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Bilder der Woche – Budapest

Sommeredition

“Bild der Woche” goes on holiday – und begibt sich in den nächsten Wochen auf eine sommerliche Bilder-Reise zu jüdischen Museen, Synagogen und Schauplätzen jüdischen Lebens in aller Welt!

Und Sie sind herzlich eingeladen, sich mit Ihren Urlaubsbildern an unserer Reise zu beteiligen – zum Koschere-Melange-Sommergewinnspiel.

Von Dubrovnik aus macht unser Bild-der-Woche-Sommertrip einen scharfen Nord-Schwenk – in Richtung Budapest, genauer: mitten hinein in die größte Synagoge Europas, die Budapester Große Synagoge.

Innenraum der Budapester Großen Synagoge: Toraschrein

Innenraum der Budapester Großen Synagoge: Toraschrein
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Budapests Große Synagoge, die rund 3000 Menschen (Sitz-)Platz bietet, wurde zwischen 1854 und 1859 nach Plänen von Ludwig Förster erbaut; dem Synagogenbau angeschlossen ist ein jüdisches Museum (an dessen Stelle sich übrigens einstmals das Geburtshaus Theodor Herzls befand).

Innenraum der Budapester Großen Synagoge: Kanzel

Innenraum der Budapester Großen Synagoge: Kanzel
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Das Koschere-Melange-Sommergewinnspiel

Schicken Sie uns Ihre Urlaubsfotos – gesucht sind Bilder von jüdischen Museen, Synagogen, historischen und aktuellen Schauplätzen jüdischen Lebens in aller Welt!
Die hübschesten, originellsten oder “weitestgereisten” Fotos werden als “Bild der Woche” hier im Blog veröffentlicht.

Unter allen Einsendern verlosen wir 3 Exemplare des Buches “… weil man uns die Heimatliebe ausgebläut hat … Ein Spaziergang durch die jüdische Geschichte Eisenstadts”, 3 Exemplare des Buches “Aus den Sieben-Gemeinden. Ein Lesebuch über Juden im Burgenland” sowie eine Jahreskarte für das Österreichische Jüdische Museum.

Einsendungen bitte an bildderwoche@ojm.at. Einsendeschluss ist der 31. August 2010.

Bitte beachten Sie: Mit der Übermittlung Ihres Bildes erklären Sie sich mit einer Veröffentlichung auf koschere-melange.at einverstanden. Bitte schicken Sie das Bild in möglichst hoher Auflösung. Pro Absender nimmt nur eine Einsendung an der Verlosung teil.

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Bild der Woche

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Bild der Woche – Synagoge Mattersburg

Sofort beim Eintreten in den Tempel fiel der große Almemor [= Ort der Toralesung, Bima; Anm.] auf. Rings um den Almemor liefen Bänke, vor denen Betstühle standen…An der Vorderseite des Almemors stand die 1 ½ m hohe und entsprechend breite Menorah [= 7-armiger Leuchter; Anm.] … Die Sitzgelegenheiten waren im Tempel spärlich. Rings um die vier Wände lief eine Bankreihe. Nur im hinteren Teile des Tempels waren einige Reihen. Das Gros der Gemeinde verfügte über keine Sitzgelegenheit … Die Tempelwände waren (…) mit Gebetstücken beschrieben … Der Plafond (…) war mit Emblemen, Motiven, die teilweise dem religiösen Leben entnommen waren (Feststrauß, Menorah, Vögeln, Sternen), bemalt …

Max Grunwald, Mattersdorf, in: Jahrbuch für Jüdische Volkskunde 1924/25, hrsg. v. Max Grundwald, Berlin 1926. S. 417-420.

Synagoge in Mattersdorf, um 1920

Synagoge in Mattersdorf, um 1920. Zwar unleserlich, aber in den Umrissen erkennbar: die in unserem Blogbeitrag diskutierte Gedenktafel an der Außenfront der Synagoge.

Die Mattersburger Synagoge, am wulka-seitigen Ende der Judengasse gelegen (s. den von Meir Deutsch zur Verfügung gestellten historischen Stadtplan), stammte in ihrer baulichen Endgestalt wohl aus dem späten 19. Jahrhundert; die Baugeschichte bleibt allerdings, zusammen mit der (Früh-)Geschichte der Mattersburger Judengemeinde im Ganzen, umstritten – nachzulesen in unserem jüngsten Blog-Beitrag

Der Mattersburger Tempel wurde im September 1940 gesprengt (s. den Bericht von Hans Paul). Fotografische (Innen-)Ansichten der Synagoge sind rar, umso wertvoller ist die ausführliche (hier nur in kleinen Auszügen zitierte) Beschreibung bei Max Grunwald.

Heute erinnert an die Mattersburger Synagoge ein Gedenkstein am Brunnenplatz (s. unser Bild der Woche – Gedenkstein Mattersburg).

Gegenwärtig werden in Mattersburg Pläne für ein (neues) Synagogen-Denkmal diskutiert – wir sind gespannt & werden über allfällige Fortschritte hier im Blog berichten … (vielen Dank an Gemeinderätin Sonja Sieber für die Informationen).

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Bild der Woche, Burgenland

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Mittelalterliche jüdische Gemeinde in Mattersdorf?

Ehemalige Gedenktafel an der Synagoge Mattersdorf

Vielen Dank an Meir Deutsch, der uns dieses sonst weitgehend unbekannte Bild der Tafel schickte, die an der Synagoge in Mattersdorf angebracht war. Wir kannten das Bild dieser Tafel selbst nicht und auch in der uns bekannten Literatur fanden wir zwar Hinweise auf die Tafel, aber kein Bild von ihr.

According to the plaque that was plastered at the front of the Synagogue it was first built in 5114 which is 1353-1354, but this date seems too early. I have seen a picture of the plaque, and it seems to me that it can be read as 5310 קיר and not קיד, which correspond to 1550 [we see that the three Hebrew letters have a dot over them, which usually means that you have to add the value of these letters and not to read them consecutively as a date, as the other year on the plaque 5635]. This date fits with the expulsion of the Jews from Odenburg in 1527, which settled in Mattersburg.

Meir Deutsch, Yalde Shabat, Jerusalem 2008, S. 42.

Meir Deutsch weiter:

It is said that the “Founders” of the Jewish community in Mattersdorf were the six Families of the tribe of Levi, that were expelled from Spain and Settled in Mattersdorf. The Jews were expelled from Spain in 1492 = 5252. If we take the reading of the date on the Plaque as 5310 = 1550, than we get that the first Synagogue was built just 58 years after the expulsion of the Jews from Spain and only 23 years after Odenburg expelled its Jews who settled in Mattersdorf.

Schön der Reihe nach, zuerst die Übersetzung:

  1. Erstgebaut im 6. Jahrtausend im Jahre “KID” (oder) “KIR” (der 3. und letzte Buchstabe des letzten Wortes der 1. Zeile ist umstritten)
  2. und von neuem errichtet im Jahr 635 (= 1875).
  3. So höre du sie im Himmel, (s. 1 Könige 8,32 u.a.)
  4. wenn sie kommen um zu beten n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). (Der Zahlenwert des Nebensatzes ergibt noch einmal 635, also das Jahr 1875!)

1. Zeile:
Das 6. Jahrtausend beginnt (umgerechnet) im Jahr 1240/41, siehe Lexikoneintrag zur Zeitrechnung.
Je nachdem, ob wir קיר oder קיד lesen, erhalten wir – wie auch Meir Deutsch schreibt -, entweder 114 oder 310, umgerechnet also das Jahr 1353/54 oder 1550/51.

Meir Deutsch plädiert für die Lesung קיר, also “KIR” (1550), und argumentiert damit, dass wir im Mittelalter keine jüdische Gemeinde in Mattersdorf belegt haben, 1550 aber insbesondere deshalb möglich wäre, weil eine jüdische Besiedlung Mattersdorfs nach der Vertreibung der Juden aus Ödenburg (Sopron) belegt ist.

Auch Hodik schreibt:

Möglicher Ausgangspunkt für die Historie bleibt in jedem Fall die an der Gassenfront der Synagoge entdeckte Tafel, die als Erbauungsdatum das Jahr 5114 (1353/54) ausgewiesen haben soll (Anm.: Hodik kennt die Tafel offenbar nicht). Dürfen wir aber diese Angabe ohne weiteres übernehmen und genügt sie denn, um mit Sicherheit auf die Existenz einer jüdischen Siedlung zu jener Zeit schließen zu können?

Historisch gesichertes Terrain betreten wir erst am Ende des 15. bzw. zu Beginn des 16. Jahrhunderts. …

Fritz P. Hodik, Beiträge zur Geschichte der Mattersdorfer Judengemeinde im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, S. 7f.

Dieselbe Auffassung vertritt Harald Prickler:

Der Hauptort der Grafschaft Forchtenstein war Mattersdorf (das heutige Mattersburg): Hierher übersiedelte Juden sind seit 1527 mehrfach nachweisbar, das Urbar der Grafschaft Forchtenstein von 1526 weist in Mattersburg noch keinen Juden aus, hingegen anstelle der späteren Judenhäuser viel öde Hofstätten (Söllnerhäuser). 1438 wird zwar der in Mattersburg wohnhafte Juden Kysaan mit seiner Frau Mendel urkundlich genannt, er trat als Gläubiger der Grafen von Forchtenstein und ihres Burghauptmanns Hans Linzer auf, doch kann aus dieser vereinzelten Nennung keineswegs auf den Bestand einer jüdischen Gemeinde im Mittelalter an dieser Stelle geschlossen werden (Hervorhebung von mir). Die neue Judensiedlung entstand seit 1526 auf dem zum herrschaftlichen Meierhof gehörigen herrschaftlichen Gelände (Kurialgrund), auf dem sich die 1291 geschleifte Burg Mattersdorf befunden hatte, im Anschluss an die Marktsiedlung flussabwärts.

Harald Prickler, Beiträge zur Geschichte der burgenländischen Judensiedlungen, in: Juden im Grenzraum, Eisenstadt 1993, S. 72f.

Bleibt schließlich noch Max Grunwald zu zitieren, der zumindest nicht abgeneigt zu sein scheint, die Frühdatierung 1354/55 zumindest in Erwägung zu ziehen:

Der Mattersdorfer Rabbinatsassessor Reb Joel Fellner und Reb J. Hirsch ließen sich in die Kuppelhöhe des Tempels hinaufseilen, um die in der Kuppel befindliche Jahreszahl zu enträtseln. Es stand dort: “ad ki jawo Schiloh lefak”, das wäre 462 = 1702 der bürgerlichen Zeitrechnung. An der Gedenktafel der Gassenfront des Tempels liest man als Erbauungsdatum 5114 (1354). Sollte diese Zahl das Erbauungsdatum richtig wiedergeben, dann muss angenommen werden, dass im angeführen Vers die ersten 5 Buchstaben besonders gekennzeichnet waren, welche als Prat katan kaf jud dalet ergeben.

Max Grunwald, Mattersdorf, in: Jahrbuch für Jüdische Volkskunde 1924/25, hrsg. v. Max Grundwald, Berlin 1926, S. 415f.

Grunwalds Formulierung ist ein wenig missverständlich, er meint, dass die Inschrift in der Kuppel nicht nur die Jahreszahl 462 (1702) angibt, sondern auch zusätzlich (?) das Gründungsjahr der Synagoge angeben will: עד כי יבא שילה ist ein Zitat aus Genesis 49,10 (Der Segen Jakobs) “bis der kommt, dem er gehört (der Herrscherstab)“.
Grunwalds Versuch, das Gründungsdatum der Gedenktafel auch im Zitat der Kuppel wiederzufinden, darf fast als rührend bezeichnet werden. Auch wenn die Zahlenwerte der ersten 5 Buchstaben des Verses tatsächlich 114 (also 1354) ergeben, es bleibt Theorie. Auch Hodik (siehe oben) unterstützt die Theorie Grunwalds nicht, sondern hält es für sehr wahrscheinlich, dass sich die Jahreszahl in der Kuppel (1702) auf den Abschluss von Instandsetzungsarbeiten an der Synagoge bezieht (allerdings hat Hodik, wie schon angeführt, die Gedenktafel nicht gesehen!).
Off topic: Warum mussten sich die beiden Kuppelinschriftsinspizienten eigentlich hinaufseilen lassen, war die Inschrift so klein geschrieben? Und haben sie die Details nicht überliefert oder gab es keine?

Zwischenstand und drei hebräische Buchstaben unter der Lupe

Wir halten also fest: Es gibt keine weiteren historischen Hinweise oder gar Belege für eine mittelalterliche jüdische Gemeinde in Mattersdorf, lesen wir auf der Gedenktafel als Gründungsdatum der Synagoge wirklich קיד für 114 (1354/55) (und lassen die Kuppelinschrift und die Theorie Grunwalds einmal außen vor), wäre dies der einzige Beleg für eine Frühdatierung einer jüdischen Gemeinde in Mattersdorf!

Und doch tendiere ich dazu קיד, also 114 (1354/55) zu lesen:

  • Meir Deutsch argumentiert, dass die Punkte über dem letzten Wort der 1. Zeile (mit dem die Jahreszahl angegeben wird) besondere Berücksichtigung verdienen, da bei der anderen Jahreszahl (in der 2. Zeile) keine Punkte über den hebräischen Buchstaben zu finden sind (sprich: Lies die erste Jahreszahl (auch) als Wort, die zweite als bloße Jahreszahl). Allerdings finden wir auch keine Punkte über den Buchstaben in der letzten Zeile, in der aber der gesamte Satz – werden die einzelnen Buchstaben als Zahlenwerte gelesen – ebenfalls die Jahreszahl 635 (=1875) ergibt! Das am Schluss der Inschrift stehende “LP’K” (nach der kleinen Zeitrechnung) לפ”ק bezieht sich somit auf alle 3 in der Inschrift vorhandenen Jahreszahlen!
  • Das hebräische Wort “KIR” קיר bedeutet “Mauer/Wand” (seltener und nur in bestimmtem Kontext auch “Stadt”). Dies ergibt aber im Zusammenhang mit dem Gründungsdatum der Synagoge wenig Sinn.
  • Was auch gegen die Lesung “KIR” קיר spricht: Sollte wirklich die Jahreszahl 310 (1550/51) angezeigt werden, warum dann nicht gleich mit dem im Kontext sinnvolleren Wort “KRI” קרי “Lesung”? Außerdem hätte man damit nicht nur ein sinnvolleres Wort, sondern auch die Zahlenwerte der Buchstaben in ihrer gewohnten Reihenfolge (Hunderter-, Zehnerzahl) gehabt!
  • Die Lesung “KID” קיד, also der Zahlenwert 114 und somit das Jahr 1354/55 ermöglicht uns nicht, ein sinnvolles Wort zu lesen, die Zahlenwerte der Buchstaben wären aber in ihrer gewohnten Reihenfolge, die 3 Buchstaben einfach als Jahreszahl zu lesen. Den Punkten über den Buchstaben messe ich auch keine besondere Bedeutung bei (siehe oben erstes Argument).
  • Die Formulierung “im 6. Jahrtausend” באלף הששי finden wir häufig im Mittelalter (Beispiel: 1252), kurz oder relativ kurz nach der Jahrtausendwende (1240). Die jüngsten Belege mit dieser Formulierung auf deutschen Grabsteinen etwa datieren aus dem Jahr 1438. Für das 15. und 16. Jahrhundert ist die Quellenlage dünn, tendenziell würde ich die Formulierung in der Mitte des 16. Jahrhunderts aber eher nicht erwarten, eine bewusste archaische Formulierung ist jedoch auch nicht auszuschließen.

Es bleiben viele Fragen:

  • Die Tafel wurde 1875 (oder später) an der Gassenfront der Synagoge angebracht. Die Verfasser des Textes auf der Tafel mussten sich auf Traditionen, vielleicht auch auf schriftliche Quellen bezüglich des Gründungsdatums berufen können, haben den Text vielleicht sogar ganz oder teilweise von einer alten Tafel/Vorlage etc. wörtlich übernommen (siehe Formulierung “6. Jahrtausend”).
  • Könnten dabei Fehler passiert sein? Oder handelt es sich beim Datum 1354/55 etwa um Traditionen, die vielleicht mehr auf Legendenbildung als auf historischen Tatsachen beruhen?
  • Stimmt am Ende Grunwalds Theorie doch, dass wir auch in der Kuppelinschrift der Synagoge das Gründungsdatum 114 (1354/55) finden und hätten wir damit einen zweiten Hinweis auf eine Frühdatierung des Enststehens der jüdischen Gemeinde Mattersdorf? Sehe ich mir manche Grabinschrift auf dem jüdischen Friedhof Mattesdorf an, möchte ich nicht einmal wirklich ausschließen, dass in der Kuppelinschrift sogar beide Daten, 1702 und 1354 zu finden gewesen sein könnten.

Conclusio

Ich lese die Gründungsjahreszahl auf der Gedenktafel der Synagoge als 314 (1354/55), bin mir aber bewusst, dass ein einziger – noch dazu unsicherer – Beleg nicht reicht, um den Beginn einer jüdischen Besiedlung in Mattersdorf sicher ins Mittelalter zu datieren.

Und doch – ich würde mich wahrlich nicht wundern, sollten doch einmal (weitere) Dokumente auftauchen, die beweisen, dass auf dem heute burgenländischen Teil Westungarns damals nicht nur Eisenstadt eine voll ausgebildete jüdische Gemeinde besaß!

Siehe dazu besonders auch unseren Beitrag Amos Oz – ein Mattersburger? und insbesondere auch den Kommentar von Christopher! Denn der Ur-Ur-usw.-Großvater von Amos Oz ist der 1408 verstorbene Rabbiner Abraham Klausner … aus Mattersdorf!

Danke

Danke an Meir Deutsch, Israel, für das Bild der Gedenktafel und für die Anregung, mich näher mit ihr auseinanderzusetzen!

Danke an Frau Nathanja Hüttenmeister vom Salomon Ludwig Steinheim Institut Duisburg für wertvolle Anregungen zur Inschrift :)!

Da wir jetzt “nur” die Gedenktafel an der Gassenfront der Synagoge in Mattersdorf kennengelernt haben … am Wochenende gibt’s dann in unserem “Bild der Woche” mehr zur Synagoge!

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir das wunderbare Buch von Michael Brocke “Verborgene Pracht – Der jüdische Friedhof Hamburg-Altona – Aschkenasische Grabmale sowie auch ganz besonders die großartige epigraphische Datenbank “epidat” des Salomon Ludwig Steinheim Instituts für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen.

Burgenland, Leben und Glaube

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Religion vor Ort – Nachlese

Museum “on tour” – das erste Mal für ein Museum wie unseres, das ein wenig abseits der Großstadt liegt, in einem Bundesland, in dem es so gut wie keine Juden mehr gibt, in einer Stadt, die keine muslimische Infrastruktur hat.

Am Donnerstag fand im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe “Schalom – Salam – Grüß Gott” der 2. Teil “Religion vor Ort” statt, die Exkursion nach Wien, zu Orten gelebter Religiosität, in den Stadttempel, die Ruprechtskirche und die Moschee des Islamischen Zentrums.

Da wir als jüdisches Museum die religiöse “Blütenlese” naturgemäß von der jüdischen Tradition und von jüdischem Boden ausgehend betrachten wollen, lag es nahe, auch als erste Station in Wien den Stadttempel zu wählen, die Synagoge in der Seitenstettengasse.

Der “Chef” persönlich, Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg, führte uns durch “seine” Synagoge, wobei er besonders auch auf die zur Bauzeit (1825/26) geltende Vorschrift, nichtkatholische Gotteshäuser verborgen zu bauen, einging. Nach der Führung ließ er genügend Raum für Fragen der über 40 ExkursionsteilnehmerInnen aus Eisenstadt, Niederösterreich und Wien (Umgebung). Wenn das Programm an diesem Nachmittag – ganz bewusst – nicht so dicht gedrängt gewesen wäre, hätten wohl alle noch lange in der Synagoge verweilen wollen, manche der Fragen wären abendfüllend gewesen ;). Am Schluss wies der Oberrabbiner noch auf die in der unmittelbaren Nachbarschaft gelegene Ruprechtskirche hin, der die Synagoge auch “verdankt”, in der sogenannten Reichskristallnacht nicht in Brand gesetzt worden zu sein – um die Kirche nicht zu gefährden …

Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg

Sr. Mag.a Ruth Pucher MSC führt uns in der Ruprechtskirche

In der ältesten Kirche Wiens erwartete uns Sr. Mag.a Ruth Pucher MSC, die nicht nur auf anschauliche Weise (mit farbigen Bauklötzchen!) die Bauchgeschichte der Kirche skizzierte und uns im beeindruckenden Innenraum der kleinen Kirche führte, sondern auch grundsätzliche theologische Themenstellungen der christlichen Religion – aus katholischer Perspektive – ansprach. Sr. Pucher wies ebenfalls auf die nachbarliche Synagoge hin und darauf, dass sich die Kirchengemeinde ihrer Nähe zur Synagoge auf der einen Seite und der Nähe zum ehemaligen Hauptquartier der Gestapo auf der anderen Seite sehr bewusst ist und daran in einer jährlichen Gedenkfeier immer wieder erinnert. Aber auch drei der modernen Glasfenster von St. Ruprecht rufen eindrucksvoll zur Besinnung auf die jüdischen Wurzeln des Christentums auf.

Mit dem Bus ging es anschließend aus dem Stadtzentrum Wiens hinaus zum Islamischen Zentrum, wo uns Mag. Aiman Morad ebenfalls sehr freundlich empfing. Nach der Führung durch die beeindruckende große Moschee hatten wir die Möglichkeit zum Gespräch mit Herrn Morad in der schönen Bibliothek des Zentrums. Dabei gab er uns eine kurze Einführung in den Islam und beantwortete dann offen und geduldig alle Fragen. Die Themen reichten von der Rolle der biblischen Propheten im Islam, dem muslimischen Verständnis des Eingottglaubens und den fünf Säulen des Islam bis hin zu tagesaktuellen und sehr praktischen Problemen und Fragestellungen. Ein nicht eingeplanter kleiner Höhepunkt für uns alle war sicher der gegen Schluss auf einmal zu hörende und mit einer ausgesprochen schönen Stimme ausgeführte Ruf zum Gebet …

Wir haben in nicht einmal 4 Stunden (exklusive Hin- und Rückfahrt Eisenstadt) unmittelbar hintereinander 3 Gotteshäuser der drei monotheistischen Religionen erlebt, die Eindrücke waren viele und tief.

Ganz herzlichen Dank noch einmal von hier aus an alle Referenten/Referentinnen für die freundliche Aufnahme und danke an alle TeilnehmerInnen, die unser Angebot angenommen und den intensiven Nachmittag so geduldig mitgemacht und mitgestaltet haben.

Vor der Heimfahrt nach Eisenstadt baten wir zwei TeilnehmerInnen noch um ein kurzes Interview (Stegreif):

Wir bitten um Entschuldigung für die anfangs schlechte Tonqualität des Videos. Nach vielen Tagen Dauerregen hatten wir den ganzen Nachmittag Glück mit dem Wetter, just beim Interview setzte dann aber leider doch starker Wind und Regen ein.

Elisabeth Penzias, Wien, und Mag. Bernhard Dobrowsky, Eisenstadt

Nächste Veranstaltung im Rahmen der Reihe “Schalom – Salam – Grüß Gott”: Eisenstadt x 3 – Ein interreligiöser Stadtspaziergang, am 29. August:

Ein Rundgang auf den Spuren religiöser Vielfalt in Eisenstadt – mit Besuch des Martinsdoms und der evangelischen Auferstehungskirche sowie einem Spaziergang durch das ehemalige jüdische Viertel samt Friedhof und Synagoge.
Was: Stadtrundgang mit Besichtigungen
Wann: Sonntag, 29. August 2010, 15.30 Uhr
Wo: Eisenstadt
Führung & Eintritte frei, Anmeldung erbeten, aber nicht notwendig
In Bälde hier mehr Informationen!


Mehr Informationen finden Sie auf der Überblicksseite der Veranstaltungsreihe “Schalom – Salam – Grüß Gott“.

Anmeldungen:

Leben und Glaube, Veranstaltungen

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Bild der Woche – Wolf-Mausoleum

Touristen weitgehend unbekannt und selbst viele Eisenstädter kennen diese Grabstätte nicht: Hoch über den Dächern von Eisenstadt, am Abhang des Leithagebirges, mitten im Wolfgarten, befindet sich das sogenannte Wolf-Mausoleum.

Mausoleum der Familie Wolf im Wolfgarten zu Eisenstadt

Vieles erinnert in Eisenstadt an die berühmte Familie Wolf. Neben Alexander (Sándor) ist es vor allem sein Bruder Leopold, der besondere Erwähnung verdient:

Leopold Wolf wurde 1866 geboren und wurde 1883 Gesellschafter der Firma “Leopold Wolf’s Söhne” und später Firmenvorstand der Weingroßhandlung (deren Sitz im Wertheimerhaus, in dem heute unser jüdisches Museum untergebracht ist, war).

1896 heiratete er Ottilie Laschober. Für die Gemeinde Eisenstadt brach beinahe eine Welt zusammen, denn Ottilie war Christin, die auch nie zum Judentum konvertierte. Der Rabbiner – so heißt es – soll über diese Heirat derart erbost gewesen sein, dass er schwor, nie mehr die Schwelle der Synagogentür zu überschreiten, durch die das Ehepaar Wolf-Laschober gegangen sei. Was sollte man also tun? Man brach für den Rabbiner eine zweite Türe in der Synagoge aus, um ihn nicht zu zwingen, sein Wort zu brechen und dadurch noch größeres Unheil über die Gemeinde zu bringen.
Immerhin, die Kinder des Ehepaares, so hatten sich die Eltern vor dem Bürgermeister protokollarisch verpflichtet, wurden jüdisch erzogen.
Leopold Wolf starb 1926 und wurde auf dem jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt beigesetzt.

Ottilie Wolf jedoch durfte nach ihrem Tod im Jahr 1927 weder auf dem christlichen noch auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt werden. Die Familie Wolf baute daraufhin auf eigenem Grundbesitz ein Urnenmausoleum, in dem neben Ottilie Wolf-Laschober weitere Angehörige der Familie Wolf, die zwischen 1938 und 1988 verstorben sind, ihre letzte Ruhe fanden.
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Bild der Woche, Burgenland

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