<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Koschere Melange &#187; hebräisch</title>
	<atom:link href="http://www.ojm.at/blog/tag/hebraeisch/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.ojm.at/blog</link>
	<description>Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums</description>
	<lastBuildDate>Wed, 28 Jul 2010 11:16:31 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0</generator>
		<item>
		<title>Mittelalterliche jüdische Gemeinde in Mattersdorf?</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2010/06/23/mittelalterliche-juedische-gemeinde-mattersdorf/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2010/06/23/mittelalterliche-juedische-gemeinde-mattersdorf/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 23 Jun 2010 08:39:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[hebräisch]]></category>
		<category><![CDATA[mattersburg]]></category>
		<category><![CDATA[synagoge]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=380</guid>
		<description><![CDATA[Vielen Dank an Meir Deutsch, der uns dieses sonst weitgehend unbekannte Bild der Tafel schickte, die an der Synagoge in Mattersdorf angebracht war. Wir kannten das Bild dieser Tafel selbst nicht und auch in der uns bekannten Literatur fanden wir zwar Hinweise auf die Tafel, aber kein Bild von ihr. According to the plaque that [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="mittig1F">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[230610]" title="Ehemalige Gedenktafel an der Synagoge Mattersdorf"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/synMBGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/synMB.jpg" width="450" height="190" alt="Ehemalige Gedenktafel an der Synagoge Mattersdorf" /></a></p>
</div>
<p class="tipp">Vielen Dank an Meir Deutsch, der uns dieses sonst weitgehend unbekannte Bild der Tafel schickte, die an der Synagoge in Mattersdorf angebracht war. Wir kannten das Bild dieser Tafel selbst nicht und auch in der uns bekannten Literatur fanden wir zwar Hinweise auf die Tafel, aber kein Bild von ihr.</p>
<blockquote><p>According to the plaque that was plastered at the front of the Synagogue it was first built in 5114 which is 1353-1354, but this date seems too early. I have seen a picture of the plaque, and it seems to me that it can be read as 5310 <span class="hebr" dir="rtl">קיר</span> and not <span class="hebr" dir="rtl">קיד</span>, which correspond to 1550 [we see that the three Hebrew letters have a dot over them, which usually means that you have to add the value of these letters and not to read them consecutively as a date, as the other year on the plaque 5635]. This date fits with the expulsion of the Jews from Odenburg in 1527, which settled in Mattersburg.
</p></blockquote>
<p><cite>Meir Deutsch, Yalde Shabat, Jerusalem 2008, <abbr>S.</abbr> 42.</cite></p>
<p>Meir Deutsch weiter:</p>
<blockquote><p>It is said that the &#8220;Founders&#8221; of the Jewish community in Mattersdorf were the six Families of the tribe of Levi, that were expelled from Spain and Settled in Mattersdorf. The Jews were expelled from Spain in 1492 = 5252. If we take the reading of the date on the Plaque as 5310 = 1550, than we get that the first Synagogue was built just 58 years after the expulsion of the Jews from Spain and only 23 years after Odenburg expelled its Jews who settled in Mattersdorf.
</p></blockquote>
<p>Schön der Reihe nach, zuerst die Übersetzung:</p>
<ol>
<li>Erstgebaut im 6. Jahrtausend im Jahre &#8220;KID&#8221; (oder) &#8220;KIR&#8221; <em>(der 3. und letzte Buchstabe des letzten Wortes der 1. Zeile ist umstritten)</em></li>
<li>und von neuem errichtet im Jahr 635 <em>(= 1875)</em>. </li>
<li>So höre du sie im Himmel, <em>(<abbr>s.</abbr> 1 Könige 8,32 <abbr>u.a.</abbr>)</em></li>
<li>wenn sie kommen um zu beten n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). <em>(Der Zahlenwert des Nebensatzes ergibt noch einmal 635, also das Jahr 1875!)</em></li>
</ol>
<p><strong>1. Zeile:</strong><br />
Das 6. Jahrtausend beginnt (umgerechnet) im Jahr 1240/41, siehe <a href="http://www.ojm.at/lexikon/z/#zeit" title="Interner Link zum Lexikoneintrag auf unserer statischen Website">Lexikoneintrag zur Zeitrechnung</a>.<br />
Je nachdem, ob wir <span class="hebr" dir="rtl">קיר</span> oder <span class="hebr" dir="rtl">קיד</span> lesen, erhalten wir &#8211; wie auch Meir Deutsch schreibt -, entweder 114 oder 310, umgerechnet also das Jahr 1353/54 oder 1550/51.</p>
<p>Meir Deutsch plädiert für die Lesung <span class="hebr" dir="rtl">קיר</span>, also &#8220;KIR&#8221; (1550), und argumentiert damit, dass wir im Mittelalter keine jüdische Gemeinde in Mattersdorf belegt haben, 1550 aber insbesondere deshalb möglich wäre, weil eine jüdische Besiedlung Mattersdorfs nach der Vertreibung der Juden aus Ödenburg (Sopron) belegt ist.</p>
<p>Auch Hodik schreibt: </p>
<blockquote><p>Möglicher Ausgangspunkt für die Historie bleibt in jedem Fall die an der Gassenfront der Synagoge entdeckte Tafel, die als Erbauungsdatum das Jahr 5114 (1353/54) ausgewiesen haben soll <em>(<abbr>Anm.</abbr>: Hodik kennt die Tafel offenbar nicht)</em>. Dürfen wir aber diese Angabe ohne weiteres übernehmen und genügt sie denn, um mit Sicherheit auf die Existenz einer jüdischen Siedlung zu jener Zeit schließen zu können?<br />
&#8230;<br />
Historisch gesichertes Terrain betreten wir erst am Ende des 15. <abbr>bzw.</abbr> zu Beginn des 16. Jahrhunderts. &#8230;</p></blockquote>
<p><cite>Fritz <abbr>P.</abbr> Hodik, Beiträge zur Geschichte der Mattersdorfer Judengemeinde im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, <abbr>S.</abbr> 7<abbr>f.</abbr></cite></p>
<p>Dieselbe Auffassung vertritt Harald Prickler:</p>
<blockquote><p>Der Hauptort der Grafschaft Forchtenstein war Mattersdorf (das heutige Mattersburg): Hierher übersiedelte Juden sind seit 1527 mehrfach nachweisbar, das Urbar der Grafschaft Forchtenstein von 1526 weist in Mattersburg noch keinen Juden aus, hingegen anstelle der späteren Judenhäuser viel öde Hofstätten (Söllnerhäuser). 1438 wird zwar der in Mattersburg wohnhafte Juden Kysaan mit seiner Frau Mendel urkundlich genannt, er trat als Gläubiger der Grafen von Forchtenstein und ihres Burghauptmanns Hans Linzer auf, <strong>doch kann aus dieser vereinzelten Nennung keineswegs auf den Bestand einer jüdischen Gemeinde im Mittelalter an dieser Stelle geschlossen werden</strong> <em>(Hervorhebung von mir)</em>. Die neue Judensiedlung entstand seit 1526 auf dem zum herrschaftlichen Meierhof gehörigen herrschaftlichen Gelände (Kurialgrund), auf dem sich die 1291 geschleifte Burg Mattersdorf befunden hatte, im Anschluss an die Marktsiedlung flussabwärts.</p></blockquote>
<p><cite>Harald Prickler, Beiträge zur Geschichte der burgenländischen Judensiedlungen, in: Juden im Grenzraum, Eisenstadt 1993, <abbr>S.</abbr> 72<abbr>f.</abbr></cite></p>
<p>Bleibt schließlich noch Max Grunwald zu zitieren, der zumindest nicht abgeneigt zu sein scheint, die Frühdatierung 1354/55 zumindest in Erwägung zu ziehen:</p>
<blockquote><p>Der Mattersdorfer Rabbinatsassessor Reb Joel Fellner und Reb <abbr>J.</abbr> Hirsch ließen sich in die Kuppelhöhe des Tempels hinaufseilen, um die in der Kuppel befindliche Jahreszahl zu enträtseln. Es stand dort: &#8220;ad ki jawo Schiloh lefak&#8221;, das wäre 462 = 1702 der bürgerlichen Zeitrechnung. An der Gedenktafel der Gassenfront des Tempels liest man als Erbauungsdatum 5114 (1354). Sollte diese Zahl das Erbauungsdatum richtig wiedergeben, dann muss angenommen werden, dass im angeführen Vers die ersten 5 Buchstaben besonders gekennzeichnet waren, welche als Prat katan kaf jud dalet ergeben.
</p></blockquote>
<p><cite>Max Grunwald, Mattersdorf, in: Jahrbuch für Jüdische Volkskunde 1924/25, <abbr>hrsg. v.</abbr> Max Grundwald, Berlin 1926, <abbr>S.</abbr> 415<abbr>f</abbr>.</cite></p>
<p>Grunwalds Formulierung ist ein wenig missverständlich, er meint, dass die Inschrift in der Kuppel nicht nur die Jahreszahl 462 (1702) angibt, sondern <em>auch</em> zusätzlich (?) das Gründungsjahr der Synagoge angeben will: <span class="hebr" dir="rtl">עד כי יבא שילה</span> ist ein Zitat aus Genesis 49,10 (Der Segen Jakobs) &#8220;bis der kommt, dem er gehört <em>(der Herrscherstab)</em>&#8220;.<br />
Grunwalds Versuch, das Gründungsdatum der Gedenktafel auch im Zitat der Kuppel wiederzufinden, darf fast als rührend bezeichnet werden. Auch wenn die Zahlenwerte der ersten 5 Buchstaben des Verses tatsächlich 114 (also 1354) ergeben, es bleibt Theorie. Auch Hodik (siehe oben) unterstützt die Theorie Grunwalds nicht, sondern hält es für sehr wahrscheinlich, dass sich die Jahreszahl in der Kuppel (1702) auf den Abschluss von Instandsetzungsarbeiten an der Synagoge bezieht (allerdings hat Hodik, wie schon angeführt, die Gedenktafel nicht gesehen!).<br />
<em><span lang="en" xml:lang="en">Off topic</span>: Warum mussten sich die beiden Kuppelinschriftsinspizienten eigentlich hinaufseilen lassen, war die Inschrift so klein geschrieben? Und haben sie die Details nicht überliefert oder gab es keine?</em></p>
<h3>Zwischenstand und drei hebräische Buchstaben unter der Lupe</h3>
<p><strong>Wir halten also fest:</strong> Es gibt keine weiteren historischen Hinweise oder gar Belege für eine mittelalterliche jüdische Gemeinde in Mattersdorf, lesen wir auf der Gedenktafel als Gründungsdatum der Synagoge wirklich <span class="hebr" dir="rtl">קיד</span> für 114 (1354/55) (und lassen die Kuppelinschrift und die Theorie Grunwalds einmal außen vor), wäre dies der <strong>einzige</strong> Beleg für eine Frühdatierung einer jüdischen Gemeinde in Mattersdorf!</p>
<p><strong>Und doch tendiere ich dazu <span class="hebr" dir="rtl">קיד</span>, also 114 (1354/55) zu lesen</strong>:</p>
<ul>
<li>Meir Deutsch argumentiert, dass die Punkte über dem letzten Wort der 1. Zeile (mit dem die Jahreszahl angegeben wird) besondere Berücksichtigung verdienen, da bei der anderen Jahreszahl (in der 2. Zeile) keine Punkte über den hebräischen Buchstaben zu finden sind (sprich: Lies die erste Jahreszahl (auch) als Wort, die zweite als bloße Jahreszahl). Allerdings finden wir auch keine Punkte über den Buchstaben in der letzten Zeile, in der aber der gesamte Satz &#8211; werden die einzelnen Buchstaben als Zahlenwerte gelesen &#8211; ebenfalls die Jahreszahl 635 (=1875) ergibt! Das am Schluss der Inschrift stehende &#8220;LP&#8217;K&#8221; (nach der kleinen Zeitrechnung) <span class="hebr" dir="rtl">לפ&#8221;ק</span> bezieht sich somit auf alle 3 in der Inschrift vorhandenen Jahreszahlen!</li>
<li>Das hebräische Wort &#8220;KIR&#8221; <span class="hebr" dir="rtl">קיר</span> bedeutet &#8220;Mauer/Wand&#8221; (seltener und nur in bestimmtem Kontext auch &#8220;Stadt&#8221;). Dies ergibt aber im Zusammenhang mit dem Gründungsdatum der Synagoge wenig Sinn.</li>
<li>Was auch gegen die Lesung &#8220;KIR&#8221; <span class="hebr" dir="rtl">קיר</span> spricht: Sollte wirklich die Jahreszahl 310 (1550/51) angezeigt werden, warum dann nicht gleich mit dem im Kontext sinnvolleren Wort &#8220;KRI&#8221; <span class="hebr" dir="rtl">קרי</span> &#8220;Lesung&#8221;? Außerdem hätte man damit nicht nur ein sinnvolleres Wort, sondern auch die Zahlenwerte der Buchstaben in ihrer gewohnten Reihenfolge (Hunderter-, Zehnerzahl) gehabt!</li>
<li>Die Lesung &#8220;KID&#8221; <span class="hebr" dir="rtl">קיד</span>, also der Zahlenwert 114 und somit das Jahr 1354/55 ermöglicht uns nicht, ein sinnvolles Wort zu lesen, die Zahlenwerte der Buchstaben wären aber in ihrer gewohnten Reihenfolge, die 3 Buchstaben einfach als Jahreszahl zu lesen. Den Punkten über den Buchstaben messe ich auch keine besondere Bedeutung bei (siehe oben erstes Argument).</li>
<li>Die Formulierung &#8220;im 6. Jahrtausend&#8221; <span class="hebr" dir="rtl">באלף הששי</span> finden wir häufig im <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/11/23/grabstein-mittelalter-i/" title="Interner Link zu 'Grabstein Mittelalter I - Grabstein aus 1252'">Mittelalter (Beispiel: 1252)</a>, kurz oder relativ kurz nach der Jahrtausendwende (1240). Die jüngsten Belege mit dieser Formulierung auf deutschen Grabsteinen etwa datieren aus dem Jahr 1438. Für das 15. und 16. Jahrhundert ist die Quellenlage dünn, tendenziell würde ich die Formulierung in der Mitte des 16. Jahrhunderts aber eher nicht erwarten, eine bewusste archaische Formulierung ist jedoch auch nicht auszuschließen.</li>
</ul>
<h3>Es bleiben viele Fragen:</h3>
<ul>
<li>Die Tafel wurde 1875 (oder später) an der Gassenfront der Synagoge angebracht. Die Verfasser des Textes auf der Tafel mussten sich auf Traditionen, vielleicht auch auf schriftliche Quellen bezüglich des Gründungsdatums berufen können, haben den Text vielleicht sogar ganz oder teilweise von einer alten Tafel/Vorlage <abbr>etc.</abbr> wörtlich übernommen (siehe Formulierung &#8220;6. Jahrtausend&#8221;).</li>
<li>Könnten dabei Fehler passiert sein? Oder handelt es sich beim Datum 1354/55 etwa um Traditionen, die vielleicht mehr auf Legendenbildung als auf historischen Tatsachen beruhen?</li>
<li>Stimmt am Ende Grunwalds Theorie doch, dass wir auch in der Kuppelinschrift der Synagoge das Gründungsdatum 114 (1354/55) finden und hätten wir damit einen <strong>zweiten Hinweis auf eine Frühdatierung</strong> des Enststehens der jüdischen Gemeinde Mattersdorf? Sehe ich mir manche Grabinschrift auf dem <a href="http://www.ojm.at/blog/thema/friedhof-mattersburg/" title="Interner Link zum Thema 'Friedhof Mattersburg'">jüdischen Friedhof Mattesdorf</a> an, möchte ich nicht einmal wirklich ausschließen, dass in der Kuppelinschrift sogar beide Daten, 1702 <em>und</em> 1354 zu finden gewesen sein könnten.</li>
<li>&#8230;</li>
</ul>
<h3>Conclusio</h3>
<p>Ich lese die Gründungsjahreszahl auf der Gedenktafel der Synagoge als 314 (1354/55), bin mir aber bewusst, dass ein einziger &#8211; noch dazu unsicherer &#8211; Beleg nicht reicht, um den Beginn einer jüdischen Besiedlung in Mattersdorf sicher ins Mittelalter zu datieren.</p>
<p>Und doch &#8211; ich würde mich wahrlich nicht wundern, sollten doch einmal (weitere) Dokumente auftauchen, die beweisen, dass auf dem heute burgenländischen Teil Westungarns damals nicht nur Eisenstadt eine voll ausgebildete jüdische Gemeinde besaß!</p>
<p>Siehe dazu besonders auch unseren Beitrag <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/09/09/amos-oz-ein-mattersburger/" title="Interner Link zum Beitrag vom 09. September 2010">Amos Oz &#8211; ein Mattersburger?</a> und insbesondere auch den <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/09/09/amos-oz-ein-mattersburger/#comment-829" title="Interner Link zum Kommentar vom 21. Juni 2010">Kommentar von Christopher</a>! Denn der Ur-Ur-<abbr>usw.</abbr>-Großvater von Amos Oz ist der 1408 verstorbene Rabbiner Abraham Klausner &#8230; aus Mattersdorf!</p>
<h3>Danke</h3>
<p>Danke an Meir Deutsch, Israel, für das Bild der Gedenktafel und für die Anregung, mich näher mit ihr auseinanderzusetzen!</p>
<p>Danke an Frau <a href="http://134.91.195.113/wiki/index.php/Mitarbeiter:Nathanja_H%C3%BCttenmeister" title="Externer Link zu 'Nathanja Hüttenmeister - Mitarbeiterin am Steinheim Institut">Nathanja Hüttenmeister</a> vom Salomon Ludwig Steinheim Institut Duisburg für wertvolle Anregungen zur Inschrift :)!</p>
<p class="tipp">Da wir jetzt &#8220;nur&#8221; die Gedenktafel an der Gassenfront der Synagoge in Mattersdorf kennengelernt haben &#8230; am Wochenende gibt&#8217;s dann in unserem &#8220;<a href="http://www.ojm.at/blog/2010/06/27/bild-der-woche-synagoge-mattersburg/" title="Interner Link zum 'Bild der Woche - Synagoge Mattersburg'">Bild der Woche</a>&#8221; mehr zur Synagoge!</p>
<p class="tipp"><em>Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir das wunderbare Buch von Michael Brocke <a href="http://134.91.195.113/wiki/index.php/Hauptseite" title="Externer Link zum Steinheim Institut">&#8220;Verborgene Pracht &#8211; Der jüdische Friedhof Hamburg-Altona &#8211; Aschkenasische Grabmale</a> sowie auch ganz besonders die großartige <a href="http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat" title="Externer Link zu 'steinheim-institut.de...'">epigraphische Datenbank &#8220;epidat&#8221;</a> des Salomon Ludwig Steinheim Instituts für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen.</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ojm.at/blog/2010/06/23/mittelalterliche-juedische-gemeinde-mattersdorf/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>39</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Blauglockenbaum</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2010/05/09/der-blauglockenbaum/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2010/05/09/der-blauglockenbaum/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 09 May 2010 12:38:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[hebräisch]]></category>
		<category><![CDATA[wiener neustadt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=198</guid>
		<description><![CDATA[Die mit Abstand von Besucherinnen/Besuchern am häufigsten gestellte Frage in unserem Museum ist &#8211; und das mag überraschen &#8211; keine zur jüdischen Religion oder zur jüdischen Geschichte, sondern, um welchen Baum es sich im Hof des Wertheimerhauses handelt! Denn dieser viereckige Hof wird tatsächlich von einem wahrlich beeindruckenden Baum dominiert: einer Paulownia (Paulownia tomentosa oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[090510]" title="Paulownia tomentosa (Blauglockenbaum) im Hof des jüdischen Museums"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/paulownia01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/paulownia01.jpg" width="150" height="150" alt="Blühende Paulownia tomentosa (Blauglockenbaum) im Hof des jüdischen Museums" /></a></p>
</div>
<p>Die mit Abstand von Besucherinnen/Besuchern am häufigsten gestellte Frage in unserem Museum ist &#8211; und das mag überraschen &#8211; keine zur jüdischen Religion oder zur jüdischen Geschichte, sondern, um welchen Baum es sich im Hof des Wertheimerhauses handelt!</p>
<p>Denn dieser viereckige Hof wird tatsächlich von einem wahrlich beeindruckenden Baum dominiert: einer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Paulownien" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org/wiki/Paulownien'">Paulownia</a> (Paulownia tomentosa oder Blauglockenbaum). </p>
<p>Und da sehr oft nach dem Baum gefragt wird (freilich gibt es auch genügend botanisch sattelfeste BesucherInnen, die nicht fragen, sondern den Anblick nur genießen), sind wir mittlerweile nicht um einigermaßen erschöpfende Antworten verlegen &#8230; Antworten, die wir Ihnen nun auch hier im Blog nicht vorenthalten wollen ;)</p>
<p>Auch der Zeitpunkt für diesen Blogbeitrag ist bewusst gewählt, denn der Blauglockenbaum blüht in seiner ganzen Pracht nur wenige Tage Ende April/Anfang Mai.</p>
<div id="mittig3a">
<ul id="bildchen4">
<li><a rel="lightbox[090510]" title="Paulownia tomentosa (Blauglockenbaum) im Hof des jüdischen Museums" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/paulownia02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/paulownia02.jpg" width="150" height="150" alt="Blühende Paulownia tomentosa (Blauglockenbaum) im Hof des jüdischen Museums" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[090510]" title="Paulownia tomentosa (Blauglockenbaum) im Hof des jüdischen Museums" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/paulownia03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/paulownia03.jpg" width="150" height="150" alt="Blühende Paulownia tomentosa (Blauglockenbaum) im Hof des jüdischen Museums" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[090510]" title="Paulownia tomentosa (Blauglockenbaum) im Hof des jüdischen Museums" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/paulownia04GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/paulownia04.jpg" width="150" height="150" alt="Blühende Paulownia tomentosa (Blauglockenbaum) im Hof des jüdischen Museums" /></a></li>
</ul>
</div>
<p><br class="clear" /></p>
<p>Der Blauglockenbaum ist in seinem lateinischen Namen nach der russischen Zarentochter <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Pawlowna" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org/wiki/Anna_Pawlowna'">Anna Pawlowna</a> (1795 &#8211; 1865) benannt. </p>
<p>Damit wären auch schon die notwendigsten Informationen zum Baum gegeben, denen ein  Facebookeintrag oder Bild-der-Woche-Beitrag gerecht werden würde – wenn mit der Namensnennung von Anna Pawlowna nicht doch auch einige Assoziationen verknüpft wären, die sich aufdrängen und im Blog eines jüdischen Museums durchaus ihren Platz finden dürfen:</p>
<h3>Anna Pawlowna und die Geschichte der Juden im Russischen Reich</h3>
<p>Denn Anna Pawlowna, Tochter des russischen Zaren Paul I., war die Schwester der Zaren <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_I._%28Russland%29" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org/wiki/Alexander_I._%28Russland%29'">Alexander I.</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_I._%28Russland%29" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_I._%28Russland%29'">Nikolaus I.</a> von Russland. Gleich nach der Thronbesteigung Alexanders I. wurde eine Sonderkommission eingesetzt, die sich mit der Frage der Stellung der Juden beschäftigte und 1804 zum ersten &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Juden_in_Russland" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Juden_in_Russland'">Jüdischen Statut</a>&#8221; führte. Ein Statut, das  Maßnahmen zur &#8220;Verbesserung&#8221; der Juden vorsah mit dem erklärten Ziel, die Einwohner des Reiches vor den &#8220;nachteiligen&#8221; Aktivitäten der Juden zu schützen. Hatte Zar Alexander I. als probatestes Mittel, die Juden in die Gesellschaft zu integrieren, ihre Bekehrung zum Christentum gesehen, bildete die Regierungszeit seines Bruders und Nachfolgers Nikolaus I. eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte des russischen Judentums. Der entschlossene und hartnäckige Widerstand der Juden jedoch ließ die seit 1840 bestehende &#8220;Kommission für die Juden&#8221; zur Einsicht gelangen, dass keine der drastisch verschärften &#8220;Verbesserungsmaßnahmen&#8221; (Erziehung durch staatlichen Zwang, Besteuerung der traditionellen Tracht <abbr>usw.</abbr>) ihr Ziel erreicht hatte. </p>
<h3>Ein russischer Jüngling in Wiener Neustadt</h3>
<p>Erst vor wenigen Wochen wurde ich zufällig in die erwähnte Zeit gleichsam zurückversetzt, und zwar durch einen (zumindest für mich) ausgesprochen bemerkenswerten Grabstein auf dem jüdischen <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/10/18/bild-der-woche-aussendienst/" title="Interner Link zum Beitrag 'Außendienst' vom 18. Oktober 2009" >Friedhof in Wiener Neustadt</a>:</p>
<div class="mittig1F">
<a rel="lightbox[090510]" title="Grabstein von Jakob Berlin, 1908, jüdischer Friedhof Wiener Neustadt" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/berlinGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/berlin.jpg" width="250" height="395" alt="Grabstein von Jakob Berlin, 1908, jüdischer Friedhof Wiener Neustadt" /></a>
</div>
<div class="category">
<div class="centeredHeb">
<p><strong>[1. Zeile:] </strong></p>
<p>H(ier liegt) g(eborgen) <span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>[2. Zeile:] </strong></p>
<p>der frisch Verheiratete, Edle und Untadelige.<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>[3. Zeile:] </strong></p>
<p>Er verbrachte Nächte wie Tage<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>[4. Zeile:] </strong></p>
<p>über den Worten der Weisen,<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>5. Zeile: </strong></p>
<p>Jakob Berlin,<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>6. Zeile: </strong></p>
<p>Nachkomme der Geonim aus Wolozyn.<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>7. Zeile: </strong></p>
<p>Im Alter von 21 Jahren ging er zur ewigen Ruhe ein.<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>8. Zeile: </strong></p>
<p>Seine Eltern in Dwinsk ließ er in Trauer zurück.<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>9. Zeile: </strong></p>
<p>Am 4. Cheschwan 669 (= Donnerstag, 29. Oktober 1908).<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
</div>
</div>
<div class="archives">
<div class="centered">
<p><strong>[1. Zeile:] </strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">פ&#8221;נ</span></p>
<p><strong>[2. Zeile:]</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">הא ברך היקר והתמים,</span></p>
<p><strong>[3. Zeile:]</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">שם לילות כימים,</span></p>
<p><strong>[4. Zeile:]</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">על דברי חכמים,</span></p>
<p><strong>5. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">יעקב ברלין,</span></p>
<p><strong>6. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">נכד הגאונים מוואלאזין,</span></p>
<p><strong>7. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">בן כ&#8221;א שנה הלך למנוחות.</span></p>
<p><strong>8. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">את הוריו בדווינסק עזב לאנחות</span></p>
<p><strong>9. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">ד&#8221; חשון שנת ת&#8221;ר&#8221;ס&#8221;ט.&#8221;</span></p>
</div>
</div>
<p><br class="clearboth" /></p>
<p><strong>2. Zeile</strong>:<br />
Siehe Kommentar von <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/05/09/der-blauglockenbaum/#comment-338" title="Interner Link zu den Kommentaren">Yoav unten</a>.</p>
<p><strong>3. Zeile</strong>:<br />
<abbr>Vgl.</abbr> (babylonischer Talmud) Moed Qatan 25b (נשים/משים לילות כימים).</p>
<p><strong>6. Zeile</strong>:<br />
Gaon, Plural: Geonim; Titel, der sich in den Lehrakademien im babylonischen Exil (586/7-539 <abbr>v.d.Z.</abbr>) entwickelte und zwischen 589 <abbr>n.d.Z.</abbr> und 1034 der Amtstitel des Leiters einer hohen rabbinischen Schule war. Insbesondere im Umfeld des Rabbi Elia von Wilna (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gaon_von_Wilna" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org/wiki/Gaon_von_Wilna'">Gaon von Wilna</a>, 1720-1797) wird der Titel auch noch später für besondere Gelehrte verwendet.</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[090510]" title="Die berühmte Jeschiva von Volozhin"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/Volozhin_yeshivaGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/Volozhin_yeshiva.jpg" width="150" height="150" alt="Jeschiva von Volozhin, Foto: Wikipedia" /></a>
</p>
<p class="center">Jeschiva von Volozhin<br />
Foto: <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/File:Volozhin_yeshiva.jpg" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org/wiki/File:Volozhin_yeshiva.jpg'">Wikipedia</a></p>
</div>
<p><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Valozhyn" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org/wiki/Valozhyn'">Valozhin</a> (Volozhin), Wolozyn (polnisch), Stadt in Weißrussland, 75 km nordwestlich von Minsk. Berühmtheit erlangte vor allem die Jeschiva, also die traditionelle jüdische Schule von Volozhin, die 1803 von Rabbi Chaim ben Isaac Volozhin (1749 &#8211; 1821), einem Schüler des Gaon von Vilna, gegründet wurde. 1854 übernahm <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Naftali_Zvi_Yehuda_Berlin" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org/wiki/Naftali_Zvi_Yehuda_Berlin'">Naftali Zvi Jehuda Berlin</a> die Leitung der Jeschiva und schloss selbige im Jahr 1892. Mütterlicherseits ist Naftali Berlin ein direkter Nachfahre des ersten Rabbiners von Eisenstadt, <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/08/31/hebraeischkurs-2009/#rm" title="Interner Link zum Beitrag 'Hebräischkurs 2009'">Rabbi Meir Eisenstadt</a> (A&#8221;SCH; gestorben 1744).</p>
<p>Der in Wiener Neustadt begrabene Jakob Berlin ist zwar offensichtlich ein sehr naher Verwandter von Naftali Zvi Jehuda Berlin, trotzdem konnte eine direkte Verwandtschaft leider nicht nachgewiesen werden. Wahrscheinlich ist Jakob der Sohn oder Enkelsohn eines Bruders von Naftali Zvi Jehuda Berlin.</p>
<p><strong>8. Zeile</strong>:<br />
<a href="http://www.jewishencyclopedia.com/view.jsp?artid=540&#038;letter=D" title="Externer Link zu 'jewishencyclopedia.com...'">Dvinsk</a>, im jüdischen Kontext manchmal auch &#8220;Dawinsk&#8221;, heutiges Daugavpils, die zweitgrößte Stadt Lettlands, etwa 230 km südöstlich der lettischen Hauptstadt Riga. Dvinsk war der Name der Stadt in der Zeit von 1893 &#8211; 1920, als sie Teil des Russischen Reiches war. Auf Deutsch ist die Stadt unter dem historischen Namen &#8220;Dünaburg/Dinaburg&#8221; bekannt. In der Stadt leben heute knapp 500 Juden. </p>
<p>In Dvinsk konnte kein Familienangehöriger der Berlins gefunden werden. Zudem ist noch fraglich, ob das hebräische Wort הורים (oben übersetzt mit &#8220;Eltern&#8221;) wie meist im engsten Sinn des Wortes, nämlich als leibliche Eltern, oder im weiteren Sinn verstanden wird und etwa seine Toralehrer <abbr>o.Ä.</abbr> meint.</p>
<p class="tipp"><span lang="lt" xml:lang="lt">P.S.</span>: Sehe grad, dass es mir offensichtlich nicht möglich ist, einen Beitrag zu schreiben ohne zumindest 1 Grabstein zu erwähnen ;)</p>
<p class="tipp"><em>Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir schon jetzt das Buch &#8220;Das jüdische Wiener Neustadt&#8221; von <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/11/22/praesentation-der-mittelalterlichen-grabsteine/" title="Interner Link zum Beitrag 'Präsentation der mittelalterlichen Grabsteine vom 22. November 2009'">Werner Sulzgruber</a>, das im September 2010 erscheinen wird! Ich freue mich sehr, dass ich dazu die Transkriptionen/Übersetzungen der hebräischen Grabinschriften beisteuern durfte. Wir werden natürlich berichten &#8230;</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ojm.at/blog/2010/05/09/der-blauglockenbaum/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>12</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Bild der Woche &#8211; Sehtafel</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2010/03/21/bild-der-woche-sehtafel/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2010/03/21/bild-der-woche-sehtafel/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 21 Mar 2010 12:24:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christopher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[hebräisch]]></category>
		<category><![CDATA[wien]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=152</guid>
		<description><![CDATA[Testen Sie Ihre Sehschärfe &#8211; und allfällige Hebräisch-(Grund-)Kenntnisse &#8230; Sehtafel mit hebräischen Buchstaben, entdeckt im Schaufenster eines Optikers in Wien I &#171; Bild der Woche &#8220;Storchenschul&#8221;&#160; &#160; Bild der Woche &#8220;Nächstes Jahr in &#8230;&#8221; &#187; Schicken Sie uns Ihr Bild der Woche &#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Testen Sie Ihre Sehschärfe &#8211; und allfällige Hebräisch-(Grund-)Kenntnisse &#8230;</p>
<p><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/sehtafelGR.jpg" width="550" height="825" alt="Sehtafel mit hebräischen Buchstaben" class="centered" /></p>
<p class="centered">Sehtafel mit <a href="http://www.ojm.at/lexikon/hebraeisch/" title="Interner Link zu den hebräischen Buchstaben auf unserer statischen Website">hebräischen Buchstaben</a>,<br />
entdeckt im Schaufenster eines Optikers in Wien I</p>
<div class="pagenavi">
<div class="page-nav">
<div class="nav-previous">
&laquo; <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/03/14/bild-der-woche-storchenschul/" title="Bl&auml;ttern Sie in der 'Bild der Woche'-Galerie zur&uuml;ck zum vorherigen Bild">  Bild der Woche &#8220;Storchenschul&#8221;</a>&nbsp;
</div>
<div class="nav-next">
&nbsp; <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/03/28/bild-der-woche-naechstes-jahr-in/" title="Bl&auml;ttern Sie in der 'Bild der Woche'-Galerie vor zum n&auml;chsten Bild"> Bild der Woche &#8220;Nächstes Jahr in &#8230;&#8221;</a> &raquo;
</div>
</div>
</div>
<p class="tipp"><em>Schicken Sie uns Ihr <a href="http://www.ojm.at/blog/ueber-das-blog/#bw" title="Interner Link zu Seite 'Über das Blog'">Bild der Woche</a> &#8230;</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ojm.at/blog/2010/03/21/bild-der-woche-sehtafel/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>7</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Am jüdischen Friedhof III</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2010/03/08/am-juedischen-friedhof-iii/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2010/03/08/am-juedischen-friedhof-iii/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 10:30:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[hebräisch]]></category>
		<category><![CDATA[rätsel]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/2010/01/13/am-juedischen-friedhof-iii/</guid>
		<description><![CDATA[Wie Sie auch ohne großartige Hebräischkenntnisse Namen und Todesdaten in hebräischen Inschriften finden und übersetzen können Gleich nach unten zu unserem Rätsel Vorweg: Selbstverständlich liegt es mir fern zu suggerieren, dass mit keinen oder minimalen Hebräischkenntnissen hebräische Grabinschriften auch nur einigermaßen korrekt erfasst werden können. Da aber der Aufbau von hebräischen Grabinschriften stets mehr oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3> Wie Sie auch ohne großartige Hebräischkenntnisse Namen und Todesdaten in hebräischen Inschriften finden und übersetzen können</h3>
<div id="ankernav">
<p class="liste"><a title="Zu unserem 'Übersetzungsrätsel'" href="#raetsel">Gleich nach unten zu unserem Rätsel</a></p>
</div>
<p>Vorweg: Selbstverständlich liegt es mir fern zu suggerieren, dass mit keinen oder minimalen Hebräischkenntnissen hebräische Grabinschriften auch nur einigermaßen korrekt erfasst werden können. Da aber der Aufbau von hebräischen Grabinschriften stets mehr oder weniger derselbe ist, können Sie auch mit nur bescheidenen  Kenntnissen des Hebräischen (immer wiederkehrende) Strukturen erkennen und mehr aus einer Inschrift herauslesen, als Sie vielleicht vermuten. Insbesondere  Name und Sterbedatum sollten meist kein Problem sein. </p>
<p>Salopp formuliert:<br />
Es geht in diesem Beitrag einzig und allein darum, dass Sie eine hebräische Grabinschrift strukturell erkennen und einige Details lesen können. Drucken Sie diesen Beitrag aus, gehen Sie auf den nächstliegenden jüdischen Friedhof mit hebräischen Inschriften und versuchen Sie, einzelne Elemente des untenstehenden Schemas (wie Name, Datum <abbr>usw.</abbr>) zu erkennen <abbr>bzw.</abbr> zu lesen.</p>
<p>Die hebräischen Buchstaben finden Sie ebenfalls auf unserer <a href="http://www.ojm.at/lexikon/hebraeisch/" title="Interner Link zu 'ojm.at/lexikon/hebraeisch/' auf unserer statischen Website">Website</a>.</p>
<h4>Schematischer Aufbau einer Grabinschrift</h4>
<p><strong>Achtung: Hebräisch wird immer von rechts nach links gelesen!</strong></p>
<div class="centeredHeb">
<p><span class="grosss"><strong>Symbol</strong></span><br />
(Träneneiche; Krug mit Becken (Leviten); Hände (Kohanim, Priester) etc.)</p>
<p class="tipp"><strong><span class="grosss">Hier liegt geborgen</span> <span class="hebr" dir="rtl">פ&#8221;ט / פ&#8221;נ</span> </strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">פה טמון / טמונה // פה נטמן / נטמנת</span><br />
po tamun / tmuna // po nitman / nitmenet</p>
<p class="tipp"><strong><span class="grosss">Geschlechtsangabe, Titulaturen, ehrende Beiwörter</span></strong></p>
<p>(Titulaturen und ehrende Beiwörter beziehen sich bei Männern praktisch immer auf religiöse Würden und Ämter, bei Frauen stehen meist Bibelzitate.)</p>
<p>ein Mann (&#8220;isch&#8221;) <span class="hebr" dir="rtl">איש</span> + Eigenschaft(swort), eine Frau (&#8220;ischa&#8221;) <span class="hebr" dir="rtl">אישה</span> + Eigenschaft(swort)</p>
<p>Herr (&#8220;Rev&#8221;) <span class="hebr" dir="rtl">ר&#8221; (רב)</span> + Name, Frau (&#8220;Marat&#8221;) <span class="hebr" dir="rtl">מ&#8221; (מרת)</span> + Name</p>
<p>der CHAVER (&#8220;He-chaver&#8221;, niederer Rang in der Gemeindehierarchie) <span class="hebr" dir="rtl">ה&#8221;ח (החבר)</span></p>
<p>ein angesehener Mann (isch nichbad) <span class="hebr" dir="rtl">איש נכבד</span></p>
<p>der ehrenhafte Herr (kvod harav) <span class="hebr" dir="rtl">כ&#8221;ה (כבוד הרב)</span></p>
<p>eine bedeutende Frau (ischa chaschuva) <span class="hebr" dir="rtl">אשה חשובה</span></p>
<p>die bescheidene Frau (ha-ischa ha-znu&#8217;a) <span class="hebr" dir="rtl">האשה הצנועה</span></p>
<p class="tipp"><strong><span class="grosss">Name +</span> <span class="hebr" dir="rtl">ז&#8221;ל / ע&#8221;ה</span> </strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">זכרונו / זכרונה לברכה // עליו / עליה השלום </span><br />
sichrono / sichrona livracha (sein / ihr Andenken möge bewahrt werden)<br />
alav / aleha ha-schalom (auf ihm / auf ihr sei der Friede)</p>
<p>Herr Mose Wolf, sein Andenken möge bewahrt werden <span class="hebr" dir="rtl">ר&#8221; משה וואלף ז&#8221;ל (זכרונו לברכה) </span></p>
<p>Frau Resl Austerlitz, auf ihr sei der Friede <span class="hebr" dir="rtl">מרת ריזל ע&#8221;ה (עליה השלום)</span></p>
<p class="tipp"><strong><span class="grosss">Ableben</span> <span class="hebr" dir="rtl">י&#8221;נ</span> </strong></p>
<p>(Das Ableben wird meist durch einen positiven Ausdruck umschrieben;<br />
nur selten: er / sie &#8220;starb (met/a)&#8221; <span class="hebr" dir="rtl">מת / מתה</span>)</p>
<p>Seine / Ihre Seele ging hinweg <span class="hebr" dir="rtl">יצאה נשמתו / נשמתה</span></p>
<p class="tipp"><strong><span class="grosss">Todesdatum</span></strong></p>
<p>(siehe unseren Lexikoneintrag &#8220;<a href="http://www.ojm.at/lexikon/z/" title="Interner Link zu 'ojm.at/lexikon/z/' auf unserer statischen Website">Zeitrechnung</a>&#8220;)</p>
<p>Die Zahlenwerte jener hebräischen Buchstaben, die mit Punkten oder Strichen gekennzeichnet sind, werden einfach zusammengezählt. Das Ergebnis, eine Hunderterzahl, addieren Sie zum (bürgerlichen) Jahr 1240 einfach dazu. Ergibt die Summe <abbr>z.B.</abbr> 697 <span class="hebr" dir="rtl">תרצ&#8221;ז</span>, haben wir das (Sterbe)jahr 1937 (1240 + 697).<br />
Genau genommen ist dies das jüdische Jahr 5697. Die Zahl 5, also die Tausenderzahl, wird aber meist nicht geschrieben (wie bei uns &#8217;10 statt 2010), es steht statt <abbr>z.B.</abbr> 5697 meist nur 697.<br />
Fast immer wird dann nach der Jahreszahl als Zusatz &#8220;nach der kleinen Zeitrechnung&#8221;, <abbr>d.h.</abbr> &#8220;ohne Tausenderzahl&#8221;, angefügt:</p>
<p>(wörtlich) &#8220;nach der kleinen Zählung (lifrat katan)&#8221; <span class="hebr" dir="rtl">לפ&#8221;ק = לפרט קטן</span><br />
Achten Sie auf diese 3 Buchstaben, denn davor steht immer die Jahreszahl!</p>
<p>Vorsicht ist allerdings geboten, wenn ein Datum der Monate Tischre, Cheschwan, Kislew und Tevet umgerechnet wird. Da das jüdische Jahr im Herbst beginnt, fällt ein Datum der genannten vier Monate noch in das &#8220;alte&#8221; bürgerliche Jahr. </p>
<p>Meist findet man vor der Jahreszahl <span class="hebr" dir="rtl"> (ב)שנת</span> &#8220;(bi)schnat&#8221;, &#8220;(im) Jahr&#8230;&#8221; (von: <span class="hebr" dir="rtl">שנה</span> &#8220;schana&#8221;, &#8220;Jahr&#8221;).</p>
<p class="tipp"><strong><span class="grosss">Lob</span></strong></p>
<p>(Dieser oft sehr lange Text beinhaltet meist viele biblische und rabbinische Zitate und wird hier nicht näher beschrieben)</p>
<p class="tipp"><strong><span class="grosss">Schlussworte (Schlusseulogie)</span> <span class="hebr" dir="rtl">ת&#8221;נ&#8221;צ&#8221;ב&#8221;ה</span> </strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">תהי נפשו / נפשה צרורה בצרור החיים </span><br />
tehi nafscho / nafscha zrura bizror ha-chajim (Seine / Ihre Seele möge eingebunden sein im Bund des Lebens, Anlehnung an 1 Samuel, 25,29).</p>
</div>
<p>Es darf schon angekündigt werden: Wir wollen eine neue und überarbeitete Auflage des <a href="http://www.ojm.at/publikationen/hebraeisch/" title="Interner Link zum Hebräischbuch auf unserer statischen Website">Hebräischbuches</a> möglichst bald als <span lang="en" xml:lang="en">E-Book</span> zur Verfügung stellen. Im Buch finden Sie ausführlichere Erklärungen und viele Übungen.</p>
<h3><a id="raetsel" name="raetsel"></a>Unser Rätsel: Lesen und &#8220;übersetzen&#8221; Sie folgende Grabinschrift:</h3>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[080310]" title="Grabstein Nummer 616 am jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/616GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/616.jpg" width="150" height="150" alt="Grabstein Nummer 616 am jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt" /></a></p>
</div>
<p><em>Anmerkung:</em><br />
Falls Sie gleich hier nach unten zum Rätsel gesprungen sind, ohne unseren Beitrag lesen zu müssen, sind Sie mit unserem Rätsel vermutlich unterfordert ;)</p>
<p>Bitte keine Scheu, das Rätsel ist sehr einfach. Das oben Gelernte kommt noch nicht wirklich zum Einsatz, es geht vor allem um das Erkennen der hebräischen Buchstaben. Sie benötigen für die Lösung kein einziges hebräisches Wort. Die Inschrift ist in deutscher Sprache (mit hebräischen Buchstaben) verfasst und ist der hier original wiedergegebene untere Teil einer Grabinschrift eines Grabes auf dem jüngeren jüdischen Friedhofes in Eisenstadt (siehe Bild! Der obere Hauptteil der Inschrift ist Hebräisch und hier ausgeblendet).</p>
<div class="centered">
<p><span class="hebr" dir="rtl">היער רוהעט</span></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">דיע ליעבענדע טאכטער</span></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">טרייע גאטטין</span></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">אונד צארטליכע מוטטער</span></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">רעזי איינהארן געב. שפיטצער</span></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">געשטארבען אים <span dir="ltr">26.</span> יאהרע</span></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">נאך לאנגעם ליידען</span></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">אללגעמיין בעטרויערט</span></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">אם <span dir="ltr">28.</span> פעבער 5637. </span></p>
</div>
<p>Wir verlosen unter den eingesendeten richtigen Lösungen drei (!) GewinnerInnen des Buches <a href="http://www.ojm.at/publikationen/gemeinden/" title="Interner Link zum Buch auf unserer statischen Website">&#8220;Aus den Sieben-Gemeinden. Ein Lesebuch über Juden im Burgenland&#8221;</a>.</p>
<ul>
<li>Bitte schicken Sie die Lösung <strong>bis Sonntag, 14. März 2010</strong> an folgende <span lang="en" xml:lang="en">E-Mail</span>-Adresse: <a href="mailto:raetsel@ojm.at">raetsel@ojm.at</a></li>
<li>Bitte geben Sie in Ihrer <span lang="en" xml:lang="en">E-Mail</span> an, ob wir Ihren Namen im Falle des Gewinns hier veröffentlichen dürfen</li>
<li>Die Reihenfolge der eingelangten Lösungen spielt keine Rolle</li>
<li>Am Montag, dem 15. März, ermitteln wir die GewinnerInnen per Los, geben die Namen (wenn erlaubt) bekannt und stellen die Lösung hier selbstverständlich gleich <span lang="en" xml:lang="en">online</span> </li>
<li>Es ist das unser erstes Rätsel, bitte haben Sie Nachsicht! Falls etwas unklar ist, zögern Sie nicht zu fragen, am besten gleich als Kommentar unten oder via <span lang="en" xml:lang="en">E-Mail</span></li>
<li>Zur Sicherheit sei nochmals erwähnt: Die hebräischen Buchstaben finden Sie ebenfalls auf unserer <a href="http://www.ojm.at/lexikon/hebraeisch/" title="Interner Link zu 'ojm.at/lexikon/hebraeisch/' auf unserer statischen Website">Website</a>.</li>
<li><span lang="en" xml:lang="en">Update</span> 14 Uhr: Die Zahlen im Rätsel werden von links nach rechts gelesen!</li>
</ul>
<p><strong>Wir wünschen Ihnen viel Spaß und Freude beim &#8220;Übersetzen&#8221; und freuen uns sehr auf Ihre <span lang="en" xml:lang="en">E-Mails</span> mit den Lösungen!</strong></p>
<h4><a id="gew" name="gew"></a><span lang="en" xml:lang="en">Update</span> 15. März &#8211; Die Lösung unseres kleinen Rätsels:</h4>
<div class="centered">
Hier ruh(e)t<br />
die liebende Tochter,<br />
treue Gattin<br />
und zärtliche Mutter,<br />
Resi Einhorn, geb. Spitzer,<br />
gestorben im 26. Jahre<br />
nach langem Leiden.<br />
Allgemein betrauert<br />
am 28. Feber 5637 (= 1877).
</div>
<p>Als Gewinner wurden heute Morgen durch Los ermittelt (die Bücher sind schon unterwegs!):</p>
<ul>
<li><strong>Patrick Frankl</strong>, Eisenstadt</li>
<li><strong>Ferdinand Creuz</strong>, Nagold (<abbr>D</abbr>)</li>
<li><strong>Ute Schulz</strong>, Augsburg (<abbr>D</abbr>)</li>
</ul>
<p>Wir gratulieren sehr herzlich und danken allen, besonders auch jenen, die diesmal nicht gewonnen haben, für die Zusendungen. Besonders erfreulich war, dass nur richtige Lösungen einlangten. Immerhin kamen die E-Mails aus Österreich, Deutschland und Israel :)</p>
<p class="tipp"><em>Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir als Ergänzung und Weiterführung die Lektüre des jüngst erschienenen Blogbeitrags <a href="http://jhva.wordpress.com/2010/02/24/lesen-hebraischer-grabsteine-wie-geht-das/" title="Externer Link zu 'jhva.wordpress.com ...'">&#8220;Lesen hebräischer Grabsteine &#8211; wie geht das?&#8221;</a> auf dem Blog des Jüdisch Historischen Vereins Augsburg. </em></p>
<div class="pagenavi">
<div class="page-nav">
<div class="nav-previous">
&laquo; <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/01/10/am-juedischen-friedhof-ii/" title="Bl&auml;ttern Sie zum ersten Beitrag der Serie 'Am jüdischen Friedhof'">  Am jüdischen Friedhof II</a>&nbsp;
</div>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ojm.at/blog/2010/03/08/am-juedischen-friedhof-iii/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der ältere jüdische Friedhof in Eisenstadt</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2010/01/27/der-aeltere-juedische-friedhof-in-eisenstadt/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2010/01/27/der-aeltere-juedische-friedhof-in-eisenstadt/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 27 Jan 2010 10:31:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[hebräisch]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=124</guid>
		<description><![CDATA[Im zweiten Beitrag unserer kleinen Serie &#8220;Am jüdischen Friedhof&#8221; wurde der ältere Friedhof in Eisenstadt als Beispiel für einen Friedhof zitiert, auf dem die Prominenz (im herkömmlichen Sinn) rar und die Steine nur selten kunsthistorisch bedeutend sind. Eisenstadt hat zwei jüdische Friedhöfe, den älteren und den jüngeren. Die erste Datierung eines Grabsteins auf dem älteren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/01/10/am-juedischen-friedhof-ii/" title="Interner Link zum Beitrag 'Am jüdischen Friedhof II'">zweiten Beitrag</a> unserer kleinen Serie &#8220;Am jüdischen Friedhof&#8221; wurde der ältere Friedhof in Eisenstadt als Beispiel für einen Friedhof zitiert, auf dem die Prominenz (im herkömmlichen Sinn) rar und die Steine nur selten kunsthistorisch bedeutend sind.</p>
<p>Eisenstadt hat zwei jüdische Friedhöfe, den älteren und den jüngeren. Die erste Datierung eines  Grabsteins auf dem älteren jüdischen Friedhof stammt vom 3. Juli 1679, der Friedhof wurde bis 1875  belegt. Im selben Jahr wurde der jüngere Friedhof angelegt. Dieser jüngere jüdische Friedhof wurde von uns zwischen 1992 und 1995 bearbeitet und liegt als <a href="http://www.ojm.at/publikationen/friedhof/" title="Interner Link zur Publikation 'Hier in der heiligen jüdischen Gemeinde...' auf unserer statischen Website">Publikation</a> vor. </p>
<div class="mittig1F">
<a rel="lightbox[270110]" title="Eingangstor zum älteren jüdischen Friedhof, auf einer Postkarte aus den 1920er Jahren" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/ajfEisenstadt02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/ajfEisenstadt02.jpg" width="300" height="188" alt="Eingangstor zum älteren jüdischen Friedhof, auf einer Postkarte aus den 1920er Jahren" /></a>
</div>
<p class="centered">Das Tor ist heute nicht mehr vorhanden. Der Friedhof ist sozusagen in zwei Teile geteilt, zwischen den beiden heute eingezäunten Hälften befindet sich ein öffentlich begehbarer Fußweg.</p>
<p>Der ältere jüdische Friedhof, am nordwestlichen Ende des jüdischen Viertels gelegen, umfasste im Jahr 1922 1.140 Grabsteine mit ausschließlich hebräischen Grabinschriften. In diesem Jahr erschien die bedeutende Publikation von Dr. Bernhard Wachstein, dem langjährigen Direktor der Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, über diesen Friedhof (Wachstein <abbr>B.</abbr>, Die Grabinschriften des Alten Judenfriedhofes in Eisenstadt, Eisenstädter Forschungen, <abbr>hrsg.</abbr> Von S&aacute;ndor Wolf, Band I, Wien 1922). Wachstein nahm alle Grabsteine des älteren Friedhofes mit hebräischer Abschrift und manchen Verweisen auf Belegstellen aus Bibel und rabbinischer Literatur sowie einigen Fotos auf. Wachstein verzichtete auf eine Übersetzung und legt die Textbearbeitung nur hebräisch in Form von Quellenverweisen, in der Regel ohne Kommentierung, vor. Diese Vorgangsweise macht einerseits das Zielpublikum seiner Arbeit &#8211; nämlich den mit der Traditionsliteratur vertrauten jüdischen Leser &#8211; deutlich und erschwert andererseits dem nichtjüdischen oder mit der jüdischen Traditionsliteratur nicht vertrauten Leser den Umgang mit seiner Arbeit immens.</p>
<div class="mittig1F">
<a rel="lightbox[270110]" title="Alte Ansicht (1920er Jahre) des älteren jüdischen Friedhofs in Eisenstadt" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/ajfEisenstadtGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/ajfEisenstadt.jpg" width="300" height="192" alt="Alte Ansicht des älteren jüdischen Friedhofs in Eisenstadt" /></a>
</div>
<blockquote class="abstand"><p>Der Eisenstädter Friedhof ist zum Unterschied von anderen alten jüdischen Friedhöfen vollständig baumlos. Nur einiges Gebüsch verkleidet die Mauer. Die Gräber entbehrten, wie es bei gesetztreuen Juden selbstverständlich ist, des Blumenschmuckes, und nur Graswuchs &#8211; ohne Beimengung von hässlichen Unkräutern &#8211; überzieht die Ruhestätten mit seinem Grün.<br />
Das Terrain ist eben, an manchen Stellen bemerkt man jedoch Aufschüttungen von Erdreich, die dazu dienten, um über den alten Gräbern neue anlegen zu können. Die Steine stehen an diesen Stätten dicht nebeneinander, weil die der tiefen Gräber auch hinauf gestellt wurden &#8230;<br />
Die Denkmäler des Eisenstädter Friedhofes zeigen in Form und Aussehen vielfach Ähnlichkeiten mit denen des Wiener Friedhofes. Es liegt dies in der Natur der Sache, denn nicht nur die ersten Ansiedler waren Wiener Emigranten, sondern auch ein ganz erheblicher Zuzug leitete sich von Wien her &#8230;<br />
Einige Steine des Eisenstädter Friedhofes müssen sogar in Wien angefertigt worden sein &#8230; Aber bald wussten sich die Eisenstädter in der Friedhofkunst von Wien unabhängig zu machen. Hatten sie ja ein vorzügliches eigenes Steinmaterial, den Bergeisenstädter, oder St. Margarether und Oszliper Kalkstein, der außerordentlich leicht bearbeitbar, nun beinahe ausschließlich verwendet wurde &#8230;
</p></blockquote>
<p>Lange wussten wir nicht, wie viele Grabsteine den Holocaust überlebten und sich heute auf dem Friedhof befinden (aus mir unerfindlichen Gründen scheint es unmöglich zu sein, ohne Hilfsmittel Grabsteine auf einem jüdischen Friedhof auch nur einigermaßen korrekt zu zählen). Vor einigen Jahren brachte eine von der Freistadt Eisenstadt gesponserte Vermessung des Friedhofes ein für uns erstaunliches, jedoch höchst erfreuliches Ergebnis: Am Friedhof befinden sich heute 1.104 Grabsteine, also beinahe genau so viele wie 1922. </p>
<p>In Wachsteins Buch finden wir drei verschiedene Nummerierungen der Grabsteine, am Friedhof selbst immerhin zwei. Jene beiden, die wir &#8211; so überhaupt sichtbar &#8211; auf Grabsteinen lesen können, sind alte <abbr>bzw.</abbr> sehr alte Nummerierungen, eine in Hebräisch gravierte und eine mit arabischen Zahlen. Wachstein verwendet eine dritte Nummerierung in seinem Buch, notiert aber bei jedem Grabstein beide alten Nummern. Die Unlesbarkeit der meisten alten Nummern heute macht eine Zuordnung der in Wachsteins Werk aufgenommenen Grabsteine am Friedhof in den meisten Fällen extrem schwer. Vor allem auch, weil sehr viele der Inschriften kaum gelesen, die Grabsteine daher nicht sicher identifiziert und zugeordnet werden können. Wachstein konnte für seine Bearbeitung auf Quellen wie etwa das &#8220;Schwarze Buch&#8221; der Gemeinde zurückgreifen. Heute existieren weder das &#8220;Schwarze Buch&#8221; der Gemeinde noch ein Lageplan oder andere Informationen, die uns helfen könnten, einzelne Grabsteine zu finden. Auch Wachstein verzichtet leider auf einen Lageplan.</p>
<div class="mittig1F">
<a rel="lightbox[270110]" title="Ausschnitt aus dem hebräischen Teil in Wachsteins Buch über den älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/wachsteinGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/wachstein.jpg" width="300" height="145" alt="Ausschnitt aus Wachsteins Buch, der die drei verschiedenen Nummerierungen zeigt" /></a>
</div>
<p class="abstand">Bleibt abschließend zu wiederholen: Der ältere jüdische Friedhof in Eisenstadt ist ein Beispiel, bei dem die Bestandssicherung mit der Sicherung von Inschriften, im konkreten Fall etwa mit der Zuordnung der Grabsteine zu den bereits vorhanden Abschriften Wachsteins, beginnen muss.</p>
<p class="tipp"><em>Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir einen Blick auf die Fotos vom älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt auf unserer <a href="http://www.facebook.com/ojmEisenstadt?v=photos#/album.php?aid=141597&#038;id=200220177996" title="Externer Link zu 'facebook.com/ojmEisenstadt'">Facebook-Seite</a>.</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ojm.at/blog/2010/01/27/der-aeltere-juedische-friedhof-in-eisenstadt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Am jüdischen Friedhof II</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2010/01/10/am-juedischen-friedhof-ii/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2010/01/10/am-juedischen-friedhof-ii/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 10 Jan 2010 10:06:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[hebräisch]]></category>
		<category><![CDATA[wien]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=115</guid>
		<description><![CDATA[Arnstein, 20 Millionen und die &#8220;fremden&#8221; Friedhöfe Aus gegebenem Anlass soll dieser Beitrag als zweiter Beitrag unserer kleinen Serie &#8220;Am jüdischen Friedhof&#8221; eingeschoben werden. Am 22. Dezember 2009 kam es in Österreich nach neun Jahren endlich zur Einigung, wer die Erhaltung, also die Bestandssicherung der jüdischen Friedhöfe bezahlen und wie die Finanzierung in den kommenden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Arnstein, 20 Millionen und die &#8220;fremden&#8221; Friedhöfe</h3>
<p>Aus gegebenem Anlass  soll dieser Beitrag als zweiter Beitrag unserer kleinen Serie &#8220;Am jüdischen Friedhof&#8221; eingeschoben werden.</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[100109]" title="Der ältere jüdische Friedhof in Eisenstadt, Bild 1"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/ajfe01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/ajfe01.jpg" width="150" height="150" alt="Der ältere jüdische Friedhof in Eisenstadt, Foto: David Peters" /></a></p>
</div>
<p>Am 22. Dezember 2009 kam es in Österreich nach neun Jahren endlich zur <a href="http://derstandard.at/1259282459990/Juedische-Friedhoefe-Ein-verspaetetes-Chanukkageschenk" title="Externer Link zu 'derstandard.at/1259282459990/Juedische-Friedhoefe-Ein-verspaetetes-Chanukkageschenk'">Einigung</a>, wer die Erhaltung, also die Bestandssicherung der jüdischen Friedhöfe bezahlen und wie die Finanzierung in den kommenden 20 Jahren gewährleistet sein soll. Thomas Rottenberg erklärt im <a href="http://derstandard.at/1259282505979/Sanierung-juedischer-Friedhoefe-Graeber-und-Geschenke" title="Externer Link zu 'http://derstandard.at/1259282505979/Sanierung-juedischer-Friedhoefe-Graeber-und-Geschenke'">Standard</a> auch sehr gut, was der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, <abbr>Dr.</abbr> Ariel Muzicant, mit einem &#8220;verspäteten Chanukkageschenk&#8221; gemeint hat. </p>
<p>Im ersten oben verlinkten Beitrag heißt es <abbr>u.a.</abbr>:</p>
<blockquote><p>Länder und Bund hatten jahrelang darüber gestritten, wer für die Erhaltung zahlen soll &#8211; die Friedhöfe waren währenddessen verfallen.
</p></blockquote>
<p>Selbstverständlich verfallen die Friedhöfe nicht erst seit 2001, und doch ist insbesondere in den letzten Jahren der zunehmende Verfall drastisch (drastischer?) und deutlich sichtbar. Es verfallen aber nicht &#8220;nur&#8221; kunsthistorisch mehr oder minder wertvolle und bedeutende Grabdenkmäler, sondern &#8211; insbesondere &#8211; die Lesbarkeit der Inschriften wird jährlich schlechter. Die Grabsteine versinken in der Anonymität, vor allem dann, wenn es &#8211; wie etwa im Burgenland &#8211; keine Protokollbücher der Chevra Kadischa (Heilige Bruderschaft), Memor-Bücher oder gar Friedhofslisten und Lageplanregister gibt.</p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[100109]" title="Der ältere jüdische Friedhof in Eisenstadt, Bild 2"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/ajfe02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/ajfe02.jpg" width="150" height="150" alt="Der ältere jüdische Friedhof in Eisenstadt, Foto: David Peters" /></a></p>
</div>
<p><a href="http://www.ojm.at/blog/2009/11/08/am-juedischen-friedhof-i/" title="Interner Link zum Beitrag 'Am jüdischen Friedhof I'">Noch einmal</a> sei angemerkt, dass es hier im Burgenland 14 jüdische Friedhöfe gibt, deren etwa 8.000 Gräber mit einer Ausnahme (der junge Friedhof in Oberwart, Anfang 20. Jahrhundert) nur hebräische Inschriften aufweisen. Insbesondere diese hebräischen Grabinschriften lassen die Friedhöfe für viele Menschen namenlos und entseelt und damit oft (tendenziell) fremd wirken (siehe etwa auch den unseligen <a href="http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/kultur/2245053/juedische-friedhoefe-werden-restauriert.story" title="Externer Link zu 'kleinezeitung.at...'">2. Kommentar</a> zum Thema).</p>
<p>Die Historikerin Tina Walzer, laut <a href="http://derstandard.at/1259282540879/KOPF-DES-TAGES-Kaempferin-fuer-die-steinernen-Archive" title="Externer Link zu 'derstandard.at...Kopf des Tages...'">derstandard.at</a> die Expertin für jüdische Friedhöfe generell, <a href="http://www.wienweb.at/tvcontent.aspx?menu=1&#038;cid=168603#" title="Externer Link zum Video auf  'wienweb.at'">wünscht als erste Schritte</a>:</p>
<blockquote><p>Man müsste ganz dringend den Bewuchs roden und im Zaum halten und im nächsten Schritt alle besonders wertvollen Grabdenkmäler innerhalb der nächsten drei Jahre sanieren
</p></blockquote>
<p>Wenn diese Aussage auch in erster Linie auf den jüdischen Friedhof Währing abzielt, so stellen sich meines Erachtens doch einige Fragen.<br />
In der ersten Reaktion habe ich getwittert, dass nicht die &#8220;besonders wertvollen Grabdenkmäler&#8221;, sondern die besonders gefährdeten als erstes saniert gehören, also jene, die man in drei Jahren nicht mehr oder noch weniger als heute lesen kann (<a href="http://twitter.com/JewishMuseumAT/status/6938284198" title="Externer Link zum ersten Tweet zum Thema auf 'twitter.com...'">Tweet 1</a>, <a href="http://twitter.com/JewishMuseumAT/status/6938287864" title="Externer Link zum zweiten Tweet zum Thema auf 'twitter.com'">Tweet 2</a>).</p>
<p>Gemeint ist damit:<br />
Was  sind denn nun eigentlich genau &#8220;besonders wertvolle Grabdenkmäler&#8221;?<br />
Es ist schon richtig, dass kunsthistorisch besonders wertvolle Grabdenkmäler ehestmöglich renoviert werden müssen, und es ist meist auch richtig, dass die großen Namen wie Wertheim(b)er, Russo, Königswarther oder Arnstein und Eskeles eben diese (aus kunsthistorischer Sicht) besonders wertvollen Grabdenkmäler besitzen.</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[100109]" title="Der ältere jüdische Friedhof in Eisenstadt, Bild 3"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/ajfe03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/ajfe03.jpg" width="150" height="150" alt="Der ältere jüdische Friedhof in Eisenstadt, Foto: David Peters" /></a></p>
</div>
<p>Auf den jüdischen Friedhöfen im Burgenland &#8211; die ältesten Grabsteine stammen immerhin aus dem Ende des 17. Jahrhunderts &#8211; finden wir aber keine Wertheimers oder Arnsteins und die bedeutenden Rabbiner haben zumeist genauso einfache Grabsteine wie die einfachsten Gemeindemitglieder. Grabmäler aus (Kalk)Sandstein sind mehr oder minder Standard, aber &#8211; im Gegensatz etwa zum <a href="http://www.waehringer-friedhof.at/bild/rundgang:Neuer-ordner-070" title="Externer Link zu 'waehringer-friedhof.at...'">Währinger Friedhof</a> &#8211; in den allermeisten Fällen kein Zeichen dafür, dass die Toten ärmere Gemeindemitglieder gewesen wären. Selbst die (hebräischen) Grabinschriften lassen vom Umfang her oft nicht auf die Bedeutung der Bestatteten schließen, berühmte Rabbiner haben mitunter bescheidene und auffällig kurze Grabinschriften (siehe etwa das <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/08/31/hebraeischkurs-2009/#rm" title="Interner Link zum Beitrag 'Hebräischkurs-2009'">Grab von Rabbi Meir Eisenstadt</a>).</p>
<p>Außer auf dem (aufgearbeiteten) <a href="http://www.ojm.at/publikationen/friedhof/" title="Interner Link zur Publikation 'Hier in der heiligen jüdischen Gemeinde' auf unserer statischen Website">jüngeren jüdischen Friedhof von Eisenstadt</a> können heute so gut wie keine konkreten Gräber auf den jüdischen Friedhöfen des Burgenlandes gefunden werden. </p>
<p>Einer der Feinde des Verstehens ist die Anonymität und es gilt dringend, hebräische Inschriften auf jüdischen Grabsteinen dieser Anonymität zu entreißen, auch, damit sie vielleicht von weniger Menschen als fremd wahrgenommen werden. Und auch dann, wenn die Toten keine berühmten Personen waren und ihre Inschriften für biografische Forschungen nur sehr bedingt verwendbar und durch ihre Stereotypie sogar oft nur von mäßigem Interesse sein mögen. </p>
<p>Ich würde mir wünschen, dass die Erhaltung der jüdischen Friedhöfe (nicht nur) im Burgenland nicht immer mit dem Reparieren der Friedhofszäune beginnt und dem Aufstellen von umgefallenen Grabsteinen endet &#8230;</p>
<p class="tipp">In der nächsten Folge dieser Serie dann der ursprünglich für heute geplante Beitrag: Wie Sie auch ohne großartige Hebräischkenntnisse Namen und Todesdaten in hebräischen Inschriften finden und übersetzen können &#8230;</p>
<p class="tipp"><em>Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir einen virtuellen Ausflug auf den <a href="http://www.waehringer-friedhof.at/" title="Externer Link zu 'waehringer-friedhof.at'">jüdischen Friedhof Währing</a> (<span lang="en" xml:lang="en">Website</span> leider nicht ganz aktuell).</em></p>
<p class="tipp"><span lang="en" xml:lang="en">Update 11. Jänner</span>: <a href="http://www.marco-schreuder.at/2010/01/judische-friedhofe-post-von-ariel.html" title="Externer Link zu 'marco-schreuder.at'">Marco Schreuder</a> zeigt in seinem Blog einige sehr informative Videos zum Währinger Friedhof, die wir hier &#8211; passend zu unserem Tipp &#8211; einbetten dürfen:</p>
<p><span id="more-115"></span></p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:425px; height:344px" data="http://www.youtube.com/v/EDveT_u6FtM&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/EDveT_u6FtM&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;" /></object>
</div>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:425px; height:344px" data="http://www.youtube.com/v/kaCskHyYstM&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/kaCskHyYstM&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;" /></object>
</div>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:425px; height:344px" data="http://www.youtube.com/v/n7CIbiBJXcE&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/n7CIbiBJXcE&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;" /></object>
</div>
<div class="pagenavi">
<div class="page-nav">
<div class="nav-previous">
&laquo; <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/11/08/am-juedischen-friedhof-i/" title="Bl&auml;ttern Sie zum ersten Beitrag der Serie 'Am jüdischen Friedhof'">  Am jüdischen Friedhof I</a>&nbsp;
</div>
<div class="nav-next">
&nbsp; <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/03/08/am-juedischen-friedhof-iii/" title="Bl&auml;ttern Sie zum dritten Beitrag der Serie 'Am jüdischen Friedhof'"> Am jüdischen Friedhof III</a> &raquo;
</div>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ojm.at/blog/2010/01/10/am-juedischen-friedhof-ii/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Grabstein Mittelalter V</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2009/11/29/grabstein-mittelalter-v/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2009/11/29/grabstein-mittelalter-v/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 29 Nov 2009 12:38:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[grabsteine mittelalter]]></category>
		<category><![CDATA[hebräisch]]></category>
		<category><![CDATA[wiener neustadt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=94</guid>
		<description><![CDATA[Dieser Grabstein ist der fünfte von links der Installation der fünf mittelalterlichen Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt. Untenstehend zwei Fotos des Grabsteines mit unterschiedlichen Qualitäten (auch zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen), um eine möglichst korrekte Lesung der Inschrift zu ermöglichen. Der Grabstein war wahrscheinlich ein Doppelgrabstein. Die linke Hälfte, von der nur mehr ein kleiner [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Grabstein ist der fünfte von links der <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/11/22/praesentation-der-mittelalterlichen-grabsteine/" title="Interner Link zum Beitrag 'Präsentation der mittelalterlichen Grabsteine'">Installation</a> der fünf mittelalterlichen Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt.</p>
<p>Untenstehend zwei Fotos des Grabsteines mit unterschiedlichen Qualitäten (auch zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen), um eine möglichst korrekte Lesung der Inschrift zu ermöglichen.<br />
Der Grabstein war wahrscheinlich ein Doppelgrabstein. Die linke Hälfte, von der nur mehr ein kleiner Rest vorhanden ist, wird unten im Anschluss an die rechte Hälfte transkribiert (und übersetzt).</p>
<p class="centered"><strong>Rachel, Tochter des Zvi Hirsch, 03. Marcheschvan (5)445 = (Mittwoch,) 12. Oktober 1684?</strong></p>
<div id="mittig2f">
<ul id="bildchen2">
<li><a rel="lightbox[291109]" title="Grabstein von Rachel?, Tochter von Zvi Hirsch?, 1684?" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAG05GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAG05.jpg" width="250" height="216" alt="5. Grabstein (von links) der Installation mittelalterlicher jüdischer Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[291109]" title="Grabstein von Rachel?, Tochter von Zvi Hirsch?, 1684?" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAG05aGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAG05a.jpg" width="250" height="216" alt="5. Grabstein (von links) der Installation mittelalterlicher jüdischer Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt" /></a></li>
</ul>
</div>
<p><br class="clear" /></p>
<p class="centered"><strong>Rechte Hälfte des Grabsteins:</strong></p>
<div class="category">
<div class="centeredHeb">
<p><strong>1. Zeile: </strong></p>
<p>[Ihre See]le? ging hinweg<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>2. Zeile: </strong></p>
<p>Frau? Rachel N.N.<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>3. Zeile: </strong></p>
<p>Tochter? d(es Herrn) Z(vi) H(irsch)?, Gatti(n) des?<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>4. Zeile: </strong></p>
<p>e(hrbaren) H(errn) Chaj(im)? Dieses ist<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>5. Zeile: </strong></p>
<p>ihr Grabm(al).<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>6. Zeile: </strong></p>
<p>(Sie verstarb am) 3.? Marcheschvan 445? (= 1684)<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>7. Zeile: </strong></p>
<p>[I(hre)] S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). A(men), A(men), S(ela)<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
</div>
</div>
<div class="archives">
<div class="centered">
<p><strong>1. Zeile: </strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">[נפש]ה יצתה</span></p>
<p><strong>2. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">[.]מר רחל במו[ד]</span></p>
<p><strong>3. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">בת ר צה רעיית[ו]</span></p>
<p><strong>4. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">חי ה וזאת</span></p>
<p><strong>5. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">[מ]צבת קבורתה</span></p>
<p><strong>6. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">[ג] מרחשון מתה</span></p>
<p><strong>7. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">[ת]נצבה א א ס</span></p>
</div>
</div>
<p><br class="clearboth" /></p>
<p class="centered"><strong>Linke Hälfte des Grabsteins:</strong></p>
<div class="category">
<div class="centeredHeb">
<p><strong>1. Zeile: </strong></p>
<p>Das Leben &#8230;?<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>2. Zeile: </strong></p>
<p>Spross <span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>3. Zeile: </strong></p>
<p>er unterstützte?<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>4. Zeile: </strong></p>
<p>im/bei Mensch(en)?<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>5. Zeile: </strong></p>
<p>nach?/fremden?<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>6. Zeile: </strong></p>
<p>S([eine Seele möge eingebunden sein im Bund des Lebens)]?<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>7. Zeile: </strong></p>
<p>A[men]?<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
</div>
</div>
<div class="archives">
<div class="centered">
<p><strong>1. Zeile: </strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">חיית</span></p>
<p><strong>2. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">צמח</span></p>
<p><strong>3. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">וירפד</span></p>
<p><strong>4. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">באד[מ]</span></p>
<p><strong>5. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">אחר</span></p>
<p><strong>6. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">[ת]נצבה</span><br />
&nbsp;</p>
<p><strong>7. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">א[מן]</span></p>
</div>
</div>
<p><br class="clearboth" /></p>
<p>Die Inschrift bzw. beide Inschriften sind sehr schlecht zu lesen, sowohl Transkription als auch der Übersetzungsversuch (inklusive Datierung) sind mit vielen Fragezeichen zu versehen.</p>
<p><strong>Rechte Hälfte des Grabsteins:</strong></p>
<p><strong>2. Zeile</strong>:<br />
Das מר (könnte auch מת sein) ist unsicher, demzufolge auch der Vorname Rachel. Das letzte Wort der Zeile könnte ein zweiter Vorname sein? Oder בת מורנו &#8220;Tochter unseres Lehrers&#8221;? Dann sollte danach allerdings der Name des Vaters stehen. Wenn am Beginn der Zeile מת gelesen wird, sollte nachher der Name eines Mannes stehen, also &#8220;Herr Ch(ajim)? N.&#8221;? Jedenfalls müssten dann in beiden Fällen die 3. und 4. Zeile anders gelesen werden als oben vorgeschlagen.</p>
<p><strong>3. und 4. Zeile</strong>:<br />
Auf den ersten Blick könnte תרצה, Tirza, als ein weiblicher hebräischer Vorname, gelesen werden. Mit dem vorangestellten ב könnte etwa &#8220;Tochter der Tirza&#8221; übersetzt werden? Allerdings wäre der Name der Mutter an dieser Stelle in der Inschrift eher ungewöhnlich.<br />
Oben bevorzugt wurde &#8220;Tochter des Herrn Zvi Hirsch&#8221;, was jedoch voraussetzt, dass beide Namen des Vaters der Verstorbenen abgekürzt angegeben wären. Sowohl dafür als auch für das letzte Wort der Zeile &#8220;Gattin&#8221;, hebräisch רעייה, fehlen mir Belege, die diese Lesung bestätigen könnten. Insbesondere, weil auch die Datierung des Steins sehr unsicher ist. Außerdem ist unklar, was am Beginn der 4. Zeile steht. Es sollte, wenn vorher &#8220;Gattin des&#8221; gelesen wird, der Name des Gatten stehen.</p>
<p><strong>6. Zeile</strong>:<br />
Die Lesung des Monatsnamen &#8220;Marcheschvan&#8221; (Oktober/November) ist naheliegend, davor könnte das Datum stehen. Das ג, also &#8220;3.&#8221; ist nicht eindeutig zu lesen, es kommen selbstverständlich auch יג, כג o.Ä. (also &#8220;13.&#8221;, &#8220;23. <abbr>o.Ä.</abbr>) in Frage. Platz hätten jedenfalls ein ב + ג oder auch ב + יג etc., also &#8220;am 3., 13. &#8230;&#8221;.<br />
Das letzte Wort dieser Zeile sieht wie מתת aus, was aber weder als Wort gelesen einen Sinn ergibt (Geschenk?) noch als Jahreszahl (Zahlenwert 840). Stimmt die Lesung der Wörter davor, ist an dieser Stelle die Jahreszahl zu erwarten.<br />
Oben vorgeschlagen wurde die Lesung מתה (&#8220;sie verstarb&#8221;) und, dass der Zahlenwert des hebräischen Wortes (445) zur Angabe des Sterbejahres dient. </p>
<p>Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass auch gelesen werden könnte: מדד, מדה oder מהד &#8211; was die Zahlenwerte 48 oder 49 (1288 oder 1289) ergeben würde. Da der Monat Marcheschvan im Herbst liegt, würde das Sterbejahr 1287 oder 1288 sein. Eine Frühdatierung dieses Grabsteins ins Ende des 13. Jahrhunderts halte ich aber schon aus sprachlichen Gründen für eher unwahrscheinlich.<br />
Ebenso gelesen werden könnte מרר, מרד oder מדר, was die Zahlenwerte 244 <abbr>bzw.</abbr> 440 ergeben würde. Das wären umgerechnet die Jahre 1484 <abbr>bzw.</abbr> 1680, wegen des Herbstmonats also 1483 <abbr>bzw.</abbr> 1679. Da die Buchstaben aber als Wort gelesen, zumindest im Kontext, kaum oder keinen Sinn machen, ist nicht erklärlich, warum bei der Angabe der Jahreszahl nicht mit der Hunderterzahl, in diesem Fall also mit dem ר, begonnen wird (200). Als Wort gelesen werden müsste מרר &#8220;bitter&#8221;, also der &#8220;bittere Marcheschvan&#8221; (weil kein Feiertag in diesem Monat).</p>
<p> <strong>Linke Hälfte des Grabsteins:</strong></p>
<p>Ausführlichere Anmerkungen zur Inschrift auf der linken Hälfte des Grabsteins sind müßig, da jede Zeile mit Fragezeichen zu versehen ist.<br />
Es kann nicht einmal mit Sicherheit gesagt werden, ob es sich beim Verstorbenen tatsächlich um einen Mann handelt.</p>
<p><strong>1. und 3. Zeile</strong>:<br />
In der 1. Zeile wird ein Substantiv bevorzugt, weil die Lesung als Verb, 2. Person &#8220;du lebtest&#8221;  einen doch unwahrscheinlichen Wechsel der Person &#8211; in der 3. Zeile: &#8220;er&#8221; &#8211; zur Folge hätte.</p>
<p><strong>Wenig erfreuliche Schlussbemerkung: </strong><br />
Die Jahreszahl 1483 würde &#8211; rein historisch gesehen &#8211; Sinn machen, weil die jüdische Gemeinde Wiener Neustadt bis 1496 bestand. Da es im 17. Jahrhundert weder Gemeinde noch Friedhof gab, passt die Datierung nicht zu den vorhandenen historischen Belegen. Sozusagen leider, weil der Textbefund (meines Erachtens) doch eher 1684 nahelegt. Das Problem der historischen Dissonanz kennen wir auch schon vom <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/11/25/grabstein-mittelalter-iv/" title="Interner Link zum Beitrag 'Grabstein Mittelalter IV'">Grabstein IV</a>.<br />
Das umgerechnete Datum für 1483 wäre Samstag, 13. Oktober 1483. Allerdings ist auch die Jahreszahl 1483, genausowenig wie 1679 und 1684, in der Literatur ausgewiesen.</p>
<p>Ich sage Frau <abbr>Dr.</abbr> Tirza Lemberger herzlichen Dank, dass sie sich Zeit genommen hat, mich bei der Lesung dieser Inschrift zu unterstützen!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ojm.at/blog/2009/11/29/grabstein-mittelalter-v/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Grabstein Mittelalter IV</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2009/11/25/grabstein-mittelalter-iv/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2009/11/25/grabstein-mittelalter-iv/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 25 Nov 2009 13:17:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[grabsteine mittelalter]]></category>
		<category><![CDATA[hebräisch]]></category>
		<category><![CDATA[wiener neustadt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=92</guid>
		<description><![CDATA[Dieser Grabstein ist der vierte von links der Installation der fünf mittelalterlichen Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt. Die Punkte über den hebräischen Buchstaben (die man heute leider nicht mehr sieht, siehe unten) werden in der Transkription mit einfachen Anführungszeichen angedeutet. Kela, Tochter des Jehuda, 5. Schvat (5)311 = (Montag,) 22. Jänner 1551 [1. Zeile:] [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Grabstein ist der vierte von links der <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/11/22/praesentation-der-mittelalterlichen-grabsteine/" title="Interner Link zum Beitrag 'Präsentation der mittelalterlichen Grabsteine'">Installation</a> der fünf mittelalterlichen Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt.</p>
<p>Die Punkte über den hebräischen Buchstaben (die man heute leider nicht mehr sieht, siehe unten) werden in der Transkription mit einfachen Anführungszeichen angedeutet. </p>
<p class="centered"><strong>Kela, Tochter des Jehuda, 5. Schvat (5)311 = (Montag,) 22. Jänner 1551</strong></p>
<div class="mittig1F">
<a rel="lightbox[261109]" title="Grabstein von Frau Kela, Tochter des Jehuda, aus dem Jahr 1551? auf dem jüdischen Friedhof Wiener Neustadt" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAG04GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAG04.jpg" width="300" height="349" alt="Grabstein von Frau Kela, Tochter des Jehuda, aus dem Jahr 1551? auf dem jüdischen Friedhof Wiener Neustadt" /></a>
</div>
<div class="category">
<div class="centeredHeb">
<p><strong>[1. Zeile:] </strong></p>
<p>[Ich stimme die Totenklage an]<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>[2. Zeile:] </strong></p>
<p>[über die bedeutende und angesehene<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>[3. Zeile:] </strong></p>
<p>[Frau. All ihre Taten]<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>[4. Zeile:] </strong></p>
<p>[vollbrachte sie im Glauben. Sie war eine t(üchige und)]<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>5. Zeile: </strong></p>
<p>[g(ottes)f(ürchtige) Frau),] Frau [Kela, Tochter des]<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>6. Zeile: </strong></p>
<p>[H(errn)] Jehuda. Sie wurde begrab(en)<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>7. Zeile: </strong></p>
<p>am 5. Schvat 311? (= 1551)<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>8. Zeile: </strong></p>
<p>n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens).<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>9. Zeile: </strong></p>
<p>Amen, Amen<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>10. Zeile: </strong></p>
<p>Sela, Sela<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
</div>
</div>
<div class="archives">
<div class="centered">
<p><strong>[1. Zeile:] </strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">[אשא קינה]</span></p>
<p><strong>[2. Zeile:]</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">[על אשה חשובה]</span></p>
<p><strong>[3. Zeile:]</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">[והגונה וכל מעשיה]</span></p>
<p><strong>[4. Zeile:]</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">[היתה באמונה אשת]</span><br />
&nbsp;</p>
<p><strong>5. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">[ח' י'א'] מרת [קילה בת]</span></p>
<p><strong>6. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">[ר'] יהודה ונקבר[ה]</span></p>
<p><strong>7. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">ביום ה&#8217; שנת ש&#8217;ב&#8217;ט</span></p>
<p><strong>8. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">לפרט ת&#8217;נ&#8217;צ&#8217;ב&#8217;ה</span><br />
&nbsp;</p>
<p><strong>9. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">אמן אמן</span></p>
<p><strong>10. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">סלה סלה</span></p>
</div>
</div>
<p><br class="clearboth" /></p>
<p>Die Inschrift ist nur teilweise deutlich lesbar. Im Bereich von Zeile 5 ist der Stein (nach 1927) abgebrochen. Max Pollak kannte offensichtlich noch den ganzen Stein und transkribierte daher die Inschrift von Zeile 1 an (Max Pollak &#8220;Die Juden in Wiener Neustadt. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Österreich”, Wien 1927, Seite 112). Der Text dieser ersten vier Zeilen und der Großteil von Zeile 5 stehen demzufolge oben in eckigen Klammern.</p>
<p><strong>4./5. Zeile</strong>:<br />
אשת ח&#8217; י&#8217;א&#8217; ist aufzulösen in: אשת חיל יראת אלהים. Der erste Teil in Anlehnung an Sprüche 31,10 &#8220;Eine tüchtige Frau, wer findet sie?&#8221;</p>
<p><strong>7. Zeile</strong>: </p>
<blockquote><p>Das Datum ist hier nur mit Vorbehalt angesetzt, da für das Jahr 1551 das Vorhandensein eines jüdischen Friedhofes in Wiener Neustadt nicht bezeugt erscheint.
</p></blockquote>
<p><cite>Max Pollak, a.a.O., S. 112</cite></p>
<p>Ich folge Pollak und lese ebenfalls 311. Da die Jahreszahl mit dem Wort Schvat, also dem Monatsnamen, dargestellt wird (eine sehr elegante Lösung), haben wir wenig Spielraum für andere Interpretationen. Wörtlich gelesen also etwa: &#8220;Am 5. des Jahres Schvat&#8221;.</p>
<p>ביום ה&#8217; könnte auch &#8220;am Donnerstag&#8221; bedeuten, in diesem Fall würde aber das Tagesdatum fehlen. Lesen wir statt Schvat תבט, ergäbe der Zahlenwert das Jahr 411, umgerechnet 1651. Bei dieser Lesung würde aber die Monatsangabe fehlen und außerdem ist für 1651 auch kein jüdischer Friedhof für Wiener Neustadt belegt. </p>
<p>Pollak gibt als (umgerechnetes) Sterbedatum den 12. Jänner 1511 (?) an. Das ist auch das korrekte Datum nach dem damals (vor 1582) gültigen Julianischen Kalender. Nach dem Gregorianischen Kalender ist der 5. Schvat der 22. Jänner 1551.</p>
<blockquote><p>Der Stil der Inschrift ist bis auf die Schlussformel ähnlich dem in neuerer Zeit (17. bis 18. Jahrhundert) gebräuchlichen und wäre wohl geeignet, die Herkunft des Grabsteines aus einer Übergangszeit zwischen zwei Stilgattungen, zwischen dem 13. bis 15. Jahrhundert einerseits, und dem 17. Jahrhundert andererseits zu bestätigen.</p></blockquote>
<p><cite>Max Pollak, a.a.O., S. 112</cite></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ojm.at/blog/2009/11/25/grabstein-mittelalter-iv/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Grabstein Mittelalter III</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2009/11/25/grabstein-mittelalter-iii/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2009/11/25/grabstein-mittelalter-iii/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 25 Nov 2009 06:57:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[grabsteine mittelalter]]></category>
		<category><![CDATA[hebräisch]]></category>
		<category><![CDATA[wiener neustadt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=90</guid>
		<description><![CDATA[Dieser Grabstein ist der dritte von links der Installation der fünf mittelalterlichen Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt. Untenstehend zwei Fotos des Grabsteines mit unterschiedlichen Qualitäten (auch zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen), um eine möglichst korrekte Lesung der Inschrift zu ermöglichen. Die Schwalben über den hebräischen Buchstaben werden in der Transkription mit einfachen Anführungszeichen angedeutet. Simcha, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Grabstein ist der dritte von links der <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/11/22/praesentation-der-mittelalterlichen-grabsteine/" title="Interner Link zum Beitrag 'Präsentation der mittelalterlichen Grabsteine'">Installation</a> der fünf mittelalterlichen Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt.</p>
<p>Untenstehend zwei Fotos des Grabsteines mit unterschiedlichen Qualitäten (auch zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen), um eine möglichst korrekte Lesung der Inschrift zu ermöglichen.<br />
Die Schwalben über den hebräischen Buchstaben werden in der Transkription mit einfachen Anführungszeichen angedeutet. </p>
<p class="centered"><strong>Simcha, Sohn des Eljakim, Sonntag, 25. Kislew (5)107 = 18. Dezember 1346</strong></p>
<div id="mittig2e">
<ul id="bildchen9">
<li><a rel="lightbox[251109]" title="Grabstein von Simcha, Sohn des Eljakim, 1346" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAG03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAG03.jpg" width="250" height="274" alt="3. Grabstein (von links) der Installation mittelalterlicher jüdischer Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt'" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[251109]" title="Grabstein von Simcha, Sohn des Eljakim, 1346" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAG03aGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAG03a.jpg" width="250" height="274" alt="3. Grabstein (von links) der Installation mittelalterlicher jüdischer Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt'" /></a></li>
</ul>
</div>
<p><br class="clear" /></p>
<div class="category">
<div class="centeredHeb">
<p><strong>1. Zeile: </strong></p>
<p>Das ist der Stein, den<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>2. Zeile: </strong></p>
<p>ich setzte als Grabmal zu Häupten <span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>3. Zeile: </strong></p>
<p>d(es Herrn) Simcha, S(ohn) d(es Herrn) Eljakim,<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>4. Zeile: </strong></p>
<p>der erschlagen wurde, weil er nicht frevelte<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>5. Zeile: </strong></p>
<p>mit seinen Händen, und begraben wurde am Sonntag, dem 25.<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>6. Zeile: </strong></p>
<p>Kislew im Jahr 107<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>7. Zeile: </strong></p>
<p>n(ach) d(er) k(leinen) Z(eitrechnung). G(ott) möge ihm sein Blut rä(chen)<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>8. Zeile: </strong></p>
<p>bald in unseren Tagen. S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens).<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
</div>
</div>
<div class="archives">
<div class="centered">
<p><strong>1. Zeile: </strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">האבן הזאת אשר</span></p>
<p><strong>2. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">שמתי מצבה לראש</span></p>
<p><strong>3. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">ר&#8217; שמחה ב&#8217;ר&#8217; אליקים</span></p>
<p><strong>4. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">הנהרג על לא חמס</span></p>
<p><strong>5. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">בכפיו ונקבר ביו&#8217;א&#8217; כ&#8217;ה&#8217;</span><br />
&nbsp;</p>
<p><strong>6. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">לכסליו בשנת ו&#8217;י&#8217;צ&#8217;א&#8217;</span></p>
<p><strong>7. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">לפרט והש&#8217; ינקו&#8217; דמו</span><br />
&nbsp;</p>
<p><strong>8. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">במהרה בימינו ו&#8217;ת&#8217;נ&#8217;צ&#8217;ב&#8217;ה</span></p>
</div>
</div>
<p><br class="clearboth" /></p>
<p>Die Inschrift ist sehr gut lesbar.</p>
<p><strong>4. und 5. Zeile</strong>:<br />
Herr Simcha dürfte ein (frühes) Opfer der Verfolgungen der Juden in der Zeit des Schwarzen Todes gewesen sein. לא חמס בכפיו &#8220;Er frevelte nicht mit seinen Händen&#8221; bedeutet, dass er seinem Glauben nicht abtrünnig geworden ist.<br />
Der letzte Buchstabe in Zeile 5 sieht aus wie ein ד (Zahlenwert 4), am Stein selbst ist aber noch schwach ein ה zu erkennen. Da auch der Wochentag, Sonntag, angegeben ist, liegt der 25. Kislew nahe.</p>
<p><strong>6. Zeile</strong>:<br />
Die Inschrift (hebräische Transkription und kurzen Anmerkungen zu den Zeilen 4, 5, 7 und 8) wurde schon von Max Pollak aufgenommen in: Die Juden in Wiener Neustadt. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Österreich”, Wien 1927, Seite 111f.<br />
Pollak gibt als (umgerechnetes) Sterbedatum Sonntag, den 10. Dezember 1346 an. Das ist auch das korrekte Datum nach dem damals (vor 1582) gültigen Julianischen Kalender. Nach dem Gregorianischen Kalender ist der 25. Kislev der 18. Dezember 1346.</p>
<p>Die Jahreszahl 107 wird mit dem Wort ויצא dar- und damit eine bewusste Assoziation mit dem euphemistischen Ausdruck für &#8220;sterben&#8221; יצאה נפשה/נשמה &#8220;Seine Seele schied&#8221; hergestellt (wörtlich also etwa: &#8220;im Jahr, in dem seine Seele schied&#8221; = 107).</p>
<p><strong>7. und 8. Zeile</strong>:<br />
&#8220;In einer auf Grabinschriften wohl selten anzutreffenden Leidenschaftlichkeit wird denn auch hier dem Wunsche, dass &#8216;bald, in unseren Tagen&#8217; sein Blut gerächt werde, Ausdruck gegeben&#8221;, schreibt Pollak auf Seite 112.<br />
Anzumerken ist, dass zur Vorstellung, dass der ungerecht erlittene Tod sühnende Kraft hat, als ihre Ergänzung der Glaube an die Vergeltung gehört. Aus Deuteronomium (5. Buch Mose) 32, 43b &#8220;ונקם ישיב לצריו וכפר אדמתו עמו&#8221; &#8220;Denn er erzwingt die Strafe für das Blut seiner Söhne und entsühnt das Land seines Volks&#8221; wird häufig eine Euphemie für Märtyrer und Opfer der Gewalt. Oft auch in Verbindung mit dem Epitheton הקודש &#8220;der Heilige&#8221; als eine Art Ehrentitel.<br />
<abbr>Vgl.</abbr> dazu Dr. Zunz, Geschichte und Literatur, Erster Band, Berlin 1845, 334f.<br />
Obowhl Herr Simcha den Ehrentitel &#8220;der Heilige&#8221; nicht erhält, muss er aber selbstredend als Märtyrer bezeichnet werden.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ojm.at/blog/2009/11/25/grabstein-mittelalter-iii/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Grabstein Mittelalter II</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2009/11/24/grabstein-mittelalter-ii/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2009/11/24/grabstein-mittelalter-ii/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 24 Nov 2009 07:04:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[grabsteine mittelalter]]></category>
		<category><![CDATA[hebräisch]]></category>
		<category><![CDATA[wiener neustadt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=88</guid>
		<description><![CDATA[Dieser Grabstein ist der zweite von links der Installation der fünf mittelalterlichen Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt. Die Punkte über den hebräischen Buchstaben werden in der Transkription mit einfachen Anführungszeichen angedeutet. N. N., Tochter des Jakob, Gattin des Herrn Rachem, Dienstag, 20. Ijjar (5)101 = 16. Mai 1341 1. Zeile: [...] 2. Zeile: Tochter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Grabstein ist der zweite von links der <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/11/22/praesentation-der-mittelalterlichen-grabsteine/" title="Interner Link zum Beitrag 'Präsentation der mittelalterlichen Grabsteine'">Installation</a> der fünf mittelalterlichen Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt.</p>
<p>Die Punkte über den hebräischen Buchstaben werden in der Transkription mit einfachen Anführungszeichen angedeutet. </p>
<p class="centered"><strong><abbr class="hilfe" title="nomen nescio">N. N.</abbr>, Tochter des Jakob, Gattin des Herrn Rachem, Dienstag, 20. Ijjar (5)101 = 16. Mai 1341</strong></p>
<div class="mittig1F">
<a rel="lightbox[241109]" title="Grabstein aus dem Jahr 1341 auf dem jüdischen Friedhof Wiener Neustadt" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAG02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAG02.jpg" width="300" height="325" alt="Mittelalterlicher Grabstein am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt, 1341" /></a>
</div>
<div class="category">
<div class="centeredHeb">
<p><strong>1. Zeile: </strong></p>
<p>[...]</p>
<p><strong>2. Zeile: </strong></p>
<p>Tochter d(es) f(rommen) H(errn) Jakob, Gatt[in] <span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>3. Zeile: </strong></p>
<p>d(es) f(rommen) H(errn) Rachem, die hinwegging,<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>4. Zeile: </strong></p>
<p>in ihre Welt am 20. Ijjar<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>5. Zeile: </strong></p>
<p>101 (= 1341) n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung), am Dienstag.<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>6. Zeile: </strong></p>
<p>I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens), A(men), A(men), A(men), S(ela), S(ela), S(ela)<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
</div>
</div>
<div class="archives">
<div class="centered">
<p><strong>1. Zeile: </strong></p>
<p>[...]</p>
<p><strong>2. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">בת הח&#8217;ר&#8217; יעקב אש[ת]</span></p>
<p><strong>3. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">הח&#8217;ר&#8217; רחם שהלכה</span></p>
<p><strong>4. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">לעולמה כ&#8217; לאייר</span></p>
<p><strong>5. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">ק&#8217;א&#8217; לפרט ביו&#8217; ג&#8217;</span><br />
&nbsp;</p>
<p><strong>6. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">ות&#8217;נצ&#8217;ב&#8217;ה&#8217; א&#8217;א&#8217;א&#8217;ס&#8217;ס&#8217;ס&#8217; </span></p>
</div>
</div>
<p><br class="clearboth" /></p>
<p>Die Inschrift ist deutlich lesbar. Leider fehlt der Name der Verstorbenen, den wir wohl in der ersten, nicht mehr lesbaren Zeile, vermuten dürfen.</p>
<p><strong>2. und 3. Zeile</strong>:<br />
In beiden Zeilen ist die Lesung החר nicht ganz sicher, es könnte auch ההר sein.<br />
Lesen wir als zweiten Buchstaben ein ח, wäre es ausgeschrieben האיש החסיד רב (der fromme Mann; das ח kann natürlich auch als Abkürzung für חכם &#8220;weise&#8221; gelesen werden, also dann &#8220;der weise Mann&#8221; <abbr>o.Ä.</abbr>).<br />
Lesen wir als zweiten Buchstaben ein ה, wäre es ausgeschrieben האיש הנכבד oder האיש היקר (der geehrte oder teure Herr) <abbr>o.Ä.</abbr></p>
<p>Die Inschrift (nur hebräische Transkription) wurde schon von Max Pollak aufgenommen in: Die Juden in Wiener Neustadt. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Österreich”, Wien 1927, Seite 111.<br />
Pollak gibt als (umgerechnetes) Sterbedatum Dienstag, den 08. Mai 1341 an. Das ist auch das korrekte Datum nach dem damals (vor 1582) gültigen Julianischen Kalender. Nach dem Gregorianischen Kalender ist der 20. Ijjar der 16. Mai 1341.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ojm.at/blog/2009/11/24/grabstein-mittelalter-ii/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Grabstein Mittelalter I</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2009/11/23/grabstein-mittelalter-i/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2009/11/23/grabstein-mittelalter-i/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 12:29:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[grabsteine mittelalter]]></category>
		<category><![CDATA[hebräisch]]></category>
		<category><![CDATA[wiener neustadt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=81</guid>
		<description><![CDATA[Dieser Grabstein ist der erste von links der Installation der fünf mittelalterlichen Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt. Untenstehend zwei Fotos des Grabsteines mit unterschiedlichen Qualitäten, um eine möglichst korrekte Lesung der Inschrift zu ermöglichen. Die Punkte über den hebräischen Buchstaben werden in der Transkription mit einfachen Anführungszeichen angedeutet. Joschua, Sohn des Jakob, 12. Adar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Grabstein ist der erste von links der <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/11/22/praesentation-der-mittelalterlichen-grabsteine/" title="Interner Link zum Beitrag 'Präsentation der mittelalterlichen Grabsteine'">Installation</a> der fünf mittelalterlichen Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt.</p>
<p>Untenstehend zwei Fotos des Grabsteines mit unterschiedlichen Qualitäten, um eine möglichst korrekte Lesung der Inschrift zu ermöglichen.<br />
Die Punkte über den hebräischen Buchstaben werden in der Transkription mit einfachen Anführungszeichen angedeutet. </p>
<p class="centered"><strong>Joschua, Sohn des Jakob, 12. Adar (50)28 = (Dienstag,) 06. März 1268?</strong></p>
<div id="mittig2d">
<ul id="bildchen8">
<li><a rel="lightbox[231109]" title="Grabstein von Joschua, Sohn des Jakob, 1268?" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAG01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAG01.jpg" width="255" height="333" alt="1. Grabstein (von links) der Installation mittelalterlicher jüdischer Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt'" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[231109]" title="Grabstein von Joschua, Sohn des Jakob, 1268?" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAG01aGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAG01a.jpg" width="255" height="333" alt="1. Grabstein (von links) der Installation mittelalterlicher jüdischer Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt'" /></a></li>
</ul>
</div>
<p><br class="clear" /></p>
<div class="category">
<div class="centeredHeb">
<p><strong>1. Zeile: </strong></p>
<p>Dieses Grabmal<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>2. Zeile: </strong></p>
<p>(steht) zu Häupt(en) <span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>3. Zeile: </strong></p>
<p>d(es Herrn) Joschua,<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>4. Zeile: </strong></p>
<p>S(ohn), d(es Herrn) Jakob,<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>5. Zeile: </strong></p>
<p>der hinwegging<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>6. Zeile: </strong></p>
<p>in seine Welt<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>7. Zeile: </strong></p>
<p>am 12. Adar<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>8. Zeile: </strong></p>
<p>d(es Jahres) 28 (= 1268)<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
<p><strong>9. Zeile:</strong></p>
<p>[...]<span class="hebr">&nbsp;</span></p>
</div>
</div>
<div class="archives">
<div class="centered">
<p><strong>1. Zeile: </strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">ציון</span></p>
<p><strong>2. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">הלז לרא&#8217; </span></p>
<p><strong>3. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">ר&#8217; ישוע</span></p>
<p><strong>4. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">בר&#8217; יעקב</span></p>
<p><strong>5. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">שהלך</span></p>
<p><strong>6. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">לעולמו</span></p>
<p><strong>7. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">בי&#8217;ב&#8217; לאד&#8217;ר</span></p>
<p><strong>8. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">ש&#8217; כח&#8217;</span></p>
<p><strong>9. Zeile:</strong></p>
<p>[...]</p>
</div>
</div>
<p><br class="clearboth" /></p>
<p>Die Inschrift ist bis inklusive Zeile 6 deutlich lesbar.</p>
<p><strong>7. Zeile</strong>:<br />
Wird der erste Buchstabe als ב gelesen, bietet sich an, die beiden Buchstaben mit den Punkten, י und ב, als Zahl, nämlich 12, zu lesen.<br />
Beim 2. Wort dieser Zeile ist nicht ganz klar, warum sich über dem ד ein Punkt befindet. Möglich wäre, dass der Monatsname Adar ursprünglich nur mit &#8216;אד geschrieben wurde und der Punkt über dem ד das fehlende ר andeutet. Dann hätten wir eine Parallele zur 2. Zeile, in der das א im Wort ראש einen Punkt erhält, um das fehlende ש anzudeuten. Das ר von אדר könnte später geschrieben worden sein?</p>
<p><strong>8. Zeile</strong><br />
Stimmt die Lesung &#8220;12. Adar&#8221; in der 7. Zeile, können wir nun die Jahreszahl erwarten. Da das ש mit deutlichem Abstand zu den nächsten beiden Buchstaben כ und ח geschrieben wurde, neige ich dazu, das ש als שנת (im Jahr) zu lesen. Der erste nicht mehr indentifizierbare Buchstabe der Zeile könnte ein ב gewesen sein, also בש&#8217; (im Jahr &#8230;). Die Buchstaben כ und ח haben den Zahlenwert 28. Das jüdische Jahr 5028 ist umgerechnet 1268.<br />
Alternativen: Wird das ש zusammen mit כ und ח gelesen, erhalten wir das jüdische Jahr 328 (umgerechnet 1568).<br />
&#8220;28&#8243; als Altersangabe zu lesen &#8211; wie es manche tun &#8211; scheint mir unwahrscheinlich, weil dann das ש kaum erklärbar wäre und außerdem die Altersangabe wohl auch nicht zwischen Monat und Jahr stehen würde.</p>
<p><strong>7. und 8. Zeile</strong>: Nur der Vollständigkeit sei angemerkt: Würde man die Zahlenwerte jener Buchstaben, über denen sich Punkte befinden, zusammenzählen, ד = 4, ש = 300 und ח = 8, erhält man (die Jahreszahl) 312 (umgerechnet 1552). Diese Lesung halte ich allerdings für eher unwahrscheinlich, auch, wenn mir die Punktsetzung nicht restlos erklärlich ist.</p>
<p><strong>9. Zeile</strong>: Diese Zeile ist vollkommen unlesbar. Allerdings halte ich aufgrund der sichtbaren Buchstabenreste etwa ein לאלף ששי (im 6. Jahrtausend, also nach 1240) für möglich. Die Schlusseulogie תנצבה (Seine Seele möge eingebunden sein im Bund des Lebens) hingegen scheint mir unwahrscheinlich.</p>
<p>Bleibt abschließend festzuhalten, dass ich bei der Datierung zum Jahr 1268 neige, im Bewusstsein, dass das Jahr 1568 ebenfalls im Frage kommt (leider satte drei Jahrhunderte Unterschied).</p>
<p><strong>Die Gründe für die Datierung 1268 (wenn das Datum stimmt &#8211; leider vermissen wir noch Quellen, die diese Datierung unterstützen -, wäre dieser Grabstein jedenfalls der zweitälteste in Wiener Neustadt und einer der ältesten in Europa):</strong></p>
<ul>
<li>Die sprachliche Stil der Inschrift spricht für das 13. Jahrhundert, nicht aber für das 16. Jahrhundert.</li>
<li>Ebenso lassen die handwerkliche Ausführung der Gravur sowie die Form der Buchstaben auf ein frühes Datum schließen.</li>
<li>Zwar kein Beweis, aber ein weiteres Indiz für eine Frühdatierung ist, dass wir keine Angabe des Wochentages (Montag, Dienstag <abbr>etc.</abbr>) vorfinden. In Frankfurt/Main etwa stammt der älteste Stein mit der Angabe des Wochentages aus dem Jahr 1283, in Wiener Neustadt aus dem Jahr 1286 (an der Stadtmauer).</li>
<li>An der Stadtmauer in Wiener Neustadt befindet sich ein Grabstein aus dem Jahr 1252, der diesem hier &#8211; in Form und Inhalt &#8211; auffällig ähnlich ist (siehe Bild unten).</li>
</ul>
<div class="mittig1F">
<a rel="lightbox[231109]" title="Der älteste mittelalterliche Grabstein in Wiener Neustadt, 1252" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAS01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/wnMAS01.jpg" width="280" height="373" alt="Mittelalterlicher Grabstein an der Stadtmauer in Wiener Neustadt, 1252" /></a>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ojm.at/blog/2009/11/23/grabstein-mittelalter-i/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Am jüdischen Friedhof I</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2009/11/08/am-juedischen-friedhof-i/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2009/11/08/am-juedischen-friedhof-i/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 08 Nov 2009 14:53:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[hebräisch]]></category>
		<category><![CDATA[wiener neustadt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=73</guid>
		<description><![CDATA[Wie hebräische Grabinschriften der Anonymität entrissen werden: Grundsätzliches &#8211; Ausrüstung &#8211; Hilfsmittel Einerseits gehört das Aufarbeiten von jüdischen Friedhöfen zu den Schwerpunktarbeiten des Museums, andererseits erreichen uns immer wieder (individuelle) Anfragen mit der Bitte um Übersetzung von hebräischen Grabinschriften. Eine Besonderheit aller jüdischen Friedhöfe auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes (mit einer einzigen Ausnahme, dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Wie hebräische Grabinschriften der Anonymität entrissen werden:<br />
Grundsätzliches &#8211; Ausrüstung &#8211; Hilfsmittel</h3>
<p>Einerseits gehört das Aufarbeiten von jüdischen Friedhöfen zu den Schwerpunktarbeiten des Museums, andererseits erreichen uns immer wieder (individuelle) Anfragen mit der Bitte um Übersetzung von hebräischen Grabinschriften. </p>
<p>Eine Besonderheit aller jüdischen Friedhöfe auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes (mit einer einzigen Ausnahme, dem jungen jüdischen Friedhof in <a href="http://www.ojm.at/gemeinden/schlaining/#oberwart" title="Interner Link zur Gemeinde Oberwart auf unserer statischen Website">Oberwart</a>) ist, dass wir ausschließlich Gräber mit hebräischen Grabinschriften finden. Nur sehr selten werden Eigennamen der Verstorbenen zusätzlich mit lateinischen Buchstaben <abbr>bzw.</abbr> Todesdaten in nicht-hebräischer Schreibweise (also <abbr>z.B.</abbr> &#8217;1859&#8242;) angegeben. </p>
<p>Nicht nur, aber besonders hier im Burgenland sind Grabsteine oft wirklich die letzten Zeugen jahrhundertelangen jüdischen Lebens in der Region, die (vielfach sehr textintensiven) Inschriften eine Primärquelle erster Güte zur Erforschung der (inner)jüdischen Geschichte.</p>
<p>Deshalb also hier der erste Teil einer kleinen Serie zum Thema jüdische Friedhöfe, hebräische Grabinschriften und ihre Aufarbeitung.</p>
<p>Das Folgende ist nicht der Bericht eines Restaurators, sondern ein grober Erfahrungsbericht über die praktische Arbeit auf jüdischen Friedhöfen und bezieht sich auf das Lesbarmachen hebräischer  Inschriften. Vielleicht kann er Ihnen im Alltag eine kleine Hilfestellung sein beim Lesen von Inschriften.</p>
<p>Es muss wohl nicht vorausgeschickt werden, dass für die Aufarbeitung von jüdischen Friedhöfen (Texttranskription <abbr>bzw.</abbr> Übersetzung) kaum je eine fachgerechte Restaurierung der Steine möglich ist, das Lesbarmachen der Inschriften daher meist mit sehr einfachen Mitteln bewerkstelligt werden muss. </p>
<p>Zunächst ist zu unterscheiden zwischen dem Lesen der Inschrift vor Ort, also am Friedhof, und dem Lesen auf einem Foto. Grundsätzlich rate ich dringend zu beidem, da außer bei sehr einfachen und sehr klaren hebräischen Inschriften Fotos immer hilfreich oder gar gute Korrektive sein können (siehe unten).</p>
<p>In jedem Fall sollten Sie für die Arbeit am Friedhof einiges an Ausrüstung mit dabei haben (auch wenn Ihnen manches lächerlich vorkommt, ohne Liste vergesse zumindest ich immer etwas):</p>
<p>Kopfbedeckung (für Männer), Kleidungsschutz oder Kleidung, die nachher eventuell entsorgt werden kann (weil von Dornen und spitzen Steinen zerrissen), viel Kreide (für eine Inschrift rechnen Sie am besten mit mindestens zwei bis drei Kreiden, siehe unten), kleine Umhängetasche für die Kreide (um die Kleidung zu schonen, falls Sie diese nicht entsorgen wollen), Wasser (Kübel/Eimer und Wasser am besten in Flaschen oder Kanistern mitnehmen), Bartwisch/Handfeger mit sehr weichem Haar (am besten solche, mit denen man etwa Schnee vom Auto kehren kann), mehrere sehr weiche Tücher (keine Tücher, die fusseln), stabile Schreibunterlage, gute Stifte, viel Papier, Klammern, mit denen das Papier an der Unterlage befestigbar ist (kalte Finger, Wind), in der kälteren Jahreszeit Handschuhe (<abbr>z.B.</abbr> dünne, aber wirksame Laufhandschuhe, die das Schreiben ermöglichen), Fotoapparat. </p>
<h4>Lesen vor Ort und/versus Lesen auf dem Foto</h4>
<ol>
<li>Befunde sollten nie ausschließlich aufgrund eines Fotos gemacht werden. Wenn die Möglichkeit besteht, sollte unbedingt die Inschrift auch vor Ort (also am Friedhof) gelesen werden, um einen sichereren Befund zu erhalten. </li>
<li>Befunde vor Ort sollten aber – außer bei sehr klaren (und einfachen) Inschriften – immer auch noch anhand eines oder mehrerer Fotos der Inschrift überprüft werden. Meist ermöglicht zwar das Lesen der Inschrift vor Ort den aufschlussreicheren Befund, es kommt aber immer wieder vor, dass Fotos bei Problemen, die vor Ort nicht gelöst werden können, zumindest eine neue Sicht <abbr>bzw.</abbr> neue Ideen ermöglichen und im besten Fall beim nochmaligen Abgleich vor Ort zu einem sichereren Ergebnis führen.</li>
<li>Selbstverständlich führen bessere Fotos zu besseren Ergebnissen. Trotzdem sollte, was das Lesbarmachen betrifft, die Bedeutung der Professionalität des Fotos nicht überschätzt werden. Wichtiger ist es &#8211; wie für das Lesen vor Ort –, auch beim Fotografieren Wetterlage und Sonnenstand zu berücksichtigen. In der Praxis bedeutet dies etwa, dass auf Blitzlicht meist verzichtet werden sollte (auch ein Seitenblitz bringt meist nicht bessere Ergebnisse). </li>
<li>Salopp formuliert kann man sagen, dass manche Inschriften morgens, manche mittags, manche abends, manche nach dem Regen, manche bei direkter Sonnenbestrahlung besser lesbar sind, jeweils abhängig von Schrift, Gravur, Tiefe der Gravur, Steinart, Beschaffenheit und Zustand des Steines <abbr>usw.</abbr> In der Praxis bedeutet dies, dass es meist notwendig ist, schwer zu lesende Inschriften zu verschiedenen Tageszeiten (oft sogar zu verschiedenen Jahreszeiten) und vor allem bei verschiedenen Wetterbedingungen zu lesen. Dasselbe gilt auch für die Anfertigung von Fotos.</li>
<li>In den seltensten Fällen konnte ich mit der Nachbearbeitung von Fotos (auch mit guten Kenntnissen und professioneller Software) deutlich aussagekräftigere Ergebnisse erzielen. Den Versuch ist es zwar immer wert, es sollte nur nicht zu viel erwartet werden.</li>
<li>Kommt Kreide oder Wasser zum Einsatz, müssen auch Fotos von den Inschriften mit aufgetragener Kreide <abbr>bzw.</abbr> unmittelbar nach dem Waschen mit Wasser gemacht werden.</li>
</ol>
<h4>Wasser</h4>
<p>Bevor eine schwer lesbare Inschrift mit Kreide bearbeitet wird, sollte versucht werden, die Inschrift mit Wasser zu reinigen. Der Reinigungsvorgang muss äußerst vorsichtig durchgeführt werden, das Wasser sollte mit dem Besen mit weichem Haar gleichmäßig verteilt werden. Oft werden Inschriften schon alleine durch die sanfte Reinigung besser lesbar und weitere Maßnahmen (Kreide) sind sogar unnötig. Mit Wasser kann man übrigens auch manchmal sehr erfolgreich arbeiten, wenn es sich um Inschriften handelt, die einmal nachgezogen wurden, die nachgezogene Spur aber im Laufe der Jahre zerflossen ist.</p>
<h4>Kreide</h4>
<p>Das &#8220;Allerweltsmittel&#8221; zum Lesbarmachen vieler Inschriften ist weiße Kreide. Hier ziehe ich eckige Kreiden den runden und die gewöhnliche Schul- der Straßen-/Kindermalkreide eindeutig vor. Mit der Kreide muss ausgesprochen vorsichtig umgegangen werden: Sie darf fast immer nur leicht aufgesetzt werden, <abbr>v.a.</abbr> um den Stein nicht zu beschädigen, und die Kreide muss mit der Breitseite immer exakt vertikal zum hebräischen Buchstaben geführt werden (also <abbr>z.B.</abbr> bei einer Bogeninschrift am Beginn von rechts nach links <abbr>usw.</abbr>), da sonst die Buchstaben noch weniger lesbar sind. Selbstverständlich sind nicht alle Steinarten mit Kreide gleich gut oder sogar nicht bearbeitbar. Während Kreide etwa auf Granit, Syenit, Diorit oder Gabbro meist recht gut anwendbar ist, ist die Anwendung bei vielen Marmor-, aber auch Kunststeinen problematisch, bei Sandstein sollte auf Kreide meist überhaupt verzichtet werden. Ein stärkeres Auftragen von Kreide ist nur bei sehr glatten Steinarten in sehr gutem Zustand möglich und hilfreich.</p>
<p>Führt das Auftragen von Kreide zwar zu besserem, aber noch nicht befriedigendem Ergebnis, kann versucht werden, die Kreide mit einem weichen Tuch sanft zu verwischen. Hilft auch das nicht, muss die Kreide (mit <abbr>o.g.</abbr> Besen) vorsichtig abgewaschen und eventuell neuerlich (sanfter oder stärker, weniger intensiv <abbr>etc.</abbr>) aufgetragen werden.</p>
<p>Hier ein konkretes Beispiel eines Grabsteins am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt, wie eine auf den ersten Blick unlesbare Inschrift lesbar gemacht werden konnte:</p>
<div id="mittig1C">
<p><a rel="lightbox[081109]" title="Das Foto gibt den realen Ersteindruck sehr gut wieder, Schrift ist so gut wie nicht erkennbar. Ich vermutete, dass die Inschrift nicht mehr eruierbar sein würde." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/grabstein01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/grabstein01.jpg" width="150" height="150" alt="Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Erstansicht" /></a></p>
</div>
<div id="mittig3b">
<ul id="bildchen2">
<li><a rel="lightbox[081109]" title="Sanft nachbearbeitetes Foto, die Lesbarkeit wird aber nicht erhöht." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/grabstein02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/grabstein02.jpg" width="150" height="150" alt="Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Foto nachbearbeitet" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[081109]" title="Detail-Frontalansicht. Auch bei veschiedenen Lichtverhältnissen wird die Schrift (in natura) nicht einmal im Ansatz erkennbar." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/grabstein03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/grabstein03.jpg" width="150" height="150" alt="Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Foto Detailansicht" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[081109]" title="Der Versuch, eine erste Kreideschicht aufzutragen, erhöht die Chancen auf Lesbarkeit dramatisch. Außerdem ist nun auch der Name in lateinischen Buchstaben deutlich erkennbar." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/grabstein04GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/grabstein04.jpg" width="150" height="150" alt="Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Gesamtansicht mit Kreidebearbeitung" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[081109]" title="Da die Lesbarkeit noch immer ein wenig unbefriedigend ist, ein weiterer Versuch, sie zu erhöhen, indem die Kreideschicht sanft verwischt wird. Die Inschrift wird aber dadurch nicht wirklich besser lesbar." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/grabstein05GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/grabstein05.jpg" width="150" height="150" alt="Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Detailansicht, Kreide verwischt" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[081109]" title="Zum Vergleich: halber Stein mit Kreideschicht, halber Stein mit verwischter Kreide." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/grabstein06GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/grabstein06.jpg" width="150" height="150" alt="Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Gesamtansicht, halb Kreide, halb Kreide verwischt" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[081109]" title="Nach dem Abwaschen (und Reinigen) der Inschrift ist diese jedenfalls auch ohne Kreide besser lesbar als vor der 'Bearbeitung'. Das Ergebnis war ziemlich erfreulich: Die gesamte hebräische Inschrift konnte eindeutig gelesen werden, die zweite Zeile des deutschen Textes war leider nicht eruierbar." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/grabstein07GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/grabstein07.jpg" width="150" height="150" alt="Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Gesamtansicht, Kreide abgewaschen" /></a></li>
</ul>
</div>
<p><br class="clear" /></p>
<p>Die Ausführungen erheben selbstverständlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, es sind lediglich einige Erfahrungen, die ich im Laufe der Jahre gemacht habe. Für ganze Friedhofsprojekte ist natürlich noch wesentlich mehr zu berücksichtigen, hier sollten bloß einige Hilfestellungen für das Lesen eines oder einiger weniger Steine gegeben werden.</p>
<p class="tipp">In der nächsten Folge dieser Serie: <del datetime="2010-01-10T10:04:44+00:00">Wie Sie auch ohne großartige Hebräischkenntnisse Namen und Todesdatum in hebräischen Inschriften finden und übersetzen können</del> &#8211; aus gegebenem Anlass &#8211; über die Einigung, 20 Millionen Euro für die Erhaltung der jüdischen Friedhöfe bereitzustellen.</p>
<p class="tipp"><em>Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir die <a href="http://www.ikg-wien.at/static/unter/html/re/l_friedh.html" title="Externer Link zu 'ikg-wien.at...'">Liste der jüdischen Friedhöfe in Österreich</a>, damit Sie eine Vorstellung davon bekommen, wie viele jüdische Friedhöfe in Österreich existieren.</em></p>
<div class="pagenavi">
<div class="page-nav">
<div class="nav-next">
&nbsp; <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/01/10/am-juedischen-friedhof-ii/" title="Bl&auml;ttern Sie zum 2. Beitrag der Serie 'Am jüdischen Friedhof'"> Am jüdischen Friedhof II</a> &raquo;
</div>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ojm.at/blog/2009/11/08/am-juedischen-friedhof-i/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das Levitenhaus</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2009/11/03/das-levitenhaus/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2009/11/03/das-levitenhaus/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 03 Nov 2009 11:28:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[hebräisch]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=23</guid>
		<description><![CDATA[Genau gegenüber dem Österreichischen Jüdischen Museum befindet sich das Haus Unterbergstraße 15. Über dem Eingangstor befindet sich ein Basrelief, das einen sehr schön gearbeiteten Krug mit Becken sowie acht hebräische Buchstaben darstellt. Die Buchstaben sind auf drei Zeilen aufgeteilt, links und rechts von Krug und Becken. Das Symbol (Krug und Becken) zeigt an, dass der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Genau gegenüber dem Österreichischen Jüdischen Museum befindet sich das Haus Unterbergstraße 15. Über dem Eingangstor befindet sich ein <a href="http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_2946.html" title="Externer Link zu 'beyars.com...'">Basrelief</a>, das einen sehr schön gearbeiteten Krug mit Becken sowie acht hebräische Buchstaben darstellt. Die Buchstaben sind auf drei Zeilen aufgeteilt, links und rechts von Krug und Becken.</p>
<p>Das Symbol (Krug und Becken) zeigt an, dass der oder die Hausbesitzer <abbr>bzw.</abbr> die Hausbewohner <a href="http://www.ojm.at/lexikon/l/#levi" title="Interner Link zum Lexikoneintrag 'Leviten' auf unserer Website">Leviten</a> waren, weshalb wir das Haus als (ehemaliges) Levitenhaus bezeichnen.</p>
<p>Ein wenig ärgerlich und beschämend für mich ist es schon, dass ich seit mittlerweile 25 Jahren fast täglich an diesem Haus vorbeigehe, unzählige Führungen durch das ehemalige jüdische Viertel von Eisenstadt gemacht habe, im Zuge derer ich jedes Mal dieses so schöne Symbol als einen der wenigen Zeugen der jüdischen Vergangenheit der Stadt erwähne &#8230; und noch immer nicht ganz sicher bin, was die Inschrift bedeutet.</p>
<div id="mittig1B">
<a rel="lightbox[270809]" title="Levitensymbol an einem Haus im ehemaligen jüdischen Viertel von Eisenstadt" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/levitenkrugGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/levitenkrug.jpg" width="300" height="225" alt="Steintafel mit Levitensymbol an einem Haus" /></a>
</div>
<div class="centered">
<p><strong>1. Zeile: </strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">ת | ק </span></p>
<p><strong>2. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">חי | אב </span></p>
<p><strong>3. Zeile:</strong></p>
<p><span class="hebr" dir="rtl">כ | ל(פק) </span></p>
</div>
<p><strong>1. Zeile</strong>: sehr gut lesbar, Befund sicher:<br />
(Dass eine Jahreszahl vorkommt, zeigt der letzte Buchstabe in der 3. Zeile, siehe unten)<br />
<span class="hebr" dir="rtl">ת</span> (Taw) hat den Zahlenwert 400, <span class="hebr" dir="rtl">ק</span> (Qof) den Zahlenwert 100, zusammen also 500.</p>
<p><strong>2. Zeile</strong>: sehr gut lesbar, Befund unsicher:<br />
<span class="hebr" dir="rtl">חי</span> hat den Zahlenwert 18, <span class="hebr" dir="rtl">אב</span> ist der jüdische Monat Av.<br />
Wir würden also bisher den Monat Av im jüdischen Jahr 518 erhalten.<br />
Allerdings bedeutet <span class="hebr" dir="rtl">חי</span> (Chaj), als Wort gelesen, &#8220;<a href="http://www.ojm.at/blog/2009/10/25/bild-der-woche-am-israel-chai/" title="Interner Link zum Beitrag 'Bild der Woche - Am Israel Chai'">Leben</a>&#8221; und <span class="hebr" dir="rtl">אב</span> (Av) bedeutet neben dem Monatsnamen auch &#8220;Vater&#8221;.<br />
Ob diese Bedeutungen hier eine Rolle spielen und wenn ja, welche, wage ich nicht mit Sicherheit zu beurteilen.</p>
<p><strong>3. Zeile</strong>: 1. Hälfte nicht gut lesbar, 2. Hälfte sehr gut lesbar, Befund nur zu 50% sicher:<br />
Der erste Buchstabe dürfte ein Kaf sein und somit den Zahlenwert 20 repräsentieren.<br />
Möglich wären noch ein <span class="hebr" dir="rtl">פ</span> (Pe) oder ein <span class="hebr" dir="rtl">נ</span> (Nun) (Zweiteres unwahrscheinlich).<br />
Wir würden also den 20. Av des (jüdischen) Jahres 518 erhalten.<br />
Dass hier der Tag nach dem Monat und nicht, wie meist üblich, vor dem Monat steht, möchte ich schlicht und einfach mit Platzgründen <abbr>bzw.</abbr> Gründen der Symmetrie erklären. In der 3. Zeile hätten zwei Buchstaben, nämlich <span class="hebr" dir="rtl">אב</span> (Av), kaum/nicht Platz gehabt.</p>
<p>Der letzte Buchstabe stellt eine typische und insbesondere auch auf hebräischen Grabinschriften oft vorkommende hebräische Ligatur dar: Die hebräischen Buchstaben <span class="hebr" dir="rtl">לפק</span> (L P Q) werden zusammengezogen und das <span class="hebr" dir="rtl">ל</span> grafisch so geschrieben, dass es das <span class="hebr" dir="rtl">פ</span> und das <span class="hebr" dir="rtl">ק</span> andeutet.<br />
In jedem Fall zwingt der Schluss der Inschrift mit <span class="hebr" dir="rtl">לפק</span> (L P Q) dazu, das Vorhergehende als Jahreszahl zu lesen, denn es bedeutet (abgekürzt) &#8220;Nach der kleinen Zeitrechnung&#8221;, also ohne den 5000er zu schreiben.</p>
<p>Das Datum rund um Krug und Becken ist also nach dieser Lesung und Deutung der <strong>20. Av (5)518</strong>, das ist <a href="http://www.ojm.at/lexikon/z/" title="Interner Link zum Lexikoneintrag 'Zeitrechnung' auf unserer Website">umgerechnet</a> Donnerstag, der <strong>24. August 1758</strong>.</p>
<p>Hat vielleicht eine/r unserer geneigten Leserinnen und Leser einen besseren Vorschlag? </p>
<p class="tipp"><em>Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir die Betrachtung des wunderbaren Fensters &#8220;Der Stamm Levi&#8221; von Marc Chagall in der Synagoge des Hadassa-Hospitals in Jerusalem. Wenn Sie nicht die Möglichkeit haben, nach Israel zu fahren, betrachten Sie einfach ein (sehr schönes) Bild davon im <a href="http://www.artchive.com/artchive/C/chagall/chagall_tribe_of_levi.jpg.html" title="Externer Link zu 'artchive.com'">Web</a> (Klicken Sie unbedingt auf das Vorschaubild, um es zu vergrößern).</em></p>
<p><em>Alternativ, für die Freunde schwererer Kost, empfehlen wir als Beilage die Lektüre des Buches &#8220;Levitenhaus&#8221; von Isaac Landau (1859), das Sie als <a href="http://www.judaica-frankfurt.de/content/titleinfo/414083" title="Externer Link zu 'judaica-frankfurt.de'"><acronym>PDF</acronym>-Datei</a> (2.52 <acronym>MB</acronym>) <span lang="en" xml:lang="en">downloaden</span> können.</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ojm.at/blog/2009/11/03/das-levitenhaus/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>6</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Mirjam &#8211; Maria &#8216;Gottes Geschenk&#8217;</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2009/10/21/mirjam-maria-gottes-geschenk/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2009/10/21/mirjam-maria-gottes-geschenk/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 21 Oct 2009 11:50:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[hebräisch]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=58</guid>
		<description><![CDATA[Immer wieder erhalten wir im Museum Anfragen nach der Bedeutung von vor allem hebräischen Vornamen. Und es ist ausgerechnet einer der weltweit verbreitetsten Namen, den zuerst die Schwester Mose, später die Mutter Jesu und andere Frauen trugen, für den es viele sehr unbefriedigende und leider auch falsche Deutungen gibt: Mirjam – Maria. מרים Die sachlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Immer wieder erhalten wir im Museum Anfragen nach der Bedeutung von vor allem hebräischen Vornamen.  Und es ist ausgerechnet einer der weltweit verbreitetsten Namen, den zuerst die Schwester Mose, später die Mutter Jesu und andere Frauen trugen, für den es viele sehr unbefriedigende und leider auch falsche Deutungen gibt: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Miriam" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org/wiki/Miriam'">Mirjam</a> – <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Maria" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org/wiki/Maria'">Maria</a>.</p>
<p class="centered"><span class="hebr" dir="rtl">מרים</span></p>
<blockquote><p>Die sachlich leidlich befriedigende Anknüpfung an ägyptisch &#8220;mrjt&#8221; &#8220;Geliebte&#8221; kann das auslautende &#8220;m&#8221; nicht erklären. Die oft bevorzugte Deutung &#8220;Wohlbeleibte&#8221; sieht in dem Namen eine Ableitung von der Wurzel MR&#8217; &#8220;mästen&#8221; und rechnet mit einem bei Frauennamen nie bezeugten Affix –&#257;m, sicher unter dem Einfluss der Tatsache, dass der Name des Vaters von Mirj&#257;m und Mose, Amr&#257;m, in der Tat mit diesem Affix gebildet ist. Diese Deutung ist sprachlich und sachlich durch nichts zu rechtfertigen.
</p></blockquote>
<p><cite>Wolfram von Soden, Mirj&#257;m &#8211; Maria &#8220;(Gottes-)Geschenk&#8221;, Erstpublikation in: Ugarit-Forschungen 2(1970), 269-272.</cite></p>
<p>Dasselbe gilt, so <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfram_von_Soden" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org/wiki/Wolfram_von_Soden'">Soden</a>, der Lehrer meines verehrten Lehrers Hans Hirsch für Altsemitistik, auch für alle anderen, oft abenteuerlichen Ableitungsversuche (wie &#8220;Wasserprinzessin&#8221; etc.).</p>
<p>Wolfram von Soden geht davon aus, dass &#8220;–&#257;m&#8221; kein Suffix sein kann, also kein morphologisches Element, das an die Wurzel gehängt wird, sondern dass das &#8220;m&#8221; ein Wurzelkonsonant sein muss. Diese Überlegung legt die Wurzel &#8220;RJM&#8221; nahe: akkadisch &#8220;ri&#257;mu/r&#257;mu&#8221; (&#8220;schenken&#8221;), und &#8220;mi-&#8221; muss das bekannte Nominalpräfix sein.</p>
<p>Zum besseren Verständnis des Gesagten sei kurz angemerkt: In den semitischen Sprachen, also auch im Akkadischen und Hebräischen, hängt an der Wurzel eines Wortes (das sind meist 3 Konsonanten) die Bedeutung des Wortes. Vor, zwischen und nach diesen Wurzelkonsonanten (den &#8220;Radikalen&#8221;) können Konsonanten gesetzt werden, die dann grammatikalische und wortbildende Funktionen besitzen.<br />
Beispiel: An der hebräischen Wurzel &#8220;KTB&#8221; (<span dir="rtl">כתב</span>) haftet die Bedeutung &#8220;schreiben&#8221;. Mit dem Nominalpräfix &#8220;M(i)&#8221; erhalten wir das Substantiv &#8220;Brief&#8221; &#8220;Michtav&#8221; (<span dir="rtl">מכתב</span>). </p>
<p>Nicht verwechselt werden darf das akkadische &#8220;ri&#257;mu/r&#257;mu&#8221; mit den sehr ählichen Wörtern  &#8220;r&#257;mum/ra&#8217;&#257;mu&#8221; &#8220;lieben&#8221; und &#8220;r&#275;mum/re&#8217;&#257;mum&#8221; &#8220;sich erbarmen&#8221;.</p>
<p>Wenn also &#8220;Mirj&#257;m&#8221; (in der Septuaginta, der griechischen Bibelübersetzung, &#8220;Marj&#257;m&#8221; vokalisiert) &#8220;Geschenk&#8221; bedeutet, kann der biblische Name Mirjam eigentlich nur mehr als &#8220;Gottes Geschenk&#8221; gedeutet werden. Mit dieser Deutung können wir auch besser verstehen, dass der einzige andere Träger dieses Namens, den die hebräische Bibel kennt, ein Mann ist, nämlich Mirj&#257;m in 1 Chronik 4,17, dessen Mutter als ägyptische Prinzessin bezeichnet wird. Denn als Geschenk Gottes können selbstverständlich Mädchen wie Knaben dankbar bezeichnet werden.</p>
<p>&#8220;R&#299;m&#8221; in der Bedeutung &#8220;schenken&#8221; ist im Hebräischen sonst nicht belegt, die Wurzel &#8220;RJM&#8221; finden wir nur in der Bedeutung &#8220;heben&#8221;. Es handelt sich aber auch um kein ursprünglich akkadisches Verb, da &#8220;ri&#257;mu/r&#257;mu&#8221; erst nach 1400 ins Mittelbabylonische und – nur mit dem Substantiv &#8220;r&#299;m&#363;tu&#8221; &#8211; ins Mittelassyrische übernommen wurde. Offenbar ist dieses &#8220;r&#299;mum&#8221; aus einer anderen semitischen Sprache, etwa dem Altamoritischen, entlehnt. Der Name Mirj&#257;m/Marj&#257;m zeigt lediglich, dass es im Südkanaanäischen von Midian und angrenzenden Gebieten das Wort &#8220;mi/arj&#257;m&#8221; &#8220;Geschenk&#8221; gab, wir wissen aber nicht, ob das Verb &#8220;r&#299;m&#8221; zur Zeit von Mose und Mirjam noch in lebendigem Gebrauch war. Da &#8220;jar&#299;m&#8221; &#8220;er erhöht&#8221; sonst in Namen nicht bezeugt ist, hält der Altsemitist Otto Loretz es für durchaus möglich, dass etwa auch der Prophetenname Jeremia (ירמיהו) als &#8220;Gott hat geschenkt&#8221; gedeutet wird (zumindest was die ursprüngliche Bedeutung des Namens betrifft).</p>
<p><strong>Mirjam – Maria, ein &#8220;Geschenk Gottes&#8221;</strong> – die sprachlich nachvollziehbarste und wohl auch schönste Deutung des bekannten Eigennamens.</p>
<p class="tipp"><em>Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir <a href="http://www.debbiefriedman.com/" title="Externer Link zu 'debbiefriedman.com'">Debbie Friedman</a>s &#8220;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=hnsy0F3nxh8&#038;hl=de" title="Externer Link zu 'youtube.com'">Mirjam&#8217;s Song</a>&#8220;.</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ojm.at/blog/2009/10/21/mirjam-maria-gottes-geschenk/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Hebräischkurs 2009</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2009/08/31/hebraeischkurs-2009/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2009/08/31/hebraeischkurs-2009/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 09:29:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[hebräisch]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=34</guid>
		<description><![CDATA[Vergangene Woche fand im Museum wieder ein Hebräischkurs statt. In mehrfacher Hinsicht ein besonderer. Aber zuerst ein Blick zurück in die mittlerweile 15-jährige Geschichte unserer Kurse: Die Idee, in unserem Museum Hebräischkurse anzubieten, war nicht so ungewöhnlich, sondern hing sicher in erster Linie damit zusammen, dass ich selbst seit meiner Mittelschulzeit die hebräische Sprache über [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vergangene Woche fand im Museum wieder ein Hebräischkurs statt. In mehrfacher Hinsicht ein besonderer. Aber zuerst ein Blick zurück in die mittlerweile 15-jährige Geschichte unserer Kurse:</p>
<p>Die Idee,  in unserem Museum Hebräischkurse anzubieten, war nicht so ungewöhnlich, sondern hing sicher in erster Linie damit zusammen, dass ich selbst seit meiner Mittelschulzeit die hebräische Sprache über alles liebe und auch meine Schwerpunkte während des Studiums auf der semitischen Philologie allgemein und auf der hebräischen im Besonderen lagen. Ich stehe nicht an hier, spät, aber von ganzem Herzen, meinen beiden hervorragenden Hebräischlehrern Arje Leon Slutzky und Fritz Werner zu danken. Bessere kann ich mir nicht vorstellen.</p>
<p>Während etwa das <a href="http://www.jm-hohenems.at/" title="Externer Link zu 'jm-hohenems.at'">Jüdische Museum Hohenems</a> viele Jahre Jiddischkurse anbot, war die Entscheidung, in Eisenstadt vor allem Hebräisch zu unterrichten, auch sachlich gerechtfertigt. Ohne hier auf Erklärungen zu oder die Geschichte und Definitionen von &#8220;Jiddisch&#8221; näher eingehen zu wollen (vielleicht in einem eigenen Beitrag einmal), bleibt festzuhalten, dass im Burgenland so gut wie nicht Jiddisch gesprochen wurde und das Jiddische auch kaum als Schriftsprache Verwendung fand. </p>
<p>Im Jahr 1998 erschien von Israel <abbr>A.</abbr> Glück, einem ehemaligen Lackenbacher, der nach Israel fliehen musste, seine &#8220;Kindheit in Lackenbach&#8221;. Im Kapitel &#8220;Von der Erde verschwunden&#8221; schreibt er:</p>
<blockquote><p>Obwohl das Burgenland zu Ungarn gehörte, bedienten sich die dortigen Juden der deutschen Sprache. &#8230;</p>
<p>&#8230; Im Gegensatz zu ihren osteuropäischen Glaubensgenossen kleideten sich die burgenländischen Juden wie ihre christlichen Mitbürger, trugen dieselbe Haartracht &#8211; abgesehen von den Perücken der verheirateten Frauen. Sie sprachen nicht jiddisch sondern deutsch &#8211; meistens ein besseres als die örtliche Bevölkerung. In ihren Schulen wurde dasselbe unterrichtet wie in den öffentlichen &#8211; mit Ausnahme des Religionsunterrichts. &#8230;
</p></blockquote>
<p>Wir haben es aus authentischer Quelle gehört: Im Burgenland sprachen die Juden also Deutsch, nicht Deutsch-Jüdisch und schon gar nicht Jiddisch. In den schriftlichen Quellen der 7-Gemeinden finden sich Texte in reinem Hebräisch (gelegentlich mit Aramäismen vermischt), Texte in Deutsch mit hebräischen Buchstaben, Texte in Deutsch, die stark mit hebräischen Termini interferiert wurden (aber natürlich trotzdem Deutsch bleiben &#8211; wir meinen doch auch nicht Latein zu sprechen, wenn wir sagen, dass wir mit dem &#8220;Paternoster&#8221;  in den 2. Stock fahren ;-) !) und nur einige wenige Texte in Judendeutsch, naheliegenderweise mit hebräischen Buchstaben geschrieben (das sind jene Texte, die &#8211; folgen wir der offiziellen Terminologie der wissenschaftlichen Literatur nach 1945 &#8211; der &#8220;Jiddisch&#8221; genannten Sprache nahe kommen).</p>
<p>Sehr oft fällt uns auch bei hebräischen Urkunden der sogenannte Kanzleistil auf, der zweifellos einen ganz besonderen Reiz hat. Dieser Stil eignet sich – abgesehen von allen literarischen Ansprüchen  – dafür, die Dinge klar und eindeutig in einwandfreier juristischer Form hervorzuheben. </p>
<p>Zum Kanzleistil in der Praxis: Eine Verordnung, zum Beispiel die Bedingungen für die Aufnahme eines Juden in den Gemeindeverband der heiligen jüdischen Gemeinde Eisenstadt,  ist in hebräischer Schrift und hebräischer Sprache abgefasst und beginnt mit den Worten:</p>
<blockquote class="ivrit"><p class="centered">
<span class="hebr" dir="rtl">&#8230; להודיע להאי דמאן דבעי למדע בתחלה ובסוף בלי העלם בנתים איך &#8230;<br />
</span>
</p>
</blockquote>
<blockquote><p>… Zu wissen, für jeden, der es wissen will, ohne jeden Zwischengedanken, dass ich Endesunterfertigter Rafael ben Meir, s(eligen) A(ndenkens), meine Tochter Chaja dem Jüngling …
</p></blockquote>
<p>Es handelt sich beim hebräischen Text um wörtliche Zitate aus den talmudischen Traktaten Horajot und Schavuot (also aramäische Texte), womit der Urkundentext über weite Strecken nur verständlich ist, wenn man die rabbinischen Zitate auch aus dem Stegreif abrufen kann! </p>
<p>Schon 1994 schrieben wir also den ersten Hebräischkurs aus. Die Formulierungen in der Einladung (&#8220;Schnupperkurs&#8221;, &#8220;mindestens 5 TeilnehmerInnen&#8221; etc.) spiegeln unsere damalige Unsicherheit wider, weil wir nicht abschätzen konnten, ob sich in Eisenstadt genügend Interessenten finden würden.</p>
<p>Die Überraschung war groß. Obwohl um Voranmeldung gebeten wurde, erschienen am ersten der insgesamt 10 Abende 50 TeilnehmerInnen, die den Kurs dann auch tatsächlich bis zum Schluss durchhielten. Alle Altersgruppen und alle Berufe waren vertreten, wir teilten die Interessierten spontan auf zwei Gruppen auf und noch heute haben wir mit fast allen Teilnehmern/Teilnehmerinnen von damals guten Kontakt. Es ist einfach schön, wenn wir einander treffen und noch immer häufig die Rede auf den Kurs von damals kommt.<br />
Da es im Kurs darum ging, die hebräische Sprache und Schrift einmal ganz grundsätzlich kennenzulernen, wurde in der Kurspraxis auch keine Rücksicht auf die verschiedenen Sprachstufen genommen (wie Ivrit, Bibelhebräisch <abbr>etc.</abbr>), die Schriftlehre dominierte, einfach Beispiele aus der hebräischen Bibel, Grabinschriften, leichte moderne hebräische Lektüre und einige jiddische Texte sollten die Vielfalt, aber auch die Kontinuität des Hebräischen zeigen.</p>
<p>Obwohl der Kurs als ausschließlicher &#8220;Anfängerkurs&#8221; konzipiert war, fanden doch noch mit einigen Interessierten Fortgeschrittenenkurse im Museum statt. 2002 übersiedelte ich dann mit den Kursen nach Salzburg, die nun österreichweit ausgeschrieben wurden. Die 10-jährige Lehrerfahrung an der Universität, aber viel mehr die langjährige Erfahrung mit den Kursen in Eisenstadt und Salzburg führten zur Publikation des Buches <a href="http://www.ojm.at/publikationen/hebraeisch/" title="Interner Link zm Hebräischbuch auf unserer statischen Website">&#8220;Hebräisch. Eine kurzweilige Reise durch das Alef-Bet&#8221;</a>. Das Buch war binnen kürzester Zeit ausverkauft, ich hoffe, dass sich eine (überarbeitete) Neuauflage bald realisieren lässt.</p>
<p>Eine kleine Gruppe von Damen aus Österreich und Deutschland, die den Kurs in Salzburg absolviert hatten, wollten gleich weiterlernen und übersiedelten für fortführende Kurse nach Eisenstadt. Mittlerweile sind auch Herren zu uns gestoßen, bis auf eine Ausnahme kommen alle von den Anfängerkursen in Salzburg. Wir trafen einander heuer bereits das fünfte Jahr im Museum, es waren für beide Seiten sehr anstrengende, aber vor allem auch wieder sehr schöne Tage.</p>
<div id="mittig3b">
<ul id="bildchen"><a id="rm" name="rm"></a></p>
<li><a rel="lightbox[300809]" title="Bei 34 Grad Außentemperatur rauchen im kühlsten Bibliotheksraum die Köpfe ..." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/hebr01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/hebr01.jpg" width="150" height="150" alt="KursteilnehmerInnen während des Kurses im Bibliotheksraum des Museums" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[300809]" title="Das Erlernte üben - am älteren jüdischen Friedhof von Eisenstadt" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/hebr02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/hebr02.jpg" width="150" height="150" alt="Die KursteilnehmerInnen am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[300809]" title="Der bedeutendste Grabstein am älteren jüdischen Friedhof von Eisenstadt; Rabbi Meir Eisenstadt, 1744" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/hebr03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/hebr03.jpg" width="150" height="150" alt="Der Grabstein des ersten Rabbiners von Eisenstadt, Rabbi Meir" /></a></li>
</ul>
</div>
<p><br class="clear" /></p>
<p>Ich finde es wirklich schön, dass Menschen Zeit finden, trotz zum Teil stressigen Berufslebens, jährlich einige Tage ins jüdische Museum nach Eisenstadt zu fahren und hier mit größter Begeisterung ihr Hebräisch pflegen und vertiefen, obwohl das beruflich niemand von ihnen braucht. Ich bewundere wirklich jede Teilnehmerin/jeden Teilnehmer.</p>
<p>Ich finde es sehr spannend und als echte Herausforderung, die so verschiedenen Interessensschwerpunkte in der kleinen Gruppe (Modernes Hebräisch für Israelaufenthalte, Bibelhebräisch, sprachwissenschaftlicher Fokus <abbr>usw.</abbr>) so unter einen Hut zu bringen, dass alle daran Freude haben.<br />
Jedenfalls wurden die Zimmer in Eisenstadt für den Kurs 2010 schon reserviert.</p>
<p>Und nicht zuletzt bin ich dankbar, dass ich im Museum die Möglichkeit habe, weit abseits des musealen Mainstreams eine Veranstaltung dieser mikroskopisch kleinen Größenordnung (4-5 TeilnehmerInnen) durchzuführen. </p>
<blockquote><p>Sprache ist ein sehr zentraler Teil von Kultur. Daher darf es als durchaus bedeutsam gewertet werden, wenn der hebräischen Sprache in Österreich ein durchaus vielschichtiges und qualifiziertes Interesse entgegengebracht wird – ein Interesse, das sich nicht auf den Kreis jüdischer Sprecherinnen und Sprecher beschränkt. Daher ist die breitere Vermittlung von Sprachkenntnissen, wie sie von diversen Volksbildungsinstitutionen betrieben wird, als integrativer Beitrag zu einer differenzierten und gleichzeitig toleranten Gesellschaft zu begrüßen.</p></blockquote>
<p><cite><a href="http://www.david.juden.at/kulturzeitschrift/61-65/64-Ladstaetter.htm" title="Externer Link zu 'david.juden.at'">Markus Ladstätter</a></cite></p>
<p>Selbstverständlich ist aber auch wieder ein Anfängerkurs hier im jüdischen Museum in Eisenstadt geplant. Wir sind optimistisch, dass sich genügend Interessenten finden. Zu unserem Programmpunkt &#8220;Hebräisch in 60 Minuten&#8221; in der <a href="http://www.ojm.at/aktuell/lange-nacht-2008/" title="Interner Link zum Eintrag 'Lange Nacht der Museen 2008' auf unserer statischen Website">Langen Nacht der Museen</a> im vergangenen Jahr kamen immerhin mehr als 70 Interessierte.</p>
<p>Wenn Sie auch Interesse haben, kontaktieren Sie uns bitte.  Denn vielleicht stimmt es ja, dass Hebräisch die Sprache der Engel im Himmel ist und es sich dann lohnt, sie bereits auf Erden zu erlernen ;-)</p>
<p class="tipp"><em>Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir Ihnen das Anhören des Psalms 23, wie ihn niemand Geringerer als <a href="http://www.ben-chorin.de/" title="Externer Link zu 'ben-chorin.de'">Schalom Ben-Chorin</a> (-> &#8220;Zum Inhalt&#8221; -> &#8220;Psalm 23 in Hebräisch&#8221;) hebräisch liest. Der Psalm hat uns durch den gesamten Kurs begleitet.</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ojm.at/blog/2009/08/31/hebraeischkurs-2009/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>11</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
