Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schlagwort: friedhof

Am jüdischen Friedhof I

Wie hebräische Grabinschriften der Anonymität entrissen werden Grundsätzliches – Ausrüstung – Hilfsmittel Einerseits gehört das Aufarbeiten von jüdischen Friedhöfen zu den Schwerpunktarbeiten des Museums, andererseits erreichen uns immer wieder (individuelle)…

Wie hebräische Grabinschriften der Anonymität entrissen werden

Grundsätzliches – Ausrüstung – Hilfsmittel

Einerseits gehört das Aufarbeiten von jüdischen Friedhöfen zu den Schwerpunktarbeiten des Museums, andererseits erreichen uns immer wieder (individuelle) Anfragen mit der Bitte um Übersetzung von hebräischen Grabinschriften.

Eine Besonderheit aller jüdischen Friedhöfe auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes (mit einer einzigen Ausnahme, dem jungen jüdischen Friedhof in Oberwart) ist, dass wir ausschließlich Gräber mit hebräischen Grabinschriften finden. Nur sehr selten werden Eigennamen der Verstorbenen zusätzlich mit lateinischen Buchstaben bzw. Todesdaten in nicht-hebräischer Schreibweise (also z.B. ‚1859‘) angegeben.

Nicht nur, aber besonders hier im Burgenland sind Grabsteine oft wirklich die letzten Zeugen jahrhundertelangen jüdischen Lebens in der Region, die (vielfach sehr textintensiven) Inschriften eine Primärquelle erster Güte zur Erforschung der (inner)jüdischen Geschichte.

Deshalb also hier der erste Teil einer kleinen Serie zum Thema jüdische Friedhöfe, hebräische Grabinschriften und ihre Aufarbeitung.

Das Folgende ist nicht der Bericht eines Restaurators, sondern ein grober Erfahrungsbericht über die praktische Arbeit auf jüdischen Friedhöfen und bezieht sich auf das Lesbarmachen hebräischer Inschriften. Vielleicht kann er Ihnen im Alltag eine kleine Hilfestellung sein beim Lesen von Inschriften.

Es muss wohl nicht vorausgeschickt werden, dass für die Aufarbeitung von jüdischen Friedhöfen (Texttranskription bzw. Übersetzung) kaum je eine fachgerechte Restaurierung der Steine möglich ist, das Lesbarmachen der Inschriften daher meist mit sehr einfachen Mitteln bewerkstelligt werden muss.

Zunächst ist zu unterscheiden zwischen dem Lesen der Inschrift vor Ort, also am Friedhof, und dem Lesen auf einem Foto. Grundsätzlich rate ich dringend zu beidem, da außer bei sehr einfachen und sehr klaren hebräischen Inschriften Fotos immer hilfreich oder gar gute Korrektive sein können (siehe unten).

In jedem Fall sollten Sie für die Arbeit am Friedhof einiges an Ausrüstung mit dabei haben (auch wenn Ihnen manches lächerlich vorkommt, ohne Liste vergesse zumindest ich immer etwas):

Kopfbedeckung (für Männer), Kleidungsschutz oder Kleidung, die nachher eventuell entsorgt werden kann (weil von Dornen und spitzen Steinen zerrissen), viel Kreide (für eine Inschrift rechnen Sie am besten mit mindestens zwei bis drei Kreiden, siehe unten), kleine Umhängetasche für die Kreide (um die Kleidung zu schonen, falls Sie diese nicht entsorgen wollen), Wasser (Kübel/Eimer und Wasser am besten in Flaschen oder Kanistern mitnehmen), Bartwisch/Handfeger mit sehr weichem Haar (am besten solche, mit denen man etwa Schnee vom Auto kehren kann), mehrere sehr weiche Tücher (keine Tücher, die fusseln), stabile Schreibunterlage, gute Stifte, viel Papier, Klammern, mit denen das Papier an der Unterlage befestigbar ist (kalte Finger, Wind), in der kälteren Jahreszeit Handschuhe (z.B. dünne, aber wirksame Laufhandschuhe, die das Schreiben ermöglichen), Fotoapparat.

Lesen vor Ort und/versus Lesen auf dem Foto

  1. Befunde sollten nie ausschließlich aufgrund eines Fotos gemacht werden. Wenn die Möglichkeit besteht, sollte unbedingt die Inschrift auch vor Ort (also am Friedhof) gelesen werden, um einen sichereren Befund zu erhalten.
  2. Befunde vor Ort sollten aber – außer bei sehr klaren (und einfachen) Inschriften – immer auch noch anhand eines oder mehrerer Fotos der Inschrift überprüft werden. Meist ermöglicht zwar das Lesen der Inschrift vor Ort den aufschlussreicheren Befund, es kommt aber immer wieder vor, dass Fotos bei Problemen, die vor Ort nicht gelöst werden können, zumindest eine neue Sicht bzw. neue Ideen ermöglichen und im besten Fall beim nochmaligen Abgleich vor Ort zu einem sichereren Ergebnis führen.
  3. Selbstverständlich führen bessere Fotos zu besseren Ergebnissen. Trotzdem sollte, was das Lesbarmachen betrifft, die Bedeutung der Professionalität des Fotos nicht überschätzt werden. Wichtiger ist es – wie für das Lesen vor Ort –, auch beim Fotografieren Wetterlage und Sonnenstand zu berücksichtigen. In der Praxis bedeutet dies etwa, dass auf Blitzlicht meist verzichtet werden sollte (auch ein Seitenblitz bringt meist nicht bessere Ergebnisse).
  4. Salopp formuliert kann man sagen, dass manche Inschriften morgens, manche mittags, manche abends, manche nach dem Regen, manche bei direkter Sonnenbestrahlung besser lesbar sind, jeweils abhängig von Schrift, Gravur, Tiefe der Gravur, Steinart, Beschaffenheit und Zustand des Steines usw. In der Praxis bedeutet dies, dass es meist notwendig ist, schwer zu lesende Inschriften zu verschiedenen Tageszeiten (oft sogar zu verschiedenen Jahreszeiten) und vor allem bei verschiedenen Wetterbedingungen zu lesen. Dasselbe gilt auch für die Anfertigung von Fotos.
  5. In den seltensten Fällen konnte ich mit der Nachbearbeitung von Fotos (auch mit guten Kenntnissen und professioneller Software) deutlich aussagekräftigere Ergebnisse erzielen. Den Versuch ist es zwar immer wert, es sollte nur nicht zu viel erwartet werden.
  6. Kommt Kreide oder Wasser zum Einsatz, müssen auch Fotos von den Inschriften mit aufgetragener Kreide bzw. unmittelbar nach dem Waschen mit Wasser gemacht werden.

Wasser

Bevor eine schwer lesbare Inschrift mit Kreide bearbeitet wird, sollte versucht werden, die Inschrift mit Wasser zu reinigen. Der Reinigungsvorgang muss äußerst vorsichtig durchgeführt werden, das Wasser sollte mit dem Besen mit weichem Haar gleichmäßig verteilt werden. Oft werden Inschriften schon alleine durch die sanfte Reinigung besser lesbar und weitere Maßnahmen (Kreide) sind sogar unnötig. Mit Wasser kann man übrigens auch manchmal sehr erfolgreich arbeiten, wenn es sich um Inschriften handelt, die einmal nachgezogen wurden, die nachgezogene Spur aber im Laufe der Jahre zerflossen ist.

Kreide

Das „Allerweltsmittel“ zum Lesbarmachen vieler Inschriften ist weiße Kreide. Hier ziehe ich eckige Kreiden den runden und die gewöhnliche Schul- der Straßen-/Kindermalkreide eindeutig vor. Mit der Kreide muss ausgesprochen vorsichtig umgegangen werden: Sie darf fast immer nur leicht aufgesetzt werden, v.a. um den Stein nicht zu beschädigen, und die Kreide muss mit der Breitseite immer exakt vertikal zum hebräischen Buchstaben geführt werden (also z.B. bei einer Bogeninschrift am Beginn von rechts nach links usw.), da sonst die Buchstaben noch weniger lesbar sind. Selbstverständlich sind nicht alle Steinarten mit Kreide gleich gut oder sogar nicht bearbeitbar. Während Kreide etwa auf Granit, Syenit, Diorit oder Gabbro meist recht gut anwendbar ist, ist die Anwendung bei vielen Marmor-, aber auch Kunststeinen problematisch, bei Sandstein sollte auf Kreide meist überhaupt verzichtet werden. Ein stärkeres Auftragen von Kreide ist nur bei sehr glatten Steinarten in sehr gutem Zustand möglich und hilfreich.

Führt das Auftragen von Kreide zwar zu besserem, aber noch nicht befriedigendem Ergebnis, kann versucht werden, die Kreide mit einem weichen Tuch sanft zu verwischen. Hilft auch das nicht, muss die Kreide (mit o.g. Besen) vorsichtig abgewaschen und eventuell neuerlich (sanfter oder stärker, weniger intensiv etc.) aufgetragen werden.

Hier ein konkretes Beispiel eines Grabsteins am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt, wie eine auf den ersten Blick unlesbare Inschrift lesbar gemacht werden konnte:

Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Erstansicht


  • Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Foto nachbearbeitet
  • Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Foto Detailansicht
  • Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Gesamtansicht mit Kreidebearbeitung
  • Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Detailansicht, Kreide verwischt
  • Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Gesamtansicht, halb Kreide, halb Kreide verwischt
  • Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Gesamtansicht, Kreide abgewaschen


Die Ausführungen erheben selbstverständlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, es sind lediglich einige Erfahrungen, die ich im Laufe der Jahre gemacht habe. Für ganze Friedhofsprojekte ist natürlich noch wesentlich mehr zu berücksichtigen, hier sollten bloß einige Hilfestellungen für das Lesen eines oder einiger weniger Steine gegeben werden.

In der nächsten Folge dieser Serie: Wie Sie auch ohne großartige Hebräischkenntnisse Namen und Todesdatum in hebräischen Inschriften finden und übersetzen können – aus gegebenem Anlass – über die Einigung, 20 Millionen Euro für die Erhaltung der jüdischen Friedhöfe bereitzustellen.


Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir die Liste der jüdischen Friedhöfe in Österreich, damit Sie eine Vorstellung davon bekommen, wie viele jüdische Friedhöfe in Österreich existieren.


Keine Kommentare zu Am jüdischen Friedhof I

Bild der Woche – Außendienst

Seit 1991 gehört die Archivierung hebräischer Grabinschriften zu den wichtigsten Arbeitsfeldern des Museums. Die Aufarbeitung der jüdischen Friedhöfe bedeutet Arbeit vor Ort, also gewissermaßen „Feldarbeit“. Denn viele Inschriften sind am…

Seit 1991 gehört die Archivierung hebräischer Grabinschriften zu den wichtigsten Arbeitsfeldern des Museums.
Die Aufarbeitung der jüdischen Friedhöfe bedeutet Arbeit vor Ort, also gewissermaßen „Feldarbeit“. Denn viele Inschriften sind am Morgen, viele am Abend, viele bei Sonnenbestrahlung, viele nach dem Regen besser lesbar – also ein Allwetterjob, sooft die Zeit dafür bleibt …

Jüdischer Friedhof Wiener Neustadt

„Außendienst“ am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt

Derzeit arbeiten wir an zwei größeren Projekten: dem jüdischen Friedhof in Wiener Neustadt und jenem in Mattersburg. Darüber werden wir hier im Blog bald mehr schreiben …

Update vom 04. Mai 2010:
Zur Datenbank „Jüdischer Friedhof Mattersburg“ (work in progress) …

Zu den mittelalterlichen Grabsteinen am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt …


Schicken Sie uns Ihr Bild der Woche


Keine Kommentare zu Bild der Woche – Außendienst

Akiba Eger und Chatam Sofer

Schon an anderer Stelle wurde angemerkt, dass die Prominenten der Judengassen im Burgenland in erster Linie dem Gelehrten- und Rabbinerstand angehörten und daher außerhalb des Judentums kaum eine größere Bedeutung…

Schon an anderer Stelle wurde angemerkt, dass die Prominenten der Judengassen im Burgenland in erster Linie dem Gelehrten- und Rabbinerstand angehörten und daher außerhalb des Judentums kaum eine größere Bedeutung erlangten. Eine Tatsache übrigens, die sowohl für die Wahrnehmung eines untergegangenen jüdischen Viertels als auch für die tägliche Museumsarbeit nicht ohne Folgen bleibt.
In diese Tage (Ende September bis Ende Oktober 2009) fallen vier Gedenktage (2 Geburtstage, 2 Jahrzeittage) von zwei wahrhaft Großen, deren Bedeutung aufs Engste mit der jüdischen Geschichte Eisenstadts verwoben ist:

Akiba Eger der Jüngere

Update 20. September 2018:
Zu seinem Geburtstag siehe unseren Blogartikel „Akiba Eger – Der Geburtstag„!

Er wurde am 29. Oktober 1761 in Eisenstadt geboren. Nach jüdischem Kalender war das Geburtsdatum der 01. Cheschvan 5522.

Das Geburtshaus von Akiba Eger war übrigens das Haus neben dem Wertheimerhaus, in dem heute unser Museum untergebracht ist. Akiba Egers Vater, Moses ben Samuel Güns-Schlesinger aus Eisenstadt, ist auf dem älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt begraben. In der Grabinschrift wird er als gelehrter Mann bezeichnet und in den Archivalien begegnet er uns oft als Verwalter (Kassier) der für die Armen Palästinas bestimmten Almosengelder. Er starb am 16. Schvat 5550 (= 31. Jänner 1790). Sowohl sein Grab als auch das seiner Frau Gütel (siehe unten) sind alljährlich das Ziel vieler orthodoxer Pilger aus aller Welt.

  • Grabstein von Moses ben Samuel Güns-Schlesinger
  • Grabstein von Moses ben Samuel Güns-Schlesinger, Rückseite mit Inschriftenplatte
  • Grabstein von Moses ben Samuel Güns-Schlesinger, Seitenansicht mit hebräischer Schrift


Schon der Vater von Moses Güns-Schlesinger, also der Großvater Akiba Egers, Samuel ben Ascher Margulies-Jafe, ebenfalls auf dem älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt begraben, brachte es zu großem Ansehen in der Gemeinde und erlangte zweimal die höchste Würde, die eines Gemeindevorstehers.

Als solcher führte er ein strenges Regiment, um Zucht und Sitte herzustellen und in die zerrütteten Finanzen der Gemeinde Ordnung zu bringen. Eine finanzielle Rolle in dem abgelegenen Orte zu spielen war ihm nicht beschieden. Eisenstadt war der Ruheort für die aus dem Wiener Weltmarkt leer zurückgekehrten Finanzmänner, aber kein Platz, der Bedingungen für einen Aufschwung bot.

Bernhard Wachstein, Die Grabschriften des alten Judenfriedhofes in Eisenstadt, Wien 1922, 116

Samuel Margulies-Jafe (auch Samuel Israel Schlesinger genannt) starb am 18. Nisan 5516 (= 18. April 1756).

Grabstein von Samuel Margulies-Jafe

Akiba Eger ist allgemein bekannt unter dem Namen seiner Mutter Gütel, einer Tochter des Pressburger Rabbiners Akiba Eger des Älteren. Auch ihr Grabstein findet sich auf dem älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt, die Inschrift spiegelt ihr hohes Ansehen in der Gemeinde wider:

Die Grube deckt eine herrliche Frau …, in derem reinem Herzen die Flamme der Gottesfurcht brannte …, sie pflanzte edle Sprossen …, die in ihrer Hand zu Zedern heranwuchsen … Hatte Salomo unter tausend keine gefunden, hier hätte er sie finden können.

Wachstein, a.a.O., 179

Selbstverständlich spielt die Inschrift auf die Kinder der Verstorbenen an, von denen vor allem der älteste Sohn, Akiba Eger, zum Zeitpunkt ihres Todes (11. Ijar 5571 = 5. Mai 1811) bereits Berühmtheit erlangt hatte.

  • Grabstein von Gütel, Tochter Akiba Egers, Frau Moses Güns
  • Rückseite des Grabsteins von Gütel mit Inschriftenplatte
  • Hebräischer Hinweis auf der Seite des Grabsteins 'Mutter von Akiba Eger'


Akiba Eger selbst verließ schon als Kind Eisenstadt, weil sein in Preußen lebender Onkel Wolf Eger ihn zu sich nahm und unterrichtete. Dem Wunsch, sein Leben ganz dem Studium der Tora zu widmen, diente auch seine Hochzeit mit einer reichen Erbin. Als durch ein Unglück das gesamte Vermögen verloren ging, musste Akiba Eger ein Rabbinat annehmen und kam 1791 nach Märkisch Friedland (im heutigen Polen). 1810 versuchte die Gemeinde Eisenstadt vergeblich, ihn für sich zu gewinnen. Eger folgte einem Ruf nach Posen.

  • Zeichnung 'Rabbi Akiba Eger auf dem Alten Markt in Posen'
  • Gestickter Rabbi Akiba Eger mit Rahmen


Die Verbindung zu Westungarn riss dennoch nie ab. 1812 heiratete Sarl, die Tochter Akiba Egers, den Rabbiner von Pressburg namens Moses Frankfurt. Das ist niemand geringerer als der große Moses Sofer (Schreiber). 1814 fand Akiba Eger, obwohl selbst nicht in Eisenstadt ansässig, Aufnahme in den Verband der Gemeinde Eisenstadt.

In Posen stirbt Akiba Eger am 12. Oktober 1837. Nach jüdischem Kalender ist das der 13. Tischre (5598), welcher heuer auf den 01. Oktober fiel.

Chatam Sofer

Moses Sofer, bekannt als Chatam Sofer und Schwiegersohn von Rabbi Akiba Eger dem Jüngeren, wurde am 26. September 1762 in Frankfurt am Main geboren. Nach jüdischem Kalender ist das der 09. Tischre (5523), welcher heuer auf den 27. September fiel.

Moses Sofer gilt zu Recht als eine der größten rabbinischen Autoritäten. Als Führer des orthodoxen Judentums in der Auseinandersetzung mit der Reformbewegung in der ersten Phase ihrer Entwicklung hat er das orthodoxe Judentum so entscheidend beeinflusst, dass die Folgen seines Wirkens bis heute zu erkennen sind. Moses Sofer hat zu Lebzeiten kein einziges Buch, keinen Aufsatz etc. publiziert, seine halachischen Entscheidungen und anderen Arbeiten wurden alle nach seinem Tod veröffentlicht.

Wie viele Gelehrte wollte Sofer sein Leben ganz dem Torastudium widmen. Von seinem Sohn wissen wir, dass er das Schneiderhandwerk erlernte, aber keinen Erfolg hatte und dann doch ein Rabbineramt annehmen musste. 1794 wurde er im Alter von 31 Jahren Rabbiner der kleinen mährischen Gemeinde Dresnitz, 1798 nahm er den Ruf der bekannten jüdischen Gemeinde Mattersdorf an, wo er bis zu seiner Berufung nach Pressburg im Jahr 1806 blieb. Erst im Alter von 50 Jahren, also für damalige Verhältnisse sehr spät, „nahm er die Bürde, eine Familie zu ernähren“, auf sich und heiratete 1812 Sarl, die Tochter Akiba Egers.
Moses Sofer war nicht nur Rabbiner von Pressburg, er war einer der gelehrtesten und scharfsinnigsten Talmudisten seiner Zeit.

Chatam Sofer starb vor genau 170 Jahren, am 03. Oktober 1839. Das ist nach jüdischem Kalender der 25. Tischri (5600), welcher heuer auf den 13. Oktober fällt.


Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir den Besuch des überaus eindrucksvollen (und zumindest aus Ostösterreich leicht zu erreichenden) Chatam-Sofer-Memorials in Bratislava.


Keine Kommentare zu Akiba Eger und Chatam Sofer

Bild der Woche – Friedhofsevent?

Frage: Was haben der jüdische Friedhof in Wiener Neustadt, eine Wiener „Clubdisco“ und der „Altausseer Kiritag“ gemeinsam? Alle drei finden sich im „Eventkalender“ eines österreichischen Privatfernsehsenders. Dort steht u.a. das…

Frage: Was haben der jüdische Friedhof in Wiener Neustadt, eine Wiener „Clubdisco“ und der „Altausseer Kiritag“ gemeinsam?

Alle drei finden sich im „Eventkalender“ eines österreichischen Privatfernsehsenders.

Screenshot Puls4 Jüdischer Friedhof Eventdatenbank

Dort steht u.a. das Folgende zu lesen:

Jüdischer Friedhof in Wiener Neustadt ist deine Lieblingslocation? Hier findest du alle Fotos, Videos, Events, Veranstaltungstipps und Gleichgesinnte!

Wer da auf den Geschmack gekommen ist, kann sich auch gleich als „Fan“ seiner/ihrer „Lieblingslocation“ outen (diesbezüglich haben Clubdisco, Kiritag & Co unseren Friedhof allerdings längst abgehängt – „Es gibt noch keine Fans zu dieser Location„).

Wenn wir uns auch für die Werbung für unser Haus auf nämlicher Website herzlich bedanken (und auch wissen, dass solche Inhalte mehr oder minder automatisch generiert werden), so scheinen uns doch „Lieblingslocation“, „Eventetc. in Zusammenhang mit einem (jüdischen) Friedhof von einer gehörigen Sprach- bzw. Geschmacksver(w)irrung zu zeugen …


Schicken Sie uns Ihr Bild der Woche


Keine Kommentare zu Bild der Woche – Friedhofsevent?

Finde:

Generic selectors
Nur exakte Ergebnisse
Suche im Titel
Suche im Inhalt
Suche in Beiträgen
Suche in Seiten
Filter nach Kategorien
'Mitbringsel / Souvenirs'
Abbazia / Opatija
Cheder
Fiume / Rijeka
Friedhof Eisenstadt (älterer)
Friedhof Eisenstadt (jüngerer)
Friedhof Mattersburg
Friedhof Triest
Genealogie
Karmacs
Kunst und Kultur
Leben und Glaube
Veranstaltungen
nach oben