Thema: Bild der Woche
Bild der Woche – Siegel
Zugegeben, die Arbeit an historischen Matriken kann eine recht trockene Angelegenheit sein. Umso erfreulicher ist es, wenn die Recherche, quasi nebenher, solch hübsche Fundstücke zutage bringt: das offizielle Siegel der jüdischen Gemeinde Mattersdorf, dem man seine mehr als 100 Jahre kaum ansieht …
Siegel der jüdischen Gemeinde Mattersdorf (bitte Bild vergößern!),
Mattersdorfer Sterbematriken, Stadtarchiv Sopron,
aufgestöbert im Rahmen der Recherchen für das (aus genannten Gründen aktuell leider auf Eis liegende) Projekt der Online-Aufarbeitung des jüdischen Friedhofs Mattersburg
Beschriftung im Außenkreis: “SIG . DER . MATERSDORFER . IUDNGIMEIN”
Im Innenkreis: Davidstern mit den hebräischen Buchstaben ק מ ד = “(Heilige jüdische) Gemeinde Mattersdorf”
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Bild der Woche – Chanukkia
In diesen Tagen sehen wir viele Chanukkaleuchter – im Haus, in der Synagoge, im Web … ganz besonders beeindruckend aber ist jener auf den Asphalt projizierte Leuchter zwischen Holocaust-Denkmal und dem vergangene Woche neu eröffneten Museum Judenplatz in Wien (leider hatte ich nur mein Handy dabei).
Es handelt sich dabei um eine bosnische Chanukkia aus der Sammlung Max Berger, die übrigens im Original in der Ausstellung “Die Türken in Wien” im jüdischen Museum der Stadt Wien zu sehen ist (noch bis 09. Jänner 2011). Umgesetzt wurde die Lichtprojektion von Michaela Feurstein (jüdisches Museum der Stadt Wien).
Tipp: Auch wenn es derzeit bitterkalt ist, ein Spaziergang zum Judenplatz in Wien zahlt sich insbesondere abends, in der Dunkelheit, schon alleine wegen der wunderbaren Projektion wirklich aus!
Da wir heuer auf unserer Facebook-Seite einen Chanukka-Song-Marathon veranstalten, wünschen wir (ein wenig später, aber nicht weniger herzlich) heute, am 4. Tag von Chanukka, allen Leserinnen und Lesern auch hier
ein fröhliches Chanukkafest – Happy Chanukka – חג אורים שמח!
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Bild der Woche – Der Meister
Wenn ich hebräische Grabinschriften übersetze und nicht mehr weiter weiß, suche ich Hilfe … und fahre nach Wien … nein, nicht an die Universität ;), sondern ich besuche Meister Shmuel Shapira in der Biedermeier-Werkstätte seines Hutsalons, gleich neben dem Museumsquartier (den früheren Hofstallungen).
Denn der Meister führt nicht nur das traditionsreichste Wiener Hutmacherunternehmen Szaszi (gegründet 1858!), sondern hat ursprünglich eine ganz andere Art der Ausbildung genossen, nämlich an einer Jeschiva in Jerusalem. Ganz offiziell daher hier: Vielen Dank für Ihre Hilfe, Herr Shapira!
Als ich Herrn Shapira unlängst besuchte, stellte er gerade einen Zweispitz für die einzige Bereiteranwärterin der Spanischen Hofreitschule fertig. Ich durfte die junge Dame wenige Minuten später kennenlernen, als sie erfreut ihren Hut abholte. Ihrem ebenfalls jungen Kollegen wurden derweil mit dem “Conformateur”, dem traditionellen Gerät der Hutmacher, die Maße genommen.
Am Tisch noch meine Zettel mit den hebräischen Inschriften ….
Shmuel Shapira ist als Hutmacher Spätberufener. Eine besondere Fügung führte ihn vor vielen Jahren in die Werkstatt des bekanntesten und besten Hutmachers Wiens. Er wurde in alle Geheimnisse der Hutmacherei eingeweiht, legte die Meisterprüfungen ab und übernahm das traditionsreiche Unternehmen.
Herr Shapira fertigt die Hüte aus edelsten Materialien! Ein großer Teil der Geräte in der Werkstatt ist älter als 150 Jahre und stammt aus der Gründerzeit der Firma Szaszi.
In jedem Fall, sind alle Arbeitsschritte getan, ist nicht “nur” ein eleganter Hut geboren, sondern immer ein “Kunstwerk”!
Tipp: Mehr über Meister Shapira und sein traditionsreiches Unternehmen finden Sie auf seiner Website szaszi.com.
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Bild der Woche – Hugo Meisl
Wien, Februar 1937:
Hugo Meisl übersiedelt ein letztes Mal. Seine jetzige Adresse: A-1110 Wien, Zentralfriedhof, 4. Tor, Gruppe 3, Reihe 4, Nr. 11. Am 21. Feber 1937 versammelt sich dort das ballesterische Mitteleuropa zu einem Geleitzug … Der Österreichische Fußball-Bund beschließt, dass zehn Männer den Platz von Hugo Meisl einnehmen sollen. So gewaltig erscheint der Erblasser.
Die Dichter wetzen bedrohlich ihre Stifte. ‘Leicht war dein Sterben, aber schwer dein Leben – Das du aus tiefster Brust dem Sport geweiht. – Wann wird es wieder deinesgleichen geben? – Dein Name glänzt in alle Ewigkeit’ …
Robert Franta/Wolfgang Weisgram: Ein rundes Leben. Hugo Meisl – Goldgräber des Fußballs. Wien: egoth 2005. S. 278
So pathetisch die Dichter-Nachrufe, so tränenreich Meisls Beerdigung: Quasi kein Fußballer-Auge sei trocken geblieben, weiß die zeitgenössische Presse zu berichten …
Todesanzeige in der “Jüdischen Wochenschrift Die Wahrheit”, Wien, 19.2.1937 (Jg. 53, Nr. 7, S. 7) – entnommen aus dem Online-Archiv Compact Memory.
Hugo Meisl, ÖFB-Generalsekretär, Teamchef des legendären österreichischen ‘Wunderteams’ und “Genius des europäischen Fußballs der dreißiger Jahre“, starb am 17. Februar 1937, sein Geburtstag jährte sich am vergangenen Dienstag, dem 16. November, zum 129. Mal.
Dazu wiederum passt eine aktuelle Meldung, die der österreichischen Museumslandschaft reizvollen Zuwachs verheißt: Nach “Standard“-Recherche nämlich prüft das Wien Museum nach allerlei politisch-administrativen Querelen gegenwärtig Pläne, Meisls ehemalige Wohnung im Wiener Karl-Marx-Hof zur “musealen Gedenkwohnung” umzugestalten …
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Bild der Woche – Die Gedenktafel
In der vergangenen Woche fanden die Gedenkfeiern anlässlich der Novemberpogrome 1938 statt.
In Eisenstadt, schräg gegenüber von unserem jüdischen Museum, befand sich die 1832 im Stil der französischen Revolutionsarchitektur erbaute Gemeindesynagoge. In den 1950er Jahren verkaufte die Israelitische Kultusgemeinde Wien das Gebäude zuerst an die Gewerkschaft, später kam das Grundstück (die Synagoge war schon vollständig abgerissen), in den Besitz einer Versicherungsgesellschaft.
Gleich neben dem Eingang dieser findet sich heute die unten abgebildete Gedenktafel.

Von einem langjährigen Museumsbesucher erfuhren wir vor kurzem, dass die Inschrift auf dieser Tafel nicht ganz richtig ist.
Der Zeitzeuge, ein älterer Herr aus einem kleinen Ort in der Nähe Eisenstadts, war als Kind in Eisenstadt im Internat, da es damals noch keine Busverbindungen zwischen seinem Heimatort und Eisenstadt gab. Und er erinnert sich genau daran, dass sie, die Schüler, nachts im Bett lagen und erzählt wurde, dass
oben in der Judengasse die Menschen knöcheltief durch das Glas gewatet sind.
Es war Mai/Juni 1938! Diese Version, dass also die Zerstörung der Gemeindesynagoge nicht erst im November 1938 erfolgte, bestätigen auch andere Zeitzeugen!
Auch der Text in der einzigen vollständigen Monografie über die Juden in Eisenstadt (Josef Klampfer, Das Eisenstädter Ghetto, 1966) muss daher wohl korrigiert bzw. ergänzt werden. Dort heißt es nämlich auch (Seite 39):
In Eisenstadt zog in der Nacht vom 9. zum 10. 11. 1938 eine mit Hacken versehene Menge in den Temel (sic!) und machte aus der Einrichtung Kleinholz. Der große Luster wurde auch nicht verschont. Die unterirdische Schatzkammer, 15 Tempelvorhänge, 7 Paar Aufsätze auf Thorarollen, eine Krone, eine Glasschatulle, ein kostbarer Trinkbecher, ein Kasten voll talmudistischer (sic!) Bücher fielen u.a. der Zerstörung zum Opfer (Angabe des H. Moritz Gabriel).
Moritz Gabriel, geboren 1887, war einer der wenigen Juden, die nach 1945 nach Eisenstadt zurückkehrten und die 1966 noch in Eisenstadt lebten, so dass Klampfer sie/ihn befragen konnte. Im November 1938 war jedoch auch Moritz Gabriel, wie alle anderen Juden Eisenstadts, nicht mehr in der Stadt. (Die burgenländischen Juden waren 1938 die ersten Juden in Österreich, die von den Ausweisungsbefehlen der Nazis betroffen waren. Schon wenige Tage nach dem Anschluss im März 1938 begann die systematische Ausweisung der Juden aus ihren Gemeinden.)
Wann genau Moritz Gabriel Eisenstadt verlassen musste, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Seine Angaben über das Novemberpogrom konnte er jedenfalls nur vom Hörensagen machen, fraglich ist, ob er bei der (ersten) Zerstörung der Synagoge im Mai/Juni 1938 noch in Eisenstadt war.
Am Gewerkschaftsgebäude war übrigens auch schon eine Gedenktafel angebracht, deren Text etwas ausführlicher und deutlicher, aber wohl auch nicht ganz korrekt war:
An dieser Stelle stand der Tempel der jüdischen Gemeinde Eisenstadt, bis Rassenwahn und nationale Überheblichkeit ihn am 11. November 1938 in Brand steckten. Der Österreichische Gewerkschaftsbund erwarb das Grundstück und erbaute 1951 bis 1952 dieses Haus. Es soll den arbeitenden Menschen in ihrem Kampf um soziale und wirtschaftliche Besserstellung dienen. In ihm soll stets der Geist menschlicher Verbundenheit und brüderlicher Zusammengehörigkeit wirken.
Alle Augenzeugen bestätigen nämlich, dass in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 die Synagoge nicht in Brand gesteckt wurde (was schon alleine deshalb glaubhaft ist, weil das Gebäude der Synagoge nicht freistehend, sondern ein Bau in der geschlossenen Häuserreihe war).
In den Jahren 1938/39 – 1945 diente der Innenraum der Synagoge den Nazis als Depotraum der Wehrmacht.
Bleibt schließlich noch anzumerken, dass es möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich ist, dass es in der Novembernacht 1938 tatsächlich wieder zu Zerstörungen an/in der Synagoge kam, dass aber die erste Zerstörung bereits Monate vorher stattgefunden hat.
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Schlagwörter: eisenstadt, shoa, synagoge | Kommentare (7)







