Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schlagwort: literatur

Die entgegengesetzte Richtung

Den Dolch der mörderischen Ablehnung verstand auch Alfred Polgar zu handhaben, dem es die klebrigen Anbiederungsversuche des Stammgastes Weiß angetan hatten. Als er eines Nachmittags das Kaffeehaus verließ, folgte ihm…

Den Dolch der mörderischen Ablehnung verstand auch Alfred Polgar zu handhaben, dem es die klebrigen Anbiederungsversuche des Stammgastes Weiß angetan hatten. Als er eines Nachmittags das Kaffeehaus verließ, folgte ihm Weiß auf die Straße, gesellte sich devot an seine Seite und stellte ihm die scheinbar ausweglose Frage:

„In welche Richtung gehen Sie, Herr Polgar?“
er erhielt den prompten Bescheid:
In die entgegengesetzte.“

Torberg Friedrich, Gesammelte Werke, Band VIII. Die Tante Jolesch, München, 151988

In diesen Tagen, vor 85 Jahren, war für den „österreichischen Juden“ Alfred Polgar im nationalsozialistischen Deutschland kein Platz mehr. Anfang März 1933 floh er nach Prag. Am 10. Mai 1933 wurden seine Bücher verbrannt.

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Vilma Steindling

Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zur Lesung „Vilma Steindling. Eine jüdische Kommunistin im Widerstand“ Claudia Erdheim Wann: Sonntag, 27. August 2017, 10.30 Uhr Wo: Österreichisches Jüdisches Museum Das…

Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zur Lesung

„Vilma Steindling. Eine jüdische Kommunistin im Widerstand“

Claudia Erdheim

Wann: Sonntag, 27. August 2017, 10.30 Uhr

Wo: Österreichisches Jüdisches Museum


Das bewegte und bewegende Leben der Vilma Steindling, geborene Geiringer, beginnt unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg und endet 1989, als sie siebzig ist. Dazwischen liegen Ereignisse, die an Dynamik, Spannung, aber auch an Tragik kaum zu übertreffen sind. Als Mitglied des Kommunistischen Jugendverbands geht Vilma 1937 nach dem Verbot dieser Organisation nach Paris. Dort schließt sie sich der Résistance an und engagiert sich in der „Mädelarbeit“. Sie ist „jung, fröhlich und voll Lebenslust.“
1942 in Paris verhaftet und zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt meint sie:

Das ist mir wurscht, wie viele Jahre Sie mir geben, wenn der Krieg aus ist, da gehe ich nach Hause.

Doch es kam anders: Vilmas Leidensweg führte sie von 1943 bis Jänner 1945 nach Auschwitz und schließlich bis April 1945 nach Ravensbrück.

Nach Wien zurückgekehrt fand sie ein Österreich vor, das „weitgehend in Trümmern“ liegt. Viele Freunde, besonders ihren geliebten Lebensgefährten Arthur Kreindel, hatte sie verloren, er wurde am 28. März 1945 in Dachau ermordet.

Der Neuanfang gestaltete sich schwierig. Eheprobleme mit Adolf Steindling sowie die Enttäuschung über die KPÖ, die kein Interesse für KZ-Überlebende zeigt, sowie ständiges Unverständnis und Misstrauen belasten sie so sehr, dass sie sich in den 1950er Jahren entschließt, die in Auschwitz tätowierte Nummer wegoperieren zu lassen „um endlich nicht mehr den Blicken, und den unangenehmen Fragen ausgesetzt zu sein.

Steindlings und Erdheims Buch sprengt den Rahmen der Biografie und malt ein breiteres historisches, gesellschaftliches und politisches Panorama. In seiner sachlichen, präzisen und die Ereignisse doch anschaulich und einfühlsam erzählenden Art gibt es eindrücklich die Atmosphäre Wiens nach dem Ersten Weltkrieg, den erstarkenden Antisemitismus, die Ankunft der Nazis, die Tätigkeit der KPÖ, das Leben in den Lagern wieder. Wir treten mit Vilma Steindling auf ihrem Weg durch diese Orte des Schreckens dem berüchtigten Dr. Mengele gegenüber, erleben mit ihr viel Grausamkeit und zugleich viel Menschlichkeit.

Die „wandelnden Leichen“ von Auschwitz auf der einen Seite und Vilma Steindlings mutiger Widerstand auf der anderen sind eine Anklage gegen all diejenigen, die eine „Rasse“ erfinden mussten, „damit sie ausgesondert, beraubt, vertrieben, ausgemordet werden konnte„, so der Politikwissenschaftler Anton Pelinka im Nachwort zum Buch. Ruth Steindlings und Claudia Erdheims Buch beschwört die „erdrückenden Schatten der Vergangenheit“ (Pelinka) noch einmal herauf, um uns von ihnen zu befreien.

Mehr zum Buch auf der Website von Claudia Erdheim.


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In der Judenstadt

Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zur Lesung „In der Judenstadt“ Claudia Erdheim Wann: Sonntag, 22. Mai 2016, 10.30 Uhr Wo: Österreichisches Jüdisches Museum   Ein wenig beachtetes Kapitel…

Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zur Lesung

„In der Judenstadt“

Claudia Erdheim

Wann: Sonntag, 22. Mai 2016, 10.30 Uhr

Wo: Österreichisches Jüdisches Museum

 

Ein wenig beachtetes Kapitel der österreichischen Geschichte wird in dieser Erzählung lebendig: Wien 1624. Mit all ihrem Hab und Gut auf Eseln und auf Wagen ziehen die Juden aus der Inneren Stadt in den Unteren Werd, der heutigen Leopoldstadt. Voll Mut und Hoffnung, in der neuen Judenstadt unter dem Schutz des Kaisers friedlich leben zu können, machen sie sich auf den Weg. Es gibt Verleumdungen und schließlich sogar einen Mord. Doch all das ist nichts gegen das eigentliche Verhängnis des Himmels, das noch auf sie wartet.

Website von Claudia Erdheim.


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Weltkriegslyrik

Ein spätes Fundstück zum Gedenkjahr 1914/2014 Der Sieger im Kriege Zwei Israeliten aus neutralen Landen In einem Kurorte sich zusammenfanden, Sie sprachen über Krieg, Nationen und Mächte, Über Anleihe, Munition…

Ein spätes Fundstück zum Gedenkjahr 1914/2014

http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/3520630

Der Sieger im Kriege

Zwei Israeliten aus neutralen Landen
In einem Kurorte sich zusammenfanden,
Sie sprachen über Krieg, Nationen und Mächte,
Über Anleihe, Munition und Kriegsrechte.
Zum Schlusse gemächlich frug der Eine,
Was der And’re vom Erfolge meine?
Wer denn endlich gewinnt den Krieg,
Triumphierend davonträgt den Sieg?
Ganz verschieden dachten darüber beide
Um endlich mit sichtlicher Freude,
Vereint den Entschluß zu fassen,
Die Entscheidung dem Rabbi zu überlassen.
Der Rabbi hört und spricht: „Fürwahr!
Die Sache liegt wie die Sonne klar!
Gar nicht nötig war Euer Zweifel und Not:
Den Krieg gewinnt – gewiß nur Gott!“
Ganz verdutzt sahen sie den Weisen an;
Was denn diese Antwort bedeuten kann?
„Das will ich Euch gerne beweisen und zeigen:
Kennt ihr die Namen der Zentralmächte-Reigen?
Sie heißen: Germania, Oesterreich und Türkei;
Stellet die Anfangsbuchstaben dieser drei
Zusammen in ein Wort, und seh’t dann,
Daß nur Gott den Krieg gewinn kann.“

Josef Gottlieb, Wien

Beachte das Erscheinungsdatum des Gedichtes: 1915!


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