Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schlagwort: shoa

Bild der Woche – Kreuzstadl

Gestern fand in Rechnitz das alljährliche Gedenken an die ermordeten 180 ungarischen Zwangsarbeiter statt. 67 Jahre danach wurden gestern 12 Schau-/Texttafeln und Schaukästen feierlich eröffnet. Zahlreiche Prominenz, darunter auch Bundespräsident…

Gestern fand in Rechnitz das alljährliche Gedenken an die ermordeten 180 ungarischen Zwangsarbeiter statt. 67 Jahre danach wurden gestern 12 Schau-/Texttafeln und Schaukästen feierlich eröffnet. Zahlreiche Prominenz, darunter auch Bundespräsident Dr. Heinz Fischer und Oberrabbiner Prof. Paul Chaim Eisenberg, kam nach Rechnitz …

Rechnitz, Kreuzstadl

„Nach der Eröffnung ist vor der Eröffnung ;-) …“ – etwa 30 Minuten vor der offiziellen Eröffnung

Rechnitz, Kreuzstadl

Nein, die Abedeckung ist kein Sonnenschutz (trotz strahlender Sonne), sondern diente dazu, die der Eröffnung vorangehende Gedenkfeier in würdigem Rahmen abhalten zu können.

Online-Berichte:

Update 27. 03. 2012:

Update 31. 03. 2012:



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Bild und Tipp der Woche – HAUS-BERG-VERBOT

Das Ende des Sommers und damit meist auch der Urlaubszeit naht … daher hier noch ein „Bild und ein Tipp der Woche“ aus meinem heurigen Urlaub in Kärnten: Über eine…

Das Ende des Sommers und damit meist auch der Urlaubszeit naht … daher hier noch ein „Bild und ein Tipp der Woche“ aus meinem heurigen Urlaub in Kärnten:
Über eine sehr erfreuliche Initiative / Aktion am Dobratsch, dem Hausberg der Villacher!

Gedenktafel am Dobratsch Gipfelhaus

Gedenktafel am Dobratsch Gipfelhaus (ehem. Ludwig-Walter-Haus), 2.143m


Ein paar kurze Notizen zu den Hintergründen:

Bei der am 11. Feber 1920 abgehaltenen Jahresversammlung beschloss die Sektion Villach mit 53 gegen 6 Stimmen die Einführung des Arierparagrafen in ihre Satzungen, der Nichtariern die Mitgliedschaft verweigerte. 1921 kam der Arierparagraf auch bei der Wiener Sektion Austria zur Anwendung, woraufhin die jüdischen Mitglieder austraten und die Sektion Donauland gründeten.

Schon seit dem Sommer 1921 waren zahlreiche österreichische Alpenvereinshütten mit Plakaten ausgestattet worden, die darauf hinwiesen, dass die Mitglieder der Sektion Donauland von der Begünstigung der Hüttengebühr ausgeschlossen waren. Obwohl vom Hauptausschuss wegen der antisemitischen Plakate schon verwarnt, antwortete die Sektion Villach,

dass sie mit Bewilligung des Hauptausschusses den Arierparagraphen aufgenommen hat und daher auch berechtigt ist, die Verwaltung der Sektion und den Betrieb ihrer Hütten nach deutsch-völkischen Richtlinien zu führen. Zu diesen Richtlinien gehört selbstverständlich auch der Antisemitismus…

Die sozialdemokratische Zeitung der Arbeiterbewegung (1890 – 1934) „Arbeiterwille“ berichtete im September 1922 ausführlich über das von der Sektion Villach erlassene „Judenverbot“:

Die Ortsgruppe Villach des Deutschösterreichischen Alpenverereins hat vor längerer Zeit das Schutzhaus am Dobratsch als Eigentum erworben. Seit einiger Zeit prangen auf diesem Schutzhaus die Worte: ‚Juden ist der Eintritt in dieses Haus verboten!‘ Diese Aufschrift ist natürlich mit dem Zeichen des Hakenkreuzes versehen. Wie wir hören, wurde diese Aufschrift über Beschluss der Ortsgruppe Villach an dem Schutzhause angebracht. Außerdem soll die gleiche Ortsgruppe beschlossen haben, daß der Prachtvertrag, der mit dem Pächter des Schutzhauses abgeschlossen wurde, in dem Moment erlischt, wo der Pächter einem Juden den Eintritt in das Schutzhaus gestattet. Es ist bezeichnend, daß eine ganze Organisation einigen närrischen Schandkerlen auf den Leim geht und einen solchen Beschluss fasst. Das kann nur eine Organisation tun, die entweder von Kindern, von Trotteln oder von gewissenlosen Lumpen geleitet wird.

Bild: „Der judenreine Alpenverein“, Karikatur von Paul Humploletz, in: „Der Götz von Berlichingen“, Wien 1924 (OeAV-Archiv Innsbruck), Quelle: Folder, s.u.

Im Jahr 1923 fasste die Sektion Villach in der „Judenfrage“ den Beschluss, die bisherige Aufschrift „Juden und Mitglieder der Sektion Donauland sind auf dieser Hütte nicht erwünscht“, in „Juden ist der Eintritt verboten“ umzuwandeln, woraufhin die Sektion vom Hauptausschuss erneut aufgefordert wurde, die Verbotstafel für Juden von den Hütten zu entfernen.
Ein Jahr später teilte die Sektion Villach dem Hauptausschuss lediglich mit, dass die Plakate künftig lauten würden:

Der Zutritt von Juden ist nicht erwünscht

Texte weitgehend zitiert aus dem Folder „Haus-Berg-Verbot. Kunstaktion am Dobratsch zur Erinnerung an die Vertreibung der Juden vom Villacher Hausberg“

Die Kunstaktion zur Erinnerung des „Judenverbots“ am Villacher Hausberg fand am 11. Juni 2011 statt. Dieses „Bild der Woche“ ist auch ein „Tipp der Woche“, denn die Ausstellung „Judenhütte“ am 10er Nock am Dobratsch können Sie noch bis zum 15. September besichtigen.
Mehr Informationen sowie viele Bilder von der Kunstaktion und der Ausstellung auf der Website des Universitätskulturzentrums UNIKUM!
Hier auch der ORF-Beitrag zur Aktion am 11. Juni.




Dieser Tage war übrigens eine Dame von der Hebrew University in Jerusalem bei uns im Museum, die zuvor in Kärnten war und dort auch die Ausstellung am Dobratsch gesehen hat und mir davon erzählte, weil sie nämlich sehr überrascht, aber auch sehr beeindruckt war :-)


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Web-Tipp der Woche – ns-quellen.at

Ein Wegweiser durch den Archiv-Dschungel Was haben Angehörige meiner Familie im Krieg gemacht, gab es Opfer, gab es Täter?, Wer wohnte in meiner Wohnung – wurde sie arisiert?, Was wurde…

Ein Wegweiser durch den Archiv-Dschungel

Was haben Angehörige meiner Familie im Krieg gemacht, gab es Opfer, gab es Täter?,

Wer wohnte in meiner Wohnung – wurde sie arisiert?,

Was wurde aus dem Unternehmen X nach dem ‚Anschluss‘?

– Orientierungshilfe bei diesen und ähnlich gelagerten Fragen bietet eine neue Online-Plattform, die das „forschungsbüro“ (gemeinsam mit dem Wiener Wiesenthal Institut, dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes und der Österreichischen Gesellschaft für Zeitgeschichte) bereitstellt:

ns-quellen.at

.

Die Plattform behandelt im Besonderen die Themen Vermögensentzug, Rückstellung und Entschädigung, gibt u.a. Hilfestellung zur Archiv-Recherche und macht einschlägige Gesetzestexte zugänglich.
Wer also beispielsweise Personen aus bzw. Namenslisten zu den jüdischen Gemeinden des Burgenlandes sucht, wird korrekterweise u.a. auf die Matriken/Geburts- und Sterbebücher im Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien verwiesen (auf die übrigens auch wir im Rahmen unserer Online-Aufarbeitung des Friedhofs Mattersburg zurückgreifen) – wo dann vor Ort weiterrecherchiert werden kann. Aber schon bei einer Arbeit wie der unseren macht sich auch die thematische und zeitliche Enge der Plattform deutlich bemerkbar (selbstverständlich müssen wir auch bzw. vor allem auf außerösterreichische Archive zurückgreifen).

Einstiegsseite 'ns-quellen.at'

Jedenfalls ein hilfreiches Recherche-Tool, wie wir finden – wenn auch insbesondere für wissenschaftliche Arbeiten und historisch einschlägig Interessierte, leider nur bedingt tauglich für genealogisch Interessierte.

Denn, in der Tat: Das

erspart Ihnen den Weg ins Archiv zwar nicht, (…) kann diesen aber entscheidend erleichtern.

http://ns-quellen.at/index.php

– zumindest wenn sich Ihr Interesse auf dieses Spezialgebiet beschränkt …


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Bild der Woche – Die Gedenktafel

In der vergangenen Woche fanden die Gedenkfeiern anlässlich der Novemberpogrome 1938 statt. In Eisenstadt, schräg gegenüber von unserem jüdischen Museum, befand sich die 1832 im Stil der französischen Revolutionsarchitektur erbaute…

In der vergangenen Woche fanden die Gedenkfeiern anlässlich der Novemberpogrome 1938 statt.
In Eisenstadt, schräg gegenüber von unserem jüdischen Museum, befand sich die 1832 im Stil der französischen Revolutionsarchitektur erbaute Gemeindesynagoge. In den 1950er Jahren verkaufte die Israelitische Kultusgemeinde Wien das Gebäude zuerst an die Gewerkschaft, später kam das Grundstück (die Synagoge war schon vollständig abgerissen), in den Besitz einer Versicherungsgesellschaft.
Gleich neben dem Eingang dieser findet sich heute die unten abgebildete Gedenktafel.

Von einem langjährigen Museumsbesucher erfuhren wir vor kurzem, dass die Inschrift auf dieser Tafel nicht ganz richtig ist.
Der Zeitzeuge, ein älterer Herr aus einem kleinen Ort in der Nähe Eisenstadts, war als Kind in Eisenstadt im Internat, da es damals noch keine Busverbindungen zwischen seinem Heimatort und Eisenstadt gab. Und er erinnert sich genau daran, dass sie, die Schüler, nachts im Bett lagen und erzählt wurde, dass

oben in der Judengasse die Menschen knöcheltief durch das Glas gewatet sind.

Es war Mai/Juni 1938! Diese Version, dass also die Zerstörung der Gemeindesynagoge nicht erst im November 1938 erfolgte, bestätigen auch andere Zeitzeugen!

Auch der Text in der einzigen vollständigen Monografie über die Juden in Eisenstadt (Josef Klampfer, Das Eisenstädter Ghetto, 1966) muss daher wohl korrigiert bzw. ergänzt werden. Dort heißt es nämlich auch (Seite 39):

In Eisenstadt zog in der Nacht vom 9. zum 10. 11. 1938 eine mit Hacken versehene Menge in den Temel (sic!) und machte aus der Einrichtung Kleinholz. Der große Luster wurde auch nicht verschont. Die unterirdische Schatzkammer, 15 Tempelvorhänge, 7 Paar Aufsätze auf Thorarollen, eine Krone, eine Glasschatulle, ein kostbarer Trinkbecher, ein Kasten voll talmudistischer (sic!) Bücher fielen u.a. der Zerstörung zum Opfer (Angabe des H. Moritz Gabriel).

Moritz Gabriel, geboren 1887, war einer der wenigen Juden, die nach 1945 nach Eisenstadt zurückkehrten und die 1966 noch in Eisenstadt lebten, so dass Klampfer sie/ihn befragen konnte. Im November 1938 war jedoch auch Moritz Gabriel, wie alle anderen Juden Eisenstadts, nicht mehr in der Stadt. (Die burgenländischen Juden waren 1938 die ersten Juden in Österreich, die von den Ausweisungsbefehlen der Nazis betroffen waren. Schon wenige Tage nach dem Anschluss im März 1938 begann die systematische Ausweisung der Juden aus ihren Gemeinden.)
Wann genau Moritz Gabriel Eisenstadt verlassen musste, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Seine Angaben über das Novemberpogrom konnte er jedenfalls nur vom Hörensagen machen, fraglich ist, ob er bei der (ersten) Zerstörung der Synagoge im Mai/Juni 1938 noch in Eisenstadt war.

Am Gewerkschaftsgebäude war übrigens auch schon eine Gedenktafel angebracht, deren Text etwas ausführlicher und deutlicher, aber wohl auch nicht ganz korrekt war:

An dieser Stelle stand der Tempel der jüdischen Gemeinde Eisenstadt, bis Rassenwahn und nationale Überheblichkeit ihn am 11. November 1938 in Brand steckten. Der Österreichische Gewerkschaftsbund erwarb das Grundstück und erbaute 1951 bis 1952 dieses Haus. Es soll den arbeitenden Menschen in ihrem Kampf um soziale und wirtschaftliche Besserstellung dienen. In ihm soll stets der Geist menschlicher Verbundenheit und brüderlicher Zusammengehörigkeit wirken.

Alle Augenzeugen bestätigen nämlich, dass in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 die Synagoge nicht in Brand gesteckt wurde (was schon alleine deshalb glaubhaft ist, weil das Gebäude der Synagoge nicht freistehend, sondern ein Bau in der geschlossenen Häuserreihe war).
In den Jahren 1938/39 – 1945 diente der Innenraum der Synagoge den Nazis als Depotraum der Wehrmacht.

Bleibt schließlich noch anzumerken, dass es möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich ist, dass es in der Novembernacht 1938 tatsächlich wieder zu Zerstörungen an/in der Synagoge kam, dass aber die erste Zerstörung bereits Monate vorher stattgefunden hat.


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14 Kommentare zu Bild der Woche – Die Gedenktafel

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