Thema: Friedhof Eisenstadt (älterer)

Kamen Hirz – 03. Juli 1679

Naftali Hirz ben Abraham ha-Levi Kamen (Coma), 23. Tammus 439 (= Montag, 03. Juli 1679)

J-20 (Wachstein 1)

Großformat: Grabstein Naftali Hirz ben Abraham ha-Levi Kamen (Coma), 23. Tammus 439

  • Grabstein Scan Wachstein Naftali Hirz ben Abraham ha-Levi Kamen (Coma)
  • älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor J



Der Grabstein von Hirz Kamen ist der älteste jüdische Grabstein des Burgenlandes.

Selbstverständlich haben wir Hirz Kamen einen eigenen Blogartikel gewidmet: Der älteste jüdische Grabstein des Burgenlandes


Ausnahmsweise soll die doch eher kurze, aber umso schönere Inschrift übersetzt und kommentiert werden:


[Levitenkrug] 
 

[1. Zeile:]

Hier 

[2. Zeile:]

ist geborgen ein Mann der Treue.  

[3. Zeile:]

Dieser Betagte, der Weisheit erworben hat, sein guter 

[4. Zeile:]

Name duftet nach Myrrhe und Weihrauch, 

5. Zeile:

der Großrichter war i(n der) h(eiligen jüdischen) G(emeinde) Wien. 

6. Zeile:

Ein Eckstein, sein Lob (das Lob des Guten) – wer 

7. Zeile:

könnte es zählen? E(s ist) d(er) weise und vollkommene, 

8. Zeile:

ein verborgener Schatz, der MORENU Naftali 

9. Zeile:

Hirz, S(ohn) d(es ehrbaren) H(errn) Abraham 

10. Zeile:

Se’gal, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden), Kamen. Er verstarb am Tag 2 (= Montag), 23. 

11. Zeile:

Tammus 439 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). S(eine Seele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). 

[ציור קנקן]
 

[1. Zeile:]

פה

[2. Zeile:]

נטמן איש אמונה

[3. Zeile:]

זקן זה שחכמה קנה שמו
 

[4. Zeile:]

הטוב נודף ממור ולבונה

5. Zeile:

שהיה דיינא רבה בק“ק ווינא
 

6. Zeile:

אבן פינה שבחו הטוב מי

7. Zeile:

מנה ה“ה החכם השלם
 

8. Zeile:

אוצר בלום מהור“ר נפתלי

9. Zeile:

הירץ בה“ה כה“ר אברהם

10. Zeile:

ס“ל ז“ל קאמן נפטר ביום ב’ כ“ג
 

11. Zeile:

תמוז תל“ט לפ“ק תנצב“ה


Zeile 3: Siehe v.a. babylonischer Talmud, Traktat Qidduschin 32b, wo auf Numeri 11,16 Bezug genommen wird „Und der HERR sprach zu Mose: Versammle mir siebzig Männer aus den Ältesten Israels…“. Rabbi Jose der Galiläer sagte: „Unter Alten ist einer zu verstehen, der Weisheit erworben hat“. Raschi interpretiert זקן also Notarikon: זה קנה (חכמה) „Dieser erwarb (Weisheit)“.

Zeile 4: ממור ולבונה: Siehe Hohelied 4,14

Zeile 8: אוצר בלום wird über Rabbi Akiba gesagt. Siehe babylonischer Talmud, Traktat Gittin 67a, wo der Abschnitt beginnt mit „Isi ben Jehuda zählte die Vorzüge der Weisen auf … Rabbi Akiba ist eine vollgestopfte Schatzkammer…“. Gemeint ist, dass Rabbi Akiba umfangreiches Wissen über die verschiedensten rabbinischen Traditionen und literarischen Gattungen verfügte.



Ehefrau: Zirl Kamen

Töchter: Gütel Lipschitz, Rechle Lipschitz und Bella Austerlitz

Söhne: Isak Kamen und Koppel Kamen


Wachstein zitiert den oben abgebildeten Grabstein von Hirz Kamen als Beispiel für Barocksteine, deren Bekrönung aus übereinander gestellten Volutenbändern gebildet wird. Wachstein vermutet, dass der Grabstein dem Stein von Zvi Hirsch ben Jehuda ha-Cohen Rapa auf dem jüdischen Friedhof Rossau (Seegasse, Wien) aus dem Jahre 1664 nachgebildet ist.

Siehe Wachstein B., Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil, 1540 (?) – 1670, Wien 1912, 448



Zum Grabstein selbst:

113 cm h., 70 cm br., 13 cm d., 67 cm Th., 58 cm Zl, Schrifttafel mit einfacher Umrahmung, darüber Bekrönung, die von doppelt aufeinander liegenden, aufwärts gerichteten eingerollten Voluten eingefasst wird. Der freigelassene Raum des Giebelfeldes weist eine gehenkelte, offene, kannelierte Levitenkanne in erhabener Arbeit auf…

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., XXXVIIIf

In der Einleitung zu seiner Monografie schreibt Wachstein bzw. Wolf, dass insbesondere in der Anfangszeit der jüdischen Gemeinde Eisenstadt (also nach 1672) viele Grabsteine von Wien nach Eisenstadt gebracht wurden und erst später auf die regionalen Steinbrüche zurückgegriffen wurde. Selbstverständlich in erster Linie auf den Römersteinbruch in St. Margarethen nahe Eisenstadt.
Der Grabstein von Hirz Kamen ist allerdings weder aus Wien noch aus St. Margarethen, sondern sehr wahrscheinlich ein Stein aus Winden, eventuell auch aus Au am Leithagebirge.


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Reberger Eleonora – 18. Oktober 1847

Eleonora Reberger, 18. Oktober 1847 – ohne Grabstein

Großformat: Matrikenauszug Eleonora Reberger, 18. Oktober 1847



Eleonora Reberger, Tochter des Heinrich Reberger, Handelsmann, geb. in Kapovar, verstorben 18. Oktober 1847 mit 22 Jahren in Eisenstadt und dort beerdigt.

Danke an Traude Triebel fürs Finden des Matrikeneintrags!

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Österreicher Jütel – 09. Juni 1866

[Jütel] Frau [Jakob] Hirsch Österreicher aus Kobersdorf, 26. Siwan 626 (= Schabbat, 09. Juni 1866)

ב-R16 (Wachstein 1022)

    Grabstein [Jütel] Fruau [Jakob] Hirsch Österreicher aus Kobersdorf, 26. Siwan 626
  • älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor Bet


פ“ט
ה“ה האשה היקרה רכה בשנים
ענוגה … אשת המו …
כ’ הרש עסטרייכער מק“ק ק“ד נפטרת …
ביום ש“ק כ“ו סיון שנת תרכ“ו לפ“ק

תנצב“ה


Der Grabstein ist zum Teil nicht mehr leserlich.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., 290

Zeile 2b: „Zart an Jahren“. Jütel Österreicher starb also jung.

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Spitz Levia – 29. März 1774

Levia Tochter (Mordechai), Frau Israel Hirsch ha-Levi Spitz, 17. Nisan 534 (= Dienstag, 29. März 1774)

O-30 (Wachstein 346)

  • Grabstein Levia Tochter (Mordechai), Frau Israel Hirsch ha-Levi Spitz, 17. Nisan 534
  • älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor O


נפטרה ונקברה יום ג’ א’ דחוה“מ של פסח תקל“ד

פה טמונה
וגנוזה אשה הגונה וזריזה למצות
בוראה יקרה וישרה מ’ לביאה ב“ה
(מרדי) אשת המנוח הר“ר ישראל הרש
שפיץ סל“ל ז“ל נז(מתה ת)הא …

תנצב“ה



Ehemann: Israel Hirsch Spitz Halevi

Töchter: Jütel Frau Joel Halevi aus Kapuvár und Rösel Modern


Zeile 1: Sie verstarb und wurde begraben am Tag 3 (= Dienstag), 1. Tag d(er) Z(wischen)f(eier)t(age) v(on) Pesach“.


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Teltsch Samuel – 29. September 1823

Samuel ben Elia Teltsch aus Nikolsburg, 24. Tischre 584 (= Montag, 29. September 1823)

Z-3 (Wachstein 626)

  • Grabstein Samuel ben Elia Teltsch aus Nikolsburg, 24. Tischre 584
  • älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor Z


נפטר ונקבר יום ב’ א“ח דסוכות
תקפ“ד לפ“ק

פ“נ
הב’ החשות ירא ד’ מרבים
ממשפחה יקרה נטע שעשועי
ה“ה כ“ה שמואל בן הק המרומם
הר“ר אלי טעלאש יצ“ו מניקלסבורג

תנצב“ה




Wachstein merkt dan, dass der Verstorbene vielleicht ein Besucher der Jeschiva war.

Siehe Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., 200
Zeile 1: Er verstarb und wurde begraben am Tag 2 (= Montag), Isru Chag von Sukkot“.

Zeile 1 der Eulogie: „Der J(üngling) / der junge Mann“.


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