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Koscherer Knigge

Calvin Klein ist jüdisch. Der Erfinder des Einkaufswagens auch. Prince Charles nicht – wurde immerhin aber vom Mohel (Beschneider) der jüdischen Gemeinde Londons beschnitten.

Mit solch unterhaltsamen Kleinigkeiten ist Michael Wuligers unlängst erschienener “koscherer Knigge” (Der koschere Knigge. Trittsicher durch die deutsch-jüdischen Fettnäpfchen. Frankfurt a.M.: Fischer 2009) gut bestückt.
Die aber sind nur auflockerndes Beiwerk – eigentlich, so erklärt der “Knigge”, gehe es ihm darum, den (nicht-jüdischen) Leser wohlbehalten durch die “Fettnäpfchen” und “Minenfelder” (15) in der Beziehung von Juden und Nicht-Juden zu eskortieren.
Entsprechend macht sich Wuliger, ironisch-charmant und mit entlarvendem Scharfblick, an jene Themen, die regelmäßig zu Peinlichkeiten, Missverständnissen und handfesten Verstimmungen im Gespräch zwischen Juden und Nicht-Juden Anlass geben: Nahostkonflikt und Shoa, Philo- und Antisemitismus, nicht-jüdische Erwartungshaltung und jüdische Realität.

Betont lebensnah ist dieser Durchgang, und zugleich weit entfernt davon, ein platte Sammlung von Anstandsregeln, quasi ein “Benimmbuch” für gojisch-jüdische Begegnungen aller Art, abzugeben.
Ob nicht das Wort “Jude” den umständlichen und sich obendrein einer falsch angewandten “political correctness” verdankenden Bezeichnungen à la “jüdischer Herkunft” oder “jüdischen Glaubens” vorzuziehen sei, wird da gefragt (Antwort: eher ja – “Sie dürfen ruhig ‘Jude’ sagen”: 10). Oder: ob man jüdische Neo-Bekanntschaften am besten mit einem herzhaften “Schalom” begrüßen solle (eher nein – “Ein freundliches ‘Guten Tag’ reicht völlig aus”: 13).
Alte und neue Stereotype werden im Vorbeigehen abgekanzelt: Nein, keineswegs seien alle Juden reich (11). Und: Klesmer ist nicht der Inbegriff jüdischer Kultur (75ff.).

Dabei ist die Sache ernst: der Stoff, aus dem die interreligiösen Alpträume sind – und soll doch nicht allzu ernstgenommen werden.
Von der reichlich spöttischen Beschreibung der Befindlichkeiten in der Begegnung von Juden und Nicht-Juden bleibt denn auch kaum ein Beteiligter verschont: nicht die eifrigen Vergangenheitsbewältiger (33ff.), nicht die überschwänglichen Israelfreunde (47f.), nicht das (in seinen Untiefen sezierte) jüdische Gemeindeleben (39ff.).

Und – noch nicht einmal die jüdischen Museen: Deren jüdische Besucherinnen und Besucher nämlich fühlten sich, “als ob Viecher sich im Naturkundemuseum ihre ausgestopften Artgenossen anschauen würden” (76) …

… Treffer!

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir eine Leseprobe (pdf-Datei, 158 KB) aus dem “koscheren Knigge”.

Kunst und Kultur, Leben und Glaube

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Bild der Woche – Koscher-Wein

Im östlichsten Zipfel Österreichs, im burgenländischen Seewinkel, finden wir das traditionsreiche Weingut Hafner, in dem seit 1980 auch koscherer Wein hergestellt wird.

Koscher Wein Verkaufsraum Weingut Hafner

Als wir 1998 für unsere große Koscher-Wein-Ausstellung koscheren Wein aus aller Welt organisierten und monatelang beinahe Tag und Nacht telefonierten, hörten wir immer wieder die Antwort: “No, we don’t have own kosher wine production, only Hafner” ;-)

Mehr zum Koscher-Wein

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Bild der Woche, Burgenland

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Bild der Woche – Wiener Bagel

Neulich im Books & Bagels, Wiens (unseres Wissens) neuester Errungenschaft in Sachen jüdischer Kulinarik…

Wiener Bagel und Melange

PS: Nein – dies ist keine bezahlte Anzeige. Eine Übersicht von weiteren Angeboten (koscheren) jüdischen Essens in Wien bietet die Israelitische Kultusgemeinde (gehe zu > Restaurants & Hotels).

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Bild der Woche

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Bild der Woche – Kunerol

Von Samuel Ehrenfeld war an dieser Stelle bereits die Rede: Ehrenfeld, später zwangsweise emigriert, war der letzte Rabbiner Mattersdorfs/Mattersburgs.
Das folgende Inserat stammt aus der “Jüdischen Wochenschrift Die Wahrheit”, erschienen in Wien am 13. März 1931 (Jg. 47, Nr. 11, S. 3) – und ist ansonsten selbsterklärend …

Zeitungsinserat für Kunerol, 1931

Wir übernehmen diesen Ausschnitt, erstmals gesehen in der Diplomarbeit von Sabine Lichtenberger (“Es war meine Heimat, das Burgenland”. Geschichte und Kultur des burgenländischen Judentums mit besonderer Berücksichtigung der Jahre 1921-1938, Wien 1996, S. 135), aus dem Online-Archiv Compact Memory.

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Bild der Woche, Burgenland

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Koschere Melange

Das Österreichische Jüdische Museum bloggt seit heute unter dem Titel “Koschere Melange”.
Wir heißen Sie mit diesem ersten Blogbeitrag herzlich willkommen.

Aus Marketinggründen, insbesondere auch aus Gründen der besseren Zitierbarkeit und des transparenteren Auftritts entschieden wir uns dafür unserem Blog einen eigenen Titel zu geben.

“Koschere Melange” als Blogtitel war schnell gefunden und schien uns aus mehreren Gründen
passend:
Mit “Melange” im engeren Sinn soll ganz bewusst ein Austriacum, die bekannte Wiener Kaffeespezialität, assoziiert werden. Mit “Melange” im weiteren Sinn sollen die Bloginhalte angedeutet werden, nämlich eine möglichst bunte Mischung an Beiträgen aus dem Museumsalltag.

Dass diese Mischung behauptet koscher zu sein, scheint auf den ersten Blick ein (zu) hoher Anspruch. Doch ist es einerseits wohl eine Frage der Glaubwürdigkeit. Denn wie sollte ein jüdisches Museum, das sich wie das unsere der so spezifischen und bedeutenden jüdischen Geschichte der Region verpflichtet fühlt, etwas anderes servieren als eine koschere Melange ;-) ?
Andererseits wollen wir das Wort “koscher” hier selbstverständlich nicht nur im engeren religiösen Kontext verstehen, sondern so wie wir es in unserer Alltagssprache verwenden.

Bleibt noch die Frage, ob es eine koschere Melange überhaupt gibt? Ja es gibt sie, wenn die Bestimmungen eingehalten werden. So ist etwa Milch streng genommen nur dann koscher, wenn die Milch von reinen Tieren stammt (Kuh, Schaf oder Ziege) und ihre Gewinnung vom Melken bis zur Flaschenbefüllung durch legitimierte jüdische Aufsichtspersonen überwacht wurde. Ist es unmöglich koschere Milch zu erhalten, wird meist auch die handelsübliche Milch erlaubt. Milch von nicht reinen Tieren (Kamel- oder Stutenmilch) ist hingegen streng verboten.
Schwieriger ist es beim Milchpulver, da auch dieses natürlich – etwa wie bei der Schokoladenproduktion – koscher sein muss.
Auf der Koscherliste der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland vom 07. November 2006 etwa wird die Hauspackung Wiener Melange von Möwenpick als koscher und damit als erlaubt ausgewiesen.

Wir hoffen, dass Sie unser Angebot des Blogs annehmen, laden Sie herzlich ein sich aktiv daran zu beteiligen und freuen uns sehr auf Ihre Anregungen, Kritiken und Antworten in den Kommentaren.

Auf der Seite “Über das Blog” finden Sie mehr Informationen zu “Wer?”, “Wie?” und “Warum?”.

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir den Besuch des kleinen Kaffeehauses von Ruth Winkler in der Hollandstraße im 2. Wiener Gemeindebezirk, wo Sie Wiens einzige (echte) koschere Melange genießen können …

In eigener Sache, Leben und Glaube

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