Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schlagwort: wien

Bild der Woche – Martin-Buber-Geburtshaus

Bubers Geburtshaus, Wien, Franz-Josefs-Kai 45 Als Martin Buber 1896 zwecks Studium von Lemberg nach Wien übersiedelt, ist ihm die Stadt keineswegs gänzlich fremd: Zwar hatte Buber größte Teile seiner Kindheit…

Bubers Geburtshaus, Wien, Franz-Josefs-Kai 45


Als Martin Buber 1896 zwecks Studium von Lemberg nach Wien übersiedelt, ist ihm die Stadt keineswegs gänzlich fremd: Zwar hatte Buber größte Teile seiner Kindheit in Galizien verbracht, zur Welt gekommen aber war er 1878 eben in Wien. Es ist also die „Stadt meiner Geburt und frühesten Kindheit“, in die Buber 18-jährig zurückkehrt – und sich übrigens vom Vorlesungsbetrieb an der Wiener Universität weit weniger beeindruckt zeigt als vom Spielbetrieb des Wiener Burgtheaters …

In Bubers Rückschau erscheint besagte Rückkehr nach Wien überdies stark philosophisch-poetisch aufgeladen:

Die losen, flächigen Erinnerungsbilder schienen aus dem großen körperhaften Zusammenhang wie Scheibchen einer magischen Laterne hervor, aber auch manche Gegend, die ich nicht gesehen haben konnte, sprach mich als Bekanntes an. Die heimatliche Fremde lehrte einen täglich, wiewohl in noch undeutlicher Sprache, dass man die Welt anzunehmen und sich von ihr annehmen zu lassen habe, sie nämlich sei bereit …

Begegnung. Autobiographische Fragmente. 4. Aufl. Heidelberg 1986. S. 32.

Bubers Geburtstag, der 8. Februar, jährt sich in der kommenden Woche.



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Kopf der Woche – Bruno Kreisky

Kreisky-Büste im Bruno-Kreisky-Park in Wien V Wer könnte sich dieser Tage besser dazu eignen, unsere neue (und hiermit eingeläutete) „Kopf der Woche“-Reihe zu eröffnen als er: Bruno Kreisky, österreichischer Langzeit-Kanzler…

Kreisky-Büste im Bruno-Kreisky-Park in Wien V


Wer könnte sich dieser Tage besser dazu eignen, unsere neue (und hiermit eingeläutete) „Kopf der Woche“-Reihe zu eröffnen als er: Bruno Kreisky, österreichischer Langzeit-Kanzler und 100er-Jubilar.

Kreisky, heute irgendwo zwischen überlebensgroßem Kanzler-Ideal und ultimativem Politik-Reibebaum angesiedelt, wurde am 22. Jänner 1911 als zweitältester Sohn einer Wiener jüdischen Familie geboren.

Kreiskys Stellungnahmen zu dieser seiner „jüdischen Herkunft“ fallen freilich – wenn er auch nachdrücklich versicherte, er versuche keineswegs,

mich meines Judentums zu entledigen

Bruno Kreisky: Zwischen den Zeiten. Der Memoiren erster Teil. Wien/München: Kremayr & Scheriau 2000. S. 86

– nicht selten eigenartig schillernd aus (nicht zu reden von Kreiskys kritischer Einstellung zum Zionismus und dem Konflikt mit Simon Wiesenthal).

Beispiel gefällig?

Was ist nun von meiner Beziehung zum Judentum übriggeblieben? Primär ein wichtiges Gefühl, nämlich dass man seine Herkunft nicht verleugnen soll, besonders dann nicht, wenn man aus einer Gemeinschaft stammt, die von anderen als inferior betrachtet wird oder derentwillen man in irgendeiner Weise Unannehmlichkeiten ausgesetzt sein könnte. Man soll also so wenig sein Judentum verleugnen, wie man etwa in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg sein Deutschtum verleugnen sollte, oder wie man etwa leugnen sollte, katholisch zu sein in Ländern, in denen der Katholizismus Verfolgungen ausgesetzt ist, so wie man sich auch nicht scheuen sollte, einzuräumen, dass man der Sohn oder die Tochter einer Prostituierten ist, auch das dürfte kein Grund sein, sich zu schämen … So ist für mich der Umstand, dass ich aus dem Judentum komme, keineswegs mit einer Empfindung der Deklassierung gegenüber meinen christlichen Mitbürgern verbunden … Ich habe allerdings außer diesem Gefühl, dass man sich von seiner eigenen Herkunft nicht dispensieren kann, darf und soll, kein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl.

Bruno Kreisky: Der Mensch im Mittelpunkt. Der Memoiren dritter Teil. Wien/München: Kremayr & Scheriau 2000. S. 192

Kleines PS in eigener Sache: Unsere Serie „Bild der Woche“ wird selbstverständlich fortgeführt, nur eben ergänzt um die Kategorien „Kopf der Woche“ und (Web- bzw. Veranstaltungs-)“Tipp der Woche“, die sich in Zukunft in loser Folge abwechseln werden.



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Bild der Woche – Chanukkia

In diesen Tagen sehen wir viele Chanukkaleuchter – im Haus, in der Synagoge, im Web … ganz besonders beeindruckend aber ist jener auf den Asphalt projizierte Leuchter zwischen Holocaust-Denkmal und…

In diesen Tagen sehen wir viele Chanukkaleuchter – im Haus, in der Synagoge, im Web … ganz besonders beeindruckend aber ist jener auf den Asphalt projizierte Leuchter zwischen Holocaust-Denkmal und dem vergangene Woche neu eröffneten Museum Judenplatz in Wien (leider hatte ich nur mein Handy dabei).

Es handelt sich dabei um eine bosnische Chanukkia aus der Sammlung Max Berger, die übrigens im Original in der Ausstellung „Die Türken in Wien“ im jüdischen Museum der Stadt Wien zu sehen ist (noch bis 09. Jänner 2011). Umgesetzt wurde die Lichtprojektion von Michaela Feurstein (jüdisches Museum der Stadt Wien).


Tipp: Auch wenn es derzeit bitterkalt ist, ein Spaziergang zum Judenplatz in Wien zahlt sich insbesondere abends, in der Dunkelheit, schon alleine wegen der wunderbaren Projektion wirklich aus!

Da wir heuer auf unserer Facebook-Seite einen Chanukka-Song-Marathon veranstalten, wünschen wir (ein wenig später, aber nicht weniger herzlich) heute, am 4. Tag von Chanukka, allen Leserinnen und Lesern auch hier
ein fröhliches Chanukkafest – Happy Chanukka – חג אורים שמח!



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Bild der Woche – Der Meister

Als ich Herrn Shapira unlängst besuchte, stellte er gerade einen Zweispitz für die einzige Bereiteranwärterin der Spanischen Hofreitschule fertig. Ich durfte die junge Dame wenige Minuten später kennenlernen, als sie…

Als ich Herrn Shapira unlängst besuchte, stellte er gerade einen Zweispitz für die einzige Bereiteranwärterin der Spanischen Hofreitschule fertig. Ich durfte die junge Dame wenige Minuten später kennenlernen, als sie erfreut ihren Hut abholte. Ihrem ebenfalls jungen Kollegen wurden derweil mit dem „Conformateur“, dem traditionellen Gerät der Hutmacher, die Maße genommen.
Am Tisch noch meine Zettel mit den hebräischen Inschriften ….


Wenn ich hebräische Grabinschriften übersetze und nicht mehr weiter weiß, suche ich Hilfe … und fahre nach Wien … nein, nicht an die Universität ;), sondern ich besuche Meister Shmuel Shapira in der Biedermeier-Werkstätte seines Hutsalons, gleich neben dem Museumsquartier (den früheren Hofstallungen).
Denn der Meister führt nicht nur das traditionsreichste Wiener Hutmacherunternehmen Szaszi (gegründet 1858!), sondern hat ursprünglich eine ganz andere Art der Ausbildung genossen, nämlich an einer Jeschiva in Jerusalem. Ganz offiziell daher hier: Vielen Dank für Ihre Hilfe, Herr Shapira!

Meister Shmuel Shapira

Shmuel Shapira ist als Hutmacher Spätberufener. Eine besondere Fügung führte ihn vor vielen Jahren in die Werkstatt des bekanntesten und besten Hutmachers Wiens. Er wurde in alle Geheimnisse der Hutmacherei eingeweiht, legte die Meisterprüfungen ab und übernahm das traditionsreiche Unternehmen.

Meister Shapira bei der Arbeit

Herr Shapira fertigt die Hüte aus edelsten Materialien! Ein großer Teil der Geräte in der Werkstatt ist älter als 150 Jahre und stammt aus der Gründerzeit der Firma Szaszi.

Das 'Kunstwerk' ist gleich fertig

In jedem Fall, sind alle Arbeitsschritte getan, ist nicht „nur“ ein eleganter Hut geboren, sondern immer ein „Kunstwerk“!

Tipp: Mehr über Meister Shapira und sein traditionsreiches Unternehmen finden Sie auf seiner Website szaszi.com.



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