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Bild der Woche – Genisa-Grab am Zentralfriedhof Wien
Tor IV (eigentlich “Tor V”) des Wiener Zentralfriedhofs: Die mehr als 250.000m2 große Fläche wurde 1911 erworben, nachdem die jüdische Abteilung am 1. Tor zu klein geworden war, und mehrfach erweitert. Am 4. April 1917 offiziell eröffnet,
spiegelt [dieser Friedhof] die Zeitgeschichte anschaulich wider: Grabreihen Exhumierter vom Währinger Israelitischen Friedhof, Urnengräber, die die Asche KZ-Ermordeter bergen [...] ein Denkmal für die kurz vor der Befreiung Ermordeten der Förstergasse, Massengräber ungarischer Juden, Grabstellen unbekannter sowjetischer jüdischer Soldaten
Steines P., Hunderttausend Steine, Grabstellen großer Österreicher jüdischer Konfession auf dem Wiener Zentralfriedhof Tor I und IV, Wien 1993, 266
Unter den mehr als 60.000 Bestatteten finden wir viele prominente Namen wie den des Rabbiners und Politikers Josef Samuel Bloch, des vormaligen und ersten Oberrabbiners von Wien nach 1945, Akiva Eisenberg, des Operettenkomponisten Leo Fall, des legendären Fußballtrainers Hugo Meisl (dessen Nachlass nun doch, übrigens seit vorgestern (!), eine neue Bleibe finden konnte) oder des Bibliothekars der Israelitischen Kultusgemeinde, Bernhard Wachstein (dem wir die Bearbeitung des älteren jüdischen Friedhofs in Eisenstadt verdanken) …
Ein besonderes Grab finden wir aber auch gleich links neben dem Eingang bzw. links von der Zeremonienhalle. Hier wurden nämlich am 14. Juni 1987 in der sogenannten Reichskristallnacht 1938 entweihte Torarollen und Gebetbücher beigesetzt.
Das Genisa-Grab am Zentralfriedhof, Tor IV, gleich links neben dem Eingang und der Zeremonienhalle
Das Grab ist ein sogenanntes Genisa-Grab. “Genisa” (oft “Geniza” geschrieben!) bedeutet wörtlich “Schatzkammer” und könnte als “liturgisches Archiv” bezeichnet werden. Als “Genisa” werden sowohl die Räume bezeichnet, in denen nicht mehr verwendbare liturgische Schriften abgelegt, als aber auch die Gräber, in denen diese bestattet werden. (Siehe etwa das Genisa-Grab am jüdischen Friedhof in Würzburg, das sich dort auch unmittelbar neben dem Friedhofseingang befindet).
Die hebräische Inschrift gibt erst einen Abschnitt aus den Klageliedern zum Tischa be-Av (Trauertag 9. Av) wieder (“Ich schreie in der Qual meines Herzens und ergehe mich in Klagen” …), danach folgt der Text, der auch auf Deutsch zu finden ist (im Hebräischen allerdings nicht “Kristallnacht”, sondern “Epoche der Shoa”):
Hier wurden am 17. Siwan 5747 (14. 6. 1987) Reste von Torahrollen begraben, die in der “Kristallnacht” des Jahres 1938 von Nazihorden entweiht, zerrissen und verbrannt wurden
Chewra Kadischa Wien, Juni 1987
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Makkabiade – einst und jetzt
Vom morgigen 5. bis 13. Juli finden in Wien die 13. Europäischen Makkabi-Spiele statt – gewissermaßen die jüdische Antwort auf Olympia.
Erwartet werden mehr als 2000 Sportler aus über 40 Nationen, die sich auf/in/an diversen Courts, Hallen, Becken, Tischen (Schach!) etc. messen werden.
Erstmals ausgetragen wurde die Makkabiade 1932 im noch jungen Tel Aviv – sportlich sicherlich hochwertig, PR-technisch vielleicht noch etwas unterentwickelt (wie der Vergleich zeigt) … ;)
Die erste Makkabiade – Tel Aviv 1932
Die aktuelle Makkabiade – Wien 2011 (Vorschau)
Schon seinerzeit war übrigens auch eine österreichische Delegation vertreten, und zwar durchaus erfolgreich:
So etwa konnten die heimischen jüdischen Zeitungen, geradezu euphorisch bezüglich des “glänzenden Verlaufs” der Spiele, österreichische Erfolge in den Box- und Schwimmbewerben (u.a. durch die damalige Spitzenschwimmerin Hedy Bienenfeld-Wertheimer) vermelden …
“Die Makkabiah” – in: Die Stimme, Wien, 7. April 1932, S. 3 (entnommen aus dem Online-Archiv “Compact Memory” – Die Stimme, Jg. 1932. H. 222, 5)
Man beachte – so nebenbei – auf derselben Seite auch das großartige, ja geradezu künstlerisch wertvolle Inserat für das “100% reine Kokosnussfett” Kunerol, hergestellt “unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S[amuel] Ehrenfeld zu Mattersburg” (!), das/der hier auch schon bei anderer Gelegenheit Thema war …
Weitere Infos zum sportlichen und Rahmen-Programm der aktuellen Wiener Makkabiade auf:
Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir – aus der breiten Presse-Berichterstattung zum Thema – die Interviews mit Makkabiade-Organisator und IKG-Vizepräsidenten Oskar Deutsch und Wiens Bürgermeister Michael Häupl.
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Tipp der Woche: Jewish Film noir
Funny, how gentle people get with you once you’re dead …
Joe Gillis in Sunset Boulevard (USA 1950/R: Billy Wilder)
Freunde von pechschwarzer Kino-Unterhaltung kommen bei dieser Filmschau mit Sicherheit auf ihre Kosten … -

Der Jüdische Filmclub Wien präsentiert ab kommenden Sonntag Noir-Klassiker des deutschen und amerikanischen Kinos, freilich mit gehöriger (exil-)österreichischer Beteiligung:
- Peter Lorres “Der Verlorene” (1951)
- Zinnemanns “Act of Violence” (1948) und natürlich –
- Billy Wilders “Sunset Boulevard” (1950) …
Trailer zu “Sunset Boulevard”
Unser Tipp der Woche:
Jewish Film Noir. Filmschau des Jüdischen Filmclubs Wien. 3. bis 7. April, Metro Kino
Details zum Programm finden Sie auf der Website des Jüdischen Filmclubs.
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Bild der Woche – Flüssiges koscheres Gedenken
Nicht schlecht gestaunt habe ich, als ich anlässlich einer Einladung vor wenigen Tagen unter den Gastgeschenken eine Weinflasche mit koscherem Rotwein entdeckte, die den berühmten “Sieben (heiligen jüdischen)-Gemeinden” gewidmet ist.
Sozusagen ein Pflicht-”Bild der Woche”-Foto ;)
Herzlichen Dank an Herrn Mag. Wolf-Erich Eckstein, Wien, der damit schon das zweite Bild der Woche beisteuert!

Koscherer Rotwein, den “Sieben heiligen jüdischen Gemeinden” gewidmet
Die Flasche trägt die Datumsangaben 5770 (= 2009/10) und 2010. Die Aufschrift “Sheva Kehillos” (Sieben-Gemeinden), findet sich sowohl mit lateinischen Buchstaben als auch mit den hebräischen Buchstaben der sogenannten Raschi-Schrift (wie ich zunächst annahm) geschrieben.
Weiter unten auf der Flasche finden wir den Koscherstempel des Wiener Gemeinderabbiners Schlomo Elieser Hofmeister. Dieser bestätigte, dass er selbst den Wein produziert und erklärte mir, dass die hebräischen Buchstaben für “Sieben-Gemeinden” streng genommen nicht Raschi-Schrift, sondern die Jüdisch-Deutsche Schrift sind, was freilich an den wenigen Buchstaben nicht erkenntlich ist.
Anmerkung: Die Jüdisch-Deutsche Schrift ist eine Weiterentwicklung der Raschi-Schrift. Die jüdisch-deutschen Texte in dieser Schrift werden auch “Weiber-Deutsch” genannt.

Koscher-Stempel von Rabbiner Schlomo Hofmeister, Wien
Unter dem Koscher-Stempel finden wir die Aufschrift יין לא מבושל (jajin lo mevuschal), also „Nicht gekochter Wein“.
Exkurs: Da von Heiden produzierter Wein in der Antike für Trankopfer (Libation) verwendet und daher mit Götzendienst gleichgesetzt wurde, war er für Juden verboten (babylonischer Talmud, Traktat Avoda sara 31a). Das Verbot wurde von den Rabbinen auch auf den “stam jenam”, den gewöhnlichen, von Nichtjuden produzierten Wein ausgedehnt, da sie vor allem die Abgrenzung gegenüber Nichtjuden durch einen zu engen sozialen Kontakt mit letzteren gefährdet sahen.
Vom Verbot des mit Nichtjuden in Berührung gekommen Weines ausgenommen war der “gekochte Wein” (jajin mevuschal) damit ist ein Wein gemeint, der für kurze Zeit so stark erhitzt wird, dass “die Hand zuckt” (bab. Talmud, Traktat Schabbat 40b).
Wenn koscherer Wein gekocht worden ist, d.h., man hat ihn soweit erhitzt, dass durch das Erhitzen seine Menge geringer geworden ist, und dann hat ihn ein Nichtjude berührt, darf man ihn sogar trinken
Kizzur Schulchan Aruch 274,3
Moderne Koscher-Weinproduzenten bewerben oft ihre Mevuschal-Weine mit dem Hinweis darauf, dass dadurch “entsprechend dem jüdischen Gesetz” Nichtjuden in Restaurants die Möglichkeit zum Öffnen der Flaschen gegeben wird.

Rückseite der Koscher-Weinflasche mit Text über die ‘Sieben-Gemeinden’
Auf der Rückseite der Weinflasche findet sich eine kurze Erwähnung der einzelnen heiligen jüdischen Gemeinden der “Sieben-Gemeinden” und ihrer berühmtesten Rabbiner sowie der Hinweis darauf, dass die Erlöse aus dem Weinverkauf ausschließlich karitativen Zwecken der jüdischen Gemeinde Wien zufließen.
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Bild der Woche – Mazzesinsel
Ungewöhnliche politische Forderungen finden sich aktuell auf mehr und mehr Leopoldstädter Hauswänden …

Graffito am Karmelitermarkt, Wien II
Urheber und Hintergründe der Aktion bleiben einigermaßen mysteriös – Blogger B. Licht hat in seinem Artikel “Jüdischer Widerstand per Hauswand” die wenigen verfügbaren Informationen über die “Yiddish Resistance” gesammelt und präsentiert deren weitere Graffitis …
Für jene unserer LeserInnen, die mit den Wiener Verhältnissen vielleicht nicht so vertraut sind: Der Begriff “Mazzesinsel” ist eine volkstümliche Bezeichnung für Wiens zweiten Bezirk, eben die Leopoldstadt, die auf die große jüdische Vergangenheit (und teils Gegenwart) des Orts anspielt (Mazzes = das ungesäuerte Brot des Pesachfestes).
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