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… dann bist du von Einsamkeit umsponnen …

Zur alljährlichen Tradition gehört es für mich, im Herbst den jüdischen Friedhof in Kobersdorf zu besuchen. Es darf wiederholt werden: für mich einer der schönsten jüdischen Waldfriedhöfe …

Berühmte Gelehrte sind hier begraben, darunter Rabbi David Alt, genannt Eibnitz, gestorben 1850, seine Ehefrau Chana, gestorben 1877 und sein Sohn Elieser, gestorben 1895.

  • Grabstein Rabbiner David Alt, genannt Eibnitz

    Rabbiner David Alt, genannt Eibnitz

  • Grabstein Chana Alt

    Grabstein Chana Alt (Eibnitz)

  • Grabstein Elieser Alt

    Elieser Alt (Eibnitz)


Lobenswert jedenfalls, dass der Weg sowohl zur Synagoge als auch zum jüdischen Friedhof in Kobersdorf mehrfach deutlich und klar bezeichnet ist, lobenswert auch, dass erkennbar ist, dass schon viele Arbeiten am Friedhof stattgefunden haben, wenngleich noch viel zu tun bleibt.

Ganz im Gegenteil dazu möchte ich fast von Schock sprechen beim Anblick der Synagoge in Kobersdorf. Die Geschichte ist bekannt: die Kultusgemeinde klagte den Eigentümer des Vereines, dem die Synagoge seit Jahren gehört, verlor den Prozess, die Synagoge verkommt immer mehr zur Ruine. Einfach nur traurig.
Genau gegenüber, nur durch eine schmale Straße getrennt, das schön renovierte Schloss Kobersdorf, in dem jährlich die Kobersdorfer Schlossspiele stattfinden. Tausende BesucherInnen des kleinen Ortes sind seit Jahren mit einer erschütternden Polarität konfrontiert, viele stellen Fragen, die Antworten bleiben unbefriedigend, die öffentliche Hand – so der Verdacht – hat nun offizielle Gründe wegzuschauen.?

  • Synagoge Kobersdorf

    Synagoge Kobersdorf

  • Synagoge Kobersdorf

    Synagoge Kobersdorf

  • Schloss Kobersdorf

    Schloss Kobersdorf


Lackenbach, nur wenige Kilometer entfernt: der größte jüdische Friedhof im Burgenland mit 1770 Grabsteinen, mit wenigen Ausnahmen alle mit hebräischen Grabinschriften, Kalksandsteine, die verwittern und täglich schwerer, zum Teil gar nicht mehr lesbar sind.

Auch hier finden grundsätzlich lobenswerte Arbeiten (Mähen, Katalogisierung …) am Friedhof statt, aber auch hier bleibt noch viel zu tun (Zuordnungen, Auslesen der hebräischen Inschriften, Übersetzungen …).

Aber bis heute: auch hier schockierend und wohl nicht nur für mich wirklich völlig unverständlich der Umgang mit der jüdischen Vergangenheit, mit der Gedenkkultur. Namentlich mit der Gedenktafel, die immerhin an die größte Synagoge des Burgenlandes erinnert (oder besser: erinnern soll), denn die Tafel ist in der ca. 50 Meter langen kleinen Gasse so gut wie nicht zu finden, der Platz für die Tafel sowie der Zustand dieser spotten jeder Beschreibung.
Auch hier viele Fragen: Ein Spiegelbild des Verantwortungsbewusstseins der öffentlichen Hand? Wo sind die Initiativen von Vereinen, Schulen, politischen Verantwortlichen? An den Finanzen kann es in diesem Fall ja wohl nicht liegen, dass seit vielen Jahren nichts passiert bzw. passieren will…

Gedenkkultur? Lackenbach

Gedenktafel – Gedenkkultur? in Lackenbach


PS: Die Überschrift stammt aus einem Gedicht der Literatin Mida Huber, die nahe Kobersdorf, am sehr idyllisch gelegenen Friedhof von Landsee, begraben ist.

Burgenland, Leben und Glaube

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Großmutters Dorf

Fast auf den Tag vor 116 Jahren beschrieb ein Journalist des Pester Lloyd, wie er im Sommer jährlich der großstädtischen Hitze entfloh und zu seiner Großmutter in eine der ehemaligen jüdischen Gemeinden des Burgenlandes (damals natürlich noch Westungarns) reiste, näherhin in ein „armseliges, weltvergessenes Dorf“, das einst „eine reiche, blühende Ortschaft, die reichste und angesehenste unter den sieben Gemeinden [war]“.

Bedauerlicherweise nennt der Autor keinen Namen der jüdischen Gemeinde und wir können nur raten, in welcher der weltberühmten Sieben-Gemeinden des heutigen Burgenlandes er seine Großmutter besuchte … und wir sind ziemlich sicher, dass es sich um Lackenbach handelt.

Der Text gibt einen bemerkenswerten Einblick in Glanz und Elend, in Alltag und Feiertag einer jüdischen Landgemeinde im ausgehenden 19. Jahrhundert.

Pester Lloyd

Samstag, 27. August 1898, Nr. 205

Alljährlich im Sommer, wenn die nervenzerstörende Städtegluth allzu schmerzlich auf mir zu lasten begann, fuhr ich in ein armseliges, weltvergessenes Dorf, um meine Großmutter, welche nicht mehr fern von ihrem hundertsten Lebensjahr stand, zu besuchen. Sie hatte eine so herzliche Freude, wenn ich kam, und nur einen Vorwurf hörte ich oft von der fast Hundertjährigen: daß ich alt werde, gar so alt.

Ja, wer so jung hätte bleiben können wie die Großmutter, die in lebhaften Farben den Herzog von Reichstadt schilderte, den sie bei ihrem letzten Aufenthalte in Wien gesehen, und die mir erzählte, was für schönes Taffetkleid sie von ihrem Vater erhalten, als sie mit ihm im Jahre 1814 in Wien gewesen. Und dann ging Großmutter an die Arbeit: räumte ihr Zimmer auf, welches sie seit fast achtzig Jahren bewohnte, fütterte die Hühner, reinigte das Gemüse, war bald in ihrer Stube, bald im Geflügelhofe, überwachte die Cousine, daß trotz meines Aufenthaltes nicht zu viel Eier verschwendet werden, nörgelte hier, verbesserte dort, machte auch gelegentlich einen ganz netten, kleinen Skandal, wenn die Magd nicht genau nach ihrer Weisung handelte, und Mittags erschien sie nett und adrett in ihrem einfachen Kleide, mit der blühend weißen Haube bei Tische; nirgends ein Fältchen, nirgends ein Stäubchen: ein gutes altes Großmütterchen aus der guten alten Zeit.

Jüdischer Friedhof Lackenbach, 2014

Großmutter hatte sich tapfer gehalten, allein ihr Heimathsdorf ist inzwischen alt geworden und verfallen. Manches der kleinen Häuschen gleicht nur mehr einer Ruine; ungehindert dringen Sonnenschein und Regen durch das Dach; manches ist von seinen Bewohnern gänzlich verlassen worden und steht nun verwaist mitten im Dorfe; die Fensterflügel hängen lose in ihren Rahmen, die Thüren sind herausgerissen, die Balken streben zur Erde, und Mörtel und Ziegelsteine liegen vor der Schwelle, welche in besseren Zeiten fröhliche Menschen betraten.

Einst, vor vielen Jahren, war Großmutters Heimathsdorf eine reiche, blühende Ortschaft, die reichste und angesehenste unter den sieben Gemeinden, welche in unduldsamen Zeiten auf den Gütern der Fürsten Esterházy gegründet wurden. Handel und Verkehr standen in hoher Blüthe, an den Feiertagen wimmelte die ‚Gasse‘ von reich und festlich gekleideten Leuten; die Frauen, wenn sie Kopf an Kopf gereiht am Neujahrstage in der Synagoge saßen, glänzten von Gold und Seide, die Männer spendeten vor der Thora hohe Summen zu wohlthätigen Zwecken, und mancher angesehene Mann, so der Stammhalter der Barone Schey, nahm von hier seinen Ausgang, um dann in der Welt ob seines Ranges und seiner vielen Millionen beneidet zu werden.

Das ist längst vorbei, längst! Die Eisenbahnen haben den Verkehr abgelenkt; die einiges Vermögen zusammenraffen konnten, sind fortgezogen in große Städte, und blos die armen Teufel, welche der Hunger bannt, sind an der heimathlichen Scholle haften geblieben. Die kostbaren Plätze in der Synagoge, wo sich einst die reichen Handelsherren breit machten, sind werthlos geworden und werden von armen Dorfgehern benützt, und die ‚Gasse‘, wo einst fröhliches Leben geherrscht, weist nun auch an Feiertagen nur mehr wenige Leute auf; Alles ist anders geworden, als es einstens war; nichts erinnert mehr an Glanz und Reichthum, und nur in dem großen Friedhof am stillen Anger draußen herrscht ein beredtes Schweigen von einstiger Größe, von einstigem Ansehen.

Verkümmert und verfallen wie das Dorf, sind auch seine Bewohner. Mit schweren Packen beladen ziehen die Männer an Wochentagen in die umliegenden Dörfer hinaus, um für die Ihrigen Brod zu suchen; keuchend wandern sie durch Wald und Thal, arme verspottete Juden, während ihre Frauen daheim die Wirthschaft besorgen, eine arme, armselige Wirthschaft, in welcher es zumeist am Nothwendigsten gebricht, wo die zahlreichen Kinder nicht selten hungernd zu Bette gehen.

Die Armuth der Bewohner liegt auf dem Dorfe, liegt als Wiederschein in der Luft. Alte, uralte Erinnerungen aus dem düstern Mittelalter beschleichen bei diesem Anblick das menschliche Herz; alle Erinnerungen an Menschenhaß und Racenhaß, an kummervolle, angsterfüllte Gesichter, an flüchtende, gehetzte, verspottete Kinder Israels.

‚Aber jeden Freitag Abend,
In der Dämm’rungsstunde, plötzlich
Weicht der Zauber und der Hund
Wird auf’s Neu‘ ein menschlich Wesen.‘

In der Lackenbacher Judengasse, um 1920

Ja, wenn der Sabbath herantritt, dann verwandelt sich der arme, in Lumpen gehüllte Dorfgeher in ein menschlich Wesen, in einen glänzenden zauberhaften Prinzen. Sabbath ist es, der Tag des Herrn, und selbst die düstere Schwere, welche in der Luft lag, ist verflüchtigt. Heiterer, milder, feiertägiger Sonnenschein lächelt auf das Dorf hernieder, beleuchtet mit hellem Lichte die verfallenen Häuser, blickt hinein in die armen verkümmerten Herzen. Sorgen und Mühen, Hohn und Spott der Woche sind vergessen und durch die Gasse schreiten die Männer in ihren guten Gewändern, begrüßen einander in herablassender Weise, halten Cercle vor der Synagoge, debattiren über den Rabbi, und wie der Chason so unverträglicher Natur und mit dem Vorbeter ewig im Hader liegt; erzählen von dem schönen Karpfen, welcher gestern bei dem Vorsteher der Gemeinde gekocht wurde, und treten dann in die Synagoge, um die erbauliche Predigt anzuhören. Und wenn der Vorbeter geendet, eilen sie zum Ausgange und erwarten ihre Frauen, die mit ihren besten Kleidern angethan, bewegt von ihrem innigen Verkehr mit Gott und von allerlei interessantem Klatsch, mit niedergeschlagenen Augen die alte Treppe herunterkommen, das Gebetbuch und das weiße Schnupftuch in den Händen. Und sie erzählen sich auf dem Heimwege, was der Rabbi für ein goldener Mensch sei und wie jedes Wort seiner heutigen Predigt eine Perle, ein Diamant gewesen. Und dann wird das Mittagessen aufgetragen, duftend, daß der Hausherr wonneselig mit der Nase schnuppert und mit einem Schwur bekräftigen würde, was Heine gesungen:

‚Scholet ist die Himmelsspeise,
Die der liebe Herrgott selber
Einst den Moses kochen lehrte
Auf dem Berge Sinai.‘

Und am Nachmittag, wenn die Sonne gegen Westen sinkt, da kommen die Mädchen aus den verfallenen Häusern und promeniren stolz am Ufer des Baches entlang; schöne, schlanke Mädchen in Kleidern aus unmodernen Stoffen, die Schleppe zierlich in der Linken tragend, Hüte mit Federn und Blumen auf den Köpfen und zierliche Schleier vor den erröthenden Gesichtern. Armuth und Elend, welche sie die Woche über in den finsteren, niederen Stuben festgehalten, sind abgeschüttelt, majestätisch wandeln sie einher, wie die Edelfräulein im Gefolge der Prinzessin Sabbath. Sie kichern und wispern, lächeln und kokettiren, sie sprechen von Heine und von der Liebe, von Schiller’s Glocke und von Kotzebue’s herrlichen Theaterstücken. Sie haben die Armuth und die Sorgen in den dumpfen Stuben gelassen, und mit dem schönen Kleide haben sie auch die Bildung aus dem Kasten genommen. Sie sprechen fein und zierlich und gewählt, der schauerliche Wochentagsjargon ist verpönt; Blümchen heißt heute Bertha und Vögele Fanchette, und sie fragen sich nicht wie an den armseligen Werkeltagen: ‚Zu was lauft uns der dumme Hirschl alleweil nach?‘ sondern sie fragen in regelrechtem Deutsch: ‚Weshalb folgt uns denn dieser einfältige Heinrich fortwährend?‘

Und tiefer sinkt die Sonne, tiefer und tiefer. Die armen Mädchen kehren in die kleinen Häuser zurück, still ist die Promenade, still wird die Gasse. Die schwere Luft der Armuth und des Elends legt sich wieder breit und finster auf das Dorf. Die Prinzessin Sabbath ist verschwunden, der schöne Hut, der feine Schleier und die feine Bildung wandern in den Kasten zurück und der arme Jude, der heute in der Synagoge gestanden und stolz durch die Gasse gewandert ist, nun hängen seine Augen trüb an den schweren Packen, mit welchen er in aller Frühe ächzend und keuchend aus seinem Dorf hinauswandern muß und er seufzt und seufzt …

‚Ist ihm doch, als griffen eiskalt
Hexenfinger in sein Herze,
schon durchrieseln ihn die Schauer
Hündischer Metamorphose.‘

Max Viola

Zum Autor:
Max Viola (ursprünglich Max Veigelstock), geboren am 29. August 1856 in Szombathely/Ungarn, gestorben am 4. April 1923 in Budapest/Ungarn. War zunächst in der Landwirtschaft tätig, Mitarbeiter mehrerer Zeitungen, ab 1885 bei der Wiener Allgemeinen Zeitung; wurde als politischer Korrespondent nach Budapest geschickt; war Eigentümer des „Budapester Montagsblattes“; Mitarbeiter des „Pester Lloyd“; war nebenbei literarisch tätig und verfasste zahlreiche Novellen, Romane und Gedichte; veröffentlichte u.a. die Verserzählung „D. Birkenheimer“ (1898), die Romane „Zweierlei Liebe“ (1893), „Die Brüder“ (1902) und „Salomon Tulpenthal“ (1903) und mehrere Skizzen und Parodien auf Gedichte von Wedekind, Bierbaum und Hofmannsthal.

Aus: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft, 18. – 20. Jahrhundert, hrsg. von der Österreichischen Nationalbibliothek, München 2002.

Danke an unsere ehemalige Kollegin Almut L., Israel, für das schöne Fundstück!

Burgenland, Leben und Glaube

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Die Sprengung der Synagoge von Deutschkreutz

Protokoll eines Gesprächs mit Josef Presch, Kobersdorf, am 26. September 1990
Erstveröffentlichung!

Josef Presch, geb. 1906 in Mattersburg, wurde 1926 Gemeindeschmied in Kobersdorf, wo er während der Hitlerzeit Präses der katholischen Pfarre war. Als solchem wurde ihm wegen der Organisation der Auferstehungsprozession vom Kreisleiter sogar die Verschleppung nach Dachau angedroht. Da er wegen eines Magengeschwürs für den Militärdienst untauglich war, wurde er als Schmiedemeister der „Technischen Nothilfe“ zugeteilt. Dabei handelte es sich um eine Art Bautrupp, der am Wochenende bei der Wiederherstellung von Bachufern nach Unwettern und dergleichen eingesetzt wurde.

In Anführungszeichen gesetzt sind Originalzitate von Josef Presch.

Am Sonntag, dem 16. Februar 1941 morgens, wurden die 14 Männer der „Technischen Nothilfe“ von Kobersdorf abgeholt, um nach Oberpullendorf gebracht zu werden. Der Wagen bog aber in Richtung Lackenbach ab. Auf die Frage von Josef Presch, der für die Gruppe verantwortlich war, wurde ihnen vom Leiter des Vermessungsamtes, Ing. Koschat, mitgeteilt, dass an dem Tag die Tempel von Deutschkreutz und Lackenbach zu sprengen seien. Herr Presch war Sprengmeister, einen diesbezüglichen Blitzkurs hatte er zuvor, auf Anordnung der Behörde, in Berlin gemacht.

In Deutschkreutz hatte die Feuerwehr (wahrscheinlich Feuerwehrmänner aus der Umgebung) das Areal um die Synagoge bereits abgesperrt. Es gab ein Zuschauergedränge. Die Organisation lag offensichtlich in den Händen des Kreisleiters Kiss aus Markt St. Martin. Außer diesem waren der Bezirkshauptmann, General Siebert, der Chef der Technischen Nothilfe, und andere Parteifunktionäre, etwa zwölf an der Zahl, anwesend. Eigens für sie wurde eine Konstruktion aus Stahl aufgestellt, von der aus sie die Sprengung gut beobachten konnten und die ihnen Schutz bieten sollte; von dort aus sollte auch fotografiert werden. Herr Presch glaubte aber nicht, dass die Herren wirklich fotografieren konnten, da die Detonation schließlich stärker ausfiel als erwartet, mit riesiger Staubwolke, wobei Trümmer auch gegen die Beobachtungswarte der „Ehrengäste“ flogen.

Synagoge von Deutschkreutz

Den Berechnungen entsprechend, hatten sich die Männer der Technischen Nothilfe an die „Ladung“ der Synagoge gemacht. Da vorher die Rede von bis zu 2m dicken Mauern gewesen war, waren Sprenglöcher von innen und von außen gebohrt worden – 140 an der Zahl, obwohl im verbauten Gebiet nur 70 hätten gesetzt werden dürfen. Man wollte den massiven Bau so auf alle Fälle zu Fall bringen. Der Sprengeinsatzleiter nahm alle Verantwortung auf sich. Außerdem musste die elektrische Zündung ganz präzise ausgelöst werden; man riskierte einiges.

Es dauerte bis ca. 12.30h, bis alle Sprenglöcher geladen waren. Die Wucht der Sprengung war dann allerdings so gewaltig, dass es die ganze Synagoge an die 50m hoch in die Luft schleuderte, ehe sie im Schutt dalag, erinnert sich Josef Presch. Seiner Meinung nach waren die Absperrungen der Feuerwehr nicht ausreichend gewesen, denn ein Ziegelbruchstück – „wahrscheinlich aus einem gemauerten Bogen, denn sonst war die Synagoge aus Steinen gebaut“ – traf die 17-jährige Helene Artner tödlich. Sie hatte die Sprengung mit anderen vom offenen Gang der damaligen Hauptschule aus beobachtet.

Unmittelbar neben der Synagoge stand eine „alte Lehmhütte“, die man zunächst wegsprengen wollte, aber wegen des wenig massiven Mauerwerks stehen ließ, in der Hoffnung, sie würde durch die Synagogensprengung ohnehin zerstört werden. Das war dann allerdings nicht der Fall, sondern aus diesem Häuschen kam ein geschockter und staubübersäter Bub heraus, der die Sprengung unversehrt überlebt hatte.

Die Männer der Technischen Nothilfe bekamen nach der Tempelzerstörung in einem Gasthaus Essen. Danach teilte Herr Presch Herrn Ing. Koschat mit, dass er nach dem Tod „eines unschuldigen Mädchens keine Lust mehr habe“, bei der Sprengung der Lackenbacher Synagoge auch noch mitzuarbeiten. Daraufhin wurde er mit einem Wagen nach Kobersdorf gebracht. Er betont, er wisse bis heute nicht, ob damals die Synagoge von Lackenbach am selben Tag gesprengt wurde.

Herr Presch spricht von Malereien im Deutschkreutzer Tempel, Einrichtung sei keine mehr drinnen gewesen. Das Dach sei bloß an der Seite des Eingangs bereits abgenommen gewesen. Warum, könne er nicht sagen. Dass die Kobersdorfer Synagoge nicht gesprengt werden würde, habe Josef Presch schon vor der Sprengung in Deutschkreutz gewusst. Ing. Koschat habe ihm mitgeteilt, dass vor allem eine Gefährdung des gegenüberliegenden Schlosses, dessen hölzerne Dachschindeln Feuer hätten fangen können, nicht riskiert werden sollte. Außerdem standen dort auch zwei Wohnhäuser in unmittelbarer Nähe der Synagoge.

Mit bestem Dank an Mag. Manfred Fuchs, der 1985 als jüngster Bürgermeister des Burgenlandes zum Bürgermeister von Kobersdorf gewählt wurde und das Amt 21 Jahre ausübte.

Burgenland

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Emigration und Flucht

Eine Doppel-Veranstaltung zur jüdischen Geschichte des Burgenlandes

Das Österreichische Jüdische Museum eröffnet sein Jahresprogramm 2013 mit einer Doppel-Veranstaltung zum Thema

Emigration und Flucht.
Beiträge zur jüdischen Geschichte des Burgenlandes.

In Kooperation mit der Burgenländischen Forschungsgesellschaft.

Zwei Abende im Jänner zu ausgewählten Themen und Stationen burgenländisch-jüdischer Geschichte zwischen Gemeindeleben, Emigration und Vertreibung – mit Historikerinnen und Zeitzeugen/innen.

Wir laden Sie herzlich ein!

Die Veranstaltungen im Detail

Teil 1: Lackenbach & Bad Sauerbrunn

Vortrag von Anna K. Liesch (Universität Basel):
„Familie Neufeld aus Lackenbach – eine Familie zieht in den Westen“

Zeitzeugengespräch mit Marion Fischer (Innsbruck),
Zeitzeugin mit familiären Wurzeln in Bad Sauerbrunn

Moderation: Walter Reiss (ORF Burgenland)

Wann: Dienstag, 15. Jänner 2013, 18.30 Uhr
Wo: Österreichisches Jüdisches Museum

Die Historikerin Anna K. Liesch beschäftigt sich in ihrem Referat mit dem Familiennachlass der Familie Neufeld aus Lackenbach. Die wirtschaftlichen Verhältnisse in den Jahren vor und nach dem Ersten Weltkrieg ließen einen Teil dieser burgenländischen Familie in die Schweiz emigrieren. Die Versuche, andere Familienmitglieder vor der Verfolgung durch den Nationalsozialismus in die Schweiz zu bringen, gelangen nur teilweise. Zentrum des familiären Netzwerkes war Luzern. Hier lebte Adèle, die Viertälteste der Familie Neufeld (1879–1941), die die burgenländischen Traditionen, eine strenge Orthodoxie verbunden mit einem religiösen Zionismus, das „burgenländische Jiddisch“ und den Zusammenhalt der Verwandtschaft hochhielt. Eine Familiengeschichte, in der sich die Geschichte der Emigration vieler jüdischer Familien in Europa widerspiegelt.

Marion Fischer musste 1938 als Kind mit ihrer Familie aus Bad Sauerbrunn flüchten. Ihre frühen Erinnerungen an italienische Lager und die Flucht 1944 in die Schweiz zeugen von den schwierigen Anfangsjahren für jüdische Flüchtlinge nach dem Ende des Nationalsozialismus in Europa.

(aus dem Programmtext der Burgenländischen Forschungsgesellschaft)

  • Synagoge Lackenbach, ca. 1920

    Synagoge Lackenbach, ca. 1920

  • Marion Fischer

    Marion Fischer


Teil 2: Oberwart (Felsőőr) & Kőszeg

Vortrag und Buchpräsentation von Ursula Mindler (Andrássy Universität Budapest):
„Grenz-Setzungen im Zusammenleben. Jüdische Geschichte in Oberwart/Felsőőr“

Zeitzeugengespräch mit Hans Deutsch (1924 – 2004; Kőszeg/Buenos Aires) Unveröffentlichtes Video-Interview 2001

Moderation: Gert Tschögl (Burgenländische Forschungsgesellschaft)

Wann: Dienstag, 22. Jänner 2013, 18.30 Uhr
Wo: Österreichisches Jüdisches Museum

Mit der Publikation „Grenz-Setzungen im Zusammenleben“ hat Ursula Mindler am Beispiel Oberwart/Felsőőr eine umfassende Studie zur regionalen Zeitgeschichte des jüdischen Burgenlandes vorgelegt. In ihrem Vortrag mit Buchpräsentation wird auch der Frage nachgegangen, ob die Erinnerung der Bevölkerung des Burgenlandes an das „gute Zusammenleben“ vor 1938 auch eine objektive historische Entsprechung hat oder nicht.

Im Jahre 2001 interviewte die Burgenländische Forschungsgesellschaft Hans Deutsch aus Kőszeg. In einem kurzen Video mit Auszügen aus diesem Interview erzählt er vom Antisemitismus dieser Zeit ebenso wie von der Hilfsbereitschaft von Teilen der Bevölkerung im Raum Oberwart, als er als Häftling auf einem der ungarischen Todesmärsche von Ungarn in das Konzentrationslager Gunskirchen getrieben wurde.

(aus dem Programmtext der Burgenländischen Forschungsgesellschaft)

  • Vertriebene SüdburgenländerInnen in Buenos Aires

    Vertriebene SüdburgenländerInnen
    in Buenos Aires
    (ca. 1940/50)
    Foto: BFG-Archiv

  • Hans Deutsch

    Hans Deutsch
    Foto: BFG-Archiv


Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Burgenland, Veranstaltungen

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Hebräischkurs 2012

Seit Mittwoch findet in unserem Haus wieder der schon traditionelle Hebräischkurs für Fortgeschrittene statt. Wir haben schon 2009 darüber berichtet, und auch heuer kamen – bereits zum siebenten Mal! – Damen aus Österreich und Deutschland zum Hebräischstudium nach Eisenstadt!

Es darf wiederholt werden: Ich finde es ganz großartig und bewundernswert, dass die Teilnehmerinnen jährlich Zeit finden und sich die Zeit nehmen, um ihr Hebräisch aufzufrischen bzw. sich immer auf viel – für sie – Neues in der Sprache einlassen.
Für mich wiederum besteht die Herausforderung darin, möglichst viel Abwechslung zu bieten. Denn es soll in erster Linie Freude machen, es gibt keinen Leistungsdruck und doch staune ich jedes Jahr über das wirklich beachtliche Können der Teilnehmerinnen.

Heuer gab es aber eine Premiere: Wir machten heute – bei Traumwetter – einen Ausflug in drei der ehemaligen Sieben-Gemeinden des Burgenlandes: nach Kobersdorf, Lackenbach und Deutschkreutz, aber sehen Sie selbst:

  • Kobersdorf mit seinem wunderschönen jüdischen Waldfriedhof (1.200 Grabsteine)
  • Grabstein des Kohen Mordechai Hersch Brunner in Kobersdorf
  • Die Damen bei der Arbeit
  • Datum lesen und umrechnen
  • Grabstein mit Hammer als Symbol
  • In Lackenbach am größten jüdischen Friedhof des Burgenlandes mit über 1.700 Grabsteinen
  • Gedenktafel in Lackenbach
  • Die kurze Gasse, in der sich die kaum auffindbare Gedenktafel an die größte Synagoge des Burgenlandes befindet!
  • Herbstzeitlose am jüdischen Friedhof Kobersdorf


Übrigens: Es sind noch einige Plätze für den Anfängerkurs frei, der am 12. September beginnt!

Burgenland, In eigener Sache, Veranstaltungen

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