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	<title>Koschere Melange &#187; Burgenland</title>
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	<description>Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums</description>
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		<title>Flaschenpost an die Zukunft</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 08:26:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Guenter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Erinnerung an den Lyriker Gabor Hajnal Nach längerer Enthaltsamkeit als Gastautor dieses Bloggs möchte ich mich heute wieder zu Wort melden und auf einen aus dem südlichen Burgenland stammenden jüdischen Lyriker aufmerksam machen, dessen Geburt sich im kommenden Herbst zum 100. Male jährt. Sein Name: Gabor Hajnal. Das Licht der Welt hat dieser Mann am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Erinnerung an den Lyriker Gabor Hajnal</h3>
<p>Nach längerer Enthaltsamkeit als Gastautor dieses Bloggs möchte ich mich heute wieder zu Wort melden und auf einen aus dem südlichen Burgenland stammenden jüdischen Lyriker aufmerksam machen, dessen Geburt sich im kommenden Herbst zum 100. Male jährt.</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/gaborHajnal.jpg" width="250" height="318" alt="Gabor Hajnal" /></p>
</div>
<p>Sein Name: Gabor Hajnal. Das Licht der Welt hat dieser Mann am 4. Oktober 1912 in Kohfidisch erblickt, das damals noch zum westungarischen Komitat Vas im Königreich Ungarn gehörte (zur Gründung des österreichischen Bundeslandes Burgenland kam es bekanntlich ja erst im November 1921), gestorben ist er am 26. Jänner 1987, also vor demnächst 25 Jahren, in Budapest. In Hajnals Geburtsort Kohfidisch (im Bezirk Oberwart gelegen) gab es damals (und gibt es auch heute noch) ein Schloss der ungarischen Magnatenfamilie Erdödy.</p>
<p>Hajnal hieß bei seiner Geburt Holzer und war der Sohn einer jüdischen Kaufmanns- und Gastwirtefamilie in Kohfidisch, die 1920 nach Steinamanger/ Szombathely  übersiedelte und  ihren Namen auf Hajnal magyarisieren ließ. In Steinamanger absolvierte der junge Gabor das Gymnasium und maturierte dort 1930. Danach studierte er an der Universität in Budapest Jus, war viele Jahre als Beamter im Justizministerium in der ungarischen Metropole tätig, ehe er sich zu einem Leben als Freier Schriftsteller und Übersetzer entschloss.</p>
<p>Vor dem Zweiten Weltkrieg übersetzte er Größen der deutschsprachigen Dichtung wie Goethe, Hölderlin, Heine, Rilke, Lenau und Grillparzer ins Ungarische, in den Sechziger- und Siebziger- Jahren des vorigen Jahrhunderts dann Georg Trakl, Bertold Brecht, Paul Celan, Ingeborg Bachmann, H.C. Artmann und Erich Fried. Manchmal hatte er sogar das beklemmende  Gefühl, dass ihn seine vielfältige Übersetzungsarbeit doch ein wenig an der Produktion seiner eigenen Lyrik hindere, was er poetisch einmal so ausdrückte:</p>
<blockquote><p>Die Schatten ungeschriebener Gedichte umflattern mich<br />
Während ich fremde Verse stille“.
</p></blockquote>
<p>Die Kriegsjahre 1939 – 1945 waren für Gabor Hajnal schwere Jahre.</p>
<blockquote><p>Als Jude diskriminiert, verlor er allmählich alle Möglichkeiten als Schriftsteller tätig zu sein, musste als Hilfsarbeiter in einer Fabrik arbeiten und schließlich als Verfolgter in verschiedenen Arbeitslagern ein ständig bedrohtes Leben fristen
</p></blockquote>
<p><cite>Klara Köttner- Benigni</cite></p>
<p>Seine eigenen Gedichte, alle ungarisch verfasst und vom Rhythmus dieser sehr melodiösen und auch ein wenig pathetischen Sprache getragen, hat Hajnal in insgesamt 18 Bänden veröffentlicht. Eine Auswahl daraus in deutscher Übersetzung  ist 1978 in der DDR- Version des Verlags Philipp Reclam in Leipzig erschienen. In einem Band mit dem Titel &#8220;Walpurgisnacht&#8221;. Seine Verse im Deutschen (nach wörtlichen Rohübersetzungen von Sprachkundigen) nachgedichtet haben ausgezeichnete DDR- Autoren wie Günter Kunert und Franz Fühmann. Fühmann betonte dabei in einem Nachwort des Bandes, dass Hajnal zweifellos zu den bedeutendsten Dichtern des damaligen Ungarn gehört. Seine Gedichte seien Zeugnis der Bewältigung bitterster Lebenserfahrungen. Sie kündeten vom Standhalten und Standgehalten-Haben auch in Hiobs- Situationen. Und Fühmann zitiert dabei ein von ihm ins Deutsche übertragene Gedicht Hajnals, in dem dies auch vom Dichter aus Kohfidisch bestätigt wird.</p>
<blockquote><p>Wenn wenigstens / winterliche Kälte kreischte / so wäre Hoffnung, dass dies einmal ende / der Frühling käme und danach der Sommer/&#8230;./ aber um uns ist Herbst / ewiger Herbst.“ Und trotzdem: „Flaschenpost sind alle meine Worte / weil ich dennoch an die Zukunft glaube.
</p></blockquote>
<p>Zum Burgenland fand Hajnal wieder in den 1970ern engeren Kontakt. Er absolvierte Lesungen (<abbr>u.a.</abbr> auf Einladung des Ungarischen Kulturvereins in Unterwart) und veröffentlichte einige seiner Gedichte in den Zeitschriften &#8220;Volk und Heimat&#8221; und &#8220;Pannonia&#8221;. Darunter auch jenes, das er als persönlichen Nachruf auf den in Paris freiwillig aus dem Leben geschiedenen galizisch-jüdischen Dichter Paul Celan geschrieben hat und von Günter Kunert ins Deutsche übertragen wurde.</p>
<blockquote><p>Von Tür zu Tür tritt die Nachricht<br />
trommelte in die Ohren<br />
es prasselt der Regen und<br />
schreckt dich auf in der Nacht<br />
durchbebt den Morgen<br />
trommelt und trommelt und<br />
du begreifst nicht begreift nichts<br />
es wirbelt die Trommel.</p>
<p>Flucht vor langsam mahlender Qual<br />
durch Qual zerberstend im Augenblick<br />
In nichts.</p>
<p>Von Tür zu Tür tritt die Nachricht<br />
sein Leichnam sein gefunden<br />
es trommelt in die Ohren<br />
in den Tod ging der Überlebende<br />
seinen Platz hatte er vergeblich gesucht.</p>
<p>Flucht vor langsam mahlender Qual<br />
durch Qual zerberstend im Augenblick<br />
in nichts.</p>
<p>Seiner Worte Trommelwirbel<br />
schreckt dich auf in der Nacht<br />
durchbebt den Morgen<br />
begreifst du nichts? Begreifst du nichts?</p></blockquote>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:420px; height:315px" data="http://www.youtube.com/v/gVwLqEHDCQE?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/gVwLqEHDCQE?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p><cite>Bildnachweis: Gerald Schlag, Burgenland. Geschichte, Kultur und Wirtschaft in Biographien</cite></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Mit Joseph Roth ins jüdische Burgenland</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/11/14/mit-joseph-roth-ins-judische-burgenland/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/11/14/mit-joseph-roth-ins-judische-burgenland/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 Nov 2011 08:24:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christopher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Vorbemerkung Im August 1919 erschien in der Wiener Tageszeitung &#8220;Der Neue Tag&#8221; eine Reihe von Reise-Reportagen &#8211; Titel: &#8220;Reise durchs Heanzenland&#8220;, verfasst von &#8220;unserem nach Westungarn entsandten Sonderberichterstatter&#8220;, Joseph Roth. Der damals noch am Beginn seiner publizistischen Laufbahn stehende Roth (geboren 1894 im heute ukrainischen Brody) hatte im Frühjahr 1919 beim eben erst gegründeten (und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Vorbemerkung</h3>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/roth01.jpg" width="230" height="341" alt="Josef Roth, 1918, Quelle: http://de.wikipedia.org/..." /><br />
<a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Joseph_Roth_1918.jpg&#038;filetimestamp=20091130114315" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Im August 1919 erschien in der Wiener Tageszeitung &#8220;Der Neue Tag&#8221; eine Reihe von Reise-Reportagen &#8211; Titel: &#8220;<em>Reise durchs Heanzenland</em>&#8220;, verfasst von &#8220;<em>unserem nach Westungarn entsandten Sonderberichterstatter</em>&#8220;, Joseph Roth.</p>
<p>Der damals noch am Beginn seiner publizistischen Laufbahn stehende <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Roth" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Roth</a> (geboren 1894 im heute ukrainischen Brody) hatte im Frühjahr 1919 beim eben erst gegründeten (und im April 1920 auch schon wieder eingestellten) &#8220;Neuen Tag&#8221; angeheuert (<abbr>vgl. W.</abbr> von Sternburg: Joseph Roth. Eine Biographie. Köln 2009. S. 194-207). </p>
<p>Seine Reise durch (Deutsch-)Westungarn (eben das &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heanzenland" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Heanzenland</a>&#8220;) <abbr>bzw.</abbr> das heutige burgenländisch-ungarische Grenzland, die er zu pointierten (und, wie von Sternburg richtig anmerkt: nicht vorurteilsfreien) Texten verarbeitet, führt Roth durch einen politisch gebeutelten Landstrich (dessen Status sich letztlich erst 1921, mit der <a href="http://www.burgenland.at/burgenland/geschichte" title="Externer Link zu 'burgenland.at...'">Entstehung des Burgenlands</a>, klären wird): nach Neudörfl und (Bad) Sauerbrunn, Nagycenk/Zinkendorf und Sopron/Ödenburg </p>
<p class="tipp">(Roth: </p>
<blockquote><p>Ich würde ein großes Tor errichten als Eingangspforte und mit riesigen, weithin sichtbaren Lettern darüber schreiben: Nomen est omen! Denn nie sah ich eine Stadt, zu der der Name besser passte&#8230;) –
</p></blockquote>
<p>und schließlich nach Deutschkreutz, wo der Autor es zunächst mit einer Kostprobe burgenländischer Volkskultur zu tun bekommt, um am Ende in einer &#8220;Filiale der Leopoldstadt&#8221;, der <a href="http://www.ojm.at/gemeinden/deutschkreutz/" title="Interner Link zu unserer statischen Website - Gemeinde Deutschkreutz">Deutschkreutzer jüdischen Gemeinde</a>, zu landen&#8230;  </p>
<p>Im Folgenden Roths Beschreibung dieser letzten Station seiner &#8220;Reise durchs Heanzenland&#8221; und der Geschichte der westungarisch-/burgenländisch-jüdischen &#8220;<a href="http://www.ojm.at/gemeinden/" title="Interner Link zu unserer statischen Website">Siebengemeinden</a>&#8220;. Die Textfassung folgt (mit minimalen Anpassungen) der Veröffentlichung im &#8220;Neuen Tag&#8221;.</p>
<p>Wir wünschen viel Lese-Vergnügen!</p>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[141111]" title="'Reise durchs Heanzenland' - aus: 'Neuer Tag'"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/roth02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/roth02.jpg" width="550" height="219" alt="Zeitungsausschnitt 'Reise durchs Heanzenland' - aus: 'Neuer Tag'" /></a></p>
</div>
<h3>Reise durchs Heanzenland.<br />
Von unserem nach Westungarn entsandten Sonderberichterstatter.</h3>
<p>(&#8230;)</p>
<h4>Deutsch-Kreuz.</h4>
<blockquote><p>In Deutsch-Kreuz war Tanz- und Polterabend.<br />
Die weiten Gehöfte leer und nur die Alten waren zu Hause geblieben. Von Zeit zu Zeit kamen ein Kind oder ein Großvater des Weges daher und erzählten, dass &#8220;Marie-Tre&#8217;s&#8221; ein Sacktuch wünsche.<br />
In Deutsch-Kreuz ist die Institution der Parkettböden nicht bekannt.<br />
Man tanzt vielmehr im Hofe und eine Ziehharmonika liefert die nötige greuliche Musik.<br />
Die Mädchen, alle weiß gekleidet und mit schwarzen Kopftüchern, stehen in dichten drei Reihen hinter einander im Hofe, die Burschen stehen auf der anderen Seite, aber eher in Gruppen, viel zwangloser und freier. Manche sitzen drin in der Schenke und tun einen anständigen Zug. Auf einmal geht der Spektakel los:<br />
Aus der missgestimmten Ziehharmonika flattert ein tiefer Ton auf, wie ein schwerer, plumper Vogel versucht er, eine Weile in der Luft zu bleiben und fällt dann schwer und plumpsend zu Boden. </p>
<p>Diesem Ton folgt ein heller, junger, es klingt wie ein Hahnenschrei und auf dieses Zeichen stürzen die Burschen ohne Hüte und in Hemdärmeln aus der Schenke. Im Nu sind die Weiber vergriffen. Der Bursche hält das Mädchen nicht etwa an sich gepresst, sondern hat beide Arme um ihre Hüfte geschwungen. Der Oberarm bleibt hölzern, steif und fest, so dass das Mädchen in einem Abstand von etwa zehn Zentimetern von seinem Körper entfernt bleibt.<br />
Der Tanz ist vollkommen kunstlos und besteht aus monotonen Drehbewegungen. Man dreht sich so lange, als der Ziehharmonikamensch will, denn es gilt als Schimpf, früher aufhören zu müssen. Man dreht sich in dem engen Hofe, in dem es zum Ersticken heiß ist, bis man im eigenen Schweiße ertrinkt. Der Boden ist nass wie nach einem Platzregen.</p>
<p>Da ich ins Wirtshaus trete, singen die Leute grade ein heanzerisches französisches G’stanzel:</p>
<p>	Von da Nah und von da Fean<br />
	Lod’ ma olli ein, an jedn gseg ma gean.<br />
	Ochzig Hella is Eintrittsgöld<br />
	Des wegn is a nit g&#8217;fölt.<br />
	Denn wou spült d&#8217;Neuhausa Musi<br />
	Dou is a Hetz, a G&#8217;schpusi.</p>
<p>Man entdeckt an mir Kragen und Krawatte, hält mich für einen kommunistischen Agitator und feindselige Stille tritt plötzlich ein. Der Wirt poltert los: I kenn&#8217; Ihna gar nicht!</p>
<p>&#8220;Das macht nichts! Sie sollen mich kennen lernen!&#8221;<br />
&#8220;Was wollen’s denn?&#8221;<br />
&#8220;Was zu essen und einen Wein! Und schlafen möcht ich hier!&#8221;<br />
&#8220;Z&#8217; essen hob i selber nix und schlof’n könnens net. An Wein könnens hab’n, wenn Sö Blaugeld han.&#8221;<br />
Ich han Blaugeld und trinke einen Wein. Weil ich mit einer Hundertkronennote zahle, kommt ein Rotgardist plötzlich auf mich zu und nimmt mir dreihundert Kronen ab, worauf ich mich schleunigst aus dem Staube mache.<br />
Hundertkronennoten darf nämlich niemand besitzen, es sei denn ein Rotgardist.<br />
Nun aber kannst du in Deutsch-Kreuz drei Stunden lang herumwandern und findest kein Quartier und kein Brot. Du bist ein Fremder und wirst verachtet. Kragen, Krawatte und Hochdeutsch verraten dich. Entweder bist du ein Spion der Szegediner, so hat man Angst. Oder du bist ein Agitator <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%A9la_Kun" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Kuns</a>, so hasst man dich. Du kannst verhungern. Zumal, da sowohl der Herr Pfarrer als auch der Herr Notär irgendwo beim Tarock sitzen. </p>
<p>Plötzlich sehe ich die Große Mohrengasse auftauchen. </p>
<p>Hausierergesichter, typische Leopoldstadt. Eine Judengruppe. Sie reden hochdeutsch mit den Händen. Ihre Bewegungen halten die Mitte zwischen Bedächtigkeit und Leidenschaft. Sie reden Leitartikel über Bela Kun. Bleiche Pogromangst spukt um sie herum.</p>
<p>In Deutsch-Kreuz sind sie zu Hause. Da ich einen um Quartier bitte, lässt er mich durch einen rothaarigen, sommersprossigen Judenjungen nach dem Hause eines Glaubensgenossen führen. Ich bekomme Brot und Eier und ein Bett. Ich teile das Zimmer mit einer gelähmten Großmutter, dem  Ehepaar und zwei hübschen, schwarzäugigen Töchtern.<br />
Am Morgen erlege ich nicht weniger als fünfzig Kronen in Blaugeld und wandere weiter.<br />
Aber über die Juden in Deutsch-Kreuz muss ich noch erzählen.
</p></blockquote>
<h4>Die Juden von Deutsch-Kreuz und die Schweh-Khilles.</h4>
<blockquote><p>Mitten in Deutsch-Kreuz eine Filiale der Leopoldstadt.<br />
Siebzig jüdische Familien wohnen seit tausend Jahren im Deutsch-Kreuzer Ghetto. Denn sie wohnen alle zusammen, in einer großen Häusergruppe hinter den weiten Gehöften der reichen Bauern und führen ein eigenes Leben.<br />
In der Mitte steht der Tempel, mindestens ein paar Jahrhunderte alt. Links vom Tempel wohnt der Rabbiner, ein Mann in mittleren Jahren mit blondem Bart und einem schwarzen Samtkäppchen auf dem Haupte. Er sitzt an einem langen Tisch und um ihn herum seine Jünger. Judenburschen im Alter von sechzehn bis zwanzig. Sie lernen Talmud, alle durcheinander, in ihren monotonen Sing-Sang klingt nur von Zeit zu Zeit der grelle Schrei der Ziehharmonika vom Wirte drüben.</p></blockquote>
<p><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/roth03GR.jpg" width="550" height="354" alt="Synagoge Deutschkreutz, um 1920" class="centered" /></p>
<p class="centered">Synagoge in Deutschkreutz, um 1920</p>
<blockquote><p>
Ich will mit dem Rabbi über die Gemeinde sprechen. Er drückt mir die Hand und bittet mich um Verzeihung: er habe leider keine Zeit. Ich möchte zum Kultusvorsteher, Herrn Lipschütz, gehen.<br />
Herr Lipschütz ist ein Mann um die Fünfziger. Ist auch schon in Budapest und, als er noch jung war, sogar in Wien gewesen und hat Manieren.<br />
Er bittet mich in den &#8220;Salon&#8221;. Ein dunkelrot gehaltenes Zimmer, lauter Plüsch und Samt und verstaubte Nippessachen, Tintenfässer, Vögel, Hunde aus Bronze auf der Konsole. Der Stuhl, den er mir anbietet, ist leider durchgedrückt und ich rutsche in eine Versenkung, aus der ich mich mit vieler Mühe wieder hinausrette, um fortab am Stuhlrand sitzen zu bleiben.</p>
<p>Herr Lipschütz erzählt mir:<br />
Vor vielen Jahren seien die Juden aus Oesterreich vertrieben worden und wären zum Fürsten Esterhazy gekommen. Dieser habe ihnen sieben Gemeinden, die sogenannten &#8220;Schweh-Khilles&#8221;, angewiesen. Es sind lauter deutsche Gemeinden. In einigen haben die Juden volle Autonomie und sogar eigene Bürgermeister. Die Juden sprechen ein reines, fehlerloses, etwas hartes Deutsch und vertragen sich ausgezeichnet mit der Bevölkerung. Die deutschen Bauern machen einen strengen Unterschied zwischen &#8220;Budapester&#8221; und &#8220;unseren&#8221; Juden.</p>
<p>Das Haus des Herrn Lipschütz ist einstöckig, mit einem großen Hof. Er ist der reichste Jude in der Gemeinde und sein Name ist weit und breit bekannt.<br />
Der Kantor, der vor ungefähr 50 Jahren noch im Deutsch-Kreuzer Judentempel die Gebete sang, hieß Goldmark. Sein Sohn war der berühmte Komponist <a href="http://www.ojm.at/artikel/goldmark01/#cgoldmark" title="Interner Link zu unserer statischen Website (Artikel)">Goldmark</a>, der aus einem Deutsch-Kreuzer Judenjungen ein Mann von Weltruf ward. </p>
<p>Die Gemeinde zählt auch den ungarischen Romanschriftsteller und späteren Sektionschef Alexander Doczi rekte Dux mit Stolz zu ihren Söhnen.<br />
Die Juden von Deutsch-Kreuz und den Schweh-Khilles beschäftigen sich nur mit ehrlichem Handel und werden von der christlichen Bevölkerung sehr geschätzt. Sie haben sich rein und unvermischt erhalten und aus ihren Gesichtern klagte das Jahrtausende alte Leid Ahasvers.<br />
Sie kennen keinen Tanz, kein Fest und kein Spiel. Nur Beten und Weinen und Fasten. Die Deutsch-Kreuzer Juden fasten zweimal in der Woche und beten den halben Tag lang.<br />
Der Tempeldiener kommt morgens und abends an jede Tür, klopft mit einem Hammer und ruft die Juden zum Gebet.<br />
Ich besah mir den Hammer: er ist schon ganz klein, schwarz, fettig und &#8220;abgeklopft&#8221;. Er mag so alt sein, wie die Gemeinde.<br />
Manchmal wächst ein Judenjunge heran, hat Begabung und Glück und wird ein Goldmark oder Doczi. Aber nur manchmal.<br />
Die meisten leben und sterben, wo sie geboren sind.<br />
Das ist die Geschichte der Juden von Deutsch-Kreuz und der &#8220;Schweh-Khilles&#8221;.
</p></blockquote>
<p><cite>Joseph Roth.<br />
In: Der Neue Tag, 9. August 1919, S. 4f.</cite>  </p>
<p class="tipp"><em>Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir unsere Publikation &#8220;<a href="http://www.ojm.at/publikationen/gemeinden/" title="Interner Link zu unserer statischen Website (Puplikationen)">Aus den Sieben-Gemeinden. Ein Lesbuch über Juden im Burgenland</a>&#8220;, in der Sie diese und andere Anekdoten, Erzählungen, Reiseberichte <abbr>usw.</abbr> aus den Sieben-Gemeinden finden.</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Ari Rath &#8211; Nachlese</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/10/26/ari-rath-nachlese/</link>
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		<pubDate>Wed, 26 Oct 2011 14:45:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[israel]]></category>

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		<description><![CDATA[Trotz des Termins am Vorabend des österreichischen Nationalfeiertages kamen über 100 BesucherInnen, um in der Arbeiterkammer Burgenland in Eisenstadt den langjährigen Chefredakteur und Herausgeber der Jerusalem Post, Ari Rath, zu hören. Wenn ein Weitgereister und Wissender wie Ari Rath spricht, können natürlich 90 Minuten nicht reichen. Doch und trotz der Zeitbeschränkung: Es war ein höchst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Trotz des Termins am Vorabend des österreichischen Nationalfeiertages kamen über 100 BesucherInnen, um in der Arbeiterkammer Burgenland in Eisenstadt den langjährigen Chefredakteur und Herausgeber der Jerusalem Post, <a href="http://www.ojm.at/blog/2011/10/23/kopf-und-tipp-der-woche-ari-rath/" title="Interner LInk zum Beitrag vom 23. Oktober 2011">Ari Rath</a>, zu hören.</p>
<p>Wenn ein Weitgereister und Wissender wie Ari Rath spricht, können natürlich 90 Minuten nicht reichen. Doch und trotz der Zeitbeschränkung: Es war ein höchst informativer Abend, ein brillanter Ari Rath faszinierte das Publikum: von der Landesrätin bis zu einer großen Anzahl Jugendlicher sowie BesucherInnen aus Eisenstadt, dem Burgenland und dem angrenzenden Niederösterreich konnten begrüßt werden.</p>
<div id="mittig3d">
<ul id="bildchen5">
<li><a rel="lightbox[261011]" title="Ari Rath am 25. 10. 2011 in der AK Burgenland"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/ariRath01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/ariRath01.jpg" width="150" height="150" alt="Ari Rath am 25. 10. in der AK Burgenland" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[261011]" title="Etwa 100 BesucherInnen bei der Veranstaltung"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/ariRath02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/ariRath02.jpg" width="150" height="150" alt="Etwa 100 BesucherInnen bei der Veranstaltung" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[261011]" title="Veranstalter Thomas Lehner (AK) bedankt sich bei Ari Rath"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/ariRath03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/ariRath03.jpg" width="150" height="150" alt="Veranstalter Thomas Lehner (AK) bedankt sich bei Ari Rath" /></a></li>
</ul>
</div>
<p><br class="clear" /></p>
<p>Selbstverständlich wollen wir Sie auch diesmal online ein wenig teilhaben lassen an diesem außergewöhnlichen Abend:</p>
<p>Meine zweite Frage bezog sich auf den bekanntesten und berühmtesten Eisenstädter Juden Alexander (Sandor) Wolf, der – wie Ari Rath – 1938 über Triest nach Haifa geflohen war, wo Wolf am 2. Jänner 1946 starb. Einige Monate vor seinem Tod, im Sommer 1945, ersuchten ihn in Triest lebende Verwandte, doch nach Österreich zurückzukehren. Sandor Wolfs Antwort war: </p>
<blockquote><p>Ich beabsichtige nicht zurückkehren, weil man uns die Heimatliebe ausgebläut hat.</p></blockquote>
<p>Diese Worte Wolfs haben sich in mir nicht nur sehr tief eingeprägt, sondern sie fielen mir wieder ein, als ich las, dass Ari Rath einmal schrieb: </p>
<blockquote><p>Ich konnte nie verstehen, dass ein Teil ehemaliger österreichischer Juden gerne ihre deutsch-österreichische Sprache über all die Jahre weiter pflegte und einen österreichischen Pass annahm.
</p></blockquote>
<p><cite>Ari Rath, Von Wien nach Jerusalem. Lebensstationen, in: Ari Rath, Auf dem Weg zum Frieden. Artikel und Essays aus fünf Jahrzehnten, Berlin 2005, S. 39</cite></p>
<p>Ich fragte also Ari Rath, wie es um seine &#8220;Heimatliebe&#8221; steht und wie er seine Beziehung zu Österreich hier und heute sieht?<br />
Ari Raths Antwort war lange, im Kern sehr deutlich und sehr berührend, hören Sie selbst:</p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:420px; height:315px" data="http://www.youtube.com/v/aBMaLNNsU6c?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/aBMaLNNsU6c?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p>Ich danke sehr herzlich den Veranstaltern, insbesondere dem Initiator des Abends, Thomas Lehner sowie Frau <abbr>Mag.<sup>a</sup></abbr> Claudia Kreiner-Ebinger, dass mir die Ehre zuteil wurde, mit Ari Rath sprechen zu dürfen. Ebenso bedanke ich mich bei Lukas Lehner, dass er sich spontan bereit erklärt hat, uns film- und fototechnisch unter die Arme zu greifen. </p>
<div class="pagenavi">
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		<item>
		<title>Kopf und Tipp der Woche &#8211; Ari Rath</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/10/23/kopf-und-tipp-der-woche-ari-rath/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/10/23/kopf-und-tipp-der-woche-ari-rath/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 23 Oct 2011 09:01:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Kopf der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Tipp der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[israel]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zu Erzählungen eines Zeitzeugen. Ari Rath im Gespräch mit Johannes Reiss Wann: Dienstag, 25. Oktober, 18.00 – 21.00 Uhr Wo: Arbeiterkammer (AK) Burgenland, Wiener Straße 7, 7000 Eisenstadt, Festsaal Die Veranstaltung wurde von der AK Burgenland initiiert, in Kooperation mit unserem Museum, dem &#8220;Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller &#038; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zu</p>
<p><strong>Erzählungen eines Zeitzeugen. Ari Rath im Gespräch mit Johannes Reiss</strong></p>
<p>Wann: <strong>Dienstag, 25. Oktober, 18.00 – 21.00 Uhr</strong><br />
Wo:  <strong>Arbeiterkammer (AK) Burgenland,<br />
Wiener Straße 7, 7000 Eisenstadt, Festsaal</strong></p>
<p>Die Veranstaltung wurde von der <acronym>AK</acronym> Burgenland initiiert, in Kooperation mit<br />
unserem Museum, dem &#8220;Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller &#038; KünstlerInnen&#8221;, dem &#8220;Bund sozialdemokratischer FreiheitskämpferInnen, Opfer des Faschismus und Aktiver Antifaschist/Inn/en&#8221;, dem &#8220;Sozialdemokratischen LehrerInnenverein Burgenland&#8221;, der &#8220;Österreichischen Gewerkschaftsjugend Burgenland&#8221; und der &#8220;Sozialistischen Jugend&#8221;.</p>
<p>Ich freue mich außerordentlich mit einem der wohl berühmtesten und weitestgereisten Zeitzeugen sprechen zu dürfen. </p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[231011]" title="Titelbild 'Ari Rath, Auf dem Weg zum Frieden. Artikel und Essays aus fünf Jahrzehnten', Berlin, 2005" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/ariRathGRR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/ariRathGR.jpg" width="200" height="162" alt="Titelbild 'Ari Rath, Auf dem Weg zum Frieden. Artikel und Essays aus fünf Jahrzehnten', Berlin, 2005" /></a></p>
</div>
<p>Ari Rath wurde 1925 in Wien geboren, besuchte daselbst das Wasa-Gymnasium und wanderte im November 1938 mit der Jugendalija nach Palästina aus. Schon seit Oktober 1958 politischer und diplomatischer Berichterstatter bei der Jerusalem Post, war er von 1975 – 1989 deren Chefredakteur und Herausgeber, berichtete mehrere Jahrzehnte sozusagen aus dem Allerheiligsten der Arbeiterpartei und porträtierte die Großen in Israels Staatsgeschichte: Golda Meir, Moshe Dayan, Shimon Peres und viele andere. Legendär ist sein erster großer journalistischer &#8220;<span lang="en" xml:lang="en">Scoop</span>&#8221; 1960, als es ihm gelang, in <span lang="en" xml:lang="en">New York</span> dem inoffiziellen Treffen zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten David Ben-Gurion und dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer beizuwohnen.<br />
Das große Lebensthema Ari Raths ist die Rolle Israels in der Welt und die Zukunft des jüdischen Staates.</p>
<p><cite>Bildquelle: Titelbild &#8220;Ari Rath, Auf dem Weg zum Frieden. Artikel und Essays aus fünf Jahrzehnten, Berlin, 2005</cite></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Sukkot 5772</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/10/12/sukkot-5772/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/10/12/sukkot-5772/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 07:43:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[sukkot]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute Abend beginnt das Laubhüttenfest (Sukkot). Wir wünschen allen schöne Feiertage! &#8211; Happy Sukkot! חג שמח ומועדים לשמחה Ein Blick zurück in die Eisenstädter Judengasse am Beginn des 20. Jahrhunderts: Noch am selben Abend [Ausgang des Jom Kippur] wird zum Aufbau der Laubhütten geschritten, welche Arbeit hier freilich den Namen &#8220;Abbau&#8221; verdienen würde. In vielen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="centered"><strong>Heute Abend beginnt das Laubhüttenfest (Sukkot). Wir wünschen allen schöne Feiertage! &#8211; Happy Sukkot!</strong></p>
<p class="centered"><span class="hebr" dir="rtl">חג שמח ומועדים לשמחה</span></p>
<p>Ein Blick zurück in die Eisenstädter Judengasse am Beginn des 20. Jahrhunderts:</p>
<blockquote><p>Noch am selben Abend [Ausgang des Jom Kippur] wird zum Aufbau der Laubhütten geschritten, welche Arbeit hier freilich den Namen &#8220;Abbau&#8221; verdienen würde. In vielen Häusern befinden sich nämlich noch &#8220;gebaute Szukko&#8217;s&#8221;, d.h. Wohngeschoße, deren Dach aufhebbar ist und die, nachdem ihre Decke mit Tannenreisig belegt worden, sieben Tage hindurch als Laubhütten dienen. Fast von jedem Hausboden sah man früher diese Dachflügel, wie zwei Riesenschwingen in die Höhe ragen, um sich vor jedem Regen, wie auf Kommando schließen. Unten aber regen sich hundert tätige Hände, die die Dekorationen der Festeshütten fertig stellen wollen. Nach buntem Papier, nach Gold- und Silberflitter, nach Nüssen, Kastanien, Blumen und leeren Kürbissen ist große Nachfrage: die Kinder sind die kleinen Künstler des Tages, die weitgewanderten Talmudjünger aber meist ihre Lehrmeister. – Das Szukkothfest [Laubhüttenfest] tritt ein: schöne Tage für die sorglose Jugend. Es ist die Zeit der Nüssespiele. In allen Ecken und Hofwinkeln siehst du Gruppen von Kindern, die sich mit &#8220;Droges&#8221; vergnügen, &#8211; ein Spiel, bei dem mit einer Nuss auf eine Nusspyramide von vier Nüssen geworfen wird, &#8211; oder es wird &#8220;Bechoreles&#8221; gespielt, wobei auf den am Anfang einer liegenden Nussreihe aufrechtstehenden &#8220;Bechor&#8221; (wörtlich &#8220;Erstgeborener&#8221;) geschoben wird. [...]</p>
<p>Hoschanna-rabbo (heuer am 19. Oktober) entbehrt hier fast ganz jenes sagenreichen, gespensterhaften Charakters, den dieser Tag im Osten besitzt: der Eisenstädter ist im allgemeinen für die Mystik nicht zugänglich. Man wacht zwar bis Mitternacht, aber kein Mensch denkt daran, aus dem Mondesschatten seine Zukunft zu lesen; abends werden die &#8220;Schaines&#8221; (Hoschano&#8217;s) [Sträußchen aus fünf Weidenzweigen] in der Szukko sorgsam direkt beim Lichte der Jomkippurkerze gebunden, &#8211; die alten Lulowblätter [Palmzweige] zum Binden werden im Tempel gratis verteilt, &#8211; aber wer gedenkt des schönen, alten Nationalfestes der &#8220;Wasserschöpfe&#8221;, dem die Wasserweide ihre Bedeutung verdankt? Man weiß soviel, dass dieser 10. Tag nach Jomkippur als allerletzter Sühntag in der Reihe der &#8220;furchtbaren Tage&#8221; gilt und dies gibt dem Gottesdienste einen feierlichen Anstrich: der Vorbeter betet im Kittel [Totenhemd] und man klopft nicht, sondern ruft &#8220;in Schul&#8221; – darin besteht sein ganzer Vorzug.</p></blockquote>
<h3>Schlussfeiertage</h3>
<div class="mittig1F">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[121011]" title="Obstauswerfen zu Simchat Tora, Eisenstadt 1934"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/sukkot01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/sukkot01.jpg" width="430" height="411" alt="Obstauswerfen zu Simchat Tora, Eisenstadt 1934" /></a></p>
<p class="center">Obstauswerfen zu Simchat Tora, Eisenstadt 1934<br />
<cite>Bild-&copy;: Burgenländisches Landesmuseum</cite></p>
</div>
<blockquote><p>Der Vormittag des Sch’mini Azereth [der erste Schlussfeiertag des Laubhüttenfestes, heuer der 20. Oktober] ist noch weniger fröhlicher Natur: Die Totenerinnerung, das &#8220;Maskir Neschomes&#8221; [Seelengedächtnis] und das mit den Allüren der hohen Feiertage belegte &#8220;Geschembenschen&#8221; (Gebet um Regen) stimmen ernst.[...]</p>
<p>Heute erweisen die Jünglinge selbst der Tora ihren Tribut, indem sie ebenso wie die Kinder mit ihren Papierfahnen, an den &#8220;Hakofoth&#8221; [Rundgängen mit den Torarollen in der Synagoge] unter fliegendem Banner, teilnehmen.<br />
Und doch hat die Jugend keine Tugend. Kaum ist es Nacht geworden, so wird der getreue Eckart, der Nachtwächter, unter irgendeinem Vorwande aus der Gasse entführt oder berauscht. Die geschlossenen Haustore öffnen sich, Kisten, Leitern, Bänke werden sichtbar, bald erheben sich mitten in der Gasse Barrikadenwälle, auf denen herabgeholte Firmentafeln, Auslagenschilder, Plakate prangen. Auch sonst spukt es in den Häusern: manch schöne Gänsebrust, Obst oder Gebäck hat sich anderen Tages an fremden Orten aufgefunden; an den Gassenfronten der Häuser aber erscheinen morgens geheimnisvolle Inschriften, zu deren Deutung es jedoch selten eines Daniels bedarf.</p></blockquote>
<div class="mittig1F">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[121011]" title="Tortenabholen in Eisenstadt 1934"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/sukkot02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/sukkot02.jpg" width="430" height="307" alt="Tortenabholen in Eisenstadt 1934" /></a></p>
<p class="center">Tortenabholen in Eisenstadt 1934<br />
<cite>Bild-&copy;: Burgenländisches Landesmuseum</cite></p>
</div>
<blockquote><p>Die größere Jugend hat inzwischen ihrer Pflicht, vor der Tora zu erscheinen, Genüge geleistet und versammelt sich nun in der Gasse. Die schon vorgestern gedungene Musikkapelle zieht an, der Rabbiner, als &#8220;Bräutigam der Tora&#8221; (so wird derjenige Honoratior benannt, mit dem das Verlesen der Bibel beendet wird) wird mit klingendem Spiel aus dem Tempel abgeholt und unter dem Trauhimmel nach Hause begleitet. Dann folgt die Kontribution. Alte Eisenstädter Sitte erheischt es, dass jede Familie, in der sich ein Bräutigam oder Braut, resp. ein dieses Jahr neuvermähltes Ehepaar befindet, den jungen Leuten am Szimchath-Thora (&#8220;Freudenfest der Tora&#8221;, heuer der 21. Oktober) eine Torte überreichte, &#8211; wohl als Lösegeld dafür, dass sie dem ledigen Stande Ade gesagt. Die Torten werden deputativ von jedem einzelnen abgeholt und mit Musiktusch begrüßt. Interessant aber ist es zu sehen, wie die ärmsten Klassen mit den reichsten wetteifern, je Geschmackvolleres, Besseres zu liefern. Die schönste Torte wird dem Rabbiner übermittelt, zu den übrigen versammelt sich nachmittags die Jugend in einem Saale. </p></blockquote>
<p><cite>Fürst A., Sitten und Gebräuche einer Judengasse, Székesfehérvar 1908</cite></p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:425px; height:239px" data="http://www.youtube.com/v/5wcG5v2BFQU?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/5wcG5v2BFQU?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p class="centered">Sukkot: <span lang="en" xml:lang="en">Back to Basics</span></p>
<p class="tipp">Zum Brauch mit den Nüssen usw. lesen Sie bitte unseren <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/11/22/bild-der-woche-versoehnungsstangerl/" title="Interner Link zum Beitrag vom 22.11.09">Beitrag über das &#8220;Versöhnungsstangerl&#8221;</a> und insbesondere auch den <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/11/22/bild-der-woche-versoehnungsstangerl/#comment-102" title="Inerner Link zum Kommentar von Yoav Sapir">2. Kommentar unseres Gastautors Yoav Sapir</a>!</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Lange Nacht der Museen 2011 &#8211; Nachlese</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/10/02/lange-nacht-der-museen-2011-nachlese/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/10/02/lange-nacht-der-museen-2011-nachlese/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 02 Oct 2011 11:32:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Auch heuer nahm unser Museum wieder an der Langen Nacht der Museen teil und gleich vorweg: Es war eine tolle Nacht und wir bedanken uns sehr herzlich bei allen 577 Besucherinnen/Besuchern aus Eisenstadt und Umgebung, dem Südburgenland, Wien und München ganz herzlich, dass sie &#8211; zum Teil sehr lange &#8211; die Nacht in unserem Haus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auch heuer nahm unser Museum wieder an der <a href="http://www.ojm.at/blog/2011/09/20/lange-nacht-der-museen-2011/" title="Interner Link zum Beitrag 'Lange Nacht der Museen 2011'">Langen Nacht der Museen</a> teil und gleich vorweg: </p>
<p>Es war eine tolle Nacht und wir bedanken uns sehr herzlich bei allen 577 Besucherinnen/Besuchern aus Eisenstadt und Umgebung, dem Südburgenland, Wien und München ganz herzlich, dass sie &#8211; zum Teil sehr lange &#8211; die Nacht in unserem Haus verbracht haben!</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[021011]" title="Hebräisch-/Jiddisch-Blitzkurs"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm1101GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm1101.jpg" width="150" height="200" alt="Hebräisch-/Jiddisch-Blitzkurs" /></a>
</p>
</div>
<p>Gleich am Beginn angenehm überrascht waren wir, als der Medienraum, in dem der Hebräisch-/Jiddisch-Blitzkurs geplant war, schon vor Beginn zu klein geworden war und wir in einen größeren Raum übersiedeln mussten. Die übliche Routine einer Langen Nacht der Museen, nämlich von einer Veranstaltung zur nächsten zu laufen, kam bei uns sozusagen vorübergehend zum Stillstand, denn etwa 50 wirklich sehr Interessierte hielten eine volle Stunde aus und lernten tatsächlich alle hebräischen Buchstaben und einen jiddischen Text zu lesen ;-)<br />
<br class="clear" /></p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[021011]" title="Roman Grinberg, Hannes Laszakovits, Sasha Danilov, Wolfgang Dorer"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm1102GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm1102.jpg" width="200" height="150" alt="Roman Grinberg, Hannes Laszakovits, Sasha Danilov, Wolfgang Dorer" /></a>
</p>
</div>
<p>Kurz danach das Konzert der &#8220;<span lang="en" xml:lang="en">Vienna&#8217;s most swinging-jamming-fun-having-klezmer band</span>&#8221; unter der grandiosen Leitung von Roman Grinberg, die ein sensationelles Konzert bot. Viele BesucherInnen, die eben beim Kurs waren, blieben nun auch beim Konzert, um das Gelernte sozusagen in der Praxis zu hören. Nur unser Auditorium war leider für <abbr>ca.</abbr> 150 BesucherInnen viel zu klein. </p>
<p class="tipp">Worte können dieser faszinierenden Stunde aber ohnehin nicht gerecht werden, genießen Sie unseren kurzen Zusammenschnitt:</p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:420px; height:315px" data="http://www.youtube.com/v/0PREI8M9Y7I?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/0PREI8M9Y7I?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p class="centered">&#8220;POPULAR KLEZMER TUNES AND YIDDISH SONGS&#8221;<br />
mit<br />
Roman Grinberg – Hannes Laszakovits – Sasha Danilov – Wolfgang Dorer</p>
<p><br class="clear" /></p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[021011]" title="Nächtliche Führung in der Synagoge"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm1103GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/lndm1103.jpg" width="200" height="150" alt="Nächtliche Führung in der Synagoge" /></a>
</p>
</div>
<p>Später in de Nacht durfte Kollege Christopher etwa 30 BesucherInnen noch durch die Synagoge und das mittlerweile stockdunkle jüdische Viertel führen. Schwerpunktthema war der Schabbat, was natürlich zum Zeitpunkt kurz nach Schabbatende ganz besonders gut passte.<br />
Nochmals: Danke an alle BesucherInnen, ganz besonders an die vielen, die bei Kurs, Konzert und Führung dabei waren! :-)<br />
<br class="clear" /><br />
Und wie immer: Nach der &#8220;Langen Nacht der Museen&#8221; ist vor der &#8220;Langen Nacht der Museen&#8221;!<br />
Die Überlegungen begannen schon jetzt, denn auch für 2012 versprechen wir, weniger neuen BesucherInnenrekorden nachzujagen, sondern uns zu bemühen, auch nächstes Jahr ein attraktives und zu unserem Haus passendes Programm zu bieten.</p>
<p class="tipp">Und weil wir grad beim Versprechen sind, obwohl das hier kein Fotoblog ist: Da unsere Fotos leider wieder einmal so gar nicht der Stimmung in dieser Langen Nacht entsprechen &#8230; daran arbeiten wir in Zukunft auch intensiver! ;-)</p>
<p class="tipp">Tipp: Siehe auch die kurze Nachlese auf <a href="http://burgenland.orf.at/news/stories/2503940/" title="Externer Link zu 'burgenland.orf.at'">ORF-Burgenland</a> sowie den Beitrag in der <a href="http://tvthek.orf.at/programs/71276-ZIB-11/episodes/2979889-ZIB-11-Uhr/2979899--Lange-Nacht--ein-Erfolg" title="Externer Link zu 'tvthek.orf.at'">ZIB am 02. Oktober um 11 Uhr</a> :-)</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Bild der Woche &#8211; Rabbiner Schlesinger</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/08/21/bild-der-woche-rabbiner-schlesinger/</link>
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		<pubDate>Sun, 21 Aug 2011 08:21:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[strassbourg]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Donnerstagnachmittag besuchte Rabbiner Samuel (Akiva) Yaffe-Schlesinger mit seiner Familie (aus Frankreich, Israel, USA) unser Museum. Geboren 1939, ist er der Sohn des letzten Rabbiners Eisenstadts, Markus (Mordechai) Yaffe-Schlesinger (1931 &#8211; 1938), der wiederum seinem Vater, Karl (Akiba) Klein als Rabbiner gefolgt war. Rabbiner Samuel Schlesinger ist Oberrabbiner in Strassbourg (F). Der Besuch kam unangemeldet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstagnachmittag besuchte Rabbiner Samuel (Akiva) Yaffe-Schlesinger mit seiner Familie (aus Frankreich, Israel, USA) unser Museum. Geboren 1939, ist er der Sohn des letzten Rabbiners Eisenstadts, Markus (Mordechai) Yaffe-Schlesinger (1931 &#8211; 1938), der wiederum seinem Vater, Karl (Akiba) Klein als Rabbiner gefolgt war. Rabbiner Samuel Schlesinger ist Oberrabbiner in Strassbourg (F).</p>
<p>Der Besuch kam unangemeldet und Herrn Rabbiner Schlesinger zu begegnen, gehörte für mich zu einem der erhebensten und schönsten Momente in fast 30 Jahren Dienstzeit im jüdischen Museum.<br />
Daher nach langem wieder einmal ein – ganz besonderer – Gästebucheintrag &#8230;</p>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[210811]" title="Gästebucheintrag von Rabbiner Samuel Schlesinger"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/schlesinger01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/schlesinger01.jpg" width="550" height="322" alt="Gästebucheintrag von Rabbiner Samuel Schlesinger" /></a></p>
</div>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[210811]" title="Gästebucheintrag von Rabbiner Samuel Schlesinger"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/schlesinger02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/schlesinger02.jpg" width="550" height="365" alt="Gästebucheintrag von Rabbiner Samuel Schlesinger" /></a></p>
</div>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[210811]" title="Gästebucheintrag von Rabbiner Samuel Schlesinger"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/schlesinger03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/schlesinger03.jpg" width="550" height="298" alt="Gästebucheintrag von Rabbiner Samuel Schlesinger" /></a></p>
</div>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[210811]" title="Gästebucheintrag der Tochter von Rabbiner Samuel Schlesinger"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/schlesinger04GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/schlesinger04.jpg" width="550" height="418" alt="Gästebucheintrag der Tochter von Rabbiner Samuel Schlesinger" /></a></p>
</div>
<p class="centered">Gästebucheintrag von Rabbiner Samuel Schlesinger sowie seiner Familie</p>
<div class="pagenavi">
<div class="page-nav">
<div class="nav-previous">
&laquo; <a href="http://www.ojm.at/blog/2011/06/05/bild-der-woche-die-beruehmte-kette/" title="Bl&auml;ttern Sie in der 'Bild der Woche'-Galerie zur&uuml;ck zum vorherigen Bild">  Bild der Woche &#8220;Die berühmte Kette &#8230;&#8221;</a>&nbsp;
</div>
<div class="nav-next">
&nbsp; <a href="http://www.ojm.at/blog/2011/08/28/bild-der-woche-haus-berg-verbot/" title="Bl&auml;ttern Sie in der 'Bild der Woche'-Galerie vor zum n&auml;chsten Bild"> Bild der Woche &#8220;HAUS-BERG-VERBOT&#8221;</a> &raquo;
</div>
</div>
</div>
<p class="tipp"><em>Schicken Sie uns Ihr <a href="http://www.ojm.at/blog/ueber-das-blog/#bw" title="Interner Link zu Seite 'Über das Blog'">Bild der Woche</a> &#8230;</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ojm.at/blog/2011/08/21/bild-der-woche-rabbiner-schlesinger/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Rabbi Samuel Ehrenfeld der Ältere</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/07/31/rabbi-samuel-ehrenfeld-der-altere/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/07/31/rabbi-samuel-ehrenfeld-der-altere/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 31 Jul 2011 10:09:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Chaya-Bathya</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[mattersburg]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir unterbrechen unsere Sommerpause kurz aufgrund der morgigen Jahrzeit von Rabbiner Samuel Ehrenfeld dem Älteren, dem Großvater des berühmten &#8220;letzten&#8221; Rabbiners von Mattersburg, Rabbi Samuel Ehrenfeld des Jüngeren. Der 1. Tag des jüdischen Monats Aw (heuer: Montag, der 1. August) ist der Jahrzeittag des Mattersdorfer Rabbiners Samuel Ehrenfeld des Älteren. Er erblickte im Jahre 1839 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir unterbrechen unsere Sommerpause kurz aufgrund der morgigen Jahrzeit von Rabbiner Samuel Ehrenfeld dem Älteren, dem Großvater des berühmten &#8220;letzten&#8221; Rabbiners von Mattersburg, <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Shmuel_Ehrenfeld" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Rabbi Samuel Ehrenfeld des Jüngeren</a>.</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[310711]" title="Titelseite 'Chatan Sofer'"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/ehrenfeldGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/ehrenfeld.jpg" width="250" height="377" alt="Titelseite 'Chatan Sofer'" /></a>
</p>
</div>
<p>Der 1. Tag des jüdischen Monats Aw (heuer:  Montag, der 1. August) ist der Jahrzeittag des Mattersdorfer Rabbiners Samuel Ehrenfeld des Älteren. Er erblickte im Jahre 1839 in Pressburg das Licht der Welt. Die folgende biographische Skizze folgt im Wesentlichen dem Nachruf im &#8220;Israelit&#8221; (Nr. 68 (1883), S. 1149-1151), einer von Rabbiner Dr. Markus (Mordechai) Lehmann in Mainz herausgegebenen deutsch-jüdischen Zeitschrift. </p>
<p>Rabbi Samuels Vater, Rabbi David Hisch (Zwi) Ehrenfeld, ein Schüler des <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/10/13/akiba-eger-und-chatam-sofer/" title="Interner Link zum Beitrag 'Akiba Eger und Chatam Sofer'">Chatam Sofer</a>, war ein frommer und gelehrter Mann, der sich zeitlebens weigerte, eine rabbinische Stelle zu übernehmen und als Kaufmann seinen Lebensunterhalt verdiente. Er muss ein glänzender Toragelehrter und vorbildlicher Mensch gewesen sein, denn sein Meister wählte ihn zum Mann seiner Tochter aus.<br />
R. Samuel erbte die hervorragenden Geistesgaben sowie die Liebe zur Tora von beiden Elternteilen, sog sie gleichermaßen mit der Muttermilch auf, und das machte sich auch bald bemerkbar: </p>
<blockquote><p>In seinem Sohne Rabbi Samuel erwacht schon im Knabenalter eine glühende Liebe und Lust zur Thora. Er besuchte bald die Jeschiwa seines Onkels בעל כתב סופר [Verfasser des Werkes "Ketaw Sofer"], und wohin der junge R. Samuel kam, erregte er durch seine talmudischen Kenntnisse großes Aufsehen.
</p></blockquote>
<p>Seine Begeisterung – und dieser Ausdruck ist in diesem Falle wörtlich zu verstehen – für die Tora behielt er zeitlebens bei:</p>
<blockquote><p>Von frühem Morgen bis gegen Mitternacht saß er über seinen Folianten gebeugt und wer ihm dann ins Gesicht sah, der glaubte ופניו מאיר&#8217; כזהר שכינה – etwas von jenem höhern göttlichen Geiste auf seinen begeisterten Zügen zu bemerken.
</p></blockquote>
<p>Ist es ein Wunder, daß dieser Gelehrtentypus sich nichts sehnlicher wünschte als ungestört sich dem Lernen hingeben zu können?</p>
<blockquote><p>Sein bescheidener ruhiger Charakter sehnte sich nach einem ruhigen, unabhängigen und bescheidenen Wirkungskreise. Sein sehnsüchtiges Verlangen wurde erfüllt, ein reicher angesehener ת&#8221;ח [Toragelehrter] R. Bunem Paschkus aus Szerdahely [Dunajská Streda] nahm ihn als Schwiegersohn und verschaffte ihm die Gelegenheit ganz seinem edlen Wunsche gerecht zu werden. Trotzdem er sich dem Kaufmannstande widmete, beschäftigte er sich ununterbrochen  בלימוד תה&#8221;ק [mit dem Studium der heiligen Tora].
</p></blockquote>
<p><cite>Israelit 68 (1883), S. 1150</cite></p>
<p>Dem Artikel im &#8220;Israelit&#8221; zufolge war die Ehe eine gelungene; die Eheleute führten ein glückliches und harmonisches Familienleben:</p>
<blockquote><p>Welch ein glückliches Familienleben er mit seiner gleichgesinnten Gattin, die השב&#8221;ה [Gott, gelobt sei er] trösten möge, führte, das weiß nur derjenige zu würdigen, der, wenn auch kurze Zeit, das Glück hatte in seiner Nähe zu weilen. Die Erziehung seiner Kinder im Geiste des Judenthums machte er zu seiner ersten Lebensaufgabe, sein sanftes, liebenswürdiges Wesen, sein edles Beispiel wirkte belehrend und erziehend, diese Liebenswürdigkeit wahrte er aber auch gegen Jedermann.
</p></blockquote>
<p>Die Söhne wuchsen ebenfalls zu großen Gelehrten auf: Rabbi Simcha Bunem (Bernhard) wurde später seines Vaters Nachfolger in Mattersdorf, und R. David Zvi, seines Zeichens Gemeindevorsteher in Surany, wurde der Schwiegervater seines Neffen <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Shmuel_Ehrenfeld" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Rabbi Samuel Ehrenfeld des Jüngeren</a> (der letzte Mattersdorfer Rabbiner).</p>
<p>Es wäre schade gewesen, wenn dieser hervorragende Gelehrte und Erzieher sich mit seiner Rolle als Kaufmann begnügt hätte. Zum Glück hatte man seine Fähigkeiten bald erkannt und drang in ihn, doch ein Rabbinat zu übernehmen.</p>
<blockquote><p>Im Gegensatz zu seinem Vater vermochte er sich der rabbinischen Tätigkeit auf die Dauer nicht entziehen. In Folge wiederholter Aufforderung folgte er 1866 dem Ruf nach Bethlen [Beclean] in Siebenbürgen und zwei Jahre später nach Szikszó in Ungarn.
</p></blockquote>
<p>1877 erreichte ihn der Ruf aus Mattersdorf. Er erklärte sich dazu bereit, überlegte es sich später aber wieder – wohl auf Drängen der Gemeinde Szikszó hin – und wollte in seinem Amt bleiben, so heißt es im Israelit (Nr. 32 (1877), S. 763). Zwei Wochen später berichtet das Blatt, Rabbi Samuel werde nun doch nach Mattersdorf gehen (Nr. 35 (1877), S. 840.</p>
<p>Die damaligen ungarischen Rabbiner waren für sämtliche religiösen Funktionen in ihren zumeist nicht sehr großen Gemeinden zuständig: außer Leitung des Gottesdienstes in der Synagoge, der Beantwortung von religionsgesetzlichen Fragen, der Vornahme von Trauungen und Begräbnissen sowie der Überwachung des Kaschrut-Wesens oblag dem Rabbiner auch die Matrikenführung, und last but not least der Toraunterricht. Und dieses Gebiet war es auch, auf dem Rabbi Samuel seine größten Leistungen erbrachte.</p>
<p>Seine ersten Erfahrungen im Unterrichten machte der junge Rabbi Samuel noch in Pressburg. Und als einmal sein Onkel, der Oberrabbiner auf Anraten der Ärzte auf Kur fahren musste, so war er, der &#8220;noch sehr junge&#8221; Kaufmann, einer seiner Stellvertreter an der Jeschiwa (Israelit 29 (1861), S. 353).</p>
<blockquote><p>[Es] strömten aus ganz Ungarn zahlreiche בחורים [Bachurim, Studenten], um bei ihm zu lernen. Er war buchstäblich im ganzen Gebiete des jüdischen Wissens zu Hause, durchdrang den ganzen Talmud, mit jenem eigenthümlichen Scharfblick, der ihn immer auf den geraden Weg führte. Wer bei R. Samuel das Glück hatte, nur kurze Zeit zu verweilen, trug דברי תורה  [Worte der Tora] davon. Er glich wahrhaft einem nie versiegenden Quell, aus dem immer Thora sprudelte. </p>
<p>Allgemein gerühmt wird die Art und Weise seines Vortrages, die das Schwierigste und Verwickeltste einem Jeden auch minder Befähigten klar und zugänglich zu machen wußte. Unübertrefflich war aber seine Lehrfähigkeit im Gebiete des Talmuds; jeder Schüler mußte bei ihm Fortschritte machen, denn der Verblichens wußte jeden für die Thora zu begeistern, und sein Fleiß im Thorastudium nahm nie ab.
</p></blockquote>
<p>Schon in Szikszó hatte er eine eigene, sehr gut besuchte Jeschiwa geleitet. Diese führte er dann in Mattersdorf weiter. Diese Gemeinde zählte zu jener Zeit etwa 200 Mitglieder. Der &#8220;Israelit&#8221; (Nr, 2 (1878), S. 37) berichtet über die Jeschiwa, dass an ihr 80 Bachurim studierten. Zum Zweck der Verköstigung der meist armen Studenten gründete er den Verein Chewrat Mesonot [Ernährungsverein] – jedes Gemeindemitglied verpflegte mindestens einen Bachur einmal in der Woche den ganzen Tag. Auch die Juden in den umliegenden Dörfern beteiligen sich mit finanzieller Unterstützung an diesem Verein.</p>
<p>Einige Informationen über die Größe der Jeschiwa und ihre finanziellen Lage im Jahre 1882 lassen sich dem folgenden Spendenaufruf eines gewissen H. Wolffing aus Würzburg entnehmen (Israelit 3 (1882), S. 67):</p>
<blockquote><p>Matterdorf (Ungarn). Mitleidsgefühle der mannigfachsten Art, wahre Nächsten- und Bruderliebe sind es, durch die ich mich dringend veranlaßt sehe, eine sehr bedeutungsvolle, gewiß bescheidene Bitte an die geschätzten Leser zu richten.</p>
<p>Die Jeschibah zu Mattersdorf gehört bekanntlich zu den hervorragensten und am zahlreich besuchtesten Ungarns, indem mehr als 110 Bachurim ה&#8217; יברכם [Gott segne sie]  sich hier befinden, um aus dem reichlich sprudelnden Borne des hochzuverehrenden  הרב הגאון והקדוש נ&#8221;י [des genialen und heiligen Rabbiners, sein Licht leuchte] zu schöpfen und dem Thorastudium obzuliegen. Aus fernen Gegenden nicht nur Ungarns, sondern auch anderer Länder weilen hier Schüler, dr Zudrang wird ein immer größerer und die Zahl Derjenigen, die der Unterstützung bedürfen, wird somit immer beträchtlicher. Wenn man nun auch der hiesigen Gemeinde zu sehr großem Danke für ihr gefälliges stetes Wohlwollen verpflichtet ist, so sind diese Beiträge gar zu gering, um das gewünschte Resultat zu erzielen, da Mattersdorf ja nur ein kleiner Marktflecken und der größte Theil der Jeschiba den Unbemitteln zuzuzälen ist. Als Schüler unseres hochzuverehrenden הרב הגאון נ&#8221;י [des genialen Rabbiners, sein Licht leuchte] und als College vieler lieber Freunde, die fast während der ganzen Woche von Brod und Obst leben, halte ich es für meine heilige Pflicht, im Vertrauen auf den vielfach bewährten Wohlthätigkeitssinn der geschätzen Leser an diese das hochwichtige Ersuchen zu richten, ihre wohlwollende Gesinnungen auch öfters der hiesigen Jeschibah in entsprechender Weise zeigen zu wollen.</p>
<p>Kann doch ein Jeder, der diesen Zeilen seine Aufmerksamkeit schenken möchte und diesem Wunsche ein bereitwilliges Ohr leihen würde, in der That sich durch dieses Werk עולם הבא die jenseitige Welt erkaufen. Indem die dahier Lernenden ihre ganze Thätigkeit dem Studium der hl. Thora widmen und bei echter יראת שמים [Gottesfurcht] nur לתורה ולעבודה [dem Torastudium und dem Gebet] leben, so würden edle Freunde und Gönner mit einer etwa monatlichen oder vierteljährlichen Einsendung des Betrages an den Verein der Jeschiba zu Matterdorf, Ungarn eine מצוה [Gebot, Wohltat] thun, die sowohl für diese als für jene Welt  ihren Lohn sicherlich in sich birgt und mit vollem Rechte kann man einem Jedem, der edlen Spendenden zurufen:  מה רב טובך אשר צפנת  (Psalm 31, 20). Wie groß ist doch der Lohn, den Du Deinen Frommen aufbewahrst!</p></blockquote>
<p>Von seiner Leidenschaft, nämlich der Unterweisung der heiligen Lehre, wollte Rabbi Samuel auch nicht lassen, als dies seiner Gesundheit schadete. Diese seine schwache Gesundheit war vielleicht erblich bedingt. Schon sein Vater, der 1861 mit 54 Jahren das Zeitliche segnete, hatte während seiner ganzen Lebenszeit mit physischen Leiden zu kämpfen gehabt (Israelit 47 (1861), S. 569-570).</p>
<p>Im Nachruf von Rabbiner Grünwald aus Ödenburg (Sopron) wird hervorgehoben, wie sehr ihm seine Jeschiwa am Herzen lag:</p>
<blockquote><p>&#8230; trotzdem es ihm von den Ärzten verboten wurde, seiner Kränklichkeit wegen, מרביץ תורה ברבים [Tora in der Öffentlichkeit zu unterrichten] zu sein, eine Jeschiwa zu halten, die Jeschiwa dennoch nicht aufgab, denn er sagte: Wenn keine Jeschiwa – למה לי חיים? [Was soll mir das Leben?] [...]
</p></blockquote>
<p>Dasselbe betont der Nachruf in der Berliner &#8220;Jüdischen Presse&#8221;:</p>
<blockquote><p>Trotz der eindringlichen Abmahnung der Ärzte und der Professoren konnte sich derselbe nicht entschließen, des anstrengenden talmudischen Vortrages, welcher er unausgesetzt seinen Schülern zu Teil werden ließ, sich zu enthalten, und erst als bereits der Todeskeim seine Gesundheit vollends zu untergraben und zu zerstören begann, also ein starkes Lungen- und Brustübel ein solches Vorhaben unmöglich machte, erst dann entschloß er sich schwersten Herzen[s], seine Tätigkeit zu unterbrechen und einen Erholungsort aufzusuchen, von dem er nicht mehr lebend zurückkehren sollte.
</p></blockquote>
<p><cite>Jüdische Presse (Berlin) 34 (1883), S. 400</cite></p>
<p>Über sein Ende berichtet der &#8220;Israelit&#8221; im eingangs erwähnten Nachruf:</p>
<blockquote><p>Seit Anfangs Winter [1882] verschlimmert sich allmählich sein Leiden, so daß der Verklärte ז&#8221;ל [gesegneten Andenkens], der keine höheren Freuden auf Erden kannte als  להרביץ תורה    [Tora zu unterrichten] schon damals die שעורים [Lektionen] mit seinen תלמידים [Schülern] unterbrach. Auf Anrathen der Ärzte reiste er nach Kirling [Kierling, gehört heute zu Klosterneuburg; es gab dort ein Sanatorium] zur Erholung, wo aber die dortigen Ärzte und die herbeigerufenen Professoren erklärten, daß das Leiden ein höchst gefährliches sei. Von allen Seiten, wohin die Kunde gelangt war, liefen täglich Erkundigungen und theilnahmsvolle Briefe ein; תפלות ציבור ויחיד [Gebete  von Einzelnen und von der Gemeinschaft] stiegen zu dem himmlischen Arzte ב&#8221;ה [gelobt sei er] auf. </p>
<p>Allein Er in seinem unerforschlichen Rathe hatte es anders beschlossen. In den letzten Tagen des Lebens של אמ&#8221;ו [des Lehrers und Meisters] eilten sämmtliche Kinder, Verwandte, an das Krankenlager des theuren Vaters und Lehrers; bis zur letzten Stunde, seines Lebens versäumte er keine תפלה [Gebet] und war beständig מהרהר בד&#8221;ת [dachte an die Worte der Tora]. </p>
<p>In der Nacht zu שבת ר&#8221;ח אב [Samstag, Monatsbeginn Aw = 1. Aw] trat eine solche Verschlimmerung ein, daß nach dem Urtheile erfahrener בני חברא [Mitglieder der Beerdigungsgesellschaft] das Schlimmste zu befürchten war. Nach 11 Uhr Vormittags sank er nach kurzem Gebete zurück und starb eine wahre מיתה בנשיקה [leichten und schnellen Tod].
</p></blockquote>
<p>Über die Trauer der Angehörigen und Gemeindemitglieder sowie über das Begräbnis heißt es:</p>
<blockquote><p>Die Schilderung des Schmerzes der Nächstbetheiligten und als die Hiobspost an die Bewohner Mattersdorfs gelangte, die mit seltener Verehrung und Hochachtung an ihren(!) Rabbiner hingen, ist unbeschreiblich. </p>
<p>Nachdem der Telegraphendrath die Trauerkunde על הלקח ארון אלקים [über das Hinwegnehmen der Bundeslade] verbreitet hatte, eilten zu der הלויה [Trauerkondukt], die auf Dienstag 9 festgesetzt war, selbst aus weiter Ferne, Verwandte, Freunde, Schüler, zahlreiche Rabbinenen(!) und einzelne Deputationen der Gemeinden.Von den zahlreichen Rabbinen und Rab.Col., die zur לויה [Trauerzug] eintrafen, sprachen am Grabe sein Sohn R. D. H. aus Suran, sein Onkel R. Spitzer, Wien, sein Cous. R. S. Schreiber, Erlau, sein Neffe Rabb. Glaser, Klausenburg, Rabb. As. Kohn, Mattersdorf, Rabb. Katz, Kreutz, Rabb. Alt-Kobersdorf, sein Schwager Rabb.-Ass. Stern, Szerdahely. </p>
<p>Noch am Tage des Begräbnisses hatte die Gemeinde in wahrer Würdigung der unsterblichen Verdienste ihres seligen Rabbiners זצ&#8221;ל seinen würdigen Sohn R. Bunem, Rabbiner in Sarvar, zum Nachfolger im heiligen Amte mit Acclamation gewählt, die Gemeinde wird von allen Seiten beglückwünscht.&#8221;
</p></blockquote>
<p>Beigesetzt wurde Rabbi Samuel Ehrenfeld der Ältere am Mattersdorfer Judenfriedhof.</p>
<p>Sein literarisches Schaffen, oder zumindest ein großer Teil davon, wurde im Werk Chatan Sofer gedruckt:</p>
<blockquote><p>in das er die ganze Fülle seines allgemein anerkannten Wissensschatzes und seine scharfsinnigen Forschungen niederlegte ס&#8217; &#8220;חתן סופר&#8221; wovon der 1. Theil in Szikszo, und der 2. Theil in Mattersdorf ausgearbeitet wurde. Über den Werth dieses Werkes zu unrtheilen, steht mir nicht zu, die größten und gefeiertsten haben in brieflichen und literarischen Mittheilungen ihr Urtheil bereis gesprochen und die künftigen Geschlechter werden darin noch einen fast unerschöpflichen Quell der gründlichsten Belehrung finden. Außerdem verfaßte er noch viele Manuscripte auf תורה ש&#8221;ס וש&#8221;ע ושו&#8221;ת [Tora, Talmud, Schulchan Aruch und Reponsen] und war bestrebt, womöglich es drucken zu lassen. </p>
<p>Doch der Lenker der Geschicke hatte es anders beschlossen und den Frühvollendeten in der Blüthe seines geistigen Schaffens abberufen, zum größten Schmerze der nächsten Angehörigen, wie aller derer, die ihn wahrhaft kennen gelernt und seine Werke zu würdigen verstehen.
</p></blockquote>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Eisenstädter Hakoah</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/07/14/die-eisenstadter-hakoah/</link>
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		<pubDate>Thu, 14 Jul 2011 08:00:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christopher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[sport]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine sport-geschichtliche Fußnote Im Februar 1924 wird der Wiener Hakoah ein kleines Schwesterchen geboren &#8211; tief im Osten, in der gerade erst österreichisch gewordenen burgenländischen Provinz: die Eisenstädter Hakoah (&#8220;haKoah&#8221; = hebr. &#8220;die Kraft&#8221;). Es ist (nach allem, was wir wissen) ein Geschwisterchen mit vergleichsweise bescheidenem sportlichem Potential, das da im jüdischen Eisenstadt das Licht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Eine sport-geschichtliche Fußnote </h3>
<p>Im Februar 1924 wird der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/SC_Hakoah_Wien" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Wiener Hakoah</a> ein kleines Schwesterchen geboren &#8211; tief im Osten, in der gerade erst österreichisch gewordenen burgenländischen Provinz: die Eisenstädter Hakoah (&#8220;haKoah&#8221; = hebr. &#8220;die Kraft&#8221;). Es ist (nach allem, was wir wissen) ein Geschwisterchen mit vergleichsweise bescheidenem sportlichem Potential, das da im jüdischen Eisenstadt das Licht der (Vereins-)Welt erblickt, und doch &#8211; ausgestattet mit hehren Ambitionen und einigem regional-sportlichem Engagement: Im Dienst der</p>
<blockquote><p>[k]örperliche[n] und geistige[n] Ertüchtigung der Eisenstädter jüdischen Jugend</p></blockquote>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[140711]" title="Brief von Hakoah-Obmann Karl Schlesinger - mit Briefkopf und Siegel des Vereins (mit dem - inoffiziellen - Gründungsjahr 1923)"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball02.jpg" width="250" height="327" alt="Brief von Hakoah-Obmann Karl Schlesinger - mit Briefkopf und Siegel des Vereins (mit dem - inoffiziellen - Gründungsjahr 1923)" /></a>
</p>
</div>
<p>soll der neue Verein stehen und sich außerdem der <em>&#8220;Pflege der Kultur durch Veranstaltungen von gesellschaftlichen Zusammenkünften&#8221;</em>  widmen, so bestimmen es die Gründungsstatuten der Hakoah, mit vollem Titel: &#8220;Eisenstädter Sport- und Geselligkeitsverein &#8216;Hakoah&#8217;&#8221;. Zu diesem Zweck sollen &#8220;Athletische Wettkämpfe&#8221; arrangiert werden, ebenso &#8220;gesellschaftliche Zusammenkünfte, Unterhaltungen und Theateraufführungen&#8221;; und natürlich (und wohl an erster Stelle) soll auch gekickt werden in der Eisenstädter Hakoah (<cite>zitiert aus den &#8220;Statuten des Eisenstädter Sport- und Geselligkeitsvereines &#8216;Hakoah&#8217;&#8221;, Burgenländisches Landesarchiv</cite>).</p>
<p class="tipp2">Bild: Brief von Hakoah-Obmann Karl Schlesinger &#8211; mit Briefkopf und Siegel des Vereins (mit dem &#8211; inoffiziellen &#8211; Gründungsjahr 1923; <em>Burgenländisches Landesarchiv</em>)</p>
<p><br class="clear" /></p>
<p>Der große Namensvetter, die Wiener Hakoah (die <abbr>u.a.</abbr> auch in Graz und Innsbruck <a href="http://books.google.at/books?id=fPBav3dZm_4C&#038;pg=PA37&#038;dq=Hakoah+eisenstadt&#038;hl=de&#038;ei=TFgbTp7FKMep8QOSksQE&#038;sa=X&#038;oi=book_result&#038;ct=result&#038;resnum=1&#038;ved=0CCkQ6AEwAA#v=onepage&#038;q=Hakoah%20eisenstadt&#038;f=false" title="Externer Link zu 'books.google.at...'">Ableger</a> hatte), taugte da zweifellos als respektables, wiewohl unerreichbares Vorbild, krönte sie sich doch Mitte der 20er Jahre zum österreichischen Fußballmeister &#8211; da steckte der burgenländische Fußball und mit ihm die Eisenstädter Hakoah freilich noch in den Kinderschuhen &#8230;</p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[140711]" title="Meisterschaftstabelle 'Eisenstädter Kreis' (13. Juli 1924) - mit einem für die Hakoah allerdings eher unerfreulichen Tabellenstand ..."  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball03.jpg" width="250" height="157" alt="Meisterschaftstabelle 'Eisenstädter Kreis' (13. Juli 1924) - mit einem für die Hakoah allerdings eher unerfreulichen Tabellenstand ..." /></a></p>
<p>Meisterschaftstabelle &#8220;Eisenstädter Kreis&#8221;<br />
 mit einem für die Hakoah allerdings eher<br />
unerfreulichen Tabellenstand &#8230;<br />
(Neue Eisenstädter Zeitung, 20. 07. 1924, 6)
</p>
</div>
<p>Tatsächlich war das Burgenland (auch) in fußball-technischer Hinsicht ein Nachzügler: Erste ( mehr oder minder offizielle) Vereinsgründungen sind zwar schon ab 1907 (SC Eisenstadt) überliefert, ein burgenländischer Landesverband konstituierte sich aber erst 1923/24 &#8211; mit an Bord, ab der ersten Generalversammlung im März 1924, auch die eben erst gegründete Hakoah, die organisatorisch (klarerweise) dem &#8220;Kreis Eisenstadt&#8221; zugewiesen wurde, wo man sich <abbr>u.a.</abbr> mit dem SV Mattersdorf/Mattersburg und dem Lokalrivalen SC (&#8220;Freiheit&#8221;) Eisenstadt matchte &#8230;<br />
<cite>(Vgl. Franz Just (Hg.): Der Fußballsport im Burgenland. (Von den Anfängen bis zur Jetztzeit) Eisenstadt 1970. S. 13-18, 231f., 429. Zur Übersicht auch: &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball_im_Burgenland" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Fußball im Burgenland</a>&#8220;.)</cite></p>
<p class="tipp">Bemerkenswert auch: Mehrfach belegt ist ein &#8220;kombiniertes&#8221; Antreten der beiden Eisenstädter Klubs &#8211; die Eisenstädter &#8220;Freiheit&#8221; und die Hakoah fanden sich also, so scheint es, zu einer Eisenstädter &#8220;Stadt-Auswahl&#8221; zusammen, und das durchaus mit Erfolg:</p>
<div id="mittig2h">
<ul id="bildchen5">
<li><a rel="lightbox[140711]" title="'Kombinierte' Erfolge der Eisenstädter Klubs" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball04GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball04.jpg" width="250" height="37" alt="'Kombinierte' Erfolge der Eisenstädter Klubs" /></a>
<p class="tipp3">&#8220;Kombinierte&#8221; Erfolge der Eisenstädter Klubs,<br />
Neue Eisenstädter Zeitung, 15. Juni 1924, S. 6;<br />
ebd., 25. Mai 1924, S. 4.</p>
</li>
<li><a rel="lightbox[140711]" title="'Kombinierte' Erfolge der Eisenstädter Klubs" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball05GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball05.jpg" width="250" height="423" alt="'Kombinierte' Erfolge der Eisenstädter Klubs" /></a></li>
</ul>
</div>
<p><br class="clear" /></p>
<p>Und auch abseits des Fußballplatzes scheint sich die Hakoah nach Kräften in den gerade erst anlaufenden burgenländischen Sportbetrieb eingebracht zu haben &#8211; so etwa bei den ersten burgenländischen Leichtathletik-Meisterschaften im Juni 1926 &#8230;</p>
<div class="mittig1F">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[140711]" title="'Pollitzer ('Hakoah' Eisenstadt) 5,13 m' (Weitsprung) - Ergebnisse der ersten burgenländischen Leichtathletik-Meisterschaften 1926" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball06GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball06.jpg" width="250" height="273" alt="'Pollitzer ('Hakoah' Eisenstadt) 5,13 m' (Weitsprung) - Ergebnisse der ersten burgenländischen Leichtathletik-Meisterschaften 1926" /></a></p>
</div>
<p class="centered">&#8220;Pollitzer (&#8216;Hakoah&#8217; Eisenstadt) 5,13 m&#8221; (Weitsprung) &#8211; Ergebnisse der ersten burgenländischen Leichtathletik-Meisterschaften 1926, Neue Eisenstädter Zeitung, 27. Juni 1926, <abbr>S.</abbr> 5 </p>
<p>Allerdings: Langes sportliches Glück war der Eisenstädter Hakoah nicht beschieden. Schon im Mai 1933, keine 10 Jahre nach Vereinsgründung, musste die Vereinsführung – Obmann Karl Schlesinger, Schriftführer Isidor Benedikt und Kassier Eugen Schneider (Vgl. auch Just a.a.O. S. 232) – die freiwillige Selbst-Auflösung der Hakoah vermelden: „Grund der freiwilligen Auflösung war Mitgliedsmangel. – Vereinsvermögen war nicht vorhanden“, heißt es lapidar in der entsprechenden Meldung des Hakoah-Vorstands an die Behörden (<cite>Brief vom 2. Mai 1933 an das Bundespolizeikommissariat Eisenstadt; Burgenländisches Landesarchiv</cite>).</p>
<p>Weiter verwundern muss der Mitgliedermangel nicht – immerhin zählte Eisenstadt in den 20er und 30er Jahren im Ganzen bereits weniger als 500 jüdische Einwohner&#8230; (<cite>vgl. Fritz Zimmermanns Übersicht zur Bevölkerungsentwicklung in Hugo Gold: Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden des Burgenlandes. Tel Aviv 1970. S. 133ff.</cite>)</p>
<p>Doch auch wenn damit die Tage der Hakoah gezählt waren: Gekickt jedenfalls wurde &#8211; das Foto beweist&#8217;s &#8211; bei der &#8220;Eisenstädter jüdischen Jugend&#8221; auch weiterhin &#8230;</p>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[140711]" title="Kicken in der Eisenstädter Haydngasse: Fred Poll (rechts) und Heinrich Trebitsch, 1935"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussballGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball.jpg" width="550" height="335" alt="Kicken in der Eisenstädter Haydngasse: Fred Poll (rechts) und Heinrich Trebitsch, 1935" /></a></p>
</div>
<p class="centered">Kicken in der Eisenstädter Haydngasse: Fred Poll (rechts) und Heinrich Trebitsch, 1935; Fred Poll (eigentlich: Politzer), geboren 1921 in Eisenstadt, emigrierte 1939 nach England, später nach New York; <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/02/27/praesentation-oe-bild-nachlese/" title="Interner Link zu 'Präsentation OE-Bild-Nachlese'">Heinrich Trebitsch</a> ist einer der wenigen jüdischen Rückkehrer nach Eisenstadt und lebt heute ebendort (<cite>vgl. und entnommen aus: Gert Tschögl u.a. (Hg.): Vertrieben. Erinnerungen burgenländischer Juden und Jüdinnen. Wien 2004. S. 155, 157</cite>).</p>
<p><strong>Besten Dank an STANDARD-Redakteur <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Weisgram" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Wolfgang Weisgram</a> für den Hinweis auf die Eisenstädter Hakoah sowie an das Burgenländische Landesarchiv!</strong></p>
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		<title>Er führte mich in einen Ort der Gelehrsamkeit &#8230;</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Jun 2011 09:50:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zur &#8220;Jahrzeit&#8221; von Rabbi Meir Eisenstadt &#8211; MaHaRaM ASCH Das bedeutendste Grab am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt und wohl auch das bekannteste aller jüdischen Friedhöfe des heutigen Burgenlandes, ist jenes des ersten Rabbiners der Gemeinde Eisenstadt: Meir ben Isak, der später den Namen seiner Wirkungsstätte annahm und &#8211; in der hebräischen Abkürzung &#8211; MaHaRaM [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Zur &#8220;Jahrzeit&#8221; von Rabbi Meir Eisenstadt &#8211; MaHaRaM ASCH</h3>
<p>Das bedeutendste Grab am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt und wohl auch das bekannteste aller jüdischen Friedhöfe des heutigen Burgenlandes, ist jenes des ersten Rabbiners der Gemeinde Eisenstadt: Meir ben Isak, der später den Namen seiner Wirkungsstätte annahm und &#8211; in der hebräischen Abkürzung &#8211; MaHaRaM ASCH genannt wird. </p>
<div class="centered">
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</div>
<p class="centered">Älterer jüdischer Friedhof mit dem Grab von Rabbi Meir Eisenstadt<br />
<em>Um das Panorama auf Vollbild zu vergrößern, klicken Sie bitte auf das 2. Symbol von rechts</em></p>
<p>Der erste Träger des Namens &#8220;Eisenstadt&#8221; bzw. &#8220;Asch&#8221; war zugleich die herausragendste rabbinische Persönlichkeit der Judengasse. Über sein Leben ist nur wenig bekannt: Meir ben Isak wurde um 1670 in Polen geboren und verbrachte mehrere Jahre seiner Jugend in Sochaczew, wo er im Haus seines Schwiegervaters, der Vorsteher des Kreises von Posen war, lebte und sich ganz dem Studium widmen konnte. 1693 finden wir den noch jungen Meir im Rabbinatskollegium von Sochaczew, einige Zeit später mußte er beginnen, für sich selbst zu sorgen und nahm eine Rabbinerstelle in Szydlowiec an. Dort jedoch fühlte er sich nicht recht wohl, doch lernte er glücklicherweise Samson Wertheimer kennen, der ihm sehr schnell ein Gönner wurde und ihn nach Worms, seiner Geburtsstadt, brachte. 1702 besorgte Wertheimer seinem Schützling eine Rabbinerstelle in Proßnitz, wo auch der erste Teil seines berühmten Responsenwerkes entstand. Aus unbekannten Gründen verließ Meir nach 10 Jahren Proßnitz und kehrte merkwürdigerweise wieder nach Szydlowiec zurück. Von dort berief ihn Wertheimer im Jahr 1717 nach Eisenstadt, wo er am 3. Dezember eintraf und über 26 Jahre bis zu seinem Tod verblieb. Auch das Grab seiner ersten Gattin, Finkel, die 1730 starb, befand sich in Eisenstadt, ist aber leider nicht erhalten geblieben. Aus der Konskriptionsliste vom 6. Dezember 1735 wissen wir, dass er ein zweites Mal verheiratet war; als Mitglieder seines Hausstandes werden angegeben: Gattin, zwei erwachsene Kinder, zwei Diener, ein Dienstbote, zusammen sieben Personen. </p>
<p>Meirs Ruf reichte bald weit über die Grenzen der Stadt hinaus: Schüler aus allen umliegenden Ländern kamen an seine Jeschiva. Er selbst war offenbar ausgesprochen dankbar für sein Amt in der Gemeinde Eisenstadt, denn zehn Jahre nach seinem Amtsantritt kleidete er in der Vorrede zu seinen in Eisenstadt vollendeten &#8220;Novellen zum Traktat Bava Kama&#8221; die Erreichung seines Lebenszieles in die Worte: </p>
<blockquote><p>Danken will ich Gott und ihn weit vernehmlich preisen, dass er mich Dürftigen aus der Niederung erhoben und unter vornehme, rühmenswerte Menschen gesetzt. Er hat mich in einen würdigen Ort, wo Gelehrsamkeit anzutreffen ist, d. i. unsere würdige Gemeinde Eisenstadt, gebracht. Dort fand ich viele gelehrte und scharfsinnige Männer. Auch haben die Vornehmen der Gemeinde für die Erhaltung einer Schule, in welcher ich vor lernbegierigen Jünglingen ständige Vorträge hielt, Sorge getragen. Mit ihnen versenkte ich mich in die Tiefen der Halacha (Religionsgesetz) und zeichnete alles auf &#8230;
</p></blockquote>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[260611]" title="Titelseite Panim Me'irot (Leuchtendes Antlitz)" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/panimMeirotGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/panimMeirot.jpg" width="150" height="220" alt="Titelseite Panim Me'irot (Leuchtendes Antlitz)" /></a></p>
</div>
<p>Sein berühmtestes Werk ist die Responsensammlung &#8220;<a href="http://www.hebrewbooks.org/1302" title="Externer Link zu 'hebrewbooks.org...'">Panim Me&#8217;irot</a>&#8221; (Leuchtendes Antlitz), dessen erster Teil schon in Proßnitz entstanden und 1715 in Amsterdam erschienen ist. Die beiden restlichen Teile wurden 1733 und 1738 in Sulzbach gedruckt. Auffällig bei allen Urteilen ist die strenge Sachlichkeit, von der seine Entscheidungen getragen sind. Weil für ihn die Quellenlage dagegen sprach, wandte sich Meir beispielsweise einmal gegen die modernen Gewandstoffe, die die vorgeschriebenen Lederschuhe am Jom Kippur und am Tischa be-Av ersetzen sollten, oder erlaubte den von Christen am Schabbat zubereiteten Kaffee nicht, obwohl dieser vor allem für Christen bestimmt war und demnach die Arbeit nicht auf Veranlassung eines Juden unternommen wurde. Andererseits sah er in der Benützung einer Kutsche mit gepolsterten Bezügen, die mit Zwirnsfäden genäht sind, kein Vergehen gegen das &#8220;Schatnes&#8221;- (Mischungs) Verbot aus dem 3. Buch Mose 19,19 &#8220;<em>Du sollst kein aus zweierlei Fäden genähtes Kleid anlegen</em>&#8220;, da jeglicher Hinweis auf irgendeine Art von Bekleidung fehlte. </p>
<p>Obwohl Meir sich der Gemeinde Eisenstadt stets verbunden fühlte und tiefe Dankbarkeit ihr gegenüber empfand (s. o.), mußte er 1723 die Stadt möglicherweise unfreiwillig verlassen. Darauf weisen sowohl die Tatsache, dass die Gehaltsüberweisungen längere Zeit aussetzen, als auch einzelne Passagen in seinem Responsenwerk hin, in denen es einmal heißt: </p>
<blockquote><p>Dies die Worte dessen, der in tiefster Sorge mit gebrochenem Herzen betet, dass Er uns vor falscher, lügnerischer Zunge behüten möge und in Erfüllung gehe, was von den Bösewichtern gesagt wurde &#8230;,</p></blockquote>
<p>und an einer anderen Stelle wird er deutlicher, wenn er allgemein von &#8220;lügnerischer Zunge&#8221; und von &#8220;Verleumdern und Denunziation&#8221; redet. Der genaue Vorfall liegt bis heute im dunklen, doch scheint sich die Gemeinde bis ins 20. Jahrhundert hinein dieses peinlichen Vorfalls bewusst gewesen zu sein: Montag und Donnerstag wurde in der Synagoge jeweils nach der Toralesung ein eigenes &#8220;Eisenstädter Gebet&#8221; eingeschaltet, als &#8220;trauriges Andenken und nicht leidenschaftloses Memento an jene schaudervolle Zeit, da der weltberühmte Neubegründer der Gemeinde, MaHaRaM ASCH, wegen niederträchtiger Angeberei aus Eisenstadt flüchten mußte&#8221;. Das Gebet enthielt die Bitte, Gott möge die Zwietrachtstifter und hinterlistigen Verleumder, die seinerzeit sogenannten Mosserer aus Israels Mitte verbannen. Fluch und Vernichtung sollte deren Los sein, die den Bestand so mancher Gemeinde gefährdeten, das übrige Volk aber sollte sich der Wiedererbauung Jerusalems freuen können.</p>
<p>Berühmt und bis in jüngere Zeiten bekannt sind verschiedenste von Rabbi Meir erlassene Takkanot, also lokale Regelungen, die, auch wenn in keinem Gesetzeskodex enthalten, für die jeweilige Gemeinde verpflichtend sind:</p>
<p>So erließ Rabbi Meir am 17. April 1730 seine &#8220;Verordnungen zur Verbesserung der Sitten&#8221;, deren genauer Wortlaut hier teilweise wiedergegeben werden soll: </p>
<blockquote><p>Mit Hilfe Gottes. Da wir gesehen haben, dass sich ein göttliches Strafgericht über unsere Gemeinde verbreitet, haben wir beschlossen &#8230; eine Rückschau über unsere öffentlichen Angelegenheiten zu halten. Zuerst muß die neumodische Kleidung erwähnt werden, wie man da in frecher Gewandung einhergeht, in Reifröcken, einer fremden Tracht, die unsere Eltern und Voreltern nicht gekannt haben. Es wurde daher von der Gemeindeverwaltung und vom Rabbinate beschlossen, den Bann zu verkünden (!!) gegen alle, auch junge und kleine Mädchen inbegriffen, die dieses aufreizende Kleid tragen &#8230; Dann wurde mit der Strafe des Banns das Kartenspiel verboten. Bei Wöchnerinnen jedoch dürfen Frauen spielen. Während der Chanukkatage ist auch Männern das Spiel erlaubt, keineswegs aber Männern mit Frauen oder Jünglingen mit Mädchen, auch dann nicht, wenn sie miteinander verwandt sind. Dieses Verbot gilt eine Meile weit im Umkreise unserer Gemeinde &#8230;
</p></blockquote>
<p>Selbstverständlich waren schon in talmudischer Zeit Glücksspiele, bei denen es um Geld ging, verpönt und insbesondere in mittelalterlichen Responsen finden wir vielfach Regelungen bezüglich des Kartenspiels. Am diesbezüglich strengsten sind die &#8220;Takkanot Mähren&#8221;, die zwischen 1658 und 1748 erlassen wurden. Diese dürften denn auch Meir als Vorbild für seine Verordnungen gegolten haben. Auffällig ist jedoch, dass Meir alle Verordnungen unter dem Aspekt der Sittenverbesserung erließ. Äußerer Grund für die Verordnungen scheint die zu dieser Zeit erhöhte Kindersterblichkeit in der Gemeinde gewesen zu sein. Bezüglich der Kleidung darf angemerkt werden, dass die Damen der Gemeinde Eisenstadt ihrer Zeit weit voraus waren, denn die Reifröcke (Krinoline) hatten erst Mitte des 18. Jahrhunderts weite Verbreitung gefunden und vor allem in Galizien noch in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts die Gemüter orthodoxer Kreise stark erregt. Insbesondere das Verbot des Kartenspielens führte zu paradoxen Situationen und nährte den Erfindungsgeist Einzelner. Vor allem Frumet Frau Chajim Halevi Wolf (Babe Frumet), war als wahrhaft Süchtige verrufen. Sie soll sich von armen Wöchnerinnen oft die Wohnungsschlüssel geben haben lassen, wenn selbige schon längst ihren Geschäften nachgingen. Natürlich revanchierte sie sich durch Mahlzeiten und Geldspenden. An Feiertagen oder Halbfeiertagen, wird mehrfach berichtet, ließ sie es sich nicht nehmen, mit ihren Freundinnen ins nächste Dorf &#8211; wo der Bann nicht mehr galt! &#8211; zu gehen, um dort den Tag mit Kartenspiel zuzubringen. </p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[260611]" title="Grab von Rabbi Meir Eisenstadt am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/maharamAschGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/maharamAsch.jpg" width="233" height="409" alt="Grab von Rabbi Meir Eisenstadt am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt" /></a></p>
</div>
<p>Genauso selbstverständlich war es aber auch, dass die Erlässe immer wieder zu Nichteinhaltung und Protesten in der Gemeinde führten. Noch Jahrhunderte später bot das Verbot des Kartenspielens Anlass zu Zwistigkeiten und Uneinigkeiten unter den Bewohnern des Viertels: 1840 entstand ein Konflikt zwischen Rabbiner Isak Mose Perles und dem Gemeindevorstand Löb Wolf in Angelegenheit des von Rabbi Meir seinerzeit erlassenen Verbots des Kartenspiels. Als nämlich der Rabbiner nach Ablauf der zum Spielen erlaubten Zeit in der Synagoge wie üblich ausrufen ließ, dass das Spielen wieder verboten sei, ließ besagter Gemeindevorstand, dem diese Bekanntmachung nicht zusagte, öffentlich durch den Synagogendiener verkünden, dass das Spiel noch weiterhin gestattet sei. Verlierer des Konflikts war damals der Rabbiner, der diese Niederlage nicht verkraften konnte und seine Gemeinde verließ. </p>
<p>Trotzdem ging man in der Gemeinde nicht sorglos mit dem Verbot um, denn bei neuerlicher Übertretung kam es bis zur Aberkennung des Heimatrechtes. Zwar konnte man auch in einem solchen Fall, der urkundlich öfters belegt ist, beim Vorstand um Nachsicht ansuchen, eine Gewährung war aber an die Bedingung geknüpft, hinkünftig einen tadellosen Lebenswandel zu führen. In jedem Fall zog eine Übertretung des Verbotes erhebliche Schwierigkeiten und Peinlichkeiten nach sich.</p>
<p>Bei allem &#8211; besonders aus heutiger Sicht sicher legitimen &#8211; Unverständnis über solch rigorose Verordnungen, scheint es nicht ganz unbedeutsam, dass sich sogar noch in den Jahren vor 1938 auch jene Bewohner des jüdischen Viertels von Eisenstadt, die es sonst nicht so genau mit dem Einhalten der Gebote nahmen, des Verbots des Kartenspielens wohl bewusst waren und sich, zumindest bis zu einem gewissen Grad, daran hielten; denn in der Synagoge wurde, so wie Jahrhunderte zuvor, einige Tage nach dem Chanukkafest vom Rabbiner feierlich ausgerufen: </p>
<blockquote><p>Das Spielen ist osser kivme kedem<br />
(Das Spielen ist verboten wie in alten Zeiten).
</p></blockquote>
<p><strong>MaHaRaM ASCH starb am 27. Siwan 5504 in Eisenstadt (07. Juni 1744; heuer ist das kommender Mittwoch, der 29. Juni 2011). </strong></p>
<p>Sein Grab auf dem älteren jüdischen Friedhof ist noch heute &#8211; vor allem in diesen Tagen, zu seiner &#8220;<a href="http://www.ojm.at/artikel/jahrzeit/" title="Interner Link zu Artikel auf unserer statischen Website">Jahrzeit</a>&#8221; &#8211; das Ziel von orthodoxen Juden aus aller Welt, die das Gedächtnis an diesen großen Lehrer aufrechterhalten.<br />
In diesen Tagen wird mir immer der oft gehörte Satz bewusst, dass nämlich das kleine Eisenstadt weltbekannt wurde aufgrund von zwei Berühmtheiten: Joseph Haydn und Meir Eisenstadt &#8230; wenn auch Letzterer (leider) nur in der jüdischen Welt bekannt ist &#8230;</p>
<p class="tipp">PS: Und sogar auf <a href="http://www.facebook.com/pages/Meir-Eisenstadt/103192266403258" title="Externer Link zu 'facebook.com...'">Facebook</a> ist Meir Eisenstadt zu finden &#8230;</p>
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		<title>Wenn Würmer in den Kirschen nisten &#8230;</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Jun 2011 09:02:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jetzt ist Kirschenzeit. Hier im Burgenland, nahe Eisenstadt, gibt es den wunderschönen Kirschblüten-Radweg, die Bäume blüh(t)en prächtig (die eigentliche Kirschblüte ist schon vorüber) und auch auf den Märkten erhält man allerorts die leckeren Früchte aus der Familie der Rosengewächse. Nun mag aber etwas die Freude des Kirschenessens trüben, nämlich die Würmer, die sich nur allzu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt ist Kirschenzeit. Hier im Burgenland, nahe Eisenstadt, gibt es den wunderschönen Kirschblüten-Radweg, die Bäume blüh(t)en prächtig (die eigentliche Kirschblüte ist schon vorüber) und auch auf den Märkten erhält man allerorts die leckeren Früchte aus der Familie der Rosengewächse.</p>
<div id="mittig3c">
<ul id="bildchen4">
<li><a rel="lightbox[110611]" title="Dienstliche Radtour zum Kirschblütenweg ;)"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kirschen01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kirschen01.jpg" width="150" height="150" alt="Dienstliche Radtour zum Kirschblütenweg ;)" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[110611]" title="Noch: Kirschen ohne Würmer ..."  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kirschen02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kirschen02.jpg" width="150" height="150" alt="Noch: Kirschen ohne Würmer ..." /></a></li>
<li><a rel="lightbox[110611]" title="Kirschen am Markt ..."  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kirschen03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kirschen03.jpg" width="150" height="150" alt="Kirschen am Markt ..." /></a></li>
</ul>
</div>
<p><br class="clear" /></p>
<p>Nun mag aber etwas die Freude des Kirschenessens trüben, nämlich die Würmer, die sich nur allzu gern in den Kirschen einnisten …<br />
Und genau diese Würmer sind es auch, die eine Kirsche im Judentum zum verbotenen Lebensmittel machen (<span lang="en" xml:lang="en">Update, 13.06.2011</span>: so sie nicht aufgemacht und untersucht werden, <a href="http://www.ojm.at/blog/2011/06/12/wenn-wuermer-in-den-kirschen-nisten/#comment-1781" title="Interner Link nach unten zu den Kommentaren">siehe Kommentare</a>). Mit anderen Worten: Kirschen gelten nur so lange als rituell in Ordnung und im weiteren Sinn als koscher, solange sie wurmfrei sind (Mit Ausnahme von vier Heuschreckenarten sind alle Reptilien, Amphibien, Würmer und Insekten unreine Tiere)!</p>
<p>Ein sehr schöner Merksatz hat sich mir dabei gut eingeprägt: </p>
<p class="centeredGR"><strong>Kirschen bis Korach</strong></p>
<p>&#8220;<a href="http://www.hagalil.com/judentum/torah/wochenabschnitt/korach.htm" title="Externer Link zu 'hagalil.com...'">Korach</a>&#8221; (4. Buch Mose &#8211; Numeri &#8211; 16,1-18,32) ist jener Leseabschnitt der Tora (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Parascha" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Parascha</a>), der heuer am Schabbat, dem 25. Juni, also in knapp 2 Wochen, gelesen wird! Bis zu diesem Datum also dürfen Sie noch gefahrlos Kirschen genießen, danach müssten Sie die Kirschen schon genau untersuchen, um zu klären, ob es sich Würmer in ihnen wohnlich gemacht haben ;)</p>
<p>Ob der Spruch &#8220;Kirschen bis Korach&#8221; in der jüdischen Gemeinde Eisenstadt früher auch bekannt war, vermag ich nicht zu beurteilen, die Würmer in den Kirschen waren jedenfalls sehr wohl schon ein Thema kurz nach Schavu&#8217;ot:</p>
<blockquote><p>Bald nach <a href="http://www.ojm.at/blog/2011/06/07/schavuot-57712011/" title="Interner Link zum Artikel Schavu'ot 5771/2011">Schowuoth</a> ist das Schuljahr zu Ende: die Gasse wird leerer, denn die Kinder vom Lande fahren nach Hause. Noch eine Pflicht haben sie sozusagen zu erfüllen: den ersten Wurm in den Kirschen zu suchen und zu finden. Wer die erste wurmige Kirsche zum Rabbiner bringt, erhält vom Tempelvorsteher 10 kr. ausbezahlt; in der Gasse aber wird verrufen, dass unaufgemachte Kirschen von nun an &#8220;osser wie cahser&#8221; (verboten wie Schweinefleisch) sind [...]</p></blockquote>
<p><cite>Fürst A., Sitten und Gebräuche einer Judengasse, Székesfehérvar 1908</cite></p>
<p>PS: Heißt es im Judentum &#8220;Kirschen bis Korach&#8221;, so hört man &#8211; zumindest in unserer Region &#8211; oft den Spruch: &#8220;Die Maikirschen (also die ersten Kirschen) haben keine Würmer&#8221;.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Schavu&#8217;ot 5771/2011</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/06/07/schavuot-57712011/</link>
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		<pubDate>Tue, 07 Jun 2011 08:34:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[schawuot]]></category>

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		<description><![CDATA[Du sollst das Wochenfest feiern, das Fest der Erstlingsfrüchte von der Weizenernte und das Fest der Lese an der Jahreswende. 2. Buch Mose (Exodus) 34,22 Am 06. Tag des Monats Sivan (heuer Mittwoch, 08. Juni) wird Schavu&#8217;ot gefeiert. In der Diaspora dauert das Fest zwei Tage, also heuer 08. und 09. Juni. Das hebräische Wort [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Du sollst das Wochenfest feiern, das Fest der Erstlingsfrüchte von der Weizenernte und das Fest der Lese an der Jahreswende.</p></blockquote>
<p><cite>2. Buch Mose (Exodus) 34,22</cite></p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[220511]" title="Aus unserer Dauerausstellung: Emmanuel Levy, Rabbiner mit Torarollen" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/eLevyGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/eLevy.jpg" width="180" height="236" alt="Aus unserer Dauerausstellung: Emmanuel Levy, Rabbiner mit Torarollen" /></a></p>
</div>
<p>Am 06. Tag des Monats Sivan (heuer Mittwoch, 08. Juni) wird Schavu&#8217;ot gefeiert. In der Diaspora dauert das Fest zwei Tage, also heuer 08. und 09. Juni. Das hebräische Wort &#8220;Schavu&#8217;ot&#8221; bedeutet &#8220;Wochen(fest)&#8221;, weil es auf den 50. Tag (<abbr>ca.</abbr> 7 Wochen) nach dem Pesachfest fällt. Andere meinen, dass das Wort nicht &#8220;Wochen(fest)&#8221; bedeutet, sondern &#8220;Gelübde&#8221;, weil mit diesem Fest zwei Gelübde verbunden sind: das Gelübde, das das Volk Israel am Fuß des Sinai ablegte &#8211; <em>&#8220;Wir wollen tun, wir wollen gehorchen&#8221;</em> (2. Buch Mose 24,7) -, und das Gelübde, das der Herr ablegte, als er versprach, das erwählte Volk durch kein anderes zu ersetzen. Ein weiterer Name für das Fest ist &#8220;das Fest der Gesetzgebung&#8221;, weil der Auszug aus Ägypten (Pesach) nur die Vorbereitung für die Gesetzgebung am Fuße des Berges Sinai war.<br />
<br class="clear" /></p>
<p>Schon in unserem <a href="http://www.ojm.at/blog/2011/06/05/bild-der-woche-die-beruehmte-kette/" title="Interner Link zu 'Bild der Woche - Die berühmte Kette'">ersten Beitrag zu Schavu&#8217;ot</a> lesen wir, dass zuweilen Fehler passierten beim (rituellen) Zählen der 49 Tage zwischen Pesach und Schavu&#8217;ot. ;) </p>
<p>Und unser <a title="Nach unten zum Tipp'" href="#tipp">Tipp</a>, den herrlichen schavu&#8217;ot-typischen Topfen-/Käsekuchen zu genießen, gilt übrigens auch nur, wenn Sie richtig gezählt haben:</p>
<blockquote><p>Zu Schowuoth gilt es den Tempel recht hübsch herzurichten. Grünende Triumphbögen, blühende Kronen, duftendes Heu gestalten den Aufenthalt im Gotteshause wirklich zum Naturgenuß. Die erste Nacht wird trotzdem nicht hier, sondern im Beth-hammidrasch [Lehrhaus] &#8211; Lokal zugebracht (siehe unten); dort wird auch schwarzer Kaffee serviert und bei Morgengrauen das Morgengebet verrichtet. In der Frühe steht Jüdelein dann auf wie ein &#8220;Goj&#8221;, d.h. er setzt sich, ohne früher zu beten, zum Frühstück, zu den lachenden &#8220;Zworachdelkel&#8221;, Topfenkuchen, die nur demjenigen gebühren, der alle 49 Tage ohne Fehler gezählt hat [...]
</p></blockquote>
<p><cite>Fürst A., Sitten und Gebräuche einer Judengasse, Székesfehérvar 1908</cite></p>
<p>Schavu&#8217;ot ist der Festtag der Tora schlechthin. Im Mittelpunkt steht die Erwählung Israels, die Verkündung der 10 Gebote und die Übergabe der Bundestafeln. In der Liturgie wird das Fest &#8220;Fest der Gabe unserer Tora&#8221; <span class="hebr" dir="rtl">זמן מתן תורתנו</span> genannt.</p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:425px; height:259px" data="http://www.youtube.com/v/kq4h3Opy-Xc?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/kq4h3Opy-Xc?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p class="centered"> Lyrics und Musik im Video von der großartigen <a href="http://www.naomiless.com/" title="Externer Link zu 'naomiless.com'"><span lang="en" xml:lang="en">Naomi Less</span></a>, Songschreiberin und Musikerin, die vor allem mit ihrem Projekt &#8220;<a href="http://www.jewishchicksrock.com/" title="Externer Link">Jewish Chicks Rock</a>&#8221; große Bekanntheit erlangte, ein Projekt, mit dem sie jüdische Mädchen auf ihre Zukunft vorbereiten möchte. </p>
<p>Der Abend von Schavu&#8217;ot ist ganz dem Torastudium gewidmet und um das Verhalten der Vorfahren zu &#8220;korrigieren&#8221; und ihre fehlende Wachsamkeit wiedergutzumachen (das Volk hatte trotz rechtzeitiger Ankündigung der Gesetzgebung am Sinai geschlafen und musste von Mose aufgeweckt werden), wird diese Nacht der Wache als &#8220;Tikun&#8221;, als Korrektur des Abends des Wochenfestes, bezeichnet (s.o. Bericht von Fürst). Man bleibt daher meist die ganze Nacht über wach und verbringt die Zeit mit dem gemeinsamen Torastudium, hört Vorträge, singt und tanzt und studiert wieder &#8230; bis zum Morgengrauen, daher gilt für heute Abend:</p>
<p class="centered"><strong>Stay Up All Night!</strong></p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:425px; height:345px" data="http://www.youtube.com/v/qFG_2iT-Lm4?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/qFG_2iT-Lm4?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p class="centered"> Danke unserem Kommentator Meir Deutsch für den Videolink!</p>
<p class="centered">
<strong>Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein fröhliches Schavu&#8217;ot!</strong></p>
<p class="centered"><span class="hebr" dir="rtl">חג שבועות שמח!</span></p>
<p class="tipp"><a id="tipp" name="tipp"></a>Wir dürfen auch nochmals auf unsere beiden Beiträge über die 10 Gebote hinweisen: <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/05/19/die-10-gebote-i/" title="Interner Link zum ersten Beitrag">&#8220;Die 10 Gebote I&#8221;</a> und <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/05/26/die-10-gebote-ii/" title="Interner Link zum zweiten Beitrag">&#8220;Die 10 Gebote II&#8221;</a> sowie auf die schon vergangenes Jahr verlinkte ausführlichere <a href="http://www.talmud.de/cms/Schawuot_Fest_der_Torah.175.0.html" title="Externer Link zu 'talmud.de...'">Einführung zu Schavu&#8217;ot von Michael Rosenkranz</a> und wünschen guten Appetit mit dem herrlichen <a href="http://buecher.hagalil.com/sonstiges/kochen.htm" title="Externer Link zu 'buecher.hagalil.com...'">schavu&#8217;ot-typischen Käsekuchen</a> :)</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Bild der Woche &#8211; Die berühmte Kette</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/06/05/bild-der-woche-die-beruehmte-kette/</link>
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		<pubDate>Sun, 05 Jun 2011 09:20:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Chaya-Bathya</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[schawuot]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Kette, die zur Absperrung des Eisenstädter Judenviertels am Schabbat und an jüdischen Feiertagen diente, ist wohl mittlerweile allseits bekannt. Sie diente zur Kreierung eines sogenannten &#8220;Eruv&#8221; zum Tragen, d. h. dazu, die Judengasse am Schabbat zu einem Gebiet zu machen, in dem ein Jude Gegenstände mit sich tragen darf. Diesen &#8220;Eruv&#8221; beschreibt Esther Calvary [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Kette, die zur Absperrung des Eisenstädter Judenviertels am Schabbat und an jüdischen Feiertagen diente, ist wohl mittlerweile allseits bekannt. Sie diente zur Kreierung eines sogenannten &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eruv" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Eruv</a>&#8221; zum Tragen, <abbr>d. h.</abbr> dazu, die Judengasse am Schabbat zu einem Gebiet zu machen, in dem ein Jude Gegenstände mit sich tragen darf. Diesen &#8220;Eruv&#8221; beschreibt Esther Calvary in ihren Memoiren. Esther war eine in Eisenstadt geborene Tochter des damals (bis 1869) dort tätigen Rabbiners <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Esriel_Hildesheimer" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Esriel Hildesheimer</a>, der später in Berlin die orthodoxe Separatgemeinde &#8220;Adass Jisroel&#8221; und das <a href="http://www.rabbinerseminar.de/index.php?option=com_content&#038;view=article&#038;id=90&#038;Itemid=78" title="Externer Link zu 'rabbinerseminar.de...'">orthodoxe Rabbinerseminar</a> gründete (siehe auch unseren Artikel &#8220;<a href="http://www.ojm.at/artikel/beruehmtheiten01/#hildesheimer">Berühmtheiten in und aus Eisenstadt</a>&#8220;).</p>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[050611]" title="Die Schabbat-Kette am unteren Ende der Judengasse, ca. 1920"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kette01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kette01.jpg" width="550" height="351" alt="Die Schabbat-Kette, ca. 1920" /></a></p>
</div>
<p class="centered">Die Schabbat-Kette am unteren Ende der Judengasse, ca. 1920<br />
Links im Bild das Wertheimerhaus, damals die Weinhandlung &#8220;Leopold Wolf&#8217;s Söhne&#8221;, heute unser jüdisches Museum</p>
<blockquote><p>Am Freitagabend wurden die Ketten und Eisengitter zugemacht, so daß für die Zeit von Anfang bis Ende von Schabbat kein Wagen durch die Gasse fahren konnte. Die eine Kette lag gerade gegenüber von der &#8220;Traube&#8221;, die andere vor der Einfahrt in die Stadt. Es waren dadurch zwei Gassen für Wagen gesperrt, denn die sogenannte Obere Gasse hatte an ihrem Ende eine Mauer, und da war auch der Eingang zum Beth Hakworaus [Friedhof], das natürlich auch von Mauern eingefaßt war. </p>
<p>Am Ende der Kette der unteren Gasse wohnten auch noch Leute. Da waren die großen Kellereien und Wohnhäuser von der bedeutenden Weinfirma Leopold Wolf&#8217;s Söhne. Wolf hatte von dem Fürsten Esterhazy einen großen Meierhof gekauft, worin früher die Milchwirtschaften gewesen. Dort haben die Wolfs Böttchereien und Kellereien erbaut. Sie zogen dann aber auch eine Mauer, die sich bis an das Beth Hakworaus hinzog, so daß man auch hier am Schabbat tragen durfte. In der Weinlese kamen die Bauern aus Rust und den kroatischen Dörfern mit ihren Maisch-Bottichen angefahren; sie kamen manchmal am Freitagabend, wenn man eben nach Schul [in die Synagoge] ging, und durften nicht mehr abladen, so daß Wagen an Wagen meilenweit auf der Landstraße stehen musste, bis nach Nacht [am Schabbat-Ausgang] die Ketten gelöst wurden und sie abladen durften.
</p></blockquote>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[050611]" title="Der Zaun am oberen Ende der Gasse, ca. 1920"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kette02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kette02GR.jpg" width="550" height="342" alt="Der Zaun am oberen Ende der Gasse, ca. 1920" /></a></p>
</div>
<p class="centered">Der Zaun am oberen Ende der Gasse, ca. 1920<br />
Dass an dieser Stelle statt des Zauns einmal eine Kette war, können wir leider durch kein Bild belegen. Links im Bild das koschere Restaurant Hess, ehemals das Gasthaus &#8220;Traube&#8221;</p>
<p>Am Wochenfest braucht man zwar keinen &#8220;Eruv&#8221;, die Kette wurde jedoch vorgelegt, um die Durchfahrt zu verhindern und somit eine feierliche Atmosphäre zu schaffen. In diesem Zusammenhang erinnert sich Esther Calvary an die folgende Begebenheit:</p>
<blockquote><p>Einmal am zweiten Tag Schwuauss [Schawuot, Wochenfest], als die Ketten vorlagen, kam plötzlich ein Junge von 15 bis 16 Jahren aus einem benachbarten Dorfe, wo seine Eltern als einzige Juden lebten, angefahren und bekam, als er die geschlossene Gasse sah, einen großen Schreck [denn er hatte den Festtag entweiht]. Der Vater [Hildesheimer] wurde gerufen und er gebot dem Knaben, der schrecklich heulte, ausspannen zu lassen und den Tag bis zum Abend im Gasthaus &#8220;Traube&#8221; zu bleiben. Weinend erzählte er [der Junge] auch, daß seine Mutter zu waschen begonnen habe. Vater schickte gleich einen Boten an die Eltern, sie sollten den Laden schließen und aufhören zu waschen, es sei noch Jom Tow [Feiertag], sie hätten bloß falsch geaumert [falsch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Omer-Z%C3%A4hlen" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Omer gezählt</a>].</p></blockquote>
<div class="mittig1F">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[050611]" title="Der Rest der Kette heute (vor dem jüdischen Museum)" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kette03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kette03.jpg" width="150" height="200" alt="Der Rest der Kette heute (vor dem jüdischen Museum)" /></a></p>
</div>
<p class="tipp"><em>Leider findet man auch heute noch, selbst in der (halb)wissenschaftlichen Literatur, immer wieder die vollkommen falsche Darstellung, dass die Kette heute ein Symbol dafür sei, dass die &#8220;Mauern hinter dieser Kette den Juden jahrhundertelang zum Gefängnis geworden sind&#8221;! Dabei hatte die Schabbat-Kette nicht nur die obgenannte innerjüdische Bedeutung, sondern war auch ein Zeichen der politischen Autonomie, eine Autonomie, die sich die jüdische Gemeinde Eisenstadt als einzige jüdische Gemeinde bis 1938 erhalten konnte!</em></p>
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<p class="tipp"><em>Schicken Sie uns Ihr <a href="http://www.ojm.at/blog/ueber-das-blog/#bw" title="Interner Link zu Seite 'Über das Blog'">Bild der Woche</a> &#8230;</em></p>
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		<title>Bild der Woche &#8211; Flüssiges koscheres Gedenken</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/03/13/bild-der-woche-fluessiges-koscheres-gedenken/</link>
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		<pubDate>Sun, 13 Mar 2011 08:07:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[koscher]]></category>
		<category><![CDATA[wien]]></category>

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		<description><![CDATA[Nicht schlecht gestaunt habe ich, als ich anlässlich einer Einladung vor wenigen Tagen unter den Gastgeschenken eine Weinflasche mit koscherem Rotwein entdeckte, die den berühmten &#8220;Sieben (heiligen jüdischen)-Gemeinden&#8221; gewidmet ist. Sozusagen ein Pflicht-&#8221;Bild der Woche&#8221;-Foto ;) Herzlichen Dank an Herrn Mag. Wolf-Erich Eckstein, Wien, der damit schon das zweite Bild der Woche beisteuert! Koscherer Rotwein, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht schlecht gestaunt habe ich, als ich anlässlich einer Einladung vor wenigen Tagen unter den Gastgeschenken eine Weinflasche mit koscherem Rotwein entdeckte, die den berühmten <a href="http://www.ojm.at/gemeinden/" title="Interner Link zu unserer statischen Website">&#8220;Sieben (heiligen jüdischen)-Gemeinden&#8221;</a> gewidmet ist.</p>
<p>Sozusagen ein Pflicht-&#8221;Bild der Woche&#8221;-Foto ;)<br />
<strong>Herzlichen Dank an Herrn <abbr>Mag.</abbr> Wolf-Erich Eckstein, Wien, der damit schon das <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/07/11/bild-der-woche-ein-zitronenbaum-in-galizien/" title="Interner Link zum Beitrag 'Ein Zitronenbaum in Galizien'">zweite Bild der Woche</a> beisteuert!</strong></p>
<p><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/wein01GR.jpg" width="550" height="733" alt="Koscherer Rotwein, den 'Sieben heiligen jüdischen Gemeinden' gewidmet" class="centered" /></p>
<p class="centered">Koscherer Rotwein, den &#8220;Sieben heiligen jüdischen Gemeinden&#8221; gewidmet</p>
<p>Die Flasche trägt die Datumsangaben 5770 (= 2009/10) und 2010. Die Aufschrift &#8220;Sheva Kehillos&#8221; (Sieben-Gemeinden), findet sich sowohl mit lateinischen Buchstaben als auch mit den hebräischen Buchstaben der sogenannten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Raschi-Schrift" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Raschi-Schrift</a> (wie ich zunächst annahm) geschrieben. </p>
<p>Weiter unten auf der Flasche finden wir den Koscherstempel des Wiener Gemeinderabbiners <a href="http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/7072/hofmeister" title="Externer Link zu 'juedische-allgemeine.de...'">Schlomo Elieser Hofmeister</a>. Dieser bestätigte, dass er selbst den Wein produziert und erklärte mir, dass die hebräischen Buchstaben für &#8220;Sieben-Gemeinden&#8221; streng genommen nicht Raschi-Schrift, sondern die Jüdisch-Deutsche Schrift sind, was freilich an den wenigen Buchstaben nicht erkenntlich ist.<br />
<em>Anmerkung:</em> Die Jüdisch-Deutsche Schrift ist eine Weiterentwicklung der Raschi-Schrift. Die jüdisch-deutschen Texte in dieser Schrift werden auch &#8220;Weiber-Deutsch&#8221; genannt.</p>
<p><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/wein02GR.jpg" width="550" height="548" alt="Koscher-Stempel von Rabbiner Schlomo Hofmeister, Wien" class="centered" /></p>
<p class="centered">Koscher-Stempel von Rabbiner Schlomo Hofmeister, Wien</p>
<p>Unter dem Koscher-Stempel finden wir die Aufschrift <span class="hebr" dir="rtl">יין לא מבושל</span> (jajin lo mevuschal), also „Nicht gekochter Wein“.</p>
<p><em>Exkurs:</em> Da von Heiden produzierter Wein in der Antike für Trankopfer (Libation) verwendet und daher mit Götzendienst gleichgesetzt wurde, war er für Juden verboten <em>(babylonischer Talmud,  Traktat Avoda sara 31a)</em>. Das Verbot wurde von den Rabbinen auch auf den &#8220;stam jenam&#8221;, den gewöhnlichen, von Nichtjuden produzierten Wein ausgedehnt, da sie vor allem die Abgrenzung gegenüber Nichtjuden durch einen zu engen sozialen Kontakt mit letzteren gefährdet sahen. </p>
<p>Vom Verbot des mit Nichtjuden in Berührung gekommen Weines ausgenommen war der &#8220;gekochte Wein&#8221; (jajin mevuschal) damit ist ein Wein gemeint, der für kurze Zeit so stark erhitzt wird, dass &#8220;die Hand zuckt&#8221; <em>(bab. Talmud, Traktat Schabbat 40b)</em>.</p>
<blockquote><p>Wenn koscherer Wein gekocht worden ist, <abbr>d.h.</abbr>, man hat ihn soweit erhitzt, dass durch das Erhitzen seine Menge geringer geworden ist, und dann hat ihn ein Nichtjude berührt, darf man ihn sogar trinken</p></blockquote>
<p><cite>Kizzur Schulchan Aruch 274,3</cite></p>
<p>Moderne Koscher-Weinproduzenten bewerben oft ihre Mevuschal-Weine mit dem Hinweis darauf, dass dadurch &#8220;entsprechend dem jüdischen Gesetz&#8221; Nichtjuden in Restaurants die Möglichkeit zum Öffnen der Flaschen gegeben wird.</p>
<p><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/wein03GR.jpg" width="550" height="974" alt="Rückseite der Koscher-Weinflasche mit Text über die 'Sieben-Gemeinden'" class="centered" /></p>
<p class="centered">Rückseite der Koscher-Weinflasche mit Text über die &#8216;Sieben-Gemeinden&#8217;</p>
<p>Auf der Rückseite der Weinflasche findet sich eine kurze Erwähnung der einzelnen heiligen jüdischen Gemeinden der &#8220;Sieben-Gemeinden&#8221; und ihrer berühmtesten Rabbiner sowie der Hinweis darauf, dass die Erlöse aus dem Weinverkauf ausschließlich karitativen Zwecken der jüdischen Gemeinde Wien zufließen.</p>
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<p class="tipp"><em>Schicken Sie uns Ihr <a href="http://www.ojm.at/blog/ueber-das-blog/#bw" title="Interner Link zu Seite 'Über das Blog'">Bild der Woche</a> &#8230;</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Mattersdorfer Matriken-Krimi</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/03/02/der-mattersdorfer-matriken-krimi/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/03/02/der-mattersdorfer-matriken-krimi/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 02 Mar 2011 09:40:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Chaya-Bathya</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[mattersburg]]></category>
		<category><![CDATA[wien]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor einigen Monaten mussten wir unser Projekt zum jüdischen Friedhof Mattersburg stoppen (wir berichteten). Kurzfristig ist nun leider eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung des Projekts, sprich ein neuerliches Ansuchen, geplatzt. Da wir uns aber sowohl der Sache als auch unserer überaus engagierten und netten Community hier im Blog verpflichtet fühlen, werden wir ab heute das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Vor einigen Monaten mussten wir unser <a href="http://www.ojm.at/blog/friedhof-mattersburg/" title="Interner Link zum Übersichtsseite 'Friedhof Mattersburg'">Projekt zum jüdischen Friedhof Mattersburg</a> stoppen (<a href="http://www.ojm.at/blog/2010/10/24/eine-unerfreuliche-meldung-zum-stand-der-dinge/" title="Interner Link zum Beitrag 'Eine unerfreuliche Meldung zum Stand der Dinge'">wir berichteten</a>). Kurzfristig ist nun leider eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung des Projekts, sprich ein neuerliches Ansuchen, geplatzt. Da wir uns aber sowohl der Sache als auch unserer überaus engagierten und netten Community hier im Blog verpflichtet fühlen, werden wir <a href="http://www.ojm.at/blog/thema/friedhof-mattersburg/" title="Interner Link zum Thema 'Friedhof Mattersburg'">ab heute</a> das Projekt fortsetzen, wenn auch &#8211; wie angekündigt &#8211; deutlich langsamer und unregelmäßiger als geplant. Für mehr fehlen uns die Ressourcen. </em></p>
<p><em>Jedenfalls passend zum Neustart ein launiger Artikel unserer Korrespondentin aus Bnei-Brak, Claudia Chaya-Bathya Markovits Krempke, über so manche &#8211; vielleicht unerwartete &#8211; Gefahren, die bei der Matrikenarbeit lauern ;)</em></p>
<h3>Alles begann mit dem Scheitern einer Ehe</h3>
<p>Der in Szill-Sárkány im Komitat Ödenburg (Sopron, Ungarn) lebende Kreisarzt <abbr>Dr.</abbr> Wilhelm Szauer hatte als Mediziner in Wien am 20. Februar 1876 in Wien-Ottakring mit einer gewissen Helene Goldmann eine Ehe geschlossen, die er im Jahre 1883 lösen wollte. Er wandte sich deshalb sowohl an das Wiener Landesgericht als auch an das Ödenburger Vizegespansamt wegen Ungültigkeitserklärung seiner Ehe. Dieses sein Ansuchen sollte ungeahnte Verwicklungen herbeiführen.</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[030311]" title="Trauungsmatriken und Trauungsschein Mattersdorf 1895, Archiv Sopron" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/matrikenTGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/matrikenT.jpg" width="250" height="188" alt="Trauungsmatriken und Trauungsschein Mattersdorf 1895, Archiv Sopron" /></a></p>
</div>
<p>Am 30. August 1883 wies das Ödenburger Vizegespansamt sein Ansuchen mit der Begründung ab, die Eintragung der Hochzeit in die Matriken scheine regelwidrig. Anstatt in die Matriken des Hochzeitsortes war die Eheschließung nämlich in einen besonderen Anhang der Mattersdorfer Israelitische Trauungsmatriken eingetragen worden. Trotzdem hielt sich das Vizegespansamt weder zur Vernichtung des fraglichen Matriken-&#8221;Anhanges&#8221; noch zur Ungültigkeitserklärung dieses Auszugs für berechtigt.<br />
Der so quasi mit seiner ungeliebten Frau &#8220;steckengebliebene&#8221; Szauer richtete daraufhin einen Rekurs an den ungarischen Kultusminister Treford. In dem daraufhin von dem letzteren verfassten Erlass heißt es <abbr>u. a.</abbr>:</p>
<blockquote><p>&#8230; stehen wir einem Vorgange gegenüber, der – selbst bei den erfahrenen zahlreichen traurigen Wahrnehmungen hinsichtlich der ungeordneten israelitischen Glaubensverhältnisse – die kühnste Phantasie überragt. Ein Rabbinats-Assessor, namens Jakob Hirsch, der am 7. April 1861 Mattersdorf verließ und nach Wien übersiedelte, hat angeblich mit dem Mattersdorfer israelitischen Matrikelführer David Kohn ein Übereinkommen getroffen, laut welchem die von Hirsch in Wien vollzogenen Trauungen durch Kohn in die Mattersdorfer Matrikel eingetragen werden.
</p></blockquote>
<p><cite>Israelit 31 (1885), <abbr>S.</abbr> 504</cite></p>
<p>Hier sieht man, mit welchen Schwierigkeiten sich Historiker und Genealogen bei ihrer Arbeit herumschlagen müssen!</p>
<h3>Wer sind die hier genannten Personen?</h3>
<p><strong><abbr>R.</abbr> David Kohn</strong> (gest. 1888) war Vorsitzender des Rabbinatsgerichts von Mattersdorf und als Nachfolger von <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/07/19/einer-der-nicht-rabbiner-sein-wollte/" title="Interner Link zum Beitrag 'Einer der nicht Rabbiner sein wollte'">R. Ahron Singer</a> von 1868 bis 1878 Rabbinatsverweser. In dieser Eigenschaft war er für die Führung der Geburts-, Sterbe- und Trauungsmatriken der dortigen Juden zuständig.</p>
<p><strong><abbr>R.</abbr> Jakob Hirsch </strong>(geb. 1815; gest. zwischen 1903 und 1906) stammte ebenfalls aus Mattersdorf und hatte dort vor seiner Übersiedlung als Rabbinats-Assessor, also Dajjan, fungiert. Er war ein Schwiegersohn des <abbr>R.</abbr> Gabriel Trebitsch. Seine Torastudien hatte er bei dem Mattersdorfer Dajjan <abbr>R.</abbr> Elieser Lipschitz und dann beim <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/10/13/akiba-eger-und-chatam-sofer/" title="Interner Link zum Beitrag 'Akiba Eger und Chatam Sofer'">Chatam Sofer</a> absolviert. Aus persönlichen Gründen – er fühlte sich in Mattersdorf von einem Teil der dortigen Juden verfolgt – verließ er die Gemeinde und ging nach Wien, oder genauer gesagt: nach Sechshaus (erst 1892 in Wien eingemeindet; damals Teil des 14. Bezirks, heute des 15.). Hier wurde er Rabbiner der orthodoxen Gemeinde &#8220;Emunas Awes&#8221; (אמונת אבות, d. h. Glaube der Väter), die in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts einen eigenen Betraum unterhielt. Um 1873 erwarb diese Vereinigung in der Storchengasse 21 ein zweistöckiges Wohnhaus, in dem eine Knabenlehranstalt, eine Talmud-Tora-Schule sowie ein Jugend-, Frauen- und Unterstützungsverein untergebracht wurden. Die Gemeinde, die 1890 aufgrund des Israelitengesetzes der Israelitischen Kultusgemeinde Wien angeschlossen wurde, errichtete dort später eine Synagoge, die sogenannte &#8220;Storchenschul&#8221; <a href="#f1" title="Fu&szlig;note 1: Die Storchenschul">[1]</a><span class="sali">.</span><a id="fn1" name="fn1"></a>.</p>
<h3>Vorwürfe, Ermittlungen und Anschuldigungen</h3>
<p>Es stellte sich heraus, dass Hirsch in den Jahren 1862 – 1878 in Wien insgesamt 143 Trauungsakte vollzogen hat, welche samt und sonders in den erwähnten &#8220;Anhang&#8221; eingetragen worden waren. Die Ehe von <abbr>Dr.</abbr> Wilhelm Szauer und Helene Goldmann war übrigens <abbr>Nr.</abbr> 139.</p>
<p>Trefords Erlass fährt fort:</p>
<blockquote><p>Inwiefern Jakob Hirsch und David Kohn mala fide vorgingen oder nicht und inwiefern bei den in diesen &#8216;Anhang&#8217; eingetragenen Ehen die sonst erforderlichen gesetzlichen Formen eingehalten wurden, weiß ich nicht. Thatsache jedoch ist, daß jede israelitische Gemeinde nur jene Fälle in ihre eigenen Matrikel einzutragen berechtigt ist, welche auf ihrem eigenen Territorium sich zutragen.
</p></blockquote>
<p><cite>Ibid.</cite></p>
<p>Der Minister kommt schließlich zur Schlussfolgerung, dass nicht in Mattersdorf geschlossene, aber dennoch in der dortigen Matrik eingetragenen Ehen als <em>&#8220;nicht existirend, beziehungsweise cassirt zu betrachten&#8221;</em> sind. Die involvierten Personen könnten nicht zur Verantwortung gezogen werden, da Rabbinatsverweser David Kohn bereits verstorben sei, und <abbr>R.</abbr> Jakob Hirsch in Wien, also außerhalb Ungarns, wohne. Seit Kohns Tod habe, nach Jakob Hirschs Aussage vor dem Mattersdorfer Stuhlrichter am 21. September 1883, der Mattersdorfer Rabbiner Samuel Ehrenfeld (Rabbiner 1878–1883) alle Trauungen selbst durchgeführt. Der argwöhnisch gewordene Minister Trefort ordnete daraufhin eine Untersuchung an, mit der der Mattersdorfer Stuhlrichter Molnar betraut wurde.</p>
<p>Aus der Autobiographie <abbr>R.</abbr> Jakob Hirschs in seinem Werk &#8220;Mor Dror&#8221; (1. Teil, S. 20) erfahren wir, dass auch die österreichischen Behörden in der Angelegenheit ermittelten. Hirsch wurde von der Polizei zu einem Verhör vorgeladen und nach eigener Aussage dort sehr höflich und zuvorkommend behandelt. Trotzdem wurde es dem Rabbiner mulmig zumute. Man legte ihm einen Brief der Wiener Kultusgemeinde vor, in dem ihm die unbefugte Vornahme von Trauungen vorgeworfen wird. Hirsch wies die Anschuldigung entschieden zurück und erklärte, als Mattersdorfer Dajjan sei er zu solchen Handlungen sehr wohl autorisiert; außerdem habe er alles fein säuberlich in die Mattersdorfer Matriken eintragen lassen. Die Behörden akzeptierten seinen Standpunkt und ließen ihn unbehelligt ziehen. In seinen Aufzeichnungen bezichtigt Hirsch die Wiener Kultusgemeinde, ihn verfolgt zu haben, weil er sie wegen ritueller Neuerungen bekämpfte.</p>
<h3>Exkurs</h3>
<p>Tatsächlich waren die Spannungen innerhalb der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde nicht mehr zu übersehen. Seit der Freizügigkeit 1848 waren Scharen von Juden aus Osteuropa nach Wien gekommen, vor allem aus Ungarn und der heutigen Slowakei. Diese Neueinwanderer waren zumeist streng orthodox, und zwar nach dem Preßburger Muster. Tatsächlich stammten zahlreiche Ankömmlinge aus dieser Stadt. In Wien fanden sie Glaubensbrüder von liberalerer Gesinnung vor, die bereits im Begriff waren, sich an die nichtjüdische Umwelt zu akkulturieren. Anfang der 1860er Jahre wurden diese Spannungen so stark, dass auch die berühmte Wiener Gemütlichkeit und die vorbildliche und harmonische Zusammenarbeit zwischen dem orthodoxen Rabbiner Lazar Horwitz und Prediger Isak Noah Mannheimer sie nicht mehr zu übertünchen vermochten. Schon im Jahre 1861 forderten die Wiener Orthodoxen Autonomie, drangen aber mit ihren Forderungen nicht durch. </p>
<p>Von da an begann sich die Orthodoxie abzusondern. Obwohl der Führer der sogenannten &#8220;Preßburger&#8221;, Rabbiner Salomon Spitzer (בנימין שלמה זלמן שפיצר), damals noch selbst dem Wiener Bet-Din (Rabbinatsgericht) angehörte – dessen Integrität also auch in den Augen der Allerfrömmsten garantiert war – vermied es die Trennungsorthodoxie nun nach Möglichkeit, die genannte Institution in Anspruch zu nehmen. Ihre Mitglieder heirateten daher außerhalb der damaligen Grenzen Wiens, <abbr>z. B.</abbr> in Sechshaus, dessen jüdische Gemeinde, wie wir bereits gesehen haben, damals noch nicht zur Wiener Kultusgemeinde gehörte. </p>
<p>Einen Höhepunkt erreichten die Zwistigkeiten mit dem Amtsantritt des liberal gesinnten Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Ignaz Kuranda. Im Jahre 1872 wollte der Vorstand der IKG in den beiden großen Tempeln gewisse Gebete abschaffen. Die Orthodoxen stiegen natürlich sofort auf die Barrikaden. In bester Wiener Manier einigten sich die Rabbiner und der Vorstand schließlich auf einen Kompromiss  (diese Gebete sollten leise rezitiert werden), doch Rabbi Spitzer machte da nicht mit und trat aus dem Wiener Bet-Din (Rabbinatsgericht) aus. Er versuchte für seine Gesinnungsgenossen von den Behörden die Anerkennung als eigene Gemeinde zu erreichen. Trotz starkem Druck, einer Medienkampagne und der Unterstützung von zahlreichen ausländischen orthodoxen Rabbinern wurde diesem Ansuchen jedoch nicht stattgegeben. Vermutlich haben die Vorgänge in Ungarn um die Trennung der Gemeinden die Behörden abgeschreckt.</p>
<p>Jetzt, da die Wiener Orthodoxen das Beth Din der Kultusgemeinde nach dem Ausscheiden Spitzers einerseits nicht mehr anerkannten, anderseits aber rechtlich nicht befugt waren, selbst ein solches zu bilden, waren sie gänzlich auf andere, ihrer Meinung nach religiös zuverlässige Gemeinden angewiesen. In einer Zeitungsmeldung aus dem &#8220;Israelit&#8221; 4 (1873), <abbr>S.</abbr> 56 ist <abbr>z. B.</abbr> die Rede von einem Vater, der sich mit der Bitte um einen Get (Scheidungsbrief) für seine Tochter an Rabbiner Spitzer gewandt hatte. Dieser verwies den Mann daraufhin an das Mattersdorfer Beth Din. </p>
<p><strong>Wieder Mattersdorf!</strong></p>
<h3>Conclusio</h3>
<p>Die eingangs erwähnten Eintragungen der von <abbr>R.</abbr> Jakob Hirsch durchgeführten Trauungen in die Mattersdorfer Matriken beweist, dass nicht nur in Ungarn, sondern auch in Österreich die religiösen Angelegenheiten der Juden nicht geregelt waren. Erst das sogenannte &#8220;Israelitengesetz&#8221; aus dem Jahre 1890 stellte das Verhältnis der verschiedenen Kultusgemeinden zum Staat auf eine einheitliche Rechtsgrundlage. Und in Ungarn wurde 1885 eine Reform des jüdischen Matrikenwesens unternommen. Es hat den Anschein, dass die Gemeinde Mattersdorf einen nicht unbedeutenden Anteil daran hat.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>Der spezielle Fall: </p>
<ul>
<li>Israelit 31 (1885), S. 503-505; 33 (1885), <abbr>S.</abbr> 547</li>
<li>Jakob Hirsch, &#8220;Mor Dror&#8221;, 1. Teil, <abbr>S.</abbr> 20</li>
<li>R. Jakob Hirsch: Kinstlicher, Der Chatam Sofer und seine Schüler (heb.), <abbr>S.</abbr> 218-222</li>
</ul>
<p><a id="f1" name="f1"></a>[1] Tempelverein Storchengasse <span class="ext2">[<a href="#fn1" title="wieder nach oben zur Textstelle">Zur&uuml;ck zum Text (1)</a>]</span><span class="sali">.</span>:</p>
<ul>
<li><a href="http://david.juden.at/kulturzeitschrift/57-60/59-Andacht.htm">Jüdische Kulturzeitschrift &#8220;David&#8221;</a></li>
<li><a href="http://www.herklotzgasse21.at/seiten/storchen.html">Projekt &#8220;Herklotzgasse 21&#8243;</a></li>
</ul>
<p><br class="clear" /></p>
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