Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schlagwort: hebräisch

Schawu’ot 5775

Der kommende Schabbat ist Erev Schawu’ot, der Vorabend des Schawu’otfestes. Es ist, wie schon an anderer Stelle angemerkt, in erster Linie das „Fest der Toragebung“, der Tag, an dem Gott…

Der kommende Schabbat ist Erev Schawu’ot, der Vorabend des Schawu’otfestes. Es ist, wie schon an anderer Stelle angemerkt, in erster Linie das „Fest der Toragebung“, der Tag, an dem Gott dem Volk Israel die Tora gegeben hat, der Tag, an dem Israel die 10 Gebote erhielt.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein fröhliches Schawu’ot!

חג שבועות שמח!

Und zum Stichwort Tora ein originelles Fundstück aus dem Wien der Zwischenkriegszeit:

Scan Buchseite Grammatik Moses Rath

Genesis 1,1-5 in Hebräisch sowie sefardischer, deutsch-aschkenasischer und polnisch-aschkenasischer Aussprache (Auszug aus dem Hebräischlehrbuch von Moses Rath).

Und selbstverständlich reichen wir gerne noch die deutsche Übersetzung nach:

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. Und Gott sah das Licht, dass es gut war; und Gott schied das Licht von der Finsternis. Und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein Tag.

Der Verfasser des hebräisch-deutschen Lehrbuchs „Sfat Amenu“ (Die Sprache unseres Volkes, Wien 1920) war Moses Rath, der während des 1. Weltkriegs aus Kolomea in der Westukraine nach Wien gekommen war. Er erteilte Hebräischunterricht und war der letzte Direktor der Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde vor der Shoa.

Vielen Dank an Chaya-Bathya (Claudia) Markovits für Idee und Scan!


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Hebräischkurs 2013

Seit Montag findet in unserem Museum wieder der schon traditionelle Hebräischkurs für Fortgeschrittene statt. Wir haben schon 2009 und 2012 darüber berichtet und es kann nicht deutlich und stolz genug…

Seit Montag findet in unserem Museum wieder der schon traditionelle Hebräischkurs für Fortgeschrittene statt. Wir haben schon 2009 und 2012 darüber berichtet und es kann nicht deutlich und stolz genug verkündet werden: Heuer schon zum achten Mal kamen die Damen aus ganz Österreich zum Hebräischstudium nach Eisenstadt!

2012 als Premiere gestartet, machten wir auch heute wieder einen Ausflug in drei ehemalige jüdische Gemeinden auf dem Gebiet der Sieben-Gemeinden des Burgenlandes, nach Frauenkirchen, Kittsee und Gattendorf – und erprobten die Hebräischkenntnisse sozusagen in der Praxis.
Heuer aber leider nicht bei Traumwetter, sondern bei regelrechtem Aprilwetter, wenn auch mit mehr Regen als mit Sonnenschein. Und meine Kamera hab ich auch vergessen, das Handy musste als Ersatz dienen, bitte um Entschuldigung. Trotzdem hier unser kurzer – aber zeitnaher – Bericht:

Herr Franz Wegleitner empfängt uns am jüdischen Friedhof

In Frauenkirchen, unserer ersten Station unserer kleinen Reise, empfing uns Herr Franz Wegleitner, der maßgeblich für die Ausstellung „Die Judengemeinde von Frauenkirchen – 1678 – 1938“ verantwortlich zeichnete und sie mitinitiierte. Da die Ausstellung in den Nebenräumen der berühmten barocken Basilika von Frauenkirchen gezeigt wird, genossen wir zuerst seine faszinierende Führung durch den höchst beeindruckenden Kirchenraum.

Deckenfresko in der Basilika Frauenkirchen

Und wir fanden sogar hier Spuren der Geschichte der Juden im Burgenland. Eines der prachtvollen Deckenfreskos zeigt nämlich ein „L“, das für Kaiser Leopold I. steht. Jener Kaiser, der den Esterházys besonders verbunden war, aber eben auch jener Kaiser, der 1670/71 die Juden aus Wien vertrieben hat. Viele der damals vertriebenen Juden fanden in der Region des heutigen Burgenlandes, auf esterházysichem Gebiet, Zuflucht und waren Gründer der berühmten Sieben-Gemeinden.

Ausstellung in der Basilika von Frauenkirchen

Die Ausstellung „Die Judengemeinde von Frauenkirchen – 1678 – 1938“, zu der unser Museum auch die Hälfte der Texte sowie viele Leihgaben beisteuern durfte, wurde bisher ausgesprochen gut besucht, schon jetzt werden mehr BesucherInnen gezählt als in allen anderen vergangenen Ausstellungen, die in der Basilika Frauenkirchen stattfanden!

Ausstellung in der Basilika von Frauenkirchen

Das in Originalgröße nachgebaute und begehbare Brunnenhaus zählt sicher zu den Höhepunkten der Ausstellung. Wir freuen uns jedenfalls sehr, dass die Ausstellung nicht nur so gut besucht ist, sondern auch sehr gut angenommen wird.

Grab von Ladislaus Rosenfeld

Das Grab von Ladislaus Rosenfeld, dem Bruder des einzigen Juden, der nach Frauenkirchen zurückgekehrt war, Paul Rosenfeld. Ladislaus Rosenfeld war Leutnant und lieferte sich 1937 mit einem Freund eine Wettfahrt mit dem Motorrad, die er nicht überlebte. An seinem Begräbnis, so erzählte sein Bruder immer, nahmen mehr Leute teil als an jedem anderen Begräbnis in Frauenkirchen, die Menschenmenge war schier unüberschaubar lang.

Alle anderen Verwandten wurden in Auschwitz ermordet. Paul Rosenfeld konnte das nie vergessen, vor allem nicht, dass seine beiden Neffen und Nichten darunter waren, Kinder im Alter von 8 und 6 Jahren.

Jüdischer Friedhof Kittsee

Von Frauenkirchen führte uns der Weg nach Kittsee, wo der jüdische Friedhof im Schatten des Schlosses liegt. Die Grabsteine sind sehr alt und die Inschriften teilweise noch schwerer zu lesen als auf den meisten anderen jüdischen Friedhöfen.

Grabstein von Josef Walter am jüdischen Friedhof Kittsee

Grabstein von Josef Walter.
Interessant: „Josef, genannt (vulgo) Joseph“ würde man heute schreiben. Aber damals? Wie wurde „Josef“ wirklich genannt?

Grabstein am jüdischen Friedhof Kittsee

Dieser abgebrochene Grabstein datiert aus dem Jahr 1692. Wir können deutlich lesen, dass der Verstorbene „Jakob“ heißt und am 5. Elul 452 (17. August 1692) verstorben. Woher aber stammt dieser Jakob, dessen Nachnamen wir leider auch nicht wissen? Der zweite Teil der 1. Zeile der Inschrift scheint erstaunlicherweise deutlich schlechter und schlampiger geschrieben als der Rest der Inschrift. Seltsam?

Tafel am Eingang zum jüdischen Friedhof Gattendorf

Zum Abschluss fuhren wir dann noch zum jüdischen Friedhof ins nahe gelegene Gattendorf. Eine große Tafel, von einer Schulklasse gestaltet, findet sich auf dem Eingangstor. Beeindruckend!

Jüdischer Friedhof Gattendorf

Der jüdische Friedhof in Gattendorf ist sehr gepflegt, die Inschriften aber zum Großteil – ähnlich wie in Kittsee – nur sehr schwer lesbar.

Mit vorwiegend vielen positiven Eindrücken kehrten wir – sehr müde – nach Eisenstadt zurück. Morgen wird dann weiter im Museum gelernt …


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Phantasie-Hebräisch an prominentem Ort

Verderbte Schreibung des Tetragramms Lieben Dank an Dorothea Nicolai, die das Foto anlässlich der Premiere von „DeSacre“ (Choreographie von Christine Gaigg, Kostüme von Dorothea Nicolai) am 24. April machte (und…

Verderbte Schreibung des Tetragramms
Lieben Dank an Dorothea Nicolai, die das Foto anlässlich der Premiere von „DeSacre“ (Choreographie von Christine Gaigg, Kostüme von Dorothea Nicolai) am 24. April machte (und uns schickte) und erst nicht glauben konnte, was sie da sieht …


Verderbtes Hebräisch finden wir immer wieder auf alten Gemälden o.Ä. mit Motiven aus der hebräischen Bibel bzw. dem (christlichen) Alten/Ersten Testament. Überrascht hat uns aber doch die völlig absurde Schreibung des Gottesnamens (Tetragramm) im sogenannten „Auge der Vorsehung“ über dem Altar in der Josephskapelle in der Hofburg in Wien, handelt es sich schließlich um den Betplatz der Monarchin Maria Theresia!
Zeigt die verderbte Schreibung Ignoranz? Ist sie Original oder im Zuge von Renovierungsarbeiten passiert? Oder gar Absicht, aber warum?

Die Josephskapelle, im Leopoldtrakt der Hofburg, gehört heute zu den Gemächern des österreichischen Bundespräsidenten.

Übrigens, die korrekte Schreibung des Tetragramms: יהוה („JHWH“).


Heute, am 18. Ijjar und 33. Tag des Omer-Zählens, ist Lag baOmer.
Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern
ein fröhliches Fest!,
Happy Lag-BaOmer! und
חג ל“ג בעומר שמח לכולם!


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Rosch haSchana 5773

Am kommenden Sonntag, 16. September, ist Erev Rosch haSchana. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein glückliches und gesundes neues Jahr 5773.

Am kommenden Sonntag, 16. September, ist Erev Rosch haSchana. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein glückliches und gesundes neues Jahr 5773.

שנה טובה וחתימה טובה

Ein besonders schönes „Objekt“ im Rosch haSchana-Raum unserer ständigen Ausstellung sind die 4 Tallitecken aus Seide / Brokat, Österreich 1858:

Tallitecke, Österreich 1858

„Tallitecken“ (im Bild ist eine davon zu sehen) bedeutet, dass der Gebetsmantel in diesem Fall an seinen vier Ecken eine besonders schöne Zierde durch eben diese Tallitecken erhalten hat.

Interessant ist aber vor allem die auf den ersten Blick simpel wirkende und auf allen 4 Tallitecken gleiche Inschrift:

außen (im Bild oben):

חתני ידי“ן

Mein(em) Bräutigam, dem Liebling meiner Seele
(hebräische Abkürzung aufgelöst in: ידיד נפשי; denkbar wäre u.U. auch ידיד נכבד „dem ehrenwerten Freund“, aber natürlich nur im Fall, dass die Schwiegermutter die Tallitecken gewidmet hätte; in diesem Fall müsste die Übersetzung natürlich nicht „Mein(em) Bräutigam“, sondern „Mein(em) Schwiegersohn“ lauten!)

außen (im Bild links):

מרדכי

Mordechai

außen (im Bild unten):

אלעזר

Elasar

außen (im Bild rechts):

הכהן הי“ו

der Kohen, der Herr möge ihn am Leben erhalten und beschützen
(hebräische Abkürzung aufgelöst in: השם יחיהו וישמרהו)

innen (im Bild oben):

שנת

im Jahr

innen (im Bild Mitte, links und rechts von der Blumenverzierung):

5618

(ergibt umgerechnet das bürgerliche Jahr 1858)

innen (im Bild unten):

לפ“ג

nach der großen Zeitrechnung
(hebräische Abkürzung aufgelöst in: לפרט גדול). Die Angabe der Jahreszahl mit der Tausenderzahl (also 5000, umgerechnet das Jahr 1240) findet sich eher selten. Meist werden Jahreszahlen, zumindest nach dem (umgerechneten) Jahr 1240, ohne 5000er geschrieben, also „nach der kleinen Zeitrechnung“ mit der hebräischen Abkürzüng לפ“ק (siehe z.B. auch unter „Todesdatum“).

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