Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Kategorie: Friedhof Mattersburg

Hirsch Sali / Hirsch Zvi – 21. August 1865

Sáli Hirsch / Zvi Hirsch, 29. Av 5625 (Montag, 21. August 1865) Anmerkungen Zeile 1: „Er starb am Tag 2 (= Montag), Vorabend des N(eumond)t(ages) Elul und wurde begraben am…

Sáli Hirsch / Zvi Hirsch, 29. Av 5625 (Montag, 21. August 1865)

  • Foto: Grabstein von Sáli Hirsch / Zvi Hirsch, 29. Av 5625
  • Datenblatt Isidor Öhler: Sáli Hirsch / Zvi Hirsch, 29. Av 5625
  • Datenblatt Isidor Öhler, Rückseite: Sáli Hirsch / Zvi Hirsch, 29. Av 5625


Anmerkungen

Zeile 1: „Er starb am Tag 2 (= Montag), Vorabend des N(eumond)t(ages) Elul und wurde begraben am darauffolgenden Tag 625 n(ach der kleinen Zeitrechnung)“ נפטר ביום בית ערב רח אלול ונקבר ביום שלאחריו תרכה ל“ .
Das Sterbedatum in der hebräischen Inschrift stimmt exakt mit der Angabe in den Matriken überein. Der Monat Elul hat 2 Neumondtage, der 1. Neumondtag ist der 30. Av, daraus folgt, dass Sáli / Zvi Hirsch am 29. Av verstorben ist.
Öhler verrechnet sich, weil er – wie praktisch immer – den Wochentag (Tag 2 bzw. Montag) nicht berücksichtigt.

Zeile 6/7: „H(ier liegt/ist) g(eborgen) der MORENU Zvi Hirsch, Sohn des Toragel(ehrten) MORENU (7) Natan Nate Jakob aus Sanok (Polen), s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden)“ פ“נ מו“ה צבי הרש בן התו“ מו“ה נתן נטע יעקב מסאנאק זל. „Jakob“ dürfte der Nachname des Vaters sein (siehe unten Akrostychon), der zum Zeitpunkt des Ablebens seines Sohnes ebenfalls schon verstorben war.

MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Öhler hält den Ort „Sanok“ mit dem vorangestellten (hebräischen) „aus“ מ für den Nachnamen des Vaters „Mesonok“, ist sich aber offenbar auch nicht sicher, weil er den Namen mit einem Fragezeichen versieht.

Die drei הה“ה in heller Schrift, vor der Einleitungsformel in Zeile 6 sind wohl später irrtümlicherweise ergänzt worden, machen jedenfalls, zumindest an dieser Stelle keinen Sinn. Wenn schon, dann nach der Einleitungsformel.

Nach der Abtrennungslinie befindet sich die Eulogie, von Zeile 8 – 20?.
Über diese Zeilen verteilt finden wir auch als Akrostycha den Vornamen des Verstorbenen sowie Vor- und Nachname (?) des Vaters:
(8) bis (10): „Zvi“
(11) bis (12) „Sohn von“
(13) bis (15) „Nate“
(16) bis (20) „Jakob“
צבי בן נטע יעקב

Biografische Notizen

Sterbematriken: Hirsch Sáli, geboren in Mattersdorf, verstorben am 21. August 1865 in Mattersdorf, an Herzschlag (Matriken Sopron) / an Fraisen (Matriken Wien)

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Schischa Segal Samuel – 18. Februar 1927

Samuel Schischa Segal, 16. Adar I 5687 (Freitag, 18. Februar 1927) Anmerkungen Zeile 1/2: Sterbeort und -datum: „S(eine Seele) g(ing hinweg) in Forchtenau (Bezirk Mattersburg, Anm.d.V.) am 16. Adar I…

Samuel Schischa Segal, 16. Adar I 5687 (Freitag, 18. Februar 1927)

  • Foto: Grabstein von Samuel Schischa Segal, 16. Adar I 5687
  • Datenblatt Isidor Öhler: Samuel Schischa Segal, 16. Adar I 5687
  • Datenblatt Isidor Öhler, Rückseite: Samuel Schischa Segal, 16. Adar I 5687


Anmerkungen

Zeile 1/2: Sterbeort und -datum: „S(eine Seele) g(ing hinweg) in Forchtenau (Bezirk Mattersburg, Anm.d.V.) am 16. Adar I 687 (2) […] ‚ziehe ich meine Hand zurück‘ (Exodus 22,23) n(ach der kleinen Zeitrechnung)“.

Zeile 1: Wie bei David Levi Segal wird auch hier die Einerzahl der Jahreszahl mit dem Buchstabennamen תרפ זין (hier zur Verdeutlichung getrennt) geschrieben.

Zeile 2: Über dem Wort והסרותי „Ich zog zurück“ deuten Punkte an, dass die Zahlenwerte der einzelnen Buchstaben zusammenzuzählen sind. Die Summe ergibt ebenfalls das Sterbejahr 687, also 1927.

Sowohl über dem Buchstaben פ der Jahrezahl am Schluss von Zeile 1 im Wort תרפזין, als auch über dem ש im 1. Wort der Zeile 2 בשום befinden sich jeweils 3 Punkte. Diese zeigen normalerweise, wie wir auf vielen anderen Inschriften in Mattersdorf/-burg sehen, Abkürzungen an. Warum die 3 Punkte auf den beiden Buchstaben der genannten Wörter gesetzt sind, kann ich mir leider nicht erklären.

Zeile 4: Samuel Schischa wird als קצין bezeichnet, „der Einflussreiche“, war also Gemeindevorstand.

Zeile 5: Nach dem Vor- und Nachnamen des Verstorbenen שמואל שישא findet sich der Namenszusatz „Segal“ סגל. Dabei handelt es sich um einen Stammesnamen, der entweder als Nachname, oder – wie hier – oft auch als Zusatz nach dem Nachnamen zu finden ist. Eigentlich ist der Name ein Akronym für סגן לויה לוים, etwa „Führer der Leviten“.

Obwohl eindeutig von levitischer Herkunft, vermissen wir auf dem Grabstein das Symbol von Krug (und Becken). Allerdings ist in der 3. Zeile zwischen den beiden Buchstaben der Einleitungsformel פנ „H(ier liegt/ist) g(eborgen)“ der Stein etwas ausgebrochen. Vielleicht war an dieser Stelle das Symbol?

Zum Symbol von Krug (und Becken) siehe unseren Lexikoneintrag.

Nach der Abtrennungslinie befindet sich die Eulogie, von Zeile 6 – 12.
Über diese Zeilen verteilt finden wir auch als Akrostycha den Vor- und Nachnamen des Verstorbenen sowie die beiden Vornamen seiner Eltern und den Segenswunsch:
(6) horizontal: „Samuel“
(7) bis (8) „Schischa“, jeweils 2 Buchstaben horizontal
(9) horizontal: „Sohn von“
(10) horizontal: „Pessl“
(11) horizontal: „Isak“
(12) horizontal: „s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden)“
שמואל שישא בן פעסל יצחק זל

Biografische Notizen

Samuel Schischa Segal ist der Sohn von Pessl Schischa, verstorben 1917 und Ingatz / Isak Schischa, verstorben 1885. Siehe dazu auch besonders den Kommentar von Carole Vogel sowie diesen Kommentar von Carole!


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3 Kommentare zu Schischa Segal Samuel – 18. Februar 1927

Bauer Esterl – 09. Oktober 1874

Esterl Bauer, 28. Tischre 5635 (Freitag, 09. Oktober 1874) Anmerkungen Unter der Einleitungsformel und der Einleitung in Zeile 1 finden wir unmittelbar über dem Vornamen der Verstorbenen als (jüdisches) Symbol…

Esterl Bauer, 28. Tischre 5635 (Freitag, 09. Oktober 1874)

  • Foto: Grabstein von Esterl Bauer, 28. Tischre 5635
  • Datenblatt Isidor Öhler: Esterl Bauer, 28. Tischre 5635
  • Datenblatt Isidor Öhler, Rückseite: Esterl Bauer, 28. Tischre 5635


Anmerkungen

Unter der Einleitungsformel und der Einleitung in Zeile 1 finden wir unmittelbar über dem Vornamen der Verstorbenen als (jüdisches) Symbol die Krone (hier: Zeile 2). Dies ist hier – zumindest nach meiner Erfahrung – insofern überraschend, da die Krone bei Frauen praktisch ausschließlich dann zu finden ist, wenn die Frau in der Inschrift als „Krone ihres Mannes“ (Sprüche 12,4) עטרת בעלה bezeichnet wird. Diese Bezeichnung findet sich in der Inschrift bestenfalls andeutungsweise, aber eben nicht expressis verbis.
Wahrscheinlich dürfte sich das Symbol der Krone daher auf Pirke Avot (Sprüche der Väter) 4,17 beziehen, wo es heißt „Drei Kronen gibt es: Die Krone der Tora, die Krone der Priesterwürde und die Krone des Königtums; die Krone des guten Namens aber übertrifft sie alle.“ שלשה כתרים הן כתר תורה וכתר כהונה וכתר מלכות וכתר שם טוב עולה על גביהן.

Und tatsächlich, in Zeile 5, die Zeile sei jetzt vorgezogen, lesen wir: „I(hre Seele) g(ing hinweg) mit gutem Namen (!) (= in gutem Ruf) am 28. Tischre und sie wurde begraben am (selben) Tag hier, 635 n(ach der kleinen Zeitrechnung)“ י“נ בשם טוב כ“ח תשרי ונקברת ביום בו תרלה ל“.

Zeile 3: Unmittelbar unter dem eingerahmten Vornamen „Esterl“ ist noch eine Zeile zu erkennen, deren Buchstaben ich nicht erfassen kann.

Zeile 4 erwähnt den Ehemann: „Gabriel Bauer“ גבריאל בויער.

Die lange und schöne Eulogie, von Zeile 6 – 18, birgt auch das Akrostychon, oder besser, die Namensakrostycha und Segenswunsch:
(6) bis (10): „Esterl“
(11) horizontal: „Ehefrau von“
(12) bis (17): „Gabriel“
(18) horizontal: „I(hr Andenken) m(öge bewahrt werden)“
אסתרל אשת גבריאל זל


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1 Kommentar zu Bauer Esterl – 09. Oktober 1874

Hönigsber Josef – 07. Juni 1861

Josef Hönigsber, 29. Siwan 5621 (Freitag, 07. Juni 1861) Anmerkungen Öhler hält die Inschrift für „Zum größten Teil unleserlich“, was zumindest für den oberen Teil (mit hellem Hintergrund) am Foto…

Josef Hönigsber, 29. Siwan 5621 (Freitag, 07. Juni 1861)

  • Foto: Grabstein von Josef Hönigsber, 29. Siwan 5621
  • Datenblatt Isidor Öhler: Josef Hönigsber, 29. Siwan 5621


Anmerkungen

Öhler hält die Inschrift für „Zum größten Teil unleserlich“, was zumindest für den oberen Teil (mit hellem Hintergrund) am Foto eindeutig zutrifft.

Die kunstvolle Zeilenführung im oberen hellen Teil bedarf einer Anmerkung:

Die Inschrift beginnt mit der Einleitung in der 1. Zeile (rechts natürlich), setzt sich nach dem letzten Wort der 1. Zeile כשת, der Abkürzung für כבוד שם תהלתו „s(ein ehrenvoller), l(obenswerter) N(ame)“ mit dem Namen des Verstorbenen in Zeile 2 (schwarz hervorgehoben) fort: „Josef Hönigsber“ יוסף העניגסבער und fließt dann weiter rechts in die Zeile 4 (Zeile 3 ist die Einleitungsformel „H(ier liegt/ist) g(eborgen)“ פנ), die mit dem Segenswunsch beginnt: „d(as Andenken) d(es Gerechten) m(öge bewahrt werden)“ זצל.

Zeile 4 Fortsetzung: „Er starb mit gutem Namen (= in gutem Ruf) am Tag 6 (= Freitag), d(em Vorabend) d(es heiligen) Sch(abbat), 29. Siwan des Jahres 621 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung)“ נפטר בשם טוב יום ויו עשק כט סיון שנת תרכא לפ“ק.

Im dunklen Teil beginnt die Eulogie, von Zeile 5 – 13.
Die Angabe in den Matriken, dass Josef Hönigsber mit 37 Jahren verstarb, wird in Zeile 5 bestätigt, wo es heißt: „in seiner Blüte gepflückt“ (s. Hiob 8,12).

Als Akrostychon – etwas schlecht zu erkennen – finden sich von Zeile 5 – 13 sein Vorname und Nachname:
(5) bis (8) „Josef“
(9) bis (13): „Hönigsber“, wobei die Zeilen 9 bis 12 jeweils 2 Buchstaben horizontal anführen.
יוסף העניגסבער.

Unter der „Abtrennungslinie“ werden unterhalb der Schlusseulogie noch – aufgeteilt auf 2 Zeilen – die Namen von Mutter und Vater (!) genannt:

(1) „Er wurde geboren von F(rau) Mirjam
(2) (und) MORENU Beer HM (offensichtlich für „Hönigsber“), d(as Andenken) d(es Gerechten) m(öge bewahrt werden)“
נולד מן מ“ מרים
מוה בער הב זצל
.

Ich kann in der Inschrift zwar nirgends den 2. Vornamen „Mose“ erkennen, doch vielleicht könnte Julia Hönigsber-Kohn, geboren 1855, seine Tochter sein? Siehe Kommentar von Carole Vogel!

Biografische Notizen

Sterbematriken: Hönigsber Josef, geboren in Lackenbach, verheiratet, Handelsmann, wohnhaft in Mattersdorf, gestorben am 07. Juni 1861 in Mattersdorf 346, mit 37 Jahren, an Husten, begraben in Mattersdorf.


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1 Kommentar zu Hönigsber Josef – 07. Juni 1861

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