Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Bild der Woche – Sukka

Im ersten Stock des Museums befindet sich neben der Synagoge und der Bibliothek die ständige Ausstellung, die in einem Rundgang einen Einblick in die jüdischen Feste und Lebensabschnitte gibt. Das…

Im ersten Stock des Museums befindet sich neben der Synagoge und der Bibliothek die ständige Ausstellung, die in einem Rundgang einen Einblick in die jüdischen Feste und Lebensabschnitte gibt.

Moderne Laubhütte im Österreichischen Jüdischen Museum

Das Laubhüttenfest, das morgen Abend beginnt, ist aus dem Rundgang herausgenommen und wird mit der Laubhütte am Balkon repräsentiert.

So modern und wenig traditionell unsere Laubhütte auch sein mag, die wichtigsten Vorschriften sind nachvollziehbar: Sie hat 3 Wände, die nicht zu hoch und auch nicht zu niedrig sind, und der Blick auf die Sterne am Himmel ist frei …

Die Farben unserer Laubhütte sind die Farben des Herbstes, die ganz bewusst auch ein wenig an Chagall erinnern sollen.

חג שמח ומועדים לשמחה



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Ein entzückendes kleines Barockpalais

Heute haben wir eine wunderbare Fahrt nach dem früheren Ungarn zum Neusiedlersee unternommen. Der Burgtheaterdirektor Herterich besuchte uns mit seiner Freundin Stella Eisner und mit dem Ehepaar Schalom Asch und…

Heute haben wir eine wunderbare Fahrt nach dem früheren Ungarn zum Neusiedlersee unternommen. Der Burgtheaterdirektor Herterich besuchte uns mit seiner Freundin Stella Eisner und mit dem Ehepaar Schalom Asch und so fuhren wir alle zusammen dorthin.

Alles fanden wir dort: Pußta, Wasser, Schilf, Reiher, Lenau, Liszt, Zigeunerdörfer, Wildwest! …

Zum Schluss gab’s noch ein kleines Abenteuer. Wir waren in zwei Autos verteilt, und von Eisenstadt zurück fuhr ich mit Schalom Asch allein. In dieser Hügelei verloren wir die anderen aus den Augen …

Alma Mahler-Werfel in „Mein Leben“ (Frankfurt, 1996, 205)

Kurz nach ihrer Hochzeit haben Franz Werfel und seine Frau Alma also Eisenstadt und dort auch das Wolf-Museum besucht. Werfel, der sich intensiver mit Geschichte und Kultur der burgenländischen Juden auseinandergesetzt hatte, war von Sándor Wolf offenbar nachhaltig beeindruckt. In seinem Romanfragment „Cella oder die Überwinder“ (1938/39) hat Werfel dem Schicksal der Juden der „Sieben-Gemeinden“ und insbesondere den Juden Eisenstadts ein literarisches Denkmal gesetzt. Sándor Wolf begegnet uns in „Cella“ als Baron Jaques Emanuel Weil.

Die anachronistische Sonne dieses Dezembertags hatte eine Menge Leute in den Schlosspark gelockt, ältere Herren zumeist und ein paar laute Kleinbürger-Familien. Auf einem der Seitenwege begegnete ich Jaques Weil. Er hieß genaugenommen Jaques Emanuel Edler von Weil. Die Weils spielten unter den Unsrigen vergleichsweise dieselbe Rolle wie das Magnatengeschlecht Esterházy im weiten Lande. … Ihr Haus in der bewussten Gasse, ein entzückendes kleines Barockpalais, stand unter staatlichem Denkmalschutz. Die Sammlung, die Jaques angelegt hatte, und seine großartige Bibliothek führte sogar der Baedeker an.

Franz Werfel, Cella oder Die Überwinder. Versuch eines Romans, Frankfurt 1997, 39

Über Sándor und die Familie Wolf werden wir hier im Blog noch öfter lesen, mit „Sammlung“ meint Werfel das Burgenländische Landesmuseum.
Denn Sándor Wolf war Gründervater, Wohnungsgeber und ständiger Ratgeber und Förderer des Landesmuseums. Bereits Anfang der 1920er Jahre hatte er am Standort des heutigen Landesmuseums, gleich neben unserem Haus, sein Wolf-Museum errichtet.
Von Anfang an war Wolf auch die treibende Kraft für die Gründung eines Burgenländischen Landesmuseums, für das er vorerst – als Provisorium – ein anderes seiner Häuser in Eisenstadt zur Verfügung stellte. Am 14. September 1926 konnte dieses Museum durch Bundespräsident Dr. Michael Hainisch eröffnet und ab 1. Jänner 1927 endgültig der Öffentlichkeit übergeben werden.

Sándor Wolf musste nach der Beschlagnahmung seines Besitzes 1938 über Italien nach Palästina fliehen. Der Direktor des Landesmuseums, Alfons Barb, wurde von den Nationalsozialisten seines Amtes enthoben und pensioniert, „mit Entscheidung des Reichsstatthalters in Österreich vom 19. Jänner 1939 wurden der Landeshauptmannschaft Niederdonau schließlich für das Landesmuseum in Eisenstadt die 4 Wolf-Häuser zur Benützung auf die Dauer von 10 Jahren zugewiesen“.

Josef Tiefenbach, Geschichte des Burgenländischen Landesmuseums. Daten – Fakten – Bilder, Eisenstadt 2009, 34f

Das Landesmuseum ist seit 1938/39 also in jenem Häuserblock untergebracht, der neben dem jüdischen Museum liegt und den Franz Werfel offensichtlich in seinem Romanfragment „Cella oder die Überwinder“ mit dem „entzückenden kleinen Barockpalais“ meint.

Das „Landesmuseum Burgenland Neu“ wurde Ende März 2006 fertiggestellt und es ist schön, dass wieder Gründervater Sándor Wolf die BesucherInnen gewissermaßen begrüßt …


Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir das Buch von Franz Werfel „Cella oder Die Überwinder. Versuch eines Romans„, den gleichnamigen Film mit Lotte Ledl und Walther Reyer (1977) sowie das 2009 erschienene Buch „Josef Tiefenbach, Geschichte des Burgenländischen Landesmuseums. Daten – Fakten – Bilder, Eisenstadt 2009.




Update 07. Jänner 2018: Das schöne Bild von Sandor Wolf befindet sich leider nicht mehr im Eingangsbereich des Landesmuseums Burgenland.


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Bild der Woche – Kunerol

Von Samuel Ehrenfeld war an dieser Stelle bereits die Rede: Ehrenfeld, später zwangsweise emigriert, war der letzte Rabbiner Mattersdorfs/Mattersburgs. Das folgende Inserat stammt aus der „Jüdischen Wochenschrift Die Wahrheit“, erschienen…

Von Samuel Ehrenfeld war an dieser Stelle bereits die Rede: Ehrenfeld, später zwangsweise emigriert, war der letzte Rabbiner Mattersdorfs/Mattersburgs.
Das folgende Inserat stammt aus der „Jüdischen Wochenschrift Die Wahrheit“, erschienen in Wien am 13. März 1931 (Jg. 47, Nr. 11, S. 3) – und ist ansonsten selbsterklärend …

Zeitungsinserat für Kunerol, 1931

Wir übernehmen diesen Ausschnitt, erstmals gesehen in der Diplomarbeit von Sabine Lichtenberger („Es war meine Heimat, das Burgenland“. Geschichte und Kultur des burgenländischen Judentums mit besonderer Berücksichtigung der Jahre 1921-1938, Wien 1996, S. 135), aus dem Online-Archiv Compact Memory.


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Rosch haSchana 5770 – Die Wertheimer’sche Schul

Die Synagoge des Wertheimerhauses (Österreichisches Jüdisches Museum) darf als Juwel des Hauses und des Museums bezeichnet werden. Sie befindet sich im ersten Stock in der Nordwestecke des Wertheimerhauses und ist…

Die Synagoge des Wertheimerhauses (Österreichisches Jüdisches Museum) darf als Juwel des Hauses und des Museums bezeichnet werden.

Wertheimersynagoge


Sie befindet sich im ersten Stock in der Nordwestecke des Wertheimerhauses und ist über einen Balkon, der früher überdacht war, erreichbar. Zwei Türen führen in das Innere der knapp 70m2 großen Synagoge: die linke in die Frauen-, die rechte in die Männerabteilung. Die Frauenabteilung ist von der Männerabteilung durch eine Trennwand aus Holz mit diagonal eingesetzten gekreuzten Gitterstäben getrennt. Auf den ersten Blick fällt der Stilsynkretismus auf. Die Dekorationsmalerei an den Wänden mit gotisierenden Elementen und orientalischer Ornamentik stammt aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Schlanke Säulen mit raffiniert gelegten Schatten sollen offensichtlich den Raum größer erscheinen lassen. Sowohl die Dekorationsmalerei der Decke als auch der in der Mitte der Synagoge hängende, große, reich verzierte und jetzt ölvergoldete zweistufige Metallluster mit 30 Flammen sowie die Wandleuchten an Nord- und Westwand werden in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts (2. Rokoko, um 1860) datiert. An der Ostwand der Synagoge befindet sich der Toraschrein im josefinischen Stil, also aus der Zeit zwischen 1780 und spätestens 1820. Rechts neben dem Stufenaufgang – bestehend aus 3 Stufen – befindet sich ein aufklappbares Lesepult. Vor der Mittelnische mit der Toraschreintür hängt ein Toravorhang aus blauem und rotem Samt, datiert 1851.

An der Ostwand der Synagoge befinden sich eine sieben Meter hohe Installation mit 755 Jahrzeittafeln sowie 6 Jahrzeitlichter. Letztere wurden in den Jahren nach 1945 von einigen Rückkehrern im Gedenken an ihre Familien in der jüdischen Gemeinde Eisenstadt angebracht und bis 2005 von Herrn Oskar Schiller, ז“ל, regelmäßig entzündet.
Siehe dazu auch unser „Bild der Woche – Jahrzeit“.



Bis 1840 hatte die Synagoge oder „Reb Simsons Schul“, wie sie früher genannt wurde, sogar ihren eigenen Rabbiner.
Selbstverständlich gab es auch eine Gemeindesynagoge, schräg gegenüber dem Wertheimerhaus. 1832 entschloss sich die jüdische Gemeinde, eine neue Synagoge zu errichten, über die wir in einem späteren Blogbeitrag berichten werden.

Dass beide Synagogen nicht zerstört wurden, dürfte dem Umstand zuzuschreiben sein, dass die burgenländischen Juden zu den ersten Juden in Österreich gehörten, die von den Ausweisungsbefehlen der Nazis betroffen waren. Die letzten Juden verließen Eisenstadt im Oktober 1938. Im November 1938, zum Zeitpunkt der sogenannten Reichskristallnacht, existierte in Eisenstadt (und im gesamten Burgenland) keine jüdische Gemeinde mehr, gegen die ein „negatives Zeichen“ gesetzt werden „musste“.

In Eisenstadt gibt es heute keine jüdische Gemeinde mehr. Selbst zu den Hohen Feiertagen finden in der Synagoge – obwohl „living synagogue“ – keine Gottesdienste statt.

Morgen ist Erev Rosch haSchana. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein glückliches und gesundes neues Jahr 5770.

שנה טובה וחתימה טובה



Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir ein sehr schönes hebräisches Lied zum jüdischen Neujahr (wobei sich über die Auswahl der Bilder wohl trefflich streiten ließe). Auf die Idee dazu gebracht hat uns Daniel Dagan. Persönliche Anmerkung: Ich habe das Lied „Al kol ele“ „על כל אלה“ nie jemanden schöner singen gehört als Oberkantor Schmuel Barzilai (auf seiner CD „Live in Concert“). Transkription und Übersetzung des Liedtextes können Sie hier abrufen.


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