Thema: Friedhof Mattersburg
Breuer Isidor / Breuer Israel – 21. Juni 1905
Isidor Breuer / Israel Breuer, 18. Siwan 5665 (Mittwoch, 21. Juni 1905)
Nicht in den Sterbematriken.
Laut Zeile 1 der hebräischen Inschrift wird Israel Breuer 2 Tage nach seinem Tod begraben, nämlich am 20. Siwan ונקבר כ בו, also am Freitag, dem 23. Juni.
Isidor Öhler gibt als Todesdatum den 15. (!) Siwan an. Dagegen sprechen allerdings 2 Gründe:
- Es ist so gut wie ausgeschlossen, dass die Zahl 15 im Hebräischen mit יה geschrieben wird, man würde טו schreiben.
- Das Begräbnisdatum, 20. Siwan, wörtlich “am 20. desselben Monats” כ בו ist deutlich zu lesen. Wäre Israel Breuer am 15. Siwan verstorben, wären 5 Tage bis zu seinem Begräbnis vergangen.
Israel Breuer ist laut Zeile 4 “der Sohn des e(hrbaren) H(errn) Elasar Chajjim Breuer, a(uf ihm sei der) F(rieden)”. Sein Vater war also laut Inschrift ebenfalls schon verstorben (Die Angabe ist korrekt, er starb zwei Jahre vor seinem Sohn, am 15. April 1903 mit 57 Jahren).
Folgen wir dem Kommentar von Carole Vogel, handelt es sich beim Verstorbenen um Isidor (Israel) Breuer, geboren 1872. Er ist also jung, nämlich mit 33 Jahren verstorben.
In Zeile 5 wird der Name seiner Mutter “Fradl” genannt ושם אמו פראדל.
Als Akrostychon findet sich sein Vorname “Israel” in Zeile 6 (horizontal) und von Zeile 6 – 10 vertikal (bzw. 6 – 9) sowie der Nachname “Breuer” in den Zeilen 11 und 12 ישראל ברייער.
In Zeile 13 der Segenswunsch “S(ein Andenken) m(öge bewahrt werden)” זל.
Isidor Öhler bezeichnet die letzten beiden Zeilen des Lobes, also Zeile 12 und 13 als unleserlich. Ich würde sie zwar nicht als unleserlich bezeichnen, kann sie aber, bis auf die ersten beiden Wörter der Zeilen, leider auch nicht sicher lesen bzw. verstehen.
Schischa Elias – 08. November 1927
Elias Schischa, 13. Cheschvan 5688 (Dienstag, 08. November 1927)
Nicht in den Sterbematriken.
Laut hebräischer Inschrift (Zeile 2) war Elias Schischa unverheiratet: הב” für הבחור.
Sein hebräischer Vorname lautet “Elijahu” אליהו. Warum Isidor Öhler in der Umschrift “Elihu” schreibt, ist unklar.
Die (eher ungewöhnliche?) Abkürzung in Zeile 4 גבג”מ lese ich als גבאי דגמלות חסדים. Elias Schischa war also “Vorsteher der (Chewra Kaddischa) für wohltätige Werke”. Update 18. 07. 2011: Meir Deutsch korrigiert dankenswerter Weise diese Lesung, siehe seinen Kommentar unten!
In Zeile 7 erfahren wir, dass Elias Schischa “im Alter von nur 28 Jahren” verstarb כי רק בן כ”ח שנים היה.
Die Namen seiner Eltern werden in Zeile 12 angegeben: “MORENU Abraham Segal, a(uf ihm sei der) F(rieden) und Gütl Zippora, a(uf ihr sei der) F(rieden)” מהו”ר אברהם סג”ל ע”ה וגיטל צפרה ע”ה. Beide Eltern waren also beim Ableben ihres Sohnes ebenfalls schon verstorben.
Anmerkung: MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).
Als Akrostychon findet sich in Zeile 6 (horizontal) sowie von Zeile 6 – 10 sein Vorname “Elijahu” אליהו.
Schischa Pessl – 09. September 1917
Pessl Schischa, 22. Elul 5677 (Sonntag, 09. September 1917)
Nicht in den Sterbematriken.
Pessl ist die “Ehefrau von Herrn Isaak Schischa, a(uf ihm sei der) F(rieden)” אשת ר” יצחק שישא ע”ה. Er war also bei ihrem Ableben ebenfalls schon verstorben .
In der hebräischen Inschrift erfahren wir über ihre Familie sonst nur, dass sie ihre Söhne/Kinder auf dem Weg des Glaubens (wörtl. Gottesfurcht) großgezogen hat (Zeile 9: לגדל בניה בדרכי היראה).
Als Akrostychon findet sich von Zeile 6 – 9 ihr Vorname “Pessl” פעסל.
Zeile 11: Der Name ihrer Mutter war “Mirjam” מרים (Isidor Öhler schreibt den Namen als “Marjam” um, wofür es aber m.E. keine Gründe gibt).
Pollak Raphael – 16. November 1863
Raphael Pollak, 05. Kislev 5624 (Montag, 16. November 1863)
Nicht in den Sterbematriken.
Raphael Pollak wird in der Inschrift als frommer Mann beschrieben, der sich um seine Familie sorgte und die Bedürftigen selbstlos und stets finanziell unterstützte.
Als Akrostychon findet sich von Zeile 6 – 9 sein Vorname “Raphael” רפאל sowie von Zeile 10 – 14 sein Nachname “Pollak” פאלאק.
Raphael Pollak könnte ist (Update 13.07.2011: s. Kommentar von Carole Vogel!) der Vater von Albert Pollak, dem ersten Juden Salzburgs, sein. Siehe auch dort den Kommentar von Carole Vogel. In der Inschrift finden wir leider nur sehr wenige konkrete Hinweise auf die Familie, geschweige denn Namen. Nur in Zeile 7 lesen wir, dass er seinen Lebensunterhalt für Frau und Söhne/Kinder verdiente פרנסה המציא לאשה ובנים.
Dass der Nachname “Pollak” im Hebräischen am Grabstein des Sohnes mit zwei “ל” (l) geschrieben wird פאללאק, am Grabstein des Vaters aber nur mit einem פאלאק, sollte nicht weiter stören und kann jedenfalls nicht als Argument gegen eine Verwandtschaft der beiden dienen.
Breuer Salman – 13. November 1907
Salman (Salomon ben David) Breuer, 07. Kislev 5668 (Mittwoch, 13. November 1907)
Nicht in den Sterbematriken.
Laut hebräischer Inschrift ist Salman (Salom ben David) wohl (Update 11. 07. 2011: siehe Kommentar von Carole Vogel!) der Bruder von Mendl (Menachem ben David) Breuer. Auch die hebräische Inschrift besticht ähnlich der seines Bruders durch eine sehr schöne Komposition, sowohl im Reim als auch im Inhalt.
So lesen wir etwa in Zeile 15, angelehnt an Nachum 2,1 “Die Schritte des Freudenboten werden kommen! Er wird den Frieden verkünden -” רגלי מבשר יבאו! וישמיע שלום .
Salman Breuer wird – obwohl der Inschrift (Zeile 1) der Sterbeort nicht zu entnehmen ist (wie bei seinem Bruder) – zwei Tage später bestattet, nämlich am 9. Kislev ונקבר ט לחודש.
Isidor Öhler liest als Sterbedatum den 07. Kislev 5648. Das ist sicher falsch, weil der vorletzte Buchstabe der Jahreszahl kein Final-Mem (Zahlenwert 40) sein kann.
Eventuell könnte statt “Samech” (Zahlenwert 60 und umgerechnet eben 668) ein “Kaf” (Zahlenwert 20) כ gelesen werden. Das ergäbe den 07. Kislev 5628 (umgerechnet 04. Dezember 1867). Lesen wir statt “Samech” ein “Pe” (Zahlenwert 80) פ, ergäbe dies den 07. Kislev 5688 (umgerechnet 01. Dezember 1927).
Vergleichen wir aber die beiden Grabinschriften der Brüder, so fällt uns die Ähnlichkeit des aufwändig gestalten Textes (des Lobes) auf, die Nennung des Vaters und der Mutter sowie beide Male der Rahmen um den Ruf-Vornamen (Mendl und Salman), was m.E. zumindest ein Hinweis darauf sein könnte, dass die beiden Brüder tatsächlich in nicht allzu großen zeitlichem Abstand voneinander gestorben sind (1907 und 1910), daher die wahrscheinlichste Lesung eben 07. Kiselv 5668 (13. November 1907) ist.
Dass Salman der Sohn von David Breuer ist, lesen wir in Zeile 4 בן כה”ר דוד ברייער.
In Zeile 5 wird der Name seiner Mutter “Schwarzl” genannt ושם אמו שווארצל.
Als Akrostychon findet sich in Zeile 6 (horizontal) der Vorname “Salomon” sowie von Zeile 6 – 15 “Salomon Breuer” שלמה ברייער und in Zeile 16 der Segenswunsch (auch ausgeschrieben) “Dein Andenken möge bewahrt werden” זכרונך לברכה. Update 13. 07. 2011: Siehe Weiteres dazu im Kommentar von Meir Deutsch!












