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Il Giardino dell’Eternità di Trieste

Der jüdische Friedhof von Triest

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Triest! Was verbindet sich nicht alles mit diesem Namen!

Alexander Roda-Roda

Die jüdische Gemeinde von Triest zählt heute etwa 500 Mitglieder, von der großen und langen Geschichte der jüdischen Gemeinde der Stadt – vor 1938 lebten etwa 6000 Juden in Triest – erzählt der jüdische Friedhof in Via della Pace mit seinen etwa 12.000 Grabsteinen auf 3 Hektar Fläche. Nachdem der alte jüdische Friedhof aus dem Jahr 1446 für die jüdische Gemeinde zu klein geworden war – in der Zeit seiner größten räumlichen Ausdehnung hatte er die Hänge des San Giusto-Hügels erreicht – und aufgelöst werden musste, fand das erste Begräbnis am neuen Friedhof am 2. Juni 1843 statt.

Memorial mit den 687 Namen der im Holocaust ermordeten Triestiner Juden

Shoa-Memorial

Dass Triest über 500 Jahre lang habsburgisch-österreichisch war, muss hier nicht weiter ausgeführt werden. Unzählige deutschsprachige Grabinschriften, Herkunftsorte wie Prag, Pressburg, Lemberg, Iasi (Rumänien), Warschau, Skalat (Polen/Westukraine), Surany (Südslowakei), Gloggnitz, Eisenstadt, Hohenems oder Wien, Familiennamen wie Lackenbacher und Familienstammbäume, die tief in die Geschichte der Juden unserer Region weisen, legen ein beredtes Zeugnis ab.

Eisenstadt, Hohenems und Wien…

Am 1. August 1800 heiratete Giustina, geborene Romanin, „Wolf Gerstel di Eisenstado„, geboren 1774. Er war Trödler und ist nicht in Triest begraben. Das Grab seiner Ehefrau befindet sich aber am jüdischen Friedhof Triest und hat – wenig überraschend – eine hebräische Grabinschrift.
Aus Hohenems kommen etwa August Brunner (der Grabstein ermöglicht uns die Daten in den genealogischen Datenbanken zu korrigieren) und Hannchen Brunner, in Wien wurden 1866 Ugo Ascoli und 1869 Siegfried Neuhauser, „Sohn einer achtbar würdigen Bürgerfamilie aus Wien“ geboren.

Große Namen und spannende Familiengeschichten

Blick in den jüdischen Friedhof von Triest

Blick in den jüdischen Friedhof von Triest, Ende März 2016



Die Familien Morpurgo und Parente, Gründer und Vorstände der Generali Versicherung, sind in einem Sacellum, in der Form ähnlich einem griechischen Tempel, beim Eingang in den Friedhof begraben. Dieser Bereich wurde vom Mailänder Architekt Carlo Macciacchini errichtet, der neben seinem bekanntesten Projekt, dem Monumentalfriedhof in Mailand, auch der Erbauer von San Spiridione, der Serbisch-Orthodoxen Kirche von Triest, war. Der österreichische Bankier Elio von Morpurgo, verheiratet mit Nina Parente, etwa gilt als Begründer der weltberühmten Bankiers-Familie.

Eines der auffälligsten Grabdenkmäler gehört Giuseppe Eppinger, dem Gründer der weltberühmten „Bomboniera“, die heute noch existiert und James Joyce berichtet über seinen Besuch am sehr schönen Grab von Ada Meissel, der Ehefrau seines Freundes, die mit 27 Jahren Selbstmord begangen hatte. Auch das Grab von Elio Schmitz, dem Bruder des Schriftstellers Italo Svevo, dessen bürgerlicher Name Ettore Schmitz war, und der über seinen Bruder auch einen Roman schrieb, findet sich am Friedhof. Genauso wie jenes von Fiorina Coen, deren Tochter Irene, die ebenfalls am Grabstein genannt ist, die Mutter des prominenten New Yorker Bürgermeisters (1934-45) Fiorello Enrico „Henry“ LaGuardia war, nach dem auch ein New Yorker Flughafen benannt ist.

Skandal in Triest: als Margarete Arnstein 1907 im Alter von 12 Jahren verstorben war, fertigte der italienische Architekt Giovanni Marin einen Sarg mit einer von Blumen bedeckten figürlichen Darstellung von Margarete, was natürlich dem biblischen Bilderverbot widersprach (Exodus 20,4).

  • Aufbahrungshalle am Friedhof

    Aufbahrungshalle am Friedhof

  • Gräber der frühen Rabbiner, 18. Jh., vom alten jüdischen Friedhof

    Gräber früher Rabbiner, 18. Jh.

  • Abgebrochene Säulen: Gräber von Kindern bzw. jungen Menschen

    Kindergräber


Hochinteressante Details in den hebräischen Grabinschriften

Schabbatai Elia Levi kam aus Korfu, ist in Triest begraben und das Sterbedatum in seiner hebräischen Grabinschrift wird dargestellt durch den Satz „Im Jahr, in dem Sewastopol belagert wurde“. Mit dem Tod Rachel Grassitis 1849 versank auch „ihre große Kraft“, ebenfalls dargestellt im Sterbedatum. Sehr spannend auch die doch zu unserer Region verschiedenen Einleitungsformeln wie „Hier liegt“ פה שוכב oder „Dies (sei) die Ruhestätte“ מ“ק, was ich in Österreich bisher nur auf Grabinschriften in der sefardischen Abteilung am Zentralfriedhof in Wien sah.

Mein Dank gehört der Genealogin Traude Triebel, die beim Lesen und der Indizierung der Inschriften half und viele Fotos beisteuerte sowie ganz besonders auch Livio Vasieri aus Triest, der – ehrenamtlich und mit großer Leidenschaft – seit Jahren unermüdlich an der Aufarbeitung des jüdischen Friedhofs Triest arbeitet.

Über den jüdischen Friedhof Triest gibt es die schöne DVD „Hidden Treasure“ (Italienisch mit englischen Untertiteln) sowie die Broschüre Il Giardino dell’Eternità (Italienisch), beides bei der jüdischen Gemeinde Triest erhältlich. Schließlich sei noch das sehr schöne Carlo e Vera Wagner Museum in Triest empfohlen.

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Leben und Glaube

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Hebräisch – vor Ort und mit allen Sinnen

Schon zum zweiten Mal kamen 7 Interessierte aus Salzburg, Kärnten und Bayern nach Eisenstadt zum fortgeschrittenen Hebräischkurs. So wie vergangenes Jahr wollten wir auch heuer das sonst übliche „Klassenzimmer“ verlassen und Gelerntes in der Praxis, vor Ort, anwenden und vertiefen. Dass es dabei nicht „nur“ um Grammatik, Vokabeln und Syntax ging, muss nicht extra erwähnt werden. ;-)

Frauenkirchen

Gleich am 1. Tag fuhren wir nach einem Kurzbesuch am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt in die ehemalige jüdische Gemeinde Frauenkirchen. Herr Franz Wegleitner, ehemaliger Lehrer, der sich seit vielen Jahren in zahlreichen Projekten rund um die Geschichte der Juden Frauenkirchens engagiert und verdient macht, nahm sich viel Zeit, um uns faszinierende Geschichten zu einzelnen Gräbern des in der Shoa nicht zerstörten jüdischen Friedhofs zu erzählen. Nach dem Friedhof besichtigten wir mit ihm noch den „Garten der Erinnerung“ am Standort der ehemaligen Synagoge, der am 29. Mai feierlich eröffnet wird.

  • Herr Wegleitner führt uns am jüdischen Friedhof Frauenkirchen
  • Jüdischer Friedhof Frauenkirchen
  • Die ältesten Grabsteine am jüdischen Friedhof Frauenkirchen
  • Grabstein Hindel Neufeld, 1910, jüdischer Friedhof Frauenkirchen
  • Völlig erodierter Grabstein am jüdischen Friedhof Frauenkirchen
  • Durch Erosion sind nur mehr Einleitungsformel und Schlusseulogie lesbar, jüdischer Friedhof Frauenkirchen
  • Grabstein Rela Steiner, 1937, jüdischer Friedhof Frauenkirchen
  • Grabstein Elijahu Zvi, 1917, jüdischer Friedhof Frauenkirchen
  • Grabstein Mose (August) Goldstein, 1901, jüdischer Friedhof Frauenkirchen
  • Sehr schöner, aber leider stark erodierter Grabstein, jüdischer Friedhof Frauenkirchen
  • Grabstein Chaja Sara, Tochter vom Schalom ...,  1820, jüdischer Friedhof Frauenkirchen
  • Grabstein Gütel Kastner, 1927, jüdischer Friedhof Frauenkirchen
  • Völlig erodierter Grabstein am jüdischen Friedhof Frauenkirchen
  • Grabstein Sarl Deutsch, 1935, jüdischer Friedhof Frauenkirchen
  • Grabstein Sarl Deutsch, 1935, jüdischer Friedhof Frauenkirchen
  • Standort der ehemaligen Synagoge, 'Garten der Erinnerung'
  • Standort der ehemaligen Synagoge, 'Garten der Erinnerung'
  • Standort der ehemaligen Synagoge, 'Garten der Erinnerung'


Kittsee

Am Nachmittag fuhren wir in die ehemals nördlichste der „sieben heiligen jüdischen Gemeinden“ auf esterházyschem Grundbesitz, nach Kittsee. Frau Direktor Irmgard Jurkovich erwartete uns schon auf dem im Schatten des Kittseer Schlosses gelegenen jüdischen Friedhof mit seinen 230 Gräbern. Frau Jurkovich beschäftigte sich schon in ihrer Zeit als Leiterin der örtlichen Hauptschule jahrzehntelang intensiv mit der jüdischen Geschichte von Kittsee, ihr enormes Wissen und ihr Engagement beeindruckte uns alle in höchstem Maße.

  • Irmgard Jurkovich führt uns am jüdischen Friedhof Kittsee
  • Der jüdische Friedhof Kittsee im Schatten des Schlosses
  • Jüdischer Friedhof Kittsee
  • Heute sind nur mehr wenige Grabsteine (einigermaßen) gut lesbar, jüdischer Friedhof Kittsee
  • Heute sind nur mehr wenige Grabsteine (einigermaßen) gut lesbar, jüdischer Friedhof Kittsee
  • Jüdischer Friedhof Kittsee
  • Völlig erodierter Grabstein, jüdischer Friedhof Kittsee
  • So gut wie nicht mehr lesbare Inschrift, jüdischer Friedhof Kittsee
  • Grabstein des vorletzten Rabbiners von Kittsee, Meir Abeles, 1887, jüdischer Friedhof Kittsee


Wien Zentralfriedhof

Am Freitag verließen wir das Burgenland und machten uns auf den Weg nach Wien. Die jüdischen Abteilungen auf dem Zentralfriedhof Tor IV und Tor I an einem Tag waren ein ambitioniertes Vorhaben. Eine der bekanntesten und besten Genealoginnen, Traude Triebel, erklärte die Bedeutung von Grabinschriften, besonders auch von hebräischen, für die genealogische Arbeit. Nach dem Besuch des Grabes Paul Rosenfeld aus Frauenkirchen und der „herrenlosen“ (sic!) exhumierten Gräber von Döbling auf Tor IV wechselten wir am Nachmittag in die jüdische Abteilung von Tor I, laut Eigenaussage eine Art Zweitwohnsitz von Traude Triebel ;-), die hier auch gleich ihre eigene Familie besuchen konnte. Auf beiden Toren liegen etwa 150.000 Menschen begraben.
Selbstredend, dass die prachtvollen Mausoleen auf Tor 1 fast eine Art Kontrastprogramm zu den orthodoxen burgenländischen Grabstätten des Vortages bildeten:

Markus Engel, ein Sohn des Handelsmanns in Bonyhad Aron Engel, kam um 1860 nach Wien und begründete hier zusammen mit Wilhelm Weiss unter der Firma M. Engel & Weiss ein Exporthaus. Aus diesem erwuchs das Bank- und Wechselhaus Marcus Engel in Wien I., Schottenring 32, durch das Markus Engel zu großem Reichtum kam. Sein monumentales Mausoleum auf dem Zentralfriedhof in Wien ist eines der größten Grabdenkmäler auf diesem Friedhof (siehe unten Bilder 3. Reihe).

Gaugusch Georg, Wer einmal war. Das jüdische Großbürgertum Wiens 1800-1938, A-K, Wien 2011, 534.

Besonders faszinierend war die sefardische Abteilung bei Tor 1. Im Wien des 19. Jahrhunderts gab es eine bedeutende sefardische Gemeinde. Die frühesten Namen sind bekannt: Camondo, Nissim, Eskenasy, Amar, De Mayo usw. Interessant, dass wir in den Geburts- und Heiratsmatriken zwischen 1845 und 1938 gerademal 10.000 Personen finden.
Für uns, wir machen diese Touren schließlich im Rahmen eines Hebräischkurses für Fortgeschrittene, war natürlich auch interessant, dass wir offensichtlich in Wien nur auf den sefardischen Gräbern als Einleitungsformel der hebräischen Grabinschriften מצ’ק finden. Gesehen hab ich das bisher nur am jüdischen Friedhof in Triest. In Deutschland finden sich etwas mehr als 50 Belege dafür, und diese mit wenigen Ausnahmen alle auf dem jüdischen Friedhof Hamburg-Altona. Dort jedoch nie als Abbreviatur, sondern immer ausgeschrieben: מצבת קבורת.

  • Grab von Paul Rosenfeld aus Frauenkirchen, 2003, Zentralfriedhof Wien, Tor 4
  • Mit Genealogin Traude Triebel vor den 'herrenlosen' exhumierten Gräbern aus Döbling, Zentralfriedhof Wien, Tor 4
  • Ehrengräbergruppe: Gerhard Bronner, Friedrich Efraim Torberg, Arthur Schnitzler, Zentralfriedhof Wien, Tor 1
  • Grab von Oskar Schiller aus Eisenstadt, 2005, Zentralfriedhof Wien, Tor 4
  • Eines der wenigen Gräber mit ausschließlich hebräischer Grabinschrift bei Tor 4: Antonia Händler, 2002, Zentralfriedhof Wien
  • Grab von Dr. Bernhard Wachstein, 1935, Bibliothekar der Isr. Kultusgemeinde Wien, Zentralfriedhof Wien, Tor 4
  • Grab von R. Aharon Jedhua Halevi, 30 Jahre Rabbiner der Synagoge Favoriten, November 1929, Zentralfriedhof Wien, Tor 1
  • Mausoleum Marcus Engel, Zentralfriedhof Wien, Tor 1
  • Traurig: Fast alle Kupferrosetten gestohlen: Grab von Ludwig v. Pollak, 2005, Zentralfriedhof Wien, Tor 1
  • Grab von Jonas Kraemer, 1905, mit Freimaurersymbol, Zentralfriedhof Wien, Tor 1
  • Grab von Josef ben MORENU Jehuda Arje Pressburger, 1901, Zentralfriedhof Wien, Tor 1
  • Sefardische Abteilung: Helene Russo, 1899, Zentralfriedhof Wien, Tor 1
  • Sefardische Abteilung: Abraham Leon Cohen, 1894, Zentralfriedhof Wien, Tor 1
  • Sefardische Abteilung: Brüder Schlomo David Asriel und Schmuel David Asriel, Helene Asriel, Zentralfriedhof Wien, Tor 1
  • Sefardische Abteilung: Grab von Isak Semo, 1907, Zentralfriedhof Wien, Tor 1
  • Sefardische Abteilung: Grab von Camilla de Majo, 1924, Zentralfriedhof Wien, Tor 1
  • Sefardische Abteilung: Grab von Julie Baruch aus der türkischen Gemeinde Wien, 1899, Zentralfriedhof Wien, Tor 1
  • Beachtenswertes Gedicht am Grabstein von Sidonie Grünwald-Zerkowitz, 1907, Zentralfriedhof Wien, Tor 1
  • 1945 durch Fliegerbomben zerstörtes Mausoleum von Moriz Benedikt, 1849-1920, Herausgeber und Chefredakteur der Neuen Freien Presse, Zentralfriedhof Wien, Tor 1
  • Gedenktafel für tausende nicht zuordenbare Grabsteinfragmente an der Mauer, Zentralfriedhof Wien, Tor 1
  • Tausende nicht zuordenbare Grabsteinfragmente an der Mauer, Zentralfriedhof Wien, Tor 1


Ich kann mich nur wiederholen: Ich bewundere jede/n einzelne/n KursteilnehmerIn für seine/ihre große Leidenschaft für die hebräische Sprache. Und ich freue mich wirklich ganz besonders, dass der Termin für nächstes Jahr gleich vereinbart wurde! :-)

Veranstaltungen

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Schawu’ot 5775

Der kommende Schabbat ist Erev Schawu’ot, der Vorabend des Schawu’otfestes. Es ist, wie schon an anderer Stelle angemerkt, in erster Linie das „Fest der Toragebung“, der Tag, an dem Gott dem Volk Israel die Tora gegeben hat, der Tag, an dem Israel die 10 Gebote erhielt.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein fröhliches Schawu’ot!

חג שבועות שמח!

Und zum Stichwort Tora ein originelles Fundstück aus dem Wien der Zwischenkriegszeit:

Scan Buchseite Grammatik Moses Rath

Genesis 1,1-5 in Hebräisch sowie sefardischer, deutsch-aschkenasischer und polnisch-aschkenasischer Aussprache (Auszug aus dem Hebräischlehrbuch von Moses Rath).

Und selbstverständlich reichen wir gerne noch die deutsche Übersetzung nach:

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. Und Gott sah das Licht, dass es gut war; und Gott schied das Licht von der Finsternis. Und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein Tag.

Der Verfasser des hebräisch-deutschen Lehrbuchs „Sfat Amenu“ (Die Sprache unseres Volkes, Wien 1920) war Moses Rath, der während des 1. Weltkriegs aus Kolomea in der Westukraine nach Wien gekommen war. Er erteilte Hebräischunterricht und war der letzte Direktor der Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde vor der Shoa.

Vielen Dank an Chaya-Bathya (Claudia) Markovits für Idee und Scan!

Bild der Woche, Leben und Glaube

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Hebräischkurs 2013

Seit Montag findet in unserem Museum wieder der schon traditionelle Hebräischkurs für Fortgeschrittene statt. Wir haben schon 2009 und 2012 darüber berichtet und es kann nicht deutlich und stolz genug verkündet werden: Heuer schon zum achten Mal kamen die Damen aus ganz Österreich zum Hebräischstudium nach Eisenstadt!

2012 als Premiere gestartet, machten wir auch heute wieder einen Ausflug in drei ehemalige jüdische Gemeinden auf dem Gebiet der Sieben-Gemeinden des Burgenlandes, nach Frauenkirchen, Kittsee und Gattendorf – und erprobten die Hebräischkenntnisse sozusagen in der Praxis.
Heuer aber leider nicht bei Traumwetter, sondern bei regelrechtem Aprilwetter, wenn auch mit mehr Regen als mit Sonnenschein. Und meine Kamera hab ich auch vergessen, das Handy musste als Ersatz dienen, bitte um Entschuldigung. Trotzdem hier unser kurzer – aber zeitnaher – Bericht:

Deckenfresko in der Basilika Frauenkirchen

In Frauenkirchen, unserer ersten Station unserer kleinen Reise, empfing uns Herr Franz Wegleitner, der maßgeblich für die Ausstellung „Die Judengemeinde von Frauenkirchen – 1678 – 1938“ verantwortlich zeichnete und sie mitinitiierte. Da die Ausstellung in den Nebenräumen der berühmten barocken Basilika von Frauenkirchen gezeigt wird, genossen wir zuerst seine faszinierende Führung durch den höchst beeindruckenden Kirchenraum.

Und wir fanden sogar hier Spuren der Geschichte der Juden im Burgenland. Eines der prachtvollen Deckenfreskos zeigt nämlich ein „L“, das für Kaiser Leopold I. steht. Jener Kaiser, der den Esterházys besonders verbunden war, aber eben auch jener Kaiser, der 1670/71 die Juden aus Wien vertrieben hat. Viele der damals vertriebenen Juden fanden in der Region des heutigen Burgenlandes, auf esterházysichem Gebiet, eine Zuflucht und waren Gründer der berühmten Sieben-Gemeinden.

Ausstellung in der Basilika von Frauenkirchen

Die Ausstellung „Die Judengemeinde von Frauenkirchen – 1678 – 1938“, zu der unser Museum auch die Hälfte der Texte sowie viele Leihgaben beisteuern durfte, wurde bisher ausgesprochen gut besucht, schon jetzt werden mehr BesucherInnen gezählt als in allen anderen vergangenen Ausstellungen, die in der Basilika Frauenkirchen stattfanden!

Das in Originalgröße nachgebaute und begehbare Brunnenhaus zählt sicher zu den Höhepunkten der Ausstellung. Wir freuen uns jedenfalls sehr, dass die Ausstellung nicht nur so gut besucht ist, sondern auch sehr gut angenommen wird.

Auszug aus den Statuten der jüdischen Gemeinde Frauenkirchen, 1908

Auszug aus den Statuten der jüdischen Gemeinde aus dem Jahr 1908. Beachte die Erklärung „Osterbrote“ für Mazzot ;-)

Zugang zum jüdischen Friedhof Frauenkirchen

Nach der Ausstellung machten wir uns auf den (kurzen) Weg zum jüdischen Friedhof. Schockierend der komplett vernachlässigte Zugang zum Friedhof, eine Schande auch für Frauenkirchen.

Am jüdischen Friedhof Frauenkirchen

Herr Wegleitner erzählt viele interessante Geschichten zur jüdischen Gemeinde und zum jüdischen Friedhof. Kaum eine jüdische Familie, über die er nicht zu berichten weiß. Auch hier vielen Dank, lieber Herr Wegleitner, dass Sie sich so viel Zeit genommen haben für uns!

Grab von Ladislaus Rosenfeld am jüdischen Friedhof Frauenkirchen

Das Grab von Ladislaus Rosenfeld, dem Bruder des einzigen Juden, der nach Frauenkirchen zurückgekehrt war, Paul Rosenfeld. Ladislaus Rosenfeld war Leutnant und lieferte sich 1937 mit einem Freund eine Wettfahrt mit dem Motorrad, die er nicht überlebte. An seinem Begräbnis, so erzählte sein Bruder immer, nahmen mehr Leute teil als an jedem anderen Begräbnis in Frauenkirchen, die Menschenmenge war schier unüberschaubar lang.

Alle anderen Verwandten wurden in Auschwitz ermordet. Paul Rosenfeld konnte das nie vergessen, vor allem nicht, dass seine beiden Neffen und Nichten darunter waren, Kinder im Alter von 8 und 6 Jahren.

Jüdischer Friedhof Kittsee

Von Frauenkirchen führte uns der Weg nach Kittsee, wo der jüdische Friedhof im Schatten des Schlosses liegt. Die Grabsteine sind sehr alt und die Inschriften teilweise noch schwerer zu lesen als auf den meisten anderen jüdischen Friedhöfen.

Grabstein am jüdischen Friedhof Kittsee

Grabstein von Josef Walter.
Interessant: „Josef, genannt (vulgo) Joseph“ würde man heute schreiben. Aber damals? Wie wurde „Josef“ wirklich genannt?

Grabstein am jüdischen Friedhof Kittsee

Dieser abgebrochene Grabstein datiert aus dem Jahr 1692. Wir können deutlich lesen, dass der Verstorbene „Jakob“ heißt und am 5. Elul 452 (17. August 1692) verstorben. Woher aber stammt dieser Jakob, dessen Nachnamen wir leider auch nicht wissen? Der zweite Teil der 1. Zeile der Inschrift scheint erstaunlicherweise deutlich schlechter und schlampiger geschrieben als der Rest der Inschrift. Seltsam?

Tafel am Eingang zum jüdischen Friedhof Gattendorf

Zum Abschluss fuhren wir dann noch zum jüdischen Friedhof ins nahe gelegene Gattendorf. Eine große Tafel, von einer Schulklasse gestaltet, findet sich auf dem Eingangstor. Beeindruckend!

Jüdischer Friedhof Gattendorf

Der jüdische Friedhof in Gattendorf ist sehr gepflegt, die Inschriften aber zum Großteil – ähnlich wie in Kittsee – nur sehr schwer lesbar.

Mit vorwiegend vielen positiven Eindrücken kehrten wir – sehr müde – nach Eisenstadt zurück. Morgen wird dann weiter im Museum gelernt …

Burgenland, Leben und Glaube, Veranstaltungen

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Phantasie-Hebräisch an prominentem Ort

Verderbtes Hebräisch finden wir immer wieder auf alten Gemälden o.Ä. mit Motiven aus der hebräischen Bibel bzw. dem (christlichen) Alten/Ersten Testament. Überrascht hat uns aber doch die völlig absurde Schreibung des Gottesnamens (Tetragramm) im sogenannten „Auge der Vorsehung“ über dem Altar in der Josephskapelle in der Hofburg in Wien, handelt es sich schließlich um den Betplatz der Monarchin Maria Theresia!
Zeigt die verderbte Schreibung Ignoranz? Ist sie Original oder im Zuge von Renovierungsarbeiten passiert? Oder gar Absicht, aber warum?

Die Josephskapelle, im Leopoldtrakt der Hofburg, gehört heute zu den Gemächern des österreichischen Bundespräsidenten.

Übrigens, die korrekte Schreibung des Tetragramms: יהוה („JHWH“).

Verderbtes Tetragramm in der Josephskapelle in der Hofburg, Wien

Verderbte Schreibung des Tetragramms

Lieben Dank an Dorothea Nicolai, die das Foto anlässlich der Premiere von „DeSacre“ (Choreographie von Christine Gaigg, Kostüme von Dorothea Nicolai) am 24. April machte (und uns schickte) und erst nicht glauben konnte, was sie da sieht …

 

Heute, am 18. Ijjar und 33. Tag des Omer-Zählens, ist Lag baOmer.
Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern
ein fröhliches Fest!,
Happy Lag-BaOmer! und
חג ל“ג בעומר שמח לכולם!

Bild der Woche

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