Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schlagwort: wolf

Ein Revoluzzer

Als ich vor einiger Zeit den Grabstein des Ignaz Fischer, gestorben am 15. Februar 1923, online stellte, erinnerte ich mich, dass ich mich schon vor 20 Jahren wunderte, warum der…

Als ich vor einiger Zeit den Grabstein des Ignaz Fischer, gestorben am 15. Februar 1923, online stellte, erinnerte ich mich, dass ich mich schon vor 20 Jahren wunderte, warum der Sohn des Rabbiners von Stuhlweißenburg (ung. Székesfehérvár) und Schwager des Eisenstädter Oberrabbiners eine auffällig kurze, fast lieblos-redundanzlose und ganz offensichtlich ohne jegliches Engagement geschriebene Grabinschrift hat und außerdem weit abseits seiner Verwandten, sozusagen im hintersten Eck des Friedhofes, begraben wurde?

Und auch diesmal wunderte ich mich wieder, fand aber zunächst keine Erklärung … bis jetzt: Denn in der „Burgenländischen Freiheit„, der Zeitung der Sozialdemokratischen Partei des Burgenlandes, die – nach Anlaufschwierigkeiten – erstmals am 19. November 1921 erschien, finden wir einen höchst aufschlussreichen Bericht (beachtenswert der nicht nur im vorliegenden Artikel zu findende höchst flapsig-aggressive Stil und die zur Schau getragene Ideologie – s. etwa die Überschrift in Klammern):

Eisenstadt-Unterberg (Juden als Christlich-Soziale)

In unserer Gemeinde ereignete sich vergangene Woche ein äußerst interessanter Todesfall. Es starb der Oberbuchhalter der Firma Leopold Wolf und Söhne, Ignaz Fischer, der in seinem Testament den Wunsch äußerte, in das nächstgelegene Krematorium zwecks Verbrennung seiner Leiche überführt zu werden. Vorher wünschte er noch, dass sein Herz durchbohrt werde. Es kamen von Wien die streng orthodoxen Verwandten des Verstorbenen, die mit Hilfe einiger Mitglieder des Eisenstädter Chevra-Kadisha Vereines, um mit dem durch den Verstorbenen ernannten Testamentsvollstrecker Dr. Halasz und allen möglichen Mitteln die zur Leichenverbrennung und zum Durchbohren des Herzens getroffenen Verfügungen zu vereiteln. Wir sind überzeugt davon, dass diese Herren die übrigen testamentarischen Willensäußerungen des Verstorbenen nicht antasten werden, da diese die Verteilung seines Vermögens unter den Verwandten bestimmen. Hier wird sicher der letzte heilige Wunsch berücksichtigt werden. Wo es sich um die eigene Tasche handelt, dort wird sicher nicht gesagt werden, dass das Testament ungültig ist, weil es durch Zeugen nicht gezeichnet wurde! Die Leiche wurde natürlich begraben, als Hohn auf die Demokratie, denn wir glauben, wenn man nicht einmal über den eigenen Körper verfügen kann, so hört sich eben jede Demokratie auf. Der Verstorbene war in seinem ganzen Leben ein überzeugter Freidenker und wollte durch die oben erwähnten Wünsche seinen Angehörigen zeigen, dass seine durch sein ganzes Leben so oft bekundete Überzeugung keine leere Rede war.

BF, 2. März 1923, 3. Jahrgang, Seite 3

Vielen Dank an meine Mitarbeiterin Sonja Apfler, die das Fundstück entdeckte!

PS: Mit dem Oberbuchhalter der Firma „Weinhandlung Leopold Wolf’s Söhne“ eröffnen wir eine kleine Artikelserie über die Familie Wolf, in Kürze lesen Sie hier mehr über die „Söhne“ von Leopold Wolf …

PPS: Assoziationen des von mir für diesen Artikel gewählten Titels „Ein Revoluzzer“ mit Erich Mühsam und der BF sind selbstverständlich nicht beabsichtigt!


Keine Kommentare zu Ein Revoluzzer

Wolf Rosa – 16. Februar 1882

Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt Rosa (Rebekka) Wolf, 27. Elul 662 (= Donnerstag, 16. Februar 1882) Standortnummer: 639 Foto 1993 Foto 2016 Die Grabinschrift

Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Rosa (Rebekka) Wolf, 27. Elul 662 (= Donnerstag, 16. Februar 1882)

Standortnummer: 639

  • Grabstein Wolf Rosa - 16. Februar 1882

    Foto 1993

  • Grabstein Wolf Rosa - 16. Februar 1882

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Rosa Wolf: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Hier ist geborgen פה טמונה
[2] eine edle und verehrte Frau, die Einflussreiche, die Großartige, אשה יקרה ונכבדה הקצינה המפוארה
[3] bescheiden und gepriesen, Krone ihrer Kinder und Zierde ihrer Familie. צנועה ומהללה עטרת בניה ותפארת משפחתה
[4] In ihrem Glück priesen sie Söhne und Töchter, Schwiegersöhne und Schwiegertöchter. באשרהי אשרוה בנים ובנות חתנים וחתנות
[5] Unter den Wohlhabenden des Volkes und den Mäzenen Israels war auch sie erfolg- מעשירי עם ונדיבי ישראל אף היא עשתה
[6] reich und erwarb sich einen Namen im Verbreiten von Segen und Wohl. Sie חיל וקנתה שם להפיץ ברכה וטוב היתה
[7] verwaltete und erhielt die ganze Synagogenbruderschaft, סוכנת ופרנסת לחברת הכנסת כלה
[8] Frau Rebekka Wolf, a(uf ihr sei) F(riede), מרת רבקה וואלף ע“ה
[9] Witwe des seligen Einflussreichen, des Freigiebigen, d(es hrenhaften) H(errn) Löb Wolf Halevi, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden), אלמנת המנוח הקצין הנדיב כ“ה ליב וואלף הלוי ז“ל
[10] und Tochter des Vorstehers und Leiters, H(errn Samuel Spitz, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden). ובת הראש והמנהיג ה’ שמואל שפיטץ ז“ל
[11] Sie starb mit 82 Jahren in erfülltem hohem Alter מתה בת פ“ב שנים במלואת ספק הזקנה
[12] und Greisenalter am Donnerstag, dem 21. Schvat, abends, und wurde והשיבה יום ה’ לעת ערב כ“א שבט והובלה
[13] zu Grabe gebracht mit großer Ehre von ihren versammelten Familienangehörigen לקברות בכבוד גדול אסיפת בני משפחתה
[14] und der Versammlung aller Gemeindemitglieder am 1. N(eu)(m(ond)t(ag) Adar וקבוץ כל בני הקהלה יום א’ דר“ח אדר
[15] 642 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). תרמב לפק
[16] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה
[17] Zwölfer, Wien



Keine Kommentare zu Wolf Rosa – 16. Februar 1882

Schlesinger Theresia – 15. März 1851

Theresia (Rösel Frau Mordechai) Schlesinger, 12. Adar II 611 (= Schabbat, 15. März 1851) L-10/9/35/F-32 (Wachstein 878) Die Grabinschrift האשה החשובה דגולה מרבבה תמימה במעשיה ומפורסמת בפעולותיה הצדקית הנעימה והמהוללה…

Theresia (Rösel Frau Mordechai) Schlesinger, 12. Adar II 611 (= Schabbat, 15. März 1851)

L-10/9/35/F-32 (Wachstein 878)

  • Grabstein Rösel Frau Mordechai Schlesinger, 12. Adar II 611
  • Grabstein Rösel Frau Mordechai Schlesinger, 12. Adar II 611
  • älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor L


Die Grabinschrift

האשה החשובה דגולה מרבבה תמימה במעשיה
ומפורסמת בפעולותיה הצדקית הנעימה והמהוללה
א“ח מ ריזל אשת האלוף והמרומם הר“ר
מרדכי שלעזינגער י“נ יום א’ י“ב אדר שני שנת תרי“א לפ“ק

פ“ט

רוממו קינה ונהי על אשה כשירה
יקרה מפנינים אשר פה חצבה קברה
זכרו צדקתה ופעולתה תמה וברה
לכל עני ואביון פרשה טוב כפיה
שלחה לכל עת זכות ידיה נגד …
שחר ונשף לבית התפלה נשאה פעמיה
תנו לה מפרי ידיה להלל בשערים מעשיה

תנצב“ה


Anmerkungen

Der Grabstein ist mehrfach gebrochen, die einzelnen Teile befinden sich am Plan auf den Standorten L-10, L-9, L-35 und F-32.

Biografische Notizen

Therese Schlesinger starb im Alter von 58 Jahren an Nervenfieber in Eisenstadt.

Matriken Tod Theresia  Schlesinger

Matriken Tod Theresia Schlesinger


Vater: Joachim Wolf, gest. 06. Jänner 1823

Mutter: Franziska (Frumet) Wolf, gest. 06. Juni 1849

Brüder:
Leopold Wolf, gest. 11. Jänner 1866

Asriel (Israel) Wolf, gest. 01. Dezember 1859

(Halbbruder) Meir Wolf, gest. 29. Oktober 1859

Schwestern:
Ruchama Reitlinger, gest. 04. Mai 1849

Edel Klaber, gest. 01. April 1860

Gütel Spitzer, gest. 24. Oktober 1841

Chana Mitzker, gest. 05. September 1874

Ehemann: Markus (Max, Mordechai) Schlesinger (Güns), gest. 18. Jänner 1859

Tochter:
Katharina / Katalin (Kressel) Breuer, gest. 25. Oktober 1897, begraben am jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt

Sohn:
Sigmund/Siegmund (Issachar) Schlesinger, gest. 27. Juni 1900, begraben am jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt


Archiv älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt


1 Kommentar zu Schlesinger Theresia – 15. März 1851

Wolf Meir – 29. Oktober 1785

Meir ben Chajjim Wolf ha-Levi Kittsee, 25. Cheschwan 546 (= Schabbat, 29. Oktober 1785) W-54 (Wachstein 399) Die Grabinschrift פ“נ הילד שעשועים מאיר בן הר“ר חיים וואלף קיצע סג“ל י“ץ…

Meir ben Chajjim Wolf ha-Levi Kittsee, 25. Cheschwan 546 (= Schabbat, 29. Oktober 1785)

W-54 (Wachstein 399)

  • Grabstein Meir ben Chajjim Wolf ha-Levi Kittsee, 25. Cheschwan 546
  • älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor W


Die Grabinschrift

פ“נ
הילד שעשועים מאיר
בן הר“ר חיים וואלף קיצע
סג“ל י“ץ נפטר בש“ק כ“ה חשון
תקצ“ו לפ“ק

תנצב“ה


Anmerkungen

Zeile 2: „Das liebe Kind / das Kind der Liebkosungen“. Meir Wolf starb als Kind.

Biografische Notizen

Vater: Joachim Wolf, gest. 06. Jänner 1823

Mutter: Rösel Wolf, gest. 23. Oktober 1785


Halbbrüder:
Leopold Wolf, gest. 11. Jänner 1866

Asriel (Israel) Wolf, gest. 01. Dezember 1859


Halbschwestern:
Ruchama Reitlinger, gest. 04. Mai 1849

Edel Klaber, gest. 01. April 1860

Gütel Spitzer, gest. 24. Oktober 1841

Rösel Schlesinger, gest. 16. März 1851

Chana Mitzker, gest. 05. September 1874


Archiv älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt


Keine Kommentare zu Wolf Meir – 29. Oktober 1785

Finde:

Generic selectors
Nur exakte Ergebnisse
Suche im Titel
Suche im Inhalt
Suche in Beiträgen
Suche in Seiten
rl_gallery
Filter nach Kategorien
'Mitbringsel / Souvenirs'
Abbazia / Opatija
Cheder
Fiume / Rijeka
Friedhof Eisenstadt (älterer)
Friedhof Eisenstadt (jüngerer)
Friedhof Mattersburg
Friedhof Triest
Friedhof Währing
Genealogie
Karmacs
Kunst und Kultur
Leben und Glaube
Veranstaltungen
nach oben