Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schlagwort: wolf

Zu einem möglichst günstigen Preis…

Über den Umgang der lokalen Presse mit dem jüdischen Erbe im Jahr 1958 Vor kurzem wurde die Sammlung Wolf, jene berühmte und bedeutende Sammlung Alexander (Sándor) Wolfs, erwähnt, die Frieda…

Über den Umgang der lokalen Presse mit dem jüdischen Erbe im Jahr 1958

Vor kurzem wurde die Sammlung Wolf, jene berühmte und bedeutende Sammlung Alexander (Sándor) Wolfs, erwähnt, die Frieda Löwy-Wolf 1958 an die Republik Österreich zu verkaufen versucht hatte. Dies misslang, die größten Teile der Sammlung landeten im Auktionshaus Lukas Fischer in Luzern…

Wie aber sah die lokale Presse den Ankauf eines kleinen Teils der Sammlung durch das Burgenland?

Fündig wurde ich in der BF (Burgenländische Freiheit), der Zeitung der Sozialdemokratischen Partei des Burgenlandes (erschienen von 1921 bis 2007, mittlerweile online verfügbar).

Erwartet habe ich einen sachlichen Bericht oder gar einen Bericht, der die Entscheidung des Landes kritisch betrachtet, dass in diesem Artikel aber die ganze Klaviatur antisemitischer Klischees bedient wird, schockierte mich zutiefst:

  • Frieda Löwy-Wolf – und letztlich natürlich auch ihr Bruder Sandor – waren in Israel nicht auf Sommerfrische, sondern mussten vor den Nazis fliehen in ein Land, das sie nicht kannten und in dem sie sich neue Existenzen aufbauen mussten. Alexander (Sandor) Wolf hatte keineswegs damit gerechnet, dass er selbst und seine Sammlung nicht in Eisenstadt verbleiben können. Noch Anfang der 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts hatte er mehrere Häuser in Eisenstadt erworben, in denen er seine Bibliothek und Sammlung in 26 Räumen zugänglich machte.
  • Dieser Staat heißt seit dem 14. Mai 1948 Israel. Frieda Löwy-Wolf und ihre Familie lebten in Israel. Die BF nimmt dies 10 Jahre nach der Staatsgründung noch nicht zur Kenntnis.
  • „Die geldgierigen Juden“ – „sich zuerst bereichern und dann ans Ausland verkaufen“ – „das internationale Judentum“…
  • Selbstverständlich wäre es am besten gewesen, die ganze Sammlung zu einem möglichst günstigen Preis für das Land zu erwerben.

    Günstig für WEN?

  • jene Gegenstände…, die sich auf das Burgenland beziehen

    Im ganzen Artikel findet sich kein Wort von der viele tausend Objekte umfassenden Judaica-Sammlung, die sehr wohl einen sehr engen Bezug zum burgenländischen und insbesondere Eisenstädter Judentum hat (siehe etwa unten den wunderschönen Kidduschbecher des jüdischen Frauenvereins Eisenstadt, den unser Museum vor vielen Jahren ersteigern und so zurück ins Burgenland bringen konnte).
    Aber Hauptsache, dass die Türschlösser für ein zukünftiges Weinmuseum im Burgenland verbleiben konnten…

  • Im gesamten Artikel fehlen die Wörter „Jude, Vertreibung, Holocaust, jüdische Gemeinde, Judaica usw. völlig!
    Im vorletzten Absatz gewinnt man den Eindruck, dass mit allen Mitteln versucht wird, jede Berührung mit o.g. Wörtern zu vermeiden.



Es gäbe noch mehr anzumerken … an übertriebenem schlechtem Gewissen hat man offensichtlich nicht gelitten. Die Sprache des Artikels ist zurückhaltender, subtiler, unterschwelliger, die Anspielungen aber sind nicht weit entfernt von den typischen Motiven antisemitischer Propaganda.
Traurig.


Wesentliche Teile der Wolf-Sammlung bleiben im Burgenland
Nur ein Teil unter Denkmalschutz

In den letzten Wochen hat sich die Öffentlichkeit wiederholt mit dem Schicksal der Wolf-Sammlung beschäftigt, die bekanntlich von der in Palästina lebenden Erbin an einen ausländischen Kunsthändler verkauft wurde. Die gesamten damit verbundenen Fragen stellten das Land vor ein schwieriges Problem. Alexander Wolf war bekanntlich ein überaus kunstliebender Kaufmann, der als Weinhändler durch halb Europa kam und überall die verschiedensten kulturgeschichtlichen Erinnerungsstücke einkaufte. Die so entstandene Sammlung war in erster Reihe durch seine Persönlichkeit gekennzeichnet, stellte aber vom rein fachlichen Standpunkt aus etwas sehr Uneinheitliches dar. Als nun die Abwicklung der Erbschaft in das entscheidende Stadium trat, waren die verschiedensten Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Selbstverständlich wäre es am besten gewesen, die ganze Sammlung zu einem möglichst günstigen Preis für das Land zu erwerben. Man muss aber berücksichtigen, dass der Betrag von 1,8 Millionen Schilling im Budget eines kleinen Landes mit gewaltigen Aufgaben auf allen Gebieten eine sehr bedeutende Rolle spielt.

Es wäre selbstverständlich auch möglich gewesen, die Wolf-Sammlung zur Gänze anzukaufen und dann Teile davon abzustoßen. Tatsächlich steht nur ein Teil der Sammlung unter Denkmalschutz und es ist auch nur ein Teil kulturgeschichtlich unmittelbar mit dem Land verbunden. Es ist aber sehr fraglich, ob der Verkauf irgendwelcher Teile der Sammlung durch das Land selbst von der Öffentlichkeit als tragbar empfunden worden wäre. Es wurde demgemäß schließlich der Weg gewählt, dass von vornherein nur jene Gegenstände angekauft wurden, die sich auf das Burgenland beziehen.

Die Gesamtaufwendung des Landes beläuft sich nunmehr auf nur 650.000 S. Erworben wurden vor allem sämtliche Erinnerungsstücke an Joseph Haydn, Franz Liszt und andere große Musiker des Landes. Dieser Teil der Sammlung umfasst rund 1000 Inventarnummern. Ebenso wurde die archäologische Sammlung mit rund 5000 Inventarnummern erworben. Im Besitz des Landes verbleibt weiter die einzigartige Sammlung von Tür- und Torschlössern: Von besonderer Bedeutung für das Burgenland ist auch eine Sammlung von Gegenständen, die dereinst in einem besonderen Weinmuseum unterzubringen wären.

Zu dem reichhaltigen Bücherbestand, der nun in das Eigentum des Landes übergegangen ist, gehört unter anderem eine große Anzahl von Fachwerken über Weinbau und Kellerwirtschaft, die heute natürlich nur noch historischen Wert haben. Ferner wurden zahlreiche Originalurkunden zur Geschichte des Landes erworben, umfangreiches Bildmaterial, volkskundliche Gegenstände und interessantes Material, das sich auf die Geschichte des burgenländischen Zunftwesens bezieht.

Im großen und ganzen ist also der für das Burgenland unmittelbar wertvolle Kern der großen Sammlung erhalten geblieben und die Aufwendung hierfür steht durchaus im Verhältnis zu ihrem Wert wie zu den finanziellen Gegebenheiten des Landes. Und sosehr man es bedauern mag, dass nicht die ganze Wolf-Sammlung erworben werden konnte, so darf die nunmehrige Lösung im Hinblick auf alle zu berücksichtigenden Umstände doch nicht als ganz unbefriedigend bezeichnet werden.

BF, Samstag/Sonntag 15./16. März 1958, Seite 2

Kidduschbecher

Kidduschbecher
Inschrift oben: „Möge das Volk Israel durch Eheschließung seine Heiligung erfahren“.
Inschrift unten: „Spende des Frauenvereins zur Unterstützung
mittelloser Bräute, Gemeinde ASCH (Eisenstadt)“.
Silber, 2. H. 19. Jh.


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Wolf Viktor – 08. November 1906

Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt Viktor (Avigdor) Wolf, 21. Marcheschwan 667 (= Donnerstag, 08. November 1906) Standortnummer: 318 Foto 1993 Foto 2016 Die Grabinschrift Inschrift Viktor Wolf: Zeilengerechte Transkription und…

Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Viktor (Avigdor) Wolf, 21. Marcheschwan 667 (= Donnerstag, 08. November 1906)

Standortnummer: 318

  • Grabstein Wolf Viktor - 08. November 1906

    Foto 1993

  • Grabstein Wolf Viktor - 08. November 1906

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Viktor Wolf: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) {Levitenkrug} b(egraben) פ (כד של לויים) נ
[2] ein redlicher Mann mit untadeligem Lebenswandel איש אמונים הולך תמים
[3] und edlem Geist, der Sohn von Guten und Edelgesinnten, ויקר רוח, בן טובים ונדיבים,
[4] d(er) e(hrenhafte) H(err) Avigdor Wolf כה“ר אביגדר וואלף
[5] Sega“l, a(uf ihm sei) F(riede), סג“ל ע“ה
[6] aus dem Dorf Neudörfl. מכפר ניידארפל
[7] Ein treuer Vater seinen Söhnen, ein Mann von hohem Range. אב נאמן לנביו, אדם בתור המעלה
[8] Ein lauteres Herz und reine Hände hatte er, die Anständigkeit liebte er. Sela. בר לבב נקי כפים, יושר אהב סלה,
[9] Gemeinsam werden deine Ehefrau und deine Freunde über deinen Tod klagen. יחד יקוננו על מותך אשתך, וחבריך
[10] Das Los aller Kinder der Vergänglichkeit kam auch über dich! גורל כל בני חלוף עלה גם עליך!
[11] Den Weg der Wahrheit hast du gewählt, bis deine Ablöse kam. דרך אמונה בחרת עד בא חליפתך
[12] Dein Geist möge ruhen im Garten Eden, es möge dir vergolten werden entsprechend deiner Gerechtigkeit. רוחך תנוח בעדן, ויגמלוך כצדקתך
[13] S(eine Seele) g(ing hinweg) am 21. Marcheschwan n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). ינ ביום כ“א מרחשון תרסז לפ“ק
[14] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה



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Wolf Julie – 06. Juni 1914

Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt Julie (Jütl) Wolf, 12. Siwan 674 (= Schabbat, 06. Juni 1914) Standortnummer: 705 Foto 1993 Foto 2016 Die Grabinschrift Inschrift Jütl Wolf: Zeilengerechte Transkription und…

Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Julie (Jütl) Wolf, 12. Siwan 674 (= Schabbat, 06. Juni 1914)

Standortnummer: 705

  • Grabstein Wolf Julie - 06. Juni 1914

    Foto 1993

  • Grabstein Wolf Julie - 06. Juni 1914

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Jütl Wolf: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Hier פה
[2] ist der Ruheort der bedeutenden Frau, מנוחת האשה החשובה
[3] F(rau) Jütl, מ’ יטל
[4] Tochter des MORENU Chajim Links, בת מהו“ר חיים לינקס
[5] Ehefrau d(es) e(hrenhaften) H(errn) Chajim Seev Wolf, s(ein Andenken) m(öge auf ewige Zeiten) b(ewahrt werden). אשת כהר’ חיים זאב וואלף ז“לה’
[6] Sie ging in ihre Welt in g(utem) R(uf) הלכה לעולמה בש“ט
[7] am 12. Siwan 674 n(ach der kleinen Zeitrechnung). יום י“ב סיון תרעד ל
[8] Ehefrau eines Mannes mit großem Glauben – אשת איש ברב אמונה –
[9] eine frohe Mutter ihren Kindern, mit heiterem Herzen. אם הבנים שמחה בלב רננה
[10] Viele Frauen waren erfolgreich, doch sie über- רבות בנות עשו חיל והיא עלתה
[11] traf sie alle. על כלנה
[12] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה



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Wolf Alice – 09. Juli 1906

Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt Alice (Elke) Wolf, 16. Tammus 666 (= Montag, 09. Juli 1906) Standortnummer: 645 Foto 1993 Foto 2016 Die Grabinschrift

Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Alice (Elke) Wolf, 16. Tammus 666 (= Montag, 09. Juli 1906)

Standortnummer: 645

  • Grabstein Wolf Alice - 09. Juli 1906

    Foto 1993

  • Grabstein Wolf Alice - 09. Juli 1906

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Alice Wolf: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פנ
[2] das junge Mädchen, die unverheiratete Frau, unter den Töchtern und Schwestern הנערה הבתולה בבנות ואחות
[3] die Glücklichste und Fähigste. מאשרה ומסגלה
[4] Von edlem Geist, voll von Gefühlen für יקרת רוח מלאת התרגשות
[5] das Gute und die Barmherzigkeit, הטוב והחמלה
[6] in den hohen und erhabenen, guten Eigenschaften במדות רמות ומעלות טובות
[7] auserwählt und jung. נבחרה ונערה
[8] Ihren Mund öffnete sie in Weisheit und Demut, und Gnade פיה פתחה בדעת וענוה והחסד
[9] war die Frucht ihres Werkes. פרי מפעלה
[10] Frau Elke, a(uf ihr sei) F(riede), מרת עלקא עה
[11] Tochter des angesehenen und berühmten Fürsten, בת הנגיד המפואר והמפורסם
[12] d(es ehrenhaften) H(errn) Esriel Wolf Halevi, a(uf ihm sei) F(riede), כה עזריאל וואלף הלוי עה
[13] und seiner edlen Ehefrau, ואשתו היקרה
[14] die gepriesen sei unter den Frauen im Zelt, מנשים באהל תבורך
[15] Frau Hindel, s(ie möge leben). מרת הינדל ת’
[16] Sie starb im Ort Bad S(t). Moritz מתה במקום מרחץ ס מאריטץ
[17] am 16. Tammus 666 ביום טז תמוז תרסו
[18] und wurde zu Grabe gebracht hier והובלה לקברות פה
[19] unter Weinen und bitterster Klage בבכי ומספד תמרורים
[20] am 23. desselben (Monats). ביום כג בו.
[21] Ihre Seele möge eingebunden sein im Bund des Lebens. תהיה נשמתה צרורה בצרור החיים



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