Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schlagwort: wolf

Schlesinger (Güns) Markus – 19. Jänner 1859

Markus (Max) Schlesinger (Mordechai ben Wolf Güns), 14. Schvat 619 (= Mittwoch, 19. Jänner 1859) B-7 (Wachstein 944) Die Grabinschrift ה“ה המרומם הנעלה והיקר כ“ה מרדכי בן המנוח הנכבד כ“ה…

Markus (Max) Schlesinger (Mordechai ben Wolf Güns), 14. Schvat 619 (= Mittwoch, 19. Jänner 1859)

B-7 (Wachstein 944)

  • Grabstein Mordechai ben Wolf Güns, 14. Schvat 619
  • älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor B


Die Grabinschrift

ה“ה המרומם הנעלה והיקר כ“ה מרדכי בן המנוח הנכבד כ“ה וואלף גינס ז“ל
נפטר יום ד’ י“ד שבט שנת תרי“ט לפ“ק

פ“נ

מחצבתו ממקור יקרה ונכבדה
ראשים נדיבים מעולם ידם הדה
דלה גם הוא לשתות מי בארם
כל מגמתו הי’ לילך בדרכי ישרם
ידע וחקק בלבו תמיד שמם וזכרם
גם יונקותיו נהל סלה על נהרם
זאת יהי’ לו לחלק ושכר לנשמתו
לחזות בנועם ה’ חלף פעולת עבודתו

תנצב“ה


Biografische Notizen

Markus Schlesinger starb im Alter von 74 Jahren an Lungenentzündung in Eisenstadt 31.


Er wurde laut Mohelbuch am 26. Elul 546/1786 geboren.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., 272

Matriken Tod Marcus Schlesinger

Matriken Tod Marcus Schlesinger


Vater: Wolf Schlesinger (Güns), gest. 12. Jänner 1840

Mutter: Chawa Schlesinger (Güns), gest. 16. April 1829

Bruder: Ahron Schlesinger (Güns), gest. 29. Dezember 1873

Ehefrau: Theresia (Rösel) Schlesinger, gest. 16. März 1851

Tochter: Katharina / Katalin (Kressel) Breuer, gest. 25. Oktober 1897, begraben am jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt

Sohn: Sigmund/Siegmund (Issachar) Schlesinger, gest. 27. Juni 1900, begraben am jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt


Archiv älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt


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Wolf Joachim – 06. Jänner 1823

Joachim (Chajjim) Wolf ha-Levi Kittsee, 23. Tevet 583 (= Montag, 06. Jänner 1823) E-3 (Wachstein 621) Die Grabinschrift ה“ה האלוף והקצין המרומם הר“ר חיים וואלף קיצע סג“ל ז“ל תנב“ע פ“נ…

Joachim (Chajjim) Wolf ha-Levi Kittsee, 23. Tevet 583 (= Montag, 06. Jänner 1823)

E-3 (Wachstein 621)

  • Grabstein Chajjim Wolf ha-Levi Kittsee, 23. Tevet 583
  • Scan Wachstein Grabstein Chajjim Wolf ha-Levi Kittsee


älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor E


Die Grabinschrift

ה“ה האלוף והקצין המרומם הר“ר חיים וואלף קיצע סג“ל ז“ל תנב“ע

פ“נ
סגן לוים

נפטר ונקבר יום ב’ כ“ג טבת תקפ“ג לפ“ק

חושך יכסה יום מבוכה לדרי ארקא
יקבצו ויקשרו הספדא על האי נרתיקא
ירא את ה’ מנעוריו ובזקוניו מנו לא נעתקא
ממקדמי לבי כנשת’ היה וממאחרי באיפוק’
זהיר וזריז במצות השם כל ימיו בתשוקא
אף את בניו הדריך בדרכי קדישא עתיקא
בתוך חסידי עליון יהי’ גורלו ובין צדיקיא
סגל עצמו במצות רבות בכל עוז וחשקא
זכות צדקתו לפניו ילך ברומא ועומקא

תנצב“ה


Biografische Notizen

Die Anmerkungen Wachsteins zu diesem bedeutenden Mann erstrecken sich über mehr als 5 Buchseiten inklusive ausführlichem Stammbaum der Familie. Hier daher nur auszugsweise das Wichtigste:

Chajjm Wolf entstammt der levitischen Familie Austerlitz, einer der angesehensten und ältesten Familien des nach 1670 neugegründeten Gemeindewesens, die wir in den vorangegangenen Nummern bis in die Anfänge des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen konnten. Den Beinamen ‚Kittsee‘ verdankt Joachim Wolf seinem Vater Meir, der offenbar in dem Orte Kittsee bei Pressburg längere Zeit wohnhaft war. Dieser Name verdrängt im Geschlechte des Meir ganz den Stammnamen Austerlitz, wozu wohl die vielen gleichen Vornamen der weit verzweigten Familie, die leicht miteinander verwechselt werden konnten, Anlass gaben. Chajjim Wolf, einer der Söhne Meir Kittsees, erwählte seinerseits seinen zweiten Vornamen Wolf, den er wohl nach seinem Urgroßvater Wolf Jeiteles Austerlitz führte, zum festen Familiennamen. Joachim Wolf ist somit der Stammvater der weit über die Grenzen Eisenstadts bekannten Familie Wolf.

Joachim war der Sohn des in Wien 1776 verstorbenen Mayer Kittsee, der ein Sohn des Salman ben Wolf Jeiteles Austerlitz war. … hat Meir Kittsee-Austerlitz außer dem Erbhause kein bedeutendes Vermögen hinterlassen. So sah sich Joachim Wolf schon in jungen Jahren gezwungen, seine eigenen Wege zu gehen. Kenntnis der Religion und der Gesetzesquellen war von je her in der Familie heimisch. Joachim Wolf bestrebte sich nun seinerseits sich einige weltliche Bildung anzueignen, die für einen Kaufmann mit größeren Zielen in der josehinischen Zeit von Bedeutung werden konnte. …

Nach der Tradition der Familie wäre er dann in das Wiener Welthaus Arnstein und Eskeles eingetreten, wo er es bis zum Buchhalter brachte. … Im Jahre 1785 lebte er jedenfalls in Eisenstadt, in welchem Jahre ihm seine erste Frau Rösel Tochter Chajjim Troppau und das mit ihr gezeugte Kind Meir starben. …

Wie bereits erwähnt, fanden wir Joachim Wolf 1789 im Vorstande der Gemeinde. Seit diesem Zeitpunkte bis zu seinem Tode gehörte er dieser Körperschaft an, in welcher er 1798 den Vorsitz führte. Ebenso war er lange Jahre Vorsteher der frommen Bruderschaft. Doch war das Verhältnis zwischen ihm und der Gemeinde oder den anderen Mitgliedern der Verwaltung nicht immer gemütlich. Es gab auch Streit und Hader, die Jahre hindurch anhielten, wie überhaupt die unverbrauchten Temperamente in den alten Judengemeinden in ihren Gefühlen unbehindert beharrlich waren …

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., 194ff


Großvater: Salman Austerlitz, gest. 02. Jänner 1725


Mutter: Sarl Kittsee, gest. 04. Dezember 1806

1. Ehefrau: Rösel Wolf, gest. 23. Oktober 1785

2. Ehefrau: Franziska (Frumet) Wolf, gest. 06. Juni 1849

Brüder:
Abraham Kittsee, gest. 25. Jänner 1823

Moses Wolf (Kittsee), gest. 29. September 1839


Töchter:
Rosine (Ruchama) Reitlinger, gest. 05. Mai 1849

Edel Klaber, gest. 01. April 1860

Gütel Spitzer, gest. 24. Oktober 1841

Rösel Schlesinger, gest. 16. März 1851

Johanna / Hanna (Chana Frau David) Mitzg/ker, gest. 05. September 1874

Söhne:
Leopold (Jehuda Löb ha-Levi) Wolf, gest. 11. Jänner 1866

Asriel (Israel) Wolf, gest. 01. Dezember 1859

Meir Wolf, gest. 29. Oktober 1785

Archiv älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt


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Bild der Woche – Wolf-Mausoleum

Touristen weitgehend unbekannt und selbst viele Eisenstädter kennen diese Grabstätte nicht: Hoch über den Dächern von Eisenstadt, am Abhang des Leithagebirges, mitten im Wolfgarten, befindet sich das sogenannte Wolf-Mausoleum. Vieles…

Touristen weitgehend unbekannt und selbst viele Eisenstädter kennen diese Grabstätte nicht: Hoch über den Dächern von Eisenstadt, am Abhang des Leithagebirges, mitten im Wolfgarten, befindet sich das sogenannte Wolf-Mausoleum.

Vieles erinnert in Eisenstadt an die berühmte Familie Wolf. Neben Alexander (Sándor) ist es vor allem sein Bruder Leopold, der besondere Erwähnung verdient:

Leopold Wolf wurde 1866 geboren und wurde 1883 Gesellschafter der Firma „Leopold Wolf’s Söhne“ und später Firmenvorstand der Weingroßhandlung (deren Sitz im Wertheimerhaus, in dem heute unser jüdisches Museum untergebracht ist, war).

1896 heiratete er Ottilie Laschober. Für die Gemeinde Eisenstadt brach beinahe eine Welt zusammen, denn Ottilie war Christin, die auch nie zum Judentum konvertierte. Der Rabbiner – so heißt es – soll über diese Heirat derart erbost gewesen sein, dass er schwor, nie mehr die Schwelle der Synagogentür zu überschreiten, durch die das Ehepaar Wolf-Laschober gegangen sei. Was sollte man also tun? Man brach für den Rabbiner eine zweite Türe in der Synagoge aus, um ihn nicht zu zwingen, sein Wort zu brechen und dadurch noch größeres Unheil über die Gemeinde zu bringen.
Immerhin, die Kinder des Ehepaares, so hatten sich die Eltern vor dem Bürgermeister protokollarisch verpflichtet, wurden jüdisch erzogen.
Leopold Wolf starb 1926 und wurde auf dem jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt beigesetzt.

Ottilie Wolf jedoch durfte nach ihrem Tod im Jahr 1927 weder auf dem christlichen noch auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt werden. Die Familie Wolf baute daraufhin auf eigenem Grundbesitz ein Urnenmausoleum, in dem neben Ottilie Wolf-Laschober weitere Angehörige der Familie Wolf, die zwischen 1938 und 1988 verstorben sind, ihre letzte Ruhe fanden.
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Ein entzückendes kleines Barockpalais

Heute haben wir eine wunderbare Fahrt nach dem früheren Ungarn zum Neusiedlersee unternommen. Der Burgtheaterdirektor Herterich besuchte uns mit seiner Freundin Stella Eisner und mit dem Ehepaar Schalom Asch und…

Heute haben wir eine wunderbare Fahrt nach dem früheren Ungarn zum Neusiedlersee unternommen. Der Burgtheaterdirektor Herterich besuchte uns mit seiner Freundin Stella Eisner und mit dem Ehepaar Schalom Asch und so fuhren wir alle zusammen dorthin.

Alles fanden wir dort: Pußta, Wasser, Schilf, Reiher, Lenau, Liszt, Zigeunerdörfer, Wildwest! …

Zum Schluss gab’s noch ein kleines Abenteuer. Wir waren in zwei Autos verteilt, und von Eisenstadt zurück fuhr ich mit Schalom Asch allein. In dieser Hügelei verloren wir die anderen aus den Augen …

Alma Mahler-Werfel in „Mein Leben“ (Frankfurt, 1996, 205)

Kurz nach ihrer Hochzeit haben Franz Werfel und seine Frau Alma also Eisenstadt und dort auch das Wolf-Museum besucht. Werfel, der sich intensiver mit Geschichte und Kultur der burgenländischen Juden auseinandergesetzt hatte, war von Sándor Wolf offenbar nachhaltig beeindruckt. In seinem Romanfragment „Cella oder die Überwinder“ (1938/39) hat Werfel dem Schicksal der Juden der „Sieben-Gemeinden“ und insbesondere den Juden Eisenstadts ein literarisches Denkmal gesetzt. Sándor Wolf begegnet uns in „Cella“ als Baron Jaques Emanuel Weil.

Die anachronistische Sonne dieses Dezembertags hatte eine Menge Leute in den Schlosspark gelockt, ältere Herren zumeist und ein paar laute Kleinbürger-Familien. Auf einem der Seitenwege begegnete ich Jaques Weil. Er hieß genaugenommen Jaques Emanuel Edler von Weil. Die Weils spielten unter den Unsrigen vergleichsweise dieselbe Rolle wie das Magnatengeschlecht Esterházy im weiten Lande. … Ihr Haus in der bewussten Gasse, ein entzückendes kleines Barockpalais, stand unter staatlichem Denkmalschutz. Die Sammlung, die Jaques angelegt hatte, und seine großartige Bibliothek führte sogar der Baedeker an.

Franz Werfel, Cella oder Die Überwinder. Versuch eines Romans, Frankfurt 1997, 39

Über Sándor und die Familie Wolf werden wir hier im Blog noch öfter lesen, mit „Sammlung“ meint Werfel das Burgenländische Landesmuseum.
Denn Sándor Wolf war Gründervater, Wohnungsgeber und ständiger Ratgeber und Förderer des Landesmuseums. Bereits Anfang der 1920er Jahre hatte er am Standort des heutigen Landesmuseums, gleich neben unserem Haus, sein Wolf-Museum errichtet.
Von Anfang an war Wolf auch die treibende Kraft für die Gründung eines Burgenländischen Landesmuseums, für das er vorerst – als Provisorium – ein anderes seiner Häuser in Eisenstadt zur Verfügung stellte. Am 14. September 1926 konnte dieses Museum durch Bundespräsident Dr. Michael Hainisch eröffnet und ab 1. Jänner 1927 endgültig der Öffentlichkeit übergeben werden.

Sándor Wolf musste nach der Beschlagnahmung seines Besitzes 1938 über Italien nach Palästina fliehen. Der Direktor des Landesmuseums, Alfons Barb, wurde von den Nationalsozialisten seines Amtes enthoben und pensioniert, „mit Entscheidung des Reichsstatthalters in Österreich vom 19. Jänner 1939 wurden der Landeshauptmannschaft Niederdonau schließlich für das Landesmuseum in Eisenstadt die 4 Wolf-Häuser zur Benützung auf die Dauer von 10 Jahren zugewiesen“.

Josef Tiefenbach, Geschichte des Burgenländischen Landesmuseums. Daten – Fakten – Bilder, Eisenstadt 2009, 34f

Das Landesmuseum ist seit 1938/39 also in jenem Häuserblock untergebracht, der neben dem jüdischen Museum liegt und den Franz Werfel offensichtlich in seinem Romanfragment „Cella oder die Überwinder“ mit dem „entzückenden kleinen Barockpalais“ meint.

Das „Landesmuseum Burgenland Neu“ wurde Ende März 2006 fertiggestellt und es ist schön, dass wieder Gründervater Sándor Wolf die BesucherInnen gewissermaßen begrüßt …


Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir das Buch von Franz Werfel „Cella oder Die Überwinder. Versuch eines Romans„, den gleichnamigen Film mit Lotte Ledl und Walther Reyer (1977) sowie das 2009 erschienene Buch „Josef Tiefenbach, Geschichte des Burgenländischen Landesmuseums. Daten – Fakten – Bilder, Eisenstadt 2009.




Update 07. Jänner 2018: Das schöne Bild von Sandor Wolf befindet sich leider nicht mehr im Eingangsbereich des Landesmuseums Burgenland.


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