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Bild der Woche – Symbole

Wieder zurück vom Hebräischkurs, muss natürlich auch das Bild der Woche aus Salzburg kommen ;) Am Mittwoch, dem 3. Kurstag, besuchte die Anfängergruppe den jüdischen Friedhof in Salzburg, auch um das Erlernte in der Praxis ein wenig erproben zu können.

Symbole 'Segnende Hände' und 'Kanne und Becken'

Sehr schöne Symbole auf zwei Gräbern in der ersten Reihe des jüdischen Friedhofes: Oben „Kanne und Becken“ als Symbol für levitische Abstammung, unten: „Segnende Priesterhände“ als Symbol für Kohanim.

Ich danke sehr herzlich dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, Herrn Marko Feingold, der uns mit seiner Gattin den Friedhofsbesuch ermöglichte und selbstverständlich auch eine historische Einführung gab.

Bei dieser Gelegenheit sei angemerkt, dass die Israelitische Kultusgemeinde Salzburg auch seit Kurzem eine sehr schöne neue Website hat.

Vielen Dank an Wolfgang Kisslinger, Salzburg, für die beiden Fotos!

Mehr zu den beiden Symbolen finden Sie auf unserer Facebook-Seite.

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Bild der Woche, Leben und Glaube

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Ein Burgenländer – der erste Jude Salzburgs

1498 wurden alle Juden Salzburgs von Erzbischof Leonhard von Keutschach des Landes verwiesen und durften sich bis 1867 (Staatsgrundgesetz) nicht in der Stadt aufhalten.

In diesem Jahr gelang es Albert Abraham Pollak als erstem Juden das Niederlassungsrecht wieder zu erlangen. Pollak wurde 1833 in Mattersdorf geboren, starb 1921 und ist am jüdischen Friedhof in Salzburg Aigen begraben.
Er wurde schon 1873 als Bürger von Salzburg akzeptiert und legte den Grundstein für den Neubeginn der jüdischen Gemeinde der Stadt. Bald wurde Pollak zum angesehenen „k.u.k. Hofantiquar“, später sogar zum „kaiserlichen Rat“.
Die Stadtgemeinde hatte Pollaks Anrecht akzeptiert, nur der Bürgermeister soll angeblich den Ausspruch getan haben:

Sie sind der erste, aber auch der einzige und letzte Jude in Salzburg.

Der Bürgermeister sollte irren. Am 28. Jänner 1881 sind in Salzburg 18 „Israeliten“ mit ihren Familien belegt. Darunter Albert Pollak, verheiratet mit Karoline, 7 Kinder. Für uns besonders interessant ist, dass insgesamt 5 Juden aus dem Mattersdorf/Ödenburger Komitat und 2 aus dem Komitat Lackenbach/Ödenburg kommen.

Ansuchen Albert Pollaks vom 22. März 1867

Ansuchen Albert Pollaks vom 22. März 1867 um eine Trödler-Konzession und seine Bearbeitung (Archiv der Stadt Salzburg), aus: Marko Feingold, Ein ewiges Dennoch, Wien 1993,18.

Löbliches Gemeindeamt!

Ich wünsche in der Stadt Salzburg ein Tändler- (Trödler-) Gewerbe zu betreiben, u. da ich nach dem anliegenden pfarramtlichen Sittenzeugnisse eines guten Leimundes mich erfreie, und durch meinen langjährigen hiesigen Aufenthalt mir die nöthigen Lokal- u. fachlichen Kenntnisse angeeignet habe, um ein derlei conzessioniertes Gewerbe zu erlangen, so bitte ich um die Ertheilung der erforderlichen Conzession, u. bemerke zur Ausfüllung der Rubriken im Gewerbsvormers-Buche, daß ich 34 Jahre alt, zu Matersdorf in Ungarn gebürtig bin. Den Standort des Betriebes, Gewölbe oder sonstigen Lokalität bin ich noch nicht im Stande anzugeben …

Salzburg, am 22. May 1867
Albert Pollak mp
Goldwaarenhändler

Marko Feingold, Ein ewiges Dennoch, Wien 1993,19

Da 1943 der Verkauf von Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof genehmigt wurde, ist es fast ein Wunder, dass der Grabstein von Albert Pollak erhalten blieb.

  • Grabstein von Albert Pollak am jüdischen Friedhof Salzburg
  • Blick auf den Grabstein von Albert Pollak am jüdischen Friedhof Salzburg


Vorgestern, am Freitag, war ich vom Institut für religionspädagogische Bildung Salzburg eingeladen, anlässlich einer Veranstaltung zum (heutigen!) Tag des Judentums, über den jüdischen Friedhof zu sprechen. Am Vormittag referierte Prof. Gerhard Langer vom Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg. Nachmittags kamen etwa 40 Interessierte auf den jüdischen Friedhof und hielten fast 90 Minuten trotz sehr kühler Temperatur und 15cm Schnee durch. Danke allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern!

Besonders gefreut habe ich mich, dass auch der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, Hofrat Marko Feingold und seine Gattin an der Veranstaltung teilnahmen und mit uns am jüdischen Friedhof waren. Herr Feingold hielt eine kurze Einführung in den jüdischen Friedhof Salzburg Aigen und wusste manch launige Geschichte über den „Burgenländer“ Albert Pollak zu erzählen.
So soll Pollak zeit seines Lebens die Tracht als Kleidung bevorzugt haben und bei offiziellen Anlässen immer darauf hingewiesen haben, dass er „Vegetarier“ sei (um die koscheren Speisegesetze möglichst halten zu können).

Gemeinsam mit anderen schon länger in Salzburg Ansässigen gründete Albert Pollak 1892 eine Ortsgruppe des „Kranken-Unterstützungs- und Beerdigungsvereines Chewra Kadischa“ und reichte gemeinsam mit Moritz Bäck bei der Bezirkshauptmannschaft Salzburg den Bauplan für die Friedhofsanlage samt Leichenhaus ein. Der jüdische Friedhof in Salzburg Aigen war danach schnell errichtet, siehe auch unser „Bild der Woche“.

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir die Lektüre des Buches des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburgs: Marko Feingold, Ein ewiges Dennoch. 125 Jahre Juden in Salzburg, Wien 1993.

Leben und Glaube

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Bild der Woche – Jüdischer Friedhof Salzburg

Die Israelitische Kultusgemeinde lässt regelmäßig die jüdischen Friedhöfe in Österreich bewerten. Nur wenige Friedhöfe konnten die Note „sehr gut“ erreichen, geschweige denn über mehrere Jahre halten. Berücksichtigt man, dass den Werten noch keine Gewichtung zugrunde liegt (so befinden sich etwa am jüdischen Friedhof in Güssing „nur“ Gedenk- aber keine Grabsteine), verdient der jüdische Friedhof in Salzburg Aigen eine besondere Erwähnung als vorbildliches Beispiel.

Blick auf den jüdischen Friedhof in Salzburg Aigen

Im Unterschied zu fast allen jüdischen Friedhöfen des Burgenlandes ist der Friedhof in Salzburg sehr jung. 1893 angelegt, finden sich nur sehr wenige Grabsteine mit ausschließlich hebräischen Inschriften, es gibt keine Grabsteine aus Sandstein, die Betenden (bzw. die Inschrift Lesenden) blicken – auch im Unterschied zum Burgenland – ebenfalls ausnahmslos gen Osten (das Grab befindest sich also – aus der Perspektive des Betenden/Lesenden – „hinter“ dem Grabstein, der zu Häupten des Toten aufgestellt ist).

Siehe auch unseren Beitrag „Ein Burgenländer – der erste Jude in Salzburg„.

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Bild der Woche

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