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Bild und Tipp der Woche – HAUS-BERG-VERBOT
Das Ende des Sommers und damit meist auch der Urlaubszeit naht … daher hier noch ein “Bild und ein Tipp der Woche” aus meinem heurigen Urlaub in Kärnten:
Über eine sehr erfreuliche Initiative / Aktion am Dobratsch, dem Hausberg der Villacher!
Gedenktafel am Dobratsch Gipfelhaus (ehem. Ludwig-Walter-Haus), 2.143m
Ein paar kurze Notizen zu den Hintergründen:
Bei der am 11. Feber 1920 abgehaltenen Jahresversammlung beschloss die Sektion Villach mit 53 gegen 6 Stimmen die Einführung des Arierparagrafen in ihre Satzungen, der Nichtariern die Mitgliedschaft verweigerte. 1921 kam der Arierparagraf auch bei der Wiener Sektion Austria zur Anwendung, woraufhin die jüdischen Mitglieder austraten und die Sektion Donauland gründeten.
Schon seit dem Sommer 1921 waren zahlreiche österreichische Alpenvereinshütten mit Plakaten ausgestattet worden, die darauf hinwiesen, dass die Mitglieder der Sektion Donauland von der Begünstigung der Hüttengebühr ausgeschlossen waren. Obwohl vom Hauptausschuss wegen der antisemitischen Plakate schon verwarnt, antwortete die Sektion Villach,
dass sie mit Bewilligung des Hauptausschusses den Arierparagraphen aufgenommen hat und daher auch berechtigt ist, die Verwaltung der Sektion und den Betrieb ihrer Hütten nach deutsch-völkischen Richtlinien zu führen. Zu diesen Richtlinien gehört selbstverständlich auch der Antisemitismus…
Die sozialdemokratische Zeitung der Arbeiterbewegung (1890 – 1934) “Arbeiterwille” berichtete im September 1922 ausführlich über das von der Sektion Villach erlassene “Judenverbot”:
Die Ortsgruppe Villach des Deutschösterreichischen Alpenverereins hat vor längerer Zeit das Schutzhaus am Dobratsch als Eigentum erworben. Seit einiger Zeit prangen auf diesem Schutzhaus die Worte: ‘Juden ist der Eintritt in dieses Haus verboten!’ Diese Aufschrift ist natürlich mit dem Zeichen des Hakenkreuzes versehen. Wie wir hören, wurde diese Aufschrift über Beschluss der Ortsgruppe Villach an dem Schutzhause angebracht. Außerdem soll die gleiche Ortsgruppe beschlossen haben, daß der Prachtvertrag, der mit dem Pächter des Schutzhauses abgeschlossen wurde, in dem Moment erlischt, wo der Pächter einem Juden den Eintritt in das Schutzhaus gestattet. Es ist bezeichnend, daß eine ganze Organisation einigen närrischen Schandkerlen auf den Leim geht und einen solchen Beschluss fasst. Das kann nur eine Organisation tun, die entweder von Kindern, von Trotteln oder von gewissenlosen Lumpen geleitet wird.
Bild: “Der judenreine Alpenverein”, Karikatur von Paul Humploletz, in: “Der Götz von Berlichingen”, Wien 1924 (OeAV-Archiv Innsbruck), Quelle: Folder, s.u.
Im Jahr 1923 fasste die Sektion Villach in der “Judenfrage” den Beschluss, die bisherige Aufschrift “Juden und Mitglieder der Sektion Donauland sind auf dieser Hütte nicht erwünscht”, in “Juden ist der Eintritt verboten” umzuwandeln, woraufhin die Sektion vom Hauptausschuss erneut aufgefordert wurde, die Verbotstafel für Juden von den Hütten zu entfernen.
Ein Jahr später teilte die Sektion Villach dem Hauptausschuss lediglich mit, dass die Plakate künftig lauten würden:
Der Zutritt von Juden ist nicht erwünscht
Texte weitgehend zitiert aus dem Folder “Haus-Berg-Verbot. Kunstaktion am Dobratsch zur Erinnerung an die Vertreibung der Juden vom Villacher Hausberg”
Die Kunstaktion zur Erinnerung des “Judenverbots” am Villacher Hausberg fand am 11. Juni 2011 statt. Dieses “Bild der Woche” ist auch ein “Tipp der Woche”, denn die Ausstellung “Judenhütte” am 10er Nock am Dobratsch können Sie noch bis zum 15. September besichtigen.
Mehr Informationen sowie viele Bilder von der Kunstaktion und der Ausstellung auf der Website des Universitätskulturzentrums UNIKUM!
Hier auch der ORF-Beitrag zur Aktion am 11. Juni.
HAUS-BERG-VERBOT from Sveže Sadje on Vimeo.
Dieser Tage war übrigens eine Dame von der Hebrew University in Jerusalem bei uns im Museum, die zuvor in Kärnten war und dort auch die Ausstellung am Dobratsch gesehen hat und mir davon erzählte, weil sie nämlich sehr überrascht, aber auch sehr beeindruckt war :-)
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Schlagwörter: kärnten, shoa | Kommentare (1)
Web-Tipp der Woche – ns-quellen.at
Ein Wegweiser durch den Archiv-Dschungel
Was haben Angehörige meiner Familie im Krieg gemacht, gab es Opfer, gab es Täter?,
Wer wohnte in meiner Wohnung – wurde sie arisiert?,
Was wurde aus dem Unternehmen X nach dem ‘Anschluss’?
- Orientierungshilfe bei diesen und ähnlich gelagerten Fragen bietet eine neue Online-Plattform, die das “forschungsbüro” (gemeinsam mit dem Wiener Wiesenthal Institut, dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes und der Österreichischen Gesellschaft für Zeitgeschichte) bereitstellt:
.
Die Plattform behandelt im Besonderen die Themen Vermögensentzug, Rückstellung und Entschädigung, gibt u.a. Hilfestellung zur Archiv-Recherche und macht einschlägige Gesetzestexte zugänglich.
Wer also beispielsweise Personen aus bzw. Namenslisten zu den jüdischen Gemeinden des Burgenlandes sucht, wird korrekterweise u.a. auf die Matriken/Geburts- und Sterbebücher im Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien verwiesen (auf die übrigens auch wir im Rahmen unserer Online-Aufarbeitung des Friedhofs Mattersburg zurückgreifen) – wo dann vor Ort weiterrecherchiert werden kann. Aber schon bei einer Arbeit wie der unseren macht sich auch die thematische und zeitliche Enge der Plattform deutlich bemerkbar (selbstverständlich müssen wir auch bzw. vor allem auf außerösterreichische Archive zurückgreifen).
Jedenfalls ein hilfreiches Recherche-Tool, wie wir finden – wenn auch insbesondere für wissenschaftliche Arbeiten und historisch einschlägig Interessierte, leider nur bedingt tauglich für genealogisch Interessierte.
Denn, in der Tat: Das
erspart Ihnen den Weg ins Archiv zwar nicht, (…) kann diesen aber entscheidend erleichtern.
http://ns-quellen.at/index.php
– zumindest wenn sich Ihr Interesse auf dieses Spezialgebiet beschränkt …
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Bild der Woche – Die Gedenktafel
In der vergangenen Woche fanden die Gedenkfeiern anlässlich der Novemberpogrome 1938 statt.
In Eisenstadt, schräg gegenüber von unserem jüdischen Museum, befand sich die 1832 im Stil der französischen Revolutionsarchitektur erbaute Gemeindesynagoge. In den 1950er Jahren verkaufte die Israelitische Kultusgemeinde Wien das Gebäude zuerst an die Gewerkschaft, später kam das Grundstück (die Synagoge war schon vollständig abgerissen), in den Besitz einer Versicherungsgesellschaft.
Gleich neben dem Eingang dieser findet sich heute die unten abgebildete Gedenktafel.

Von einem langjährigen Museumsbesucher erfuhren wir vor kurzem, dass die Inschrift auf dieser Tafel nicht ganz richtig ist.
Der Zeitzeuge, ein älterer Herr aus einem kleinen Ort in der Nähe Eisenstadts, war als Kind in Eisenstadt im Internat, da es damals noch keine Busverbindungen zwischen seinem Heimatort und Eisenstadt gab. Und er erinnert sich genau daran, dass sie, die Schüler, nachts im Bett lagen und erzählt wurde, dass
oben in der Judengasse die Menschen knöcheltief durch das Glas gewatet sind.
Es war Mai/Juni 1938! Diese Version, dass also die Zerstörung der Gemeindesynagoge nicht erst im November 1938 erfolgte, bestätigen auch andere Zeitzeugen!
Auch der Text in der einzigen vollständigen Monografie über die Juden in Eisenstadt (Josef Klampfer, Das Eisenstädter Ghetto, 1966) muss daher wohl korrigiert bzw. ergänzt werden. Dort heißt es nämlich auch (Seite 39):
In Eisenstadt zog in der Nacht vom 9. zum 10. 11. 1938 eine mit Hacken versehene Menge in den Temel (sic!) und machte aus der Einrichtung Kleinholz. Der große Luster wurde auch nicht verschont. Die unterirdische Schatzkammer, 15 Tempelvorhänge, 7 Paar Aufsätze auf Thorarollen, eine Krone, eine Glasschatulle, ein kostbarer Trinkbecher, ein Kasten voll talmudistischer (sic!) Bücher fielen u.a. der Zerstörung zum Opfer (Angabe des H. Moritz Gabriel).
Moritz Gabriel, geboren 1887, war einer der wenigen Juden, die nach 1945 nach Eisenstadt zurückkehrten und die 1966 noch in Eisenstadt lebten, so dass Klampfer sie/ihn befragen konnte. Im November 1938 war jedoch auch Moritz Gabriel, wie alle anderen Juden Eisenstadts, nicht mehr in der Stadt. (Die burgenländischen Juden waren 1938 die ersten Juden in Österreich, die von den Ausweisungsbefehlen der Nazis betroffen waren. Schon wenige Tage nach dem Anschluss im März 1938 begann die systematische Ausweisung der Juden aus ihren Gemeinden.)
Wann genau Moritz Gabriel Eisenstadt verlassen musste, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Seine Angaben über das Novemberpogrom konnte er jedenfalls nur vom Hörensagen machen, fraglich ist, ob er bei der (ersten) Zerstörung der Synagoge im Mai/Juni 1938 noch in Eisenstadt war.
Am Gewerkschaftsgebäude war übrigens auch schon eine Gedenktafel angebracht, deren Text etwas ausführlicher und deutlicher, aber wohl auch nicht ganz korrekt war:
An dieser Stelle stand der Tempel der jüdischen Gemeinde Eisenstadt, bis Rassenwahn und nationale Überheblichkeit ihn am 11. November 1938 in Brand steckten. Der Österreichische Gewerkschaftsbund erwarb das Grundstück und erbaute 1951 bis 1952 dieses Haus. Es soll den arbeitenden Menschen in ihrem Kampf um soziale und wirtschaftliche Besserstellung dienen. In ihm soll stets der Geist menschlicher Verbundenheit und brüderlicher Zusammengehörigkeit wirken.
Alle Augenzeugen bestätigen nämlich, dass in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 die Synagoge nicht in Brand gesteckt wurde (was schon alleine deshalb glaubhaft ist, weil das Gebäude der Synagoge nicht freistehend, sondern ein Bau in der geschlossenen Häuserreihe war).
In den Jahren 1938/39 – 1945 diente der Innenraum der Synagoge den Nazis als Depotraum der Wehrmacht.
Bleibt schließlich noch anzumerken, dass es möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich ist, dass es in der Novembernacht 1938 tatsächlich wieder zu Zerstörungen an/in der Synagoge kam, dass aber die erste Zerstörung bereits Monate vorher stattgefunden hat.
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Schlagwörter: eisenstadt, shoa, synagoge | Kommentare (7)
Bilder der Woche – Ukraine
Sommeredition
“Bild der Woche” went on holiday – und begab sich in den vergangenen Wochen auf eine sommerliche Bilder-Reise zu jüdischen Museen, Synagogen und Schauplätzen jüdischen Lebens in aller Welt!
Heute präsentieren wir unsere vorletzte Ausgabe der Bild-der-Woche-Sommeredition, die nach den hohen Feiertagen, am 19. September enden wird. An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die vielen schönen Bilder bedanken, die uns zugeschickt wurden. Wer gewonnen hat, wird in Kürze das Los entscheiden.
Die heutige Reiseroute
Nach unserem Ausflug ins sommerlich-sonnige Griechenland zieht es uns wieder zurück in den Osten, genauer: in die heutige Ukraine. Wir nutzen die Gelegenheit und knüpfen an unsere Rundreise durch Galizien und die Bukowina an: Noch einmal besuchen wir die Hauptstädte der beiden Kronländer, Lemberg und Czernowitz, machen dann einen kurzen Abstecher nach Düsseldorf und wollen abschließend noch die weiter östlich liegenden Städte Medschybisch und Winnyzja besichtigen.
Wir danken Mag.a Regina Hopfgartner, Salzburg, für die Reisefotos mit ausführlicher Beschreibung sowie Susanne Hermes, Hamburg, für das Bild vom Grabstein Rose Ausländers.

Lemberg, heute Lwiw (ehemalige Hauptstadt Galiziens)
Ehemaliges jüdisches Krankenhaus in Lwiw
Das imposante, in maurischem Stil erbaute ehemalige jüdische Krankenhaus wird heute noch in dieser Funktion genutzt.
Czernowitz (ehemalige Hauptstadt der Bukowina)
In einer nicht asphaltierten, von Schlaglöchern übersäten Straße in Czernowitz befindet sich das ehemalige Wohnhaus der als Rosalie Beatrice Ruth Scherzer geborenen Lyrikerin Rose Ausländer.
[...]Felder im Norden. Buchenschichten
um Czernowitz. Viel Vogelschaum
um die Verzauberten, die den Gesichten
vertrauen, ihrem Trieb und Traum.
[...]
Der Rosenkranz in Weihrauchwogen
rinnt durch die Finger. Sagentum
und Gläubige. In Synagogen
singen fünftausend Jahre Ruhm.
Aus ihrem Gedicht ‘Bukowina I’
Rose Ausländer übersiedelte 1965 in die Bundesrepublik Deutschland, machte ausgedehnte Reisen, vor allem durch Europa, und lebte von 1970 bis 1988 im Nelly-Sachs-Haus, dem Altenheim der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf. Ihr Grab befindet sich heute auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde Düsseldorf.
Czernowitz, Stadt deutsch-jüdischer Literatur. Nicht weit von der berühmten Herrengasse mit ihren k.u.k. Prunkbauten befindet sich in der Wassilkogasse das Geburtshaus von Paul Celan. Eine Gedenktafel am Haus erinnert an den deutsch schreibenden Dichter, der selbst Ghetto und Arbeitslager überlebte, den Tod seiner 1942 deportierten Eltern jedoch nie überwinden konnte.
Paul Celan liest sein Gedicht “Todesfuge”
Sadagora
Von Czernowitz, das sich über einen Hügel erstreckt, fährt man in den 3. Bezirk der Stadt, nach Sadagora hinunter, die einstige Wirkungsstätte des Wunderrabbi Israel Friedmann. Vom Zarenreich in die altösterreichische Bukowina geflüchtet, baute er mit der Zeit mit den Spenden seiner Anhänger ein wahres Imperium auf. Karl Emil Franzos beschrieb die Atmosphäre so:
Das ganze armselige Nest lebt ja nur vom Rabbi.
Sowohl von der Synagoge (siehe Foto) als auch vom Wohnhaus sind lediglich schäbige Ruinen übrig geblieben, die Kindern als Abenteuer-Spielplatz dienen. Der Wunschtraum des Rabbi, dass es einst Czernowitz bei Sadagora heißen würde und nicht Sadagora bei Cernowitz, hat sich nicht verwirklicht.
Ehemalige Synagoge in Sadagora
Am Hof des Wunderrabbi von Sadagora
lernte der Vater die schwierigen Geheimnisse
Seine Ohrenlocken läuteten Legenden
In den Händen hielt er den hebräischen Wald [...]
Aus dem Gedicht “Der Vater” von Rose Ausländer
Medschybisch
Auf dem Weg von Czernowitz nach Nordosten Richtung Winnyzja liegt in Medschybisch der Wallfahrtsort für chassidische Juden: das Grab des Rabbi Israel Ben Elieser (ca. 1700-1760), genannt auch Baal Schem Tov (Herr des guten Namens). Weithin sichtbar liegt es auf einer Anhöhe, ganz in strahlendem Weiß, ebenso die Unterkünfte für die Pilger. Zu den Feiertagen, an denen viele Besucher aus aller Welt zum Grab kommen, werden sogar nicht-jüdische Dorfbewohner angestellt, um die Verpflegung sicherzustellen.
Winnyzja
Die ehemalige Zunftsynagoge eines Schuhmachers im ehemaligen jüdischen Viertel “Jerusalimka” liegt am “Todesweg”. Die Straße wird so genannt, weil genau durch diese Straße Jüdinnen und Juden in den Tod gehen mussten. Die Straße führt an den Stadtrand, an die Massenhinrichtungsstelle. Bereits zwei Monate nach Einmarsch der Deutschen sind dort schon 10.000 Jüdinnen und Juden erschossen worden. Mahnmale erinnern daran. Besonders erschütternd ist das Mahnmal für die Kinder (Foto in der Mitte), ein paar Meter entfernt vom Mahnmal der Erwachsenen. Kinder wurden von ihren Müttern getrennt, da die Mörder das Geschrei nicht ertragen wollten.
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Schlagwörter: bukowina, düsseldorf, galizien, shoa | Kommentare (2)
Bilder der Woche – Griechenland
Sommeredition
“Bild der Woche” goes on holiday – und begibt sich in den nächsten Wochen auf eine sommerliche Bilder-Reise zu jüdischen Museen, Synagogen und Schauplätzen jüdischen Lebens in aller Welt!
Und Sie sind herzlich eingeladen, sich mit Ihren Urlaubsbildern an unserer Reise zu beteiligen – zum Koschere-Melange-Sommergewinnspiel.
Auch diese Woche haben wir großartige Unterstützung für unser “Bild der Woche” bekommen. Wir danken Meir Deutsch, Israel, ganz herzlich dafür, dass er uns sowohl Fotos als auch umfassende Informationen zur Verfügung gestellt hat, die wir weitgehend (übersetzt und) übernommen haben.
Damit steht der heutigen Rundreise nichts mehr im Weg: Wir streifen diesmal durch Griechenland und besuchen die Orte Thessaloniki, Veria, Kastoria, Ioannina, Larissa, Athen und Rhodos, wo wir nicht nur einen Blick auf einige Synagogen werfen, sondern auch geschichtliche Hintergrundinformationen sammeln wollen.
Die heutige Reiseroute:

Thessaloniki
“Etwa zwei Jahrhunderte lang galt Saloniki als die Stadt, in der weltweit die meisten Juden lebten …”
Wahrscheinlich kamen die ersten Juden zur Zeit Alexanders des Großen nach Thessaloniki. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts lebten Juden aus ganz Europa in der Stadt, unter ihnen auch Flüchtlinge aus Spanien, Portugal, Italien, Sizilien, Frankreich und Nordafrika. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Zahl der jüdischen Bevölkerung auf rund 60.000 angewachsen. Im Holocaust kamen 96 % der Juden aus Thessaloniki ums Leben. Diese hohe Zahl ist zum Teil auch dem Rabbiner der Stadt, Zvi Koretz, zuzuschreiben. Er war der Meinung, wenn er den Nationalsozialisten Gehorsam leisten würde, könne er sie besänftigen. Als Rabbiner und Präsident der jüdischen Gemeinde forderte er seine Gemeindemitglieder zu Gehorsam gegenüber den Deutschen auf. Er selbst folgte seinem eigenen Ratschlag und zeigte sich kooperativ. Raul Hilberg schreibt dazu:
Für die deutschen Bürokraten war er ein ideales Werkzeug.
Hilberg, Raul: Die Vernichtung der europäischen Juden, Bd. 2, S. 740
Im Februar 1943 kamen die Nazi-Offiziere Alois Brunner und Dieter Wisliceny, die mit der Deportation beauftragt waren, in der Stadt an. Bevor man die ersten Waggons nach Polen schickte, hielt Rabbi Koretz in der Synagoge eine Ansprache, in der er die versammelten Menschen darüber informierte, dass man sie nach Polen bringen würde. Dort, meinte er, würden sie eine neue Heimat finden. Um diesem Versprechen Glaubwürdigkeit zu verleihen, wurden polnische Geldscheine ausgeteilt …
Veria
Jüdisches Leben gab es in Veria schon im ersten Jahrhundert. Es ist bekannt, dass der Apostel Paulus, nachdem er aus der Synagoge in Thessaloniki vertrieben worden war, weiterzog nach Veria, um dort zu predigen. Die jüdische Gemeinde in Veria war immer eng verbunden mit den Gemeinden von Thessaloniki und Monastir.
Kastoria
Kastoria war ehemals Zentrum des Fellhandels in Griechenland. Viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Kastoria waren ursprünglich aus Italien gekommen, hatten sich aber nach und nach den bereits in Kastoria lebenden sefardischen Juden angepasst. Der daraus resultierende spanisch-jüdische Dialekt war einzigartig. Im März 1944 wurden 763 der 900 Juden aus Kastoria nach Auschwitz deportiert.
Ioannina
Die jüdische Gemeinde in Ioannina bestand laut Überlieferung schon seit dem neunten Jahrhundert. Nach dem ersten Balkankrieg 1913 verließ ungefähr die Hälfte der 4.000 jüdischen Einwohner die Stadt. Im Zweiten Weltkrieg war Ioannina von Italien besetzt, die Deportationen begannen, sofort nachdem Italien das Waffenstillstandsabkommen unterschrieben hatte. Die gesamte jüdische Gemeinde wurde in das Konzentrationslager Auschwitz verschleppt.
Der jüdische Dichter Yosef Elia schrieb über den See von Ioannina:
Oh, lake, your blue water
Bear so many children’s dreams
Oh, how the past turns its laughter
On memory’s enormous wingsBut when I listen to the dead past
I feel the lake weeping, alas
The ecstatic stare of fantasy.
Larissa
Seit über 2.000 Jahren leben Juden in Larissa. Ab dem 16. Jahrhundert hatte die Stadt eine kleine sefardische Gemeinde. Dreihundert Jahre später gab es in der Stadt sieben Synagogen und eine Jeschiwa, die Gemeinde zählte damals rund 2.800 Mitglieder. Es wurden auch viele Pijjutim in Larissa geschrieben. Wenn man heute durch die Straßen von Larissa spaziert, sieht man noch immer Gebäude mit hebräischen Inschriften.
Athen
Die jüdische Gemeinde in Athen begann erst Mitte des 19. Jahrhunderts zu wachsen, nachdem Griechenland seine Unabhängigkeit erlangt hatte und Athen zur neuen Hauptstadt geworden war. Zu dieser Zeit war Athen als Ansiedlungsgebiet für Deutsche attraktiv geworden, auch Otto aus Bayern reiste gemeinsam mit seinem Financier Max Rothschild an. Ihnen folgten weitere jüdische Familien aus Bayern. Im Jahr 1889 war die jüdische Gemeinde groß genug, um als religiöse Minderheit der Stadt anerkannt zu werden.
Mit der Besetzung Griechenlands 1941 fiel die Kontrolle der Stadt in italienische Hände. Die jüdische Bevölkerung genoss drei Jahre relative Sicherheit. Viele jüdische Flüchtlinge aus Thessaloniki suchten Schutz in Athen. Nach dem Fall Mussolinis 1943 versuchten die Deutschen den Rabbiner der Stadt zur Kooperation zu zwingen. Dieser jedoch weigerte sich und floh mit Hilfe der griechischen Widerstandsbewegung. Viele seiner jüdischen MitbürgerInnen folgten seinem Beispiel und konnten gerettet werden. Im April 1944, kurz vor Pesach, bereiteten die Nazis eine Falle vor. Sie forderten die jüdische Bevölkerung auf, sich in der Synagoge zu versammeln, es würden dort Mehl und Zucker verteilt werden. Rund 800 Juden aus Athen fielen so in die Hände der Nationalsozialisten.
Rhodos
Hier sieht man die beiden Toraschreine in der Synagoge in Rhodos. Meir Deutsch schreibt uns dazu:
Was ich faszinierend fand, waren die beiden Toraschreine in der Synagoge in Rhodos. Als ich fragte, warum es zwei gebe – ich hätte das sonst noch nirgends gesehen -, sagte man mir: “Wissen Sie denn nicht?” Ich war noch immer ein bisschen verwirrt und sagte: “Nein, ich weiß es nicht.”
Man informierte mich, dass Moses vom Berg Sinai mit zwei Steintafeln herabgekommen war, deshalb gebe es auch zwei Schreine.
Rund 5.000 Juden lebten in Rhodos zu Beginn des 20. Jahrhunderts, viele davon waren erfolgreiche Händler und Handwerker. Ab 1912 stand Rhodos unter italienischer Herrschaft und viele italienische Juden kamen auf die Insel. Im 2. Weltkrieg konnten zunächst viele Juden aus Rhodos nach Italien flüchten. Nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes zwischen Italien und den Alliierten übernahmen allerdings die Deutschen die Insel. Im Juli 1944 begann die Deportation der 1.700 Juden aus Rhodos.
Auch in Rhodos gibt es ein jüdisches Museum.
Mehr Informationen zur Geschichte der Juden in Griechenland.
Das Koschere-Melange-Sommergewinnspiel
Schicken Sie uns Ihre Urlaubsfotos – gesucht sind Bilder von jüdischen Museen, Synagogen, historischen und aktuellen Schauplätzen jüdischen Lebens in aller Welt!
Die hübschesten, originellsten oder “weitestgereisten” Fotos werden als “Bild der Woche” hier im Blog veröffentlicht.
Unter allen Einsendern verlosen wir 3 Exemplare des Buches “… weil man uns die Heimatliebe ausgebläut hat … Ein Spaziergang durch die jüdische Geschichte Eisenstadts”, 3 Exemplare des Buches “Aus den Sieben-Gemeinden. Ein Lesebuch über Juden im Burgenland” sowie eine Jahreskarte für das Österreichische Jüdische Museum.
Einsendungen bitte an bildderwoche@ojm.at. Einsendeschluss ist der 31. August 2010.
Bitte beachten Sie: Mit der Übermittlung Ihres Bildes erklären Sie sich mit einer Veröffentlichung auf koschere-melange.at einverstanden. Bitte schicken Sie das Bild in möglichst hoher Auflösung. Pro Absender nimmt nur eine Einsendung an der Verlosung teil.
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