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Lange Nacht der Museen 2013 – Nachlese

Die Lange Nacht der Museen ist vorbei, wir sind müde, aber auch sehr zufrieden:

Der burgenländische Koscherwein von Familie Hafner hat hervorragend gemundet…

Goldprämierte koschere Weine und Spirituosen

Fragen, Kosten, Informieren ...

die Kinder lösten blitzschnell und souverän die Fragen zu den koscheren und nicht-koscheren Tieren…

Geschenke, Geschenke, Geschenke ...

Die Qual der Wahl ;-)

die Objektführung (Siebensachen) war außerordentlich gut besucht und vor allem das Feedback überaus positiv…

und – wohl nicht nur für uns – am überraschendsten, aber auch besonders erfreulich war, dass bei unserem Sight-Running-Experiment 3 Helden am Start standen –, die doch anspruchsvolle Strecke nachts problemlos bewältigten und nach knapp 2 Stunden wieder wohlbehalten im Museum eintrafen:

3 fitte Mutige!

Aufgenommen auf halber Strecke „beim Juden“ um ca. 23 Uhr

Burgenland, In eigener Sache, Veranstaltungen

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Koschere Kur – judenfreie Kur

Wenn es darum geht, politisch-gesellschaftliche Entwicklungen zu fassen zu bekommen, lohnt es bisweilen, neben den nackten Daten und Fakten, auch Beispiele aus der Alltagskultur, etwa: aus der Werbung, beizuziehen – wie das folgende, aus den 1930er Jahren:

Der burgenländische Kurort Bad Tatzmannsdorf, (bis) heute bekannt für Thermalwasser, Heilmoor etc., machte schon in den 30ern per Print-Inserat auf seine Vorzüge aufmerksam. Explizit umworben wurde dabei auch die (observante) jüdische Klientel, wie diese Anzeige in der „Jüdischen Wochenschrift Die Wahrheit“ aus 1935 belegt:

Werbeeinschaltung in 'Die Wahrheit' 1935

Aus: Jüdische Wochenschrift Die Wahrheit, Jg. 51, Nr. 26, 28.6.1935 (u.a.), S. 3 (im Volltext online auf bzw. entnommen aus compactmemory.de)

Potentiellen jüdischen Gästen werden dabei nicht nur diverse Bade-Freuden in Aussicht gestellt – auch für das religiöse Wohl scheint hinreichend gesorgt, immerhin hat das „Herz- und Frauenheilbad Tatzmannsdorf“, wie im Inserat eigens erwähnt, auch „zwei rituelle [sprich: koschere] Restaurants“ zu bieten.

Ähnliche Werbeeinschaltungen finden sich in der „Wahrheit“ noch im Sommer 1937.

12 Monate später, im Sommer 1938, hatte sich die Werbelinie merklich gewandelt – das folgende Tatzmannsdorf-Inserat stammt aus der Wochenzeitung „Grenzmark Burgenland“, herausgegeben von Burgenlands Nazi-Landeshauptmann Tobias Portschy.

Antijüdische Werbeeinschaltung 1938

„Juden werden nicht aufgenommen“ – aus: Grenzmark Burgenland, F. 23, 7.8.1938 (u.a.), S. 11

Entdeckt bzw. erstmals zusammengestellt wurden die beiden Anzeigen von Sabine Lichtenberger, in der Arbeit: „Es war meine Heimat, das Burgenland“. Geschichte und Kultur des burgenländischen Judentums mit besonderer Berücksichtigung der Jahre 1921-1938. Dipl. Wien 1996. S. 179-182.

Burgenland, Leben und Glaube

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Wenn Würmer in den Kirschen nisten …

Jetzt ist Kirschenzeit. Hier im Burgenland, nahe Eisenstadt, gibt es den wunderschönen Kirschblüten-Radweg, die Bäume blüh(t)en prächtig (die eigentliche Kirschblüte ist schon vorüber) und auch auf den Märkten erhält man allerorts die leckeren Früchte aus der Familie der Rosengewächse.

  • Dienstliche Radtour zum Kirschblütenweg ;)
  • Noch: Kirschen ohne Würmer ...
  • Kirschen am Markt ...


Nun mag aber etwas die Freude des Kirschenessens trüben, nämlich die Würmer, die sich nur allzu gern in den Kirschen einnisten …
Und genau diese Würmer sind es auch, die eine Kirsche im Judentum zum verbotenen Lebensmittel machen (Update, 13.06.2011: so sie nicht aufgemacht und untersucht werden, siehe Kommentare). Mit anderen Worten: Kirschen gelten nur so lange als rituell in Ordnung und im weiteren Sinn als koscher, solange sie wurmfrei sind (Mit Ausnahme von vier Heuschreckenarten sind alle Reptilien, Amphibien, Würmer und Insekten unreine Tiere)!

Ein sehr schöner Merksatz hat sich mir dabei gut eingeprägt:

Kirschen bis Korach

Korach“ (4. Buch Mose – Numeri – 16,1-18,32) ist jener Leseabschnitt der Tora (Parascha), der heuer am Schabbat, dem 25. Juni, also in knapp 2 Wochen, gelesen wird! Bis zu diesem Datum also dürfen Sie noch gefahrlos Kirschen genießen, danach müssten Sie die Kirschen schon genau untersuchen, um zu klären, ob es sich Würmer in ihnen wohnlich gemacht haben ;)

Ob der Spruch „Kirschen bis Korach“ in der jüdischen Gemeinde Eisenstadt früher auch bekannt war, vermag ich nicht zu beurteilen, die Würmer in den Kirschen waren jedenfalls sehr wohl schon ein Thema kurz nach Schavu’ot:

Bald nach Schowuoth ist das Schuljahr zu Ende: die Gasse wird leerer, denn die Kinder vom Lande fahren nach Hause. Noch eine Pflicht haben sie sozusagen zu erfüllen: den ersten Wurm in den Kirschen zu suchen und zu finden. Wer die erste wurmige Kirsche zum Rabbiner bringt, erhält vom Tempelvorsteher 10 kr. ausbezahlt; in der Gasse aber wird verrufen, dass unaufgemachte Kirschen von nun an „osser wie cahser“ (verboten wie Schweinefleisch) sind […]

Fürst A., Sitten und Gebräuche einer Judengasse, Székesfehérvar 1908

PS: Heißt es im Judentum „Kirschen bis Korach“, so hört man – zumindest in unserer Region – oft den Spruch: „Die Maikirschen (also die ersten Kirschen) haben keine Würmer“.

Burgenland, Leben und Glaube

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Bild der Woche – Flüssiges koscheres Gedenken

Nicht schlecht gestaunt habe ich, als ich anlässlich einer Einladung vor wenigen Tagen unter den Gastgeschenken eine Weinflasche mit koscherem Rotwein entdeckte, die den berühmten „Sieben (heiligen jüdischen)-Gemeinden“ gewidmet ist.

Sozusagen ein Pflicht-„Bild der Woche“-Foto ;)
Herzlichen Dank an Herrn Mag. Wolf-Erich Eckstein, Wien, der damit schon das zweite Bild der Woche beisteuert!

Koscherer Rotwein, den 'Sieben heiligen jüdischen Gemeinden' gewidmet

Koscherer Rotwein, den „Sieben heiligen jüdischen Gemeinden“ gewidmet

Die Flasche trägt die Datumsangaben 5770 (= 2009/10) und 2010. Die Aufschrift „Sheva Kehillos“ (Sieben-Gemeinden), findet sich sowohl mit lateinischen Buchstaben als auch mit den hebräischen Buchstaben der sogenannten Raschi-Schrift (wie ich zunächst annahm) geschrieben.

Weiter unten auf der Flasche finden wir den Koscherstempel des Wiener Gemeinderabbiners Schlomo Elieser Hofmeister. Dieser bestätigte, dass er selbst den Wein produziert und erklärte mir, dass die hebräischen Buchstaben für „Sieben-Gemeinden“ streng genommen nicht Raschi-Schrift, sondern die Jüdisch-Deutsche Schrift sind, was freilich an den wenigen Buchstaben nicht erkenntlich ist.
Anmerkung: Die Jüdisch-Deutsche Schrift ist eine Weiterentwicklung der Raschi-Schrift. Die jüdisch-deutschen Texte in dieser Schrift werden auch „Weiber-Deutsch“ genannt.

Koscher-Stempel von Rabbiner Schlomo Hofmeister, Wien

Koscher-Stempel von Rabbiner Schlomo Hofmeister, Wien

Unter dem Koscher-Stempel finden wir die Aufschrift יין לא מבושל (jajin lo mevuschal), also „Nicht gekochter Wein“.

Exkurs: Da von Heiden produzierter Wein in der Antike für Trankopfer (Libation) verwendet und daher mit Götzendienst gleichgesetzt wurde, war er für Juden verboten (babylonischer Talmud, Traktat Avoda sara 31a). Das Verbot wurde von den Rabbinen auch auf den „stam jenam“, den gewöhnlichen, von Nichtjuden produzierten Wein ausgedehnt, da sie vor allem die Abgrenzung gegenüber Nichtjuden durch einen zu engen sozialen Kontakt mit letzteren gefährdet sahen.

Vom Verbot des mit Nichtjuden in Berührung gekommen Weines ausgenommen war der „gekochte Wein“ (jajin mevuschal) damit ist ein Wein gemeint, der für kurze Zeit so stark erhitzt wird, dass „die Hand zuckt“ (bab. Talmud, Traktat Schabbat 40b).

Wenn koscherer Wein gekocht worden ist, d.h., man hat ihn soweit erhitzt, dass durch das Erhitzen seine Menge geringer geworden ist, und dann hat ihn ein Nichtjude berührt, darf man ihn sogar trinken

Kizzur Schulchan Aruch 274,3

Moderne Koscher-Weinproduzenten bewerben oft ihre Mevuschal-Weine mit dem Hinweis darauf, dass dadurch „entsprechend dem jüdischen Gesetz“ Nichtjuden in Restaurants die Möglichkeit zum Öffnen der Flaschen gegeben wird.

Rückseite der Koscher-Weinflasche mit Text über die 'Sieben-Gemeinden'

Rückseite der Koscher-Weinflasche mit Text über die ‚Sieben-Gemeinden‘

Auf der Rückseite der Weinflasche findet sich eine kurze Erwähnung der einzelnen heiligen jüdischen Gemeinden der „Sieben-Gemeinden“ und ihrer berühmtesten Rabbiner sowie der Hinweis darauf, dass die Erlöse aus dem Weinverkauf ausschließlich karitativen Zwecken der jüdischen Gemeinde Wien zufließen.

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Bild der Woche, Burgenland

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Wer isst Was – Nachlese

Heute fand unter regem Publikumsinteresse – ca. 70 BesucherInnen waren gekommen – die Finalveranstaltung „WER isst WAS“ unserer Vortragsreihe „Schalom – Salam – Grüß Gott“ statt.
Tatsächlich stand der Vormittag dann doch (nur) unter dem Motto „Schalom – Grüß Gott“, denn der muslimische Referent fehlte leider. Alle Anwesenden fanden das sehr schade, nutzten dann aber die Zeit, um entsprechend ausführlicher über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Grundregeln des Essens und Trinkens in Judentum und Christentum zu sprechen.

Und wenn wir auch den theoretischen Überbau vermissten, beim anschließenden großen Buffet gab es neben „kosher-style“- natürlich auch genügend halal-Köstlichkeiten!

  • Volles Auditorium bei der Finalveranstaltung 'WER isst WAS'
  • Universitätslektorin Dr.in Tirza Lemberger, Wien
  • Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker, Bischof der evangelischen Kirche A.B. in Österreich
  • Die 'halal-Abteilung' beim Buffet
  • Kosher-Style ...
  • Vor der heißen Schlacht am kalten Buffet ;)


Die Kaschrut hat absolut nichts mit Gesundheit zu tun … sonst hätten wir auch gewisse Pilzarten auf der Liste, die man nicht essen darf. Aber es steht nirgends, dass der Fliegenpilz nicht zum Essen erlaubt ist, wenn ich es auch nicht raten möchte … ;)

Univ.-Lektorin Dr.in Tirza Lemberger

… wenn Adam und Eva in Vietnam gelebt hätten, hätten sie nicht den Apfel gegessen, sondern die Schlange … und es wäre uns vielleicht einiges erspart geblieben … ;)

Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker, Bischof der evangelischen Kirche A.B. in Österreich

In eigener Sache, Veranstaltungen

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