ließ die seit 1840 bestehende „Kommission für die Juden“ zur Einsicht gelangen, dass keine der drastisch verschärften „Verbesserungsmaßnahmen“ (Erziehung durch staatlichen Zwang, Besteuerung der traditionellen Tracht usw.) ihr Ziel erreicht hatte.

Ein russischer Jüngling in Wiener Neustadt

Erst vor wenigen Wochen wurde ich zufällig in die erwähnte Zeit gleichsam zurückversetzt, und zwar durch einen (zumindest für mich) ausgesprochen bemerkenswerten Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Wiener Neustadt:

Grabstein von Jakob Berlin, 1908, jüdischer Friedhof Wiener Neustadt


Die Grabinschrift

Inschrift blaugb: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פ“נ
[2] der frisch Verheiratete, Edle und Untadelige. הא ברך היקר והתמים,
[3] Er verbrachte Nächte wie Tage שם לילות כימים,
[4] über den Worten der Weisen, על דברי חכמים,
[5] Jakob Berlin, יעקב ברלין,
[6] Nachkomme der Geonim aus Wolozyn. נכד הגאונים מוואלאזין,
[7] Im Alter von 21 Jahren ging er zur ewigen Ruhe ein. בן כ“א שנה הלך למנוחות.
[8] Seine Eltern in Dwinsk ließ er in Trauer zurück. את הוריו בדווינסק עזב לאנחות
[9] Am 4. Cheschwan 669 (= Donnerstag, 29. Oktober 1908). ד“ חשון שנת ת“ר“ס“ט.“


Anmerkungen

2. Zeile:
Siehe Kommentar von Yoav unten.

3. Zeile:
Vgl. (babylonischer Talmud) Moed Qatan 25b (נשים/משים לילות כימים).

6. Zeile:
Gaon, Plural: Geonim; Titel, der sich in den Lehrakademien im babylonischen Exil (586/7-539 v.d.Z.) entwickelte und zwischen 589 n.d.Z. und 1034 der Amtstitel des Leiters einer hohen rabbinischen Schule war. Insbesondere im Umfeld des Rabbi Elia von Wilna (Gaon von Wilna, 1720-1797) wird der Titel auch noch später für besondere Gelehrte verwendet.

Valozhin (Volozhin), Wolozyn (polnisch), Stadt in Weißrussland, 75 km nordwestlich von Minsk. Berühmtheit erlangte vor allem die Jeschiva, also die traditionelle jüdische Schule von Volozhin, die 1803 von Rabbi Chaim ben Isaac Volozhin (1749 – 1821), einem Schüler des Gaon von Vilna, gegründet wurde. 1854 übernahm Naftali Zvi Jehuda Berlin die Leitung der Jeschiva und schloss selbige im Jahr 1892. Mütterlicherseits ist Naftali Berlin ein direkter Nachfahre des ersten Rabbiners von Eisenstadt, Rabbi Meir Eisenstadt (A“SCH; gestorben 1744).

Der in Wiener Neustadt begrabene Jakob Berlin ist zwar offensichtlich ein sehr naher Verwandter von Naftali Zvi Jehuda Berlin, trotzdem konnte eine direkte Verwandtschaft leider nicht nachgewiesen werden. Wahrscheinlich ist Jakob der Sohn oder Enkelsohn eines Bruders von Naftali Zvi Jehuda Berlin.

8. Zeile:
Dvinsk, im jüdischen Kontext manchmal auch „Dawinsk“, heutiges Daugavpils, die zweitgrößte Stadt Lettlands, etwa 230 km südöstlich der lettischen Hauptstadt Riga. Dvinsk war der Name der Stadt in der Zeit von 1893 – 1920, als sie Teil des Russischen Reiches war. Auf Deutsch ist die Stadt unter dem historischen Namen „Dünaburg/Dinaburg“ bekannt. In der Stadt leben heute knapp 500 Juden.

In Dvinsk konnte kein Familienangehöriger der Berlins gefunden werden. Zudem ist noch fraglich, ob das hebräische Wort הורים (oben übersetzt mit „Eltern“) wie meist im engsten Sinn des Wortes, nämlich als leibliche Eltern, oder im weiteren Sinn verstanden wird und etwa seine Toralehrer o.Ä. meint.

P.S.: Sehe grad, dass es mir offensichtlich nicht möglich ist, einen Beitrag zu schreiben ohne zumindest 1 Grabstein zu erwähnen ;)


Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir schon jetzt das Buch „Das jüdische Wiener Neustadt“ von Werner Sulzgruber, das im September 2010 erscheinen wird! Ich freue mich sehr, dass ich dazu die Transkriptionen/Übersetzungen der hebräischen Grabinschriften beisteuern durfte. Wir werden natürlich berichten …


11 Kommentare zu Der Blauglockenbaum

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