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	<title>Koschere Melange &#187; literatur</title>
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	<description>Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums</description>
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		<title>Flaschenpost an die Zukunft</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2012/01/15/flaschenpost-an-die-zukunft/</link>
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		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 08:26:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Guenter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Erinnerung an den Lyriker Gabor Hajnal Nach längerer Enthaltsamkeit als Gastautor dieses Bloggs möchte ich mich heute wieder zu Wort melden und auf einen aus dem südlichen Burgenland stammenden jüdischen Lyriker aufmerksam machen, dessen Geburt sich im kommenden Herbst zum 100. Male jährt. Sein Name: Gabor Hajnal. Das Licht der Welt hat dieser Mann am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Erinnerung an den Lyriker Gabor Hajnal</h3>
<p>Nach längerer Enthaltsamkeit als Gastautor dieses Bloggs möchte ich mich heute wieder zu Wort melden und auf einen aus dem südlichen Burgenland stammenden jüdischen Lyriker aufmerksam machen, dessen Geburt sich im kommenden Herbst zum 100. Male jährt.</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/gaborHajnal.jpg" width="250" height="318" alt="Gabor Hajnal" /></p>
</div>
<p>Sein Name: Gabor Hajnal. Das Licht der Welt hat dieser Mann am 4. Oktober 1912 in Kohfidisch erblickt, das damals noch zum westungarischen Komitat Vas im Königreich Ungarn gehörte (zur Gründung des österreichischen Bundeslandes Burgenland kam es bekanntlich ja erst im November 1921), gestorben ist er am 26. Jänner 1987, also vor demnächst 25 Jahren, in Budapest. In Hajnals Geburtsort Kohfidisch (im Bezirk Oberwart gelegen) gab es damals (und gibt es auch heute noch) ein Schloss der ungarischen Magnatenfamilie Erdödy.</p>
<p>Hajnal hieß bei seiner Geburt Holzer und war der Sohn einer jüdischen Kaufmanns- und Gastwirtefamilie in Kohfidisch, die 1920 nach Steinamanger/ Szombathely  übersiedelte und  ihren Namen auf Hajnal magyarisieren ließ. In Steinamanger absolvierte der junge Gabor das Gymnasium und maturierte dort 1930. Danach studierte er an der Universität in Budapest Jus, war viele Jahre als Beamter im Justizministerium in der ungarischen Metropole tätig, ehe er sich zu einem Leben als Freier Schriftsteller und Übersetzer entschloss.</p>
<p>Vor dem Zweiten Weltkrieg übersetzte er Größen der deutschsprachigen Dichtung wie Goethe, Hölderlin, Heine, Rilke, Lenau und Grillparzer ins Ungarische, in den Sechziger- und Siebziger- Jahren des vorigen Jahrhunderts dann Georg Trakl, Bertold Brecht, Paul Celan, Ingeborg Bachmann, H.C. Artmann und Erich Fried. Manchmal hatte er sogar das beklemmende  Gefühl, dass ihn seine vielfältige Übersetzungsarbeit doch ein wenig an der Produktion seiner eigenen Lyrik hindere, was er poetisch einmal so ausdrückte:</p>
<blockquote><p>Die Schatten ungeschriebener Gedichte umflattern mich<br />
Während ich fremde Verse stille“.
</p></blockquote>
<p>Die Kriegsjahre 1939 – 1945 waren für Gabor Hajnal schwere Jahre.</p>
<blockquote><p>Als Jude diskriminiert, verlor er allmählich alle Möglichkeiten als Schriftsteller tätig zu sein, musste als Hilfsarbeiter in einer Fabrik arbeiten und schließlich als Verfolgter in verschiedenen Arbeitslagern ein ständig bedrohtes Leben fristen
</p></blockquote>
<p><cite>Klara Köttner- Benigni</cite></p>
<p>Seine eigenen Gedichte, alle ungarisch verfasst und vom Rhythmus dieser sehr melodiösen und auch ein wenig pathetischen Sprache getragen, hat Hajnal in insgesamt 18 Bänden veröffentlicht. Eine Auswahl daraus in deutscher Übersetzung  ist 1978 in der DDR- Version des Verlags Philipp Reclam in Leipzig erschienen. In einem Band mit dem Titel &#8220;Walpurgisnacht&#8221;. Seine Verse im Deutschen (nach wörtlichen Rohübersetzungen von Sprachkundigen) nachgedichtet haben ausgezeichnete DDR- Autoren wie Günter Kunert und Franz Fühmann. Fühmann betonte dabei in einem Nachwort des Bandes, dass Hajnal zweifellos zu den bedeutendsten Dichtern des damaligen Ungarn gehört. Seine Gedichte seien Zeugnis der Bewältigung bitterster Lebenserfahrungen. Sie kündeten vom Standhalten und Standgehalten-Haben auch in Hiobs- Situationen. Und Fühmann zitiert dabei ein von ihm ins Deutsche übertragene Gedicht Hajnals, in dem dies auch vom Dichter aus Kohfidisch bestätigt wird.</p>
<blockquote><p>Wenn wenigstens / winterliche Kälte kreischte / so wäre Hoffnung, dass dies einmal ende / der Frühling käme und danach der Sommer/&#8230;./ aber um uns ist Herbst / ewiger Herbst.“ Und trotzdem: „Flaschenpost sind alle meine Worte / weil ich dennoch an die Zukunft glaube.
</p></blockquote>
<p>Zum Burgenland fand Hajnal wieder in den 1970ern engeren Kontakt. Er absolvierte Lesungen (<abbr>u.a.</abbr> auf Einladung des Ungarischen Kulturvereins in Unterwart) und veröffentlichte einige seiner Gedichte in den Zeitschriften &#8220;Volk und Heimat&#8221; und &#8220;Pannonia&#8221;. Darunter auch jenes, das er als persönlichen Nachruf auf den in Paris freiwillig aus dem Leben geschiedenen galizisch-jüdischen Dichter Paul Celan geschrieben hat und von Günter Kunert ins Deutsche übertragen wurde.</p>
<blockquote><p>Von Tür zu Tür tritt die Nachricht<br />
trommelte in die Ohren<br />
es prasselt der Regen und<br />
schreckt dich auf in der Nacht<br />
durchbebt den Morgen<br />
trommelt und trommelt und<br />
du begreifst nicht begreift nichts<br />
es wirbelt die Trommel.</p>
<p>Flucht vor langsam mahlender Qual<br />
durch Qual zerberstend im Augenblick<br />
In nichts.</p>
<p>Von Tür zu Tür tritt die Nachricht<br />
sein Leichnam sein gefunden<br />
es trommelt in die Ohren<br />
in den Tod ging der Überlebende<br />
seinen Platz hatte er vergeblich gesucht.</p>
<p>Flucht vor langsam mahlender Qual<br />
durch Qual zerberstend im Augenblick<br />
in nichts.</p>
<p>Seiner Worte Trommelwirbel<br />
schreckt dich auf in der Nacht<br />
durchbebt den Morgen<br />
begreifst du nichts? Begreifst du nichts?</p></blockquote>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:420px; height:315px" data="http://www.youtube.com/v/gVwLqEHDCQE?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/gVwLqEHDCQE?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p><cite>Bildnachweis: Gerald Schlag, Burgenland. Geschichte, Kultur und Wirtschaft in Biographien</cite></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Köpfe der Woche &#8211; Rubinstein / Zweig</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/11/27/koepfe-der-woche-rubinstein-zweig/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/11/27/koepfe-der-woche-rubinstein-zweig/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 27 Nov 2011 09:54:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christa Christopher Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kopf der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Der morgige 28. November hat sowohl ein prominentes musikalisches wie auch ein berühmtes literarisches Geburtstagskind vorzuweisen: Vor 130 Jahren, am 28. November 1881, wurde der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig geboren, ein gutes halbes Jahrhundert zuvor, am 28. November 1829, der russische Komponist Anton Grigorjewitsch Rubinstein. Grund genug, meinen wir, für einen musikalisch-literarischen Doppel-&#8221;Kopf der Woche&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/zweig.jpg" width="216" height="192" alt="Stefan Zweig, um 1900, Quelle: http://de.wikipedia.org/..." /><br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Zweig" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Der morgige 28. November hat sowohl ein prominentes musikalisches wie auch ein berühmtes literarisches Geburtstagskind vorzuweisen: Vor 130 Jahren, am 28. November 1881, wurde der österreichische Schriftsteller <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Zweig" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Stefan Zweig</a> geboren, ein gutes halbes Jahrhundert zuvor, am 28. November 1829, der russische Komponist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Grigorjewitsch_Rubinstein" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Anton Grigorjewitsch Rubinstein</a>.</p>
<p><br class="clear" /></p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[271111]" title="Anton Rubinstein, gemalt von I.J. Repin, Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/..." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/rubinsteinGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/rubinstein.jpg" width="216" height="274" alt="Anton Rubinstein, gemalt von I.J. Repin, Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/..." /></a><br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Grigorjewitsch_Rubinstein" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Grund genug, meinen wir, für einen musikalisch-literarischen Doppel-&#8221;Kopf der Woche&#8221; &#8211; zumal sich  gewisse (zumindest sentimentale) Anknüpfungspunkte für unser Museum ergeben: 2003 zeigten wir in unserem Haus die sehr gelungene Wanderausstellung &#8220;Stefan Zweig &#8211; Ein Österreicher aus Europa&#8221; &#8211; und Rubinstein, ab 1852 Hofpianist bei der Großfürstin <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Charlotte_von_W%C3%BCrttemberg" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">(H)Elena Pawlowna</a>, führt uns quasi in das biographische Hintergrund-Milieu unseres (hier im Blog schon mehrfach angesprochenen) <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/05/09/der-blauglockenbaum/" title="Interner Link zum Beitrag 'Der Blauglockenbaum'">Blauglockenbaums</a>. Denn die Fürstin gehörte (angeheirateter-weise) zur Familie des Zaren Alexander I., dessen Schwester <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Pawlowna" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Anna Pawlowna</a> wiederum die Namensgeberin unseres schönen Baums ist… ;-) Außerdem: das Jahr 1847 brachte Rubinstein im Palais Esterhazy in Bratislava zu – und von 1871-72 wirkte er als künstlerischer Direktor des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_der_Musikfreunde_in_Wien" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Wiener Musikvereins</a> &#8230;</p>
<p class="tipp2">&nbsp;</p>
<p>Im Folgenden Anton Rubinsteins wunderschöne Romanze in E-Moll, gespielt von niemand Geringerem als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Isaac_Stern" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Isaac Stern</a>:</p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:420px; height:315px" data="http://www.youtube.com/v/WGHH5KTtEpo?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/WGHH5KTtEpo?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<blockquote><p>Den Juden bin ich ein Christ, den Christen ein Jude; den Russen bin ich ein Deutscher, den Deutschen ein Russe, den Klassikern ein Zukünftler, den Zukünftlern ein Retrograder <abbr>u.s.w.</abbr> Schlussfolgerung: ich bin weder Fisch noch Fleisch – ein jammervolles Individuum.
</p></blockquote>
<p><cite><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Grigorjewitsch_Rubinstein#Famili.C3.A4rer_Hintergrund" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></cite></p>
<div class="pagenavi">
<div class="page-nav">
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</div>
</div>
</div>
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		</item>
		<item>
		<title>Mit Joseph Roth ins jüdische Burgenland</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/11/14/mit-joseph-roth-ins-judische-burgenland/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/11/14/mit-joseph-roth-ins-judische-burgenland/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 Nov 2011 08:24:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christopher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Vorbemerkung Im August 1919 erschien in der Wiener Tageszeitung &#8220;Der Neue Tag&#8221; eine Reihe von Reise-Reportagen &#8211; Titel: &#8220;Reise durchs Heanzenland&#8220;, verfasst von &#8220;unserem nach Westungarn entsandten Sonderberichterstatter&#8220;, Joseph Roth. Der damals noch am Beginn seiner publizistischen Laufbahn stehende Roth (geboren 1894 im heute ukrainischen Brody) hatte im Frühjahr 1919 beim eben erst gegründeten (und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Vorbemerkung</h3>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/roth01.jpg" width="230" height="341" alt="Josef Roth, 1918, Quelle: http://de.wikipedia.org/..." /><br />
<a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Joseph_Roth_1918.jpg&#038;filetimestamp=20091130114315" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Im August 1919 erschien in der Wiener Tageszeitung &#8220;Der Neue Tag&#8221; eine Reihe von Reise-Reportagen &#8211; Titel: &#8220;<em>Reise durchs Heanzenland</em>&#8220;, verfasst von &#8220;<em>unserem nach Westungarn entsandten Sonderberichterstatter</em>&#8220;, Joseph Roth.</p>
<p>Der damals noch am Beginn seiner publizistischen Laufbahn stehende <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Roth" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Roth</a> (geboren 1894 im heute ukrainischen Brody) hatte im Frühjahr 1919 beim eben erst gegründeten (und im April 1920 auch schon wieder eingestellten) &#8220;Neuen Tag&#8221; angeheuert (<abbr>vgl. W.</abbr> von Sternburg: Joseph Roth. Eine Biographie. Köln 2009. S. 194-207). </p>
<p>Seine Reise durch (Deutsch-)Westungarn (eben das &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heanzenland" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Heanzenland</a>&#8220;) <abbr>bzw.</abbr> das heutige burgenländisch-ungarische Grenzland, die er zu pointierten (und, wie von Sternburg richtig anmerkt: nicht vorurteilsfreien) Texten verarbeitet, führt Roth durch einen politisch gebeutelten Landstrich (dessen Status sich letztlich erst 1921, mit der <a href="http://www.burgenland.at/burgenland/geschichte" title="Externer Link zu 'burgenland.at...'">Entstehung des Burgenlands</a>, klären wird): nach Neudörfl und (Bad) Sauerbrunn, Nagycenk/Zinkendorf und Sopron/Ödenburg </p>
<p class="tipp">(Roth: </p>
<blockquote><p>Ich würde ein großes Tor errichten als Eingangspforte und mit riesigen, weithin sichtbaren Lettern darüber schreiben: Nomen est omen! Denn nie sah ich eine Stadt, zu der der Name besser passte&#8230;) –
</p></blockquote>
<p>und schließlich nach Deutschkreutz, wo der Autor es zunächst mit einer Kostprobe burgenländischer Volkskultur zu tun bekommt, um am Ende in einer &#8220;Filiale der Leopoldstadt&#8221;, der <a href="http://www.ojm.at/gemeinden/deutschkreutz/" title="Interner Link zu unserer statischen Website - Gemeinde Deutschkreutz">Deutschkreutzer jüdischen Gemeinde</a>, zu landen&#8230;  </p>
<p>Im Folgenden Roths Beschreibung dieser letzten Station seiner &#8220;Reise durchs Heanzenland&#8221; und der Geschichte der westungarisch-/burgenländisch-jüdischen &#8220;<a href="http://www.ojm.at/gemeinden/" title="Interner Link zu unserer statischen Website">Siebengemeinden</a>&#8220;. Die Textfassung folgt (mit minimalen Anpassungen) der Veröffentlichung im &#8220;Neuen Tag&#8221;.</p>
<p>Wir wünschen viel Lese-Vergnügen!</p>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[141111]" title="'Reise durchs Heanzenland' - aus: 'Neuer Tag'"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/roth02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/roth02.jpg" width="550" height="219" alt="Zeitungsausschnitt 'Reise durchs Heanzenland' - aus: 'Neuer Tag'" /></a></p>
</div>
<h3>Reise durchs Heanzenland.<br />
Von unserem nach Westungarn entsandten Sonderberichterstatter.</h3>
<p>(&#8230;)</p>
<h4>Deutsch-Kreuz.</h4>
<blockquote><p>In Deutsch-Kreuz war Tanz- und Polterabend.<br />
Die weiten Gehöfte leer und nur die Alten waren zu Hause geblieben. Von Zeit zu Zeit kamen ein Kind oder ein Großvater des Weges daher und erzählten, dass &#8220;Marie-Tre&#8217;s&#8221; ein Sacktuch wünsche.<br />
In Deutsch-Kreuz ist die Institution der Parkettböden nicht bekannt.<br />
Man tanzt vielmehr im Hofe und eine Ziehharmonika liefert die nötige greuliche Musik.<br />
Die Mädchen, alle weiß gekleidet und mit schwarzen Kopftüchern, stehen in dichten drei Reihen hinter einander im Hofe, die Burschen stehen auf der anderen Seite, aber eher in Gruppen, viel zwangloser und freier. Manche sitzen drin in der Schenke und tun einen anständigen Zug. Auf einmal geht der Spektakel los:<br />
Aus der missgestimmten Ziehharmonika flattert ein tiefer Ton auf, wie ein schwerer, plumper Vogel versucht er, eine Weile in der Luft zu bleiben und fällt dann schwer und plumpsend zu Boden. </p>
<p>Diesem Ton folgt ein heller, junger, es klingt wie ein Hahnenschrei und auf dieses Zeichen stürzen die Burschen ohne Hüte und in Hemdärmeln aus der Schenke. Im Nu sind die Weiber vergriffen. Der Bursche hält das Mädchen nicht etwa an sich gepresst, sondern hat beide Arme um ihre Hüfte geschwungen. Der Oberarm bleibt hölzern, steif und fest, so dass das Mädchen in einem Abstand von etwa zehn Zentimetern von seinem Körper entfernt bleibt.<br />
Der Tanz ist vollkommen kunstlos und besteht aus monotonen Drehbewegungen. Man dreht sich so lange, als der Ziehharmonikamensch will, denn es gilt als Schimpf, früher aufhören zu müssen. Man dreht sich in dem engen Hofe, in dem es zum Ersticken heiß ist, bis man im eigenen Schweiße ertrinkt. Der Boden ist nass wie nach einem Platzregen.</p>
<p>Da ich ins Wirtshaus trete, singen die Leute grade ein heanzerisches französisches G’stanzel:</p>
<p>	Von da Nah und von da Fean<br />
	Lod’ ma olli ein, an jedn gseg ma gean.<br />
	Ochzig Hella is Eintrittsgöld<br />
	Des wegn is a nit g&#8217;fölt.<br />
	Denn wou spült d&#8217;Neuhausa Musi<br />
	Dou is a Hetz, a G&#8217;schpusi.</p>
<p>Man entdeckt an mir Kragen und Krawatte, hält mich für einen kommunistischen Agitator und feindselige Stille tritt plötzlich ein. Der Wirt poltert los: I kenn&#8217; Ihna gar nicht!</p>
<p>&#8220;Das macht nichts! Sie sollen mich kennen lernen!&#8221;<br />
&#8220;Was wollen’s denn?&#8221;<br />
&#8220;Was zu essen und einen Wein! Und schlafen möcht ich hier!&#8221;<br />
&#8220;Z&#8217; essen hob i selber nix und schlof’n könnens net. An Wein könnens hab’n, wenn Sö Blaugeld han.&#8221;<br />
Ich han Blaugeld und trinke einen Wein. Weil ich mit einer Hundertkronennote zahle, kommt ein Rotgardist plötzlich auf mich zu und nimmt mir dreihundert Kronen ab, worauf ich mich schleunigst aus dem Staube mache.<br />
Hundertkronennoten darf nämlich niemand besitzen, es sei denn ein Rotgardist.<br />
Nun aber kannst du in Deutsch-Kreuz drei Stunden lang herumwandern und findest kein Quartier und kein Brot. Du bist ein Fremder und wirst verachtet. Kragen, Krawatte und Hochdeutsch verraten dich. Entweder bist du ein Spion der Szegediner, so hat man Angst. Oder du bist ein Agitator <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%A9la_Kun" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Kuns</a>, so hasst man dich. Du kannst verhungern. Zumal, da sowohl der Herr Pfarrer als auch der Herr Notär irgendwo beim Tarock sitzen. </p>
<p>Plötzlich sehe ich die Große Mohrengasse auftauchen. </p>
<p>Hausierergesichter, typische Leopoldstadt. Eine Judengruppe. Sie reden hochdeutsch mit den Händen. Ihre Bewegungen halten die Mitte zwischen Bedächtigkeit und Leidenschaft. Sie reden Leitartikel über Bela Kun. Bleiche Pogromangst spukt um sie herum.</p>
<p>In Deutsch-Kreuz sind sie zu Hause. Da ich einen um Quartier bitte, lässt er mich durch einen rothaarigen, sommersprossigen Judenjungen nach dem Hause eines Glaubensgenossen führen. Ich bekomme Brot und Eier und ein Bett. Ich teile das Zimmer mit einer gelähmten Großmutter, dem  Ehepaar und zwei hübschen, schwarzäugigen Töchtern.<br />
Am Morgen erlege ich nicht weniger als fünfzig Kronen in Blaugeld und wandere weiter.<br />
Aber über die Juden in Deutsch-Kreuz muss ich noch erzählen.
</p></blockquote>
<h4>Die Juden von Deutsch-Kreuz und die Schweh-Khilles.</h4>
<blockquote><p>Mitten in Deutsch-Kreuz eine Filiale der Leopoldstadt.<br />
Siebzig jüdische Familien wohnen seit tausend Jahren im Deutsch-Kreuzer Ghetto. Denn sie wohnen alle zusammen, in einer großen Häusergruppe hinter den weiten Gehöften der reichen Bauern und führen ein eigenes Leben.<br />
In der Mitte steht der Tempel, mindestens ein paar Jahrhunderte alt. Links vom Tempel wohnt der Rabbiner, ein Mann in mittleren Jahren mit blondem Bart und einem schwarzen Samtkäppchen auf dem Haupte. Er sitzt an einem langen Tisch und um ihn herum seine Jünger. Judenburschen im Alter von sechzehn bis zwanzig. Sie lernen Talmud, alle durcheinander, in ihren monotonen Sing-Sang klingt nur von Zeit zu Zeit der grelle Schrei der Ziehharmonika vom Wirte drüben.</p></blockquote>
<p><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/roth03GR.jpg" width="550" height="354" alt="Synagoge Deutschkreutz, um 1920" class="centered" /></p>
<p class="centered">Synagoge in Deutschkreutz, um 1920</p>
<blockquote><p>
Ich will mit dem Rabbi über die Gemeinde sprechen. Er drückt mir die Hand und bittet mich um Verzeihung: er habe leider keine Zeit. Ich möchte zum Kultusvorsteher, Herrn Lipschütz, gehen.<br />
Herr Lipschütz ist ein Mann um die Fünfziger. Ist auch schon in Budapest und, als er noch jung war, sogar in Wien gewesen und hat Manieren.<br />
Er bittet mich in den &#8220;Salon&#8221;. Ein dunkelrot gehaltenes Zimmer, lauter Plüsch und Samt und verstaubte Nippessachen, Tintenfässer, Vögel, Hunde aus Bronze auf der Konsole. Der Stuhl, den er mir anbietet, ist leider durchgedrückt und ich rutsche in eine Versenkung, aus der ich mich mit vieler Mühe wieder hinausrette, um fortab am Stuhlrand sitzen zu bleiben.</p>
<p>Herr Lipschütz erzählt mir:<br />
Vor vielen Jahren seien die Juden aus Oesterreich vertrieben worden und wären zum Fürsten Esterhazy gekommen. Dieser habe ihnen sieben Gemeinden, die sogenannten &#8220;Schweh-Khilles&#8221;, angewiesen. Es sind lauter deutsche Gemeinden. In einigen haben die Juden volle Autonomie und sogar eigene Bürgermeister. Die Juden sprechen ein reines, fehlerloses, etwas hartes Deutsch und vertragen sich ausgezeichnet mit der Bevölkerung. Die deutschen Bauern machen einen strengen Unterschied zwischen &#8220;Budapester&#8221; und &#8220;unseren&#8221; Juden.</p>
<p>Das Haus des Herrn Lipschütz ist einstöckig, mit einem großen Hof. Er ist der reichste Jude in der Gemeinde und sein Name ist weit und breit bekannt.<br />
Der Kantor, der vor ungefähr 50 Jahren noch im Deutsch-Kreuzer Judentempel die Gebete sang, hieß Goldmark. Sein Sohn war der berühmte Komponist <a href="http://www.ojm.at/artikel/goldmark01/#cgoldmark" title="Interner Link zu unserer statischen Website (Artikel)">Goldmark</a>, der aus einem Deutsch-Kreuzer Judenjungen ein Mann von Weltruf ward. </p>
<p>Die Gemeinde zählt auch den ungarischen Romanschriftsteller und späteren Sektionschef Alexander Doczi rekte Dux mit Stolz zu ihren Söhnen.<br />
Die Juden von Deutsch-Kreuz und den Schweh-Khilles beschäftigen sich nur mit ehrlichem Handel und werden von der christlichen Bevölkerung sehr geschätzt. Sie haben sich rein und unvermischt erhalten und aus ihren Gesichtern klagte das Jahrtausende alte Leid Ahasvers.<br />
Sie kennen keinen Tanz, kein Fest und kein Spiel. Nur Beten und Weinen und Fasten. Die Deutsch-Kreuzer Juden fasten zweimal in der Woche und beten den halben Tag lang.<br />
Der Tempeldiener kommt morgens und abends an jede Tür, klopft mit einem Hammer und ruft die Juden zum Gebet.<br />
Ich besah mir den Hammer: er ist schon ganz klein, schwarz, fettig und &#8220;abgeklopft&#8221;. Er mag so alt sein, wie die Gemeinde.<br />
Manchmal wächst ein Judenjunge heran, hat Begabung und Glück und wird ein Goldmark oder Doczi. Aber nur manchmal.<br />
Die meisten leben und sterben, wo sie geboren sind.<br />
Das ist die Geschichte der Juden von Deutsch-Kreuz und der &#8220;Schweh-Khilles&#8221;.
</p></blockquote>
<p><cite>Joseph Roth.<br />
In: Der Neue Tag, 9. August 1919, S. 4f.</cite>  </p>
<p class="tipp"><em>Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir unsere Publikation &#8220;<a href="http://www.ojm.at/publikationen/gemeinden/" title="Interner Link zu unserer statischen Website (Puplikationen)">Aus den Sieben-Gemeinden. Ein Lesbuch über Juden im Burgenland</a>&#8220;, in der Sie diese und andere Anekdoten, Erzählungen, Reiseberichte <abbr>usw.</abbr> aus den Sieben-Gemeinden finden.</em></p>
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		<title>Buchtipp der Woche &#8211; Weder Ort, noch Stein</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/11/06/buchtipp-der-woche-weder-ort-noch-stein/</link>
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		<pubDate>Sun, 06 Nov 2011 08:03:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tipp der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Statt ein Gebet ein Gedicht hersagen&#8221; – Elfriede Gerstl statt oder als? Unermüdlich Gebete und Gedichte sagen hersagen aufsagen in mich rufen &#8230; und Gedichte als Gebet denn Gebete sind Gedichte oder können es sein könnten es sein vielleicht auch ohne Trauer ohne Not die aus mir ruft und immer öfter schweigt damit Gebete Gedichten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8220;Statt ein Gebet ein Gedicht hersagen&#8221; – Elfriede Gerstl</strong></p>
<blockquote><p>statt oder als?<br />
Unermüdlich Gebete<br />
und Gedichte sagen<br />
hersagen aufsagen<br />
in mich rufen &#8230;</p>
<p>und Gedichte als Gebet<br />
denn Gebete sind<br />
Gedichte oder<br />
können es sein<br />
könnten es sein</p>
<p>vielleicht auch ohne<br />
Trauer ohne Not die<br />
aus mir ruft</p>
<p>und immer öfter<br />
schweigt</p>
<p>damit Gebete<br />
Gedichten gleichen
</p></blockquote>
<p>Dieses ist das erste Gedicht im neu erschienenen Lyrikband &#8220;Weder Ort, noch Stein&#8221;, von <a href="http://www.nuritschaller.org/" title="Externer Link zu 'nuritschaller.org'">Nurit Schaller</a>, den sie am vergangenen Mittwoch im Cafe Kafka in Wien erstpräsentierte. Ich durfte dabei die einführenden Worte sprechen (etwas gekürzt und überarbeitet hier widergegeben).</p>
<p>Die &#8211; oben zitierte &#8211; 2009 verstorbene österreichische, jüdische Schriftstellerin <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elfriede_Gerstl" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Elfriede Gerstl</a> schreibt in ihrem Gedicht: &#8220;überraschungsgast&#8221;</p>
<blockquote><p>das gedicht kommt<br />
	wie eine katze<br />
[...]
</p></blockquote>
<p>Mein erster Gedanke, als ich Nurits Gedichte las, war, dass die Gedichte tatsächlich &#8220;kommen&#8221; wie eine Katze, zumindest so wie ich es mir als nicht-Katzenkenner vorstelle, dass eine Katze kommen könnte &#8230;</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[061111]" title="Buchcover Nurit Schaller, 'Weder Ort, noch Stein'" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/nurit01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/nurit01.jpg" width="250" height="183" alt="Buchcover Nurit Schaller, 'Weder Ort, noch Stein'" /></a></p>
</div>
<p>Nurit legt in ihrem Erstlingswerk sehr viele Gedichte vor, die leise, fast still, kommen. Es sind <em>viele</em> Gedichte, es sind – vielleicht nur auf den ersten Blick &#8211; sehr <em>unterschiedliche</em> Gedichte, die Gedanken aus verschiedenen persönlichen und künstlerischen Entwicklungsstufen widerspiegeln. Und es sind beeindruckende Gedichte!</p>
<p>Gedichte, die Bilder schaffen, ja, sie sind Bilder, die man erst einmal auf sich wirken lassen muss, die zwingen, jedes einzelne Gedicht nochmals und immer und immer wieder zu lesen, Gedichte, die dann aber sehr rasch neue Bilder erzeugen und vieles auslösen und einem die eigenen Worte nehmen; es fehlen die Worte Nurits Gedichte zu beschreiben &#8211; und das ist auch gut so!</p>
<blockquote><p>Ich baue<br />
Mir<br />
Kein Haus</p>
<p>Ich lebe<br />
Draußen<br />
Als Wild</p>
<p>Vor der<br />
Stadt<br />
Gibt&#8217;s nichts
</p></blockquote>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[061111]" title="Nurit liest aus ihrem Buch ... " href="http://www.ojm.at/blog/bilder/nurit02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/nurit02.jpg" width="250" height="167" alt="Nurit liest aus ihrem Buch ..." /></a></p>
</div>
<p>Gedichte in ihrem sehr eigenen, unverwechselbaren Stil. Nurits  Sprache ist eine sehr poetische, aber auch eine sehr präzise, eine extrem direkte Sprache, eine sehr schöne Sprache. Die Sprache der Gedichte ist aber vor allem Nurits eigene Sprache &#8211;  eine Sprache, die aus im Grunde wenigen, aber sehr intensiven Wörtern und Worten besteht, und es ist eine Sprache, die nahezu ohne Sätze auskommt! Eine Sprache die naturgemäß anstrengend für den Zuhörer ist oder sein kann.</p>
<p>Eine Sprache ohne Zeit, zumindest ohne Zeit in unserem westlichen Verständnis, die Gedichte scheinen sich überhaupt jeglicher Zeitdimension zu entziehen, der Zeitenwechsel innerhalb der kleinsten Gedichteinheiten gleicht im grammatikalischen Sinn einem Aspektwechsel (auch im Hebräischen gibt es die eigentlichen Tempora nicht). Ähnlich wie in den Texten der hebräischen Bibel scheinen in Nurits Gedichten die alten Funktionen der hebräischen Konjugationen auf aspektualer Grundlage nachzuwirken.</p>
<p>Diesen in ihren Gedichten so sichere Umgang mit der hebräischen Welt und insbesondere mit der hebräischen Sprachenwelt (&#8220;Ort&#8221;, <abbr>hebr. </abbr>מקום, mit Artikel (determiniert) המקום = &#8220;Gott&#8221;) fand ich gleichsam genial als auch faszinierend. Aber auch als wenig überraschend, den Nurit ist eine brilliante Linguistin, die ihr Handwerk beherrscht. (Ich darf anmerken, dass ich Nurit Schaller vor vielen Jahren kennenlernte, als sie als junge Studentin meine Bibelhebräischvorlesung am Institut für Orientalistik der Universität Wien besuchte.)</p>
<p>Nurit hat mittlerweile ihr Studium, ihre Studien, beendet, ihre Ausdrucksform ist über weite Strecken die Kunst, die Malerei, die Texte, die Photographie &#8230; eine Kreative, und zwar im allerbesten Sinn des Wortes, und immer auf der Basis <abbr>bzw.</abbr> mit dem Hintergrund einer Wissenden!</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[061111]" title="Zu einem stimmungsvollen, tollen Abend verhalf auch die wunderbare Musik von 'doubleBLU'" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/nurit03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/nurit03.jpg" width="200" height="133" alt="Band 'doubleBLU'" /></a></p>
</div>
<p>Mehr noch: Ihre Gedichte spiegeln dieses Wissen sehr deutlich wider und doch – sie sind viel mehr als nur in Gedichte gepresstes Wissen, es ist Lyrik auf sehr hohem Niveau, die durchaus eben ohne die von Nurit intendierten Assoziationen an- und auskommt, anspricht, vereinnahmt und begeistert! Ganz sicher werden jene, die die intendierten Assoziationen erkennen, in den Gedichten nochmals andere Bilder entdecken und eigene Bilder dazu kreieren. Denn an Assoziationen, oder besser &#8220;Assoziationsräumen&#8221;, ist Nurits Gedichtband reich; völlig unaufdringlich und nahezu nebenbei, jedenfalls fast durchgehend so gut wie geräuschlos bedient sie sowohl die Klaviatur der griechisch-römischen (Platons &#8220;Nachtmahl&#8221; wird zum &#8220;Abendmahl&#8221; &#8230;), der europäischen als insbesondere auch der jüdischen, und näherhin der biblischen sowie rabbinischen und jüdisch-mystischen Geisteswelt, Kulturgeschichte und Philosophie, mitunter in einem einzigen kurzen Gedicht!</p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[061111]" title="Nurit signiert ihre Bücher ..." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/nurit04GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/nurit04.jpg" width="200" height="133" alt="Nurit signiert ihre Bücher ..." /></a></p>
</div>
<p>Es wäre noch vieles zu den Gedichten sagen, die im Kant&#8217;schen Sinne aus sich heraus schön sind, erst fühlte ich mich wortlos und dann entstanden Bilder, Gedanken, eigene Assoziationsräume, ich blieb an einzelnen Wörtern hängen wie an dem so schönen Wort &#8220;Ohnehin&#8221; &#8211; ein ganzes Gedicht ist dem Wort gewidmet &#8230;</p>
<blockquote><p>das gedicht kommt<br />
	wie eine katze
</p></blockquote>
<p><cite>schreibt Elfriede Gerstl</cite></p>
<p>Nurits Gedichte kommen wie eine Katze &#8230;</p>
<p>Selbstverständlich begegnen wir auch ihrer eigenen Katze, sie setzt sich mit Erich Kästner auseinander und schreibt über Schmerz, Trauer und die Einsamkeit; und Nurit schreibt auch über <em>&#8220;Gott, der mich NICHT führt, aber mir zusieht&#8221;</em>, denn <em>&#8220;seine Augen sind nicht blind &#8230;&#8221;</em> wie es in einem Gedicht heißt:</p>
<blockquote><p>G&#8217;ttes Augen<br />
Sind nicht<br />
Blind</p>
<p>Nur wir</p>
<p>Sind taub<br />
Für sein<br />
Wort
</p></blockquote>
<p>Ich wünsche dem faszinierenden Lyrikband &#8220;Weder Ort, noch Stein&#8221; von Herzen viele LeserInnen!</p>
<p class="centered"><strong>Nurit Schaller, Weder Ort, noch Stein, Horn 2011, Verlag Berger, ISBN: 978-3-85028-533-9</strong></p>
<p class="tipp"><em>Nurit Schaller, geboren am 07. Juli 1975 in Wien, studierte <abbr>u.a.</abbr> Kulturanthropologie in Amsterdam, Jüdische Studien und Semitistik in Heidelberg. Ist Linguistin (Bibelhebräisch und Aramäisch), Herausgeberin der Kunstzeitschrift &#8216;diletto &#8211; the paper on art &#038; cultures&#8217; und Künstlerin. Lebt, schreibt, malt und werkt in Wien.<br />
Mehr über die Autorin: <a href="http://www.nuritschaller.org/" title="Externer Link zu 'nuritschaller.org'">nuritschaller.org</a> und <a href="http://www.diletto.org/" title="Externer LInk zu 'diletto.org'">diletto.org</a></em></p>
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		<item>
		<title>Unbekannte &#8216;Ikone&#8217;</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/06/23/unbekannte-ikone/</link>
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		<pubDate>Thu, 23 Jun 2011 08:30:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christopher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[israel]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Notiz zu Lea Goldberg Frage: Was ist das sicherste Zeichen dafür, dass ein Schriftsteller es (posthum) zu Ruhm und Ehre gebracht hat? Antwort: Sein/Ihr Porträt ziert a.) Briefmarken und/oder b.) Geldscheine Für die israelische Schriftstellerin Lea Goldberg (1911-1970), die im Mai ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte, gilt genau dies. Nicht nur findet sich ihr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Eine Notiz zu Lea Goldberg</h3>
<p><strong>Frage:</strong><br />
Was ist das sicherste Zeichen dafür, dass ein Schriftsteller es (posthum) zu Ruhm und Ehre gebracht hat?</p>
<p><strong>Antwort:</strong><br />
Sein/Ihr Porträt ziert a.) Briefmarken und/oder b.) Geldscheine</p>
<p>Für die israelische Schriftstellerin <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leah_Goldberg" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Lea Goldberg</a> (1911-1970), die im Mai ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte, gilt genau dies. Nicht nur findet sich ihr Porträt auf einer israelischen Briefmarke &#8230;</p>
<p><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/leaGoldbergGR.jpg" width="550" height="608" alt="Briefmarke Lea Goldberg" class="centered" /></p>
<p><cite><a href="http://www-personal.umich.edu/~szwetch/Stamps.of.Israel/31.html" title="Externer Link zu 'personsl.umich.edu...'">Quelle</a></cite></p>
<p>&#8230; &#8211; Goldberg soll ebenso auf dem neuen <a href="http://www.bankisrael.gov.il/press/eng/110504/110504n.htm" title="Externer Link zu 'bankisrael.gov.il...'">100-Schekel-Schein</a> verewigt werden (dabei rangiert sie wert-mäßig übrigens zwischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nathan_Alterman" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Nathan Alterman</a>, der für den 200-Schekel-Schein vorgesehen ist, und <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Shaul_Tchernichovsky" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Tchernichovsky</a> auf dem neuen 50er &#8230;;) ).</p>
<p>Und tatsächlich: Goldberg, geboren in Königsberg und 1935 (nach ihrem Studium u.a. in Berlin und Bonn) nach Palästina/Israel emigriert, </p>
<blockquote><p>ist eine neuhebräische Ikone…In Zeiten der Entwicklung und Verbreitung des Iwrit als Sprache der alltäglichen Kommunikation im vorstaatlichen Jischuw wie auch in den ersten Jahrzehnten des Staates Israel hatte Lea Goldberg mit ihrem Werk großen Anteil an der Erneuerung des Hebräischen als Sprache der Literatur. Dies macht sie zu einer Literatin des Übergangs und des Übertritts – von Europa und seinen Zungen weg nach Palästina bzw. Israel hinein.
</p></blockquote>
<p><cite>Dan Diner, im Vorwort zu: Yfaat Weiss: Lea Goldberg. Lehrjahre in Deutschland 1930-1933. [toldot. Bd. 9.] Göttingen 2010. S. 7.</cite></p>
<p>Umso erstaunlicher, dass Lea Goldberg dem deutschsprachigen Publikum bis heute beinahe unbekannt ist (vgl. hierzu auch Weiss a.a.O. S. 9ff.); in deutscher Sprache sind (unseres Wissens) einzig Goldbergs &#8220;Briefe von einer imaginären Reise&#8221; (<a href="http://www.suhrkamp.de/autoren/lea_goldberg_1529.html" title="Externer Link zu 'suhrkamp.de...'">Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag</a>. Frankfurt a.M. 2003) greifbar &#8211; ein Briefroman, im Original 1936/37 (in hebräischer Sprache) veröffentlicht, in dem Goldbergs Protagonistin Ruth sich auf eine fiktive Europa-Reise macht und in (eben: &#8220;imaginierten&#8221;) Briefen an ihren Geliebten Immanuel melancholische Selbst-, Reise- und Städtebilder zeichnet:</p>
<blockquote><p>Im Nebenabteil saßen drei Männer. Ich trat hinaus in den Gang. Sie sprachen über Frauen -<br />
&#8230; Es ist eigenartig, ich habe es einige Male bemerkt &#8211; Ihr, die Männer, wenn Ihr unter Euch seid, könnt dieses seltsame Bedürfnis nicht bezwingen, über Frauen zu sprechen – wie Antisemiten über Juden.<br />
Doch das nur nebenbei. Viel wichtiger waren diese Schienen unter mir, die ich in der Nacht nicht sehen konnte. Es war nur merkwürdig klar: Wenn man das Herz eines Menschen aus seiner Brust schneidet, es an der Lokomotive festbindet und über die Schienen davonführt, wird dieses Herz, das inniglich an sein &#8220;Dort&#8221; gebunden ist, sich doch überhaupt nicht von der Stelle bewegen. Wenn dem so ist, weshalb fährt dann der &#8220;ganze Mensch&#8221;, aus Fleisch und Blut, mit seinem törichten, ironischen Verstand und seinem schweren Herzen, das an das &#8220;Dort&#8221; gebunden ist, an dem Du bist, überhaupt fort?
</p></blockquote>
<p><cite>Lea Goldberg: Briefe von einer imaginären Reise. Aus dem Hebr. von L. Böhmer. Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag. Frankfurt a.M. 2003. S. 38.</cite></p>
<p>Doch war Goldberg auch Lyrikerin, Übersetzerin &#8211; und: Verfasserin von zahlreichen klassischen israelischen Kinderbüchern.<br />
Wer letztere für sich entdecken möchte, hat ab Herbst endlich die Gelegenheit: Lea Goldbergs Kinderbuch &#8220;<a href="http://www.ariella-verlag.de/index.html" title="Externer Link zu 'ariella-verlag.de'">Zimmer frei im Haus der Tiere</a>&#8221; erscheint im Oktober 2011 in einer illustrierten deutschen Fassung (in der Übersetzung von <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/06/20/bild-der-woche-mirjam-pressler/" title="Interner Link zum Beitrag 'Bild der Woche - Mirjam Pressler'">Mirjam Pressler</a>).</p>
<p><strong>Wir danken Stamm-Leser und -Kommentator Meir Deutsch herzlich für den Hinweis auf Lea Goldbergs 100. Geburtstag!</strong></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Kopf der Woche &#8211; Erich Fried</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/05/05/kopf-der-woche-erich-fried/</link>
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		<pubDate>Thu, 05 May 2011 09:46:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christopher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kopf der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit einer handfesten (wiewohl entzückenden) Tautologie hat Erich Fried sich seinen Platz im deutschen Lyrik-Pantheon erobert – &#8220;Es ist was es ist&#8230;&#8221; Der Autor liest &#8220;Es is was es ist &#8230;&#8221; Vertrackter ist da schon das Selbstverständnis des Dichters: ein Jude, aber kein religiöser; ein Österreicher, auch noch nach Jahrzehnten des Exils, aber ein &#8220;deutscher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit einer handfesten (wiewohl entzückenden) Tautologie hat Erich Fried sich seinen Platz im deutschen Lyrik-Pantheon erobert – &#8220;<a href="http://www.erichfried.de/Was%20es%20ist.htm" title="Externer Link zu 'erichfried.de...'">Es ist was es ist&#8230;</a>&#8221;</p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:425px; height:345px" data="http://www.youtube.com/v/wa45tdwyjqE?fs=1&#038;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/wa45tdwyjqE?fs=1&#038;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p class="centered">Der Autor liest &#8220;Es is was es ist &#8230;&#8221;</p>
<p>Vertrackter ist da schon das Selbstverständnis des Dichters: ein Jude, aber kein religiöser; ein Österreicher, auch noch nach Jahrzehnten des Exils, aber ein &#8220;deutscher Schriftsteller&#8221; -</p>
<blockquote><p>Ich habe immer nur deutsch geschrieben. Deutsch, nicht österreichisch. Ich glaube nicht, dass es eine wesentlich österreichische Literatur im Gegensatz zur deutschen Literatur geben kann &#8230;</p></blockquote>
<p><cite>Ein Versuch, Farbe zu bekennen. In: E. Fried: Anfragen und Nachreden. Politische Texte. Hg. v. V. Kaukoreit. Berlin 1994. S. 25.</cite></p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[050511]" title="Erich Fried (aus: 'Altes Land, neues Land ... Texte zum Erich Fried Symposium 1999, Wien 1999)" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/eFriedGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/eFried.jpg" width="150" height="225" alt="Erich Fried (aus: 'Altes Land, neues Land ... Texte zum Erich Fried Symposium 1999, Wien 1999)" /></a></p>
</div>
<p>Geboren 1921 in Wien begann <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Fried" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Frieds</a> literarische Karriere im englischen Exil (ein erster Lyrik-Band erschien 1944); an deren Ende (mit dem Tod des Dichters 1988) steht Fried der Büchnerpreisträger, Ehrendoktor und vielzitierte Klassiker moderner Liebeslyrik. </p>
<p>Abseits derselben zeigen Gedichte und Prosatexte Fried freilich auch als politischen Intellektuellen, der kontroversielle Gegenwartskritik nicht scheute: an der alten Heimat Österreich  &#8211; </p>
<blockquote><p>Welcher österreichische Schriftsteller hat schon in Österreich so viel Einfluss wie in Deutschland etwa Heinrich Böll oder Günter Grass oder sogar ich? Das ist doch bedenklich. </p></blockquote>
<p><cite>Die Freiheit, zu sehen, wo man bleibt. In: Fried 1994. S. 198</cite> -,</p>
<p>an einem &#8220;chauvinistischen&#8221; Zionismus und politischer Unkultur verschiedenster Couleur &#8230;</p>
<blockquote><p><strong>IN DER HAUPTSTADT</strong></p>
<p>&#8216;Wer herrscht hier?&#8217;<br />
fragte ich<br />
Sie sagten:<br />
&#8216;Das Volk natürlich&#8217;</p>
<p>Ich sagte:<br />
&#8216;Natürlich das Volk<br />
aber wer<br />
herrscht wirklich?&#8217;
</p></blockquote>
<p><cite>100 Gedichte ohne Vaterland. Berlin 1978. S. 44</cite></p>
<p><strong>Erich Frieds Geburtstag jährt sich am kommenden Freitag zum 90. Mal.</strong></p>
<p>Und weil&#8217;s dann doch (im besten Sinne) unvermeidlich ist &#8211; ein Fried&#8217;sches Liebesgedicht mit Herzstich-Garantie zum Schluss &#8230;</p>
<blockquote><p>Das Leben<br />
wäre<br />
vielleicht einfacher<br />
wenn ich dich<br />
gar nicht getroffen hätte</p>
<p>Weniger Trauer<br />
jedes Mal<br />
wenn wir uns trennen müssen<br />
weniger Angst<br />
vor der nächsten<br />
und übernächsten Trennung</p>
<p>Und auch nicht soviel<br />
von dieser machtlosen Sehnsucht<br />
wenn du nicht da bist<br />
die nur das Unmögliche will<br />
und das sofort<br />
im nächsten Augenblick<br />
und die dann<br />
weil es nicht sein kann<br />
betroffen ist<br />
und schwer atmet</p>
<p>Das Leben<br />
wäre vielleicht<br />
einfacher<br />
wenn ich dich<br />
nicht getroffen hätte<br />
Es wäre nur nicht<br />
mein Leben
</p></blockquote>
<p><cite>Nur nicht. In: E. Fried: Es ist was es ist. Liebesgedichte, Angstgedichte, Zorngedichte. Berlin 1996. S. 24</cite></p>
<div class="pagenavi">
<div class="page-nav">
<div class="nav-previous">
&laquo; <a href="http://www.ojm.at/blog/2011/03/25/kopf-der-woche-leonard-nimoy/" title="Bl&auml;ttern Sie in der 'Kopf der Woche'-Galerie zur&uuml;ck zum vorherigen 'Kopf'">  Kopf der Woche &#8220;Leonard Nimoy&#8221;</a>&nbsp;
</div>
<div class="nav-next">
&nbsp; <a href="http://www.ojm.at/blog/2011/06/21/kopf-der-woche-billy-wilder/" title="Bl&auml;ttern Sie in der 'Kopf der Woche'-Galerie vor zum n&auml;chsten 'Kopf'"> Kopf der Woche &#8220;<span lang="en" xml:lang="en">Billy Wilder</span>&#8220;</a> &raquo;
</div>
</div>
</div>
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		</item>
		<item>
		<title>Bild der Woche &#8211; Martin-Buber-Geburtshaus</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/02/06/bild-der-woche-martin-buber-geburtshaus/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/02/06/bild-der-woche-martin-buber-geburtshaus/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 06 Feb 2011 11:02:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christopher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[wien]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=698</guid>
		<description><![CDATA[Als Martin Buber 1896 zwecks Studium von Lemberg nach Wien übersiedelt, ist ihm die Stadt keineswegs gänzlich fremd: Zwar hatte Buber größte Teile seiner Kindheit in Galizien verbracht, zur Welt gekommen aber war er 1878 eben in Wien. Es ist also die &#8220;Stadt meiner Geburt und frühesten Kindheit&#8221;, in die Buber 18-jährig zurückkehrt &#8211; und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Martin_Buber" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Martin Buber</a> 1896 zwecks Studium von Lemberg nach Wien übersiedelt, ist ihm die Stadt keineswegs gänzlich fremd: Zwar hatte Buber größte Teile seiner Kindheit in Galizien verbracht, zur Welt gekommen aber war er 1878 eben in Wien. Es ist also die &#8220;Stadt meiner Geburt und frühesten Kindheit&#8221;, in die Buber 18-jährig zurückkehrt &#8211; und sich übrigens vom Vorlesungsbetrieb an der Wiener Universität weit weniger beeindruckt zeigt als vom Spielbetrieb des Wiener Burgtheaters &#8230;</p>
<p>In Bubers Rückschau erscheint besagte Rückkehr nach Wien überdies stark philosophisch-poetisch aufgeladen: </p>
<blockquote><p>Die losen, flächigen Erinnerungsbilder schienen aus dem großen körperhaften Zusammenhang wie Scheibchen einer magischen Laterne hervor, aber auch manche Gegend, die ich nicht gesehen haben konnte, sprach mich als Bekanntes an. Die heimatliche Fremde lehrte einen täglich, wiewohl in noch undeutlicher Sprache, dass man die Welt anzunehmen und sich von ihr annehmen zu lassen habe, sie nämlich sei bereit &#8230;
</p></blockquote>
<p><cite>Begegnung. Autobiographische Fragmente. 4. Aufl. Heidelberg 1986. <abbr>S.</abbr> 32</cite>. </p>
<p><strong>Bubers Geburtstag, der 8. Februar, jährt sich in der kommenden Woche.<br />
</strong></p>
<p><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/buberGRR.jpg" width="550" height="1089" alt="Martin Buber - Wohnhaus in Wien" class="centered" /></p>
<p class="centered">Bubers Geburtshaus, Wien, Franz-Josefs-Kai 45</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Begnadeter Überlebenskünstler / Zaungast der Politik</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/01/11/begnadeter-ueberlebenskunstler-zaungast-der-politik/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/01/11/begnadeter-ueberlebenskunstler-zaungast-der-politik/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 11 Jan 2011 10:03:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Guenter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[mattersburg]]></category>

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		<description><![CDATA[Erinnerung an den jüdischen Arzt und Schriftsteller Richard Berczeller In seinem zeitgeschichtlichen Beitrag über die drei überragenden geistigen Führer der österreichischen Sozialdemokratie in der 122 -jährigen Geschichte dieser politischen Partei &#8211; Viktor Adler, Otto Bauer und Bruno Kreisky, übrigens drei Juden aus gutbürgerlich-altösterreichischem Hause &#8211; hat Hans Werner Scheidl in der Tageszeitung DIE PRESSE vom [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Erinnerung an den jüdischen Arzt und Schriftsteller Richard Berczeller</h3>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[110111]" title="Richard Berczeller bei den Feierlichkeiten zu 60 Jahre Burgenland, 1981"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/berczeller03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/berczeller03.jpg" width="250" height="181" alt="Richard Berczeller bei den Feierlichkeiten zu 60 Jahre Burgenland, 1981" /></a></p>
</div>
<p>In seinem zeitgeschichtlichen Beitrag über die drei überragenden geistigen Führer der österreichischen Sozialdemokratie in der 122 -jährigen Geschichte dieser politischen Partei &#8211; Viktor Adler, Otto Bauer und Bruno Kreisky, übrigens drei Juden aus gutbürgerlich-altösterreichischem Hause &#8211; hat Hans Werner Scheidl in der Tageszeitung DIE PRESSE vom 8. Jänner 2011 (Printausgabe) auch den 1902 in Ödenburg im Königreich Ungarn geborenen Richard Berczeller zu Wort kommen lassen. Mit dessen Ausspruch über Otto Bauer (<em>&#8220;Aus unseren jungen Jahren ist er nicht wegzudenken&#8221;</em>), diesen <em>&#8220;revolutionären Illusionisten der Zwischenkriegszeit&#8221;</em>. Für mich ein willkommener Anlass, an einen bedeutenden Mann zu erinnern,</p>
<p>Richard Berczeller, am 3. Jänner 1994 im Alter von 92 Jahren in New York verstorben, war ein begnadeter Überlebens- wie auch Lebenskünstler und eine Symbolfigur für die 1938 aus dem Burgenland vertriebenen Juden, den Umständen gemäß neben seiner ärztlichen und schriftstellerischen Tätigkeit aber nur ein &#8220;Zaungast der Politik&#8221; (so der Titel eines gemeinsamen Buches mit Norbert Leser), aber das mit einer kaum überbietbaren Leidenschaft.</p>
<p>Berczeller für mich entdeckt habe ich bereits 1965, eher zufällig, als sein wohl interessantestes autobiographisches Buch mit dem Titel &#8220;<em>Die sieben Leben des Doktor B.</em>&#8221; (Originaltitel : &#8220;<em>Displaced Doctor</em>&#8220;, The Odyssee Press, New York), aus dem Amerikanischen übersetzt von Kurt Wagenseil, im Paul List Verlag (München) erschienen ist. Das Buch fiel mir im Schaufenster einer  Buchhandlung in Köln auf, weil auf einem daneben angebrachten Info-Text  zu lesen war, dass sein Autor aus Ödenburg stammt.</p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[110111]" title="Richard Berczeller und Mida Huber im Garten der Heimatdichterin in Landsee/Burgenland, August 1970; Bild: Klara Köttner-Benigni"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/berczeller04GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/berczeller04.jpg" width="220" height="172" alt="Richard Berczeller und Mida Huber im Garten der Heimatdichterin in Landsee/Burgenland, August 1970; Bild: Klara Köttner-Benigni" /></a></p>
</div>
<p>Ich kaufte daraufhin sofort ein Exemplar und verschlang gierig die zu einem Teil in Mattersburg (dem Städtchen, in dem ich damals zu Hause war) spielende Erzählung. Ein Jahr darauf, 1966, schenkte ich das Buch meinem Freund, dem aus Wiesen bei Mattersburg stammenden Internisten Dr. Heinz Tragl, zu seinem 30. Geburtstag. Univ.-Prof. Tragl, bis 2003 ärztlicher Leiter des SMZ- Ost in Wien, wie auch ich wurden Jahre später über unsere Freundschaft mit dem damaligen Bundeskanzler Dr. Fred Sinowatz auch persönlich mit Richard Berczeller gut bekannt, der in den 1970er- und 1980er- Jahren wiederholt neben Wien, wo seine Frau Maria geb. Unger geboren wurde, auch das Burgenland besucht hat.</p>
<p>Zurück zu den &#8220;Sieben Leben des Doktor B&#8221;. Richard Berczeller schildert darin seine Zeit als revolutionärer Gymnasiast in Ödenburg/Sopron, die Flucht seiner Familie nach dem Ende des Bela Kun- Regimes in Ungarn ins neue österreichische Bundesland Burgenland, wo sein Vater sich in Sauerbrunn, dem damaligen Sitz der Landesregierung, niedergelassen und als Funktionär der  Sozialdemokratischen Partei rasch Karriere gemacht hat, Leiter der neuen Burgenländischen Landeskrankenkasse und Vizepräsident der Burgenländischen Arbeiterkammer wurde. Sohn Richard studierte in Wien Medizin und nach seinen Jahren als Turnusarzt am AKH ließ er sich 1930 als praktischer Arzt  in Mattersburg nieder, hatte Patienten aus der jüdischen Gemeinde des Ortes, aber auch zahlreiche Christen, einfache Leute und prominente, wie den legendären und mächtigen christlichsozialen Politiker und Landesrat Michael Koch.</p>
<p>Nach der Machtergreifung der Nazis auch in Österreich gelang Berczeller mit Hilfe von Marie Bounaparte (einer französischen Adeligen und Schülerin Siegmund Freuds) die Flucht nach Frankreich. Nach Monaten als Kolonialarzt an der afrikanischen Elfenbeinküste und Bordellarzt in Paris landete  Berczeller mit Ehefrau und Sohn Peter 1940 in New York, wo er bis zu seinem Tod lebte, (nach zusätzlicher medizinischer Ausbildung in den USA) Jahrzehnte als Internist ordinierte und daneben in der angesehenen Zeitschrift &#8220;New Yorker&#8221; immer wieder autobiographische Erzählungen veröffentlichte.</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[110111]" title="v. li: Richard Berczeller, Jolanthe Leser, Lyrikerin und Mutter des Politologen Norbert Leser, und Günter Unger anlässlich der Anbringung der Gedenktafel in Mattersburg 1985"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/berczeller02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/berczeller02.jpg" width="220" height="160" alt="v. li: Richard Berczeller, Jolanthe Leser, Lyrikerin und Mutter des Politologen Norbert Leser, und Günter Unger, 1985" /></a></p>
</div>
<p>Seine Freundschaft mit Fred Sinowatz, der nach Kreisky Vorsitzender der SPÖ war, trug Berczeller 1985 die Viktor Adler- Medaille ein, die höchste Auszeichnung, welche die Österreichische Sozialdemokratie zu vergeben hat. Aber auch das Land Burgenland und sogar die katholische Diözese Eisenstadt unter Bischof Stefan Laszlo geizten nicht mit respektablen Orden, die sich der umtriebige und auch im hohen Alter noch immer charmante jüdische Grandseigneur ohne religiöse Bindung stets selbst vor Ort abholte. Bei solchen Anlässen festigte sich auch ein burgenländischer Freundeskreis um Berczeller, dem u.a. der damalige Vorstand der Sozialabteilung der Landesregierung, Dr. Günther Engelbrecht, wie auch ich angehörten.  </p>
<p>An der Fassade des Hauses am Mattersburger Hauptplatz, in dem Berczeller bis 1938 als Arzt gewirkt hatte, wurde eine Gedenktafel angebracht. Eine Art Wiedergutmachung durch den damaligen Mattersburger SPÖ-Bürgermeister <abbr>Mag.</abbr> Eduard Sieber, weil dessen Amtsvorgänger Anton Wessely verhindert hatte, dass das neue Mattersburger Ärztezentrum nach Richard Berczeller benannt wurde. </p>
<p>Zu Berczellers 90. Geburtstag erschien eine von Joachim Riedl (der Korrespondent österreichischer Medien in New York gewesen war und dort den burgenländischen Emigranten und Präsidenten der American Friends of Austrian Labour kennen gelernt hatte), herausgegebene Festschrift mit dem Titel &#8220;<em>Denn sie töten den Geist nicht, ihr Brüder!</em>&#8220;. Das Herausgeberkomitee, bestehend aus Erhard Busek, Heinz Fischer, Thomas Klestil, Herbert Krejci, Peter Marboe, Fred Sinowatz, Franz Vranitzky und Helmut Zilk, konnte glänzender nicht sein.</p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[110111]" title="Richard Berczeller und Günter Unger vor der Gedenktafel für die gefallenen jüdischen Soldaten des 1. Weltkrieges vor dem Österreichischen Jüdischen Museum, 1983"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/berczeller01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/berczeller01.jpg" width="200" height="203" alt="Richard Berczeller und Günter Unger vor der Gedenktafel für die gefallenen jüdischen Soldaten des 1. Weltkrieges vor dem Österreichischen Jüdischen Museum, 1983" /></a></p>
</div>
<p>Bei der Präsentation des Buches im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt am 23. April 1992 durch den damaligen Landeshauptmann Karl Stix unterstrich Paul Grosz, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, in einer Rede die hohe Wertschätzung des Jubilars innerhalb des österreichischen Judentums. ÖVP-Altbundeskanzler Josef Klaus veröffentlichte in der Festschrift seinen &#8220;Brief an einen alten Freund&#8221;.  Richard Berczeller selbst konnte aus gesundheitlichen Gründen an diesem Ereignis nicht teilnehmen.</p>
<p>Drei Wochen danach, am 13. Mai, erhielt ich seinen letzten Brief an mich aus New York, in dem er sich für meinen Fernsehbeitrag über dieses Ereignis bedankte und mir <abbr>u.a.</abbr> mitteilte, dass auch der ungarische Staatspräsident Arpad Göncz ihm zum 90er herzlich gratuliert habe. Und er schloss diesen Brief ein wenig wehmütig mit folgenden Zeilen:</p>
<blockquote><p>Trotz meiner Erfolge in einem jahrzehntelangen Leben in der Fremde wäre ich viel  lieber in meiner alten Heimat geblieben, auch wenn ich es dort nur zu einem inzwischen auch schon  pensionierten Obermedizinalrat gebracht hätte. </p></blockquote>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Bild der Woche &#8211; Max Brod</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2010/12/19/bild-der-woche-max-brod/</link>
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		<pubDate>Sun, 19 Dec 2010 12:53:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christopher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[tel aviv]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich kann und muss mir &#8230; den Beinamen geben: ein Polemiker wider Willen. Es scheint mir, dass das weniger meine Schuld als die Schuld der Stadt ist, in der ich geboren wurde und die längste Zeit meines Lebens zugebracht habe. Die Schuld Prags. Das alte österreichische Prag war eine Stadt, in der nicht nur die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Ich kann und muss mir &#8230; den Beinamen geben: ein Polemiker wider Willen. Es scheint mir, dass das weniger meine Schuld als die Schuld der Stadt ist, in der ich geboren wurde und die längste Zeit meines Lebens zugebracht habe. Die Schuld Prags. Das alte österreichische Prag war eine Stadt, in der nicht nur die einzelnen gegeneinander polemisierten, sondern drei Nationen standen im Kampf gegeneinander: die Tschechen als Majorität, die Deutschen als Minorität und die Juden als Minorität innerhalb dieser Minorität. (&#8230;) Prag, die Stadt der drei Nationen, Prag, die polemische Stadt &#8230;
</p></blockquote>
<p><cite>Max Brod: Streitbares Leben. Autobiographie. München: Kindler 1960. S. 7f.</cite></p>
<p>Im Jahr 1939 vertauschte der Schriftsteller und Kafka-Herausgeber <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Brod" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Max Brod</a> dieses sein &#8220;polemisches&#8221; Prag (zwangsweise) mit dem &#8220;tückisch glänzende(n) Labyrinth Tel Avivs&#8221; (a.a.O. S. 500) &#8230;</p>
<p>Brod starb vor genau 42 Jahren, am 20. Dezember 1968, ebendort.</p>
<p><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/brod01GR.jpg" width="550" height="825" alt="Wohnhaus Max Brods in Tel Aviv" class="centered" /></p>
<p class="centered">Das Wohnhaus Max Brods in Tel Aviv, gelegen in Sichtweite des Mittelmeers, HaYarden Street 16</p>
<p><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/brod02GR.jpg" width="550" height="449" alt="Gedenktafel für Max Brod" class="centered" /></p>
<p>Apropos Todestage berühmter Schriftsteller &#8211; es bleibe nicht unerwähnt: Am kommenden Dienstag, dem 21. Dezember, jährt sich zum 75. Mal der Todestag des großen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Tucholsky" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Kurt Tucholsky</a>!</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Bittere Melodie</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2010/11/25/bittere-melodie/</link>
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		<pubDate>Thu, 25 Nov 2010 08:48:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Guenter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[rust]]></category>

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		<description><![CDATA[Erinnerungen an den jüdischen Lyriker David Ignatz Neumann, geb. am 25. Mai 1894 in der Freistadt Rust im Komitat Ödenburg des Königreichs Ungarn, gest. am 01. November 1992 in Tel Aviv im Staate Israel Er gehört zu jenen Menschen, die mich in meinem bisherigen Leben besonders beeindruckt haben. Aus vielerlei Gründen, vor allem aber wegen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Erinnerungen an den jüdischen Lyriker David Ignatz Neumann,<br />
<abbr>geb.</abbr> am 25. Mai 1894 in der Freistadt Rust im Komitat Ödenburg des Königreichs Ungarn, <abbr>gest.</abbr> am 01. November 1992 in Tel Aviv im Staate Israel<br />
</h3>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[251110]" title="David Ignatz Neumann im März 1987 in seiner Wohnung in Tel Aviv"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/neumann01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/neumann01.jpg" width="220" height="303" alt="David Ignatz Neumann im März 1987 in seiner Wohnung in Tel Aviv" /></a></p>
</div>
<p>Er gehört zu jenen Menschen, die mich in meinem bisherigen Leben besonders beeindruckt haben. Aus vielerlei Gründen, vor allem aber wegen seiner körperlichen Vitalität und geistigen Regsamkeit, die ihn beinahe hundert Jahre alt werden ließen.</p>
<p>Kennen gelernt habe ich David Ignatz Neumann 1987 über Vermittlung des deutschen Unternehmensberaters Hans Dieter Schell, der zum Freundeskreis Neumanns gehörte und im Burgenland einen Verlag für die Gedichte dieses Mannes suchte, die damals schon im Marbacher Literaturarchiv aufbewahrt waren. Ich wies den Weg zur Edition Roetzer in Eisenstadt und aus dieser Empfehlung gingen dann in den folgenden Jahren vier Bände mit lyrischen Texten Neumanns hervor, teilweise versehen mit biographischen und analytischen Texten des deutschen Germanisten Manfred Seidler. Ihre Titel &#8220;Ein Leben- ein Werk&#8221;, &#8220;Bittere Melodie&#8221;, &#8220;Nichtigkeiten- Wichtigkeiten&#8221; und &#8220;Spätlese&#8221;. Dem von mir verfassten Vorwort zum Band &#8220;Bittere Melodie&#8221; bestehend aus einem Gedichtzyklus zur Geschichte Israels, gab ich den Titel &#8220;Ein Kämpfer für Zion&#8221;. Denn das war David Ignatz Neumann in jeder Phase seines Lebens.</p>
<p>Als Neumann 1894 als Sohn eines Weinsensals und Einkäufers für das große Eisenstädter jüdische Weinhandelshaus Wolf in der königlich- ungarischen Freistadt Rust das Licht der Welt erblickte, lebte der magyarische Chauvinismus in den deutschsprachigen Gebieten Westungarns gerade so richtig auf. Dieser Umstand, aber auch die von der Reblaus ausgelöste Wirtschaftskrise im Weingeschäft ließ die Familie Neumann mit ihren insgesamt 12 Kindern kurz nach der Jahrhundertwende aus Rust nach Wien ziehen, wo der kleine David Ignatz an der Hand seines Vaters am Begräbnis Theodor Herzls teilnahm und später dann den Beruf eines Messerschmieds erlernte, schon in der festen Absicht, nach Palästina auszuwandern. Im Ersten Weltkrieg diente David I.  Neumann als Rechnungsunteroffizier im 76. (Ödenburger) Infanterieregiment der k.u. k. Armee. Sein Bruder Josef ist in diesem Krieg gefallen, was auf dem Ruster Kriegerdenkmal vor dem städtischen Rathaus heute noch nachzulesen ist.</p>
<p>Von 1927 an lebte David I. Neumann in Tel Aviv als Messer- und Verseschmied, denn die &#8220;Dichteritis&#8221; (wie er diese Obsession einmal scherzhaft bezeichnete) hatte ihn von Jugend an fest in ihren Klauen. Stilistisch sah er sich in der Tradition von Eduard Mörike und Heinrich Heine. Und er war ein echter <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jecke" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Jecke</a>. Beherrschte auch nach Jahrzehnten in Israel nicht Hebräisch. Die deutsche Sprache war seine eigentliche Heimat. Die Stoßrichtungen seines Fühlens und Denkens hat er einmal in den folgenden Verszeilen festgemacht:</p>
<blockquote><p>Zweigeteilt ist meine Seele.<br />
Österreich hat mich geprägt.<br />
Doch der Traum von Zion wurde<br />
in die Wiege mir gelegt.</p></blockquote>
<p>Im Band &#8220;Bittere Melodie&#8221; konfrontiert uns Neumann mit jüdischem Empfinden und Denken, das nicht gerade von österreichischer Verbindlichkeit, Beiläufigkeit und Nonchalance  gekennzeichnet ist. Härte und Unversöhnlichkeit gegenüber den Feinden der Juden paart sich bei ihm gelegentlich mit Ironie. Glatte Rhythmen und Reime wechseln aber immer wieder mit widerborstiger Beharrlichkeit im (für ihn) Grundsätzlichen.</p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[251110]" title="David Ignatz Neumann im Alter von 93 Jahren in Basel am Rheinufer, im Hintergrund das Basler Münster, November 1987"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/neumann02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/neumann02.jpg" width="220" height="325" alt="David Ignatz Neumann im Alter von 93 Jahren in Basel am Rheinufer, im Hintergrund das Basler Münster, November 1987" /></a></p>
</div>
<p>Im Herbst 1987 besuchte ich mit einem Kamerateam David Ignatz Neumann in Basel, wo er sich nach den jüdischen Feiertagen im Oktober für die (in Tel Aviv klimatisch eher unwirtlichen) bevorstehenden Wintermonate in der Wohnung seiner (aus Königsberg stammenden) Altersfreundin Paula Friedländer einquartiert hatte und interviewte ihn für einen Beitrag im ORF- Fernsehen. Das verschaffte mir bei seiner Freundin zunächst ein gewisses Misstrauen, danach aber auch Respekt. Wenige Wochen später kam David I. Neumann nach Rust, der Stadt seiner Geburt, und nahm an einer Lesung seiner Gedichte im Seehof der Freistadt durch Karl Hofer teil. Bei dieser Gelegenheit wurde er von Bürgermeister Dipl. Ing. Heribert Artinger gebeten, sich in das Goldene Buch der Freistadt Rust einzutragen.</p>
<p>1994, also bereits nach seinem Tod, fand in Rust anlässlich des 100. Geburtstages von David I. Neumann eine Gedenkfeier statt, der auch Moshe Neumann, Sohn des verstorbenen Dichters, beiwohnte. Damals wurde auch das Gedicht des Jubilars &#8220;Als ich ein Kind war&#8221; vorgetragen.</p>
<blockquote><p>Als ich ein Kind war, Kind mit blonden Haaren,<br />
Durft ich an Wintertagen Schlitten fahren.</p>
<p>An Sommertagen atmete der See,<br />
Schilfrohrumstanden, blank, in meiner Näh&#8217;.</p>
<p>Des Ufers Moorgeruch war mir vertraut,<br />
Aus tiefer Stille sang ein Hummellaut.</p>
<p>Und ich war glücklich, unberührt vom Wissen,<br />
Dass wir das Paradies verlassen müssen.</p>
</blockquote>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Für die, die ohne Stimme sind</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2010/10/19/fur-die-die-ohne-stimme-sind/</link>
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		<pubDate>Tue, 19 Oct 2010 11:33:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Guenter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=626</guid>
		<description><![CDATA[Herbstliches von Theodor Kramer Immer, wenn der Herbst deutlich um sich greift, greife ich gerne zu den Gedichten von Theodor Kramer, um mich einmal mehr in der Melancholie dieses bedeutenden Poeten zu wiegen, der am 1. Januar 1897 im niederösterreichischen Niederhollabrunn als Sohn des jüdischen Gemeindearztes geboren wurde und ein Jahr nach seiner Rückkehr aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Herbstliches von Theodor Kramer</h3>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/thkramer.jpg" width="220" height="298" alt="Theodor Kramer" /></p>
</div>
<p>Immer, wenn der Herbst deutlich um sich greift, greife ich gerne zu den Gedichten von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Kramer" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Kramer'">Theodor Kramer</a>, um mich einmal mehr in der Melancholie dieses bedeutenden Poeten zu wiegen, der am 1. Januar 1897 im niederösterreichischen Niederhollabrunn als Sohn des jüdischen Gemeindearztes geboren wurde und ein Jahr nach seiner Rückkehr aus dem Exil in England, am 3. April 1958, in Wien verstorben ist. Carl Zuckmayer nannte ihn als stärksten Lyriker Österreichs seit Georg Trakl. Wie der frühverstorbene Salzburger war auch Kramer Frontsoldat im Ersten Weltkrieg. Nach der Okkupation Österreichs durch Hitler- Deutschland emigrierte er 1939 nach England, wo er die Staatsbürgerschaft erlangte und neben seiner unermüdlichen Produktion von Gedichten als Bibliothekar an einem College tätig war. An seiner späten Rückholung aus London war die streitbare Journalistin und Schriftstellerin <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hilde_Spiel" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org/wiki/Hilde_Spiel'">Hilde Spiel</a> wesentlich beteiligt.</p>
<p>Kramer schrieb von seinem 14. Lebensjahr an Gedichte. Tag für Tag. Mit 30 war er bereits eine kleine Berühmtheit. In seinen oft volksliedhaften Gedichten setzt er sich nicht nur mit der elenden sozialen Situation der Zwischenkriegszeit auseinander, sondern sucht zum Ausgleich auch immer die Natur. Gedichte auf Weinland und Stromland, Steinbruch und Schottergrube, Kräuter und Gras kamen dabei zustande. In der Zwischenkriegszeit erwandert sich Kramer vor allem die Gegenden des östlichen Niederösterreichs und des nördlichen Burgenlands und versucht, der einfachen und oft auch bitterarmen Landbevölkerung ein literarisches Denkmal zu setzen. Die Widmung seines gesamtes Werkes lautete: <strong>&#8220;Für die, die ohne Stimme sind&#8221;</strong>.</p>
<blockquote><p>Weinlese</p>
<p>Kommt, geschnitten ist der Wein,<br />
und es schäumt die Kelter;<br />
lasst uns heute lustig sein,<br />
morgen sind wir älter.<br />
In der Kapsel surrt der Mohn,<br />
aus den Malvenbroten<br />
rinnt&#8217;s; beim kleinsten Hauch und Ton<br />
klaffen leer die Schoten.<br />
Spielt die Ziehharmonika<br />
drum und singt nur lauter;<br />
heute sind wir alle da,<br />
waren nie vertrauter.<br />
Schön am Saum der Herbststrauch steht,<br />
Reif deckt früh den Anger;<br />
die heut in die Stauden geht,<br />
ist im Frühjahr schwanger.
</p></blockquote>
<blockquote><p>Seine Eltern waren Juden, und so war auch er Jude, weithin sichtbar, von großer Statur und schweren Gliedern. Sein Gesicht war breit, die Nase kurz und eingesattelt, die Lippen wulstig. Sein runder schwarzer Kopf war hutbedeckt. Er hatte Augen wie Vogelkirschen, die im Schatten der breiten Krempe glitzerten. So sah er aus wie Moses Vogelhut, und jeder sah ihn, wenn er, mit scheuen Gebärden, auf schweren, schwankenden Sohlen dahinging.
</p></blockquote>
<p>Der ebenfalls schon verstorbene Lyriker <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Guttenbrunner" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org/wiki/Michael_Guttenbrunner'">Michael Guttenbrunner</a>, dem ein großes Verdienst an der Wiederentdeckung Kramers nach dessen Rückkehr nach Österreich zukommt, hat ihn einmal <em>&#8220;mit den Zeichen seiner Herkunft versehen&#8221;</em> so plastisch beschrieben. In einem Essay, den ich als Herausgeber der in Eisenstadt erschienenen Literaturzeitschrift &#8220;wortmühle&#8221; 1979 zum ersten Mal veröffentlicht habe. <em>&#8220;Kramers von Anfang an quälende Selbstschau&#8221;</em>, führte Guttenbrunner in diesem Essay weiter aus, <em>&#8220;ist mit einem naiven utopischen Weltblick gepaart, der an der Stelle des Olymps, der Altäre und Throne, die grüne burgenländische Wiese sieht, auf der die Gänsen weiden und ein freies Volk um den Maibaum tanzt&#8221;</em>. Dazu passend ein bisher noch unveröffentliches Gedicht Theodor Kramers mit dem Titel </p>
<blockquote><p><strong>Mostnacht in Eisenstadt</strong></p>
<p>Vom Herbstwind bin ich aufgewacht,<br />
durchs Fenster schwebt ein Maulbeerblatt;<br />
mit seinem Ruch erfüllt die Nacht<br />
der schwere Most von Eisenstadt.<br />
Die Rieden liegen tot, vom Tag<br />
ist kaum zu sehn ein fahler Saum;<br />
wo magst du sein, mit der ich lag<br />
vor einem Jahr in diesem Raum.<br />
Wo liegst du jetzt um diese Stund,<br />
vor herbem Schimmel halt und heiß,<br />
wer küsst jetzt deinen breiten Mund<br />
und wohnt in deinem scharfen Schweiß ?<br />
Wie sah die Nacht doch damals aus<br />
noch immer so und anders nie;<br />
schwarz drüben glomm das kleine Haus<br />
wie heut und bebten mir die Knie&#8217;.<br />
Die Magd schob einen Krug mit Most<br />
mir gestern abends noch herein;<br />
mit dem komm ich zur Walnusskost<br />
aus bis zum ersten Morgenschein.</p>
</blockquote>
<p>Große Dichtung über kleine Leute, <em>&#8220;auf einer Orgel aus Staub mit schweren, fleischigen Händen gespielt&#8221;</em> (Guttenbrunner). Gesammelte Gedichte Kramers unter dem Titel &#8220;Orgel aus Staub&#8221; sind 1983 im Carl Hanser Verlag erschienen. 2005 kam dann im Zsolnay- Verlag eine dreibändige Gedichtsammlung heraus, die Erwin Chvojka ediert hat.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Lange Nacht der Museen 2010 &#8211; Nachlese</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2010/10/03/lange-nacht-der-museen-2010-nachlese/</link>
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		<pubDate>Sun, 03 Oct 2010 12:51:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[jüdisch-christlich]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[musik]]></category>
		<category><![CDATA[schalom-salam-grüß-gott]]></category>

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		<description><![CDATA[Nachdem unser Museum vergangenes Jahr in der Langen Nacht der Museen pausierte, ließen wir uns heuer etwas ganz Besonderes einfallen. Die &#8220;Lange Nacht&#8221; stand in unserem Museum selbstverständlich auch unter dem Jahresmotto und im Zeichen unserer Veranstaltungsreihe &#8220;Schalom – Salam – Grüß Gott&#8220;. Für die Kinder begann die lange Nacht naturgemäß sehr früh. Ein Spiel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem unser Museum vergangenes Jahr in der Langen Nacht der Museen <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/09/14/lange-nacht-der-museen-absage/" title="Interner Link zum Beitrag 'Lange Nacht der Museen - Absage'">pausierte</a>, ließen wir uns heuer etwas ganz Besonderes einfallen. Die &#8220;Lange Nacht&#8221; stand in unserem Museum selbstverständlich auch unter dem Jahresmotto und im Zeichen unserer Veranstaltungsreihe &#8220;<a href="http://www.ojm.at/blog/2010/03/14/schalom-salam-gruess-gott/" title="Interner Link zum Übersichtsbeitrag">Schalom – Salam – Grüß Gott</a>&#8220;.</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[031010]" title="Kinderprogramm in der Langen Nacht der Museen 2010; schon um 18h, als die Lange Nacht begann, kamen die ersten Kinder zu uns"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm201001GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm201001.jpg" width="150" height="150" alt="Kinderprogramm in der Langen Nacht der Museen 2010" /></a></p>
</div>
<p>Für die Kinder begann die lange Nacht naturgemäß sehr früh. Ein Spiel führte die Kleinen durch die 3 monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam und unsere Mitarbeiterinnen Kati und Anja freuten sich nicht nur über das Engagement der Kinder beim Spiel, sondern waren auch erstaunt über das teils große Wissen der Kinder über die Verschiedenheiten und Gemeinsamkeiten der drei Religionen. </p>
<p>Selbstverständlich gewannen alle Kinder auch Preise und wir werden das von uns eigens für die &#8220;Lange Nacht der Museen&#8221; kreierte Spiel sicher hinkünftig gelegentlich bei Schulklassen verwenden.</p>
<div id="mittig3a">
<ul id="bildchen">
<li><a rel="lightbox[031010]" title="Kinderprogramm in der Langen Nacht der Museen 2010"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm201002GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm201002.jpg" width="150" height="150" alt="Kinderprogramm in der Langen Nacht der Museen 2010" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[031010]" title="Kinderprogramm in der Langen Nacht der Museen 2010"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm201003GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm201003.jpg" width="150" height="150" alt="Kinderprogramm in der Langen Nacht der Museen 2010" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[031010]" title="Kinderprogramm in der Langen Nacht der Museen 2010"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm201005GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm201005.jpg" width="150" height="150" alt="Kinderprogramm in der Langen Nacht der Museen 2010" /></a></li>
</ul>
</div>
<p><br class="clear" /></p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[031010]" title="Helmut Wittmann, Aron Saltiel und David Raphael Katz beim Programm 'Aufräumen bei Gott!'"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm201006GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm201006.jpg" width="150" height="150" alt="Helmut Wittmann, Aron Saltiel und David Raphael Katz beim Programm 'Aufräumen bei Gott!'" /></a></p>
</div>
<p>Während die ersten beiden Stunden der &#8220;Langen Nacht&#8221; bei uns eher gemächlich begannen, herrschte kurz vor 20 Uhr ein regelrechter BesucherInnen-Ansturm auf unser Museum und binnen weniger Minuten war das Auditorium zum Bersten gefüllt. Unser Programmhighlight &#8220;Aufräumen bei Gott! Verrückte Geschichten über Gott und die Welt&#8221; sollte gleich beginnen. <a href="http://www.maerchenerzaehler.at/" title="Externer Link zu 'maerchenerzaehler.at'">Helmut Wittmann</a>, <a href="http://www.saltiel.at/" title="Externer Link zu 'saltiel.at'">Aron Saltiel</a> und David Raphael Katz boten dann 2 Stunden lang ein wirklich sensationelles Programm:</p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[031010]" title="Helmut Wittmann, Aron Saltiel und David Raphael Katz beim Programm 'Aufräumen bei Gott!'"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm201007GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm201007.jpg" width="150" height="150" alt="Helmut Wittmann, Aron Saltiel und David Raphael Katz beim Programm 'Aufräumen bei Gott!'" /></a></p>
</div>
<p>Tatsächlich, schon die erste Geschichte war wirklich total verrückt! Wir erfuhren nämlich, wie Jesus und Petrus  durchs Mühlviertel marschierten, Hunger bekamen und bei einer Bäuerin 3 (!) Krapfen erhielten. Petrus wollte daraufhin den Herrn Jesus reinlegen, was ihm freilich nicht gelang &#8230;<br />
Jedenfalls, nur so viel sei hier verraten, wissen wir jetzt, dass und wie Jesus die Eierschwammerl erschaffen hat ;).</p>
<p>Und die BesucherInnen bekamen sogar, passend zur Geschichte, ein Stück warmen Krapfen!</p>
<p>Warum das Programm übrigens <strong>&#8220;Aufräumen bei Gott!&#8221;</strong> hieß, erfuhren wir dann ganz am Schluss (<em>der 2. Teil, nach einer kurzen Pause, endete um 22 Uhr</em>) und möchten Ihnen die sehr eindrucks- und humorvolle Erklärung nicht vorenthalten:</p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:425px; height:344px" data="http://www.youtube.com/v/gAKRLrxHW-E?hl=de&#038;fs=1"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/gAKRLrxHW-E?hl=de&#038;fs=1" /></object>
</div>
<p>Um 22.30h führte Kollege Christopher noch durch die Synagoge und durfte mehr als 30 begeisterte (!) Interessierte (<em>und das bei einer Schwerpunktführung, die sich mit dem für eine &#8220;Lange Nacht der Museen&#8221; vielleicht etwas schwierigen Thema der Heiligkeit von Synagoge, Kirche und Moschee auseinandersetzte!</em>) begrüßen :).</p>
<p>Für unser Museum ging um 01h nachts eine großartige &#8220;Lange Nacht der Museen 2010&#8243; zu Ende. Knapp 600 BesucherInnen, viele neue Gesichter, aber auch viele unserer &#8220;StammbesucherInnen&#8221;, nahmen unsere Angebote wahr. </p>
<p>Nach der &#8220;Langen Nacht der Museen&#8221; ist vor der &#8220;Langen Nacht der Museen&#8221; – die Überlegungen beginnen schon jetzt und wir versprechen, auch 2011 wieder weniger neuen Besucherrekorden nachzujagen, sondern uns wirklich zu bemühen, auch nächstes Jahr ein attraktives und zu unserem Haus passendes Programm zu bieten &#8230;</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Der &#8216;Ritualmordprozess von Tisza Eszlar&#8217; und der &#8216;Kaufmann von Venedig&#8217;</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2010/09/29/ritualmord-tisza-eszlar-kaufmann-von-venedig/</link>
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		<pubDate>Wed, 29 Sep 2010 07:44:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Chaya-Bathya</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[jüdisch-christlich]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[ungarn]]></category>

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		<description><![CDATA[Unsere ständige Gastautorin und Korrespondentin aus Bnei Brak, Israel, Claudia/Chaya-Bathya, gibt uns die Möglichkeit zu einem kleinen Update, und zwar sowohl zu unserem letzten Blogbeitrag über die &#8220;Judensau&#8221; als auch zu Shakespears &#8220;Kaufmann von Venedig&#8221;, der vor 2 Tagen nachts vom ORF gesendet und von meinem Kollegen Christopher in einem Tweet kommentiert wurde. Der Ritualmordprozess [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Unsere ständige Gastautorin und Korrespondentin aus Bnei Brak, Israel, <a href="http://www.ojm.at/blog/ueber-das-blog/#wer">Claudia/Chaya-Bathya</a>, gibt uns die Möglichkeit zu einem kleinen <span lang="en" xml:lang="en">Update</span>, und zwar sowohl zu unserem letzten <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/09/26/bild-der-woche-judensau/" title="Interner Link zu 'Bild der Woche - Judensau'">Blogbeitrag über die &#8220;Judensau&#8221;</a> als auch zu <span lang="en" xml:lang="en">Shakespears</span> &#8220;Kaufmann von Venedig&#8221;, der vor 2 Tagen nachts vom ORF gesendet und von meinem Kollegen Christopher in einem <a href="http://twitter.com/JewishMuseumAT/status/25772143669">Tweet kommentiert wurde</a>.<br />
Der Ritualmordprozess von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aff%C3%A4re_von_Tiszaeszl%C3%A1r" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Tisza Eszlar</a> (1882/83) gilt als klassisches Beispiel für den religiös motivierten Antisemitismus der neueren Zeit. Der Freispruch der jüdischen Angeklagten führte zu massiven antijüdischen Agitationen und begründete den modernen politischen Antisemitismus in Ungarn. Auslöser war das spurlose Verschwinden des vierzehnjährigen christlichen Bauernmädchens Eszter Solymosi am 01. April 1882.</em></p>
<p><em><strong>Die folgende Predigt (wir bringen einen Ausschnitt) wurde von Rabbiner Emanuel (Menachem) Grünwald, Ödenburg [Sopron], zum Schabbat Hagadol 1883 gehalten. Der Schabbat Hagadol (&#8220;großer Schabbat&#8221;) ist der Schabbat vor dem Pesachfest und fiel im Jahr 1883 auf den 14. Nisan, der auch gleichzeitig Erev Pesach war (21. April). Die Predigt ist in Deutsch mit hebräischen Buchstaben geschrieben, die untenstehende Fassung von Claudia gibt den Ausschnitt wortgetreu wieder.</strong></em></p>
<h3>Die Predigt (Ausschnitt)</h3>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/eszterSolymosi.jpg" width="269" height="471" alt="Eszter Solymosi, Quelle: http://www.yivoencyclopedia.org/article.aspx/Tiszaeszlar_Blood_Libel" /></p>
<p class="center">Bild: Eszter Solymosi<br />
Quelle: <a href="http://www.yivoencyclopedia.org/article.aspx/Tiszaeszlar_Blood_Libel" title="Externer Link zu 'yivoencyclopedia.org'">yivoencyclopedia</a>.</p>
</div>
<p>Erlebnisse haben wir in unserer kultivierten Zeit erlebt [gemeint ist die Blutbeschuldigung von Tisza Eszlar 1882], von denen wir zwar keine Ahnung mehr hatten, denn selbst in unserer Zeit wird uns zum Vorwurfe gemacht, von den Judenfeinden, dass wir Blut zu unseren Zeremonien brauchen. Uns, denen selbst das Blut des Tieres verboten ist, werden solche lügenhaften Erdichtungen zum Vorwurfe gemacht! Dies erinnert mich an einen berühmten, hochberühmten Dichter [Shakespeare], der vor mehreren Jahrhunderten gelebt [hat]. Unter dessen Dichtungen findet sich auch eine [Kaufmann von Venedig], deren Held ein Jude ist:<br />
Ein jüdischer Kaufmann, der seinem Schuldner für ein Pfund Gold, das er ihm geborgt, und das dieser aber später nicht zurückzahlen kann, ein Pfund Blut abzapfen will. Ein Pfund Blut für ein Pfund Gold! </p>
<p>Und diese Dichtung ward nicht geschrieben, etwa bloß für den gelehrten Leser in seiner einsamen Stube. Nein, sie ward geschrieben fürs Volk, für die große Menge. Ein Jude fordert von seinem Schuldner ein Pfund Fleisch aus dessen Herzen für ein Pfund Gold! Wie? Ein Jude, dem selbst das Blut des Tieres heilig ist, verlangt für sein Gold Menschenblut? Wie gehörte nicht eine hirnverbrannte Phantasie dazu, um solch eine Dichtung zu schaffen?! Doch nein, es war eben keine Dichtung, sondern Wahrheit, geschichtliche Tatsache, die ganz in der Wirklichkeit vor Jahrhunderten in einer Stadt sich zugetragen hat. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass im wirklichen Vorgange der Jude nicht der Gläubiger, sondern der Schuldner [war]. Der Jude war es, der in seiner tiefen Not und Bedrängnis einem harten, bösen Mann für ein Pfund Gold ein Pfund seines Herzblutes verschreiben musste. Derartige Lügen werden erdichtet, um Zwiespalt und Zwietracht zwischen der einen und anderen Konfession [zu säen]. </p>
<p>Hat sich aber unser Zeitalter gebessert seitdem? Unsere Zeit hat gezeigt, dass der alte eingefleischte Judenhass noch immer nicht aufgehört hat, um Verdächtigungen, böse Anklage zu erheben.</p>
<h4>Zum Verfasser der Predigt</h4>
<p>Rabbiner Emanuel (Menachem <abbr>b.</abbr> Pinchas) Grünwald wurde <abbr>ca.</abbr> 1844 in Cece (Ungarn) geboren. Unter seinen Lehrern finden sich die Rabbiner Arje Lichter (Cece), Abraham Karpeles (Görböpincehely), Joel Ungar und Elieser Sussmann Sofer (Paks) sowie Samuel Wolf Schreiber (Abraham Benjamin Schmuel Sofer) in Preßburg, der Sohn und Nachfolger des Chatam Sofer. <abbr>R.</abbr> Menachem war der Schwiegersohn des Dajjan <abbr>R.</abbr> David Neumann in Preßburg. Nach seiner Hochzeit wohnte er bei seinem Schwiegervater, wurde dort selbst Dajjan und schließlich Rabbiner in Ödenburg (Sopron). In zweiter Ehe war er mit einer Tochter von <abbr>R.</abbr> Jizchak Kramer, Rabbiner in Neuhäusel (Nove Zamky, Slovakei) und Wien, verheiratet. Seine drei Söhne (Jehuda, Schmuel und Jehoschua) waren ebenfalls Rabbiner, desgleichen sein Schwiegersohn <abbr>R.</abbr> Katriel Blum aus Nagykaroly (Carei Mare, Rumänien). <abbr>R.</abbr> Menachem starb am 25. Tischri 5690 (September/Oktober 1929).<br />
<cite>Kinstlicher, משה אלכסנדר זושא קינסטליכר, ה&#8217;חתם סופר&#8217; ותלמידיו, בני-ברק: מכון &#8216;זכרון&#8217;, תשס&#8221;ה, S. 516.</cite></p>
<p>Ein weiterer Sohn von <abbr>R.</abbr> Menachem Gruenwald war übrigens <a href="http://he.wikipedia.org/wiki/" title="Externer Link zu 'he.wikipedia.org'">Malkiel Gruenwald</a> (1882-1968), der zur Zeit der Affäre von Tisza Eszlar geboren wurde und später gegen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Kasztner" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Kastner</a> gekämpft hat.</p>
<p class="tipp"><strong>Ein paar Monate nach der erwähnten Predigt berichtet die &#8220;Jüdische Presse (Berlin)&#8221; 5 (1884), <abbr>S.</abbr> 46 in einer Korrespondenz vom 25. Jänner über antisemitische Vorfälle in Ödenburg. Unter anderem wurden die Fenster des Rabbiners und jene der beiden Synagogen zertrümmert.<br />
</strong></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Bild der Woche &#8211; Mirjam Pressler</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2010/06/20/bild-der-woche-mirjam-pressler/</link>
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		<pubDate>Sun, 20 Jun 2010 09:02:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[shoa]]></category>

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		<description><![CDATA[Vorgestern, am 18. Juni, feierte eine der erfolgreichsten Autorinnen und Übersetzerinnen des deutschen Sprachraums, Mirjam Pressler, ihren 70. Geburtstag. Bekannt als Übersetzerin von mehr als 300 Titeln aus dem Hebräischen, gilt die &#8220;Kritische Werkausgabe der Anne Frank&#8221; als ihr Hauptwerk. Ihr jüngstes Buch, &#8220;Grüße und Küsse an alle&#8221; (2. Auflage, Oktober 2009), erzählt die Geschichte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vorgestern, am 18. Juni, feierte eine der erfolgreichsten Autorinnen und Übersetzerinnen des deutschen Sprachraums, Mirjam Pressler, ihren 70. Geburtstag. Bekannt als Übersetzerin von mehr als 300 Titeln aus dem Hebräischen, gilt die &#8220;Kritische Werkausgabe der Anne Frank&#8221; als ihr Hauptwerk.</p>
<p><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/annefrankGR.jpg" width="550" height="825" alt="Buchcover Mirjam Pressler 'Grüße und Küsse an alle'" class="centered" /></p>
<p>Ihr jüngstes Buch, &#8220;Grüße und Küsse an alle&#8221; (2. Auflage, Oktober 2009), erzählt die Geschichte der Familie von Anne Frank.</p>
<blockquote><p>Liebe Omi,<br />
Ich gratuliere herzlichst zum Geburstag (sic!). Ist es bei Euch auch so kalt, bei uns kaum zum aushalten, es ist 8 Grad unter null im Tag, nachts 11 Grad. Ist pussi wieder zurück und hat Stephan sie wieder auf der Schulter. War Chanuka auch bei euch gewesen, bei uns wohl und es gab viel zu &#8220;snoepen&#8221; [niederländisch: Süßigkeiten schlecken]. Wir sind viel auf der Eisbaan, und ich hab auch Schlittschuh laufen gelernt, erst bin ich viel gevallen jetzt geht es schon, und ich habe spass drann. Viele grüsse an alle und Küsschen an dich.</p>
<p>Zärtlein</p></blockquote>
<p>Diesen Brief schrieb Anne Frank im Dezember 1938, 3 Jahre später, im März 1941, war es schon vorbei mit dem Eislaufen, das Anne so liebte. &#8220;Juden durften in der Öffentlichkeit keinen Sport mehr treiben. Vermutlich hing an der Kunsteisbahn ein Schild &#8216;Für Juden verboten!&#8217;, wie es nun überall hing &#8230;&#8221; </p>
<p>Anne Frank war 11 Jahre alt, als sie folgenden Brief schrieb:</p>
<blockquote><p>Ich würde so gern wieder mit dem Schlittschuhlaufen anfangen, aber ich muss noch eine Weile Geduld haben, bis der Krieg vorbei ist, wenn Papa es dann noch bezahlen kann, bekomme ich wieder Unterricht im Eiskunstlauf, und wenn ich es dann sehr gut kann, hat Papa mir eine Reise in die Schweiz versprochen, zu euch allen. &#8230;</p></blockquote>
<p><cite>Mirjam Pressler, Grüße und Küsse an alle, Frankfurt 2009, 143f und 158</cite></p>
<p>Mehr zu und Hörprobe mit Mirjam Pressler auf <a href="http://oe1.orf.at/programm/231823" title="Externer Link zu 'oe1.orf.at...'">oe1.orf.at</a>.</p>
<div class="pagenavi">
<div class="page-nav">
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</div>
<div class="nav-next">
&nbsp; <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/06/27/bild-der-woche-synagoge-mattersburg/" title="Bl&auml;ttern Sie in der 'Bild der Woche'-Galerie vor zum n&auml;chsten Bild"> Bild der Woche &#8220;Synagoge Mattersburg&#8221;</a> &raquo;
</div>
</div>
</div>
<p class="tipp"><em>Schicken Sie uns Ihr <a href="http://www.ojm.at/blog/ueber-das-blog/#bw" title="Interner Link zu Seite 'Über das Blog'">Bild der Woche</a> &#8230;</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>György Sebestyén</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2010/06/10/gyoergy-sebestyen/</link>
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		<pubDate>Thu, 10 Jun 2010 07:17:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Guenter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>

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<p class="thumbn"><a rel="lightbox[100610]" title="György Sebesty&eacute;en (links) bei einem Besuch im Funkhaus Eisenstadt des ORF, in Begleitung des aus Kirgisien stammenden Literatur-Nobelpreis-Kandidaten Tschingis Aitmatow"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/sebestyenGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/sebestyen.jpg" width="150" height="150" alt="György Sebesty&eacute;en und Tschingis Aitmatow" /></a></p>
</div>
<p>Am 6. Juni 2010 jährte sich zum 20. Mal der Todestag des ungarisch-österreichischen Schriftstellers und Journalisten György Sebesty&eacute;n. Gyuri, wie ihn seine Freunde nannten, wurde 1930 in Budapest als Sohn eines jüdischen Schneiders geboren, wuchs dort zweisprachig auf, war in seinen frühen Jahren leidenschaftlicher Kommunist, ja sogar bekennender Stalinist, ehe er sich noch vor dem Aufstand der Ungarn gegen die russisch- sowjetische Diktatur und deren Budapester Handlanger zum Regimekritiker mauserte und nach der Niederschlagung des Aufstandes durch den Panzerkommunismus des damaligen Ostblocks im Jahr 1956 nach Österreich flüchtete.</p>
<p>Seine Verehrung des ungarisch- jüdischen Lyrikers Miklos Radnoti, der 1944 auf einem &#8220;Gewaltmarsch&#8221; von einem Arbeitslager der Nazis in Jugoslawien nach Deutschland in der Nähe von Györ mit einem Genickschuss liquidiert und in einem Massengrab verscharrt wurde, ging so weit, dass er zeit seines Lebens seine Handschrift der von Radnoti anpasste. Ein weiterer Säulenheiliger aus den Reihen der ungarischen Literaten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war für ihn Gyula Krudy,  den er einen &#8220;Liebling der Dämonen&#8221; nannte und mit Marcel Proust verglich und dessen phantastischen Roman &#8220;Die rote Postkutsche&#8221; er in seiner Übersetzung 1984 in der Eisenstädter Edition Roetzer veröffentlichte. </p>
<p>In Wien wurde Sebesty&eacute;n ( der ungarische Name für Sebastian)  rasch in den Kreis der aufstrebenden österreichischen Autorengeneration nach Heimito von Doderer, Alexander Lernet &#8211; Holenia und George Saiko (bestehend aus Herbert Eisenreich, Milo Dor, Reinhard Federmann, Peter von Tramin, Herbert Zand, Humbert Fink <abbr>u.a.</abbr>) aufgenommen, etablierte sich dann auch bei einigen Verlagen als blumiger Erzähler meist erotischer Geschichten und in renommierten Zeitungen wie der KRONE und der FURCHE als Edelfeuilletonist und Theaterkritiker.</p>
<p>Sebesty&eacute;n veröffentlichte einige Romane, von denen wohl als wichtigster jener mit dem Titel &#8220;Die Werke der Einsamkeit&#8221; anzusehen ist, in dem es um Tod, Eros und Macht geht, die den Ich- Erzähler auf der Suche nach seiner verlorenen Zeit beschäftigen. In der Eisenstädter Edition Roetzer  gab Sebestyen 18 Jahre lang die Zeitschrift PANNONIA heraus, die er ein Organ für die kulturelle Zusammenarbeit in Mitteleuropa bezeichnete und in der er zahlreiche Autoren aus dem Ostblock, auch solche aus der Sowjetunion, aber auch den jüdischen Serben Ivan Ivanji (persönlicher Dolmetsch des jugoslawischen Staatspräsidenten Tito) zu Wort kommen ließ.</p>
<p>Sebesty&eacute;n, seit 1963 österreichischer Staatsbürger, bekleidete in seinen letzten Lebensjahren auch die Funktion des Präsidenten  des österreichischen <acronym>PEN</acronym>- Zentrums. Neben seinem Domizil in Wien besaß der umtriebige Publizist bis zu seinem frühen Tod auch ein Haus in der burgenländischen Gemeinde Hornstein.</p>
<p class="tipp"><em><a href="http://www.ojm.at/blog/ueber-das-blog/#wer" title="Interner Link zu 'Über das Blog - Wer blogg?'">Günter Unger</a>, 1941 in Eisenstadt geboren, ist Historiker und Publizist. Er war mehr als 30 Jahre Kultur- Chef  im <acronym>ORF</acronym>- Burgenland und hat unzählige Radio- und Fernsehsendungen gestaltet. Von 1978 bis 1996 gab er die Literaturzeitschrift WORTMÜHLE heraus. Selber hat er Gedichte, Hörspiele, Erzählungen, ein Theaterstück sowie Bücher über bildende Kunst geschrieben und veröffentlicht.</em></p>
<p> <strong>Wir freuen uns sehr, dass <abbr>Dr.</abbr> Günter Unger zukünftig Beiträge in unserem Blog beisteuern und insbesondere unseren etwas vernachlässigten Literaturbereich aufwerten wird! :)</strong></p>
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