Thema: In eigener Sache

‚Best-Blog‘-Blogstöckchen

Kultur- und Social-Media-Bloggerin Tanja Praske hat uns ein Blogstöckchen weitergereicht, und zwar genauer ein „Best- Blog“-Stöckchen, was uns sehr stolz macht – vielen Dank, Tanja! „Blogstöckchen“ meint: BloggerInnen befragen andere BloggerInnen, die wiederum andere BloggerInnen befragen usf. – Blogs werden auf diese Weise miteinander vernetzt, BloggerInnen (und auch BloggerInnen und LeserInnen) lernen einander besser kennen.

Wir bitten um Entschuldigung dafür, dass wir so ungebührlich lange gebraucht haben, hier aber nun endlich unsere Antworten auf Tanjas Fragen:

1) Wer bist du? Und was reizt dich an deinem Job?

In erster Linie bloggen Christopher und Johannes. Ersterer noch ziemlich jung und seit einigen Jahren zweitberuflich Kurator in unserem Museum, Letzterer Museumsleiter und fast schon älter als manches unserer Museumsobjekte … ;-)

Besonders reizvoll finden wir, dass dieser eine Job ausgesprochen viele Jobprofile in sich vereint. Dabei spannt sich der Bogen vom Ausstellungskurator und -guide über den Autor, Referenten und Buchhändler bis hin zum Wissenschaftler, Verwalter, Archivar und Social-Media-Manager. Die Liste ließe sich problemlos fortsetzen … Selbstverständlich gilt das nicht nur für uns, sondern für alle MitarbeiterInnen unseres Hauses und auch für jene in ähnlich strukturierten Museen mit überschaubarem Personalstand.

2) Wie lange plantet ihr die aktuelle Ausstellung/Projekt? Was war die größte Herausforderung dabei und wie wurde diese gelöst?

Die aktuelle Dauerausstellung hatte eine Planungszeit von etwa 2 Jahren; bei (kleineren) Projekten beträgt die Planungszeit in der Regel mehrere Monate bis zu einem Jahr – so zuletzt beim Projekt „Ver(BE)gangen“ anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums unseres Museums.

Die größte Herausforderung – sowohl bei Ausstellungen als auch bei Projekten – ist es, für jüdische und nicht-jüdische BesucherInnen sowie insbesondere auch für Schülerinnen und Schüler gleichermaßen Interessantes zu bieten.

3) Was ist das oder eines der kleinsten Objekte eurer Sammlung?

Wahrscheinlich dieses originelle Sesselchen (Blei, Westungarn, um 1800) – ein Öllämpchen, das zusammen mit 7 weiteren Stühlen als Chanukkaleuchter dient. Ein solcher findet während des 8-tägigen Chanukkafestes Verwendung, wobei an jedem Tag ein weiteres Licht entzündet wird.

Sesselchen als Teil eines Chanukkaleuchters, Blei, Westungarn, um 1800

Das Sesselchen ist 5cm hoch, 1,8cm breit und 1,8cm tief.

4) Gibt es eine kuriose Geschichte/Erlebnis um ein Objekt/Ausstellung? Erzähle sie uns. Es kann auch einfach ein kurioses Objekt aus der Sammlung sein.

Ein Kuriosum aus unserer Sammlung: Hier hat es doch tatsächlich einen katholischen Bischof in eine Pesach-Haggada verschlagen. Und zwar – provokanterweise – als Inbegriff des Götzendienstes … Die Hintergründe erläutern wir im Blog-Artikel „Der Bischof„.

Detail aus Pesach-Haggada, 1740, Hamburg

5) Hast du ein Lieblingsstück? Warum?

Unser liebstes „Ausstellungsstück“ ist zugleich unser größtes, nämlich unsere hauseigene Synagoge – einfach ein Schmuckstück. Und innerhalb der Synagoge wiederum sind es speziell die 755 Jahrzeittafeln – präsentiert an der Ostwand des Raums in Form einer 7 Meter hohen Installation –, die uns immer wieder aufs Neue beeindrucken.

Installation 'Jahrzeittafeln' - Ausschnitt

6) Welches Objekt habt ihr zuletzt warum restauriert bzw. restaurieren lassen und nach welchen Kriterien?

Wiederum ein Groß-„Objekt“, nämlich unser Museum selbst – oder genauer: Teile des Palais, in dem das Museum untergebracht ist. Dieses „Palais im Schtetl“ war das Haus des Hoffaktors und ungarischen Landesrabbiners Samson Wertheimer (gest. 1724) und gilt, nach Schloss Esterházy, als der zweitgrößte und -bedeutendste Profanbau Eisenstadts. Ab 2005 wurde in mehrjähriger Arbeit die Außenfassade des Hauses renoviert – und erstrahlt nun in neuem (altem) Glanz.

Wertheimerhaus, renoviert

7) Welchen Stellenwert besitzt das Blog für das Haus?

Die „Koschere Melange“, die wir seit Sommer 2009 servieren, ist für uns eine zentrale Säule der Kommunikation mit allen, die an unserem Museum, am österreichischen Judentum und am Judentum überhaupt interessiert sind; sie ist, gemeinsam mit Twitter und Facebook, unser stabilstes und nachhaltigstes Online-Tool. Was uns dabei wichtig ist: Alle unsere Online-Aktivitäten, insbesondere auch das Blog, sind für uns nicht vorrangig Reklamewerkzeuge, sondern eigenständige Content-Lieferanten.

8) Hast du einen Artikelfavoriten im Blog? Wenn ja, warum?

Das war schnell entschieden – es ist der Artikel „Mittelalterliche jüdische Gemeinde in Mattersdorf?„. Das Besondere daran: Eine Frage, der maximal regionalgeschichtliche Bedeutung zukommt, sowie eine wenig spektakulär wirkende Tafel mit hebräischer Aufschrift (die naturgemäß in einem deutschsprachigen Blog nur eine überschaubare Leserschaft findet) waren Auslöser für eine angeregte und fruchtbare Diskussion mit nicht weniger als 40 Kommentaren von Leserinnen und Lesern aus aller Welt! Für uns ein beeindruckendes Beispiel dafür, was ein Blog für die museale Arbeit leisten kann.

9) Was bedeutet dir Kultur?

Brotberuf und Leidenschaft.

10) Wenn du kulturell „fremdgehst“ (außerhäusliche Aktivitäten), was machst du?

Auch hier waren wir uns rasch einig: Wir besuchen jüdische Museen (Christopher) und jüdische Friedhöfe (Johannes) in aller Welt. Und außerhalb unserer „Branche“: Zweitwohnsitz Kino, mit Filmen von klassisch bis aktuell (Christopher), und das Erlernen nicht-semitischer Sprachen (Johannes – aktuelles Steckenpferd: Chinesisch).

11) Du hast drei Wünsche frei, welche sind das?

Im beruflichen Bereich? Weniger Opportunismus in der Subventions- und Förderpolitik, weniger Schwellenangst – und über den dritten Wunsch diskutieren wir noch immer … ;-)

Wir reichen das „Best-Blog“-Stöckchen weiter – und zwar mit folgenden Fragen:

  1. Wer bloggt und warum bloggst du / bloggen Sie / bloggt ihr?
  2. Was macht eigentlich ein (sehr) gutes Blogpost aus?
  3. Wie lange arbeitest du durchschnittlich (!) an einem Blogpost?
  4. Wie wichtig sind dir Kommentare bzw. erwartest du bei jedem Blogpost welche?
  5. Hast du einen Artikelfavoriten? Wenn ja, warum?
  6. Pflegst du eine Blogroll? Warum (nicht)?
  7. Hast du ein (Blog-)Vorbild?
  8. Wenn du dir eine/n prominente/n Gastautor/in für dein Blog aussuchen dürftest – wer
    wäre es?
  9. Wie wichtig ist dir das Design des Blogs bzw. nach welchen Kriterien wurde das Design ausgewählt?
  10. Kennst du einige/viele deiner Kommentatoren/Kommentatorinnen auch persönlich?
  11. Gibt es dein Blog im Jahr 2025 noch – und wenn ja, in welcher Form? Und wenn nein, warum nicht?

Und das sind die BloggerInnen, die wir herzlich dazu einladen möchten, unser Stöckchen aufzunehmen:

  • Chajm Guski, mit dem uns eine langjährige Onlinefreundschaft verbindet und der mit „Chajms Sicht“ das wohl wichtigste deutsch-jüdische Blog betreibt.
  • Jüdisches Museum Berlin – das größte jüdische Museum Europas ist auch im Social-Media-Bereich ausgesprochen aktiv, u.a. mit seinem Blog „Blogerim. Aus dem Alltag des Jüdischen Museums Berlin“.
  • dROMa-Blog – bloggt über „Kultur, Geschichte und Gegenwart der Roma und Sinti im Burgenland, in Österreich und in ganz Europa“. Hochaktiv!
  • Monika Bargmann aka library mistress, quasi ein „Urgestein“ im Social-Media-Bereich, die wir auch persönlich lange und gut kennen, mit ihrem Blog „über Bibliothekarinnen und Bibliothekare, Bibliotheken, Archive, Bücher und Datenbanken, Grünzeug, Lesen und Schreiben“.

Wie die Sache funktioniert, das erklärt nochmals Tanja Praske:

  1. Beantwortet meine elf Impulsfragen. Ihr dürft sie euch passend biegen.
  2. Baut das Best Blog Award-Bildchen ein und verlinkt es mit demjenigen der es euch verliehen hat bzw. verlinkt auf den Artikel des Werfers.
  3. Verfasst elf neue Fragen, spielt damit und reicht das Best Blog Blogstöckchen an zehn Blogger eurer Wahl weiter, es können auch weniger sein.

Wir freuen uns auf eure Antworten!

In eigener Sache

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Einladung: Im Dialog …

Die Synagoge im Österreichischen Jüdischen Museum ist ein ebenso prächtiger wie geschichtsträchtiger Raum – nur selten aber sind hier Gebet und Gottesdienst erlebbar. Umso mehr freuen wir uns, dass die Synagoge nach längerer Zeit nun wieder einmal in dieser Weise genutzt wird: Gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde Sopron laden wir herzlich ein zum

Nachmittagsgebet am Schabbat-Vorabend

(Mincha, nach neologem Ritus).

Anschließend wird Gara István, Kantor der jüdischen Gemeinde Sopron, ein kurzes musikalisches Programm vortragen.

Wann: Freitag, 23. Mai 2014, 17.00 bis 18.00 Uhr
Wo: Österreichisches Jüdisches Museum

Bitte beachten Sie: Eine Anmeldung ist erforderlich –

  • per E-Mail: info@ojm.at oder
  • telefonisch: +43(0)2682 651 45

Synagoge im Österreichischen Jüdischen Museum

Das Gebet bildet zugleich den Auftakt zur „Langen Nacht der Kirchen“ in der nahegelegenen Haydnkirche, die dem jüdisch-christlichen Dialog gewidmet sein wird. Details zum nachfolgenden Programm in der Haydnkirche finden Sie auf der Website der „Langen Nacht der Kirchen“ sowie übersichtlich im zugehörigen Programmheft.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der jüdischen Gemeinde Sopron, der Pfarre Eisenstadt-Oberberg und dem „Joseph Haydn Konservatorium“.

Burgenland, In eigener Sache, Leben und Glaube, Veranstaltungen

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Eigenarten des Erinnerns

„Eigenarten des Erinnerns“ ist der Titel eines Beitrags, den wir zur aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „neues museum. die österreichische museumszeitschrift“ beisteuern durften – und den wir nun auch hier im Blog zur Verfügung stellen möchten. Besagter Beitrag ist Grundsatzreflexion, Programmschrift und Standortbestimmung in einem: Orientiert am (von den Herausgebern angeregten) Leitmotiv „Gedenken im Museum“ verknüpft der Text allgemeine museologische Überlegungen zum Thema mit der Präsentation konkreter Programmschwerpunkte, kurz: will Einblick geben in das programmatische Selbstverständnis unseres Museums.
Der Text wurde gegenüber der Print-Version minimal überarbeitet und um weiterführende Links ergänzt. Für die gute Zusammenarbeit danken wir Mag. Sabine Fauland (neues museum).

 

Jüdische Museen sind offenkundig – nicht exklusiv, aber auch nicht zuletzt – Akteure institutionalisierten Erinnerns. Die Spezifizierung dieser Rolle freilich, ihre programmatische Befüllung und museumspraktische Ausführung, ist ebenso wenig uniform wie die regionalen und historischen, finanziellen und politischen, aber auch organisatorischen oder baulichen Kontexte der konkreten Institutionen und – hieran gekoppelte – inhaltliche und kommunikationsstrategische Fokussierungen.

Für das in Eisenstadt ansässige Österreichische Jüdische Museum – eines der ersten seiner Art im Nachkriegs-Europa – ergibt sich die Eigenart, in der es besagte Rolle anlegt, nicht zuletzt aus einem spezifischen lokalen Setting: angesiedelt in einem historischen Palais im ehemaligen jüdischen Viertel Eisenstadts, das in charakteristischen Elementen bis auf den heutigen Tag Bestand hat, damit im räumlichen Zentrum der einstmaligen jüdischen Gemeinde mit ihren religiösen, sozialen, schulischen Einrichtungen, mit hauseigener historischer Synagoge, und kaum 150 Meter entfernt von zwei jüdischen Friedhöfen, mit über 1.400 Grabsteinen. Ein solches Setting nun ist mehr als bloß atmosphärisch opportunes Ambiente, darf nicht lediglich pittoreske Staffage und malerischer Hintergrund des musealen Geschehens sein, sondern muss – gerade an einem Ort, der seit gut 70 Jahren kein jüdisches Gemeindeleben mehr aufweist – selbst zum Schauplatz musealer Arbeit werden; anders gesagt: Eine solche Einbettung fordert unweigerlich dazu heraus, museales Tun nicht primär, nicht verbaliter als „Gedenken im Museum“ zu buchstabieren, sondern entscheidend auch als museale Bearbeitung dieses lokalen Kontextes.

Havdala-Kerze mit Halterung

Das Jüdische Museum versucht seit jeher, dieser Eigenart programmatisch wie methodisch zu entsprechen – und besagte Bearbeitung mit möglichst vielfältigen, gerne auch unkonventionellen und jedenfalls in Sachen Rezeptionsprofile breit gestreuten Mitteln ins Werk zu setzen; was nicht zuletzt meint: methodische Instrumentarien zu entwickeln und zu erproben, die kommunikative Zugänge gerade auch zu jenen und für jene erschließen können, die mit konventionellen Werkzeugen musealer Vermittlung üblicherweise nicht erreicht werden.

Auf genau solcher Linie siedelte etwa das letztjährige Programm Ver(BE)gangen, das – der Idee nach von Projekten in Hamburg (Fußnote*) und Linz (In Situ) hergeleitet – explizit die besagten lokalen Besonderheiten in den Fokus rückte: nämlich mithilfe von rund einem Dutzend Boden-Folien, etwa mit historischen Fotografien oder Auszügen aus autobiographischen Aufzeichnungen (ehemaliger) jüdischer Eisenstädter/innen, montiert – für die Dauer von sechs Monaten – an verschiedensten für das jüdische Eisenstadt in der ein oder anderen Weise belangvollen Orten, innerhalb des jüdischen Viertels und darüber hinaus – ein Programm, das zum einen als „Outdoor-Ausstellung“ für Museumsbesucher/innen gestaltet und entsprechend mit ergänzenden musealen Materialien unterfüttert wurde, zum anderen aber – und nicht weniger – schlicht auch jeden aufmerksamen Passanten adressierte.

Genau die genannten Schwerpunktsetzungen – Abstimmung auf das spezifische lokale Setting, dabei methodisch unkonventionelle Wege beschreitend – spiegeln sich auch in einer Reihe von weiteren musealen Outdoor-Angeboten: so beispielsweise wenn, in Ergänzung des regulären Vermittlungsangebots, unter dem Titel Jewish Sight-Running ein geführter Traillauf zu jüdischen Sehenswürdigkeiten der Umgebung angeboten und so das eigentlich museale Programm durch zusätzliche, sportliche Anreize aufgewertet wird; oder im musealen Einsatz des GPS-Rätsel-Formats Geocaching, wobei Spielteilnehmer auf dem Weg zum museumseigenen Cache durch das ehemalige jüdische Eisenstadt geleitet werden und so vollwertige museale Inhalte in betont spielerischer Aufbereitung angeeignet werden können.
Vergleichsweise traditionell, in der programmatischen Ausrichtung aber den genannten Projekten durchaus verwandt zeigt sich noch ein weiteres Stück musealer Bildungsarbeit: Seit 1993 veranstaltet das Museum regelmäßig Hebräischkurse, im eigenen Haus wie auch in diversen nicht-musealen Bildungseinrichtungen – nicht zuletzt, um Interessierten das sprachliche Instrumentarium zur selbstständigen, avancierten Erkundung regionaler jüdischer Geschichte an die Hand zu geben, schließlich finden sich allein auf den jüdischen Friedhöfen des Burgenlands rund 8.000 hebräisch beschriftete Grabsteine, nicht zu reden von Tausenden Seiten an (nicht oder unzureichend erschlossenen) Archivmaterialien in Hebräisch bzw. Deutsch mit hebräischen Lettern.

Torarollenaufsätze (Rimmonim), Westungarn, 19. Jahrhundert

Für all diese musealen Unternehmungen gilt zudem, dass sie engstens mit dem Social-Media-Engagement des Hauses verknüpft sind: Seit 2009 betreibt das Jüdische Museum das Weblog Koschere Melange – mit mittlerweile rund 400 Artikeln und rund 1.600 Kommentaren –, bespielt regelmäßig diverse weitere Social-Media-Kanäle und zählt, nach Ausweis der gängigen Social-Media-Ranglisten, in diesem Feld mit zu den kontaktstärksten Museen Österreichs. Dabei wird eine weitgehende Verschränkung von Offline- und Online- bzw. Social-Media-Unternehmungen praktiziert, in der beide Instanzen möglichst durchgehend aufeinander verweisen: durch ausführliche Online-Dokumentation musealer Projekte, den Einsatz von QR-Codes usf.
Das Social-Media-Engagement des Museums reicht über die Verzahnung mit Offline-Projekten in programmatischer Hinsicht freilich noch entscheidend hinaus, genauer: Die „sozialen Medien“ stehen nicht lediglich – und noch nicht einmal primär – im Dienste der Bewerbung musealer Offline-Unternehmungen; eine derart beschränkte Social-Media-Policy – die tatsächlich im musealen Sektor nur allzu häufig anzutreffen ist – würde Potential und Eigenart der „sozialen Medien“ gerade unterbieten. Was jene Social-Media-Kanäle – neben der Möglichkeit, das museale Arbeiten in jeder Hinsicht transparent zu machen und unmittelbarem Feedback auszusetzen – an Perspektiven bereithalten, ist eine Darbietung und Diskussion musealer Inhalte gerade auch über Offline-(Stamm-)Klientelen hinaus sowie befreit von der Beschränktheit regionaler Einzugsgebiete (wie sie klarerweise für Offline-Projekte jeglicher Art unweigerlich besteht). Ein eigentlich gehaltvolles und diese Potentiale einlösendes Social-Media-Programm bereitzustellen meint dann – und das Jüdische Museum weiß sich genau diesem Anspruch verpflichtet –, kein bloßes Promotion-Tool für Offline-Projekte zu unterhalten, sondern inhaltlich vielschichtige und abwechslungsreiche museale Informations- und Kommunikationsplattformen zu gestalten.

Dass dabei schließlich die „sozialen Medien“ den musealen Inhalten zu einer tatsächlich weltweiten Verfügbarkeit verhelfen, ist gerade für ein österreichisches jüdisches Museum kein unbedeutender Faktor, ermöglicht bzw. erleichtert dies doch, auch Kontakte zu jenen zu knüpfen und zu pflegen, die – über Grenzen hinweg – am Erbe des einstmaligen jüdischen Lebens des Landes autobiographisch teilhaben, nämlich: zu Nachkommen von einst vertriebenen Jüdinnen und Juden; exemplarisch schreibt etwa eine israelische Blog-Leserin: Sie sei „very grateful„, die qua Weblog gefundenen Informationen über ihre burgenländischen Vorfahren an ihre Kinder weitergeben zu können –

It is amazing to me, who grew up in a distant place to see the evidence of my ancestors‘ existence.

„Gedenken im Museum“: dies mag – in einem weiten Sinne, nämlich: in den vielfältigsten Gestaltungen und Akzentuierungen, die solches „Gedenken“ finden kann – tatsächlich einen beständigen Grundzug in der Arbeit jüdischer Museen beschreiben. Diese Gestaltungen und Akzentuierungen programmatisch und methodisch immer wieder neu zu denken und darin dem Auf-der-Stelle-Treten, ja Erstarren von „Gedenk“-Kultur ebenso kritisch zu begegnen wie einem oberflächlichen, allzu häufig reflexartig beklatschten „Gedenk“-Aktionismus – dies ist deren ebenso beständige Herausforderung.

Wir verabschieden uns mit diesem Beitrag in eine kleine feiertagsbedingte Blog-Pause, wünschen unseren christlichen Leserinnen und Lesern schon jetzt ein frohes Fest und allen eine gute Zeit.

Burgenland, In eigener Sache, Kunst und Kultur

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Ihr sollt die Wahrheit erben

Eine Veranstaltung zum 75. Jahrestag der Novemberpogrome

Das Österreichische Jüdische Museum lädt ein zur Lesung

„Ihr sollt die Wahrheit erben“
mit Anita Lasker-Wallfisch

Wann: Sonntag, 10. November 2013, 18.00 Uhr
Wo: Österreichisches Jüdisches Museum,
Unterbergstraße 6, 7000 Eisenstadt

ACHTUNG, Ortswechsel: Die Veranstaltung findet im Landesmuseum Burgenland, Museumgasse 1, 7000 Eisenstadt, statt (Nachbarhaus).

 

Die Zeitzeugin Anita Lasker-Wallfisch ist eine der letzten Überlebenden des „Mädchenorchesters Auschwitz-Birkenau„. Das Orchester, geleitet von der Mahler-Nichte Alma Rosé, musste für den KZ-Arzt Josef Mengele die „Träumerei“ von Schumann spielen. Anita Lasker-Wallfisch spielte das einzige Cello und konnte so dem sicheren Tod entkommen.

Anita wird 1925 in Breslau als eine von drei Töchtern des jüdischen Rechtsanwalts Alfons Lasker und seiner Frau Edith geboren. Die Eltern werden 1942 deportiert und ermordet, die beiden jüngsten Mädchen kommen in ein Waisenhaus. Bei einem Fluchtversuch werden sie verhaftet und schließlich nach Auschwitz deportiert. Da Anita Cello spielen kann, wird sie Mitglied im Lagerorchester.

Lange Zeit hat sie „ihre Geschichte“ nicht einmal ihren Kindern erzählt, bis sie sich dazu entschloss ihre Erlebnisse aufzuschreiben. Zu diesem Zeitpunkt waren ihre Kinder schon erwachsen. Später wurde diese Niederschrift in dem Buch „Ihr sollt die Wahrheit erben“ veröffentlicht. Anita Lasker-Wallfisch lebt heute in London.

Burgenländische Volkshochschulen in Kooperation mit dem Österreichischen Jüdischen Museum, RE. F. U. G. I. U. S., K.B.K., Evangelischen Bildungswerk Burgenland, Diözesanbeauftragten der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen Dialog. Mit Unterstützung der Kulturabteilung / Land Burgenland.

Wir ersuchen um Anmeldung
Tel.: 02682 613 63 (Burgenländische Volkshochschulen) oder 02682 651 45 (Jüdisches Museum).

Burgenland, In eigener Sache, Veranstaltungen

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Lange Nacht der Museen 2013 – Nachlese

Die Lange Nacht der Museen ist vorbei, wir sind müde, aber auch sehr zufrieden:

Der burgenländische Koscherwein von Familie Hafner hat hervorragend gemundet…

Goldprämierte koschere Weine und Spirituosen

Fragen, Kosten, Informieren ...

die Kinder lösten blitzschnell und souverän die Fragen zu den koscheren und nicht-koscheren Tieren…

Geschenke, Geschenke, Geschenke ...

Die Qual der Wahl ;-)

die Objektführung (Siebensachen) war außerordentlich gut besucht und vor allem das Feedback überaus positiv…

und – wohl nicht nur für uns – am überraschendsten, aber auch besonders erfreulich war, dass bei unserem Sight-Running-Experiment 3 Helden am Start standen –, die doch anspruchsvolle Strecke nachts problemlos bewältigten und nach knapp 2 Stunden wieder wohlbehalten im Museum eintrafen:

3 fitte Mutige!

Aufgenommen auf halber Strecke „beim Juden“ um ca. 23 Uhr

Burgenland, In eigener Sache, Veranstaltungen

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