Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schlagwort: mattersburg

Europäischer Tag der jüdischen Kultur

Zum fünfzehnten Mal wird heuer europaweit der Europäische Tag der jüdischen Kultur begangen. An diesem Tag sollen Geschichte, Traditionen und Bräuche des europäischen Judentums in Vergangenheit und Gegenwart einem breiten…

Zum fünfzehnten Mal wird heuer europaweit der Europäische Tag der jüdischen Kultur begangen. An diesem Tag sollen Geschichte, Traditionen und Bräuche des europäischen Judentums in Vergangenheit und Gegenwart einem breiten Publikum vermittelt werden. In fast 30 europäischen Ländern bieten Museen, Vereine und Initiativen Ausstellungen, Vorträge, Konzerte und Führungen zu Stätten jüdischer Kultur an.

Auf Initiative der Burgenländischen Forschungsgesellschaft wird dieser Tag 2014 erstmals auch im Burgenland begangen, gemeinsam mit den Burgenländischen Volkshochschulen, unserem Museum und dem Landesmuseum Burgenland sowie in Kooperation mit lokalen Gedenkinitiativen. Koordiniert und unterstützt werden die Aktivitäten von der European Association for the Preservation and Promotion of Jewish Culture and Heritage AEPJ.

Programm

Leerstellen I: Rundgang durch das jüdische Viertel in Eisenstadt

mit dem Zeitzeugen Ernst Simon (London) und Johannes Reiss (Österr. Jüd. Museum Eisenstadt)

Wann: Sonntag, 14. September 2014, 09.00 bis 09.45 Uhr
Wo: Treffpunkt: Jerusalemplatz, 7000 Eisenstadt

Matinee

Eröffnung des ersten Europäischen Tages der jüdischen Kultur im Burgenland durch LH Hans Niessl und Francois Moyse, Präsident der European Association for the Preservation and Promotion of Jewish Culture and Heritage.

Anschließend: Zeitzeugen erzählen von ihrer Kindheit im Burgenland, der Vertreibung durch die Nationalsozialisten und dem Leben in der Emigration. Mit Ernst Simon (Eisenstadt – London) und Gerda Frey (Mattersburg – Wien).

Wann: Sonntag, 14. September 2014, 10.00 Uhr
Wo: Österreichisches Jüdisches Museum

Logo 'Europäischer Tag der jüdischen Kultur'

Am Nachmittag haben Sie die Möglichkeit, an geführten Rundgängen in Mattersburg, Frauenkirchen, Rechnitz und Kittsee teilzunehmen:

Mattersburg, 15.00 Uhr | Leerstellen II: Rundgang durch das ehemalige jüdische Mattersburg mit Gertraud Tometich (Verein „wir erinnern“)

Frauenkirchen, 15.00 Uhr | Leerstellen III: Rundgang durch das ehemalige jüdische Frauenkirchen mit Herbert Brettl (Initiative Erinnern Frauenkirchen)

Rechnitz, 15.00 Uhr | Leerstellen IV: Rundgang durch das ehemalige jüdische Rechnitz mit Eva Schwarzmayer (Verein REFUGIUS)

Kittsee, 14.30 Uhr | Leerstellen V: Rundgang durch das ehemalige jüdische Kittsee mit Irmgard Jurkovich (Treffpunkt: Gasthaus Leban, U. Hauptstraße 41, 2421 Kittsee)

Mehr Informationen und Details der Veranstaltungen entnehmen Sie bitte der Broschüre: edjc-2014.pdf, Download, 2.16MB

Wir ersuchen Sie um Anmeldung. Benutzen Sie dafür bitte das Formular auf der Website der Burgenländischen Forschungsgesellschaft.

Selbstverständlich stehen wir Ihnen für Fragen gerne zur Verfügung:

  • per E-Mail: info@ojm.at oder
  • telefonisch: +43(0)2682 651 45


Keine Kommentare zu Europäischer Tag der jüdischen Kultur

‚Als im Burgenland noch das Schofarhorn ertönte‘

Kürzlich ist ein neues Buch zur jüdischen Regionalgeschichte erschienen, nämlich eine groß angelegte Monographie über das jüdische Mattersburg: „Als im Burgenland noch das Schofarhorn ertönte. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde…

Kürzlich ist ein neues Buch zur jüdischen Regionalgeschichte erschienen, nämlich eine groß angelegte Monographie über das jüdische Mattersburg: „Als im Burgenland noch das Schofarhorn ertönte. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde von Mattersburg und Umgebung“, verfasst von Gertraud Tometich, erschienen bei Edition Marlit.

Wir halten die Aufarbeitung jüdischer Regional- und Lokalgeschichte – für ein jüdisches Museum wenig überraschend – für ein grundsätzlich sinnvolles, wichtiges und förderungswertes Unternehmen, vorausgesetzt natürlich, dass die inhaltliche Qualität derselben stimmt. Die besagte Mattersburg-Monographie lässt uns vor diesem Hintergrund nun leider einigermaßen ratlos und verwundert zurück …

Wir ersparen uns hier ein Lamento über die nicht wenigen Mängel in Sachen Orthographie und Interpunktion, die sich – buchstäblich – vom Vorwort bis zur letzten Seite des Buches ziehen, über die dürftige technische Qualität mancher Bilder (v.a. S. 128), über die teils eigenartig archaische Ausdrucksweise (beispielsweise firmiert das Grab des Chatam Sofer in Bratislava unter dem Titel „Judendenkmäler“: S. 58) und Ähnliches mehr. Über all das mag man letztlich hinwegsehen können, so ärgerlich es mitunter für den Leser sein mag.

Nicht hinwegsehen kann man dagegen darüber, dass Teile des Buches – man muss es leider sagen – sachlich problematisch, missverständlich oder auch schlicht inhaltlich fehlerhaft sind.

An einigen – besonders augenfälligen – Beispielen:

In einer Zeitleiste, u.a. zu den rechtlichen Entwicklungen in Ungarn, ist davon die Rede, dass das Judentum 1895 „als Staatsreligion [!] anerkannt“ worden sei (S. 14). Ernsthaft – das Judentum als „Staatsreligion„? Was tatsächlich gemeint ist, ist offenbar der Umstand, dass die jüdische Religion 1895 den Status „volle[r] gesetzliche[r] Anerkennung“ erlangte – sodass nun allererst „das Ziel der vollständigen Emanzipation als erreicht betrachtet werden [konnte]“ (W. Bihl: Das Judentum Ungarns 1780-1914. In: Studia Judaica Austriaca. Bd. III. Studien zum ungarischen Judentum. Eisenstadt 1976. S. 17-31, hier 22).

Zwei Fotos auf S. 122 zeigen Textilien mit hebräischer Aufschrift – beide stehen allerdings auf dem Kopf! (Zudem ist die Bildbeschriftung, „Thora-Decken“, zumindest ungewöhnlich und auch uneindeutig – in einem Fall handelt es sich jedenfalls um einen Tora-Vorhang).

An anderer Stelle wird das Laubhüttenfest wie folgt erläutert:

Das rituelle Laubhüttenfest (Sukka) [!] ist ein Dankesfest und wird im Herbst begangen. Es erinnert an den 40-tägigen [!] Aufenthalt der Juden in der Wüste …

(S. 115)

Nun heißt das Fest aber nicht „Sukka“, sondern „Sukkot“ (die Pluralform zu „Sukka“, „Hütte“); und das Volk Israel benötigte für seinen Wüstenzug bekanntlich nicht 40 Tage, sondern 40 Jahre (siehe z.B. Josua 5,6)!

Es sind basale Sachverhalte, die hier offenkundig schlicht nicht korrekt dargestellt werden.

Die Reihe ließe sich problemlos fortsetzen. In Summe muss hier, bei aller Sympathie für das grundsätzliche Anliegen eines solchen Buches, die Frage erlaubt sein, ob der Sache angesichts solcher eklatanter Defizite tatsächlich noch gedient ist. Diese Bedenken verschärfen sich noch, wenn man sich die Rezeptionswege vergegenwärtigt, die für Bücher mit solcher und ähnlicher Thematik typisch sind: ihre Verwendung gerade durch LehrerInnen und Studierende, ihre Heranziehung für schulische Projekte, Maturaarbeiten usf.

Die gute Absicht aller Beteiligten in Ehren – sie allein ist leider nicht genug …

6 Kommentare zu ‚Als im Burgenland noch das Schofarhorn ertönte‘

Mattersburg judenfrei

Exakt heute vor 75 Jahren, am 8. Oktober 1938, meldete das „Kleine Blatt“, dass Mattersburg judenfrei ist. Damit hatte Tobias Portschy das erreicht, was er Anfang 1938, damals noch als…

Exakt heute vor 75 Jahren, am 8. Oktober 1938, meldete das „Kleine Blatt“, dass Mattersburg judenfrei ist. Damit hatte Tobias Portschy das erreicht, was er Anfang 1938, damals noch als illegaler Gauleiter, gefordert hat: die Judenfrage, die Zigeunerfrage und die Agrarreform mit nationalsozialistischer Konsequenz zu lösen …

Ausschnitt 'Kleines Blatt'


Mattersburg judenfrei!

Mit Ende des vergangenen Monats verließen die letzten Juden Mattersburg. Der Ort, der mit seinen 530 Juden Jahrhunderte hindurch berüchtigt war, ist somit gänzlich judenfrei! Die meisten sind auch bereits ausgebürgert, da sie das Reichsgebiet verließen. Im Zeichen der Erlösung von der Judenplage ließ der Ortsgruppenleiter und Bürgermeister unter Teilnahme einer jubelnden Menge auf dem ehemaligen Judentempel eine weiße Flagge hissen. Das Judenviertel selbst soll über kurz oder lang niedergelegt werden und anstatt der elenden Wanzenburgen werden neue Bauten und Parkanlagen erstehen.

Wien, Samstag, Das kleine Blatt, 8.Oktober 1938, Nr.277

Den Volltext der Zeitungsausgabe finden Sie im Onlinearchiv „Anno“ der Österreichischen Nationalbibliothek.

Vielen Dank an Meir Deutsch für den Hinweis!


17 Kommentare zu Mattersburg judenfrei

Purim 5773

Am 14. Adar, heuer Sonntag, der 24. Februar, wird Purim gefeiert (zum Fest siehe auch unseren Purimbeitrag vom vergangenen Jahr!). Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein…

Am 14. Adar, heuer Sonntag, der 24. Februar, wird Purim gefeiert (zum Fest siehe auch unseren Purimbeitrag vom vergangenen Jahr!).

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein fröhliches Purim!

חג פורים שמח לכולם!

Da kurz nach Purim, am Dienstag, 26. Februar, in Mattersburg die Veranstaltung

Geschichten aus dem jüdischen Mattersdorf

stattfindet, zu der wir hiermit auch sehr herzlich einladen, soll heute schon hier im Blog über Purim in den ehemaligen jüdischen Gemeinden Mattersdorf/Mattersburg und Eisenstadt kurz berichtet werden:

Zunächst „Zur jüdischen Volkskultur von Mattersdorf / Nagy Marton“ von Max Grunwald.

Max (Meir) Grunwald wurde 1871 in Oberschlesien geboren, promovierte 1892 zum Dr. phil. und war mit Margarethe, Tochter des Floridsdorfer Rabbiners und Reichstagsabgeordneten Dr. Joseph Samuel Bloch, verheiratet. 1938 musste Grunwald fliehen und starb 1953 in Jerusalem, wo an der Hebräischen Universität ein Lehrstuhl nach ihm benannt ist.
Seine rabbinische Laufbahn begann er in Hamburg, ließ sich aber 1903 in Wien nieder. Grunwald war wissenschaftlich besonders aktiv. Neben seinen philosophischen Arbeiten über Spinoza und seiner preisgekrönten Arbeit über „Samuel Oppenheimer und sein(en) Kreis“ umfasst sein Gesamtoeuvre zur jüdischen Volkskultur ca. 750 Publikationen. 1925 verfasste er seine minutiösen Schilderungen vom nordburgenländischen Mattersburg (alle Ausdrücke in eckigen Klammern sind Anmerkungen des Verfassers dieses Textes):

Kinderlied für Purim:

a) Heit is Pürim morgen is aus,
Gets mo e Kreizer ün schmeißts mioch enaus.

b) Pürim Pürim alle, kümm‘ ioch erein zü falle,
Fall ioch üntern Tisch, gefün ioch e Flederwisch.

Beim Verlesen der Megilla trägt der Zedoko-Gabbe [Vorsitzender des Wohlfahrtswesens] einen goldenen Siegelring an der rechten Hand.

Am Megilloh [Megilla, hier: die Esterrolle]-Abend wird auf die Tafel Megillohkraut aufgetragen, d.i. süß (mit Zibeben, Zucker usw.) zubereitetes Sauerkraut. Dasselbe wird auch am Simchas Thora, ferner bei jeder Hochzeit aufgetragen. Auf den Mittagstisch kommen zubereitete Bohnen. Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Frauen der Zubereitung des aufgesetzten Barches, welcher mit Rosetten und Krönchen geziert war. Schon lange vorher sahen die Dorfgeher darauf, sich bei den Bauern das feine Mehl für den Purimbarches zu erhandeln, und mit Genugtuung ließen sie sich vernehmen, dass sie für Purim bereits gesorgt hätten. Man nannte den Barches „das geele [gelbe] Barches“ wegen seiner Zutaten, wie Eier, Safran, Zucker und Zibeben. „Marbe Kindloch“ und „Makewniken“ [Purimgebäck] gab es selbstverständlich in Hülle und Fülle. Die Reste der Kindloch wurden aufbewahrt, um als Dessert am Schabbos Hagodol zu dienen, beziehungsweise am Erew Pessach als letztes Chomez verzehrt zu werden.

Am Purim wurde Homon [Haman] mit Füßen und Hämmern geklopft und mit Ratschen gerätscht [siehe auch unseren Beitrag „Hamanpuppe“].

Denn sie töten den Geist nicht, ihr Brüder. Festschrift zum 90. Geburtstag von Richard Berczeller, hrsg. von Joachim Riedl, 62f

Esterrolle, Österreich-Ungarn 18. Jh.

Aus unserer Sammlung: Esterrolle/Megilla, Österreich-Ungarn, 18. Jahrhundert. Tusche/Wasserfarbe auf Pergament. Bgld. Landesmuseum IN 6.593

Über das Purimfest in der ehemaligen jüdischen Gemeinde Eisenstadt schreibt Meir Ayali:

An diesem Fest feierten wir die Niederlage des Haman, dem Urvater aller Antisemiten auf der Welt, und niemand konnte damals ahnen, welcher diabolische, um vieles gefährlichere Haman schon darauf wartete, das jüdische Volk zu vernichten und es von der Wurzel her auszurotten; und die Vernichtungswelle sollte ausgerechnet von hier, den „Siebengemeinden“ im Burgenland, ihren Anfang nehmen. Fröhlich und freudig drängten wir uns am Purimfest mit den Masken auf unserem Gesicht und wir halfen auch unseren Eltern beim Verteilen der ›Purimgeschenke‹; dieser Brauch sollte die Freundschaft unter den Nachbarn vermehren, wie es uns im Buch Ester befohlen wurde. Mutter legte auf den Teller ein paar Früchte und ein paar Süßigkeiten, herrliche „Linzerkipferl“, gab alles in eine farbige Hülle und sagte:

Jetzt gehst du zu Berger. Sagst „Küss die Hand und guten Purim. Mama schickt Schlachmones“ und genauso in andere Häuser, die selbstverständlich dieses wichtige Gebot ebenfalls einhielten.


4 Kommentare zu Purim 5773

Finde:

Generic selectors
Nur exakte Ergebnisse
Suche im Titel
Suche im Inhalt
Suche in Beiträgen
Suche in Seiten
Filter nach Kategorien
'Mitbringsel / Souvenirs'
Abbazia / Opatija
Cheder
Fiume / Rijeka
Friedhof Eisenstadt (älterer)
Friedhof Eisenstadt (jüngerer)
Friedhof Mattersburg
Friedhof Triest
Genealogie
Karmacs
Kunst und Kultur
Leben und Glaube
Veranstaltungen
nach oben