Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schlagwort: musik

Kopf der Woche – Bernard Herrmann

Unter der Dusche mit Janet Leigh – und einem ungebetenen Gast … Duschszene aus Alfred Hitchcocks „Psycho“ (1960) Rezept für die perfekte Mord-Szene: Man nehme eine hübsche Blondine, eine Dusche,…

Unter der Dusche mit Janet Leigh – und einem ungebetenen Gast … Duschszene aus Alfred Hitchcocks „Psycho“ (1960)


Rezept für die perfekte Mord-Szene: Man nehme

  • eine hübsche Blondine,
  • eine Dusche,
  • ein Messer
  • und …
    … Geigen!

Bernard Herrmann

Der musikalische Schöpfer dieses klassischsten aller filmischen Schock-Momente ist Komponist Bernard Herrmann – der an dieser Stelle maximales Grauen mit minimalem musikalischem Mitteleinsatz erzielt:

Violins did it! People laugh when they learn it’s just violins … It’s just the strings doing something every violinist does all day long when he tunes up.

Bernard Herrmann, zit. nach Steven C. Smith: A Heart at Fire’s Center. The Life and Music of Bernard Herrmann. Berkeley u.a. 1991. S. 239.

Ironie am Rande: Hitchcock, so ist überliefert, wollte zunächst auf jegliche musikalische Unterlegung der Duschszene explizit verzichten –

please write nothing for the murder in the shower,

so wurde Herrmann instruiert,

[t]hat must be without music –,

ließ sich schließlich aber doch von Herrmanns Vorschlag überzeugen …
vgl. und zitiert nach Smith a.a.O. 237

Besagter Bernard Herrmann, Jahrgang 1911 und einer Familie russisch-jüdischer Einwanderer entstammend, war Hitchcocks Komponist ab „The Trouble with Harry“/“Immer Ärger mit Harry„, hatte sich freilich auch zuvor schon als (Film-)Komponist (u.a. für Orson Welles‘ „Citizen Kane„) und Dirigent einen Namen gemacht. Im Zuge seiner Kooperation mit Hitchcock zeichnete Herrmann verantwortlich für die Filmmusik von Klassikern wie „Vertigo“, „North by Northwest“/“Der unsichtbare Dritte“ und „The Man Who Knew Too Much“/“Der Mann, der zuviel wusste.“ In Letzterem hat Hitchcock „seinem“ Komponisten ein besonderes filmisches Denkmal gesetzt: Als nämlich Jimmy Stewart und Doris Day in die Royal Albert Hall stürmen, um das Attentat auf einen hochrangigen Politiker zu verhindern, dirigiert ebendort … Bernard Herrmann.

Die legendäre „Albert Hall“-Szene aus „Der Mann, der zuviel wusste“ (1956) – mit Bernard Herrmann am Dirigentenpult

Das Ende des Tandems „Hitch“-Herrmann kam 1966, als Herrmanns Komposition zu Hitchcocks „Torn Curtain“/“Der zerrissene Vorhang“ verworfen wurde – François Truffaut erläutert (in seinem brillanten Interviewband „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“) die Hintergründe:

Das Studio … mochte Herrmanns Partitur für Torn Curtain nicht, und obwohl sie schon aufgenommen war, brachte ‚man‘ Hitchcock dazu, sie nicht zu verwenden. Um 1966 waren in Hollywood … Partituren Mode, die sich als Platte verkaufen ließen, zu denen man in den Diskotheken sich die Glieder verrenken konnte, und das Spiel hatte Herrmann, Adept Richard Wagners und Igor Strawinskys, von vornherein verloren.

François Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? 4. Aufl. München 2007. S. 318f.

Gleichwohl blieb Herrmann – der den einzigen Oscar seiner Karriere verblüffenderweise nicht für eine Hitchcock-Komposition gewann, sondern für die Musik zum wenig bekannten Film „The Devil and Daniel Webster“ (1941) – dem Filmgeschäft auch nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Hitchcock verbunden – und komponierte etwa zuletzt, unmittelbar vor seinem Tod 1975, die Musik zu Martin Scorseses „Taxi Driver“.

Bernard Herrmanns Geburtstag jährt sich am heutigen Mittwoch zum 100. Mal.


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Tipp der Woche – „Refractions of Bob Dylan“

„The Times They Are a-Changin‘ – Bob Dylan, White House 2010„ Was eigentlich noch sagen über diesen Mann – Bob Dylan, vormals Robert Allen (Shabtai Zisel ben Avraham) Zimmerman, Singer-Songwriter-König,…

The Times They Are a-Changin‘ – Bob Dylan, White House 2010


Was eigentlich noch sagen über diesen Mann – Bob Dylan, vormals Robert Allen (Shabtai Zisel ben Avraham) Zimmerman, Singer-Songwriter-König, Oscar-Gewinner, Folk-Vollender und Folk-Verräter, Pilger zwischen Judentum und Christentum, Pulitzer- und Fast-Nobelpreisträger …?

Vielleicht am ehesten:

Nichts.

Schweigen.

Hören … :)


Weil nun aber über Dylan, diesen chronischen „shape-changer“ (Liam Clancy), zugleich doch niemals genug gesagt sein kann, hat Eugen Banauch (Institut für Anglistik & Amerikanistik) Dylans nahenden 70. Geburtstag zum Anlass genommen, ein hochkarätiges Dylan-Symposium auf die Beine zu stellen:

„Refractions of Bob Dylan – Cultural Appropriations of an American Icon“
Wien, 19. bis 21. Mai 2011

Angekündigt haben sich Granden der Dylan-Forschung wie Clinton Heylin, Michael Gray und Stephen Scobie, außerdem österreichische Prominenz von Martin Blumenau bis Doris Knecht und (im musikalischen Rahmenprogramm) Mika Vember.

Und schließlich werden auch wir bei dieser Gelegenheit unserer Dylan-Leidenschaft frönen – ich darf in einem kleinen Vortrag untersuchen, was denn eigentlich dran ist, am quasi-religiösen „Propheten“-Etikett, das Dylan so gerne angeheftet wird.

Alle weiteren Infos zu Programm, Anmeldung etc. unter:

dylanvienna.at


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War Liszt Antisemit?

Listz, im Alter von etwa 70 Jahren: Wolfgang Horvath ‚Franz Liszt listening to …‘, (Farb)Pigment und Pastellkreide Unsere „two cents“ zu Lisztomania 2011© III Der Titel unseres Beitrags ist auch…

Listz, im Alter von etwa 70 Jahren: Wolfgang Horvath ‚Franz Liszt listening to …‘, (Farb)Pigment und Pastellkreide


Unsere „two cents“ zu Lisztomania 2011© III

Der Titel unseres Beitrags ist auch der Titel des 15. Kapitels in Serge Guts Biografie „Franz Liszt“ und die Frage darf gleich vorweg beantwortet werden: Nein, Liszt war kein Antisemit!

Wir wollen in unserem Beitrag auch keineswegs die bereits Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts breit geführte Diskussion um Liszts (angeblichen) Antisemitismus (siehe z.B. Band 12 der Musikkonzepte) neu aufnehmen oder gar vertiefen, sondern uns hier im Wesentlichen auf Franz Liszts Dementi aus dem Jahr 1883 beschränken (Liszt war damals 72 Jahre alt):

Mit einem gewissen Gefühle des Bedauerns richte ich diese meine Zeilen an Sie. Da indessen in jüngster Zeit die Nachricht von meiner angeblichen Judenfeindlichkeit verbreitet worden ist, halte ich es für meine Pflicht, diese Nachricht, welche auf Irrthum beruht, zu rectificiren. Allgemein bekannt ist es, daß ich mich der Freundschaft mehrerer in der Musikwelt hervorragender Juden, so namentlich Meyerbeers erfreute, gleichwie in literarischen Kreisen Heinrich Heine und andere ähnliche Gefühle für mich hegten. Ich halte es für überflüssig, des Weiteren anzuführen, welches Maß eifriger Loyalität ich während meiner fünfzigjährigen Laufbahn talentvollen Juden gegenüber bethätigte; auch enthalte ich mich der Anführung dessen, wie vielfach ich in den verschiedensten Ländern zur Vermehrung der jüdischen Wohlthätigkeits-Anstalten beigetragen habe. Die Parole meines Schutzheiligen Franz de Paula heißt: „Charitas“ und dem bleibe ich treu bis in den Tod. Es gibt Leute, die einen Satz aus meinem Werke „Bohemiens en Hongrie“ aus dem Zusammenhange reißen und mich angreifen. Ich kann mit ruhigem Gewissen meine Angreifer versichern, daß ich mich nur insoweit schuldig fühle, als ich die Idee des „Königthums von Jerusalem“ zart berührte, welche lange vor mir drei hervorragende Israeliten, Lord Beaconfield, Georges Elliot und Cremieux eingehend behandelten.

Empfangen Sie usw. Franz Liszt.

Israelit 14 (15.2.1883), Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen, Pesth: Abdruck eines Schreibens von Franz Liszt an den Redakteur der „Gazette de Hongrie“, S. 223

So klischeehaft dieses sein Dementi auch immer sein mag, dass es zu den Antisemitismusvorwürfen kam, liegt am Inhalt des oben als „Bohemiens en Hongrie“ zitierten Buches Des Bohémiens et de leur musique en Hongrie„, 1859, für das Franz Liszt zwar als Autor zeichnet, das aber seine langjährige Lebensgefährtin und Vertraute Fürstin Carolyne zu Sayn-Wittgenstein, ausgesprochen stark vom katholischen Antijudaismus geprägt, redigierte. Das Buch erschien in einer gekürzten Fassung bereits 1861 auf Deutsch, 1881 als Neuausgabe und zwei Jahre später als „Die Zigeuner und ihre Musik in Ungarn von Franz Liszt. In das Deutsche übertragen von L. Ramann, Leipzig 1883“.

Während in der Erstfassung des Buches aus 1859 der Antisemitismus noch relativ zurückhaltend geäußert wurde, hielt sich die Fürstin in der Neuausgabe von 1881 nicht mehr zurück, das Kapitel über die Juden strotzt vor aggressivem Antisemitismus!
Obwohl Serge Gut (siehe oben) in seinem Kapitel „War Liszt Antisemit?“ schreibt, dass die antisemitischen Passagen (korrekt: „das Kapitel über die Juden“) in der 1861 erschienenen gekürzten deutschen Ausgabe gestrichen wurden, finden sich auch darin durchaus noch antijüdische Passagen, die der Herausgeber Cornelius jedoch für so harmlos hielt, dass er sie nicht einmal strich…:

Nur in einigen, von Europa gewissermaßen getrennten Landstrichen bewahrt sie [die jüdische Nation, Anm. des Verf.] noch ihren Kaftan, ihre ausschließlichen Speisen, ihre Sitten, ihren aufrichtigen Glauben, ihre äußerliche Erniedrigung und die Poesie ihrer Verstocktheit, ihrer unversöhnlichen Feindseligkeit gegen die Anbeter des Gefkreuzigten. Dort sind die Juden fast noch, was sie im Mittelatler waren: heimliche, listige Feinde der Gesellschaft, deren Laster sie hätscheln, während sie ihre Schwäche verachten …

… scheint es uns, daß wenn eine unvorhergesehene Catastrophe sie zurückwerfen sollte in die alte Noth, sie genug hebräischen Blutes in sich fühlen würden, um noch einmal, wie bei jenem Auszug aus Egypten zu heiligem Feste versammelt sich am Blute der Erstgebornen ihrer Tyrannen zu weiden …

Die Zeigeuner und ihre Musik in Ungarn, von Franz Liszt. Deutsch bearbeitet von Peter Cornelius, Pesth, 1861, S. 22f

Auch Alan Walker geht in seiner monumentalen Biografie auf diese Antisemitismusvorwürfe ein und stellt fest, dass sich Liszt von diesen nie wirklich erholt hat:

But by allowing Carolyne to control matters, he guaranteed a public relations disaster from which he never entirely escaped.

Alan Walker, Franz Liszt: The final years, 1861-1886, 1997, S. 406f

Schon 1881, also offensichtlich unmittelbar nach der Neuauflage des obzitierten von Fürstin zu Sayn Wittgenstein redigierten Buches auf Französich, finden wir in einer Korrespondenz aus Pest einen Hinweis auf Liszts Antisemitismus und sozusagen als Entlastung folgende Begebenheit zitiert (womit sich auch der Kreis zu unserem ersten Artikel dieser kleinen Lisztserie schließt):

Der Vater des Franz Liszt wohnte in Lakenbach (Ödenburger Komitat). Der junge Franz zeigte schon in seiner frühesten Jugend große Neigung und Befähigung zur Musik. Allein der Vater war zu unbemittelt, um seinem Kinde die Mittel zur Übung seines Musiktalents zu bieten. Ein reicher Jude in Lakenbach war im Besitze eines trefflichen Klaviers. Als auch dieser das vorzügliche Musiktalent des jungen Franz bemerkte, schenkte er demselben das Klavier. Für diese Hochherzigkeit richtete der Vater des jugendlichen Franz an den „jüdischen Wohlthäter“ ein sehr ergebenes Dankschreiben, da sein Kind auf diesem Klavier sein Musiktalent nach und nach zur Entfaltung bringen konnte. Dieses Dankschreiben existirt noch bei einem Enkel jenes edlen Juden, der gegenwärtig in Wien wohnt. [aus dem „Pester Journal“]

Berliner Jüdische Presse 50 (Dezember 1881), S. 546

Ganz herzlichen Dank an den Musikwissenschaftler und meinen Freund Dr. Gerhard Winkler, s.A., für so viele wertvolle fachliche Ratschläge :)!



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Kopf der Woche – Jascha Heifetz

2011 ist ein Jahr der runden Musiker-Geburtstage: „Jewish Elvis“ Neil Diamond feierte dieser Tage seinen 70er, Mr. Robert Zimmermann folgt (gleichfalls mit seinem 70er) im Mai. 40 Jahre vor Diamond…

2011 ist ein Jahr der runden Musiker-Geburtstage: „Jewish Elvis“ Neil Diamond feierte dieser Tage seinen 70er, Mr. Robert Zimmermann folgt (gleichfalls mit seinem 70er) im Mai.

40 Jahre vor Diamond und Dylan wiederum, genau am 2. Februar 1901, wurde ein Klassiker ganz anderer Art geboren: Jascha Heifetz, litauisch-amerikanische Geiger-Legende.

Heifetz, von seinen Biographen regelmäßig mit krönenden Superlativen aller Art belegt („bestbezahlter“, „berühmtester“ etc. Geiger seiner Zeit/aller Zeiten), begann seine Langzeit-Karriere als Wilnaer Geigen-Wunderkind: Zunächst vom Vater unterrichtet gab er als 7-jähriger sein Konzertdebüt; für das Jahr 1911 – Heifetz ist gerade zehn – ist ein Auftritt vor 25.000 hemmungslos begeisterten Zuhörern überliefert, deren Heifetz-Hysterie gar polizeiliches Einschreiten erforderlich gemacht haben soll (eigenartigerweise wird die Szene von einigen Quellen in Odessa, von anderen in St. Petersburg angesiedelt).

In dieselbe Zeit fallen Heifetz‘ erste Platten-Aufnahmen. 1917 folgt die Emigration in die USA – und schließlich eine fast 7 Jahrzehnte währende Konzert-, Tournee- und Platten-Karriere …

Jascha Heifetz starb im Dezember 1987 in Los Angeles.

(vgl. zu Heifetz‘ – teils recht widersprüchlich überlieferten – Biographie auch: H. Eggebrecht: Große Geiger. Kreisler, Heifetz, Oistrach, Muter, Hahn & Co. München: Piper 2000. S. 337-349, sowie Heifetz‘ offizielle Website: jaschaheifetz.com)



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