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Bild der Woche – Mirjam Pressler

Vorgestern, am 18. Juni, feierte eine der erfolgreichsten Autorinnen und Übersetzerinnen des deutschen Sprachraums, Mirjam Pressler, ihren 70. Geburtstag. Bekannt als Übersetzerin von mehr als 300 Titeln aus dem Hebräischen, gilt die “Kritische Werkausgabe der Anne Frank” als ihr Hauptwerk.

Buchcover Mirjam Pressler 'Grüße und Küsse an alle'

Ihr jüngstes Buch, “Grüße und Küsse an alle” (2. Auflage, Oktober 2009), erzählt die Geschichte der Familie von Anne Frank.

Liebe Omi,
Ich gratuliere herzlichst zum Geburstag (sic!). Ist es bei Euch auch so kalt, bei uns kaum zum aushalten, es ist 8 Grad unter null im Tag, nachts 11 Grad. Ist pussi wieder zurück und hat Stephan sie wieder auf der Schulter. War Chanuka auch bei euch gewesen, bei uns wohl und es gab viel zu “snoepen” [niederländisch: Süßigkeiten schlecken]. Wir sind viel auf der Eisbaan, und ich hab auch Schlittschuh laufen gelernt, erst bin ich viel gevallen jetzt geht es schon, und ich habe spass drann. Viele grüsse an alle und Küsschen an dich.

Zärtlein

Diesen Brief schrieb Anne Frank im Dezember 1938, 3 Jahre später, im März 1941, war es schon vorbei mit dem Eislaufen, das Anne so liebte. “Juden durften in der Öffentlichkeit keinen Sport mehr treiben. Vermutlich hing an der Kunsteisbahn ein Schild ‘Für Juden verboten!’, wie es nun überall hing …”

Anne Frank war 11 Jahre alt, als sie folgenden Brief schrieb:

Ich würde so gern wieder mit dem Schlittschuhlaufen anfangen, aber ich muss noch eine Weile Geduld haben, bis der Krieg vorbei ist, wenn Papa es dann noch bezahlen kann, bekomme ich wieder Unterricht im Eiskunstlauf, und wenn ich es dann sehr gut kann, hat Papa mir eine Reise in die Schweiz versprochen, zu euch allen. …

Mirjam Pressler, Grüße und Küsse an alle, Frankfurt 2009, 143f und 158

Mehr zu und Hörprobe mit Mirjam Pressler auf oe1.orf.at.

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György Sebestyén

Am 6. Juni 2010 jährte sich zum 20. Mal der Todestag des ungarisch-österreichischen Schriftstellers und Journalisten György Sebestyén. Gyuri, wie ihn seine Freunde nannten, wurde 1930 in Budapest als Sohn eines jüdischen Schneiders geboren, wuchs dort zweisprachig auf, war in seinen frühen Jahren leidenschaftlicher Kommunist, ja sogar bekennender Stalinist, ehe er sich noch vor dem Aufstand der Ungarn gegen die russisch- sowjetische Diktatur und deren Budapester Handlanger zum Regimekritiker mauserte und nach der Niederschlagung des Aufstandes durch den Panzerkommunismus des damaligen Ostblocks im Jahr 1956 nach Österreich flüchtete.

Seine Verehrung des ungarisch- jüdischen Lyrikers Miklos Radnoti, der 1944 auf einem “Gewaltmarsch” von einem Arbeitslager der Nazis in Jugoslawien nach Deutschland in der Nähe von Györ mit einem Genickschuss liquidiert und in einem Massengrab verscharrt wurde, ging so weit, dass er zeit seines Lebens seine Handschrift der von Radnoti anpasste. Ein weiterer Säulenheiliger aus den Reihen der ungarischen Literaten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war für ihn Gyula Krudy, den er einen “Liebling der Dämonen” nannte und mit Marcel Proust verglich und dessen phantastischen Roman “Die rote Postkutsche” er in seiner Übersetzung 1984 in der Eisenstädter Edition Roetzer veröffentlichte.

In Wien wurde Sebestyén ( der ungarische Name für Sebastian) rasch in den Kreis der aufstrebenden österreichischen Autorengeneration nach Heimito von Doderer, Alexander Lernet – Holenia und George Saiko (bestehend aus Herbert Eisenreich, Milo Dor, Reinhard Federmann, Peter von Tramin, Herbert Zand, Humbert Fink u.a.) aufgenommen, etablierte sich dann auch bei einigen Verlagen als blumiger Erzähler meist erotischer Geschichten und in renommierten Zeitungen wie der KRONE und der FURCHE als Edelfeuilletonist und Theaterkritiker.

Sebestyén veröffentlichte einige Romane, von denen wohl als wichtigster jener mit dem Titel “Die Werke der Einsamkeit” anzusehen ist, in dem es um Tod, Eros und Macht geht, die den Ich- Erzähler auf der Suche nach seiner verlorenen Zeit beschäftigen. In der Eisenstädter Edition Roetzer gab Sebestyen 18 Jahre lang die Zeitschrift PANNONIA heraus, die er ein Organ für die kulturelle Zusammenarbeit in Mitteleuropa bezeichnete und in der er zahlreiche Autoren aus dem Ostblock, auch solche aus der Sowjetunion, aber auch den jüdischen Serben Ivan Ivanji (persönlicher Dolmetsch des jugoslawischen Staatspräsidenten Tito) zu Wort kommen ließ.

Sebestyén, seit 1963 österreichischer Staatsbürger, bekleidete in seinen letzten Lebensjahren auch die Funktion des Präsidenten des österreichischen PEN- Zentrums. Neben seinem Domizil in Wien besaß der umtriebige Publizist bis zu seinem frühen Tod auch ein Haus in der burgenländischen Gemeinde Hornstein.

Günter Unger, 1941 in Eisenstadt geboren, ist Historiker und Publizist. Er war mehr als 30 Jahre Kultur- Chef im ORF- Burgenland und hat unzählige Radio- und Fernsehsendungen gestaltet. Von 1978 bis 1996 gab er die Literaturzeitschrift WORTMÜHLE heraus. Selber hat er Gedichte, Hörspiele, Erzählungen, ein Theaterstück sowie Bücher über bildende Kunst geschrieben und veröffentlicht.

Wir freuen uns sehr, dass Dr. Günter Unger zukünftig Beiträge in unserem Blog beisteuern und insbesondere unseren etwas vernachlässigten Literaturbereich aufwerten wird! :)

Burgenland, Kunst und Kultur

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Bild der Woche – Milena

Ich sah heute einen Plan von Wien, einen Augenblick lang erschien es mir unverständlich, dass man eine so große Stadt aufgebaut hat, während Du doch nur ein Zimmer brauchst,

schreibt Franz Kafka am 23. Juni 1920 an Milena Jesenská.
Franz Kafka: Briefe an Milena. Frankfurt a.M.: Fischer 1983. S. 76

Das Zimmer Milenas befindet sich in jenen Tagen …

Hauseingang Lerchenfelder Straße 113

… im Haus Lerchenfelder Straße 113. Kafka freilich schickt seine Briefe nicht in die Lerchenfelder Straße, sondern postlagernd – Milena nämlich teilt ihr “Zimmer” mit Ernst Polak, mit dem sie (wenig glücklich, aber doch) seit 1918 verheiratet ist.

Ein rührend-tragischer Briefwechsel, der vor runden 90 Jahren seinen Anfang nahm, im April 1920.

Doch ist Milena “nicht nur Kafkas Freundin” (so der Titel einer Arbeit von Olga Klauber): Milena Jesenská, geboren 1896 in Prag, übersiedelte nach ihrer Heirat eben nach Wien, wo sie u.a. als Journalistin und Übersetzerin tätig war; nach dem Ende ihrer Brief-Romanze mit Kafka und der Ehe mit Polak kehrte Milena über Umwege nach Prag zurück, wo sie ihre journalistische Arbeit fortsetzte. Nach der deutschen Besetzung versorgte sie als Fluchthelferin Verfolgte, darunter viele Juden, mit Unterkunft und Verpflegung. Nach ihrer Verhaftung 1939 wurde Milena in das Konzentrationslager Ravensbrück verbracht; sie starb ebendort am 17. Mai 1944.

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ehrt Milena Jesenská als “Gerechte unter den Völkern“.

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Bild der Woche, Kunst und Kultur

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Ein Licht unterm Dach

Zwei-Stufen-Programm zur Erhaltung unserer
Freundschaft, lieber Heinz,
Ganz einfach und nix dabei:
Ich sag’ dir, was du tun sollst (Stufe Eins),
Und du, du tust es (Stufe Zwei).

Mit solch hübschen Versen hat US-Autor und -Musiker Shel Silverstein (1930-1999) ein ganzes Büchlein gefüllt – “Ein Licht unterm Dach” heißt es, und ist dieser Tage in einer neuen und um 12 Gedichte erweiterten Ausgabe bei Kein & Aber erschienen (und mir wiederum als Geschenk von Freundin Iris H. in die Hände gefallen – danke!).

“Ein Licht unterm Dach” (das englische Original “A Light in the Attic” stammt aus 1981, ebenfalls noch in den 80ern folgte eine erste deutsche Übersetzung), grandios verdeutscht von Harry Rowohlt, ist eine Sammlung von gereimten Miniaturgeschichten, die zumeist in der Kombination von Bild- und Wortwitz funktionieren. Dabei schillert der ganze Band irgendwo zwischen witzig und aberwitzig: Auf rund 200 Seiten erzählt Silverstein von (nicht-)fliegenden Nilpferden, von der bedenklichen Beziehung zwischen Eisbären & Kühlschränken und weiteren Absonderlichkeiten aller Art.

Und damit nur noch eins: Zur Lektüre von “Ein Licht unterm Dach” kann Ihnen nur geraten werden, wenn Sie es mit dem “vom Hersteller empfohlenen” Lesealter nicht allzu genau nehmen (wozu Ihnen nun wiederum schwer geraten sei!) – das liegt nämlich bei 8-9 Jahren …

Und für den Fall schließlich, dass Sie die zu Anfang zitierte Werkprobe noch nicht überzeugt hat – von Shel Silverstein stammt auch der Text des folgenden Country-Klassikers

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir die animierte Variante von Silversteins Gedicht “Eight Balloons”, gelesen vom Autor.

Kunst und Kultur

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Bild der Woche – Tucholsky(straße)

Soweit ich mich erinnere, wurde ich am 9. Januar 1890 als Angestellter der ‘Weltbühne‘ zu Berlin geboren …,

schreibt Kurt Tucholsky in seiner (keine 10 Zeilen langen) “Autobiographie” (Gesammelte Werke. Bd. 4, S. 304f.).

Vor runden 120 Jahren also.

In Berlin erinnert an den berühmten Sohn heute u.a. die Tucholskystraße. Die verläuft interessanterweise in unmittelbarer Nähe zur “Neuen Synagoge” – ein Schelm, wer dabei an Tucholskys (vorsichtig gesagt) schwieriges Verhältnis zum Judentum denkt…

Tucholskystraße in Berlin

Tucholskystraße in Berlin
(zugegeben: damals noch mit Einweg-Kamera und minimaler kreativer Zutat meinerseits),
im Hintergrund die Neue Synagoge

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