Thema: Friedhof Eisenstadt (jünger)

Janowitz Franziska – 06. September 1889

Franziska (Fradel) Janowitz, 10. Elul 5649 (= Freitag, 06. September 1889)

Standortnummer: 637

  • Grabstein Janowitz Franziska - 06. September 1889

    Foto 1993

  • Grabstein Janowitz Franziska - 06. September 1889

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Fradel Janowitz: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פט
[2] eine edle Frau, erfüllt von Edelmütigkeit, אשה יקרה מלאת [רוח] נדיבה
[3] bescheiden und fromm, eine gute […] Frau. צנועה וחסידה בעלת […] טובה
[4] […] […עלה]
[5] […] […]
[6] Frau Fradel Janowitz, a(uf ihr sei) F(riede), מרת פראדל יאנאוויטץ עה
[7] Tochter des […], s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden). בת […] ז“ל
[8] [Witwe d(es ehrbaren) H(errn) Beer Janowitz], s(ein Andenken) m(öge bewahrt weden). [אלמנת כ“ה בער יאנאוויטץ] ז“ל
[9] [Sie verstarb…] [נפטרה…]
[10] m[it gutem Namen] am Sonntag […] des Jahres ב[שם טוב] ביום א […] שנת
[11] […] n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). […] לפק
[12] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Zeile 2: Vgl. Deuteronomium 34,9 „Josua…war vom Geist der Weisheit erfüllt…“ ויהושע…מלא רוח חכמה….

Zeile 3: Babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 53b צנועה אשה.

Zeile 10: Vgl. Berachot 17a „…Heil dem, der … mit gutem Namen gestorben ist …“ אשרי…שנפטר בשם טוב; vgl. auch babylonischer Talmud, Traktat Avot II,8 „…hat er einen guten Namen erworben, hat er etwas für sich erworben“. Der gute Name kommt im Gegensatz zu allen anderen geistigen und sittlichen Gütern fast ausschließlich dem Besitzer zugute und bleibt auch nach dem Tod sein eigen (Hirsch Samson Raphael, Siddur. Israels Gebete, Zürich-Basel 1992, 443); s. auch Avot IV, 7 „… Drei Kronen gibt es: die Krone der Tora, die Krone des Priestertums und die Krone des Königtums; die Krone des guten Namens aber erhebt sich über sie“ ‎‏‏ … שלשה כתרים הן: כתר תורה וכתר כהונה וכתר מלכות: וכתר שם טוב עולה על גביהן.

Zeile 10/11: In Wachstein B., Die Grabinschriften des Alten Judenfriedhofes in Eisenstadt, Eisenstädter Forschungen, hrsg. von Sándor Wolf, Band I, Wien 1922, 288f, Anm. 50) gibt Wachstein als Sterbedatum von Franziska (Fradel) Janowitz den 07. September 1889 an. Vermutlich liegt das am jüdischen Datum in der hebräischen Inschrift, das aber heute leider nicht mehr lesbar ist. Der 06. September 1889 ist Freitag, der 10. Elul 5649, der 07. September Schabbat, der 11. Elul. In der hebräischen Grabinschrift lesen wir, dass Franziska Janowitz am Sonntag verstorben ist, das war der 12. Elul. Wenn Franziska Janowitz am Abend des 07. September gestorben ist, wäre sie bereits am 12. Elul verstorben, was Wachstein wahrscheinlich intendiert. Oben wurde dem Datum der Sterbematriken der Vorzug gegeben.


Biografische Notizen

Fradel Janowitz, geb. Spitzer in Eisenstadt, Witwe, Private, gest. mit 67 Jahren an Altersschwäche in Eisenstadt

Vater: Samuel Spitzer, gest. 09. Dezember 1844, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt,
Mutter: Chaja Sara Spitzer, gest. 16. August 1848, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt

Ehemann: Beer Janowitz, gest. 04. Mai 1873, begraben am älteren jüdischen Friedhof Eisenstadt

Schwestern: Rösel Austerlitz, gest. 09. Jänner 1856, begraben am älteren jüdischen Friedhof Eisenstadt,
Rosa Wolf

Brüder: Abraham Spitzer, gest. 25. September 1873, begraben am älteren jüdischen Friedhof Eisenstadt,
Lemmel Spitzer, gest. 12. April 1865, begraben am älteren jüdischen Friedhof Eisenstadt

Matriken Tod Franziska Janowitz

Matriken Tod Franziska Janowitz


Material und Maße des Grabsteins

Kalksandstein, 185/60/35

Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt


Friedhof Eisenstadt (jünger)

| Kommentare (6)

Stadler Karoline – 10. März 1900

Karoline (Lea) Stadler, 09. Adar II 660 (= Schabbat, 10. März 1900)

Standortnummer: 640

  • Grabstein Stadler Karoline - 10. März 1900

    Foto 1993

  • Grabstein Stadler Karoline - 10. März 1900

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Karoline Stadler: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פנ
[2] die edle Frau, die Bescheidene und Prachtvolle, האשה היקרה הצנועה והמפוארה
[3] Frau Lea, מרת לאה
[4] Witwe des gerechten und prachtvollen Rabbinischen אלמנת הרבני הצדיק המפואר
[5] des MORENU Salman Stadler, a(uf ihm sei) F(riede). כמו“ה זלמן שטאדלער ע“ה
[6] und Tochter des berühmten, angesehenen, e(hrenhaften) H(errn) Löb Wolf, a(uf ihm sei) F(riede). ובת הנגיד המפורסם כ“ה ליב וואלף ע“ה
[7] Eine Frau von edlem Geist und redlichem Herzen. אשה יקרת רוח ואמונת הלבב
[8] Herrliches sagt man von ihr über ihre Tugenden und Eigenschaften. נכבדות מדבר בה במעלות ומדות
[9] Sie erwarb sich einen guten Namen in Ruhm und Ehren, קנתה שם טוב לתהלה ולתפארת
[10] sie tat Großes und wird demgemäß Gnade ernten. עשתה חיל ותקצר לפי חסד
[11] Sie starb am h(eiligen) Sch(abbat), dem 9. Adar II 660 מתה ביום ש“ק ט אדר שני תרס
[12] und wurde ehrenvoll begraben am Sonntag unter Anteilnahme der Angehörigen ונקברה ביום א בכבוד בקבוץ בני
[13] und der Vorstände ihrer Familie aus nah und fern. ובעלי משפחתה מקרוב ומרחוק
[14] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה

Sockel

Inschrift Karoline Stadler: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Friedländer & Deutsch Wien


Anmerkungen

Zeile 2: Babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 53b צנועה אשה.

Zeile 5: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 7: Sprüche 17,27 וקר (ק: יקר) רוח.

Zeile 8: Vgl. Psalm 87,3 „Herrliches sagt man über dich, (Stadt unseres Gottes, Sela)“.

Zeile 9: קנה שם טוב Babylonischer Talmud, Traktat Avot II,8 „…hat er einen guten Namen erworben, hat er etwas für sich erworben“. Der gute Name kommt im Gegensatz zu allen anderen geistigen und sittlichen Gütern fast ausschließlich dem Besitzer zugute und bleibt auch nach dem Tod sein eigen (Hirsch Samson Raphael, Siddur. Israels Gebete, Zürich-Basel 1992, 443); s. auch Avot IV, 7 „… Drei Kronen gibt es: die Krone der Tora, die Krone des Priestertums und die Krone des Königtums; die Krone des guten Namens aber erhebt sich über sie“ ‎‏‏ … שלשה כתרים הן: כתר תורה וכתר כהונה וכתר מלכות: וכתר שם טוב עולה על גביהן.

Vgl. Jeremia 13,11 „…(das Haus Juda soll mir werden)…zum Namen, zum Preis und zum Ruhm …ולשם…ולתהלה ולתפארת…; vgl. bes. auch Deuteronomium 26,19.

Zeile 10: Vgl. Psalm 118,15.16 עשה חיל u.a.

Vgl. Hosea 10,12 „…so werdet ihr ernten gemäß der (göttlichen) Liebe…“ …קצרו לפי חסד….


Biografische Notizen

K/Caroline (Lina) (Lea) Stadler, geb. Wolf im März 1840 in Eisenstadt, gest. mit 60 Jahren an Schlagadernverkalkung; wh: Eisenstadt, Permayerstraße 312.

Vater: Leopold Wolf, gest. 11. Jänner 1866, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt
Mutter: Rosa Wolf, geb. Spitzer

Ehemann: Salomo Stadler, geh. 26. Juli 1858 in Eisenstadt. Salomon war bei der Hochzeit 30 Jahre, Caroline 18 Jahre alt.

Schwestern: Kathi (Elki) Spitzer, gest. 26. Jänner 1885,
Resi Wolf, gest. in Neudörfl 10. Februar 1909,
Fanny Pollak, gest. 12. August 1884,
Lisi Schleiffer, gest. in Keszthely 13. Juli 1887,
Adele (Edel) Latzko, gest. 20. Oktober 1870, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt,
Hanni Kauders, gest. 19. Jänner 1892

Brüder: Adolf, Ignaz

Söhne: Isidor, geb. 09. Oktober 1861 in Szombathely, Realschule Frankfurt/Main, 1874 bis 1882 in Frankfurt/Main, Wien und Triest), vormals Mitglied der Komitats-Kongregation Eisenburg, Gemeinderat der Stadt Szombathely, Kaufmann, Börsenrat, Direktionsrat der Filiale der Banca Ungaro-Italiana, geh. 30. September 1895, wh: Szombathely, Wesselényi-ut. 16,
Sigmund, geb. 29. November 1863 in Szombathely, Handelsschule, Kaufmann in Szombathely, geh. 15. September 1897, gest. 01. Mai 1918 in Budapest,
Dr. Franz, geb. 04. September 1877 in Szombathely, Handelsakademie Pressburg, Oberrealschule Sopron, Technische Hochschule München und Charlottenburg, Univ. Berlin, Basel, Münster i.W. (phil. Fakultät), Publikationen: „Hans Multscher und seine Werkstatt“ 1908, „Michael Wolgemut und die Nürnberger Holzschnitte des 15. Jahrhunderts, 1913, Kriegsdienst, Hauptmann der Reserve, Divisionsartilleriereferent. Mitglied des Deutschen Vereines für Kunstwissenschaft, geh. 21. Juli 1913, Privatdozent der Kunstgeschichte an der Universität Zürich, wh: München, Lessingstraße 4/II,
Dr. Wilhelm, geb. 25. Februar 1880 in Szombathely, Universität Leipzig, Zürich, Berlin (phil. Fakultät, Chemie), geh. 25. Februar 1914, Kriegsdienst, Oblt der Reserve, Kriegsgefangener (Sibirien), Chemiker in Perchtoldsdorf, Wiener Straße 47

Tochter: Jenny, geb. 26. Mai 1870

Matriken Hochzeit Caroline Wolf und Salomon Stadler

Matriken Hochzeit Caroline Wolf und Salomon Stadler


Material und Maße des Grabsteins

Diorit, 218/83/42

Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt


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| Kommentare (3)

Stadler Salomo – 10. Dezember 1894

Salomo Stadler, 12. Kislew 655 (= Montag, 10. Dezember 1894)

Standortnummer: 213

  • Grabstein Stadler Salomo - 10. Dezember 1894

    Foto 1993

  • Grabstein Stadler Salomo - 10. Dezember 1894

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Salomo Stadler: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פט
[2] der Rabbinische und angesehene Herr, ein untadeliger, gerechter Mann, הרבני הנגיד איש צדיק תמים,
[3] der unsere Rabbinen verehrte, einer der Hervorragendsten מוקיר רבנן, ממיוחדי
[4] und Adeligen der Israeliten, die im Lande sind, אצילי בני ישראל אשר במדינה,
[5] ein Eckstein und festes Fundament אבן פנה מוסד מוסד
[6] für die Versammlungsstätten der G(ottes)fürchtigen. למקהלות יראי ה’.
[7] Treue Liebe, edelster Geist und nobelstes Herz האהבה הנאמנה יקרת הרוח ונדיבות הלב
[8] erschienen strahlend inmitten seines Hauses. D(er) w(ürdevolle) N(ame) des MORENU war הופיעו נהרה בתוך ביתו כש“ת מו“ה
[9] Salomo, שלמה
[10] der genannt wurde H(err) Salman Stadler, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden). המכונה ר’ זלמן שטאדלער ז“ל
[11] Er verstarb in der Stadt Ödenburg am 12. Kislew 655 נפטר בעיר אדענבורג ביום י“ב כסלו תרנה,
[12] und wurde mit großer Ehre und viel Wehklagen zu Grabe gebracht והובל לקברות בכבוד גדול ובמספר רב
[13] hier in der h(eiligen jüdischen) G(emeinde) E(isen)s(tadt). פה ק“ק א“ש
[14] Einen guten Namen erwarb er in Israel und übte Gerechtigkeit und Anständigkeit. שם טוב קנה בישראל, פעל צדק וישר
[15] Er bemühte sich Güte walten zu lassen, und erwarb sich Reichtum durch Recht. לעשות חסד עמל, ועשה במשפט עושר
[16] Einen h(eiligen) Kampf führte er mit seiner ganzen Kraft und seinem ganzen Vermögen, מלחמות ה’ לחם בכל נפשו וכל מאודו
[17] er hielt die Fahne des Glaubens hoch, um sich durch Pracht und Hoheit auszuzeichnen. הרים דגל האמונה להתנוסס בהדרו והודו
[18] Er säte den Samen des Glaubens auf die Furchen des Herzens seiner Kinder, זרע זרע אמונה על תלמי לב בניו
[19] damit sie die Verordnungen G(ottes) beachten und auf seinen Spuren gehen. לשמור פקודי ה’, ולצאת בעקבותיו
[20] Nachdem du so vieles ertragen hast, wirst du das Licht erblicken und es wird dir Genüge getan werden an einem friedlichen Ort. מעמל נפשך תראה תשבע בנוה שאננים
[21] Deine Seele möge ruhen im Bund des Lebens im Garten Eden. נשמתך בצרור החיים תנוח בעדן גנים!
[22] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה

Sockel

Inschrift Salomo Stadler: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Sommer & Weniger Wien.


Anmerkungen

Zeile 2: Sprüche 28,18 הולך תמים; vgl. auch Psalm 15,2. Babylonischer Talmud, Traktat Makkot 24a setzt den makellos Wandelnden mit Abraham gleich …הולך תמים זה אברהם… mit Verweis auf Genesis 17,1 „…er (der Herr) sprach zu (Abraham):…sei rechtschaffen“.

Zeile 5: Vgl. Jesaja 28,16 „…ich lege einen Grundstein in Zion, einen harten und kostbaren Eckstein, ein Fundament, das sicher und fest ist…“ …אבן בחן פנת יקרת מוסד מוסד….

Zeile 6: מקהלות v.a. aus der Liturgie (s. Gebet „Der ewig wohnt…“ שוכן עד… im Morgengebet für Schabbat u.a.) bekannt.

Zeile 7: Sprüche 17,27 וקר (ק: יקר) רוח.

Zeile 8: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 11: Ödenburg ist der deutsche Namen für (ung.) Sopron.

Zeile 13: Vgl. Babylonischer Talmud, Traktat Berachot 9b u.a. „…im Namen der heiligen Gemeinde zu Jerusalem…“ …משום קהלא קדישא דבירושלים….

Zeile 14: Babylonischer Talmud, Traktat Avot II,8 קנה שם טוב „…hat er einen guten Namen erworben, hat er etwas für sich erworben“. Der gute Name kommt im Gegensatz zu allen anderen geistigen und sittlichen Gütern fast ausschließlich dem Besitzer zugute und bleibt auch nach dem Tod sein eigen (Hirsch Samson Raphael, Siddur. Israels Gebete, Zürich-Basel 1992, 443); s. auch Avot IV, 7 „… Drei Kronen gibt es: die Krone der Tora, die Krone des Priestertums und die Krone des Königtums; die Krone des guten Namens aber erhebt sich über sie“ ‎‏‏ … שלשה כתרים הן: כתר תורה וכתר כהונה וכתר מלכות: וכתר שם טוב עולה על גביהן.

Zeile 15: Vgl. Jeremia 17,11 „…so ist ein Mensch, der Reichtum durch Unrecht erwirbt…“ …עשה עשר ולא במשפט….

Zeile 16: Wörtl.: „einen Krieg G(ottes)“.

Zeile 17: Zum Wort התנוסס. S. bes. Psalm 60,6: „Für alle, die dich fürchten, hast du ein Zeichen aufgestellt, zu dem sie fliehen können…“ (so die Einheitsübersetzung). Buber-Rosenzweig: „…den dich Fürchtenden gabst du ein Bannerzeichen, dass es sich abzeichne vor der Redlichkeit her“ נתתה ליראיך נס להתנוסס…. S. bes. Kommentare zur Stelle, denen die Übersetzung von Buber-Rosenzweig wohl am nächsten kommt.

Zeile 18: Genesis 1,29 זרע זרע.

Zeile 20: Jesaja 53,11 מעמל נפשו יראה ישבע.

Jesaja 33,20 „…(deine Augen werden Jerusalem sehen), den friedlichen Ort…“ …נוה שאנן….

Zeile 21: „Eden“ wird als Aufenthaltsort der verschiedenen Seele verstanden, später als Wohnort der Seligen, aber auch als vollkommenster Ausdruck der Belohnung (s. Zunz L., Zur Geschichte und Literatur, Berlin 1845, 341ff).

Zeile 14-21: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben ergeben die hebräischen Vornamen des Verstorbenen (Salomo Salman).


Biografische Notizen

Salomo Stadler, Kaufmann; geb. Dezember 1826 in Szombathely; zu seinen Vorfahren zählten der berühmte Hohe Rabbi Löw (ca. 1520 – 1609, seit 1573 Rabbiner von Prag) und Menachem Mendel Krochmal (1600 – 1661), Landesrabbiner von Mähren und Verfasser des Responsenwerkes „Zemach Zedek“. Krochmal war auch Mitbegründer der ungarischen Orthodoxie und Mitglied der ungarischen orthodoxen Landeskanzlei. Auf Salomo Stadler geht die Gründung der Firma Isak Stadler’s Söhne in Szombathely zurück; wh: Eisenstadt, Permayerstraße 312.

Vater: Isak Stadler
Mutter: Juli/y Stadler
Ehefrau: K/Caroline (Lea) Wolf, geh. 26. Juli 1858 in Eisenstadt. Salomon war bei der Hochzeit 30 Jahre, Caroline 18 Jahre alt.

Söhne: Isidor, geb. 09. Oktober 1861 in Szombathely, Realschule Frankfurt/Main, 1874 bis 1882 in Frankfurt/Main, Wien und Triest), vormals Mitglied der Komitats-Kongregation Eisenburg, Gemeinderat der Stadt Szombathely, Kaufmann, Börsenrat, Direktionsrat der Filiale der Banca Ungaro-Italiana, geh. 30. September 1895, wh: Szombathely, Wesselényi-ut. 16,
Sigmund, geb. 29. November 1863 in Szombathely, Handelsschule, Kaufmann in Szombathely, geh. 15. September 1897, gest. 01. Mai 1918 in Budapest,
Dr. Franz, geb. 04. September 1877 in Szombathely, Handelsakademie Pressburg, Oberrealschule Sopron, Technische Hochschule München und Charlottenburg, Univ. Berlin, Basel, Münster i.W. (phil. Fakultät), Publikationen: „Hans Multscher und seine Werkstatt“ 1908, „Michael Wolgemut und die Nürnberger Holzscnitte des 15. Jahrhunderts, 1913, Kriegsdienst, Hauptmann der Reserve, Divisionsartilleriereferent. Mitglied des Deutschen Vereines für Kunstwissenschaft, geh. 21. Juli 1913, Privatdozent der Kunstgeschichte an der Universität Zürich, wh: München, Lessingstraße 4/II,
Dr. Wilhelm, geb. 25. Februar 1880 in Szombathely, Universität Leipzig, Zürich, Berlin (phil. Fakultät, Chemie), geh. 25. Februar 1914, Kriegsdienst, Oblt der Reserve, Kriegsgefangener (Sibirien), Chemiker in Perchtoldsdorf, Wiener Straße 47

Tochter: Jenny, geb. 26. Mai 1870

Matriken Hochzeit Caroline Wolf und Salomon Stadler

Matriken Hochzeit Caroline Wolf und Salomon Stadler


Material und Maße des Grabsteins

Gabbro, 240/90/47

Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt


Friedhof Eisenstadt (jünger)

| Kommentare (1)

Wolf Rosa – 16. Februar 1882

Rosa (Rebekka) Wolf, 27. Elul 662 (= Donnerstag, 16. Februar 1882)

Standortnummer: 639

  • Grabstein Wolf Rosa - 16. Februar 1882

    Foto 1993

  • Grabstein Wolf Rosa - 16. Februar 1882

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Rosa Wolf: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Hier ist geborgen פה טמונה
[2] eine edle und verehrte Frau, die Einflussreiche, die Großartige, אשה יקרה ונכבדה הקצינה המפוארה
[3] bescheiden und gepriesen, Krone ihrer Kinder und Zierde ihrer Familie. צנועה ומהללה עטרת בניה ותפארת משפחתה
[4] In ihrem Glück priesen sie Söhne und Töchter, Schwiegersöhne und Schwiegertöchter. באשרהי אשרוה בנים ובנות חתנים וחתנות
[5] Unter den Wohlhabenden des Volkes und den Mäzenen Israels war auch sie erfolg- מעשירי עם ונדיבי ישראל אף היא עשתה
[6] reich und erwarb sich einen Namen im Verbreiten von Segen und Wohl. Sie חיל וקנתה שם להפיץ ברכה וטוב היתה
[7] verwaltete und erhielt die ganze Synagogenbruderschaft, סוכנת ופרנסת לחברת הכנסת כלה
[8] Frau Rebekka Wolf, a(uf ihr sei) F(riede), מרת רבקה וואלף ע“ה
[9] Witwe des seligen Einflussreichen, des Freigiebigen, d(es hrenhaften) H(errn) Löb Wolf Halevi, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden), אלמנת המנוח הקצין הנדיב כ“ה ליב וואלף הלוי ז“ל
[10] und Tochter des Vorstehers und Leiters, H(errn Samuel Spitz, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden). ובת הראש והמנהיג ה’ שמואל שפיטץ ז“ל
[11] Sie starb mit 82 Jahren in erfülltem hohem Alter מתה בת פ“ב שנים במלואת ספק הזקנה
[12] und Greisenalter am Donnerstag, dem 21. Schvat, abends, und wurde והשיבה יום ה’ לעת ערב כ“א שבט והובלה
[13] zu Grabe gebracht mit großer Ehre von ihren versammelten Familienangehörigen לקברות בכבוד גדול אסיפת בני משפחתה
[14] und der Versammlung aller Gemeindemitglieder am 1. N(eu)(m(ond)t(ag) Adar וקבוץ כל בני הקהלה יום א’ דר“ח אדר
[15] 642 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). תרמב לפק
[16] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה
[17] Zwölfer, Wien


Anmerkungen

Zeile 2/3: Babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 53b צנועה אשה.

Zeile 4: באשרהי wohl Schreibfehler in der Inschrift. Es sollte באשרה heißen. Vgl. Hld 6,9 „…erblicken sie die Mädchen, sie preisen sie; Königinnen und Nebenfrauen rühmen sie“ …ראוה בנות ויאשרוה מלכות ופילגשים ויהללוה:.

Zeile 6: Vgl. babylonischer Talmud, Traktat Avot II,8 „…hat er einen guten Namen erworben, hat er etwas für sich erworben“ …קנה שם טוב, קנה לעצמו…. Der gute Name kommt im Gegensatz zu allen anderen geistigen und sittlichen Gütern fast ausschließlich dem Besitzer zugute und bleibt auch nach dem Tod sein eigen (Hirsch Samson Raphael, Siddur. Israels Gebete, Zürich-Basel 1992, 443); s. auch Avot IV, 7 „… Drei Kronen gibt es: die Krone der Tora, die Krone des Priestertums und die Krone des Königtums; die Krone des guten Namens aber erhebt sich über sie“ ‎‏‏ … שלשה כתרים הן: כתר תורה וכתר כהונה וכתר מלכות: וכתר שם טוב עולה על גביהן.

Zeile 11: Vgl. aus dem Morgengebet für Tisch’a be-Av: „Damals, als das Maß der wie Tirza Schönen (Beiname für Israel, s. Hohelied 6,4) voll war…“ אז במלאת ספק יפה כתרצה….

Zeile 12: Die Grabinschrift findet sich abgedruckt bei Wachstein B., Die Grabinschriften des Alten Judenfriedhofes in Eisenstadt, Eisenstädter Forschungen, hrsg. von Sándor Wolf, Band I, Wien 1922, 287), weil der Ehemann der Verstorbenen, Leopold Wolf am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt begraben ist. Dort ist sie jedoch nicht zeilengerecht wiedergegeben, und in der 4., 10., 11. und 12. Zeile mussten kleine Korrekturen angebracht werden. So bietet das Datum einige Probleme: Bei Wachstein mit כ“ז (27.) Schvat angegeben, ist am Stein ein eindeutiges כ“א (21.) Schvat zu erkennen, wenngleich das א leicht verderbt ist und ev. später korrigiert worden sein könnte. Der 21. Schvat war jedoch kein Donnerstag, sondern ein Freitag. Darüberhinaus wäre die Tote erst nach 9 Tagen beerdigt worden; dies ist jedoch, wenn nichts darauf hinweist, dass sie überführt werden musste, unüblich. Der 1. Neumondtag Adar ist der 30. Schvat, d. i. im Jahr 5642/1882 der 19. Februar (lt. Matriken 18. Februar, was schlicht daran liegt, dass der jüdische Tag bereits am Abend beginnt). Jedenfalls bestätigen die Sterbematriken den 27. Schvat, also den 16. Februar!


Biografische Notizen

Rosa (Rebekka) Wolf, Witwe, geb. Spitzer, 1800 in Oberberg-Eisenstadt, gest. mit 82 Jahren in Eisenstadt 131.
Rebekka (Rosa) kam aus einer alten, angesehenen Familie, die sich im Laufe des 17. Jahrhunderts nach dem Wohnsitz in der niederösterreichischen Gemeinde Spitz an der Donau den Familiennamen „Spitz“ bzw. „Spitzer“ zugelegt hatte.

Vater: Samuel Spitzer, gest. 09. Dezember 1844, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt

Mutter: Sara Spitzer, gest. 16. August 1848, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt

Schwestern: Rösel Austerlitz, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt
Franziska Janowitz

Brüder: Abraham Spitzer, gest. 25. September 1873, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt
Lemmel Spitzer, gest. 12. April 1865, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt

Ehemann: Leopold Wolf, gest. 11. Jänner 1866, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt.

Töchter: Kathi (Elki) Spitzer, gest. 26. Jänner 1885,
Resi Wolf, gest. in Neudörfl 10. Februar 1909,
Fanny Pollak, gest. 12. August 1884,
C/Karoline Stadler,
Lisi Schleiffer, gest. in Keszthely 13. Juli 1887,
Adele (Edel) Latzko, gest. 20. Oktober 1870, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt,
Hanni Kauders, gest. 19. Jänner 1892

Söhne: Adolf, Ignaz


Material und Maße des Grabsteins

Granit, 177/58/32

Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt


Friedhof Eisenstadt (jünger)

| Kommentare (9)

Ungar Samuel – 16. September 1872

Samuel Ungar

Standortnummer: 730

  • Grabstein Ungar Samuel - 16. September 1872

    Foto 1993

  • Grabstein Ungar Samuel - 16. September 1872

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Samuel Ungar: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Samuel Ungar


Anmerkungen

Deutsche Inschrift auf dem Sockel, Grabstein leer.
Das Sterbedatum wurde aus den Sterbematriken ermittelt.

Biografische Notizen

Samuel Ungar, geb. 17. April 1874 in Eisenstadt, gest. im Alter von 5 Monaten.

Vater: Heinrich Ungar
Mutter: Adelheid Riegler

Leopold und Heinrich Ungar waren Brüder, Heinrich Ungar ist am 20. Dezember 1840 in Eisenstadt geboren, der Beruf des Vaters (Moritz) ist mit „Hausierer“ angegeben. Der Grabstein von Heinrich Ungar ist leider nicht am jüngeren jüdischen Friedhof vorhanden. Samuel Ungar ist neben seinem Onkel Leopold Ungar begraben.
Adelheid Ungar, geb. in Kobersdorf, ist am 14. Dezember 1886 im Alter von 39 Jahren in Oberberg-Eisenstadt verstorben. Auch ihr Grabstein findet sich nicht (mehr) auf dem jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt.

Heinrich Ungar und Adelheid Riegler heirateten am 12. Jänner 1869 in Eisenstadt. Der Beruf von Heinrich wird mit Kellermeister angegeben, Wohnort Eisenstadt 14, die Eltern von Adelheid sind Jakob und Babette, Wohnort Kobersdorf 7. Heinrich war zum Zeitpunkt der Hochzeit 27 Jahre, Adelheid 19 Jahre alt.

Matriken Geburt Samuel Ungar

Matriken Geburt Samuel Ungar

Matriken Tod Samuel Ungar

Matriken Tod Samuel Ungar

Matriken Hochzeit Adelheid Riegler und Heinrich Ungar

Matriken Hochzeit Adelheid Riegler und Heinrich Ungar


Material und Maße des Grabsteins

Granit, 157/46/22

Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt


Friedhof Eisenstadt (jünger)

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