Schlagwort-Archiv

Blue Beanie Day 2009

Das Österreichische Jüdische Museum verfügt seit 2005 über einen barrierefreien Internetauftritt, oder vielleicht korrekter formuliert, über einen Webauftritt, bei dem wir uns sehr um Webstandards und Barrierefreiheit bemühen. Gleich hier sei angemerkt, dass dieser Anspruch für dieses Blog noch nicht im selben Maße gilt. Das Blog ist noch sehr jung, wir arbeiten aber ständig daran.
Wir gehörten – insbesondere auch ohne gesetzliche Verpflichtung – damit zu den ersten musealen Einrichtungen im deutschen Sprachraum, die sich bemühten, ihren Webauftritt aus einer bewusst ethischen Perspektive zu betrachten. Eine Perspektive, die den Ansprüchen einer kulturellen Einrichtung angemessen schien.

Deshalb war auch die Frage nach dem Nutzen von Webstandards und Barrierefreiheit der eigenen Website für uns zu keinem Zeitpunkt prioritär. Die Frage wurde stets ausschließlich von außen an uns herangetragen, wir waren selbstverständlich aber schon alleine aufgrund unserer Existenz als Subventionsbetrieb zu einer Antwort verpflichtet. Abgesehen von Allgemeinplätzen, die für alles und jeden in nahezu gleicher Weise gelten, führ(t)en wir in unserer Antwort insbesondere die sprachliche Ebene im weitesten Sinn als primär nutzbringendes Element an. Dies, weil nicht nur die Website selbst, sondern auch das Museum in erster Linie Informationsaufgaben hat. Verständliche Sprache, eine Übersetzung in die Gebärdensprache sowie in Leichte Sprache waren daher angezeigt.

Dass wir für unsere Website 2005 eine BIENE erhielten, war für uns in höchstem Maße erfreulich.

In diesen Tagen werden es 4 Jahre seit der Preisverleihung und wir werden gelegentlich nach unseren Erfahrungen mit der barrierefreien Website gefragt. Die Antwort mag überraschen, es gibt kaum Erfahrungen: Wir erhielten von Besuchern/Besucherinnen der Website so gut wie kein Feedback, das Rückschlüsse auf eine positive Akzeptanz der neuen Internetpräsenz zuließe.

Auch die Antwort auf die Frage, inwieweit unser Projekt Barrierefreiheit im Web nachhaltig transportieren konnte (z.B. Nachahmungseffekt), fällt nach vier Jahren ernüchternd aus.

Umso überzeugter unterstützen wir diesen Blue Beanie Day 2009!

Schluss mit der egomanischen Selbstdarstellung in der Architektur mittels (pseudo-)künstlerischer und oberflächlicher – im wörtlichen Sinne zu verstehen – Gestaltungswut. Was gefordert wird und notwendig ist, ist eine ethisch motivierte Architektur, eine Architektur, die sich der Verantwortung gegenüber den Anderen – das sind die späteren Benutzer des Geplanten – bewusst ist und dementsprechend handelt.

Das proklamierte der italienische Stararchitekt Massimiliano Fuksas im Jahr 2000 in seiner damaligen Funktion als Direktor der Architekturbiennale in Venedig anlässlich seiner Ausstellung, die er unter das Motto “Less Aesthetics, More Ethics” stellte; zitiert aus: Mutz et.al., Web Creative. Alles Wissenswerte über Screendesign, Web-Marketing, Usability und Animationsdesign im Web, Kilchberg 2004, Seite 131.

Vollkommen richtig merken die Autoren des obzitierten Buches an, dass man die Regeln kennen muss, um sie (bewusst) zu brechen … und “(d)erselbe Satz ‘Less Aesthetics, More Ethics‘ aus dem Munde von Jakob Nielsen […] in dem Sinne, wie ihn Fuksas verstanden haben mag, wohl mehr als absurd wäre”.

Trifft aber nicht genau das auf Kulturbetriebe im Allgemeinen und auf Museen (im weitesten Sinn) im Besonderen zu? Auf die Museen, die der Philosoph Wolfgang Welsch als “besonderen Ort von ästhetischer Erfahrungsmöglichkeit” bezeichnet?

Während barrierefreies Bauen zu Recht zunehmend (auch in der Museumslandschaft) unter ethischen Aspekten betrachtet wird, scheint mir bei der Erstellung von Websites, insbesondere in Hinblick auf die Beachtung von Webstandards und Accessibility, der ethische Aspekt nach wie vor weitgehend ausgeblendet zu werden.

Auch wir glauben nicht, dass wir mit unserer Teilnahme am Blue Beanie Day 09 die Internetwelt großartig verändern können. Wir glauben auch im realen Leben nicht, mit unserem Museum die Welt frei von Antisemitismus zu machen. Wir sind aber sicher, einen Beitrag dazu leisten zu können.

Wenn auch nur eine Leserin oder ein Leser dieses Beitrags über Webstandards, Barrierefreiheit und über mehr Ethik im Web nachdenkt, ist unser Ziel für diesen Blue Beanie Day 09 erreicht …

Doggenrüden Paris und Bel Ami

Wir sind die Securitymannschaft des Museums und helfen intensiv mit, dass die 2-Beiner verstehen, worum es geht …

Hier gibt es mehr Informationen zum Blue Beanie Day 2009:

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir aus gegebenem Anlass, vor allem auch, um die Aktion BBD-09-5 zu unterstützen, fünf Links zum Thema, die wir für besonders empfehlenswert halten (und nein, es sind nicht die üblichen “Verdächtigen” ;-) )

  • Kinder und Barrierefreiheit: Es ist wichtig

    Schon ein wenig älter, aber sehr gut: Leichte Lektüre von Derek Featherstone, der die Thematik auf den Punkt bringt.

  • Aus meiner Feder

    Eva Papst schreibt – immer sehr originell und sehr informativ – über ihren Alltag, besonders auch über den als blinde Internetnutzerin.

  • Webdesign nach Maß

    Das Blog von Fritz Weisshart, in Sachen pfiffige Lösungen, um Accessibility technisch zu realisieren, immer eine Topempfehlung.

  • medamind

    Wenn auch Webstandards und Accessibility nicht die Schwerpunkte im Blog von Anne-Kathrin Merz sind zu sein scheinen, so ist ihr Blog doch immer wieder eine wahre Fundgrube zum Thema.

  • Hans-Dieter Krautkrämer

    Dieser Link ist ein Link in memoriam.
    Hans-Dieter war wohl einer der unermüdlichsten “Kämpfer”, die ich kannte – für mehr Webstandards und Barrierefreiheit im Web, ob in Foren, Mailinglists oder mit seinen eigenen Arbeiten. Ich durfte ihn 2005 anlässlich der BIENE-Preisverleihung in Potsdam auch persönlich kennenlernen. Den Kampf gegen seine schwere Krankheit hat er vor einigen Wochen leider verloren.

In eigener Sache

Schlagwörter: , | Kommentare (1)

Koschere Melange

Das Österreichische Jüdische Museum bloggt seit heute unter dem Titel “Koschere Melange”.
Wir heißen Sie mit diesem ersten Blogbeitrag herzlich willkommen.

Aus Marketinggründen, insbesondere auch aus Gründen der besseren Zitierbarkeit und des transparenteren Auftritts entschieden wir uns dafür unserem Blog einen eigenen Titel zu geben.

“Koschere Melange” als Blogtitel war schnell gefunden und schien uns aus mehreren Gründen
passend:
Mit “Melange” im engeren Sinn soll ganz bewusst ein Austriacum, die bekannte Wiener Kaffeespezialität, assoziiert werden. Mit “Melange” im weiteren Sinn sollen die Bloginhalte angedeutet werden, nämlich eine möglichst bunte Mischung an Beiträgen aus dem Museumsalltag.

Dass diese Mischung behauptet koscher zu sein, scheint auf den ersten Blick ein (zu) hoher Anspruch. Doch ist es einerseits wohl eine Frage der Glaubwürdigkeit. Denn wie sollte ein jüdisches Museum, das sich wie das unsere der so spezifischen und bedeutenden jüdischen Geschichte der Region verpflichtet fühlt, etwas anderes servieren als eine koschere Melange ;-) ?
Andererseits wollen wir das Wort “koscher” hier selbstverständlich nicht nur im engeren religiösen Kontext verstehen, sondern so wie wir es in unserer Alltagssprache verwenden.

Bleibt noch die Frage, ob es eine koschere Melange überhaupt gibt? Ja es gibt sie, wenn die Bestimmungen eingehalten werden. So ist etwa Milch streng genommen nur dann koscher, wenn die Milch von reinen Tieren stammt (Kuh, Schaf oder Ziege) und ihre Gewinnung vom Melken bis zur Flaschenbefüllung durch legitimierte jüdische Aufsichtspersonen überwacht wurde. Ist es unmöglich koschere Milch zu erhalten, wird meist auch die handelsübliche Milch erlaubt. Milch von nicht reinen Tieren (Kamel- oder Stutenmilch) ist hingegen streng verboten.
Schwieriger ist es beim Milchpulver, da auch dieses natürlich – etwa wie bei der Schokoladenproduktion – koscher sein muss.
Auf der Koscherliste der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland vom 07. November 2006 etwa wird die Hauspackung Wiener Melange von Möwenpick als koscher und damit als erlaubt ausgewiesen.

Wir hoffen, dass Sie unser Angebot des Blogs annehmen, laden Sie herzlich ein sich aktiv daran zu beteiligen und freuen uns sehr auf Ihre Anregungen, Kritiken und Antworten in den Kommentaren.

Auf der Seite “Über das Blog” finden Sie mehr Informationen zu “Wer?”, “Wie?” und “Warum?”.

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir den Besuch des kleinen Kaffeehauses von Ruth Winkler in der Hollandstraße im 2. Wiener Gemeindebezirk, wo Sie Wiens einzige (echte) koschere Melange genießen können …

In eigener Sache, Leben und Glaube

Schlagwörter: , | Kommentare (1)