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Hat der ‚jüdisch-christliche‘ Dialog Zukunft?

Ab Sonntag Abend erkundet eine Tagung am Wiener Institut für Judaistik die Gegenwart und Zukunft des jüdisch-christlichen Dialogs:

Detail Programmfolder

Als Referenten fungieren ausgewiesene Experten u.a. aus den Bereichen Judaistik, Bibelwissenschaft und Religionspädagogik, darunter Rabbiner Prof. em. Dr. Jonathan Magonet, Univ.-Prof. Dr. Gerhard Langer, Univ.-Prof. Dr.in Irmtraud Fischer, Univ.-Prof. Dr. Ednan Aslan und Univ.-Prof. i.R. Dr. Martin Jäggle. Ein eigenes Podiumsgespräch ist außerdem dem „Bildungsauftrag Jüdischer Museen“ gewidmet – wir bedanken uns für die freundliche Einladung, an diesem Podium mitzuwirken, und freuen uns auf ein spannendes Gespräch mit Dr. Hanno Loewy und Dr.in Felicitas Heimann-Jelinek.

Die dreitägige, von den Universitäten Graz und Wien getragene Konferenz – Abschlusstagung zum FWF-Projekt „Die Hebräische Bibel im ‚jüdisch-christlichen‘ Dialog in Österreich und Deutschland nach 1945“ – steht allen Interessierten offen, die Teilnahme ist kostenlos!

Das Programm und weitere Infos finden Sie im Folder zur Tagung (Pdf).

Veranstaltungen

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Einladung: Im Dialog …

Die Synagoge im Österreichischen Jüdischen Museum ist ein ebenso prächtiger wie geschichtsträchtiger Raum – nur selten aber sind hier Gebet und Gottesdienst erlebbar. Umso mehr freuen wir uns, dass die Synagoge nach längerer Zeit nun wieder einmal in dieser Weise genutzt wird: Gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde Sopron laden wir herzlich ein zum

Nachmittagsgebet am Schabbat-Vorabend

(Mincha, nach neologem Ritus).

Anschließend wird Gara István, Kantor der jüdischen Gemeinde Sopron, ein kurzes musikalisches Programm vortragen.

Wann: Freitag, 23. Mai 2014, 17.00 bis 18.00 Uhr
Wo: Österreichisches Jüdisches Museum

Bitte beachten Sie: Eine Anmeldung ist erforderlich –

  • per E-Mail: info@ojm.at oder
  • telefonisch: +43(0)2682 651 45

Synagoge im Österreichischen Jüdischen Museum

Das Gebet bildet zugleich den Auftakt zur „Langen Nacht der Kirchen“ in der nahegelegenen Haydnkirche, die dem jüdisch-christlichen Dialog gewidmet sein wird. Details zum nachfolgenden Programm in der Haydnkirche finden Sie auf der Website der „Langen Nacht der Kirchen“ sowie übersichtlich im zugehörigen Programmheft.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der jüdischen Gemeinde Sopron, der Pfarre Eisenstadt-Oberberg und dem „Joseph Haydn Konservatorium“.

Burgenland, In eigener Sache, Leben und Glaube, Veranstaltungen

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Heilige Pyrotechnik – Schawuot meets Pfingsten

Die Festkalender von Judentum und Christentum bescheren uns an diesem Wochenende eine exakte terminliche Übereinstimmung – Pfingsten, das Fest der Geist-Sendung, trifft Schawuot, das „Wochen“-Fest, das an die Gabe der Tora an das Volk Israel erinnert. Die beiden Festzeiten haben freilich mehr gemein als nur ihren Termin, nämlich 7 Wochen nach Ostern bzw. Pesach; beiden Festen liegt je eine biblische Theophanie-Erzählung zugrunde – und beide Geschichten geizen nicht mit bombastischen erzählerischen Effekten.

In der für Schawuot maßgeblichen Erzählung zunächst lagert das Volk Israel, nach erfolgreichem Auszug aus der ägyptischen Sklaverei, am Sinai – es folgt, vom biblischen Erzähler drastisch ausgemalt, der Auftritt des Herrn:

Der ganze Sinai war in Rauch gehüllt, denn der Herr war im Feuer auf ihn herabgestiegen. Der Rauch stieg vom Berg auf wie Rauch aus einem Schmelzofen. Der ganze Berg bebte gewaltig und der Hörnerschall wurde immer lauter. Mose redete und Gott antwortete im Donner. Der Herr war auf den Sinai, auf den Gipfel des Berges, herabgestiegen

2 Mose 19,18ff.

– und übermittelt dem Volk die 10 Gebote.

Damit Schwenk in Richtung Christentum. Von der nicht weniger eindrucksvollen Pfingst-Theophanie berichtet die neutestamentliche Apostelgeschichte: Die Apostel sind (nach der Himmelfahrt Jesu) versammelt, da

… kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

Apg 2,2ff.

Offenkundig findet sich in beiden Erzählungen, was der israelische Schriftsteller Meir Shalev spöttisch die „üblichen pyrotechnischen Effekte“ nennt, die die Auftritte des Herrn (den biblischen Berichten zufolge) zu begleiten pflegen (Shalev hat konkret übrigens ein weiteres, dabei ähnlich pompöses Erscheinen des Herrn im Blick, nämlich in den Schlussreden des Buches Hiob – siehe Meir Shalev: Der Sündenfall – ein Glücksfall? Alte Geschichten aus der Bibel neu erzählt. Zürich 1999. S. 203). In beiden Fällen eine feurige und lautstarke Angelegenheit also …

Ausführlich hat Schalom Ben-Chorin – dessen dreibändige „Heimkehr“-Reihe („Jesus, Paulus und Maria in jüdischer Sicht“), wiewohl einige Jahrzehnte alt, noch immer zum Lesenswertesten zählt, was die jüdisch-christliche Begegnung publizistisch hervorgebracht hat – genau diese „pyrotechnische“ Übereinstimmung (und weitere Analogien) zwischen Pfingst-Ereignis und dem Sinai-Geschehen herausgearbeitet,

…wo der Herr im Feuer auf den Offenbarungsberg herabfährt (2. Mose 19,18) und die Stimme Gottes aus dem Feuer zum Bundesvolke spricht (5. Mose 5,23f.). (…) Schon vor der Offenbarung am Sinai … spricht Gott aus dem Feuer zu Mose im brennenden Dornbusch. (…) Jahwe redet aus dem Feuer. Sprache und Zunge sind im Hebräischen dasselbe, Laschon. Deshalb erscheint hier der Geist, der Geist Gottes, … in der Form von feurigen Zungen und inspiriert damit die Zungen der Begeisterten, die in allen Sprachen reden. Damit wird wieder ein Schabuothmotiv aufgegriffen, denn nach der Haggada wurde die Thora in allen siebzig Sprachen der Völker verkündigt, zumindest ihr Herzstück, der Dekalog.

Schalom Ben-Chorin: Mutter Mirjam. Maria in jüdischer Sicht. 5. Aufl. München 1987. S. 122 (zum Pfingstereignis im Ganzen: S. 114-123)

In diesem Sinne wünschen wir „feurige“ Feiertage – Chag Schawuot sameach bzw. ein schönes Pfingstfest!

Leben und Glaube

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Verzettelt in Jerusalem

Es ist ein Ritual, an dem sich Israel-Reisende verschiedenster Couleur (Prominenz, von Barack Obama bis Benedikt XVI., inklusive) erfreuen: das Schreiben von Gebets-Notizen (jidd. Kwittel), die anschließend in den Ritzen der Jerusalemer Westmauer (hebr. HaKotel HaMa’arawi; eher problematisch ist das deutsche „Klagemauer“) deponiert werden.

Wer möchte, kann selber ein „Kvittelchen“ in die Ritzen der Klagemauer stecken,

schlägt etwa der Israel-Baedeker Jerusalem-Besuchern vor (dagegen – das ist wohl warnend an die Adresse christlicher PilgerInnen gesagt – sei etwa das „Anzünden von Kerzen eher unpassend“ …;)).
Im Hintergrund steht dabei, grob gesprochen, die (in der jüdischen Traditionsliteratur gut belegte) Idee der vorzüglichen Heiligkeit des Ortes, von dem die Gegenwart Gottes auch nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels nicht gewichen sei.

(Zur Heiligkeit und den Ritualen rund um die Westmauer vgl. ausführlich R. Mordechai Ha’cohen: Sanctity, Law and Customs. In: Meir Ben-Dov u.a.: The Western Wall (HaKotel). Jerusalem 1987. S. 79-97; außerdem Max Küchler: Jerusalem. Ein Handbuch und Studienreiseführer zur Heiligen Stadt. Göttingen 2007. bes. S. 154ff., 168ff.)

  • Die Jerusalemer Westmauer ...
    Die Jerusalemer Westmauer ..
  • ...samt Kwittelach
    …samt Kwittelach


Das Kwittel-Ritual scheint nun so reizvoll zu sein, dass auch christliche PilgerInnen es für sich bzw. ihre heiligen Stätten adaptiert haben. Geschätzte 500 Meter Luftlinie von der Westmauer entfernt nämlich, in der Grabeskirche, werden ebenfalls eifrig Zettel beschrieben, gefaltet und in Ritzen gesteckt – analoge Frömmigkeitspraxis, andere Religion.
Hier, wo Christinnen und Christen Hinrichtungsstätte und Grab des Jesus von Nazareth verehren, haben also ebenfalls die Gebetszettelchen Einzug gehalten – und werden in die Ritzen der Grabkapelle geschoben; deren Altersschwäche bzw. die entsprechenden baulichen Auflösungserscheinungen machen’s möglich…

  • Die Grabkapelle im Inneren der Grabeskirche ...
    Die Grabkapelle im Inneren der Grabeskirche …
    Wikipedia
  • ...mit den einschlägigen Zettelchen
    …mit den einschlägigen Zettelchen


Ob hier nun tatsächlich eine Art interreligiöser Ritual-Import vorliegt (oder eher eine althergebrachte Analogie in der religiösen Praxis)? Man weiß es nicht. Freund Baedeker jedenfalls kennt/empfiehlt ein derartiges Ritual (noch?) nicht… ;)

Was wir aber jedenfalls wissen: Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst eine Nachricht an der Westmauer zu hinterlassen, muss nicht auf den nächsten Israel-Besuch warten – Twitter sei Dank lassen sich Gebete auch online an die Westmauer adressieren, die dann in ausgedruckter Form ebendort deponiert werden; mehr Infos bei „Tweet your prayers„.

Leben und Glaube

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Bilder der Woche – Herodes

Er ist der Bösewicht und Kinderschreck der christlichen Weihnachtsgeschichte: Herodes der Große (ca. 73-4 v.d.Z.), dem das Matthäusevangelium nachsagt, er habe, in Sorge um den Fortbestand seines Königtums,

in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten [lassen].

(Mt 2,16)

Auch abseits des (historisch ohnehin sehr fragwürdigen) Kindermords erscheint der idumäisch-stämmige König von Roms Gnaden als eher zweifelhafter Zeitgenosse:

Wie kaum ein anderer war er nach außen hin vom Glücke begünstigt

so fasst der jüdische Historiker Flavius Josephus (Geschichte des Jüdischen Krieges. I, 33, 8. Übers. v. H. Clementz) die herodianische Herrschaft zusammen, immerhin

war er in den Besitz eines Königreiches gelangt und konnte es nach langjähriger Regierung eigenen Kindern hinterlassen; nur in seinem Familienleben traf ihn Unglück über Unglück

– familieninterne Hinrichtungen von Gattin und Söhnen inklusive, nicht zu reden von allerlei politischen und religiösen Querelen.
Fairerweise muss allerdings gesagt werden: Mindestens ebenso dauerhaft wie sein schlechter Leumund sind die prächtigen Bauwerke des Herodes bzw. ihre Überreste, die – Kindermord hin oder her – bis heute Massen an schaulustigen Besuchern anziehen: von der …

Bergfestung Masada am Toten Meer

… Bergfestung Masada am Toten Meer über …

Umfassungsmauer ('Westmauer') des Jerusalemer Tempels

… die Umfassungsmauer („Westmauer“) des Jerusalemer Tempels, …

Monumentalbau über den Patriarchengräbern in Hebron

… den Monumentalbau über den Patriarchengräbern in Hebron und die …

Hafenstadt Caesarea

… Hafenstadt Caesarea …

Herodionspalast mit Grab des Herodes

… bis zum Herodionspalast (ca. 12 km südlich von Jerusalem), wo sich auch das (erst vor wenigen Jahren aufgespürte) Grab des Herodes befindet.

Mit dieser jüdisch-christlichen Sightseeing-Tour gehen wir für die verbleibenden Tage des alten Jahres in eine kleine Online-Pause –

Wir wünschen unseren christlichen Leserinnen & Lesern ein schönes Weihnachtsfest,
danken ganz herzlich allen leibhaftigen und virtuellen Besuchern unseres Museums im Jahr 2010, Lesern, Kommentatoren, Facebook-Freunden und Twitter-Followers,
außerdem all jenen, die zum Erfolg unserer diesjährigen Veranstaltungsreihe „Schalom – Salam – Grüß Gott“ beigetragen haben, Referenten, Teilnehmern und Gastautoren (und selbstverständlich auch allen -innen ;) ),
und wünschen uns allen einen guten Start ins Jahr 2011!

PS: Wer punkto jüdisch-christlicher Beiträge zur Weihnachtszeit auf den Geschmack gekommen ist, dem sei nochmals unser letztjähriger Artikel „Über Ochs & Esel“ ans Herz gelegt …

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