Thema: Friedhof Mattersburg
Löwi Isak / Halevi Isak – 03. Mai 1905
Izsak Löwi / Isak Halevi, 28. Nisan 5665 (Mittwoch, 03. Mai 1905)
Sterbematriken: Löwi Izsak, geboren in Tet, wohnhaft in Mattersdorf 315, verwitwet nach Regina Löwi, geborene Österreicher Regina, Rentner, verstorben am 03. Mai 1905 um 02 Uhr, mit 79 Jahren, an Altersschwäche;
Vater: Löwi David, Tet, (verstorben),
Mutter: Löwie Julia, geborene Schischa (verstorben).
Den in den Sterbematriken genannten Geburtsort können wir weder sicher lesen noch wissen wir, welcher Ort mit “Tot oder Töt” o.Ä. gemeint sein könnte.
Update 21.15h: Es handelt sich beim Geburtsort um Tet in Ungarn, siehe Kommentar von Carole Vogel!
Isak Löwy
Quelle (Löwy-Schischa!)
Der Name des Verstorbenen findet sich in Zeile 6 der hebräischen Inschrift: “Isak Halevi Segal” יצחק הלוי סג”ל.
Anmerkung: Der Zusatz nach dem Nachnamen “Segal” סגל ist ein Stammesname und eigentlich ein Akronym für סגן לויה \ לוים, etwa “Führer der Leviten”.
Siehe auch unseren Lexikoneintrag.
Laut Zeile 7 “verstarb er in gutem Greisenalter und wurde begraben in gutem Namen und mit großer Ehre” נפטר בשיבה טובה ונקבר בשם טוב ובכבוד גדול.
Als Akrostychon finden sich von Zeile 8 – 11 sein Vorname “Isak” יצחק und von Zeile 12 – 13 der Segenswunsch “s(ein Andenken möge) b(ewahrt werden)” זל. Die beiden Wörter des Segenswunsches זכרונו לברכה sind auch jeweils die ersten Wörter in den beiden Zeilen.
Der Name seiner Mutter (Zeile 14) ist Jentel יענטל.
Update 18. August 2010: Seine Ehefrau, Rachel Lea (Regina) verstarb am 07. Oktober 1900.
Löwi Katalin / Halevi Gütl – 25. Juni 1904
Katalin Löwi / Gütl Halevi, 12. Tammus 5664 (Schabbat, 25. Juni 1904)
Sterbematriken: Löwi Katalin, geboren in Mattersdorf, wohnhaft in Mattersdorf 342, verwitwet nach Aron Löwi, verstorben am 24. Juni 1904 um 21 Uhr, mit 85 Jahren, an Altersschwäche;
Vater: Filip Simon, Hausierer, Mattersdorf (verstorben),
Mutter: Löbl Maria, Mattersdorf (verstorben).
Die Datumsdifferenz zwischen hebräischem Datum (1. Zeile; 12. Tammus = 25. Juni) und dem Datum in den Matriken (24. Juni) kommt dadurch zustande, dass Gütl Halevi um 21h (siehe Matriken) und somit zwar noch am 24. Juni, aber bereits am 12. Tammus verstorben ist.
Laut Zeile 6 der hebräischen Inschrift war sie die “Ehefrau d(es Herrn) Aron Halevi, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden)” אשת ה” אהרן הלוי ז”ל.
Siehe auch unseren Lexikoneintrag.
Als Akrostychon finden wir ihren Vornamen “Gütl” גיטל im unteren Teil der Inschrift, dem Lob, in Zeile 1 horizontal sowie von Zeile 1-4 vertikal.
Vorletzte Zeile: “D(er Name) i(hrer Mutter) war Mirjam” ש”א מרים.
Der Grabstein wurde von Öhler zweimal aufgenommen, sowohl Abschrift als auch Foto. Einmal mit Nr. 26a und einmal mit Nr. 16a. Die Abschriften sind identisch, die Fotos nahezu identisch.
Hirschler Abraham
Abraham Hirschler, 15. Nisan 5669 (Dienstag, 06. April 1909)
Nicht in den Sterbematriken.
Abraham Hirschler wird in Zeile 2 der hebräischen Inschrift als “Der erhabene Toragelehrte” התורני הנעלה bezeichnet.
Laut Zeile 6 trägt er den Titel “MORENU Abraham Hirschler” מו”ה אברהם הירשלער.
Anmerkung: MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).
Die Abstammung Abraham Hirschlers finden wir in Zeile 7 und 8: “Enkel und Urenkel (Nachkomme) der überragenden Gelehrten, H(errn) Akiba Eger und H(errn) Bunim Eger, d(as Andenken der) G(erechten) u(nd) H(eiligen) s(ei zum Segen)” נין ונכד להגאונים ר” עקיבא איגר ור” בונם איגר זצו”קל.
Demnach ist Abraham Hirschler also ein direkter Nachkomme von Akiba Eger dem Jüngeren und dessen Bruder Simcha Bunim Eger, der nach Chatam Sofer (dieser verließ Mattersdorf 1806/1807 und ging nach Pressburg) als Rabbiner nach Mattersburg kam.
Todesdatum und Todesort finden wir in Zeile 9: “S(eine Seele) g(ing hinweg) in der Stadt Wien am 1. Tag von Pesach” י”נ בעיר וויען א דפסח.
Kobersdorf Fradl – 12. September 1900
Fradl Kobersdorf, 18. Elul 5660? (Mittwoch, 12. September 1900?)
Nicht in den Sterbematriken.
Die Jahreszahl des Sterbedatums ist in der hebräischen Inschrift (Zeile 1) nicht eindeutig zu lesen. Neben 1900, also 660 תרס, könnte eventuell auch 1860, also 620 תרך oder 1890, also 650 תרנ oder sogar unter Umständen auch 1920, also 680 תרף gelesen werden.
Die Angabe des Wochentages “4. Tag = Mittwoch” ביום ד sollte eigentlich eine sicherere Lesung möglich machen. Da aber in allen genannten Jahren der 18. Elul ein Mittwoch ist, hilft uns die Angabe des Wochentages hier leider nicht weiter.
Jedenfalls wurde Fradl Kobersdrof am selben Tag (Mittwoch, 18. Elul) noch begraben נ”ו”נ.
In Zeile 3 wird Fradl Kobersdorf als “junges (unverheiratetes) Mädchen” נערה bezeichnet.
Sie ist laut Zeile 5 “die Tochter d(es ehrbaren) H(errn) Lemml K(obers)d(orf)” בת כ”ה לעמל ק”ד, der zum Zeitpunkt ihres Ablebens ebenfalls schon verstorben war.
Gelles Judith – 28. Oktober 1921
Judith Gelles, 26. Tischre 5682 (Freitag, 28. Oktober 1921)
Nicht in den Sterbematriken.
Laut Zeile 5 der hebräischen Inschrift ist Judith Gelles “die Ehefrau d(es ehrbaren) H(errn) Josef Gelles” אשת כה” יוסף געללעס, der zum Zeitpunkt ihres Todes ebenfalls schon verstorben war.
Als Akrostychon (Zeile 6 – 10) findet sich ihr Vorname “Judith” יודית – nicht “Jehudit” יהודית wie in der 4. Zeile oder als letztes Wort in Zeile 7.
Interessant, dass die sogenannte Schlusseulogie (Schlusssegen), also der nach 2 Samuel 25,29 abgewandelte Segen gleich zweimal, nämlich ausgeschrieben (und leicht umgestellt) in Zeile 10 und als übliche Abkürzung in Zeile 11 vorkommt, Zeile 10 “Es möge eingeschrieben sein im Bund des Lebens ihre Seele”: תהא צרורה בצרור החיים נשמתה.
Siehe dazu auch unseren Blogbeitrag über die hebräischen Inschriften.
Laut Zeile 12 ist der Name ihrer Mutter “Ester” אסתר.













