Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schlagwort: friedhof

Aizenshtat in Eisenstadt

Eine Nachlese. Eigentlich reicht ein Satz, um den gestrigen Nachmittag und Abend zu beschreiben: Es war ein großes, würdiges und wirklich gelungenes Fest für die Familie Eisenstadt/Aizenshtat, die aus aller…

Eine Nachlese.

Eigentlich reicht ein Satz, um den gestrigen Nachmittag und Abend zu beschreiben: Es war ein großes, würdiges und wirklich gelungenes Fest für die Familie Eisenstadt/Aizenshtat, die aus aller Welt nach Eisenstadt gekommen ist, für die Stadt Eisenstadt, für unser Museum, für alle Besucherinnen und Besucher und nicht zuletzt natürlich für den berühmten Rabbi Meir Eisenstadt, der gestern seinen 274. Jahrzeittag hatte (wir berichteten).

Hochkarätig war die rabbinische Prominenz: gekommen sind (u.a.) aus Moskau Oberrabbiner und Präsident der Conference of European Rabbis (CER) Pinchas Goldschmidt und der Dayan im europäischen Bet Din, Rabbi Moshe Lebel. Aus Wien Oberrabbiner Arie Folger, Gemeinderabbiner und Landesrabbiner von Burgenland, Shlomo Hofmeister, der Rosh Av Beit Din von Österreich und Rabbiner der georgischen Synagoge, Rabbi Yaakov Hotoveli, sowie der Rosh Yeshiva der Or Sorua Yeshiva in Wien, Rav Gaber Sender.

Neben den Spitzen der politischen Prominenz – Staatssekretärin im Bundesministerium für Inneres, Mag.a Karoline Edtstadler, Nationalratsabgeordnete Gaby Schwarz und Bürgermeister und Landtagsabgeordenter Mag. Thomas Steiner – kam als Vertreter der evangelischen Kirche Eisenstadts Seniorpfarrer Herbert Rampler.

Aus den USA angereist sind der Chairman of the US Commission for the Preservation of America’s Heritage Abroad, Mr. Paul Packer, aus Moskau der Präsident der jüdischen Religionsgemeinschaft Moskaus, Dr. Grigory Roytberg, der in Erinnerung an seine Mutter Clara Chaja Aizenshtat, gemeinsam mit Mr. Paul Packer und Jechiel Aizenshtat die Renovierung des Grabsteins von Meir Eisenstadt möglich gemacht hatte.

Am beeindruckensten aber wohl war, dass ca. 60 Mitglieder der weltweiten Familie Eisenstadt / Aizenshtat gestern nach Eisenstadt kamen (besonders aus Russland, Israel und den USA), um den Jahrzeittag ihres Ahnen, Rabbi Meir Eisenstadt, feierlich zu begehen.

Wir bedanken uns ausdrücklich:

  • bei der Freistadt Eisenstadt für die so schöne und gute Zusammenarbeit und die Unterstützung
  • bei allen Besucherinnen und Besuchern, die gestern trotz Vatertag, Eisenstädter Stadtfest, Formel-I-Rennen, Fußball- (Österreich-Brasilien) und Tennisspiel (Thiem-Nadal) auf den älteren jüdischen Friedhof und ins Museum gekommen sind.
  • beim Erich Schneller vom ORF-Burgenland für die tolle Berichterstattung (z.B.: hier und hier)

Die Ausstellung von Alexander Aizenshtat, einem direkten Nachkommen von Rabbi Meir Eisenstadt, ist noch bis 24. Juni 2018 bei uns im jüdischen Museum zu besichtigen. Wir möchten Ihnen den Besuch sehr ans Herz legen, die Bilder sind höchst beeindruckend und wenn Sie in nächster Zeit nicht das Puschkinmuseum in Moskau besuchen können, sollten Sie die Gelegenheit in Eisenstadt ergreifen ;-)

Aber sehen Sie selbst:
(Tipp: Wenn Sie gleich beim ersten Bild die Großansicht aufrufen, können Sie alle Bilder bequem durchklicken!)



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Reise in die Puszta – Karmacs

Überblicksseite Jüdischer Friedhof Karmacs Die Grabsteine (The Gravestones) Personenregister Besonders schön ist es, wenn Menschen, die sozusagen beruflich nichts mit jüdischen Museen oder jüdischen Friedhöfen zu tun haben, uns Bilder…


Besonders schön ist es, wenn Menschen, die sozusagen beruflich nichts mit jüdischen Museen oder jüdischen Friedhöfen zu tun haben, uns Bilder und Geschichten schicken, wie sie „jüdische Orte“ erlebt haben.
Hedda Pflagner, eine liebe Freundin, die oft zu unseren Veranstaltungen ins Museum kommt, rief mich vor 2 Monaten, nach unserem letzten Newsletter, an und erzählte mir, dass sie schon 2007 einen winzig kleinen, sehr idyllisch gelegenen jüdischen Friedhof in Ungarn entdeckt (mit Gräbern der Familien Österreicher, Rechnitzer, Fürst, Rosenberg und Pollak usw.), diesen in 11 Jahren immer wieder besucht (und fotografiert) hat und in den nächsten Wochen wieder dorthin reisen würde…
Einige Wochen später schickte Hedda ihre Bilder und ihre Geschichte, die wir hier originalgetreu wiedergeben wollen:

Der jüdische Friedhof von Karmacs bei Hévíz (Ungarn).
Meine persönliche Geschichte mit diesem Ort.



Im Mai 2007 entdeckte ich bei einer Wanderung zufällig einen völlig verwachsenen Platz, umgeben von Bäumen und, wenn man näher kam, so etwas wie Mauerresten.
Von der Weite war nicht wirklich erkennbar, was sich hinter diesen Mauerresten verbarg, die in der Nähe einer kleinen Nebenstraße lagen, die von Hévíz (in der Nähe von Keszthely am Plattensee in Ungarn) nach Sümeg führt, vielleicht zwei Kilometer entfernt von einem kleinen Dorf, das sich Karmacs nennt, abseits vom Touristenstrom und unscheinbar. Inmitten von Feldern und kleinen Wäldchen in einem Gebiet mit sanften Hügeln und Kanälen, die vom Hévízer Thermalsee wie ein Netz die einsame Gegend durchziehen.

Meine Neugier war geweckt. Ich kletterte über die zerfallenen Mauerreste – und kam aus dem Staunen nicht heraus. Ich fand einen vergessenen kleinen jüdischen Friedhof vor, dessen Grabsteine aber gut erkennbar und die Inschriften noch gut lesbar waren. Ich bahnte mir einen Weg durch Gestrüpp und Dornen und gab mich der friedlichen, schlafenden Atmosphäre hin, die dieser Ort verströmte. Viele Namen konnte ich entziffern und machte die ersten Fotos und unwillkürlich kamen Gedanken hoch, was wahrscheinlich mit den Menschen geschehen war, deren Vorfahren hier einst gelebt haben mussten. Denn die meisten Inschriften bezeugten, dass die Menschen, die hier begraben sind, im 19. Jahrhundert geboren worden waren und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, noch vor 1938, gestorben waren.
Niemand mehr war hier, um sich um die Vorfahren kümmern zu können, und so muss dieser friedliche Ort in Vergessenheit geraten sein.

Wir haben auf Heddas Frage nach den Schicksalen eine Antwort gefunden: 14 Juden wurden 1944 von Karmacs nach Zalaegerszeg und von dort nach Auschwitz deportiert und ermordet. Es sind zum Großteil dieselben Nachnamen, die wir auch auf dem Friedhof finden: Pollak, Reich, Stroch, Rosenberg, Weisz…



Als ich das nächste Mal im Oktober 2007 in dieser Gegend war, suchte ich den Friedhof wieder auf. Er lag genauso verlassen und verwachsen vor mir, nur dass sich inzwischen der Herbst eingestellt hatte und die Vegetation lichter geworden war und mehr Durchblicke zuließ. Die Felder rundherum lagen brach danieder und die Blätter der umliegenden Bäume hatten bunte Herbstfarben angenommen.



Dann erfolgte eine lange Pause.
Schließlich, im Juni 2011, führte mich mein Weg wieder zum kleinen Friedhof.
Irgendetwas war geschehen.
Ein Teil der Schatten spendenden Bäume war weg, drinnen aber wucherte nach wie vor das Unkraut, das grün und saftig in die Höhe geschossen war und die niedrigeren Grabsteinreste fast völlig verdeckte. Dornenhecken gab es aber keine mehr. Alles sah so noch mehr vergessen aus als vorher.



Im November 2013 nahm ich schließlich wahr, dass der Friedhof „wiederentdeckt“ worden war. Die Mauerreste waren instand gesetzt, man hatte nur 2 Bäume stehen gelassen, und es gab plötzlich ein Eingangstor und einen Gedenkstein, der offenbar besagte (ich spreche nicht Ungarisch), dass man im November 2012 den Friedhof renoviert hatte. Der Boden drinnen war gerodet und sah gepflegt und ordentlich aus.
Trotzdem wirkte alles irgendwie nackt und lud nicht mehr so ein, Geschichten im Kopf entstehen zu lassen, in denen ich mir vorstellte, welche Menschen hier ihre letzte Ruhe gefunden hatten und was aus ihren Nachfahren geworden war.



Wieder verging lange Zeit.
Im Februar 2018 besuchte ich den stillen Ort wieder.
Es war bitterkalt und feuchte Nebelschwaden durchzogen die Winterlandschaft.
Diesmal fuhr ich mit dem Auto hin – inzwischen weiß ich ja recht gut, wo der Friedhof liegt und wie man hinkommen kann!
Alles war unverändert, nur der Eifer der Pflege schien etwas nachgelassen zu haben. Wie sonst lässt sich erklären, dass das Eingangstor klemmte und man offenbar das Holz aus der Einfassung gerissen hatte, um so ins Innere klettern zu können? Auch ein Stück der Mauer war umgerissen worden und es war ein großes Loch entstanden. Die Dornen rankten sich zumindest an der Außenseite wieder an der Mauer empor.
Auch ich gelangte durch das Loch in der zerstörten Tür hinein und erwies den alten, schon bekannten Grabsteinen meine Ehre.

Als es in den Tagen danach schneite, fuhr ich noch einmal hin.
Eine sanfte Schneedecke tünchte alles in ein kaltes, aber friedliches Weiß…





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Italienische Reise – Abbazia / Opatija

Überblicksseite Jüdischer Friedhof Abbazia / Opatija Die Grabsteine (The Gravestones) Personenregister Der zweite Teil unserer kleinen Serie: ausgehend von Triest eine Reise zu den jüdischen Friedhöfen in 4 Städten in…


Der zweite Teil unserer kleinen Serie: ausgehend von Triest eine Reise zu den jüdischen Friedhöfen in 4 Städten in Friaul und in 2 ehemals italienischen Städten, die nunmehr in Kroatien liegen.
Nach Fiume / Rijeka reisen wir heute ins nahe liegende Abbazia / Opatija, wo der kleine jüdische Friedhof sich ebenfalls auf dem Gelände des städtischen Friedhofs befindet (durch ein Tor abgetrennt).

Abbazia, eine Stadt mit eindeutigen Assoziationen: Sonne, Meer und vor allem Kur.

Den Weltruf verdankt Opatija dem Wiener Mediziner Julius Glax, dem Direktor der städtischen Kurkommission. Seine
Anwendungen an der „österreichischen Riviera“ waren so berühmt, dass auch Sigmund Freud seinen Patienten riet:
„Fahren Sie zum Kuren nach Opatija!“

Gleich ums Eck, in: Der Spiegel, 09. 07. 2007

Die Liste der prominenten Kurgäste und Persönlichkeiten in Abbazia ist lang: Kaiser Franz Joseph und seine Sisi stiegen im Hotel Imperial ab und trafen dort Kaiser Wilhelm II., Leo Sternbach, Sohn eines jüdisch-galizischen Apothekers und einer jüdischen Ungarin und bekannt vor allem durch die Erfindung des Valiums, wurde 1908 in Abbazia geboren, und Theodor Billroth starb 1894 in Abbazia.

Péter Nádas schreibt in seinen Parallelgeschichten:

Ich bin im Mittelmeer geschwommen, in der Nordsee, in der Adria, Abbazia war unser Stammplatz.

Péter Nádas, Parallelgeschichten, Hamburg 2012, 360

Am jüdischen Friedhof in Abbazia / Opatija finden wir auch die Gräber von Ignaz Nádas und seiner Ehefrau Teréz Schoszberger sowie jene von Ignaz Nádas‘ Tochter Rosa, die als „Natan“ geboren wird, und ihrem Ehemann Bernard Nathan. Die Nádas kamen aus Ungarn, ursprünglich freilich aus Österreich, und hatten – wie auch die Vorfahren von Péter Nádas – ihren Namen „Neumayer“ magyarisiert. Dem Geschäftsmann Bernard Nathan, der 1968 in Abbazia starb, verdanken wir viele Einblicke in die jüdische Geschichte der Stadt. Er war auch, nach seiner Rückkehr in die Stadt, der Initiator des Holocaustdenkmals, das am 01. Mai 1955 feierlich enthüllt wurde.

Siehe v.a. Péter Nádas, Aufleuchtende Details. Memoiren eines Erzählers, 2017 (s. Rezension in der NZZ), wo der Autor detailliert über seine Familie und ihre Herkunft schreibt, die Nadas in Abbazia aber nicht erwähnt.

Oder das Grab von Antonie Breiner, die nach dem Tod ihres Ehemanns Sigmund Breiner 1898 die Führung der beiden Hotels in Abbazia sowie die Leitung des Familienhotels in Bad Gleichenberg in der Steiermark übernahm. Alle Hotels existieren auch heute noch, mit der jüdischen Geschichte der Häuser wird ganz verschieden umgegangen… Sigmund Breiner, der 1840 in Deutschkreutz geboren wurde, ist am Zentralfriedhof in Wien begraben, Ehefrau Antonie in Abbazia.

Sowohl Emilie Glässner, die 1863 in Wien geboren wird, 1886 in Wien heiratet und in Wien ihre drei Söhne auf die Welt bringt, als auch Alfred Löwy, der seinen Namen in Lenauer änderte, in Wien heiratet und ebenfalls in Wien 2 Kinder bekommt, verstarben in Abbazia / Opatija und sind am jüdischen Friedhof begraben.

Der Präsident und spätere Ehrenpräsident der israelitischen Kultusgemeinde Abbazia / Opatija, Sigmund Kurz, heiratet 1869 in Wien. Dort kommt auch Sohn Jakob Kurz, später Arzt in Abbazia / Opatija, auf die Welt. Sowohl Sigmund Kurz, der 1929 mit 90 Jahren stirbt, als auch sein Sohn Dr. Jakob Samuel Kurz, gest. 1939, sind auf dem jüdischen Friedhof in Abbazia / Opatija begraben. Nur am Rande angemerkt sei: In der hebräischen Grabinschrift von Sigmund Kurz finden wir eine sehr spannende Formulierung…

Die Liste an (naheliegenden) Beziehungen zu Österreich könnte noch lange fortgesetzt werden.

Wir haben Fotos von 44 Grabsteinen des jüdischen Friedhofes in Abbazia / Opatija mitgebracht und wieder alle hebräischen Inschriften transkribiert, übersetzt und die Synagogalnamen sowie Sterbedaten ausgelesen. Wie in Fiume erhielten wir auch hier dadurch überhaupt erst ein korrektes Sterbedatum, oft sogar erstmals den Namen der Bestatteten, da in den existierenden Publikationen (hier und hier) zum jüdischen Friedhof Abbazia / Opatija die hebräischen Inschriften durchwegs ignoriert wurden, die Abschriften generell unvollständig und leider oft auch fehlerhaft sind.
Auch hier geht es uns primär darum, die Namen und Menschen hinter diesen Namen nicht zu vergessen.

Dies ist auch der Grund dafür, dass wir alle Namen auf dem Holocaustdenkmal in unser Personenregister aufgenommen haben; die 64 Namen von in Abbazia / Opatija verstorbenen Juden wurden mit den Namen von 52 Schoa-Opfern, darunter 4-jährige Kinder und 90-jährige Greise, ergänzt.

Entdecken Sie mit uns den jüdischen Friedhof von Abbazia / Opatija und schreiben Sie – auch diesmal – mit uns ein kleines Stückchen der jüdischen Geschichte Eisenstadts weiter:

Denn auch die prominente jüdische Weinhändler-Familie Wolf kurte in Abbazia. Etwa Leopold Wolf, Firmenvorstand der Weingroßhandlung „Leopold Wolf’s Söhne“, und seine Frau Ottilie Laschober:


Und die Tante von Leopold Wolf, Minna Wolf, geb. Gomperz, starb 1905 63-jährig in Abbazia, sehr wahrscheinlich während ihrer Kur, und wurde auf den jüngeren jüdischen Friedhof nach Eisenstadt überführt. Ihr Ehemann, Adolf Wolf, starb übrigens auch während der Kur, 24 Jahre später, in Bad Ischl, und wurde ebenfalls nach Eisenstadt überführt. In beiden hebräischen Grabinschriften werden die Sterbeorte deutlich erwähnt.



Heute Abend beginnt der 14. Adar und damit in wenigen Stunden das Purimfest.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein fröhliches Purim 5778!

חג פורים שמח לכולם!


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Italienische Reise – Fiume / Rijeka

Überblicksseite Jüdischer Friedhof Fiume / Rijeka Die Grabsteine (The Gravestones) Personenregister Der Start einer kleinen Serie: Ausgehend von Triest eine Reise zu den jüdischen Friedhöfen in 4 Städten in Friaul…


Der Start einer kleinen Serie: Ausgehend von Triest eine Reise zu den jüdischen Friedhöfen in 4 Städten in Friaul und in 2 ehemals italienischen Städten, die heute in Kroatien liegen.
Wir beginnen in Fiume / Rijeka, wo sich der jüdische Friedhof in Cosala, einem höher gelegenen Stadtteil, auf dem Areal des städtischen Friedhofs befindet.

Es war schon ein besonderes Erlebnis, gleich beim Betreten des jüdischen Friedhofs auf vertraute Namen zu treffen, Mattersdorfer, Spitzer und Neufeld, Werndorfer und Hess aus Eisenstadt, Wohlmuth aus Rechnitz, Monath, Oppenheim und Epstein aus Wien usw. Aber sehr schnell wurde auch die dramatische Geschichte hinter vielen dieser Grabsteine klar. Kaum eine Familie, in der nicht Eltern, Geschwister, Kinder oder Enkel im Holocaust ermordet wurden. Meist erfolgte die Deportation über Triest nach Auschwitz.

So wissen wir zwar leider nicht, woher die Die Familie „Mattersdorfer“ (später änderten einzelne Nachkommen ihren Namen auf „Mattei“) kamen (erwartungsgemäß) aus Westungarn, dem heutigen Burgenland, nämlich aus Schlaining, wo Antonio (Elkan) Mattersdorfer 1854 geboren wurde. Wir wissen auch, dass die Familie in Fiume / Rijeka als bedeutende Familie galt. Anton (Elchanan, Sohn des Benjamin Seev) Mattersdorfer war mit Rabbiner Adolfo Gerloczi Gründer der Chevra Qadischa der Gemeinde befreundet. Mit seiner Ehefrau Ernestina hatte er mehrere Kinder. Warum Ernestina häufig mit dem Mädchennamen „Spitzer“ angeführt wird, konnten wir nicht feststellen, in der hebräischen Inschrift lesen wir jedenfalls: „Ester, Tochter des Zvi Mattersdorfer„.

Beide Söhne des Ehepaars wurden in der Schoa ermordet. Alfredo Mattersdorfer in Auschwitz, sein Bruder Carlo Felice Mattersdorfer in Buchenwald, Ehefrau Elsa Sachs und seine kleine Tochter Liliana wurden ebenfalls in Auschwitz ermordet.

Antonios Bruder Enrico / Heinrich Mattersdorfer, selbst verheiratet mit Olga Spitzer, hatte 2 Söhne, die beide Ehefrauen aus Wien bzw. Klosterneuburg hatten.

Am jüdischen Friedhof von Fiume / Rijeka finden wir auch das Grab von Gabriele (Ella) Monath, die als Gabriele Regina Oppenheim am 28. April 1870 in Wien geboren wird. Schon ihre Eltern, Sigmund Oppenheim und Anna Goldstein, heirateten 1865 in Baden bei Wien. Gabrieles Ehemann Ignazio Monat(h), geb. 1869 in Malacka (Slowakei), wurde von Triest nach Auschwitz deportiert und bei seiner Ankunft in Auschwitz ermordet.

Oder das Grab des böhmischen Weinhändlers Bernhard (Berl) Ruzicka, gest. 1938, der 1900 in Wien die auch in Wien 1881 geborene Olga Gewitsch heiratet. Sohn Paul Ruzicka kommt 1902, ebenfalls in Wien, auf die Welt.

Wir haben Fotos von 71 Grabsteinen des jüdischen Friedhofs in Fiume / Rijeka mitgebracht (in der neuen Kategorie „Mitbringsel / Souvenirs“).
Vielleicht bemerkenswert: Alle Inschriften sind entweder in hebräischer, deutscher, italienischer oder ungarischer Sprache, oft einsprachig, oft mehrsprachig.
Wir haben auch alle hebräischen Inschriften transkribiert, übersetzt und Synagogalnamen sowie Sterbedaten ausgelesen. In fast allen Fällen erhielten wir dadurch überhaupt erst ein korrektes Sterbedatum. Dabei geht es gar nicht nur um die notwendige Aufarbeitung der Geschichte der Juden, es geht primär darum, die Namen und Menschen hinter diesen Namen nicht zu vergessen…

Entdecken Sie mit uns den jüdischen Friedhof von Fiume / Rijeka und schreiben Sie mit uns ein kleines Stückchen der jüdischen Geschichte Eisenstadts weiter: Auch die bedeutende Weinhandlung „Leopold Wolf’s Söhne“ gründete 1890 eine Niederlassung in Fiume.



2 Kommentare zu Italienische Reise – Fiume / Rijeka

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