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Rotte und Reiss Rennen

Jewish Sight-Running mit Thomas Rottenberg

Als ich 2012 die Idee hatte, Jewish Sight-Running in Eisenstadt anzubieten, war ich ziemlich optimistisch, dass das Angebot auch hin und wieder genutzt werden würde, von Interessierten aus der Umgebung, BesucherInnen und Besuchern von Eisenstadt, die im Rahmen der Stadtführungen nicht alle „jüdischen Stationen“ erreichen können, von Urlaubern, die nicht nur am See in der Sonne liegen wollen, von Museumsbesuchern, die das jüdische Eisenstadt umfassender und eingehender erkunden wollen … ;-)

Dieser Optimismus sollte sich als Irrtum herausstellen. Obwohl mir natürlich von Anfang an klar war, dass das Programm nicht wirklich mehrheitsfähig ist und auch immer wieder viele Menschen die Idee des Angebots goutier(t)en, – aktiv und selbst die Runde zu laufen, scheint aber doch nochmals eine ganz andere Geschichte zu sein … macht aber nichts, da das Angebot nichts kostet, keinen zusätzlichen Aufwand für das Museum bedeutet und ich ohnehin gerne und regelmäßig laufe.

Umso schöner, dass mich Thomas Rottenberg vergangene Woche anrief und wir uns einen Termin für die Laufrunde ausmachten. Es war sehr heiß, schwül und wir waren am späten Nachmittag auch beide schon ein wenig müde. Ich will ehrlich sein: Wir beschlossen ob dieser suboptimalen Rahmenbedingungen nicht die ganzen 10 km zu laufen, aber jene Kilometer, die wir liefen, waren vom Feinsten!

Großes Danke an Thomas für den wunderbaren Artikel im Standard: Rotte rennt.

  • Jewish Sight-Running mit Thomas Rottenberg
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Bleibt mir noch zu wünschen, dass Text, Bilder und Video vielleicht ein wenig Lust machen, die jüdische Geschichte Eisenstadts auch einmal anders zu erleben und mitzulaufen …

Wie im Standard zu lesen: natürlich muss nicht „gerannt“ werden, auch „Wanderer“, „Walker“ usw. sind herzlich willkommen, Stichwort „Jewish Sight-Walking“.
Wie unschwer zu erkennen ist: Selbstverständlich gilt das Angebot auch für „Kleinstgruppen“ und quasi „jederzeit“ (Anmelden einen Tag vorher wäre aber freundlich) ;-)



Burgenland, In eigener Sache, Veranstaltungen

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Lange Nacht der Museen 2013 – Nachlese

Die Lange Nacht der Museen ist vorbei, wir sind müde, aber auch sehr zufrieden:

Der burgenländische Koscherwein von Familie Hafner hat hervorragend gemundet…

Goldprämierte koschere Weine und Spirituosen

Fragen, Kosten, Informieren ...

die Kinder lösten blitzschnell und souverän die Fragen zu den koscheren und nicht-koscheren Tieren…

Geschenke, Geschenke, Geschenke ...

Die Qual der Wahl ;-)

die Objektführung (Siebensachen) war außerordentlich gut besucht und vor allem das Feedback überaus positiv…

und – wohl nicht nur für uns – am überraschendsten, aber auch besonders erfreulich war, dass bei unserem Sight-Running-Experiment 3 Helden am Start standen –, die doch anspruchsvolle Strecke nachts problemlos bewältigten und nach knapp 2 Stunden wieder wohlbehalten im Museum eintrafen:

3 fitte Mutige!

Aufgenommen auf halber Strecke „beim Juden“ um ca. 23 Uhr

Burgenland, In eigener Sache, Veranstaltungen

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Lange Nacht der Museen 2013

Das Österreichische Jüdische Museum nimmt auch heuer wieder an der „Langen Nacht der Museen“ teil. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie in dieser besonderen Nacht auch unser Museum besuchen!

Wann: Samstag, 5. Oktober 2013, 18.00 bis 01.00 Uhr
Wo: Österreichisches Jüdisches Museum

In diesem Jahr mit einem Schwerpunkt zum koscheren Wein, selbstverständlich einem unterhaltsamen Kinderprogramm und als spezielles Highlight ein ziemlich abenteuerlicher Nightrun ins Leithagebirge …

Koschere Weinflaschen

Unser Programm im Detail

18.30 – 19.30 Uhr: Unsere kleine Koscher-Tierwelt (Kinderprogramm)
Bei diesem lehrreichen Spiel beschäftigen sich die jungen Nachtschwärmer mit vielen Tieren aus der Bibel. Wenn 5 richtige Antworten gegeben werden, gibt es ein kleines Geschenk!

19.00 – 21.30 Uhr: „Der Wein erfreut des Menschen Herz“. (Psalm 104)
Unter der Anleitung von Koscherweinproduzentin und -expertin Daniela Hafner (Mönchhof) erfahren die BesucherInnen Interessantes zum Anbau und Produktion von koscherem Wein. Anschließend kann der burgenländische koschere Wein auch verkostet werden.

21.30 Uhr: Siebensachen (Objektführung)
Sieben bemerkenswerte Ausstellungsstücke aus der Sammlung des jüdischen Museums werden vorgestellt.

22.00 Uhr: Jewish Sight-Running … bei Nacht
Für abenteuerlustige HobbyläuferInnen – die um diese Uhrzeit noch fit sind: mit Stirnlampen über Stock und Stein zu jüdischen Stationen ins Leithagebirge (Waldweg, ca. 10km, ca. 300 Höhenmeter, zügigeres Wohlfühllauftempo – die Lange Nacht dauert ja nur bis 01.00h ;-) -, ca. 90 Minuten).
Bitte Stirnlampen – wenn zur Hand – mitnehmen (5 Stück können bei uns ausgeliehen werden).
Näheres zur Strecke in unserem Blogartikel.

Besten Dank an den Urbarialpächter, Herrn Hofrat DI Friedrich Prandl, der uns bei unserem Vorhaben unterstützt! :-)

Eintritt bzw. Teilnahme mit dem „Lange Nacht“-Ticket:

  • regulär EUR 13
  • ermäßigt EUR 11
  • frei für Kinder bis 12 Jahre

Das Ticket berechtigt zum Besuch aller an der „Langen Nacht“ teilnehmenden Museen in ganz Österreich.

Tickets erhalten Sie

  • im Österreichischen Jüdischen Museum (Vorverkauf & Abendkasse)
  • in allen weiteren teilnehmenden Museen
  • online

Bitte beachten Sie, dass unser Museum Samstag, 5. Oktober, und Sonntag, 6. Oktober, tagsüber geschlossen und an diesem Wochenende „nur“ in der Langen Nacht der Museen geöffnet ist!

Weitere Informationen zur „Langen Nacht“ erhalten Sie auf langenacht.orf.at.

Credit: ORF-Design/Matthias Kobold

Burgenland, In eigener Sache, Veranstaltungen

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Die Eisenstädter Hakoah

Eine sport-geschichtliche Fußnote

Im Februar 1924 wird der Wiener Hakoah ein kleines Schwesterchen geboren – tief im Osten, in der gerade erst österreichisch gewordenen burgenländischen Provinz: die Eisenstädter Hakoah („haKoah“ = hebr. „die Kraft“). Es ist (nach allem, was wir wissen) ein Geschwisterchen mit vergleichsweise bescheidenem sportlichem Potential, das da im jüdischen Eisenstadt das Licht der (Vereins-)Welt erblickt, und doch – ausgestattet mit hehren Ambitionen und einigem regional-sportlichem Engagement: Im Dienst der

[k]örperliche[n] und geistige[n] Ertüchtigung der Eisenstädter jüdischen Jugend

soll der neue Verein stehen und sich außerdem der „Pflege der Kultur durch Veranstaltungen von gesellschaftlichen Zusammenkünften“ widmen, so bestimmen es die Gründungsstatuten der Hakoah, mit vollem Titel: „Eisenstädter Sport- und Geselligkeitsverein ‚Hakoah'“. Zu diesem Zweck sollen „Athletische Wettkämpfe“ arrangiert werden, ebenso „gesellschaftliche Zusammenkünfte, Unterhaltungen und Theateraufführungen“; und natürlich (und wohl an erster Stelle) soll auch gekickt werden in der Eisenstädter Hakoah (zitiert aus den „Statuten des Eisenstädter Sport- und Geselligkeitsvereines ‚Hakoah'“, Burgenländisches Landesarchiv).

Bild: Brief von Hakoah-Obmann Karl Schlesinger – mit Briefkopf und Siegel des Vereins (mit dem – inoffiziellen – Gründungsjahr 1923; Burgenländisches Landesarchiv)


Der große Namensvetter, die Wiener Hakoah (die u.a. auch in Graz und Innsbruck Ableger hatte), taugte da zweifellos als respektables, wiewohl unerreichbares Vorbild, krönte sie sich doch Mitte der 20er Jahre zum österreichischen Fußballmeister – da steckte der burgenländische Fußball und mit ihm die Eisenstädter Hakoah freilich noch in den Kinderschuhen …

Meisterschaftstabelle 'Eisenstädter Kreis' (13. Juli 1924) - mit einem für die Hakoah allerdings eher unerfreulichen Tabellenstand ...

Meisterschaftstabelle „Eisenstädter Kreis“
mit einem für die Hakoah allerdings eher
unerfreulichen Tabellenstand …
(Neue Eisenstädter Zeitung, 20. 07. 1924, 6)

Tatsächlich war das Burgenland (auch) in fußball-technischer Hinsicht ein Nachzügler: Erste ( mehr oder minder offizielle) Vereinsgründungen sind zwar schon ab 1907 (SC Eisenstadt) überliefert, ein burgenländischer Landesverband konstituierte sich aber erst 1923/24 – mit an Bord, ab der ersten Generalversammlung im März 1924, auch die eben erst gegründete Hakoah, die organisatorisch (klarerweise) dem „Kreis Eisenstadt“ zugewiesen wurde, wo man sich u.a. mit dem SV Mattersdorf/Mattersburg und dem Lokalrivalen SC („Freiheit“) Eisenstadt matchte …
(Vgl. Franz Just (Hg.): Der Fußballsport im Burgenland. (Von den Anfängen bis zur Jetztzeit) Eisenstadt 1970. S. 13-18, 231f., 429. Zur Übersicht auch: „Fußball im Burgenland„.)

Bemerkenswert auch: Mehrfach belegt ist ein „kombiniertes“ Antreten der beiden Eisenstädter Klubs – die Eisenstädter „Freiheit“ und die Hakoah fanden sich also, so scheint es, zu einer Eisenstädter „Stadt-Auswahl“ zusammen, und das durchaus mit Erfolg:

  • 'Kombinierte' Erfolge der Eisenstädter Klubs

    „Kombinierte“ Erfolge der Eisenstädter Klubs,
    Neue Eisenstädter Zeitung, 15. Juni 1924, S. 6;
    ebd., 25. Mai 1924, S. 4.

  • 'Kombinierte' Erfolge der Eisenstädter Klubs


Und auch abseits des Fußballplatzes scheint sich die Hakoah nach Kräften in den gerade erst anlaufenden burgenländischen Sportbetrieb eingebracht zu haben – so etwa bei den ersten burgenländischen Leichtathletik-Meisterschaften im Juni 1926 …

'Pollitzer ('Hakoah' Eisenstadt) 5,13 m' (Weitsprung) - Ergebnisse der ersten burgenländischen Leichtathletik-Meisterschaften 1926

„Pollitzer (‚Hakoah‘ Eisenstadt) 5,13 m“ (Weitsprung) – Ergebnisse der ersten burgenländischen Leichtathletik-Meisterschaften 1926, Neue Eisenstädter Zeitung, 27. Juni 1926, S. 5

Allerdings: Langes sportliches Glück war der Eisenstädter Hakoah nicht beschieden. Schon im Mai 1933, keine 10 Jahre nach Vereinsgründung, musste die Vereinsführung – Obmann Karl Schlesinger, Schriftführer Isidor Benedikt und Kassier Eugen Schneider (Vgl. auch Just a.a.O. S. 232) – die freiwillige Selbst-Auflösung der Hakoah vermelden: „Grund der freiwilligen Auflösung war Mitgliedsmangel. – Vereinsvermögen war nicht vorhanden“, heißt es lapidar in der entsprechenden Meldung des Hakoah-Vorstands an die Behörden (Brief vom 2. Mai 1933 an das Bundespolizeikommissariat Eisenstadt; Burgenländisches Landesarchiv).

Weiter verwundern muss der Mitgliedermangel nicht – immerhin zählte Eisenstadt in den 20er und 30er Jahren im Ganzen bereits weniger als 500 jüdische Einwohner… (vgl. Fritz Zimmermanns Übersicht zur Bevölkerungsentwicklung in Hugo Gold: Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden des Burgenlandes. Tel Aviv 1970. S. 133ff.)

Doch auch wenn damit die Tage der Hakoah gezählt waren: Gekickt jedenfalls wurde – das Foto beweist’s – bei der „Eisenstädter jüdischen Jugend“ auch weiterhin …

Kicken in der Eisenstädter Haydngasse: Fred Poll (rechts) und Heinrich Trebitsch, 1935

Kicken in der Eisenstädter Haydngasse: Fred Poll (rechts) und Heinrich Trebitsch, 1935; Fred Poll (eigentlich: Politzer), geboren 1921 in Eisenstadt, emigrierte 1939 nach England, später nach New York; Heinrich Trebitsch ist einer der wenigen jüdischen Rückkehrer nach Eisenstadt und lebt heute ebendort (vgl. und entnommen aus: Gert Tschögl u.a. (Hg.): Vertrieben. Erinnerungen burgenländischer Juden und Jüdinnen. Wien 2004. S. 155, 157).

Besten Dank an STANDARD-Redakteur Wolfgang Weisgram für den Hinweis auf die Eisenstädter Hakoah sowie an das Burgenländische Landesarchiv!

Burgenland, Leben und Glaube

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Makkabiade – einst und jetzt

Vom morgigen 5. bis 13. Juli finden in Wien die 13. Europäischen Makkabi-Spiele statt – gewissermaßen die jüdische Antwort auf Olympia.

Erwartet werden mehr als 2000 Sportler aus über 40 Nationen, die sich auf/in/an diversen Courts, Hallen, Becken, Tischen (Schach!) etc. messen werden.

Erstmals ausgetragen wurde die Makkabiade 1932 im noch jungen Tel Aviv – sportlich sicherlich hochwertig, PR-technisch vielleicht noch etwas unterentwickelt (wie der Vergleich zeigt) … ;)

Die erste Makkabiade – Tel Aviv 1932

Die aktuelle Makkabiade – Wien 2011 (Vorschau)

Schon seinerzeit war übrigens auch eine österreichische Delegation vertreten, und zwar durchaus erfolgreich:
So etwa konnten die heimischen jüdischen Zeitungen, geradezu euphorisch bezüglich des „glänzenden Verlaufs“ der Spiele, österreichische Erfolge in den Box- und Schwimmbewerben (u.a. durch die damalige Spitzenschwimmerin Hedy Bienenfeld-Wertheimer) vermelden …


'Die Makkabiah' - in: Die Stimme, Wien, 7. April 1932

„Die Makkabiah“ – in: Die Stimme, Wien, 7. April 1932, S. 3 (entnommen aus dem Online-Archiv „Compact Memory“ – Die Stimme, Jg. 1932. H. 222, 5)

Man beachte – so nebenbei – auf derselben Seite auch das großartige, ja geradezu künstlerisch wertvolle Inserat für das „100% reine Kokosnussfett“ Kunerol, hergestellt „unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S[amuel] Ehrenfeld zu Mattersburg“ (!), das/der hier auch schon bei anderer Gelegenheit Thema war …

Weitere Infos zum sportlichen und Rahmen-Programm der aktuellen Wiener Makkabiade auf:

emg2011.eu

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir – aus der breiten Presse-Berichterstattung zum Thema – die Interviews mit Makkabiade-Organisator und IKG-Vizepräsidenten Oskar Deutsch und Wiens Bürgermeister Michael Häupl.

Leben und Glaube

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